Journal Dienstag, 3. Februar 2026 – Alltag mit langem Feierabend-Marsch
Mittwoch, 4. Februar 2026Sehr gut geschlafen, das Weckerklingeln verärgerte mich.
Trüber und frostiger Weg in die Arbeit, doch über den Vormittag wurde es heller bis sonnig.
Emsiger Arbeitsvormittag, es war viel Laufens und Ordnens: Ich füllte (mal wieder) eine Lücke, für die ich nicht zuständig bin, die aber sonst niemand sieht und die immer größer wurde – was ich nicht mehr mit ansehen konnte. Sollte das Thema zur Sprache kommen, werde ich auch weiterhin vehement darauf hinweisen, dass ich nicht zuständig bin – aber es ist zumindest (fast) nichts kaputt gegangen.
Dennoch konnte ich mir bequem einen Mittagscappuccino einplanen und marschierte dafür ins Westend.
Zu Mittag gab es einen Apfel und eingeweichtes Muesli mit Joghurt – aber ohne Zeitungslektüre, denn mein Briefkasten war morgens leer geblieben, und in der Arbeit wurde die Süddeutsche abgeschafft.
Emsiger Arbeitsnachmittag, aber am Schreibtisch. Weil die Gegend um meine Lendenwirbelsäule weiterhin überdurchschnittlich schmerzte, arbeitete ich gestern möglichst viel im Stehen, bewegte mich möglichst viel – die Schürhackl-Phase nach dem Aufstehen vom Sitzen wurde deutlich kürzer. (Ich bilde mir ursächlichen Zusammenhang ein.)
Für den Feierabend hatte ich einen Ausflug zum Gärtnerplatz geplant, dort wollte ich in einem Spezialladen nach einem Mitbringsel suchen. In letztem Tageslicht und nicht zu kalter Luft machte ich mich (anders als sonst) quer über die Theresienwiese und auf selten gegangenen Wegen dorthin auf, die Route nach Hübschheit gewählt. Es wurde ein erfreulicherer Marsch, und ich bekam mein Mitbringsel.
Nach Hause kam ich dadurch aber so spät, dass ich keine Lust auf Yoga hatte. Statt dessen gab es 15 Minuten früher als sonst Abendessen.
Aus den Ernteanteil-Süßkartoffeln hatte Herr Kaltmamsell ein Chilli zubereitet, seine Auswahl an getrockneten Chillis und Chillipulvern ist groß. Schmeckte gut, doch die Süßkartoffeln gingen unter. Nachtisch Schokolade, ich hatte die Vorräte gründlich aufgefüllt.
Noch früher ins Bett zum Lesen. Herr Kaltmamsell informierte mich zwar auf Nachfrage, dass ja, die Earthsea-Reihe von Ursula LeGuin im Gegensatz zu literarischen Meilensteinen wie Left hand of darkness ganz klassische Fantasy sei (“Warum hast du mich nicht vorher gefragt?” – so weit kommt’s noch), doch ich wollte durchaus wissen, wie’s weitergeht. Und natürlich geht LeGuin viel tiefer in Reflexion und Analyse von Menschlichem als schlimme Besteller-Autorinnen wie Marion Zimmer Bradley.
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Vergesst altmodische True-Crime-Podcasts. Vergesst die Kardashians, die Jenners. Unterhaltet euch mit sehr alten Menschen.
Frau Frohmann schreibt in ihrem aktuellen Newsletter unter anderem über noch lebende alte Verwandte. Auch ich profitiere davon, dass meine Eltern und Schwiegereltern neue alte Geschichten erzählen, aus ihrer Kindheit und Jugend, auch was sie damals bei den noch älteren aufgeschnappt haben. Wie Frau Frohmann rate ich, den alten Verwandten zuzuhören – und sich sehr darüber zu freuen, wenn sie in hohem Alter noch bei Sinnen sind.
Plötzlich erinnern sich Menschen, mit denen man sein ganzes Leben verbracht hat, an Beobachtetes und Erlebtes, an das sie viele Jahrzehnte nicht gedacht haben und es werden nicht mehr die immer gleichen Geschichten erzählt, sondern ganz neue alte Geschichten. Was erzählt wird, ist nicht immer schön.


























