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Journal Montag/Dienstag, 30.November/1. Dezember 2015 – Jane Gardam, Old Filth

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Am Montag stürmte es. Ich ging zu Fuß in die Arbeit, beim Kreuzen der Theresienwiese in einem 30-Grad-Winkel. Die Möwen aber hatten sichtlich Spaß.

Bunter Himmel, klare Luft, im Büro sogar im 3. Stock Alpenblick.

Auf dem Heimweg freute ich mich an den bunten Lichtern vom Tollwood.

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Dienstagmittag sah ich beim Zeitunglesen, dass ein Fotograf der Süddeutschen Zeitung ähnliche Freude hatte.

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Montagabend Spaziergang nach Untergiesing zum Treffen meiner Lesenrunde: Old Filth von Jane Gardam hatte uns allen sehr gut gefallen. Der Roman um einen alten britischen Juristen vor dem Hintergrund des verschwindenden Commonwealth, des britischen Klassensystems und des heutigen Großbritanniens erzählt scheinbar leichtfüßig – doch beim Sprechen über das Buch wurde klar, wie viele Geschichten, Perspektiven, Einblicke in dem gar nicht so dicken Roman stecken. Gardam ist eine Meisterin des significant detail: Auch ohne ausführliche Beschreibungen von Räumen und Umgebungen ist die visuelle Seite der Geschichte jederzeit detailliert und lebhaft.

Der deutschen Version (von Isabel Bogdan übersetzt, die es mit der sehr britisch verwurzelten Sprache sicher nicht leicht hatte) fehlt leider das Vorwort der Autorin, in dem sie von der Begegnung erzählt, die zu der Roman-Trilogie beginnend mit Old Filth führte. Die anderen beiden Bände will ich unbedingt lesen, schon um mehr über die Zeit in Hongkong zu erfahren und über die Ehefrau der Hauptfigur, Betty, die aus seiner Perspektive als wenig bemerkenswerte „Frau an seiner Seite“ geschildert wird, doch zu seiner großen Überraschung nach ihrem Tod einen ausführlichen Nachruf in den Zeitungen bekommt – sie scheint außerhalb seiner Wahrnehmung eine bedeutende gesellschaftliche Rolle gespielt zu haben.
Eine aufschlussreiche Besprechung gibt es beim Guardian:
„Pearls beyond price“.

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Dazu wurde Winteressen serviert: Ungeschält halbiert aus dem Ofen kann man die lila Kartoffeln ganz gut haben. Das linke ist Karottenbutter (Liptauer mit geraspelten Karotten).

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Schon am Montagabend ahnte ich, dass ich Dienstagmorgen keine Lust haben würde, gleich nach dem Aufstehen zum Morgensport zu radeln. Gleichzeitig fühlte ich mich unterbewegt. Mir fiel das letztjährige Shred-Projekt von Frau Brüllen ein: Wenn ich über den dominanten Abnehmappell hinwegsehe (ohne Abnehmversprechen kann man heutzutage wahrscheinlich kein Sportprodukt verkaufen), könnte ich mir damit meine Kräftigungs- und Bewegungsgrundversorgung sichern, dazu Hüpfen/Joggen/Schwimmen zum Spaß als Sahnehäubchen.

Ich erinnerte mich vage, dass dieses Sportprogramm Hanteln erfordert, aber zum Besorgen war keine Zeit. Dienstagmorgen startete ich nach dem Morgenkaffee die erste Runde bei YouTube mit meinen Sportwasserflaschen als Gewichten – die mich allerdings mit je unter einem Kilo arg unterforderten.

Ja, ich kam ins Schwitzen. Ja, die Liegestütze können noch deutlich tiefer (das wusste ich aber vorher). Nein, bis zum Muskelbrennen brachte mich keine Übung. Ich schau mal, wie lange der Spaß ausreicht.

Abends erstmals im Leben Hanteln gekauft; nach ein bisschen Recherche zu Shred-Erfahrungen schienen mir 2-Kilo-Exemplare die richtigen. Dummerweise wird die DVD noch mindestens 10 Tage hierher brauchen (auf der deutschen Version steht „Schlank in 30 Tagen“ – die kommt mir nicht über die Türschwelle). Ich könnte mit den drei Folgen überbrücken, die auf YouTube zur verfügung stehen.

Wetter: Morgens heftiger Wind und Regen, Regenschirm wäre also nutzlos gewesen. Ich wurde mittelnass auf dem Fußweg in die Arbeit. Heimweg dann sogar trocken.

Journal Donnerstag, 26. November 2015 – Bücherexperimente

Freitag, 27. November 2015

Es blieb kalt, doch zumindest radelte ich trocken in die Arbeit.

Emsiges Abarbeiten der in den Tagen davor aufgelaufenen Erledigungen, das eine oder andere dazu.

Nach Feierabend holte ich ein ganz besonderes Buch ab, dass mir in der Woche zuvor die Buchhändlerin empfohlen hatte: Das experimentelle Ship of Theseus von JJ Abrams und Doug Dorst.1 Für mich ist das zwar nicht so richtig etwas, doch ich wusste sofort, dass es Herrn Kaltmamsell interessieren würde – also bestellte ich das englische Original (die deutsche Fassung hat Kiepenheuer & Witsch veröffentlicht). Meine einzige Befürchtung war, dass der Beschenkte es schon längst kannte, doch nein: Er war völlig überrascht und angemessen erfreut. In der Guardian-Besprechung zeigt ein Filmchen die materielle Besonderheit des Buchs.

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Bov Bjergs Auerhaus wird im nächsten Literarischen Quartett besprochen werden.

DEN KENN ICH!

(Und die deutsche Übersetzung von Jane Gardams Old Filth wird ebenfalls besprochen. Werde ich mir wohl ansehen.)

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Wenn Online-Verfolgung und US-amerikanischer Militarismus aufeinander treffen: Die New York Times hat ausführlich das Phänomen recherchiert, dass Stalker in Online-Communities SWAT-Teams auf ihre Opfer hetzen, warum das überhaupt möglich ist und wie in einem besonders schlimmen Fall der Täter überführt wurde.

„The Serial Swatter
Internet trolls have learned to exploit our over-militarized police. It’s a crime that’s hard to stop — and hard to prosecute.“

Grinsen musste ich bei dieser Erklärung:

Janet spent a lot of time on a website called Twitch. It can be hard to explain Twitch to nongamers.

Na, das kennen wir wohl alle – man muss nur „Twitch“ durch „Bloggen“ oder „Twitter“ ersetzen. Und der Rat der Polizei, sich halt aus dem Internet fernzuhalten, ist auch hierzulande Standard. Oder hat sich das gebessert?

‘‘I held my breath and slowly opened the door to the sight of rifles pointed at me from every direction,’’ she says. ‘‘It was the most terrifying experience of my life.’’ When officers questioned her, she couldn’t make them understand. ‘‘They were completely lost on the idea of a stranger harassing us over the Internet,’’ she says. ‘‘It’s a feeling like you’re drowning, and the person doesn’t understand what water is.’’

  1. Tatsächlich heißt es S, aber ich lasse mich auf das Herausgeberspiel ein und nehme das erfundene Buch innen als das eigentliche. []

Journal Samstag, 21. November 2015 – Erster Schnee

Sonntag, 22. November 2015

Als ich morgens aufwachte, sah ich Herrn Kaltmamsell neben mir liegen und freute mich darüber, hörte aber auch: Es hatte aufgehört zu regnen. Eine gute Voraussetzung für einen Isarlauf.

Erst mal aber machte ich Kaffee und backte Apfelkuchen. Ich hatte Lust auf einen gedeckten Apfelkuchen, wie ihn meine polnische Großmutter gemacht hat. Dieses Rezept sah nach der richtigen Richtung aus. Meine Abwandlungen: Mehr und gerumte Rosinen, gemahlene statt gehackte Mandeln (weil ich damit ein Restchen aufbrauchen konnte), Teig nicht kaltgestellt, sondern lediglich ruhen lassen (bei 180 Gramm Butter auf 375 Gramm Mehl wäre der Teig nach einer Stunde Kälte zu hart zur Weiterverarbeitung gewesen).

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Das Ergebnis war ein sehr guter Apfelkuchen – aber ohne irgendeine Ähnlichkeit zu dem meiner polnischen Großmutter. Ihr Teig war knuspriger und die Apfelfüllung zerkochter. Ich glaube mich zu erinnern, dass sie die Äpfel immer mit etwas Zucker vorkochte.

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Herr Kaltmamsell war während meiner Bäckerei beim Einkaufen gewesen und gab mir einen hilfreichen Tipp für meinen Isarlauf: Es sei gefährlich „ohrenkalt“. Also setzte ich ein Stirnband auf und war sehr froh darüber. Nach vielen Monaten plagten mich bei diesem Lauf mal wieder schmerzende Waden.

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Der Regen des Vortags hatte den Pegel der Isar nur wenig angehoben.

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Schluss mit Bunt. Weiteres Wintersymptom: Viele Möwen über der Isar.

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Daheim las ich Jane Gardams Old Filth aus – große Empfehlung. Für den nächsten Tag bereitete ich aus den Roten Beten des jüngsten Ernteanteils einen Salat für Sonntag (gekochte Bete geschält und in Würfel geschnitten, Sauce aus Joghurt, gehacktem Knoblauch, Granatapfelmelasse, getrockneter Minze, Olivenöl, Salz, Pfeffer).

Schon wieder gebügelt (Wo kommen eigentlich mitten im Nichtsommer diese Berge Bügelwäsche her? In den düsteren Monaten braucht es Bügeln doch eigentlich nur alle vier bis sechs Wochen?), dabei über das Buch, seine Figuren und seine Themen nachgedacht.

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Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell Wirsing (auf meinen Wunsch zu Tode gekocht), Kartoffeln und Kürbis aus Ernteanteil zubereitet, mit Würscht vom Herrmannsdorfer serviert.

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Am späten Abend: der erste Schnee der Saison.

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Die österreichische Bevölkerung ist mit den Geflüchteten überfordert? Na, dann können Sie sich vielleicht denken, wie überfordert manche von den Geflüchteten hier sind.
Kelef erzählt von einer Begegnung:
„flüchtlingsfindelkind“.

Journal 15.-18. November 2015 – Dienstreise in Bildern

Donnerstag, 19. November 2015

Weil ich am Montagmorgen im deutschen Norden einen beruflichen Einsatz antrat, reiste ich am Sonntagnachmittag an. Zum ersten Mal geriet ich neben einen echten Raumgreifer.

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Meine Versuche, durch Gegendrücken auf der Armlehne Raum zurückzuerobern, wurden anscheinend eher als Kuscheln interpretiert und fruchteten nicht. Der Herr schien ohnehin eher schwierig: Brabbelte in sich hinein, schimpfte mit seinem Telefon und sich selbst.

Bremen empfing mich mit Regen und einem kleinen Hotelzimmer mit Fenster zum Hinterhof – ein richtiger Dienstreisekäfig (die Reisevorschriften erlauben nur Billigstunterkünfte).

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Die Dusche funktionierte nicht richtig, und es gab nur ein einziges Handtuch. Als ich das am nächsten Morgen an der Rezeption ansprach, wurde mir Behebung des Ersteren zugesagt, doch das Zweite war Absicht: Es werde nur ein Badetuch zur Verfügung gestellt. Ich merke mir also: So, wie man in Billigfliegern die eigene Brotzeit mitbringen muss, stecke ich für Billighotels künftig ein eigenes kleines Handtuch ins Gepäck.

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Am Montagmorgen baute ich einen kleinen Messestand auf – ohne Probleme, schließlich hatte ich geübt und mich gegen Eventualitäten ausgestattet (was natürlich, wie ich weiß, nie geht, aber aus dieser Position gehe ich mit Unvorhergesehenem sehr viel souveräner um). Am Nebenstand waren Menschen, die das offensichtlich nicht hatten und genau den Albtraum durchlebten, den ich mit viel Anstrengung vermieden hatte (ich lieh gerne mein Werkzeug aus). Die allerdings, und das ist der entscheidende Unterschied zu mir, gar nicht darunter zu leiden schienen.

Über den Tag hinweg lernte ich munter Kolleginnen und Kollegen aus anderen Standorten der Organisation kennen. Auch jetzt lief alles glatt, meine an Neurotik grenzende Akribie der Vorbereitung zahlte sich aus.

Am Abend regnete es immer noch. Statt mir die Stadt anzuschauen, ging ich also nur in Hotelnähe Abendessen.

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Am Dienstagmorgen huschte ich in einer Regenpause vom Hotel über Bahnhofsplatz und Bahnhof (kurzer Cappuccino-Stopp) schirmlos wieder hinüber ins Congress Centrum. Es handelt sich um einen durchaus bemerkenswerten Bau, vor allem von innen. Zu dem Faszinierendsten gehörte das Spiegelkabinett, das den Vorraum zu den Damenklos bildet.

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Auch an diesem Tag lernte ich Kollegen, Kongressbesucherinnen und -besucher kennen – einer gab sich als Leser der Vorspeisenplatte zu erkennen! Er hatte das Spiegelfoto oben auf Instagram gesehen und mich damit lokalisiert. Immer wieder schön, solche Begegnungen.

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Zum Bemerkenswerten des Baus gehörte die Innenarchitektur des Hauptsaals (die bunten Stecken rechts sind Schmuck). Architekturjournalist the_maki identifizierte die Ausstattung sofort als reinste Postmoderne und tatsächlich: Wikipedia datiert das Design auf die frühen 90er. Das erklärt, warum mich die Deko an die Ausschmückung meines gackerlgelben Jungmädchenzimmers erinnerte.

Abends war Bremen so nett, vorübergehend nicht zu regnen. Ich stellte schnell meine Sachen im Hotelkammerl ab und stürzte in die Innenstadt. Was ich in der halben regenfreien Stunde sah, gefiel mir ausgesprochen gut und möchte genauer besichtigt werden.

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Im Vordergrund Weihnachtsmarkt im Aufbau.

Erst als ich den – bereits geschlossenen – Laden von Hachez (ungedingt polnisch auszusprechen) passierte, fiel mir ein, dass die Firma hier beheimatet ist. Ein weiterer Grund für eine Rückkehr.

Im Vorbeigehen sah ich zudem, dass ein vertrauenserweckend aussehendes Restaurant Grünkohl mit Paraphernalien anbot (bei allem guten Willen konnte ich Grünkohl ja leider bislang nur in Form von Chips etwas abgewinnen, von Meisterhand zubereitet wollte ich ihm auch klassisch noch eine Chance geben). Das merkte ich mir, und als es dann doch bald wieder anfing zu nieseln, ging ich hin – nur um abgewiesen zu werden: Alles ausgebucht.
Also kehrte ich in einem Dim-Sum-Lokal ein.

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Neu war mir der gelbliche Teig-Schnitz oben, der auf der Karte mit „Butterkuchen“ übersetzt war. Anscheinend ein süßer Backpulverteig, nur halt gedämpft statt gebacken. Nicht sehr aufregend, aber jetzt weiß ich das.

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Am Mittwochmorgen wachte ich mit einem Kopfweh auf, das einige Migränesymptome mitbrachte.

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Bremer Bahnhof.
Nach einem Cappuccino und einer Ibu entspannte ich mich zumindest. Auf der Zugfahrt ließ ich mich in den poetisch-alerten postmigränalen Dämmer fallen und sah die ersten beiden Stunden nur mit Genuss aus dem Fenster.

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Ich begann für meine Leserunde Jane Gardams Old Filth zu lesen, das mich schon nach zwei Seiten völlig verschlang. Da ich immer noch die Nachwirkungen der Migräne spürte, weiß ich nicht, ob das allein Gardams Kunst zuzuschreiben ist. Gestern zumindest war ich ernsthaft verärgert, dass die Zugfahrt bereits nach fünfeinhalb Stunden endete und ich nicht weiterlesen konnte.

Emsigkeit im Büro, Abend mit einem sehr erschöpften Herrn Kaltmamsell über Ernteanteilsalat.

Journal Montag/Dienstag/Mittwoch, 26./27./28. Oktober 2015 – Spannungsabfall

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Am Montag freute ich mich an einem neuen Stück Büroausstattung:

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Die Tasse ist noch größer, als sie hier aussieht, sie fasst etwa 600 ml. Ich hatte auf der Auer Dult eine schöne Bürotasse kaufen wollen, und diese sprang mir an einem der drei Töpferstände sofort ins Auge.

Am Dienstag trübe Aussichten.

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Dazu die erste Betriebsversammlung an neuer Stelle – eine deutlich andere Nummer als die Metaller-geprägten (u.a. „Sehr geehrte Damen und Herren“ statt „Liebe KollgnnundKollegn“), die ich von sehr früher kenne.

An beiden Tagen heftige und lange Arbeit.

Gestern Morgen die restgeernteten Tomaten der Nachbarin zum Nachreifen ausgelegt – so kenne ich das aus dem Spanien meiner Kindheitsurlaube: Meine Oma und meine Tante kauften die riesigen Fleischtomaten immer eher unreif und ließen sie auf dem Fensterbrett der Küche nachreifen.

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Doch auf instagram bekam ich von verschiedenen Seiten den Tipp, sie zum Nachreifen in eine Tüte mit Äpfeln zu packen – was ich abends tat.

Ich hatte den ersten Theatertermin der neuen Spielzeit, noch dazu unter neuer Intendanz. Und ging nicht hin. Gestern beruhigte sich die Arbeitslage mittags endlich, ich konnte emsig, aber ungehetzt Aufgaben abarbeiten – und war durch den Anspannungsabfall schlagartig so erschöpft, dass ich fast in die Tastatur kippte. Also statt reizstarker Hochkultur eine gemütliche große Schüssel Salat aus Ernteanteil, Kartoffelschnitze aus dem Ofen, Rotwein und viel Schokolade neben TV-Rauschen, bei Bedarf jederzeit ein Kuschler an Herrn Kaltmamsell zwischendurch.

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Bettlektüre.

Journal Freitag/Samstag, 23./24. Oktober 2015 – Auer Dult

Sonntag, 25. Oktober 2015

Der Freitag war noch mal ein heftiger Arbeitstag mit Schrecken und Unwägbarkeiten, doch nach Feierabend kam zweiköpfiger Besuch am Hauptbahnhof an. Mit dem ging ich zu Fuß zu uns, mit einem Abstecher über das begehbare Ottolenghi-Kochbuch Süpermarket Verdi und südliches Bahnhofsviertel.

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Dass am selben Tag diese beiden Lektüren auf meinen Tisch kamen, eine am Bahnhof gekauft, die andere Monate vor Erscheinen bestellt, kann kein Zufall sein, oder?

Während Herr Kaltmamsell das Abendbrot finalisierte (nach Langem mal wieder Steak and Kidney Pie), hatten wir anderen drei ausführliche Aperitive im Auroom.

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Obwohl es am Freitag noch düster und regnerisch gewesen war, erfüllte sich die Wettervorhersage für Samstag: ein golden sonniger und warmer Tag.

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Ideales Wetter, um mit dem Besuch auf die Auer Dult zu gehen. Wie hunderte anderer Münchner und Münchnerinnen auch. Sie ist aber auch zu großartig, die Dult, mit ihren unzähligen Ständen mit Haushaltswaren, Geschirr, Töpferei, etwas Handwerk, Kurzwaren, Speisen, und als Besonderheit der Auer Dult auch Antiquitäten und antiquarischen Büchern, dazu der große Jahrmarktsteil.

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Warum man sich niemals einfach aufs Wörterbuch verlassen sollte.

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Zu meiner Begeisterung gab es einen eigenen Stand mit Fettgebackenem (war ja schließlich die Kirchweihdult) und dort hervorragende Strauben (Brandteig).

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Abends ging der Besuch auf ein Konzert, ich guckte Back in Time for Dinner: Die BBC hat eine Familie Ernährung und damit verbundenes Leben samt gesellschaftliche Veränderungen seit den 50ern ausprobieren lassen. Die Folge zu den 80ern hatte ich zufällig während des jüngsten Brighton-Urlaubs erwischt, vom Besuch hatte ich erfahren, dass die anderen Folgen auf YouTube zu sehen sind.


Journal Samstag, 17. Oktober 2015 – Genesung bei A Royal Night Out

Sonntag, 18. Oktober 2015

Mich den ganzen Vormittag gegrämt, dass ich im Bett lag, statt auf einer Leiter im Apfelbaum zu stehen: Was hatte ich mich seit Monaten auf die Apfelernte mit dem Kartoffelkombinat in Schönbrunn gefreut! Aber das stand gesundheitlich völlig außer Diskussion. Überm Morgenkaffee sah ich auch noch, dass der Himmel aufriss. Jetzt wurde ich wirklich ärgerlich, das Konzept Krankheit erschließt sich mir immer weniger.

Mit hängenden Flügeln kehrte ich zurück ins Bett – und stand 30 Minuten später darin senkrecht: Vor dem (geschlossenen) Schlafzimmerfenster fand ein Raudauwettbewerb zwischen mehreren Rasenmähern und Laubbläsern statt. Also erklärte ich die Bettruhe für beendet – mir ging es auch schon bedeutend besser. Ich duschte und kleidete mich an, aß viel Hühnersuppe.

Neil Gaimans Coraline ausgelesen – ich brauchte nach der unwilligen und anstrengenden Lektüre von Amos Oz‘ Black Box (so ein überzeichneter, überkandidelter Schmarrn) dringend garantierten Lesegenuss. Funktionierte wunderbar.

Die beiden Balkonpflanzen hereingeholt.

Ich fühlte mich fit genug für ein wenig draußen und blätterte im Kinoprogramm: von A Royal Night Out hatte ich mal einen Trailer gesehen, der unterhaltsam wirkte, ich fuhr brav mit der Straßenbahn in die Museumslichtspiele (statt wie sonst mit dem Rad oder zu Fuß hinzukommen). Ein netter Film (die Bilder aus dem Trailer stammen übrigens zu 80% aus den letzten 10 Minuten des Films), zu einem etwas seltsamen Erzähltempo geschnitten. Hat jemand die deutsch synchronisierte Version gesehen und kann mir sagen, wie die überdeutliche Einordnung der Figuren durch ihre Akzente gerettet wurde? Im Englischen musste eine Figur ja nur den Mund aufzumachen und war klar working class oder middle class – die Prinzessinnen mussten praktisch nur husten, um sie als upper class zu markieren (plus Missverständnisse im Vokabular – „to go to the ladies“, hihi).

Auf dem (brav langsamen) Weg zurück zur Straßenbahnhaltestelle gesehen, dass die Isar überraschend wenig Wasser führt.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell das Suppenhuhn in Geflügelsalat verwandelt (mit Fenchel aus dem Ernteanteil, Nachbars Walnüssen und Ananas aus der Dose).

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Es wird einen Schulfilm übers Bloggen geben, in dem ich etwas sage – und hinter mir sieht man vorm Fenster ein Eichhörnchen einen Ast entlangrennen. My work is done.