Bücher

Journal Freitag, 3. Oktober 2014 – um den Eggelburger See

Samstag, 4. Oktober 2014

Feiertag!

Die Meteorologie hatte schönes Wetter vorhergesagt (Wandern!), allerdings erst nach Auflösung von Hochnebel – das war an den Tagen davor ab frühem Nachmittag gewesen.

Also nutzte ich den grauen Vormittag für eine Stunde Langhanteltraining in der Gruppe im Sportstudio. Ich hatte große Freude daran (ein letztes Mal mit der inzwischen durchgenudelten Musik der vergangenen drei Monate) – bis es ans Bankdrücken ging. Mein linker Arm ist jetzt wegen Nackenwirbelnerveinzwickung so deutlich schwächer als der rechte, dass ich die Übung abbrechen musste: Der linke Arm sackte einfach weg. Ich konnte ihn auch die folgenden Stunden vor Zittern fast nicht heben. Jetzt bin ich ernstlich besorgt – wie kann ich mit diesem Ausfall sinnvoll den Oberkörper krafttrainieren? Zumal der Neurochirurg damals gesagt hatte, die Taubheit im Arm könne von selbst wieder verschwinden, Kraftverlust aber bleibe. Werde mal mit den Trainerinnen sprechen.

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Auf dem Heimweg vom Studio besorgte ich im Verkaufsgeschoss unterm Hauptbahnhof Semmeln, zum Gabelfrühstück gab es gebratenen Tatsoi mit Rührei. Der Tatsoi aus dem Ernteanteil schmeckte ein wenig spinatig, ein wenig mangoldig, insgesamt aber vielschichtiger – wieder ein neuer Liebling, auf den ich von allein nicht gekommen wäre.

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Das Wandern hatte eher Spaziergangformat, mit dem Mitbewohner fuhr ich mal wieder nach Kirchseeon, um über den Egelburger See nach Ebersberg zu wandern.

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In Ebersberg sahen wir uns nach einem Wirthaus um. Die Alte Post am zentralen Marienplatz sah genau nach sowas aus, ebenerdig, niedrige Decke, fast vergessen unmodern eingerichtet. Wir waren die einzigen Gäste, bestellten lokales helles Bier vom Faß und Cordon Bleu vom Schwein. Wir bekamen ein ausgesprochen wohlschmeckendes Forstinger Bier (wenn ich schon mal eine zweite Halbe mag!), und gutes Fleisch mit einer der Säulen der deutschen Gasthauskultur: dem kleinen gem Salat (auch wenn die beiden Scheiben rote Bete in Wellenschliff fehlten, wie auf Instagram richtig bemerkt wurde).

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Der Mittagesser hat ein Gemüsekochbuch geschrieben, das jetzt auf dem Markt kommt:
Jetzt! Gemüse

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Es ist unter den knapp 12.800 Kochbüchern, die der Herr inzwischen geschrieben hat, unter anderem deshalb besonders erwähnenswert, weil der Mitbewohner und ich dafür probegekocht haben.1

Außerdem ist es ein schönes Buch, und es enthält gute Rezepte für Snacks, Beilagen, Hauptgerichte und Eingemachtes.

Wer sich jetzt fragt: Warum noch ein Gemüsebuch? Warum nicht gleich vegan? Und warum eigentlich nicht bei seinem Hausverlag? Die mögen vielleicht dieses Interview mit Sebastian Dickhaut lesen, in dem er darauf antwortet:
“’Ich mag’s, wenn es rasant losgeht’”.

(Über Frauen mit hässlichen Füßen reden wir aber nochmal, Sebastian.)

  1. Ich bin inzwischen sicher, dass ich selbst nie ein Buch schreiben werde. Macht nichts, wirklich. Dass es inzwischen eine Reihe Bücher gibt, die mich dankend erwähnen, finde ich aber ganz bezaubernd. []

Journal Montag, 22. September 2014 – Salaam in Lederhose

Dienstag, 23. September 2014

Morgenkaffee wieder vom Mitbewohner in der Bäckerei erjagt.

Um acht kam der Maler für den nächsten Schritt in der Küche.

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Es war ziemlich kalt geworden, ich brauchte zum Radeln in die Arbeit erstmals wieder Ledermantel.

Heftige, lange und verschiedene Arbeit.

Wie schon vergangenes Jahr hatte sich der Biergarten unterm Bürofenster in ein Mini-Oktoberfest verwandelt: Er liegt direkt an der Hackerbrücke, der S-Bahnhaltestelle, an der die meisten Besucher des Oktoberfests aussteigen. Und nun dudelt ab morgens Partymusik aus Lautsprechern (Roberto Blanco bis Herbert Grönemeyer), ab 14 Uhr immer häufiger übertönt vom Gröhlen Betrunkener.
Jedes Stückchen Grün im gesamten Häuserblock ist mit mannshohen Gittern umstellt, um die Wildpiesler wenigstens ein bisschen fernzuhalten.

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Abendessen im Sara Grill – wieder köstliche Grillspieße, exotisches Fladenbrot mit leichter Pfannkuchennote, aromatisches Sauergemüse.

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Als in meinem bodengerichteten Blickfeld ein Paar Haferlschuhe auftauchte, wurde mir klar, dass ich nicht mal hier vor Oktifest-seligen Lederhosenträgern in Tischdeckenhemden sicher war. Was ich allerdings in Ordnung fand, als der entsprechend Gekleidete den Bedienerich herzte und mit “Salaam” grüßte.

Auf dem Heimweg noch an der arabischen Bäckerei Nawa in der Landwehrstraße hängen geblieben, gefüllte Kekse gekauft (Walnuss / Datteln / Pistazien) und ein Schälchen weißes Dessert, das der Herr hinter der Theke uns als “Milchpudding” erklärte. Ich wollte dann auch noch den Originalnamen wissen: Mihallabiyya (er musste ihn zweimal sagen, bis ich mich nachsprechen traute – das erste I hört man eigentlich nicht). Er schmeckte sehr gut, deutlich nach Kardamom.
Die Kekse waren sehr gut, deutlich frischer und mürber als die, die ich vor ein paar Wochen in der Schwanthalerstraße gekauft hatte. (Im Umkreis von 200 Metern öffneten vergangenen Winter auf einen Schlag drei arabische Bäckereien.)

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Stand der Küche, nachdem der Maler die Wände schön glatt und malbar gemacht hat.

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Jo Lendle probiert als Chef des Hanser Verlags aus, was mit E-Books so geht – zum Beispiel die Veröffentlichung von einzelnen Texten, die für ein eigenes gedrucktes Buch zu kurz wären (ich denke sofort an Stephen Kings Different Seasons, dessen vier Geschichten ja nur deshalb als Buch zusammen veröffentlicht wurden, weil sie einzeln zu kurz waren): Die Hanserbox.

Ich war ja sehr gespannt gewesen, welche praktische Auswirkung seine grundsätzliche Haltung zur Zukunft des Buchs haben würde: Diese gefällt mir sehr, zumal sie wahrscheinlich auch verlagsintern gut verträglich ist, dennoch ein anderes Lesen und Lesenkaufen eröffnet. Hier die Vorschau der Hanserbox.

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Wer hätte gedacht, dass doch noch mal der Tag kommen würde, an dem ich mir ein Make-up Tutorial ansehe? Ganz!

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Das dörfliche China verschwindet. Wang Yuanling versucht dieses Verschwinden mit seinem Fotoapparat festzuhalten.
“Quiet, haunting photos of vanishing villages in China’s rural countryside”.

In his project The Degradation of Villages, Chinese photographer Wang Yuanling gives us a glimpse into a vanishing world. China’s near miraculous economic transformation has resulted in the largest internal migration in human history. As over 160 million Chinese, many of them young people, left their rural villages for the booming urban centers and the promise of a better life, the aging and the elderly were left behind in forgotten areas. Wang’s project focuses on just one of these places, a village in the Daba Mountains of remote Sichuan province.

Journal Dienstag, 16. September 2014 – Friseur und Küchenabschied

Mittwoch, 17. September 2014

Nochmal Crosstrainerstrampeln, bevor das mindestens eine Woche wegen Küchentauschs nicht mehr möglich ist (Crosstrainer unter Dingen begraben, morgens Handwerker und Handwerkerinnen im Haus).

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Nach bedecktem Morgen Altweibersommerwetter, mittags eine halbe Stunde Zeitunglesen in der Sonne.

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Abends der lang ersehnte Friseurtermin – sehr kurze Haare fühlen sich überraschend schnell zu lang an. Unterhalten wurde ich mit Geschichten aus dem Gefängnis (LARP in der JVA Landshut, “Hotel Stalin”). Sie bekommen beim Haareschneiden immer nur Klatsch und Tratsch aus Königshäusern? Tja, Augen auf bei der Friseurwahl!

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Daheim Überraschung und große Freude: Anne Wizorek hat mir ihr Buch schicken lassen, Weil ein #Aufschrei nicht reicht. Für einen Feminismus von heute.

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Dem Mitbewohner war zum Abendessen doch noch etwas eingefallen, was zumindest den Backofen ordentlich verdreckt: Spareribs, aka Schberrips.

Tschüss, Küche, danke fürs Durchhalten.

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Heftiger Artikel in GQ über sexuelle Gewalt im US-amerikanischen Militär:
“’Son, Men Don’t Get Raped’”.

Vielleicht hilft das zu verstehen, dass es bei Vergewaltigung nicht um Sex geht, sondern um Gewalt und Macht.

“In a hypermasculine culture, what’s the worst thing you can do to another man? Force him into what the culture perceives as a feminine role,” says Asbrand of the Salt Lake City VA. “Completely dominate and rape him.”
(…)
Men develop PTSD from sexual assault at nearly twice the rate they do from combat.
(…)
Whistle-blowers have alleged that the VA’s regional offices routinely destroy veterans’ medical records in an effort to escape a massive systemic backlog. Nearly 60,000 new patients have been made to wait ninety days or more since 2004, with some 65,000 others never getting to see a doctor at all. At least twenty-three veterans have died while waiting for care. In May, Eric Shinseki, the head of Veterans Affairs, resigned under pressure.

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Etwas heiterer: Bin sehr verliebt in diese Überschrift:
“Male birth control: if you build it, will they come?”
Und teile Jessica Valentis Bedenken.

Donna Tartt, The Goldfinch

Sonntag, 14. September 2014

Achtung: Völlig verspoilert!

Bis etwa 15% vor Ende des Buchs (ich las elektronisch, daher statt Seiten Prozentangaben) verstand ich den Erfolg von The Goldfinch und war begeistert.
Ich hatte direkt davor The Amazing Adventures of Kavalier & Clay von Michael Chabon gelesen und fand hier dieselbe Lust am Fabulieren und Geschichtenerzählen. Mich begeisterte, wie viele Freiheiten sich der Roman nahm; es gehört schon Mut dazu, in einer realen Zeit ein reales Museum mit einem sehr realen Kunstwerk von Terroristen in die Luft jagen zu lassen.

Ich mochte den Gegenwarts- und Realitätsbezug: Die Handlung spielt in einer Welt, in der es zum Beispiel Harry Potter gibt (Boris nennt den Protagonisten Theo so wegen seiner Brille), Twitter und Facebook. Ich zog gerne mit dem Blick der erzählenden Hauptfigur durch ein sehr konkretes New York. Mir gefiel sogar das detailreiche Erzählen, wo ich sonst mit dem Seufzer “Möbelbeschreibung!” Augen rolle. Doch die Intensität und Kleinteiligkeit, mit der ich zum Beispiel die Stunden erlebte, durch die der Erzähler nach dem Attentat muss, waren sorgfältig gemacht und eindringlich. Vom Haus, in dem Hobie lebt, bekam ich gar nicht genug; ich wäre bei jedem Aufenthalt gerne länger darin geblieben, hätte mich noch gründlicher umgeschaut.

Spektakulär auch die gesamte Episode in Las Vegas: Die Halbgeisterstadt, in der Theo mit seinem Vater und dessen Partnerin lebt, die Bauruinen, das umgebende Nichts – das war ganz wunderbar gegen meine Erwartungen sowohl von Las Vegas als auch von Suburbia geschrieben. Und dann die geradezu magische Personenführung und Charakterzeichnung des jungen Boris inklusive der sehr glaubhaften Sprache eines ukrainischen Einwandererbürschchens!

Viele Besprechungen nennen den Roman “Dickensian” – darauf wäre ausgerechnet ich Dickensleserin nicht von selbst gekommen; mag aber daran liegen, dass ich direkt zuvor Kavalier & Clay gelesen hatte. Ja, wir haben ein Waisenkind, und Hobie samt Haus sind tatsächlich sehr Dickens. Aber damit enden die offensichtlichen Bezüge meiner Meinung nach. Großartig angelegt und geführt fand ich die Hauptfigur Theo – und gerade die ist viel zu komplex für Dickens, dessen Protagonisten und Protagonistinnen in Schwarz oder Weiß fallen – ach was, eigentlich immer das Gute personifizieren, auch wenn sie mal kleine Ausflüge ins Böse unternehmen dürfen (siehe David Copperfield). Doch Theo ist von Anfang an eher auf der unsympathischen Seite. Zwar wird er durch den gewaltsamen Tod seiner Mutter aus der Bahn geworfen, etwas wackelig auf den Gleisen war er aber schon vorher. Mir erschien es ohnehin mit der Zeit schlimmer und vergiftender, diesen zwielichtigen Alkoholikervater zu haben, der Kinder nicht mag und den eigenen Sohn als lästig empfindet, als die Mutter im Alter von 13 Jahren zu verlieren.
Von Anfang an ist Theos Werte- und Moralgerüst ziemlich schräg und löchrig – und ich rechne dem Roman hoch an, dass er am Ende auf eine Läuterung verzichtet.

Spannend und interessant fand ich die Aspekte Antiquitäten, Restauration, Drogen: Sie nehmen alle großen Raum ein und scheinen so sauber und intensiv recherchiert, dass sich der Roman mit Leichtigkeit darin bewegte.

Anders zum Beispiel als das Gaunermilieu – und hier kippen wir in das letzte Stück des Buchs, das mich langsam, aber immer intensiver den Kopf schütteln ließ. Internationale Russenmafia? Schießereien im Parkhaus? Ernsthaft? An dem Punkt, an dem die Geschichte sich für die Abzweigung ins Thriller-Genre entschied, begann sie mich zu verlieren. Ich blieb lediglich dran, weil ich mich weiter für die Hauptfiguren interessierte.

Doch völlig unvermittelt beginnt der Erzähler, der bislang ein rein handelnder war, vordergründig zu erzählen. Plötzlich soll alles Bisherige eigentlich die Zusammenfassung von jahrelangem Tagebuchschreiben gewesen sein, das davor bei allem Detailreichtum nicht mal angedeutet wurde. Und plötzlich begann ich mich zu fragen, wer hier eigentlich spricht und warum:
Die meiste Zeit haben wir ein erzählendes Ich, das die gesamte Handlung nachträglich erzählt, so richtig als Geschichte. Also inklusive foreshadowing (“ich sollte ihn erst viele Jahre später wiedersehen” / “ein großartiger Tag – selbst wenn man bedenkt, was später passieren sollte” etc.)1 und auch sonst mit viel Wissen über die Zeit nach der augenblicklichen Handlung. Wir haben einen Erzähler, der aus Erwachsenensicht das Kind erzählt, aber sich noch sehr gut an das kindliche Erleben erinnert. Das ist eine Erzählhaltung und Erzählstimme mit Tradition. Bei ihr ist auch klar, dass eine Ebene darüber eine führende Hand Sprache auswählt, ihn auftreten lässt (nannte man zu meiner Zeit impliziten Autor/Erzähler).

Ganz zum Schluss aber soll das alles eine echte Zusammenfassung gewesen sein aus Tagebüchern, die er ständig geführt hat – aber nur für sich selbst: “nobody is going to read this anyway”. Ich dachte zurück an den eigentlich Anfang des Romans, der ja ganz unchronologisch in Amsterdam spielt: Nur für sich selbst hat dieser Ich-Aufzeichner als erstes Kapitel die Amsterdam-Szene vorangestellt? Den allwissenden Erzähler gespielt? Und während des ganzen Erzählens mit keiner Silbe das Tagebuchschreiben erwähnt? Das kam mir sehr wie eine nachträgliche und aufgesetzte Idee vor – die ich einfach nicht verstand und die so gar nicht zu dem ganzen Rest passen wollte.
Ebensowenig wie die ausführlichen philosophischen Welterklärungen am Schluss, deren predigender Tonfall überhaupt nicht zum Erzähler der ersten drei Viertel des Buchs passte.

Zumal es da auch noch eine Zwischenphase gibt: Das Wiederauftauchen von Boris in New York stellt einige vorhergehende Schilderungen in Frage. Die Selbstsicht von Theo stimmte wohl zu großen Teilen nicht mit Fakten überein. Hier scheint mir der Roman eine Abzweigung zu einem eigentlich anderen Ende zu nehmen: Auch in ihm würde die Glaubwürdigkeit der bisherigen Erzählstimme erschüttert. Aber statt in diese Richtung elegant zu Ende zu schreiben, tauchen auf einmal die angeblichen Tagebücher auf.

Als ich vor vier Wochen mit dem Roman durch war und nach Rezensionen sah, war gerade in US-Medien eine kleine Debatte über den literarischen Wert von The Goldfinch im Gang. Vielleicht möchten Sie ja nachlesen:
“It’s Tartt—But Is It Art?” in Vanity Fair.

Kann ich den Roman empfehlen? Ja, denn er kann großes Lesevergnügen bereiten. Dennoch bin ich sehr enttäuscht, wie sehr er’s vermasselt hat.

  1. Keine echten Zitate: So gerne ich E-Books lese – das Wiederfinden von Passagen oder konkreten Sätzen ist auf meinem Kindle ein Alptraum, dessen Mühe ich scheue. []

Journal Donnerstag, 11. September 2014 -
eine starke Familie

Freitag, 12. September 2014

Dienstags und donnerstags öffnet das Sportstudio, dessen Mitglied bin, schon um 7 Uhr. Gestern nutzte ich das für eine Runde Gewichtheben, da ich ja mein wöchentliches Krafttraining am Dienstagmorgen ausgelassen hatte, zudem meinen Muskeln mal eine andere Art Heben zumuten wollte, damit sie sich nicht an die ständig gleichen Übungen gewöhnen. Behaupte ich jetzt mal, weil es sich unglaublich vernünftig liest.

In Wirklichkeit brauchte ich einen Tagebuchanlass, um Ihnen dieses hinreißende Foto zu zeigen (allein schon der zeittypische Fotorand!):

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Papa Kaltmamsell als 17- oder 18-jähriger in einem Madrider patio. Die Langhantel hat offensichtlich Tradition in unserer Familie.
(Wir Geübten freuen uns genug über diese historische Aufnahme um darüber hinwegzusehen, dass der Bursche ebenso offensichtlich keine Ahnung hatte, wie man mit Langhanteln trainiert.)

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Den ganzen Tag allein im Büro gesessen, da drei Kolleginnen von zuhause aus arbeiteten und Chef im Urlaub ist.

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Abends Leserunde bei Mitbewohner und mir zu The Goldfinch von Donna Tartt. Niemand von uns sieben war richtig begeistert, zwei hatten die Lektüre nach gut hundert Seiten abgebrochen. Ich hatte es gern gelesen, war nur über die erzähltechnischen Volten der letzten 15 Prozent (E-Buch) so bestürzt, dass sie mir rückblickend alles vergällten. Detailliertere Besprechung liegt in Stichpunkten in meinem Entwürfe-Ordner. (Hm – und wenn ich einfach die Stichpunkte poste?)

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Noch jemand, die ich mir in allem ansehe: Emma Thompson. Meinetwegen auch beim Retten der Arktis.
“Emma Thompson in the Arctic with Greenpeace: ‘There are more good-looking men on this boat than any place I have ever been'”

Zu diesem Einsatz gehörte, dass Emma Thompson für Greenpeace ein wenig twitterte – die Gemmen darunter werden im Filmchen eingeblendet.

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Antje Schrupp hat einen Vortrag gehalten:
“Wer darf was wann (nicht) sagen? Political Correctness und Meinungsfreiheit”.

Was in einer jeweiligen Gesellschaft gesagt werden kann und was nicht, ist immer das Ergebnis eines historischen Aushandlungsprozesses. Es hat nichts mit Beweisbarkeit oder absoluter, objektiver Wahrheit zu tun, sondern es ist ein Kulturprodukt, eine Übereinkunft.

Deskriptiv (wie funktioniert das warum in der Gesellschaft?) sind ihre Ausführungen, keineswegs präskriptiv (so sollte das funktionieren) – und gerade deshalb erhellend. Da Antje Schrupp zu Redenschreibern sprach, macht sie sich aber auch Gedanken, was ihre Beobachtungen für das Redenschreiben bedeuten.

Journal Sonntag, 24. August 2014 – neues Brot und später Lauf

Montag, 25. August 2014

Ausschlafen dauerte bis deutlich nach sieben, untermalt von Regenrauschen.
Ich hatte am Vortag Vorteig für das Dunkle Bauernbrot (no knead) von Lutz angesetzt, jetzt ging’s an die nächsten Schritte. Das Anstellgut war schon recht alt gewesen, entsprechend wenig hatte sich in den 20 Stunden Vorteiggehen getan. Ich plante, im Gesamtteig mit ein wenig Hefe nachzuhelfen – doch im Kühlschrank war keine. Musste ich mich also auf die Triebkraft des Sauerteigs verlassen.

Zu meiner Erleichterung ging der Laib im Ofen auf.

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Wie sich beim Anschneiden allerdings herausstellte, sehr ungleichmäßig.

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Geschmeckt hat das Brot ausgezeichnet. Das nächste Mal also mit aufgefrischtem Anstellgut und Maschinenkneten.

Am Samstag hatte der Mitbewohner einen kleinen Laib Bauernbrot von einem durchaus guten Münchner Bäcker mitgebracht (Münchner Freiheit) – eine Enttäuschung. Ich fürchte, bei Roggenbroten ist mir mittlerweile das selbst gebackene das liebste. Weizensauerteigbrot vom guten Bäcker schätze ich aber. Noch.

Nebenher bloggte ich für die Freistilstaffel, die Vorspeisenplatte und das Techniktagebuch, las Internet.

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Das Brotbacken hatte so lange gedauert, dass ich erst um eins rauskam zu meinem Isarlauf. Der Regen hatte sich im Lauf des Vormittags beruhigt und Platz gemacht für blauen Himmel mit ordentlich Wind, der immer wieder andere Wolkenformen übers Firmament trieb. Die Luft war frisch und sauber, noch riecht es trotz der niedrigen Temperaturen nicht wirklich nach Herbst. Und das Licht ist ganz eindeutig augustern.

Ich radelte zum Friedensengel und ließ mein Fahrrad dort stehen, lief auf der Westseite bis Unterföhring, auf der Ostseite zurück – leichtfüßig und problemlos.

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Nach Duschen und Essen (frisches Brot mit Butter, Mango-Banane-Feigen-Salat, Chocolate Chip Cookies) las ich eine spannende Hausarbeit über die Abtei Frauenchiemsee Korrektur – wissen Sie, ich lasse ja studieren.

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Abends testkochte der Mitbewohner ein weiteres Rezept aus einem anstehenden befreundeten Kochbuch. Uns beiden waren einige Details des Rezepts wegen widersprüchlicher Angaben nicht ganz klar (dazu ist die Testkocherei ja gedacht: Unklarheiten aufzuspüren und zu beseitigen), doch das Ergebnis schmeckte und nährte.

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Ein frischer Polizeiruf im Fernsehen, nicht nur mit dem verehrten Matthias Brandt, den ich mir in allem ansehe, sondern auch mit einer Schauspielerin, der ich regelmäßig mit offenem Mund auf der Bühne der Kammerspiele zuschaue: Sandra Hüller. Das Drehbuch mit seinen geradezu realistischen Dialogen ließ beide aufs Ergötzlichste von der Leine. Die Süddeutsche hat mit Sandra Hüller über diesen Polizeiruf gesprochen.1 Eine kluge Besprechung gibt es bei der Zeit.

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Im Bett ein weiteres Kapitel aus Pia Ziefles ganz frischem neuen Roman gelesen, Länger als sonst ist nicht für immer. Pia hatte mir das Buch geschickt – ich bin sehr gerührt und erfreut.

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Nicht gebügelt, nicht die Wochenendzeitung gelesen.

  1. Eben dort entdeckt: Hinter einem dezenten Link unterm Artikel erklärt die Süddeutsche ihre Interpretation des Leistungsschutzrechts – was und wieviel darf man zitieren? []

Ein etwas längeres Wochenende

Montag, 11. August 2014

Die Bügelwäsche ist weg, Donna Tartts The Goldfinch ausgelesen, sogar zu zweimal Ausschlafen und einmal Mittagsschlaf hat es gereicht.

Nur mit dem Wetter habe ich mich wieder verschätzt. Der Samstag begann mit Badewetter.

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Also packte ich nach dem Fertigstellen der Aprikosentarte (Rezept ein wenig verbessert) Schwimm- und Badesachen, radelte damit zum Schyrenbad. Nur dass nach meinen 3.000 Metern der Himmel energisch bedeckt war und ich keinen Grund für längeren Aufenthalt fand. Am frühen Nachtmittag regnete es dann und kühlte so stark ab, dass ich zum Lesen Wollsocken und Strickjacke trug. Ein wenig warm wurde mir erst beim Bügeln.

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Der Sonntag wiederum ließ sich bedeckt an – passendes Laufwetter. Doch bis ich nach Morgenkaffee, Bloggen und Internetlesen aufs Radl an die Isar stieg, war Sommer ausgebrochen. Der Lauf wurde wunderschön, doch ich hätte gerne Trinkwasser dabei gehabt.

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Erst habe ich sie fotografiert, die beiden Erdbeerchen, dann gegessen. Schmeckten nach überhaupt nichts.

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Zum anschließenden Frühstück backte der Mitbewohner Hefewaffeln. Herzlichen Dank für die wundervollen Rezepttipps!

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Das Backen dauerte deutlich länger als veranschlagt, doch frisch schmeckten sie wirklich köstlich. Abgekühlt weniger.
Die nächste Runde sind dann Rührteigwaffeln.

Tiefer Mittagsschlaf, den Nachmittag über auf dem Balkon The Goldfinch ausgelesen und genossen. Jetzt will ich aber erst mal wieder etwas Kürzeres lesen.

Abends eine Geschichte von 1990 aus der Autofabrik fürs Techniktagebuch umgearbeitet.
Am Vormittag hatte ich eine spürbare Zeit gebraucht herauszufinden, in welchem Jahr genau das war. In der Überzeugung, ich hätte alle Kontoauszüge meines Lebens aufgehoben, nämlich als historische Quellen, suchte ich erst mal dort – und stellte fest, dass ich die von vor 1994 irgendwann weggeworfen hatte. Aufschluss brachten meine Gehaltszettel: Die habe ich tatsächlich noch alle, alle.
(Ja, das könnte ich alles mal scannen und digital archivieren. Vielleicht an langen Winterabenden.)