Bücher

Journal Freitag, 6. Januar 2017 – Kl. Kälte und Kochen mit Herz

Samstag, 7. Januar 2017

Feiertag!
Eigentlich hätte ich große Lust auf Laufen gehabt, zumal die Sonne schien, doch die angekündigte Kälte war tatsächlich gekommen: Minus zehn Grad. Und aus Erfahrung weiß ich, dass deutliche Minusgrade beim Laufen sehr unangenehme Dinge mit meiner Lunge tun.

Also statt dessen Schwimmen in Olympiabad, mit langsamem Rausradeln, um nicht zu sehr aus der Puste zu kommen. Und, wie es sich herausstellte, um keine Fußgänger umzufahren, die ortsunkundig nicht wussten, dass sich unter der Schneedecke, auf der sie gerade spazierten, ein Radweg befand.

Winterradeln: Dicker Pulli, Schneeschuhe, Wintermantel, dicke Mütze, dicker Schal, Warnweste (auch als Windbraker), Skihandschuhe.
(Sommerradeln: Straßenschuhe. Vielleicht Jacke.)

Das Schwimmbecken war überraschend leer; am Feiertag nach Jahreswechsel hatte ich reichlich Vorsatzsportelnde erwartet. Nun bin ich gespannt, wie lange diesmal der Chlorschnupfen anhält; der vom Montag war mit gut anderthalb Tagen ein Rekord.

Nach dem Frühstück zur späten Mittagszeit ging ich sogar nochmal raus, zum Spazierengehen, Sonne Gucken, Pokémon Jagen und Schritte Einlaufen für das blöde Xiaomi Mi, das Schwimmen nicht als Bewegung erkennt. Trotz der knackigen Kälte waren viele Leute unterwegs, darunter wieder viele mit Schlitten.

Das Abendessen bereitete ausnahmsweise ich zu: Zitronen-Rahm-Herz aus der Jahrezeiten-Kochschule Winter von Richard Rauch und Katharina Seiser. Das hatte ich schon länger geplant, und dann verbloggte die Autorin das Rezept auch noch.

Auch die Rezepte für die eingeforderte Rinderbrühe und für die Semmelnknödel entnahm ich dem Kochbuch (mache ich beides sonst immer aus der Lameng, aber ich wollte die Gelegenheit nutzen, etwas zuzulernen) und hielt mich streng an Rezept – obwohl mich bei den Knödeln die fehlenden Semmelbrösel wunderten. Prompt zerfielen sie beim Kochen (aus missglückten Experimenten lernt man bekanntlich am meisten: keine Semmelnknödel ohne Semmelbrösel).

Auch sonst ist das Rezept nicht perfekt:
800 Gramm sind nie und nimmer 1 Rinderherz, sondern ein halbes. Die Rüben- und Zwiebelmenge ist mit Gramm präzisiert, „1/4 Sellerieknolle“ aber nicht – Sellerieknollen können sehr unterschiedlich groß sein. „Bund“ als Mengenangabe für Kräuter lässt mich immer seufzen: Je nach Jahreszeit und Quelle können die sich um 100 Prozent unterscheiden.

Geschmeckt hat das Zitronen-Rahm-Herz ganz hervorragend (auch die Knödel mit ihren in viel Butter gebratenen Zwiebeln).

Das nächste Mal koche ich das Herz aber wahrscheinlich nicht in eigens gefertigter Rinderbrühe: Zum einen habe ich sonst statt für einen für drei Tage gekocht (eigentliches Gericht, Suppenfleisch, Suppe), zum anderen wird durchs Kochen des Herzens aus Wasser eh eine Brühe, die ich während des Auskühlens des Fleisches auf die 600 ml für die Sauce konzentrieren kann.

Dazu ein minimalinvasiv ausgebauter Riesling, den mir Vinoroma als Beweis für Interessantes von der Mosel geschickt hatte:Vade Retro Melsheimer.

Zum einen passte er ganz hervorragend zur Zitronenschale und zum schwarzen Pfeffer. Zum anderen entwickelte er sich schon in der ersten Stunde so interessant, dass wir ein Drittel für den nächsten Tag aufhoben – offen. Mal sehen, was der in 24 Stunden so macht.

§

Ich freue mich sehr, dass auch die verehrte Evelyn Roll so richtig sauer werden kann:
„Bezahlung von Frauen in den Medien
Auf den billigen Plätzen wird es unruhig“.

Journal Montag, 2. Januar 2017 – Schwimmen, Schnee und Schlussverkauf

Dienstag, 3. Januar 2017

Am letzten Ferientag: Ausschlafen, Kaffee mit Bloggen.
Der Plan war Schwimmen im Olympiabad, doch draußen frostelte es arg. Letztendlich gab ich mir einen Ruck: Das Radeln hinaus ins Bad würde eben der Abhärtung dienen, es waren ja weiter sinkende Temperaturen angekündigt.

Das Schwimmen selbst war schön, aber anstrengend. Auf dem Rückweg erledigte ich ein wenig Einkäufe, daheim Frühstück. Ich verließ das Haus sogar nochmal, kaufte mir bei Sport Schuster endlich einen Zweitbadeanzug. Als ich aus dem Laden kam, schneite es.
Ich versuchte, im Winterschlussverkauf das eine oder andere schöne Stück zu bekommen. Doch dann hängte ich jeden Fund mit „Aber ich BRAUCHE doch gar nichts!“ zurück.

§

Ich las weiter um Zadie Smiths aktuellen Roman Swing Time herum. Zum einen interessiert mich, wie andere ihn gelesen haben, zum anderen, was Smith zur Gegenwart und zur Schriftstellerei zu sagen hat.

Besonders schön fand ich dieses Interview in der Welt am Sonntag:
„‚Kinder von Migranten erleben eine unmögliche Identität'“.

Darin unter anderem eine kluge Antwort auf die übliche Frage nach autobiografischem Gehalt in ihrem künstlerischen Werk:

Wenn ich eine echte Autobiografie schreiben würde, dann wäre das genauso fiktional. Wenn ich mit meinen Geschwistern spreche, und ich habe praktischerweise viele, dann erinnern wir uns an bestimmte Schlüsselmomente unserer Kindheit alle anders. Diese fehlende Übereinstimmung von Erinnerungen selbst in der eigenen Familie ist absolut schockierend.

Gerade als Hintergrund zu Swing Time ist es interessant, Smiths Sicht der Verwandtschaft von Tanz und Schriftstellerei zu lesen:
„What Beyoncé taught me“.

Hier fließt eine Menge an Recherche über berühmte Tänzerinnen und Tänzer für Swing Time ein – angefangen bei den unterschiedlichen Stilen von Fred Astaire und Gene Kelly.

Bücher 2016

Samstag, 31. Dezember 2016

* markiert meine Empfehlungen
() In Klammern gesetzt habe ich aktives Abraten; ganz gelesen habe ich diese Bücher meist nur, weil ich sie in meinem kleinen Lesekreis besprechen wollte.
Unmarkiert sind Bücher, die mir genug zum freiwilligen Auslesen gefielen.

1 – Mary Beard, SPQR. A History of Ancient Rome*
Habe ich hier beschwärmt.

2 – Joscha Sauer, Nichtweihnachten 2.0

3 – Richard Yates, Cold Spring Habor
Familienleben auf Long Island in den 1940ern – erinnerte mich in bester Weise an Jane Austen: Charakterisierung durch innere Monologe, eine alberne Mutter, die nichts kapiert, die Unausweichlichkeit von Ehe und Fortpflanzung, das Suchen nach dem Platz in der Gesellschaft, die nur winzigen Entscheidungsfreiheiten, der formalisierte gesellschaftliche Umgang, der schlimme Probleme unter den Teppich kehrt, Selbstbetrug als Lebenserhaltungsmaßnahme. Ich mochte die scheinbar nüchterne Sprache, mit der Yates den Figuren Raum zur Entfaltung gibt, die fast tragische Unausweichlichkeit der zwischenmenschlichen Mechanismen in den frühen 40ern an der amerikanischen Ostküste.

4 – Jenny Lawson, Furiously Happy

5 – Jane Gardam, The Man in the Wooden Hat*
Wieder ganz wundervoll. Der Nachfolgeband von Old Filth erzählt die Geschichte seiner Frau Betty, wieder in Skizzen von sachlich bis poetisch, die sich zu einem Ganzen verbinden. Diesmal erfahren wir mehr über die Kronkolonie Hongkong, außerdem spielen Freundschaften und Loyalität eine große Rolle.

6 – Patricia Highsmith, The Price of Salt*
Die Liebesgeschichte zweier sehr ungleicher Frauen in den späten 1940ern in New York. Die Perspektive ist die der sehr jungen Therese, einer kleinen Kaufhausangestellten mit dem Traum, Bühnenbildnerin zu werden. Sie verliebt sich in eine deutlich ältere, elegante Kundin des Kaufhauses. Es entwickelt sich eine Beziehung, die nicht nur wegen der gesellschaftlichen Umstände, in der es diese Art von Liebe nicht gibt, ziemlich kompliziert ist. Neben der Schilderung der menschlichen Seite gefiel mir der Zeithintergrund, den ich durch die Geschichte kennenlernte.

7 – John Williams, Stoner*
Eine amerikanische university novel von 1965, die mir in Blogkommentaren empfohlen worden war – zu Recht. Die Hauptfigur, der Literaturwissenschaftler William Stoner, wird ganz am Anfang mit einem kurzen Abriss seiner akademischen Karriere eingeführt: Studienbeginn an der Universität von Missouri, Promotion, als Dozent nie Karriere gemacht, kaum Spuren bei den Studierenden hinterlassen. Die ausführliche Version erzählt dann von einem doch recht besonderen Menschen aus sehr einfachen Verhältnissen, der sein Leben nie richtig in die Hand genommen hat, nur in der Forschung und in einer Freundschaft ganz aufging. Formal unauffällig schildert der Roman Stoners Wahl einer Partnerin, die ihm bald mit vielen Mitteln das Leben zur Hölle macht, die ruhige, tiefe Liebe zu seiner Tochter, die Lebensfeindschaft mit dem Leiter des Lehrstuhls, an dem er arbeitet – alles vor dem zeithistorischen Hintergrund zweier Weltkriege. Sehr schnell schafft die Geschichte eine Identifikation mit dieser einsamen Figur, vor allem wenn man Stoners Loyalität und die Anziehungskraft einer akademischen Umgebung nachvollziehen kann. Und wie Stoner frage ich mich seit der Lektüre, wie sein Leben verlaufen wäre, hätte er energisch Ansprüche erhoben – oder auch nur für seine Tochter gekämpft.

8 – Granta 134, No Man’s Land

9 – Isabel Bogdan, Der Pfau

10 – Rachel Roddy, Five Quarters*
Ich hatte sie sehr gerne gelesen, die Geschichte der nicht mehr richtig jungen Britin, die – eigentlich auf dem Weg nach Sizilien – in Rom hängen bleibt. Dort isst und kocht. Das Buch kommt als Kochbuch daher, besteht zeittypisch aber hauptsächlich aus sehr persönlichen Geschichten übers Essen und Kochen – wie Rachels Blog ja auch. Große Rollen spielen darin das Stadtviertel Testaccio, in dem Rachel wohnt, ihr Partner Vincenzo und der dreijährige Sohn, der für die Niedlichkeit im Gesamtbild zuständig ist, allerdings auch als Referenz für die Qualität von Gerichten und Cafés herangezogen wird. Die Rezepte gefielen mir, alle zeichnen sich durch eine geringe Anzahl von Zutaten und (scheinbar?) simple Zubereitung aus. Die Verbindung von italienischer und englischer Kochtradition kommt meinen persönlichen Vorlieben ohnehin entgegen. Ich mochte auch Rachels Beschreibung, wie sie gewohnte einfache Handgriffe in der Küche neu lernte. Das alles allerdings in einer Umgebung, die viele Klischeevorstellungen von italienischer Alltagsküche erfüllt (die Nachbarinnen, aus deren Küchen es ab 11 Uhr nach Sofritto duftet), aber ohne auch nur eine Andeutung, dass diese alltäglich Koch- und Esskultur in Rom (und ganz Italien) seit vielen Jahren verschwindet.

(11 – Tim O’Brien, July, July)
Ich mochte das Buch nicht, die Figuren und Lebensgeschichten kamen mir vor wie stereotype Versatzstücke aus Hollywoodfilmen, nicht wie echte Menschen. Das wurde nicht dadurch gerettet, dass sich 1969 und 2000 kapitelweise abwechseln und zum Schluss nochmal ganz große nicht-realistische Erzählgeschütze aufgefahren werden. Das letzte Drittel hatte ich eher überblätternd gelesen.

12 – Helen Macdonald, H is for Hawk*
Ein wirklich besonderes Buch: Helen Macdonald schreibt ihre persönliche Geschichte mit der Falknerei auf. Anlass ist der Tod ihres Vaters, doch in sehr persönlicher, gleichzeitig nüchterner Weise erzählt sie ihre lebenslange Verbindung mit dieser alten Kunst. Es taucht das kleine Mädchen auf, das sich in Bücher über Falknerei vergräbt, die Jugendliche, die unter professioneller Aufsicht die ersten Falken trainiert, der Kauf und das Zähmen eines Habichts nach dem Tod des Vaters. Doch der röteste Faden ist das Buch The Goshawk von T.H. White: Helen hat es als Achtjährige entdeckt und war beim ersten Lesen empört – T.H. White macht alles falsch im Umgang mit seinem Habicht. Jetzt, als Erwachsene, vollzieht sie die Handlung des Buches vor dem Hintergrund von Whites Biografie nach, sieht sie in mancher Hinsicht als Parallele zu ihrem eigenen Umgang mit ihrem Habicht Mabel.
Ich habe eine Menge über die Falknerei gelernt, ohne dass im Buch jemals doziert würde. Ich habe eine sperrige Persönlichkeit kennengelernt und mich an den ungewöhnlichen Anblick eines Habichts in ihrer Wohnzimmerecke gewöhnt, an den noch ungewöhnlicheren Anblick der jungen Frau, die in Cambridge mit ihrem Habicht auf dem Falknerhandschuh spazieren geht. Auch das Buch ist sperrig: Die Sprache dient sich nicht an, der Verlauf der Erzählung entzieht sich jeder Gefälligkeit – ist aber gleichzeitig dicht gewoben und struktuiert.

(13 – Lydie Salvayre, Hanna van Laak (Übers.), Weine nicht)
Der Spanischer Bürgerkrieg als Hintergrund hatte mich zum Kauf gebracht, doch zu meiner Enttäuschung wird genau dieses Thema belehrend in Zwischenabsätzen explizit erklärt. Wie diese Zeit spanische Frauenbiografien beeinflusste, habe ich schon in erheblich höherer literarischer Qualität gelesen. Ich empfehle statt dessen Ana No von Agustín Gómez Arcos oder Das gefrorene Herz von Almudena Grandes.

14 – Granta 135, New Irish Writing*

15 – Jane Gardam, Last Friends*
Auch den dritten Teil der Trilogie las ich gerne, in dem ich Überraschendes über den lebenslangen Widersacher von Old Filth erfuhr, über Terry Veneering.

(16 – Heinrich Steinfest, Der Allesforscher)
So ein Schmarrn. Nach gutem Anfang verfranst sich der Roman in einer Beliebigkeit der Handlung, die sich explizit über Vorbilder wie John Irving definiert (träum weiter, Herr Steinfest), der Erzähler nervt mit seinem belehrenden Tonfall, die Szenarien und Figuren sind statt interessant einfach nur Versatzstücke aus Klischees. Es fehlt an schlichter Handwerkskunst: Zum Beispiel ist das personale Auden-Kapitel im selben Duktus und Tonfall erzählt wie der Rest des Buchs aus Ich-Perspektive – ich habe den Verdacht, dass der Autor nur einen kann.

17 – Craig Taylor, Return to Akenfield*
Es ist höchst aufschlussreich, was Taylor 40 Jahre nach der Veröffentlichung von Ronald Blythes Akenfield in derselben Gegend herausfindet.

18 – Vladimir Nabokov, Nabokov’s Dozen

19 – Terry Pratchett, The fifth elephant*
Mit seinen Romanen über die Nightwatch hat mich Pratchett endlich doch erwischt. Immer wieder musste ich laut auflachen, weil er sprachlich oder durch Wendungen in der Handlung meine Leseerwartungen konterkarierte.

20 – Kurt Busiek’s Astro City*
Hatte mir der Superheldencomicexperte herausgelegt, mit dem ich zusammenlebe – und es gefiel mir sehr gut. Es wird ein eigenes Superheldenuniversum erfunden, das sich an die bekannten Superheldenuniversen anlehnt, doch die einzelnen Geschichten konzentrieren sich auf die menschliche Seite einzelner Figuren – der Helden und Heldinnen oder von Geretteten.

21 – Donna Tartt, The Secret History*
Habe ich hier ausführlich gesprochen.

22 – Henry James, What Maisie knew

23 – Bov Bjerg, Die Modernisierung meiner Mutter*
Die Geschichten gefielen mir sehr; da sie für Lesebühnenauftritte geschrieben waren, hatte ich Launigkeit befürchtet. Doch obwohl die Geschichten oft lustig sind, fehlt ihnen jede Launigkeit: Komisch sind die beschriebenen Inhalte, die Bov beobachtet. Fast alle Geschichten leben von der Dörflichkeit und Provinzialiät, in der sie spielen – möglicherweise ist aber gerade diese nur aus der Warte der Großstadt erkennbar. Blick und Menschlichkeit erinnerten mich mehrfach an Hanns Dieter Hüsch, dazu kommt aber bei Bov die Reflexion dieses Blicks; ich fürchte, wir können nicht anders, wir bestehen aus purer Befangenheit.
Meine Lieblingsgeschichte ist „Im Kreisel“. Zum einen als Metapher für genau diese Befangenheit, zum anderen als beste Schilderung gesellschaftlicher Mechaniken anhand eben dieser Kreisverkehre, wie sie in den vergangenen 20 (30?) Jahren vor Dörfern und Kleinstädten aufkamen.

24 – Wilkie Collins, The Moonstone

25 – Bachtyar Ali, Der letzte Granatapfel*
In dem Roman erzählt Muzafari Subhdam, ein einst hochrangiger Peschmerga, nach 21 Jahren Einzelhaft in der Wüste befreit, seine Geschichte – und die der Suche nach seinem Sohn. Auf der Suche erzählen ihm wiederum Menschen Stück für Stück, was in den 21 Jahren seiner Abwesenheit geschehen ist. Durch diese Episoden entfaltet sich die ganze menschliche und politische Auswegslosigkeit der Lage im kurdischen Irak – wenn nicht sogar im gesamten Nahen Osten.
Das manchmal formelhaften Erzählens enthält oft Redundanzen, die toxic masculinity der Handlung kann abstoßen, die sowohl den Hintergrund des kriegerischen Gemetzels in den kurdischen Gebieten Iraks durchtränkt als auch den ausschließlich männlich geprägten Vordergrund, in dem es nur Freund oder Feind gibt, Schwarz oder Weiß, und in dem die Männer einander bei der nichtigsten Gereiztheit grausame Tode an den Hals wünschen. Frauen tauchen nur als mystische Gestalt oder Kindsausträgerin auf.
Dennoch war ich fasziniert von der ganz ungewohnten Erzählweise, in der die Figuren nicht psychologisch motiviert sind, sondern durch mythische Topoi – die dann in formelhaft variierten Naturbildern geschildert werden. Und ich sah in den drei Saryasi drei Seiten der kriegerischen Auseinandersetzung, mit dem ersten Saryasi, dem „Marschall“ als einzige politisch vernünftige Gestalt. Vielschichtig ist der Roman auf jeden Fall.

26 – Han Kang, Deborah Smith (Übers.), The Vegetarian*
Hier ausführlich gesprochen.

27 – Granta 136, Legacies of love

28 – Stevan Paul, Der große Glander
Habe ich hier vorgestellt.

29 – Fred Vargas, Tobias Scheffel (Übers.), Fliehe weit und schnell*
Dieser Krimi um Gerüchte über eine mögliche Rückkehr der Pest nach Paris versöhnte mich wieder mit Fred Vargas.

30 – Terry Pratchett, Night Watch*

31 – Kazuo Ishiguro, The buried giant*
Einer der besseren Ishiguros (von denen davor war ich enttäuscht gewesen). Vage in der Zeit nach Artus angesiedelt begleiten wir ein altes Ehepaar („Britons“) auf ihrem Weg von ihrer dörflichen Siedlung zu… nun, sie haben beschlossen zu ihrem Sohn, der irgendwo anders ist. Doch sie wollen auch herausfinden, wie es kommt, dass sie und mehr noch ihre Umwelt vergangene Geschehnisse zu vergessen scheinen, selbst wenn es sich um das zeitweilige Verschwinden eines kleinen Mädchens vor wenigen Wochen handelt. Als wenn sich ein Dunst („mist“) auf ihre Erinnerungen gelegt hätte. Es entspinnt sich eine Geschichte um Saxons, Artus‘ Erbe, Oger und andere Monster, Drachen, Aberglauben, Krieger. Der alte Mann hat möglicherweise ein bedeutenderes Vorleben, als er es erinnert, und die Drachin eine Funktion für den brüchigen Frieden im Land, die man nicht vermutet hätte.
Die Geschichte gefiel mir gut und überraschte mich immer wieder, auch wenn sie Längen hatte. Ein wenig enttäuscht war ich von viel Informationsvermittlung durch telling statt durch Handlung – gerade wo Ishiguro in An artist of the floating world und Remains of the day bewiesen hat, wie meisterlich er showing sogar als Gegenteil des im telling Behaupteten kann.

32 – Shirley Jackson, The Lottery

33 – Otfried Preußler, Krabat*
Der Roman gefiel mir wieder ausgesprochen gut, auch aus der analytischeren Erwachsenensicht. Preußler vermischt archaische Sagenelemente (Teufel, Seele verkaufen, Hexer, nur eine einzige weibliche Figur) mit historischen Legenden (Nordischer Krieg) und legt darüber eine moderne Figurenpsychologie. Ich erinnerte mich gut, wie gefesselt ich als Teenager – ich muss bei der Erstlektüre 14 gewesen sein – von der Düsternis der Geschichte war, von den Naturbeschreibungen, der Plackerei in der Mühle, von der Grausamkeit des Müllers. Und von der detailreichen Beschreibung der Mahlzeiten. Die Märchenhaftigkeit wurde in meiner Wahrnehmung unterstrichen von den vielen seltsamen, unbekannten Wörtern; einige aus der Müllerei sind mir bis heute fremd. Die reine Männerwelt hat mich damals sicher angezogen: Es geht um körperliche und geistige Kraft, um handwerkliche Fertigkeiten, Freundschaften bis über den Tod hinaus – das alles schätzte ich schon als junges Mädchen. Dagegen ist die Liebesgeschichte blass und rein funktional, Mädchen haben keine eigenen Ziele, sind halt für die Liebe und fürs Erlösen der Männer da – langweilig.
Bei der heutigen Lektüre fiel mir in der Geschichte das Gegenüberstellen von irdischer Anstrengung und dem Preis der Abkürzung durch Hokuspokus auf. Die Müllerburschen lernen ja wirklich ihr Handwerk, der Austausch eines Mühlrads wird ein ganzes Kapitel lang beschrieben. Die Metaphysik der schwarzen Kunst, die in dieser speziellen Mühle dazu kommt, dient in erster Linie dazu, Macht zu bekommen, sich über andere Menschen zu erheben.

34 – Christopher Robinson and Gavin Kovite, War of the Encyclopaedists*
Hier ausführlich besprochen.

35 – Margarete Stokowski, Untenrum frei

(36 – Ben Lerner, Leaving the Atocha station)
Nur ausgelesen, weil es so dünn ist, sonst hätte ich nach spätestens 100 Seiten aufgehört. Der Ich-Erzähler interessierte mich massiv gar nicht. Dass er ein Depp sein soll, ist schnell klar, doch er ist halt eine Sorte Depp, die mich langweilt. Kindisch, narzistisch, ohne interessante Beobachtungen und Reflexionen, nicht mal den Ort Madrid genoss ich (wie kann man dem Retiro so wenig Atmosphäre abgewinnen?).
Außerdem habe ich nach July, July, The Secret History, War of the Encyclopaedists und diesem Buch erst mal für lange Zeit genug von Drogengeschichten. Sie dominieren in Leaving the Atocha station die Handlung völlig (Kauf, bei wem anders abgreifen, Konsum, Bewusstlosigkeit, Upper, Downer, Analyse der Qualität, Kotzen, Panik weil daheim vergessen, überrascht feststellen, dass es heute auch ohne geht, nächster Konsum etc. at inf.), ohne irgendetwas dazu beizutragen.

37 – Granta 137, Autumn 2016

38 – Margaret Atwood, The edible woman*

39 – J.L. Carr, A month in the country*
Nachtrag 11.1.2017: Der dünne Roman von 1980 erzählt mit der Stimme der Hauptfigur Tom Birkin von einem Restaurator, der kurz nach dem 1. Weltkrieg in der Kirche des englischen Dorfs Oxgodby ein Jahrhunderte altes Wandgemälde freilegen soll. Tom ist von schrecklichen Kriegserlebnissen traumatisiert, außerdem hat ihn gerade (mal wieder) seine Frau sitzen gelassen. Vor der Kirche sucht ein Archäologe für die selbe Auftraggeberin nach einem Grab, auch er ist frisch aus dem Militärdienst entlassen. Mit wenigen Informationen eröffnet Carr immer wieder Welten, einen Sommer lang lernen wir die Leute im Dorf kennen, die Landschaft, die Kirchengemeinde und sehr indirekt auch den Hintergrund der Protagonisten. Den Spannungsbogen der Geschichte spannt die Freilegung des Wandgemäldes: Die Erzählerstimme lässt uns teilhaben an Toms Analysen von Farben und Werkstoffen und an den Schlüssen, die er anhand der Ergebnisse über die Entstehung des Gemäldes zieht. Mir gefiel der Roman sehr gut – und ich war erstaunt, wie viel in gerade mal 130 Seiten passt.

40 – Evan S. Connell, Mrs Bridge*
Scheinbar harmlose Vignetten aus dem US-amerikanischen Suburbia der 50er, ausgesprochen trostlos. Die titelgebende Mrs Bridge ist völlig verloren in ihrem Wohlstand, ohne eigenes Leben, ohne eigene Fertigkeiten. Das Schlussbild des letzten Kapitels wird mich noch verfolgen.

41 – Zadie Smith, Swing Time*
Die Erzählerin und ihre Freundin Tracy wachsen in Londoner Wohnblöcken auf, sie lernen einander als Kinder beim Tanzunterricht kennen. Die Freundschaft dieser beiden Mädchen, dann Frauen, zieht sich als roter Faden durch die vielschichtige Geschichte des Romans. Smith erzählt auch in diesem Roman ein sehr buntes Leben, allerdings ein wenig geradliniger und weniger anstrengend dicht als NW. Wieder sehen wir die Welt aus der Perspektive von Menschen, die durch ihre Herkunft aus Migrantenfamilien und ihre Hautfarbe mit deutlich weniger Selbstverständlichkeiten leben als weiße, schon immer vor Ort verwurzelte. Die Geschichte nimmt uns zudem in den Senegal und in die feinen Mechanismen des dortigen Alltags inklusive den Auswirkungen westlicher Wohltätigkeit. Eine weitere, für mich völlige fremde Welt: Das Berufsleben in der Entourage von Superstars. Schön und organisch eingewoben ist das Thema Tanz: Die Erzählerin, deren Namen wir nie erfahren, interessiert sich von klein auf für die Hollywood-Musicals der 30er bis 50er-Jahre (der Titel des Buchs bedient sich beim Titel eines Musicals mit Fred Astaire und Ginger Rogers), und so erfahren wir Einiges über die Herkunft und die Entwicklung dieses Tanzstils. Dazu kommen Smiths sprachliche Meisterschaft und ihr Humor (ein Kebapladen, in dem die Erzählerin arbeitet, guckt multinational ein Wimbledon-Match, und ich hatte Tränen in den Augen vor Lachen) – große Empfehlung.

(Ein einziger verdammter Schnitt.)

Journal Montag, 26. Dezember 2016 – Ankunft in Palma de Mallorca

Dienstag, 27. Dezember 2016

Unser Flug ging erst am späten Nachmittag, ich hatte also noch den ganzen Vormittag für Brotbacken (nochmal Kartoffelbrot), eine Runde auf dem Crosstrainer, ein wenig Krafttraining und ausführliches Frühstück.

Auf der Reise selbst las ich in Zadie Smiths neuem Roman Swing Time und war schon mal sehr angetan. Die alten MGM-Musicals und Fred Astaire, von denen ich hier manchmal schwärme, spielen eine Rolle, außerdem wird im Londoner Ladies‘ Pond geschwommen, den ich gerade erst kennengelernt habe – ich fühlte mich Smith wieder mal sehr nahe.

Busfahrt unter klarem Nachhimmel nach Palma de Mallorca, die Vermieterin der schönen Altbau-Ferienwohnung im Stadtviertel Santa Catalina erwartete uns. Nach kurzem Auspacken suchten wir in der Nähe eine Abendessen-Lokalität: Wie schon meine Vorrecherche ergeben hatte, gab es fußläufig fast nur italienische Restaurants (neben vietnamesischen und japanischen), wir aßen gutes Carpaccio und hervorragende Linguine mit Meeresfrüchten zu einem heimischen Guium Blanc de Blanc.

§

Es sind nicht die Fakten, es sind die Narrative und Weltsichten.
„How to Convince Someone When Facts Fail“.

Creationists, for example, dispute the evidence for evolution in fossils and DNA because they are concerned about secular forces encroaching on religious faith. Anti-vaxxers distrust big pharma and think that money corrupts medicine, which leads them to believe that vaccines cause autism despite the inconvenient truth that the one and only study claiming such a link was retracted and its lead author accused of fraud. The 9/11 truthers focus on minutiae like the melting point of steel in the World Trade Center buildings that caused their collapse because they think the government lies and conducts “false flag” operations to create a New World Order. Climate deniers study tree rings, ice cores and the ppm of greenhouse gases because they are passionate about freedom, especially that of markets and industries to operate unencumbered by restrictive government regulations. Obama birthers desperately dissected the president’s long-form birth certificate in search of fraud because they believe that the nation’s first African-American president is a socialist bent on destroying the country.

Journal Donnerstag, 15. Dezember 2016 – Garnelen satt

Freitag, 16. Dezember 2016

Frühmorgens eine halbe Stunde intensive Gymnastik vor dem Fernseher – ich komme seit Monaten nicht auf meine Sportkosten. Ursachen sind Arbeitszeiten (nicht genug Zeit vor Arbeitsbeginn), Dunkelheit (zu kurzes Tageslicht für Isarlauf) und Sportstudioprogramm (in den drei gut erreichbaren Studios der Kette an keinem Abend mehr Aerobics oder Stepaerobics) (na gut: die einzige verbleibende Stunde wird von jemandem vorgeturnt, mit dem ich überhaupt nicht zurecht komme).

Auf dem Weg in die Arbeit grüßte mich eine vernebelte Bavaria. Dieser Nebel hielt sich sehr lange.

§

Abends zum Brillenhändler. Jetzt weiß ich, dass ich beim nächsten Brillenbruch gleich damit zum Fachmann gehe, sie wäre angeblich reparabel gewesen. So aber ließ ich das gleiche Gestell bestellen und werde mir für den nächsten Brillenausfall Tageslinsen kaufen. Mit fast 300 Euro für die Gläser (und die sind es ja, die mir schwindelfreies Sehen ermöglichen) ist mir nämlich eine Zweitbrille zu kostspielig.

Heimwerkerinnentipp aus gegebenem Anlass: Sekundenkleberreste lassen sich von Brillengläsern mit Nackellackentferner beseitigen.

§

Herr Kaltmamsell versucht mir mit allen Mitteln die Dezember- und Arbeitsschatten von der Seele zu vertreiben. Kapriziös hatte ich mir zum gestrigen Abendessen Garnelen gewünscht (statt des Lauch-Kartoffel-Gemüses, das sich mit Blick auf den Ernteanteil angeboten hätte). Nicht nur besorgte er sie mir trotz der Lehrer-typischen Hektik vor Weihnachten, sondern servierte sie auch noch auf zweierlei Art:

Rezept aus Ottolenghis erstem (auf Deutsch zweitem) Kochbuch.

Aus der Lameng mit Sahne und Chili.
Von beidem aß ich sehr, sehr viel.

§

Vor dem Schlafengehen weiter in Evan S. Connells Mrs Bridge gelesen, scheinbar harmlose Vignetten aus dem US-amerikanischen Suburbia der 50er, ausgesprochen trostlos. Hier ein neuerer Artikel aus dem Guardian darüber:
„Overlooked classics of American literature: Mrs Bridge by Evan S Connell“.
Wobei ich merke, dass die Hauptfigur so sehr dem Typus der verlorenen reichen Mittelklassehausfrau entspricht, dass ich der Schilderung misstraue.

§

Patti Smith schreibt bewegend und lyrisch, wie es war, zur Nobelpreisverleihung an Bob Dylan zu singen.
„How Does It Feel“.

§

Jennifer Lawrence und Chris Pratt bekämpfen einander in „Playground insults“.

(Sie ist natürlich unschlagbar: „Your beard… no, I can’t talk about my pubes.“)

via @dtfdpr

Journal Dienstag, 29. November 2016 – Bremen weiter kalt

Mittwoch, 30. November 2016

Nochmal eine Runde arbeiten in Bremen.

Diesmal schaute ich mir den Wall von der anderen Seite an.

161129_06_am_wall

161129_10_am_wall

161129_11_am_wall

161129_14_am_wall

Ruhiger Tag.

Granta ausgelesen, die Ausgabe 137 ist eine der besseren. Besonders mochte ich die Geschichte von Adam Thorpe über einen spätberufenen Schweigemönch aus dem Baugewerbe („My Angel“) und das Porträt der Fotografin Darcy Padilla, die die Obdachlose Julie 18 Jahre lang bis zu ihrem Tod mit 36 begleitet hat: „Julie’s Life“ – weil hier die Fotografin und die Fotografierte auf derselben Ebene erzählt werden, auf Augenhöhe.

§

Schön, hin und wieder etwas von Harald Schmidt zu lesen.
„‚Ich schätze den kurzen Tagesschlaf‘.“

Herr Schmidt, letzte Frage: Wohin sollen wir das Interview zur Autorisierung schicken, Halifax, New York, Azoren?
Nirgendwohin.
Wie?
In meiner Liga ist Gegenlesen vulgär.

§

Und weil es meinen gestrigen Morgen so deutlich verschönt hat, auch für Sie (via Buddenbohm):

(Meine Interpretation: Bittersüße Erinnerung an die Abschnitte des Lebens, die wirklich gut waren – damit der Schmerz über die schlimmen nicht siegt.)

Vorsatz fürs Heimkommen: Alles zusammentragen, was der Haushalt von Sinatra hergibt, die Welt braucht mehr crooning.

Journal Freitag, 25. November 2016 – Prä-Advent

Samstag, 26. November 2016

161125_02_theresienwiese

An der Theresienwiese war’s bereits adventlich.

Nach einem crazy Arbeitstag in die Maxvorstadt gelaufen, um mein Smartphone endlich retten zu lassen. Jetzt sei es aber wirklich in Ordnung, versicherte der freundliche Schrauber und riet mir noch zur App Battery Life, um den Zustand meines Akkus im Blick zu behalten.

Daheim erst mal Wedges of Decadence gebacken für die samstägliche Thanksgiving-Einladung in Augsburg. Nach dem zweiten Schieben in den Ofen einen kräftigen Tequila Sunrise eingeschenkt, allerdings mit Mezcal, weil nur der da war, was gar nicht so gut schmeckte. Den zweiten auf Wodka-Basis, weil der wenigstens nach gar nichts schmeckt.

Her Kaltmamsell bereitete zum Nachtmahl freihändig Chinesisches, was sehr gut schmeckte (black beans!, Auberginen!, zartgemachtes Rindfleisch! Chillis!), allerdings nicht so richtig chinesisch.

161125_06_nachtmahl

§

Ben Lerners Leaving the Atocha station ausgelesen – aber bloß, weil es so dünn ist, sonst hätte ich nach spätestens 100 Seiten aufgehört. Der Ich-Erzähler interessierte mich massiv gar nicht. Dass er ein Depp sein soll, ist schnell klar, doch er ist halt eine Sorte Depp, die mich langweilt. Kindisch, narzistisch, ohne interessante Beobachtungen und Reflexionen, nicht mal den Ort Madrid genoss ich (wie kann man dem Retiro so wenig Atmosphäre abgewinnen?).
Außerdem habe ich nach July, July, The Secret History, War of the Encyclopaedists und diesem Buch erst mal für lange Zeit genug von Drogengeschichten. Sie dominieren in Leaving the Atocha station die Handlung völlig (Kauf, bei wem anders abgreifen, Konsum, Bewusstlosigkeit, Upper, Downer, Analyse der Qualität, Kotzen, Panik weil daheim vergessen, überrascht feststellen, dass es heute auch ohne geht, nächster Konsum etc. at inf.), ohne irgendetwas dazu beizutragen.
(Was übrigens ein Grund war, dass ich mich seinerzeit so freute, nicht mehr zu rauchen: Mir wurde rückblickend klar, wie stark mein Tagesablauf vom Rauchen geprägt gewesen war.)
(Allerdings bin ich jetzt endgültig an dem Punkt, meine Jugend nicht mehr für langweilig zu halten, bloß weil Drogen keine Rolle gespielt haben – ich scheine nicht wirklich etwas verpasst zu haben.)

Meine Art Drogenkonsum:

§

Vielleicht probiere ich es dieses Jahr doch nochmal mit Plätzchenbacken. Auf die apokalyptische Weise von Tilman Rammstedt:
„Makronen! Meine Fresse!“

Das war kein sehr schönes Jahr. Voller Auf und Ab, nur dieses Mal halt ohne Auf. Deshalb: Backen Sie diese dringend notwendigen Adventskekse. Versuchen Sie es wenigstens.

via @Buddenbohm

§

Sie erinnern sich an die Friends-Folge, in der Rachel selbst Trifle machte? Und die Seiten des Kochbuchs zusammenklebten, so dass sie zwei Rezepte vermischte und Hackfleisch einarbeitete? Die wackeren Recken von Buzzfeed haben das tatsächlich ausprobiert.
„I Tried Rachel’s Trifle From ‚Friends‘ And It Was Pretty Awful“.

via @ankegroener

§

Eigentlich scheint gesetzt, dass Frauen, denen wegen Krebs die Brüste entfernt werden mussten, diese rekonstruieren lassen. Doch anscheinend machen das immer mehr nicht – was ich sehr gut nachvollziehen kann. Die New York Times berichtet (mit Fotos) darüber:
„‘Going Flat’ After Breast Cancer“.

“Having something foreign in my body after a cancer diagnosis is the last thing I wanted,” said Ms. Bowers, 45, of Bethlehem, Pa. “I just wanted to heal.”