Journal Freitag, 28. Februar 2025 – Absprung in die Faschingstage, Befindlichkeiten

Samstag, 1. März 2025 um 7:34

Aufgewacht mit ungewöhnlich schlechter Laune und Ungehaltenheit. Kenne ich ja, ist irgendwas mit Stoffwechsel und Sich-Anstellen, geht auch wieder vorbei – doch diesmal war eine Note Gereiztheit dabei, die mich zu Selbsterforschung brachte: Gab es vielleicht diesmal einen echten Anlass, so subjektiv er auch sein mochte? Und so kam ich drauf, dass mich einige (nicht besonders relevante) Arbeitsaufgaben belasteten, die schlecht liefen, auf die ich aber praktisch keinen Einfluss hatte. Nach dem Marsch in die Arbeit unter düsterem Himmel und in kalter Luft machte ich mich also an meinem Schreibtisch daran, an allem und jeder, die mir einfielen, zu zupfen und nachzuhaken, um das zu ändern.

Es dauerte aber bis nach meinem Mittagscappuccino (nur einmal quer unterm Heimeranplatz durch), bis es erlösend weiterging, erst von der einen Seite (mit Entschuldigungen wegen Überlastung), dann durch ein informatives Gespräch von der anderen. Meine Stimmung besserte sich dadurch so massiv (jetzt freute ich mich endlich auf die vier freien Faschingstage!), dass ich zugeben musste: Ja, auch banale Arbeitsdinge können mir alles versauen.

Jetzt nahezu ungehindert rödelte ich also los und tat viele Sekretärinnendinge.

Danach gab es zu Mittag Äpfel und Hüttenkäse, anschließendes Weiterrödeln. Vergangene Woche war ohnehin von binge working geprägt: Wegarbeiten mit hohem Druck, dazwischen immer wieder Phasen von Zeittotschlagen, weil nichts vorwärts ging.

Stark erhöhter Blick über eine Großstadt, im Vordergrund links ein angeschnittenes Hochhaus, über der Stadt wolkiger Himmel mit leuchtend blauen Löchern

Zweites Hochhaussteigen, als Vorarbeit für vier Tage ohne.

Nach Feierabend hatte ich einen Termin bei meiner geschätzten Kosmetikerin: Füße schön machen, Gesichtsbehandlung. Erst im Gespräch mit der Fachfrau und beim Austausch von Urlaubsgeschichten stellte ich fest, dass ich seit September 2024 nicht mehr bei ihr gewesen war – irgendwie hatte es immer einen Grund zur Verschiebung gegeben. Kein Wunder, dass ich mich beim Anblick meiner Füße sehr, sehr nach professioneller Fußbehandlung gesehnt hatte. Ich verließ das Kosmetikstudio mit wohligem Gefühl und einer Nagellackfarbenentdeckung.

Heimkehr wenig vor der Tagesschau in eine leere Wohnung: Herr Kaltmamsell traf sich aushäusig mit schwierig zu erwischenden Freunden. Ich machte mir nach Blumengießen und weiteren Handgriffen fürs wochenendliche Brotbacken einen lauwarmen Nicht-Nudelsalat mit roter Paprika, Gurke, Tomate, mit den Nudeln kochte ich ein paar Ernteanteil-Karotten (roh bereiten sie mir seit einigen Jahren leider Bauchschmerzen), in reichlich Joghurtsauce – und genoss ihn sehr. Dann noch mehr Schokolade geschafft, als ich gedacht hätte.

Die Tagesschau holte ich nach, die Weltordnung-erschütternde Attacke Donald Trumps auf den ukrainischen Regierungschef Selenski bei dessen Besuch im Weißen Haus hatte ich bereits im Internet mitbekommen.

§

Prof. Dr. Sophie Schönberger ist Professorin für Öffentliches Recht an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Direktoriumsmitglied des Instituts für Deutsches und Internationales Parteienrecht und Parteienforschung,1 und sie schaut sich im Verfassungsblog zu der Wellen schlagenden kleinen Anfrage der CDU/CSU an:
“Man wird ja wohl mal fragen dürfen?
Zu den verfassungsrechtlichen Anforderungen an die Kommunikation aus dem Parlament”.

Das Fragerecht der Fraktionen, das aus Art. 38 Abs. 1 S. 2 GG folgt, ist ein parlamentarisches Recht zur Kontrolle der Regierung. Einige Fragen in der kleinen Anfrage beziehen sich auf die Arbeit der Regierung und sind daher auch vom Fragerecht umfasst. Ein Großteil der Punkte weist diesen Bezug zur Regierungsarbeit aber gerade nicht auf, sondern richtet sich der Sache nach ausschließlich gegen bestimmte NGOs. Manchmal wird dies mit einem mehr als oberflächlichen Regierungsbezug zu bemänteln versucht, oft auch nicht. Die Prüfung, ob einzelne Bürgerinnen und Bürger sich steuerlich rechtmäßig verhalten, ist hingegen gerade keine Aufgabe des Parlaments, sondern der Finanzbehörden, die dann in gewissem Maße ihrerseits von der Regierung kontrolliert werden, und ggf. der Gerichte. Diese Kontrolle erfolgt dann in entsprechenden Verwaltungsverfahren, die nicht öffentlich sind. Das dient nicht zuletzt auch der Wahrung der Grundrechte der Betroffenen, die auf diese Weise davor geschützt werden, an den Pranger gestellt zu werden.

(…)

Schon die Fragen als solche [stellt] bestimmte NGOs an den Pranger (…) und [schürt] gezielt Verdachtsmomente (…). Aus der verschwörungsideologischen Szene, zu der das Geraune von den „Schattenstrukturen“ in der Einleitung ja durchaus gewisse Bezüge herstellt, ist der Mechanismus gut bekannt, dass weniger gezielte Falschaussagen getroffen werden, als einfach nur konsequent Fragen gestellt werden, die die verschwörungsideologischen Falschbehauptungen nicht als Tatsachen aufstellen, aber über die Frageform doch sehr hartnäckig insinuieren. Man stelle sich einmal vor, eine Bundestagsfraktion würde im Rahmen ihrer politischen Agenda gegen häusliche Gewalt die Frage an die Bundesregierung stellen: „Schlägt Ulf Poschardt seine Frau?“ Auf diese Weise wolle man kontrollieren, ob die Strafverfolgungsbehörden auch ihre Arbeit erledigten und genug gegen häusliche Gewalt getan wäre. Es liegt völlig auf der Hand, dass allein schon die mit der Fragestellung verbundene Unterstellung die Grundrechte von Ulf Poschardt verletzte, selbst wenn die Bundesregierung später antworten würde, dass ihr dazu keine Erkenntnisse vorlägen.

§

Einerseits tut mir schon beim Lesen das Herz weh, andererseit ist der Umgang von Mek wohl der beste mit einer Mutter auf dem Weg in die Demenz.
“In der Gegenwart sitzen.”

Wir können es nicht mehr ändern. Ich kann ihr nur eine schöne Gegenwart geben.

  1. Haha, da hab ich’s mit “Sekretärin” echt einfach. []
die Kaltmamsell

Lieblings-Breviloquia* Februar 2025

Freitag, 28. Februar 2025 um 16:14

Auf Mastodon:

Auf Bluesky:

*”Breviloquia” erscheint mir ein deutlich praktischerer Begriff als Microblogging-Posts, siehe entsprechenden von gestern.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 27. Februar 2025 – Von Alltag bis Hupfkastl

Freitag, 28. Februar 2025 um 6:14

Gut geschlafen, kurz vor Weckerklingeln aufgewacht.

Zu meiner Überraschung tagte es wolkenlos, wundervolles erstes Sonnenlicht auf meinem Weg in die Arbeit bei deutlichem Frost.

Das angekündigte ungemütliche Wetter kam mit Verspätung: Der Himmel zog komplett zu, mittags begann Regen. Da war ich zum Glück bereits von meinem Mittagscappuccino im Westend zurück.

Zu Mittag gab es eingeweichtes Muesli mit Joghurt; untergemischt hatte ich auch ein wenig Zitronat- und Orangeatreste von der Weihnachtsbäckerei: Eine ausgezeichnete Idee, das Muesli schmeckt sehr fruchtig.

Ein seltsamer Arbeitstag war das gestern, auch weil ich nicht allein im Büro saß.

Heimweg im Trockenen aber in winterlicher Kälte über ausführliche Lebensmitteleinkäufe, unter anderem für den Freitagabend vor langem Faschingswochenende, den ich allein feiere.

Zu Hause war noch Zeit für eine längere Folge Yoga-Gymnastik vor ersten Handgriffen fürs wochenendliche Brotbacken. Dann servierte Herr Kaltmamsell denn viel befreuten Spinat aus Ernteanteil (Frischzeug!) als spanisches Gericht mit Kichererbsen (aus Immer schon vegan von Katha Seiser).

In einem weißen tiefen Teller eine Suppe aus Spinatblättern und Kichererbsen in roter Brühe

Ganz wunderbar. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

§

Nicht mehr taufrische News, rechtzeitiges Veröffentlichen vergessen:
Unser Kartoffelkombinat ist eine der beiden ersten Slow Food Farms in Deutschland!

§

Interessante Details, warum viele Auslandsdeutsche zu spät ihre Briefwahlunterlagen bekamen – es scheint wohl hauptsächlich am individuellen Vorgehen der Kommunen gelegen zu haben:
“Schlechte Vorbereitung und Schneckenpost”.

§

Hupfkastl gehörte zu meinen Lieblinsspielen in der (eher späteren) Kindheit – auch wenn meine Spielkamerad*innen und ich nie rausfanden, worin das Spiel außer dem Hüpfen bestand und warum Ziffern auf den Feldern standen. Über Letzteres waren wir uns einig, in dieser Reihenfolge war ein Steinderl aufs Feld zu werfen, das beim Zurückhüpfen aufgehoben werden musste – aber uns fiel keine Regel ein, die das irgendwie in Punkte umsetzen würde (Kinderspiele bestanden bei uns vielen Kindern im Wohnblock meiner Erinnerung nach zu einem großen Teil im Aushandeln von Regeln). Egal, hier ein wundervolles Beispiel – ob das vor unserem Haus in der Innenstadt funktionieren würde?
(Zudem ein schönes Beispiel, wie unterschiedlich arabische Ziffern in westlichen Kulturen geschrieben werden.)

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 26. Februar 2025 – Zsuzsa Bánk, Der Schwimmer

Donnerstag, 27. Februar 2025 um 6:25

Zsuzsa Bánk, Der Schwimmer ist ein seltsames Buch (ich konnte mich nicht mehr erinnern, wie ich draufgekommen war). Eine Mutter geht weg von ihre Familie mit zwei Kindern auf dem Dorf, beide noch recht klein. Die Geschichte wird aus der Perspektive des älteren Kinds erzählt, fast ohne Filter der späteren Erwachsenenperspektive, lediglich mit erwachsener Sprache. Sie hat einen kleinen Bruder, Isti. Schnell ist klar, dass wir uns in Ungarn befinden, doch ich brauchte eine ganze Weile, bis ich die Geschichte zeitlich einordnen konnte (mag an meinem mangelnden Wissen über Ungarn und seine Nachkriegsgeschichte liegen – oder daran, dass ich keine Klappentexte von Büchern lese). Die Mutter ist wohl nach der Niederschlagung des ungarischen Volksaufstands 1956 in den Westen geflohen, mit nichts als was sie am Leib trug.

Die Erzählstimme bleibt ganz nah an der Erzählgegenwart, in der der Vater der beiden mit seinen Kindern das Dorf verlässt, erst zu Verwandten nach Budapest geht, dann zur Großmutter der Kinder in einem anderen Dorf, dann wieder zu entfernteren Verwandten an einem sehr großen unbenannten See. Er kümmert sich kaum um die beiden. Der kleine Isti lernt im See schwimmen, ist begeistert davon, wird zum Schwimmer des Romantitels. Einmal kommt die Großmutter zu Besuch, sie erzählt anhand von Briefen der Mutter aus dem Westen, wie sie mit einer Freundin fortgegangen ist, was sie erlebt hat, wo sie arbeitet.

Die Perspektive des Kindes bedeutet auch, dass nichts erklärt wird, keine Zusammenhänge, ob historisch, technisch, geografisch oder gesellschaftlich – außer eine der Figuren sagt sie explizit, doch diesen Kindern wird fast nie etwas erklärt. Das ist erzähltechnisch konsequent, macht die Atmosphäre fast märchenhaft, löste aber bei mir den Wunsch nach einem Begleitheft mit weiterführenden Informationen aus – und sei es über den Weinanbau am Balaton. Es gibt keinen Spannungsbogen, nur eine Aneinanderreihung von Erlebnissen, aus denen das Leben der Erzählerin besteht; die Kapitel sind mit Namen der Personen überschrieben, die darin im Mittelpunkt stehen. Wir erfahren viel darüber, wie der kleine Isti all das verarbeitet, aber kaum etwas über die Gefühle seiner großen Schwester Kata. Von Schulbesuchen ist nie die Rede. Der Roman hinterlässt mich recht ratlos.

Kleine orthografische Eigentümlichkeit: Es wird immer kk statt ck geschrieben.

§

Eigentlich eine gute Nacht, doch nach dem Klogang um fünf schlief ich nicht mehr ein, obwohl noch sehr müde.

Beim Marsch in die Arbeit unter gemischtem Himmel merkte ich erst an der zweiten Ampel, dass es recht frisch geworden war und setze mein Stirnband auf.

Am Schreibtisch erstmal Dinge weggeschafft, dann gab es eine interne Info-Veranstaltung aushäusig im Backstage, zu der ich marschieren konnte, hin und zurück in kühler, aber angenehmer Luft.

Mittags zurück im Büro schaufelte ich das zwischenzeitlich Reingekommene weg, mehrsprachig (in meiner Arbeitswelt die große Ausnahme).

Als Mittagessen gab es selbstgebackenes Brot und die vorerst letzte Orange – die sauerste der gesamten süßen Lieferung.

Emsiger Nachmittag. Einmal hörte ich
*popp* *popp-popp* *popp* *popp* *popp* *popp-popp*
Ich schaue aus dem Fenster und sah einen jugendlichen Burschen vorbeigehen: Selbstverständlich kann man einen Basketball nicht anders transportieren, weiß ich doch.

Heimweg nach Feierabend ohne Umwege. Nach meiner Yoga-Gymnastik servierte Herr Kaltmamsell Sauerkraut und Kartoffeln aus Ernteanteil so:

Gedeckter Tisch  mit grünen Sets, darauf Glasteller mit Bratwurst, Kartoffelpü und Sauerkraut, dazwischen zwei Gläser Senf

Gut! Nachtisch Schokolade.

Wieder war ein bestelltes Buch genau zum richtigen Zeitpunkt in der Münchner Stadtbibliothek verfügbar: Im Bett begann ich die Lektüre von Rebecca F. Kuang, Yellowface, gleichmal sehr süffig.

§

Diesmal ist es nicht Trump in den fernen USA, sondern die eben am meisten gewählte Partei in meiner Bundesrepublik Deutschland. Und ich überlegte durchaus erstmal, ob der Protest dagegen eine Überreaktion ist (ich bin des Protestreflexes so müde!). Ergebnis: Nein, ist es nicht. In meinem Sichtfeld war es der damalige CSU-Generalsekretär und heutige Bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Markus Blume, der 2018 erstmals das Trump-Playbook in Reinform nachspielte, nämlich einfach das Gegenteil der Tatsachen als Realität zu behaupten: Als er die Demo gegen Hass und Hetze kurzerhand zu einer Hass-Aktion umdefinierte (entsprechende Plakate auf Kleinlastern entlang der Demo-Strecke, mir blieb kurzzeitig die Luft weg).

Davon haben seine Partei-Kollegen gelernt, das zeigten die Wahlkampf-Behauptungen von Friedrich Merz. Und so stellt die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag eine Kleine Anfrage “Politische Neutralität staatlich geförderter Organisationen”. Der deutsche Journalistenverband nennt sie “551 Messerstiche ins Herz der Demokratie”. Nicht nur dieses seriöse Medium beleuchtete die Tatsachen zu Förderprogramme und Gemeinnützigkeit, hier die Erklärungen auf tagesschau.de (“Müssen NGOs politisch neutral sein?”) und beim Bayerischen Rundfunk (“‘Retourkutsche’ nach Demos? CDU/CSU und die NGO-Finanzfrage”).

Nachtrag: Es gibt eine offizielle Bundestags-Petition “Sicherstellung einer langfristigen ausreichenden Finanzierung für zivilgesellschaftliche Initiativen”. Sie wurde bereits am 19. Januar 2025 gestartet, wohl aus tiefer Kenntnis der Lage. Die Mitzeichnungsfrist läuft noch bis zum 1. April, ich habe gleich mal mitgezeichnet.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 25. Februar 2025 – Ein Feuerwerk der Belanglosigkeiten

Mittwoch, 26. Februar 2025 um 6:14

Leicht unruhige Nacht.

Marsch in die Arbeit wieder in milder Luft, diesmal aber unter bedecktem Himmel.

Emsiges Abarbeiten von Dingen, bevor mich Besprechungen belegten (darunter eine, in der aus Gründen das Ergebnis der Bundestagswahl aus einer bestimmten Fachsicht eingeordnet wurde – das tat in seiner geballten Sachlichkeit ohne Prognosen, Bewertung oder Spekulation ungeheuer gut).

Spät schoss ich auf einen Mittagscappuccino ins Westend, jetzt zeigte sich sogar die Sonne. Wegen Arbeitsdrucks schoss ich auch zurück. Verspätetes Mittagessen: Sellerielinsen vom Vorabend, Orangen.

Auf Mastodon heiterer Austausch unter Wahlhelfenden zu Wahlabläufen in Berlin, Hamburg, Erlangen, München. Interessant natürlich die Unterschiede, so werden in Hamburg und Erlangen die Wahlbenachrichtigungen einbehalten und zum Gegenrechnen gezählt (in München geben wir die den Leuten wieder mit: Sie sind im Wählerverzeichnis abgehakt, wer abgehakt ist, darf nicht mehr wählen). Unterschiede natürlich nur in der Organisation des Ablaufs, Gesetzesbasis ist ja überall gleich.

Als ich nach Feierabend das Bürohaus verließ, sah ich nassen Boden – den Regen hatte ich nicht mitbekommen. Diesmal ein größerer Einkaufsumweg: Ich nahm eine U-Bahn zum Ostbahnhof, um bei Mittemeer Spanisches zu besorgen.

Fotoautomat vor rot gefliester Wand

Im Ostbahnhof-Durchgang unter den Gleisen Stopp mit quietschenden Sohlen: Ein Fotoautomat! Endlich hatte ich die Gelegenheit, mein Fotoprojekt weiterzuführen (seit fast 20 Jahren Fotoautomataufnahmen – geplant monatlich, tatsächlich alle paar Monate, Ziel ist Alterungsdokumentation mit festen Parametern). Das hier war eine neue Technik-Generation mit Bezahlmöglichkeit ohne Bargeld (der Kampf mit dem Einlesen meiner Mastercard setzte die Tradition der Probleme mit Münzen fort, ich schaffte es letztendlich mit Handybezahlung), vier verschiedenen Aufnahmen (die alten Automaten hatten zwar vier Aufnahmen erstellt, doch ich musste mich für eine davon entscheiden, die viermal gedruckt wurde) und für 5 Euro statt vorher 3,50 Euro – was ich als erste Preiserhöhung in 20 Jahren wirklich in Ordnung finde.

Vier verschiedene Automatenfotos einer Frau mit kurzen weißen Haaren und Brille

Hurra!

Bei Mittemeer bekam ich nicht nur die geplanten Lebensmittel, sondern auch das Peperoncino-Öl, das ich in den vergangenen Wochen vergeblich gesucht hatte.

Daheim nahm ich mir noch die Zeit für Häuslichkeiten und Yoga-Gymnastik, dann servierte Herr Kaltmamsell Kartoffeln und Petersilienwurzeln aus Ernteanteil mit Schälerbsen und Räuchertofu (Alnatura-Eigenmarke – nicht gut, weil muffig) als Eintopf – gutes Abendessen! Nachtisch Schokoladen-haltige Süßigkeiten.

Nicht nur nachts müffle ich, derzeit habe ich wieder eine (wahrscheinlich hormonell bedingte) Stinkphase: Selbst mit allerstärkstem Deo und in allerfrischestem Oberteil bemerke ich innerhalb von Minuten stechenden Schweißgeruch. Wenn Sie als unangenehm empfinden, mit einer anderen schweißelnden Person die Atemluft zu teilen (tue ich zum Beispiel) – dann stellen Sie sich mal vor, wie es ist, selbst die Quelle zu sein. Nicht schön. Ich werde ganze Stapel Oberteile 24 Stunden in Wäschedesinfektion einweichen müssen.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 24. Februar 2025 – Milde Luft und Wahlfolgen

Dienstag, 25. Februar 2025 um 6:17

Unruhige Nacht: War zu erwarten nach der Aufregung am Vorabend, zusätzlich hatte eine Männergruppe große Gaudi um die Parkbank, die meinem Schlafzimmerfenster am nächsten liegt – ich musste das Fenster schließen.

Blick über eine große freie Fläcge auf ein historisches Säulengebäude in Morgensonne, im Vordergrund ein Straßenschild "Bavariaring"

Marsch in die Arbeit durch angenehme milde Luft.

Im Büro ergoss sich gleich mal ein Schwall Aufwändiges aus meinem elektronischen Postfach, jemand hatte das Wochenende durchgearbeitet. Außerdem bin ich die kommenden beiden Wochen wieder dran mit einem wechselnden Jour-Dienst, vor dem ich mich besonders fürchte. Die ersten Stunden am Schreibtisch war ich also in Panik-Modus, unangenehm. Neben dem Panik-Modus Müdigkeit und Kreuzweh, keine gute Kombination; ich nahm jede Gelegenheit wahr aufzustehen, rumzulaufen, irgendwas körperlich zu tun.

Die meiste Zeit hatte ich mein Bürofenster gekippt, um mir Frühlingsluft einbilden zu können (ist definitiv noch nicht so weit). Und meinen Mittagscappuccino holte ich mir zwar nur in der Nachbarcafeteria, marschierte anschließend aber noch eine Runde um den Block mit offenem Ledermantel.

Als Mittagessen gab’s später einen Kanten Brot und zwei Orangen. Der Arbeitsnachmittag verlief geordneter.

Heimweg über ein paar Edeka-Einkäufe, es war noch milder geworden.

Zu Hause Wäschewaschen, Yoga-Gymnastik, Brotzeitvorbereitung. Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell den restlichen Ernteanteil-Sellerie mit Linsen und Tomaten zu einem Auflauf verarbeitet, durchaus schmackhaft. Ich reichte dazu eine Schüssel Endiviensalat mit Himbeeressig-Dressing. Nachtisch Schokolade.

Endlich die Anfrage für meine diesjährige Oktoberfestflucht abgeschickt, ich möchte in den englischen South Downs wandern und anschließend eine Woche in Brighton verbringen. Laut meinen Recherchen sollten diesmal An- und Abreise per Zug supereinfach sein, doch noch war ich auf keiner tatsächlichen Buchungs-Webpage.

Früh ins Bett zum Lesen.

§

Wahlergebnis München (ich näherte mich vormittags dem Schlimmen von der Seite des wahrscheinlich weniger Schlimmen):
– Bei der Erststimme haben die Grünen sogar ein Plus, aber Zweitstimmenzuwachs für AfD sogar hier bei 4,8 Prozentpunkten (ebenso wie bei der Linken).
– FDP minus 5,5 Prozentpunkte bei Erststimme, minus 7,6 bei Zweitstimme (praktisch nachträglich aus dem Bundestag gekickt)

Jetzt traute ich mich, auf die bundesweiten Ergebnisse zu schielen: Die befürchtete Verdoppelung der destruktiven Anwesenheit von Rechtsextremisten im Bundestag war eingetreten, doch die Mehrheitsverhältnisse sahen zu meiner Erleichterung nach einer baldigen Regierungsfähigkeit aus, noch ein Glück (und wir wissen, was die Tante Jolesch über noch ein Glück gesagt hat). Inniger Wunsch, dass die Medien für welche Regierungskoalition auch immer sich jetzt ergibt nicht wieder bescheuerte Bilder wie “Ampel” verwenden.

Und so fühlte ich mich gut über den Wahlausgang informiert, vermisste keines der Informationsangebote ab erster Hochrechnung (Interviews/Talkrunden mit Politiker*innen sind ja eher Emotionsangebote, wenn ich die Reaktionen in meinem Internet so ansehe).

§

Auch eine Wahlhilfe-Erfahrung:

Was mir klar wurde: sobald diese Leute an der Macht sein werden, machen sie Ernst. Und sie gingen davon aus, dass wir so handeln wie sie handeln würden. Dass wir die Wahl manipulieren. Dass wir Stimmen nach dem Zählen austauschen, so wie sie es machen würden – denn sonst würden sie ja nicht annehmen, dass wir es täten.

Der ganze Text:
“Von sich auf andere”.

Deshalb ist es wichtig, noch so absurde Unterstellungen von Rechtsextremen ernst zu nehmen: Das sind in Wirklichkeit ihre eigenen Pläne.

Auch das Briefwahlauszählen war natürlich öffentlich, wir wurden in der Schulung auf Wahlbeobachter vorbereitet – zumindest an meinen Tisch/Raum kam niemand.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 23. Februar 2025 – Zum ersten Mal briefwahlgeholfen

Montag, 24. Februar 2025 um 6:33

Eine Ursache des Speed-Müffelns meines Bettzeugs ist wahrscheinlich, dass ich derzeit viel schlafschwitze (als lebenslange Schlafschwitzerin kenne ich den Unterschied zum quälenden Wechseljahr-Schwitzen), selbst unter der neu entdeckten Schurwoll-Decke.

Früh aufgewacht. Seltsames Gefühl, an einem Wahlsonntag nicht kurz vor sieben das Haus zu verlassen zum Aufbauen im Wahllokal: Mein Dienst bei der Briefwahlhilfe begann erst um 14:45 Uhr. Deshalb hatte ich das Durcharbeiten der Schulungsunterlagen auch auf Sonntag verschoben.

Und ich hatte Zeit für einen Isarlauf, trat ihn allerdings früher als sonst an: Tram zum Tivoli, Lauf nach Norden isarabwärts.

Der Himmel trüb, die Luft eher mild, aber nicht erschreckend mild. Mein Körper spielte gut mit – bis auf die letzten 15 Minuten von 100, jetzt schmerzten Hüfte, linkes hinteres Bein.

Blick über eine Absperrung auf einen Bach, der über Steine in einen Fluss läuft, über dem Fluss auf Betonpfeiler eine Brücke

Fluss mit großen Steinen, am gegenüberliegenden Ufer kahle Bäume und ein Kirchturm

Tram zurück ans Sendlinger Tor, von dort spazierte ich weiter ins Wahllokal. Die Abläufe sind mittlerweile wohl wirklich über Schulungen standardisiert – ich hatte als Schriftführerin die alten Hasen zu fürchten gelernt, die als Vorsitzende ihre “Tricks, wie’s schneller geht” durchsetzten und damit alles durcheinander brachten.

Nach dem Duschen war Zeit für die Wahlhilfe-Unterlagen, ich fühlte mich als Schriftführerin halbwegs sicher, sogar dreiviertelwegs. Als Frühstück gab es ein mächtiges Käsebrot aus selbstgebackenem und zwei Orangen.

Frau mit weißen kurzen Haaren und Brille fotografiert sich im Dielenspiegel, trägt schwarzen Mantel, Jeans, blau-braune Lederschnürschuhe, eine halbrunde Tasche quer über den Körper aus hellem Leder und blauem Kunststoff

Ready for Briefwahlhelfen. Passender Anlass für den ersten Einsatz meiner neuen Tasche (von Zirkeltraining, aus alten Turnhallenmaterialien, ich wollte unbedingt ein Modell mit Turnmatte neben Bockspringleder, Circular Economy or what?). Ich nahm eine U-Bahn zum Georg-Brauchle-Ring, mein Einsatzort war das Berufsschulzentrum an der Riesstraße – und der von vielen, vielen anderen Wahlhelfenden auch, die weitläufige Anlage (Haus 1 bis 5) wurde emsig genutzt.

Ausschnitt aus einem Schulzimmer, im Vordergrund auf einem Tisch ein aufgeklappter Laptopn in einer Halterung, im Hinergrund weitere Tische und Stühle, an der gegenüberliegenden Wand eine Reihe Computerbildschirme

Mein Einsatzplatz als Schriftführerin.

Und dann tat ich, wofür ich geschult worden war, genoss die “Tischbetreuung” (IT- und sonstiger Service direkt vor Ort), lernte sieben Frauen verschiedenen Alters kennen, kam insgesamt mit allem gut zurecht. Kurz nach sieben gab es wie angekündigt die Nachlieferung an Briefwahlbriefen, auch für diese Handgriffe gab es eine Anleitung. (Einige Erlebnisse und erzählwürdige Anekdoten, vor allem menschlich, die hier halt nichts zu suchen haben. Aber auch deshalb empfehle ich Wahlhelfen von Herzen.)

Blick aus Fenster auf einen Basketballplatz in Abenddämmerung, dessen Boden hügelig ist, im Hintergrund Bürogebäude

Pause kurz vor sechs (Start Öffnung der Stimmzettel, davor hatte wir die Wahlbriefe auf Gültigkeit geprüft, die geschlossenen Stimmzettel-Umschläge der gültigen Wahlbriefe in die versiegelte Wahlurne geworfen), Gelegenheit für einen Blick nach draußen – hat man Basketballplätze jetzt so?

Wir kamen flott und professionell durch, 20:15 Uhr verabschiedeten wir uns bereits voneinander. Und nach ein wenig Warten auf die nächste U-Bahn kam ich noch vor neun nach Hause – wo Herr Kaltmamsell, gestern im Briefwahlhilfe-Einsatz an der Münchner Messe, schon seit einigen Minuten wartete, auch sein Team war gut durchgekommen.

Ich hatte ein wenig Brotzeit eingepackt gehabt, doch wie erwartet brachte ich in der Anspannung keinen Appetit auf. Jetzt aber hatte ich Hunger und aß einen Teller Orangenschwein vom Vorabend, dann noch Schokolade.

Von den Wahlergebnissen hielt ich mich gezielt erstmal fern, die würden mich am nächsten Morgen noch früh genug erwischen. Aufgekratzt ins Bett.

die Kaltmamsell