Journal Dienstag, 5. Mai 2020 – WmdedgT
Mittwoch, 6. Mai 2020 um 6:23Am 5. jedes Monats fragt Frau Brüllen: Was machst du eigentlich den ganzen Tag – WmdedgT.
Wecker um halb sechs nach gutem Schlaf.
Die Cafetera zog nicht so recht: Sie brauchte 15 Minuten zum Durchlaufen und produzierte Espressokonzentrat. Das tut sie manchmal, und ich habe noch nicht herausgefunden, woran das liegt. Vielleicht ist sie wetterfühlig. Nach dem Rechneraufklappen bat mich eine Twitter-Umfrage um Teilnahme, na gut. Sie drehte sich um Belästigung und Missinformation – doch vor allem lud sie so langsam, dass sie sehr viel Zeit in Anspruch nahm. Und viele meiner Antworten waren davon geprägt, dass ich ja nicht öffentlich twittere (was allerdings am Anfang abgefragt wurde), außerdem mit viel Mühe unerwünschte Inhalte (Werbung, Likes von andere, Folgeempfehlungen) ausgefiltert habe. Meinen Blogpost über den Vortag hatte ich bereits geschrieben, ich musste ihn nur noch gegenlesen und freischalten.
Draußen wieder der Gesang der Mönchsgrasmücke.
Ich wechselte in Sportkleidung. Zwei Runden Bankstütz mit Fußheben, zwei Runden Seitstütz, dann Schulter- und Rückendehnen im Sitzen – meine Mindestübungen. Gestern war danach wieder Strampeln auf dem Crosstrainer dran, ich verlängerte um die Zeit, die ich bei Heimarbeit nicht zum Büro radeln musste.
Beim Ausschwitzen räumte ich Küche, Schlafzimmer, Arbeitsplatz, füllte eine Waschmaschine heiße Buntwäsche. Duschen und Anziehen – nach den Frier-Erfahrungen der Woche zuvor zog ich zur schwarzen Jeans die allerdicksten Socken über die dünnen Baumwollsocken an, übers T-Shirt meinen dicksten Norwegerpulli, den ich den ganzen milden Winter über nicht gebraucht hatte. Heizung und heißen Tee gab es eh.
Kurz nach acht Arbeits-Laptop aufgeklappt, losgearbeitet. Wie schon die Woche zuvor irritierte mich der Wechsel von MacOS zu Windows. Sonst sind meine Anker: Touchpad/Laptoptastatur = Apple, Mouse und große Tastatur plus großer Bildschirm = Windows. Jetzt kam ich beim Windows-Laptop vor allem bei den Short-Cuts ständig aus dem Konzept und musste darüber nachdenken, was ich eigentlich gerade tat.
Der Himmel lückenlos grau, hin und wieder regnete es ein bisschen. Der Geräuschkulisse nach lief das Versicherungsbüro unter uns in Normalbetrieb.
Zwischendurch ein GUTER Cappuccino, die Cafetera zickte wieder. Wäsche aufgehängt. Beim gelegentlichen Aufschauen vom Bildschirm sah ich Buntspecht, Buchfink, Blau- und Kohlmeisen sowie Amsel auf dem Balkon, Eichhörnchen in der Kastanie. Sehr intensives und anstrengendes Arbeiten, Hauptarbeit war Redigieren und Korrekturlesen eines umfangreichen und komplexen Dokuments.
Mittags schnippelte ich in der Küche Birnen, aß sie mit einem Stück Roquefort und dem Rest misslungenen Brots vom Sonntag über Tageszeitungslektüre. Nachmittagsnack war eine Hand voll Nüsse. Weiter hochkonzentriertes Arbeiten bis an meine Grenzen. Ich machte fast pünktlich Feierabend. Hände und Füße hatte ich trotz aller Anstrengungen nicht warm gekriegt.
Für nach der Arbeit hatte ich Schirmkauf geplant: Ich fühle mich inzwischen reif für einen richtigen schönen erwachsenen Schirm aus dem Schirmladen. Und so steckte ich eine Stoffmaske ein und spazierte über die Sendlinger Straße zum Rathaus, an dessen Ostseite es einen winzigen Schirmladen gibt – der allerdings geschlossen war. Nicht weiter schlimm, ich hatte vor allem einen Anlass zum Rausgehen gebraucht. Wenn ich schon mal in diesem Eck war, schaute ich in der Kosmetikabteilung des Ludwig Beck nach einer Rasierseife für Herrn Kaltmamsell: Er hatte vergeblich nach einer ohne Plastikdose als Füllung für seine edle Holzdose gesucht. Wie erwartet gab es sie beim Ludwig Beck, als Nachfüllung für exakt solch eine Holzdose. (Corona-Maßnahmen: Am Eingang bekam ich ein laminiertes Nummernschild für den Überblick über die Anzahl Kunden, Bereiche waren abgesperrt, alles Personal trug Mundschutz, am Ausgang gab ich mein Nummernschild wieder ab.) Und dann kaufte ich auf dem Heimweg am Standl Rindermarkt gleich noch die ersten Erdbeeren der Saison.
Gehen war allerdings ausgesprochen schmerzhaft: Um das Holen des Abendessens Marke “Wir unterstützen die benachbarte Gastronomie” bat ich Herr Kaltmamsell (während er fort war, schnippelte ich Erdbeeren). Es wurde Vietnamesisches vom Chi Thu.
Von oben Banh Mi Bo, Salat aus grüner Papaya mit Garnelen, Reisnudelschale mit knusprigen vegetarischen Frühlingsrollen. Schmeckte besonders gut!
Danach war wieder Leserunde, auch diesmal virtuell und über Jitsi. Wir sprachen auf meine Bitte über Aldeous Huxley, Brave New World. Nur drei von uns hatten den Roman überhaupt gelesen. Wir sprachen darüber, wie schlecht er gealtert war und wie wenig uns vor 30 oder 40 Jahren die brutale Frauenfeindlichkeit aufgefallen war. (Ausführlich besprochen hatte ich ihn hier.) Für die nächste Runde im Juni verabredeten wir uns optimistisch in einem abgelegenen und wenig besuchten Biergarten.
Meine Mutter rief an und wollte uns nach dem nächsten Schritt der Corona-Lockerung gleich für den Sonntag einladen – ich handelte sie auf ein Wochenende später runter. Zum Tagesabschluss gab es die Erdbeeren.
§
Die deutsche Automobilindustrie, die unsere heimische Wirtschaft seit Jahrzehnten in einem monopolisierten Klammergriff hält und meiner Überzeugung nach ebenso lang nachhaltige Zukuftsorientierung verhindert, die zur finanziellen Bereicherung ihrer Eigentümer und ihres Managements Kunden weltweit belogen und betrogen hat – dieselbe deutsche Automobilindustrie fordert jetzt eine neue Abwrackprämie. Die Wirtschaftswoche, ganz sicher nicht grün-alternativen Gedankenguts verdächtig, hat sich 2010 die wirtschaftlichen Folgen des ersten solchen Geschenks an die deutsche Automobilindustrie angesehen:
“Erschreckende Bilanz der Autoverschrottung”.
Nun, da die Prämie in Deutschland und allen Nachahmer-Staaten ausgelaufen ist und die Verkaufszahlen für die Post-Abwrackprämien-Ära vorliegen, kann Bilanz gezogen werden für eine der teuersten Konjunkturspritzen der deutschen Geschichte. So viel vorne weg: Die Bilanz ist verheerend.
(…)
Die simple Wahrheit ist: 27 Millionen Steuerpflichtige haben zwei Millionen Autokäufern 2500 Euro geschenkt.
SURPRIIIIIIIIISE!
Repeat after me: Die Zukunft der Mobilität kann nicht in privatem Autobesitz liegen.









































