Journal Karsamstag, 4. April 2026 – Schwimmen zu zweit im Dantebad
Sonntag, 5. April 2026Gut geschlafen, erholt aufgewacht – kein Alkohol macht halt doch einen Unterschied. Etwas stimmungstrübend: Draußen pritschelte laut Regen.
Lang bevorfreut: Baseler Besuch war in der Stadt, ich hatte mich zum Schwimmen im Dantebad verabredet. Die leise Hoffnung war gewesen, dass es wie so oft um Ostern schneien würde und wir die kalten Flocken auf den nackten, wassergewärmten Schultern spüren würden, doch dieses Schneepulver hatte München bereits am Sonntag zuvor verschossen. Zumindest hörte der Regen deutlich vor unser Verabredung um zehn auf.
In der U-Bahn zum Westfriedhof merkte ich: Ich hatte meine Mitgebsel daheim vergessen. Wie schade, aber zu spät. Dennoch herzliches Wiedersehen. Und dann zeigte ich der Besucherin das schöne Dantebad.
Bei mir war das Bahnen-Schwimmen herrlich, endlich mal wieder ein echter Bewegungsgenuss, elegantes und kraftvolles Gleiten durchs sehr warme Wasser. Ich plante umgehend einen Feierabendschwumm in der Folgewoche.
In der Sammelumkleide gleichzeitiges Spiegelstehen an der Föhnstation mit jemandem, den ich kannte – das hatte ich schon seit so vielen Jahren nicht mehr, dass ich mich schier nicht erinnerte. Vergleich unserer Kopfwolle: Wir brauchen beide dringend einen Schnitt unserer kurzen Haare (sie hat ihren Friseurtermin zehn Tage vor mir).
Fürs anschließende gemeinsame Frühstück hatte ich endlich das Café Nini in der Borstei ausprobieren wollen. Ich hätte direkt davor besser nochmal alle von deren Online-Kanälen abgeklappert: Wie befürchtet war es geschlossen. Allerdings weiß ich jetzt, dass es absolut entzückend liegt, vor allem der Außenbereich, und werde es nochmal gezielt in Draußensitzwetter ansteuern.
Also Plan B: Tram-Fahrt zum Café Puck in der Maxvorstadt – umständlicher als auch schon, weil wir zwischen den beiden Tramlinien ein Stück SEV mit Bus fahren müssten. ABER! Ich lernte von der Besucherin, dass es einen papierlosen Weg durch den Münchner Öffi-Tarifdschungel gibt: Eine MVV-App bietet Tickets per Swipe an. Allerdings, so Besuch, müsse das gut vorbereitet werden inklusive Konto-Anlegen und Zahlungsdaten hinterlegen. Doch damit checkte sie sich beim Einsteigen in die Tram ein, beim Aussteigen am Ziel aus. Mitfahrende kann man manuell hinzufügen. Am Ende des Tages (hihi) errechnet das System den günstigsten Tarif für die Summe der Fahrten. Korrektur: Gestern war sie noch mit Gruppenticket unterwegs, hatte sich lediglich über diese Möglichkeit informiert. Mittlerweile erinnere ich mich, dass eine Freundin vor zwei, drei Jahren am Pilotprojekt beteiligt war, als wir zusammen mit der S-Bahn zum Wandern fuhren – und ich schon damals vom Konzept begeistert war.
Selbst freute ich mich wieder am Luxus meines Deutschland-Tickets, mit dem ich mich nie mit Öffi-Tarifen befassen muss. Schon lange rechne ich nicht mehr nach, ob die 39,72 Euro monatlich (mein Arbeitgeber schießt einen Teil zu) weniger sind, als ich für Einzeltickets im Nahverkehr gezahlt hätte. Autobesitzer*innen rechnen ja auch nicht monatlich die Vollkosten inklusive Anschaffung und Wartung mit Öffi-Tickets gegen, oder?
Im Café Puck gab’s Frühstück und ausführliches Reden, das war sehr, sehr schön. Außerdem bekam ich aus der Schweiz Weine – dass dafür direkte Kontakte viel wichtiger sind als für Schokolade, ist wenig bekannt – und, noch weniger bekannt, einen Oster-Schoko-Dinosaurier samt Schoko-Dino-Eiern. Plus Patisserie-Schokoeier. Ich fühlte mich rundum versorgt.
Am Nachmittag, das Wetter war stabil geblieben, trennten sich unsere Wege wieder. Ich ging zu Fuß nach Hause, las dort Wochenend-Süddeutsche und Internet.
Fürs Abendessen durfte ich kochen, es gab frühlingshaften Cheese and spinach pancake pie. Während der Pie im Ofen garte, turnte ich eine sportliche Einheit Yoga. Aperitif Brandy Alexander, weil es einen offenen Becher Sahne gab.
Englisches Rezept – englischer Wein, ich wandelte die italienische Regel für Weinbegleitung ab: What grows together goes together.
Von meinem Englandurlaub im Herbst 2025 hatte ich eine Flasche Grauburgunder aus West Sussex mitgebracht, den gab es dazu: Leicht animalisch, ordentlich Säure, hintenraus eher flach, passte ganz wunderbar zum Essen. Nachtisch Schokolade – aber den Ostersaurier würde es erst zu Ostern geben.
Im Bett las ich Siri Hustvedt, The Summer Without Men aus. Schon nett, interessante Gedanken zu Literatur und Lyrik untergebracht (unter anderem spielt ein Lyrik-Workshop für Teenager eine Rolle, die konkreten Aufgaben und Beispiele fand ich klasse), an einigen Stellen überraschende Ansprache der Lesenden, auch lernte ich einige kennenlernenswerte alte Frauen kennen. Doch wahrscheinlich hatte ich mir etwas weniger Leichtfüßiges vorgestellt. Ich werde mehr von Hustvedt lesen müssen.





































