Bücher

Journal Freitag, 16. Januar 2026 – Das Schreiben über nichts zu schreiben

Samstag, 17. Januar 2026

Ein weiterer Tag, der fürs Blog einfach so gar nichts hergibt. Am liebsten würde ich alle Vorbeilesenden mit einem “Gehen Sie einfach weiter” fortschicken, um niemandem die Zeit zu stehlen. Für mich selbst haben die Posts als Teil dieser öffentlichen Langzeitchronik eines durchschnittlichen Lebens ja wenigstens wissenschaftlichen Wert.
Vielleicht arbeite ich künftig mit verschiedenen Schriftfarben und formatiere die “Hier gibt’s nichts zu sehen”-Posts in Grau.
Wenn schon so wenig los ist, dass ich darüber schreibe, wie wenig los ist. (Siehe Schriftsteller, denen nichts mehr einfällt, und die dann Romane über Schriftsteller schreiben, denen nichts mehr einfällt, siehe aktuelle Glattauer-Lektüre. Das Lesen meiner Texte kostet wenigsten kein Geld.)

Noch war der Frost nur mit einem Fuß in der Tür zurück, ich marschierte durch einen herrlich klaren, aber nicht zu kalten Morgen in die Arbeit.

Mein elektronisches Postfach war seit Feierabend am Donnerstag gut gefüllt worden, ich arbeitete nach Dringlichkeit ab. Und haderte wie so oft in den jüngsten Jahren mit der IT-Verkrempelung der Welt: Es werden immer aberwitziger mächtige und disruptive neue Systeme eingeführt, während Alltags-IT, also normales Handwerkszeug, immer unzuverlässiger wird und immer mehr Work-arounds erfordert. Ich kann mir gut vorstellen, wie viel mehr Spaß Ersteres macht, aber es wird doch auch in der IT ein paar Hausmeisternaturen geben, die berufliche Befriedigung im Ermöglichen flüssiger Abläufe finden?

Das Wetter blieb sonnig, ich freute mich an meinem Marsch zu Mittagscappuccino.

Eine Runde später freute ich mich an meinem Mittagessen: Orange (ich bin schon wieder sauer-empfindlich), süße Clementine, Quark mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Der Nachmittag brachte einige berufliche Planung durcheinander. Ich möchte mich hiermit beschweren, dass man mich einen Workshop nicht “wegen verzögerter Bereitstellung” absagen ließ (was exakt gestimmt hätte).

Bei pünktlichem Feierabend war es es noch hell, in weiterhin sonnigem Wetter brach die Abenddämmerung gerade erst an. Wunderbarer Heimweg mit kurzem Einkaufsabstecher im Vollcorner. Seit dem Vorabend hatte meine Schnupfennase kein Nasenspray mehr benötigt, auch das hob meine Laune.

Zu Hause machte ich mich erstmal ans Kuchenbacken und stellte die Crostata nach Rachel Roddy fertig, die es am Samstag zu KaffeeundKuchen bei den lieben Schwiegers geben soll.

Der Teig ließ sich gut verarbeiten, jetzt muss der Kuchen nur noch schmecken.

Eine sportliche Runde Yoga, dann mixte ich auf Herrn Kaltmamsells Wunsch Cocktails fürs Wochenendfeiern: Green Monkey, zum Ausprobieren mit Clementinensaft.

Freitagabend-Stillleben. Mandolinen und Fasane waren aus, als memento mori muss der leere Sahnebecher herhalten.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell nach sehr langem mal wieder Pulpo besorgt und servierte ihn a la gallega mit Kartoffeln, Spitzpaprika, blättrigem Knoblauch, pimentón de la vera.

Der Tintenfisch hatte die perfekte Konsistenz zwischen zart und Biss, sehr gutes Abendessen. Dazu hatte ich einen Verdejo aus Rueda aufgemacht, passte sehr gut. Nachtisch Panettone und Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, ich brachte Daniel Glattauer, In einem Zug zu Ende. Überflüssig wie eine deutsche TV-Vorabendserie und etwa so Klischee-beladen (und für dieselbe Zielgruppe?), u.a. mit einem Ich-Erzähler und Protagonisten, der sich als “glücklich verheiratet” bezeichnet – sagt man das wirklich noch? Um zu betonen, dass die bekanntlich schlimme und unausweichliche Fessel der Ehe auch gute Seiten haben kann? Einem handwerklichen Aspekt zolle ich Respekt: Glattauer versucht die Einheit von Ort und Zeit, die Lektüredauer des Buchs entspricht etwa der Dauer der Handlung.

§

Wikipedia wird 25 Jahre alt, und als Internet-Greisin habe ich natürlich auch dazu einen persönlichen Bezug: Damals fühlte sich das Web ja noch an, als gehörte es uns User*innen (ganz werde ich dieses Gefühl nie verlieren), und Wikipedia war eine von vielen großartigen Ideen, diese neue weltweite Verbindung mit ALLEN (die damals tatsächlich nur eine winzige Gruppe waren) zu nutzen. So beteiligte auch ich mich gleich mal mit kleinen Verbesserungen, Korrekturen, Ergänzungen, wenn mir etwas auffiel oder ich halt was wusste. Allerdings reichte meine Energie (im Gegensatz zu der von Herrn Kaltmamsell) nicht für echte Autorinnenschaft, also neue Artikel oder auch nur Absätze zu meinen Fachgebieten.

§

Eine bemerkenswerte Fotografin auf instagram bei @womeninstreet, @sawadicat: Sie schreibt, dass sie zwar in Farbe fotografiert, aber ihre Bilder in Schwarz/Weiß bearbeitet, das Ergebnis finde ich sehr interessant. Auch diese Serie Schaufensterpuppen.

Ich gestehe, dass ich einiger, wie ich es empfinde, Topoi der Street Photography müde geworden bin: bestimmte Perspektiven, bestimmte harte Licht-Schatten-Kontraste. Die oben verlinkten Bilder empfinde ich als erfrischende Alternative, aber das mag mein persönlicher Geschmack sein: Mich interessiert vor allem die Geschichte, die ein Foto erzählt.

Journal Montag, 12. Januar 2026 – Muskelgedächtnis beim Maskentragen

Dienstag, 13. Januar 2026

Wieder eine überraschend gute Erkältungsnacht: Mit einer Ladung Nasenspray doppelseitig und einer Ibu schlief ich nahezu durch.

Angenehmer Arbeitsweg: Der Schnee vom Sonntag war noch schön griffig, der angekündigte Eisregen hatte noch nicht zugeschlagen.

Im Büro setzte ich mir erstmal Maske auf, bis ich die Tür zu meinem einzeln besetzten Büro schließen konnte: FFP1, weil das bei einem grippalen Infekt reichen sollte, und mein Muskelgedächtnis wusste noch genau, wo die Finger den Steg knicken mussten, damit er geschmeidig unter die Brille passte.

Ich sortierte mich, sichtete den E-Mail-Eingang, hatte eine erste Besprechung, aus der ich mir Aufgaben holte – da brachen Querschüsse über mich herein und Rätsel. Recherchen, die eigentlich zur Lösung der Rätsel führen sollten, brachten lediglich weitere Rätsel zutage, irgenwann war es bereits Mittag, mir war jede Lust auf Mittagscappuccino vergangen. Zumindest huschte ich wie geplant für Abendbrot-Einkäufe raus, doch zurück am Arbeitsplatz erwarteten mich weitere Querschüsse.

Mein Mittagessen wurde spät und ohne Appetit lediglich gegen Bauchweh reingeschaufelt (und als Unterlage für Ibu, meine Nebenhöhlen hatten ihren Erkältungseinsatz): Kartoffelsalat vom Sonntag, eine Orange.

Sehr umtriebiger Nachmittag, ich musste mich dazu disziplinieren, weniger Wichtiges auf Dienstag zu schieben. Das war insgesamt ein bisschen zu viel Ablenkung vom Schnupfen, ächz. Außerdem hatte ich meinen Taschentuchbedarf unterschätzt (gestern bereits Phase wunde Nasenlöcher) und musste haushalten, zu Feierabend verließ ich das Büro auf dem letzten Taschentuch.

Draußen taute es schon seit Stunden, immer wieder regnete es. Ich befürchtete einen rutschigen Heimweg, doch es war so warm geworden, dass ich in Matsch nach Hause stapfte. Und in Regen.

Daheim eine Runde Yoga mit Adriene, die Folge 6 von True – richtig originelle Übungen. Aber boat pose wird bei mir mit dem Lendenwirbel-Gerumpel in diesem Leben nicht mehr besser.

Im Zentrum des Nachtmahls stand Räucherfisch: Forelle und Lachsforelle aus über zwei Ecken angeheiratet familiärer Produktion. Dazu machte Herr Kaltmamsell Meerrettichsahne, ich eine Schüssel Feldsalat mit Kürbiskernöl-Dressing, und ich hatte Wurzelbrot gekauft. Gutes Abendessen. Zum Nachtisch hatte ich reichlich Schokolade nachgekauft.

Ich ließ mir vor allem von Herrn Kaltmamsell seinen Tag erzählen und versuchte selbst möglichst wenig zu sprechen: Die Erkältung machte sich gerade über meine Stimme her, doch ich muss am Dienstag eine Online-Besprechung moderieren.

Früh ins Bett, dort neue Lektüre: Daniel Glattauer, In einem Zug – mal sehen, ob er den schlechten Eindruck, den ich durch Gut gegen Nordwind bekam, ändert.

Journal Sonntag, 11. Januar 2026 – Eingeschränktes Schneevergnügen

Montag, 12. Januar 2026

Die startende Erkältung hatte mich gut schlafen lassen, das war schonmal was. Aufgestanden zu Winteraussicht – und dem Gefühl, einen endlos verfügbaren freien Tag vor mir zu haben, weil ich keinen Sport treiben konnte und keinen Termin darin hatte. Leise Trauer um den verpassten Sonnenschwumm im Dantenad.

Auch diesen Winter die schöne Visualisierung: Menschen, die nicht an Sackgassenschilder glauben.

Nach Bloggen mit Milchkaffee machte ich mich in der Küche zu schaffen: Abends sollte es Fleischpflanzerl mit Kartoffelsalat geben, dafür bin ganz fest ich zuständig, ich setzte die Kartoffeln aus Ernteanteil auf. Nach einem besonders schlechten Kartoffeljahr 2024 war das vergangene ein besonders gutes Kartoffeljahr gewesen mit deutlicher Überproduktion und abgestürzten Marktpreisen für Kartoffeln. Ein Anbauer in Sachsen verschenkt jetzt einfach 4000 Tonnen, bei uns im Kartoffelkombinat als Anbaugenossenschaft bedeutet die überreiche Ernte, dass halt mehr Kartoffeln im Ernteanteil landen.

Draußen strahlte die Sonne auf frisch Beschneites, da wollte ich hin.

Ich spazierte zur Theresienwiese und von dort rüber zum Westpark. Jede schräge Fläche wurde zum Schlittenfahren genutzt, es war mords was los.

Hochbetrieb im Gans am Wasser.

Hier war eben eine Frau auf Plastikwannenschlitten runtergesaust – mit Schwung über den Gehweg und über den zugefrorenen Teich, ein Riesenspaß. Im Landlebenblog und bei Croco gibt’s mehr Schlittengeschichten.

Stellte sich heraus: Mit Erkältung spaziert es sich gar nicht so schnell und so weit wie ohne. Eigentlich waren die Verhältnisse so, wie sie mich zu freudigsten Märschen verlocken: Schnee, Farben, Sonne, windstill, nicht zu kalt. Und ich war ohnehin schon vernünftig in langsamerem Tempo unterwegs als sonst. Doch schon nach nicht mal einer Stunde fühlte ich mich schwach und traurig, dann fröstelte mich auch noch. Ich begann mit mir zu verhandeln, bis wohin ich mich motivieren würde, fing mich aber dann doch: Mein Körper war einfach mit anderem beschäftigt als Bewegungsfreude, er wollte nicht mehr und ich sollte ihn heimbringen. Außerdem zog der Himmel eh gerade zügig zu.

Heimfahrt also mit der U-Bahn ab Westpark – mit hochgezogenem Schal, denn ich hatte keine Maske dabei.

Daheim um eins zum Frühstück: Kartoffelsalat (er schmeckte mir beim Abschmecken so gut, dass ich gleich ein Schälchen abzweigte), restlicher Waldorfsalat vom Vorabend, Zwetschgendatschi (trotz Hefeteig auch am nächsten Tag noch gut).

Nachmittags lenkte ich mich mit Lesen von meiner Erkältung ab: SZ-Magazin, Michael Eckerts Biografie Joseph von Baader zu Ende (mir war nicht klar, mit wie viel persönlichem Gezänk der technische Fortschritt in Bayern um die Jahrhundertwende 18./19. verbunden war, heutiges Manager-Gehackel Dreck dagegen). Kurze Bügelrunde – aber lang genug, dass ich mir durch einen Fehlgriff eine Brandblase am linken Mittelfinger holte.

Vor dem Abendessen eine Runde Yoga, die belastete meinen Körper gar nicht.

Auch die Fleischpflanzerl gelangen mir besonders gut, köstliches Abendessen. Nachtisch Zwetschgendatschi und Schokolade.

Wohnungräumen für den ersehnten Putzmanneinsatz nach vier Wochen.

§

Kathrin Passig schreibt über
“Lebst du noch?”

Mir fällt auf, dass ich mir selten Sorgen um Herrn Kaltmamsell mache, wenn ich nichts von ihm höre – also wenn er oder ich mit Ankündigung woanders sind. Nur überraschende Abwesenheit löst Unruhe aus, eine verpasste Verabredung wäre Anlass für Alarm. Allerdings gibt es ja auch kein Tier zu versorgen.

§

Politikwissenschaftlerin Antja Schrupp macht sich Gedanken:
“Wie durchgeknallt ist Donald Trump?”

Ich glaube, wenn Linke und Liberale über die Trump-Administration lachen, dann reden sie sich die Sache schön. Slogans wie „Make America think again“ oder Darstellungen von Trump als Clown oder Psycho suggerieren, dass das alles nicht ernstgemeint sein kann. Man ruht sich gewissermaßen darauf aus, objektiv rechtzuhaben und hofft, dass das Gute und Wahre sich schlussendlich schon durchsetzen wird. Die Wissenschaft hat schließlich festgestellt, dass Fleischessen schädlich ist, der menschengemachte Klimawandel real, und die binäre Geschlechterlogik sozial konstruiert.

Aber Politik funktioniert so nicht. Wie wir die Welt sehen, was wir für wahr und was für falsch halten, ist nicht in erster Linie ein Ergebnis vernünftigen Nachdenkens, rationalen Argumentierens, wobei am Ende gewinnt, wer objektiv recht hat. Sondern Politik funktioniert über Emotionen, über Narrative, über kollektive Dynamiken. Was wissenschaftlich betrachtet „wahr“ ist, ist ebenso zweitrangig wie das, was sich „gehört“. Man kann das alles über den Haufen werfen – und Donald Trump und seine Regierung haben das gemacht: Sie sind der reale Beweis dafür, dass Wahrheiten sozial hervorgebracht werden. Wissenschaftliche Evidenz? They don’t give a shit.

Für die MAGA-Base sind Dinge wahr, die wir für objektiv falsch halten, und das ist alles, was zählt. Dass wir nach wissenschaftlichen Maßstäben „recht haben“, spielt für den politischen Ausgang der Geschichte schlichtweg keine Rolle. (Für den faktischen schon, denn die Klimakatastrophe wird reale Folgen haben usw. aber das sind andere Zeitdimensionen. Bei Politik geht es um Monate und Jahre, nicht Jahrzehnte und Jahrhunderte, und wie wir im Rückgriff auf Corona sehen, kann dann die Realität auch rückwirkend durch politische Narrative geprägt und verzerrt werden, aber das nur als Einschub).

Journal Dienstag, 6. Januar 2026 – Pfännchenessen revisited

Mittwoch, 7. Januar 2026

Keinen Wecker gestellt trotz Plänen und trotz der Idee, durch frühes Wecken schonmal für den ersten Arbeitstag zu üben: Ich erlaubte mir nochmal den Genuss des Ausschlafens.

Dem Zuschwellen der Nasenschleimhäute steuerte ich mit besonders kalter Luft durchs gekippte Fenster gegen, auch wenn das Ohrstöpsel gegen Schlafstörung durch Lärm von außen erforderte. Klappte gut!

Vormittags machten wir uns auf dem Weg zum Bahnhof. Es war scheißkalt geblieben, aber wir bekamen ein wenig blauen Himmel und Sonne.

Schöne Idee am Münchner Bahngleisende: “Lesen, bis der Zug kommt.” mit Ausschnitten aus Thomas Manns Zauberberg für 30 Minuten Lesezeit, 20, 10 und 5. Wir hätten gestern die 20-Minuten-Version wegen ebenso langer Verspätung nehmen können, doch erfuhren wir diese zu scheibchenweise und warteten statt dessen in Eiseskälte am Bahnsteig (“wegen verspäteter Bereitstellung” – wie sagte mal ein Zugchef? “Ham’s wieder den Zug net g’fund’n?”).

Auch im Ankunftsort Ingolstadt Scheißkälte, meine Mutter versuchte sie mit Hinweis auf Winter und Januar zu rechtfertigen. Wenn ich über Scheißhitze im Juli schimpfe, darf ich auch über Scheißkälte im Januar schimpfen.

Rein gar nichts zu schimpfen gab es über den gedeckten Tisch: Pfännchenessen, das hatte ich wahrscheinlich seit Jahrzehnten nicht mehr. Auf der Anreise hatten Herr Kaltmamsell und ich Erinnerungen abgeglichen und festgestellt, dass wir aus komplett verschiedenen Pfänncheness-Kulturen kommen: Er erzählte von Doppelpfännchen auf Rechauds!, ich kenne Überback-Teflon-Pfännchen plus Brat-Dach. Letzteres wurde gestern geboten, dazu reichlich Unterhaltungen mit meinen Eltern, meinem Bruder (leider krankheitsbedingter Ausfall der Schwägerin), Bruders Schwiegermutter. Was ich bereits vergessen hatte: Wie leicht es bei dieser Essform mit reichlich Angebot ist, den Überblick über die bereits gegessenen Mengen zu verlieren. Zum Glück winkte meine Sättigung heftig, bevor ich mich überfraß. Und so ließ ich auch den Nachtisch lieber aus: Zimttorte.

Noch bei Tageslicht nahmen wir einen Zug nach Hause, passierten einige zugefrorene Teiche und Seen, auf denen eisstockgeschossen oder schlittschuhgefahren wurde.

Ich las Joachim Meyerhoffs Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke aus: Gefiel mir gut, er schreibt wirklich anschaulich, in gutem Erzählrhythmus und setzt hervorragend Pointen. Ich wusste aus einem Interview im SZ-Magazin mit Simon Verhoeven und seiner Mutter Senta Berger, dass sie zusammen den Roman gerade verfilmt haben (€ – »Du willst jetzt wirklich darüber reden?« – »Darüber will ich reden«), will ich unbedingt sehen. Senta Berger ist sicher die ideale Besetzung einer alten, wunderschönen Schauspielerin, doch vor allem will ich herausfinden, wie sie das endlose Versagen des Erzählers im Schauspielunterricht und als Schauspieler umsetzen.

Hoffnung auf einfachere Wohnungswärmung: Beim Heimkommen brannte in der Wohnung unter uns Licht!

Kurz vor Ende der Weihnachtsferien schaffte ich noch zwei von den drei Erledigungen, die ich mir für diese Ferien vorgenommen hatte (habe sofort meine Sprüche-liebende Mutter im Ohr: “Am Abend wird der Faule fleißig!”): Loch in der Manteltasche flicken, Inhalt meiner Unterlagenschublade sortieren und abglegen. Dieses Schublädchen enthält in erster Linie Kassenzettel und Rechnungen, Wichtigeres schaffe ich inzwischen sofort nach Erhalt in den entsprechenden Ordner zu heften. Ich legte Aufhebenswertes aus zwei Jahren Einkäufen ab.
Erledigung drei war Abtauen und Reinigen von Kühlschrank und Gefrierteil; das verschob ich mit Herrn Kaltmamsell energisch auf nächstes Wochenende.

Ein lange Einheit Yoga, tat gut. Allerdings merkte ich dabei, dass das Mittagessen noch lang nicht verdaut war. Als Abendbrot aß ich entsprechend lediglich eine Kaki, Christstollen und ein wenig Schokolade (balanced diet or what?).

Und ich guckte nicht in mein Arbeitspostfach sondern glaubte ganz, ganz fest daran, dass andere ihre Weihnachtsferien ebenso frei genommen hatten wie ich.

Journal Donnerstag, 1. Januar 2026 – Sonnenlauf und La storia von Elsa Morante

Freitag, 2. Januar 2026

Gut geschlafen und lang, um Mitternacht dank Ohrstöpseln und geschlossenem Fenster nur wenig gestört von der Knallerei draußen. Lang genug geschlafen, dass der wolkenlose (hurra!) Himmel vorm Fenster bereits ein wenig hell wurde.

Nach dem Bloggen noch die Foto-Ordner auf dem Laptop archiviert/aktualisiert – fürs Sortieren hat der Jahreswechsel also auch für mich Bedeutung.

Eher spät losgekommen zu meinem Isarlauf. Eigentlich hatte ich die Tram zum Tivoli nehmen wollen und besonders weit nach Norden laufen, doch die angekündigte Tram verschwand auf einmal von der Anzeige, es gab Verkehrsstörungen. Also doch eine U-Bahn zum Odeonsplatz und über Hofgarten und Englischen Garten zum Tivoli. Schon nach 20 Minuten kam ich innere Laufruhe und trabte gedankenverloren.

Die sonnigen Uferwege waren bald recht belebt, vor allem von Gruppen, die sehr mit sich selbst beschäftigt waren und denen ich deshalb nur durch Sprünge in die Botanik ausweichen konnte.

Die schlaue Läuferin denkt an Sonnenbrille.

Die Gesamtlaufzeit geriet unbeabsichtigt wieder knapp unter zwei Stunden, mein Körper sagte: 20 Minuten zu viel. Ich werde mir beim nächsten Lauf lieber wieder einen Timer auf 50 Minuten stellen, nach denen ich umkehre.

Zurück erwischte ich gleich eine Tram.

Frühstück um halb drei: Marmeladenbrot, sauer eingelegtes Blaukraut, außerdem Mango und Datteln (wieso vergesse ich immer wieder, dass gute Datteln nach so viel mehr als nur Süß schmecken?) mit Joghurt.

Gemütlicher Nachmittag mit Lesen verschiedener Art. UND Herr Kaltmamsell ließ mich bei der Zubereitung des Abendessens helfen, Rinderrouladen: Ich durfte das Saucengemüse zubereiten.

Elsa Morante, Hannelise Hinderberger (Übers.), La Storia ausgelesen. Die letzten 100 Seiten, die 1947 spielten, waren eher mühsam, weil sie vor allem aus den Schilderungen von Träumen und dem Zitieren agitatorischer, aber wahnsinniger politischer Reden bestanden. Doch bis dahin gefiel mir der Roman sehr gut, der sich um die einfache und meist hilflose Volksschullehrerin Ida und ihre beiden Söhne im Rom der 1940er dreht. Viele Alltagsdetails, liebevolle Beschreibungen von Menschen und ihren inneren Vorgängen, es entsteht ein nachvollziehbares Bild ihres Ausgeliefertseins.
Nachtrag: Diese liebevolle Perspektive zeigt sich unter anderem in dem großen Verständnis für kindliches Verhalten: Sowohl die handelnden Personen als auch die Erzählstimme befassen sich ernsthaft und zugewandt mit kleinen Kindern, die ausrasten, toben, sich sonstwie sozial inkompatibel verhalten; nicht Disziplinierung oder Sanktionierung stehen im Vordergrund, sondern Sorge und das Bemühen herauszufinden, was den oder die Kleine gerade quält. Das hatte ich weder in der Handlungszeit noch in der Entstehungszeit des Romans erwartet.

Jedem der acht Jahreskapitel ist eine Zusammenfassung der Weltereignisse dieses Jahres aus linker Perspektive vorausgestellt (und in meiner Ausgabe in noch winzigerer Schrift), und hin und wieder taucht eine Erzählinstanz als “Ich” auf, die Personen, Orte und Vorfälle aus eigenem Miterleben kennt, aber bis zum Schluss nicht identifiziert wird. Ich kann gut verstehen, dass der Roman Geschichte gemacht hat.

Die lange Laufrunde steckte mir in den Knochen, genauer: in den Gelenken. Ich suchte mir eine halbe Stunde “Runner’s Yoga” von Adriene raus: War einen gute Idee.

Erstes Rauslegen von Kleidung zum Packen für Berlin. Die ICE-Supersparpreis-Tickets hatte ich Mitte Oktober gekauft – und bis jetzt keine Nachricht dazu, keine Änderung. Völlig verunsichert checkte ich, ob die Verbindung am Freitagmorgen überhaupt existierte.

Dann aber: Abendessen!

Rinderrouladen mit Blaukraut und Kartoffelpü, ein Festessen. Nachtisch Schokolade.

Im Bett begann ich die nächste Lektüre: Joachim Meyerhoff, Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke.

§

Oh wie traurig: Der SZ-Lokalredakteur Franz Kotteder ist gestorben.
“Immer echte SZ im besten Sinne”.

In der Schule gab er eine “Art Schülerzeitung” heraus, wie er es selbst einmal genannt hat: ein Heft, das er mit seinem Banknachbarn erstellte und das den Namen “Der kleine Brunnenvergifter” trug.

Ich werde ihn sehr vermissen.

§

Manuela Heim hat für die taz mit Anama Fronhoff gesprochen, die nach einem Hirnstamminfarkt sehr anders kommuniziert als die Mehrheit.
“Locked-In-Syndrom und Kommunikation
‘Manche Leute schreien mich an'”.

Journal Dienstag, 30. Dezember 2025 – Gladiatoren archäologisch

Mittwoch, 31. Dezember 2025

Bis fünf sehr guter Schlaf, dann aber schlief ich nicht wieder ein.

Gestern hatte ich sogar einen Termin: Friseur, diesmal für einen Zeitpunkt nach dem vorherigen Schnitt vereinbart, zu dem die Erfahrung berechnet hatte, dass ich erstmals den Wunsch nach einem neuen entwickeln würde. Traf ins Schwarze, seit ein paar Tagen wünschte sich mein Spiegelbild Kürzung.

Davor hatte ich noch Zeit für Einkäufe: Die Silvesterplanung hatte als Abendessen Unsichtbaren Salat ergeben, gestern sollte Herr Kaltmamsell Spinat mit roter Paprika und Erdnusssauce machen, für all das brauchte es Zutaten. Ich spazierte zum Süpermarket Verdi und besorgte dort, was sich dort besorgen ließ, also fast alles. Den Rest inklusive Zutaten fürs Neujahrsessen (Rinderrouladen) überließ ich Herrn Kaltmamsell.

Während er unterwegs war, kam aber der Anruf des lieben Friseurs: Er war erkrankt und musste unseren Termin absagen, der arme. Wirklich nicht schlimm, bei der aktuellen Mützenkälte ist Haareschön eh schwierig. Und wir konnten früher den zweiten Tagesplan angehen: Die Archäologische Staatssammlung zeigt derzeit eine Sonderausstellung zu Gladiatoren, die wollte ich sehen. Die Hollywoodfilme zum Thema, Spartacus, Gladiator kenne ich nicht, mein Wissen basiert auf lang vergangenem Lateinunterricht und natürlich auf Asterix als Gladiator (-> Zuckerpüppchen von Tifus).

Wir spazierten unter Hochnebelhimmel quer durch die Innenstadt und über Hofgarten dorthin, unterwegs gab es Mittagscappuccino. In der Luft gelangweilte Schneeflocken.

Mal wieder Besuch beim einzigen Spatzenvölkchen innerhalb des Münchner Altstadtrings, die in diesem einen Busch hinterm Rathaus wohnen, tschilp!

Die Sonderausstellung im Untergeschoß der Archäologischen Staatssammlung erklärt multimedial die Zeit, in der in Rom Gladiatorenkämpfe stattfanden, das Kolosseum, Struktur und Ausstattung der Kämpfe, Stellung und Leben der Gladiatoren. Dazu werden archäologische Fundstücke gezeigt (bildliche Darstellungen, Helme, ein Grabstein),1 der lokale Bezug ist die Nachbildung eines weiteren Amphitheaters, das 2003 in Künzing in Niederbayern entdeckt wurde und aus Holz bestand. Dazu viele Nachbildungen von Ausrüstung, wie schon in der Dauerausstellung einige eigens zum Anfassen und Ausprobieren.

Zudem Infos auf Tafeln, auf Bildschirmen zum Selbertippen, auf Videoleinwänden in Deutsch und Englisch.

Das Interessanteste aber: Ein Mann und eine Frau mit hochspezialisiertem Fachwissen (auch zu zeitgenössischem Nachspielen von Gladiatorenkämpfen) führten gerade eine Gruppe durch die Ausstellung. Mir ging schon das Herz auf, wie die beiden lateinische Begriffe aussprachen, nämlich in dem tiefen Bayrisch, das sie auch sonst sprachen: Genau so klang mein Lateinunterricht an einem oberbayerischen humanistischen Gymnasium Ende der 1970er, Anfang der 80er. Ich hielt mich einige Zeit in der Nähe der Gruppe auf, um Infos aufzuschnappen. (Wichtigstes Klugscheißer-Detail aus dieser Führung: Das ikonische Daumen hoch oder Daumen runter gab es nicht. Wenn ein Gladiator um Gnade bat, hob er den Zeigefinger. Und das Publikum bekundete sein Urteil durch Wedeln mit Taschentüchern.)

Auch zurück nach Hause gingen wir zu Fuß, war eh nur eine halbe Stunde. Kurz vor daheim erwischte uns ein Schwall harter Schneegrieselkörner.

Frühstück kurz nach halb drei: Orange, Persimon, außerdem Früchtebrot und Stollen – die Müsliriegel der Weihnachtszeit.

Den Nachmittag nahm ich mir gezielt, um endlich mal wieder ein paar Stunden am Stück Roman zu lesen, La storia von Elsa Morante, übersetzt von Hannelise Hinderberger ist wieder ein 620 Seiten dickes, zudem ungewöhnlich klein gedrucktes Buch.Es nahm mich mit ins Rom der 1940er, in die römische Variante des Zweiten Weltkriegs und der ersten Jahre danach mit vielen Alltagsdetails. Wenn der Roman 1974 erschien, wurde er keine 30 Jahre nach Ende des Kriegs geschrieben, die Erinnerung und die Geschichten waren noch lebendig. Ich kenne Rom nicht gut genug, um mich mit den Ortsangaben im Roman genau orientieren zu können, doch hatte ich zu einigem Bilder vor Augen.

Richtig hell wurde es draußen unter dem Hochnebel nie, Licht brauchte es noch vor vier.

Was schön war und ist: Das Böllerverbot innerhalb des Mittleren Rings wird wohl mehrheitlich beachtet, es hörte sich deutlich ruhiger an als auch schon mal um diese Zeit.

Nachdem ich schon wieder fast durchgehend im Wohnzimmer fror mit zwei Heizkörpern auf VOLLE PULLE bei geschlossener Wohnzimmertür zum Rest der Wohnung, angezogen mit Thermorolli, Kashmir-Hoodie, Wolljacke, zwei Paar dicken Wollsocken, holte ich doch mal meinen alten Digitalwecker mit Temperturanzeige rüber und maß (nicht geeicht) die Lufttemperatur: Yoah, 19 Grad waren nicht wirklich kuschlig.
Es hat wohl doch Auswirkungen, dass die Wohnungen über und unter uns meist dunkel und leer sind – und wahrscheinlich nur minimal beheizt. Die ersten Jahre in diesem Haus wohnten wir unter einer alten Dame, die wohl bis zum Anschlag durchheizte (und sehr laut mit ihrem ebenso lauten Fernseher sprach, das war lustig); als sie ins Pflegeheim kam, merkten wir das deutlich an erhöhtem Heizbedarf in unserem damaligen Wohnzimmer.

Vor dem Abendessen dehnte und kräftigte ich mich mit einer Runde Yoga, die mir nach dem langen Lesesitzen besonders gut tat.

Nachtmahl wie geplant Spinat mit roter Paprika und Erdnusssauce, davor snackte ich sauer eingelegte Gurken (gekauft) und sauer eingelegtes Blaukraut (von Herrn Kaltmamsell aus einem halben Ernteanteil-Blaukraut), danach gab es Stollen und Schokolade.

Ins Bett ging ich zu Mondsichel am klaren Himmel – nachts konnte er mir nun auch gestohlen bleiben.

  1. Grabsteine auch in diesem Fall eine zentrale Quelle für Fakten und Details des Gladiatorenlebens; ich bin inzwischen sicher, dass der Lateinunterricht für mich viel fesselnder gewesen wäre, hätte man mir das Lesenkönnen von lateinischen Grabsteinen in ganz Europa als Karotte vor die Nase gehängt. []

Bücher 2025

Dienstag, 30. Dezember 2025

Nach Bücherzahl ein eher schwaches Jahr. Irgendwie dauerte die Lektüre vieler Bücher unerwartet lange – mir ist allerdings nicht klar, ob ich besonders viele dicke Bücher erwischt habe oder besonders abgelenkt war. Als Pflicht oder Leistung habe ich Bücherlesen nie empfunden: Romanelesen gehört zu den liebsten Beschäftigungen in meinem Leben. Wenn ich in einem Jahr viel Lektüre hatte, freute ich mich über die reiche Leseerfahrung. Wenn ich in einem Jahr wenig hatte, vermisse ich diese Erfahrung.

Erstmal Statistik:

Empfehlungen sind wieder mit * markiert.

1 – Deniz Ohde, Streulicht*
Hier besprochen.

2 – Ursula März, Tante Martl*
Genaueres hier.

3 – Marie Luise Kaschnitz, Das dicke Kind und andere Erzählungen*
Etwas mehr dazu hier.

4 – Nils Minkmar, Montaignes Katze

5 – Florian Gleibs, Shalom Kitchen

6 – Adolf Muschg, Nicht mein Leben

7 – Paula Fürstenberg, Weltalltage*
Einer meiner Favoriten des Jahres, Details hier.

8 – Zsuzsa Bánk, Der Schwimmer

9 – Rebecca F. Kuang, Yellowface

10- Granta 170, Winners

11 – Betty Smith, A Tree Grows in Brooklyn*
Ein weiterer Jahresfavorit, hier erklärt.

12 – Markus Pfeifer, Springweg brennt*
Hier der Grund meiner Empfehlung.

13 – Sigrid Nunez, The last of her kind

14 – Jenny Erpenbeck, Aller Tage Abend*
Hier besprochen.

15 – Jeanette Winterson, Oranges Are Not The Only Fruit

16 – Granta 171, Dead Friends

17 – Stephan Thome, Pflaumenregen*

18 – Lena Christ, Die Rumplhanni*

19 – Chloe Dalton, Raising Hare*
Genaueres hier.

20 – Dinçer Güçyeter, Unser Deutschlandmärchen*
Hier besprochen.

21 – Becky Chambers, The Long Way to a Small, Angry Planet*
Hier unten mehr dazu.

22 – Barbara Kingsolver, Demon Copperhead

23 – Isabel Bogdan, Wohnverwandtschaften

24 – Thomas Tabery, Kevin Schumacher-Shoji (Hrsg.), Farben Japans*
Der Katalog zur Ausstellung Farben Japans in der Bayerischen Staatsbibliothek in München 27. März bis 6. Juli 2025 liefert den Hintergrund zum Thema, zur Sammlung und zur Ausstellung, für den bei einem Besuch der Ausstellung selbst nicht genug Zeit ist: Wie kommt die Stabi zu einem solch großen Bestand an japanischen Holzschnitten? Was ist die Geschichte dieser Kunstform in Japan? Welche Techniken und Marktmechanismen stehen dahinter? Worin bestehen die Hauptthemen und was sagt das über die Gesellschaft Japans zur Entstehungszeit aus?
Das Niveau der Erklärungen ist durchaus gehoben, es wird einiges vorausgesetzt. Doch auch wenn man, wie ich, nahezu komplett blank ans Thema herangeht, erschließt es sich aus den Texten und den vielen Abbildungen. Mir wurde die Tür zu einer weiteren faszinierenden Welt geöffnet.
Abzug für den windigen Umschlag – auch wenn ich den Kostendruck dahinter erahne.

25 – Granta 172, Badlands

26 – Grete Weil, Tramhalte Beethovenstraat*
Mehr dazu hier.

(27 – Jasmin Schreiber, Marianengraben)

28 – Jenny Erpenbeck, Heimsuchung*
Mein Buch des Jahres, hier ausführlicher besprochen.

29 – T. Kingfisher, Nettle and Bone*
Mehr dazu hier unten.

30 – Francisco Ibáñez, Mortadelo y Filemón #53 En Alemania*
Details dazu hier.

31 – Ottessa Moshfegh, Eileen

32 – Caroline Peters, Ein anderes Leben

33 – Jens Notroff, Staub, Steine, Scherben*
Ein wirklich empfehlenswerter und gut lesbarer kurzer Einblick in Stand und Praxis der Archäologie – besser und freundlicher kann man beides kaum vermitteln. Jens Notroff nimmt uns mit auf Ausgrabungen, an denen er als Archäologe beteiligt war und erzählt die Schritte, die dafür nötig sind, wo sie historisch herkommen und wie sie sich im Lauf der Zeit verändert haben, die äußeren Bedingungen von Ausgrabungen, die Werkzeuge und Technik, die dafür verwendet werden – alte und neue. Außerdem erfahren wir, was mit dem Entdeckten anschließend passiert. Besonders charmant fand ich die Einblicke in typische Marotten von Archäolog*innen – und freute mich mit Notroff darüber, dass er einen Beruf hat, bei dessen Nennung viele mit “Ach, das wollte ich auch mal werden!” reagieren: Wer sonst erlebt das wohl?

34 – Hervé Le Tellier, Romy und Jürgen Ritte (Übers.), Die Anomalie

35 – Gaea Schoeters, Lisa Mensing (Übers.), Trophäe*
Gewagt, verstörend, manchmal zweifelte ich an der deutschen Übersetzung (Verwendungen von Wörtern, die ich an dieser Stelle nicht erwartet hätte und die ein wenig schief hingen – das mag aber im niederländischen Original exakt genauso sein).
Viele explizite Referenzen an Hemingway – doch ohne kann eine Westlerin eh nicht an Großwildjagd denken.

36 – Tonio Schachinger, Nicht wie ihr*

37 – Hertha Hurnaus, Gabriele Kaiser, Maik Nowotny (Hrsg.), Maschinenräume. Hinter der Kulisse der Wiener Ringstraße*
Eine großartige Idee, die nicht-öffentlichen Räume hinter den berühmtesten Gebäuden an der Wiener Ringstraße zu zeigen, unter den Bildern besonders atemberaubend die riesigen Säle unter den Dächern, und zu erklären, wie sie konstruiert und betrieben wurden. Die Aufsätze dazu berichten die Geschichte der Bebauung an der Ringstraße und erklären die Ingenieurskunst der Betriebsräume: Ich hatte mir tatsächlich noch nie Gedanken über die Belüftung eines Museums, Parlaments oder Theaters gemacht und lernte wundervolle Begriffe wie “Luftbrunnen”. Allen ans Herz gelegt, die sich für Wien, europäische Baukunst des 19. Jahrhunderts oder auch nur ungewöhnliche Architekturfotografie interessieren.

38 – Michaela Murgia, Julika Brandestini (Übers.), Accabadora

39 – Vicki Baum, Hotel Shanghai*
Hier ausführlich besprochen.

40 – Granta 173, India*
Hier etwas mehr.

41 – John Steinbeck, Travels with Charley*

42 – Elsa Morante, Hannelise Hinderberger (Übers.), La Storia*