Journal Samstag, 18. April 2026 – Frühlings-Sonnenwanderung um die Loisach-Kochelsee-Moore
Sonntag, 19. April 2026Früh aufgewacht, nicht ganz ausgeschlafen aufgestanden. Doch die frühe Stunde passte ganz gut: Herr Kaltmamsell und ich wollten das angekündigte schöne Wetter für einen Wandertag am Kochelsee nutzen. Da wir annahmen, dass auch sehr, sehr viele andere Menschen aus München das wollten, hofften wir auf leichtere Sitzplatzjagd in einem Zug schon um neun (Deutschlandticket ist super).
Die Tour ab Benediktbeuern scheint bei uns ein April-Ding zu sein: Beide Male, die wir hier schon gewandert sind (2019 und andersrum 2023) waren wir in derselben Jahreszeit auf die Idee gekommen. Wir ließen uns wieder von diesem GPS-Track leiten.
Die Hoffnung auf einfachere Sitzplatzjagd ging schonmal nicht auf: Zwar kann ich mit späteren Zügen nicht abgleichen, doch die Verbindung um neun war knallvoll, nur unser Einsteigen fast 15 Minuten vor Abfahrt verschaffte uns zwei Plätze in einem Vierersitz (den zwei andere Reisende etwas unwillig von ihren Wanderrucksäcken und -stöcken freiräumten). Kurz darauf waren auch die Stehplätze belegt. Zu Gleis 28, also zum Starnberger Bahnhof, waren wir außenrum an der Arnulfstraße geleitet worden: Die Bauarbeiten belegen jetzt den Bahnsteig im Inneren der Halle.
Einstündige und recht pünktliche Bahnfahrt nach Benediktbeuern; bis dahin hatte sich der Zug nur wenig geleert, die meisten wollten offensichtlich zum Zielbahnhof Kochel. Nach Wettererfühlen am Bahnsteig entschied ich mich, die Jacke wegzulassen: Bei dem herrlichen Wetter und in angenehmen Temperaturen brauchte ich sie den ganzen Tag nicht.
Im Hintergrund die Türme des Klosters Benediktbeuern, wo immer noch an den Schäden durch Sturm und Hagel Ende August 2023 gearbeitet wird. Im Vordergrund die historische Glashütte Joseph von Fraunhofers, die bereits fertigrepariert ist und wieder besichtigt werden kann.
Schon bald wurde mein erster Wunsch für die Wanderung erfüllt: Schwalben am Himmel und auf Stromleitungen, herzlich willkommen! Zwischen knallig ergrünenden Bäumen wanderten wir auf schönen Pfaden und landwirtschaftlichen Wegen Anhöhen hinauf, bekamen wunderbare Ansichten, dann steile Waldpfade hinab. Wie schon bei den vergangenen beiden Malen freute ich mich an den besonders hübschen Sumpfdotterblumen. Auf etwa der Hälfte der Strecke kreuzten wir wieder eine bewirtschaftete Kuhweide, diesmal hörten wir die Tiere lang vorher an ihren Glocken, sahen sie diesmal zwischen den hohen Bäumen eines Nadelwalds – Waldkühe.
Körperlich fühlten wir uns beide gelassen und fit, dennoch machten wir brav nach zwei Stunden Pause. Und kurz darauf nochmal, als wir nach Kochel reinkamen: Ich erinnerte mich an das Café im Schusterhaus und wollte dort gerne einen Cappuccino. Zwar hatte genau dieses Café mittlerweile geschlossen, doch gleich gegenüber gab es ein neues, Tiny Soul. Setzten wir uns halt dort auf einen Cappuccino.
Zurück ging es erst die Loisach entlang, von dort der sehr besondere Blick über die Loisach-Kochelsee-Moore. Gut vorbereitet waren wir auf das letzte Stück, das sehr, sehr lang über eine riesige, ebene Wiesenfläche führt, und auf dem es uns beim ersten Mal fad geworden war. Diesmal wappneten wir uns gegen die gefühlte Endlosigkeit – und schon war das Stück gar nicht mehr so lang. Zumal wir immer wieder riesige Milane am Himmel präsentiert bekamen.
Den Lainbach entlang gemächlich hoch.
Sumpfdotterblumen mit Aussicht. Sehr angenehm die ganze Wanderung entlang: kaum andere Menschen. Erst auf der zweiten Hälfte kamen uns andere Wandersleut entgegen, die Loisach entlang wurde vor allem Elektro-geradelt.
Blick aufs Moor.
Cappuccino in Kochel.
Offensichtlich schon sehr lang verbotene Durchfahrt.
Wunderschöne Blindschleiche, ca. 40 Zentimeter lang, die Herr Kaltmamsell entdeckte und deren Zeichnung mit Längsstreifen ich bewunderte.
Rückweg die Loisach entlang.
Das waren dann gut fünf Stunden mit zwei Pausen für knapp 19 Kilometer. Deutlich nach drei Uhr hatte auch ich Brotzeit-Appetit entwickelt: Auf einem Bankerl am Bahnhof aß ich meinen Apfel und löffelte das Glas Skyr mit Leinsamenschrot.
Unterwegs hatte ich beim Anblick besonderer Blumen endlich mal konsequenter die App Flora Incognita genutzt und folgende Blümchen kennengelernt:
Weiße Pestwurz
Kalk-Glocken-Enzian (im Loisach-Moor)
Rote Lichtnelke
Auch zurück war die Bahn voll, es standen allerdings deutlich weniger Menschen in den Gängen.
Beim Wandern hatte ich meine Kappe nicht gebraucht, doch jetzt blendete mich die Sonne beim Zeitunglesen und ich nutzte ihren Schirm.
In München kauften wir auf dem Heimweg im Rewe Kleinigkeiten für aktuelle Ess-Ideen ein, trafen körperlich noch recht frisch zu Hause ein.
Ich setzte meine Körperpflegepläne um (Epilieren, Pediküre), entdeckte einen Hauch von Rot auf Nacken und Dekolleté – trotz LSF 50, aber es gab halt noch fast keinen Schattenschutz durch Blätter.
Zeit für Aperitiv:
Ich mixte uns Green Monkeys (wegen Sahnerest im Kühlschrank). Herr Kaltmamsell kochte als Nachtmahl die Ernteanteil-Karotten mit Einkorn, Feta und den vorhandenen Kräutern Dill sowie Korianer zu einer köstlichen Karottenpfanne. Dazu das Restl Rotwein vom Vorabend. Nachtisch Osterschokolade.
Früh ins Bett zum Lesen, ich schloss Leon Engler, Botanik des Wahnsinns ab – bis zuletzt gern gelesen, aber bis zum Schluss mit konstantem Schreibwerkstattverdacht.













































