Journal Freitag, 9. Januar 2026 – Mein erstes Mal Twin Peaks
Samstag, 10. Januar 2026 um 8:19Viel zu früh aufgewacht zu ruhigem Wetter, ich hörte draußen vor allem Tropfen. Woanders waren Sturm und Chaos angesagt, mich erreichte lediglich per E-Mail die Warnung, die Auslieferung meiner Zeitung könne sich verzögern.
Die Zeitung lag dann aber im Briefkasten (in diesem Fall wie in allen solchen: Bitte jederzeit lieber zu früh oder zu streng gewarnt als einmal zu spät oder zu schwach. Siehe Valencia.), auf den Arbeitsweg machte ich mich in milder Luft – und den Blick fest auf den Weg vor mir geheftet, um zwischen Matschpfützen und glattem Ex-Schnee nicht auszurutschen, da half auch noch so regelmäßiger und sorgsamer Winterdienst in Münchens Zentrum nichts. Ich brauchte gefühlt doppelt so lang wie sonst und erreichte mein Büro vollverkrampft.
Erwartet bastliger, unerwartet emsiger Arbeitsvormittag. Unter anderem suchte ich beruflich nach einem Hotel in Berlin Anfang Februrar und kämpfte mit absurd hohen Hotelzimmerpreisen (also: nicht so absurd wie in München zum Oktoberfest, eher normal absurd doppelt so hoch wie gewohnt). Wobei ich auch diesmal nicht so einfach auf den Anlass kam: Es ist alles andere als trivial herauszufinden, welche Großveranstaltung zu einem konkreten Zeitpunkt die Hotelpreise treibt, es gibt keine zentralen Plattformen, die das sammeln. Ich gucke halt einzeln in Messekalender, Konzertkalender – aber wenn der Anlass zum Beispiel ein Sportereignis ist, steht das auch da nicht drin. Früher gab es auf Papier Stadtmagazine, die Veranstaltungen aller Art sammelten, seltsamerweise kenne ich bis heute keine Online-Pendant. Wahrscheinlich frage ich am besten den mir bekannten Hotelbesitzer, woher er eigentlich die Infos für die Preisgestaltung hat. Ein Service des DEHOGA? (Der eine ganze Abteilung für die Recherche beschäftigt?)
Es war dann mein Aufschrei auf Mastodon, der mich zur Info führte: Berlin Fashion Week, 30.1. bis 2.2.
Draußen taute es weiter massiv (laut Wetter-App hatte es die angekündigten 6 Grad), auf meinem Weg zu einem Mittagscappuccino im Westend musste ich nicht mehr ganz so sehr auf Glätte achten, es suppte eher, und in Grünanlagen stand das Wasser.
Vorhergesagt ist fürs Wochenende allerdings wieder Frost: Ich werde meinen Isarlauf sorgsam planen müssen, um Rutschereien zu vermeiden.
Zu Mittag gab es Bananen sowie eingeweichtes Muesli mit Sojajoghurt.
Nach weiteren Emsigkeiten klickte ich mich dann doch durch eine Online-Pflichtschulung, die Hinweise darauf waren widersprüchlich gewesen. Der Abschlusstest war diesmal nicht ganz so bizarr wie auch schon, mit Rumprobieren und Mustererkennung kam ich beim vierten Versuch durch (und mit den Mitschriften und Screenshots aus der Schulung sowie Screenshots meiner vorherigen Antworten, tests test tests) – nach meiner Erfahrung mit vorherigen Pflichtschulungen geht es am wenigsten drum herauszufinden, ob die Mitarbeitenden die Kernpunkte der Schulung wissen.
Freitäglich pünktlicher Feierabend, auf dem Heimweg im Vollcorner Einkäufe für den Abend und fürs Wochenende. Nach Hause kam ich zu einem triumphalen Herrn Kaltmamsell, ich bin mit einem echten Helden verheiratet: Er hatte am Nachmittag den Kühl-/Gefrierschrank abgetaut und gereinigt.
Eine Yoga-Einheit mit rundum Dehnen, das tat gut. Dann öffnete ich unter Umgehung eines Aperitifs Wein, den abgefahrenen Traminer vom Gsellmann.
Wunderbar mit seiner Teerosen-Note, und der Kick des Alkohols entspannte mich schnell.
Nachtmahl waren Kartoffeln und Hokkaido-Kürbis aus Ernteanteil, dazu teilten wir uns ein diszipliniert kleines Rib-Eye-Steak, das ganz besonders gut schmeckte. Nachtisch Stollen und (zu Ende gehende) Schokolade.
Abendunterhaltung: arte zeigt OmU die Fernsehserie Twin Peaks von ab 1990. Ich kann mich gut erinnern, wie stark sie seinerzeit die Gespräche dominierte (hätte sie allerdings nicht ganz so früh eingeordnet), doch selbst habe ich sie nie gesehen, sie fiel in die zwölf Jahre meiner Fernseher-losigkeit. Nur eines von vielen riesigen Löchern meiner TV-Bildung, denn als Kind durfte ich fast nichts fernsehen, und als ich im späteren Teenager-Alter nicht mehr an die Erlaubnis meiner Mutter gebunden war, hatte ich andere Freizeit-Interessen (Ausnahme: Die Zeit, in der ich nach dem abendlichen Ausgehen nachts bei Elterns den Fernseher einschaltete und Kostbarkeiten wie Quadrophenia oder Der Mann, der vom Himmel fiel erwischte – aber das ist ja Film und nicht TV). Als ich mit eben 19 auszog, gehörte ein Fernseher nicht zur Erstausstattung der eigenen Wohnung, ich vermisste nichts. Und so verpasste ich im darauffolgenden Jahrzehnt unter anderem den Siegeszug der Privatsender, der die gesamte TV-Kultur umkrempelte.
Gestern also die Chance, die Bildungslücke Twin Peaks zu schließen (und gleichzeitig endlich mal was von David Lynch zu sehen). Vordergründig fesselte mich die End-80er/Anfang-90er-Ästhetik, ebenso vordergründig schmiss mich die entsetzlich klebrige Italo-Filmmusik immer wieder raus. Und ich fürchte, ich bin zeitlich zu nah dran für einen historisierenden Blick und zu weit weg für Mitfühlen – diese 90-minütige Pilotfolge wirkte auf mich fast wie eine Parodie, obwohl sie ja Basis für so viele Nachahmer war.
Herr Kaltmamsell, der Twin Peaks bei Erstausstrahlung gesehen hatte und einen reichen TV-Hintergrund hat, konnte für mich nachvollziehbar einordnen, warum die Serie damals so eingeschlagen hatte: Davor kannte man in Deutschland aus den USA neben Sitcoms (und Bonanza oder Raumschiff Enterprise) an Fernsehserien Dallas und Denver Clan – das hier war atemberaubend anders.





































