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Journal Dienstag, 28. Juli 2026 – Urlaubsvorbereitungen und viel Beifang aus dem Internet

Mittwoch, 29. Juli 2026

Nach mehrfach unterbrochener Nacht deutlich vor Weckerklingeln aufgewacht. Bockig beschlossen, dass der Körper also wohl genug geschlafen hatte.

Pflanzengießen, doch mal wieder Balkonkaffee (in dicker Strickjacke, aber wundervoller Morgenluft), Wäsche aufhängen. Marsch in die Arbeit unter wolkenlos blauem Himmel und in frischer Luft im Sommerkleid.

Am Schreibtisch gemischte Orga, Besprechungen, Ärger. Teilnahme an Geselligkeit, bedrückende Informationen. Mittagscappuccino im Westend, noch vor zwölf war die Temperatur auf Hochsommerhitze gesprungen.

Zu Mittag gab es Hüttenkäse mit Joghurt und Leinsamenschrot (Hüjolei), dann reichlich Kirschen (vielleicht zu viele, Bauch anschließend Fragezeichen-förmig).

Emsiger Arbeitsnachmittag mit Ideen. Das Stockwerks-Sommerfest hatte ich abgesagt (aber erst nach 24 Stunden Bedenken!), meine übersichtliche Menschen-Energie benötige ich für Leute, die mir am Herzen liegen. Der Geräuschkulisse nach wurde Spaß gehabt, das freute mich.

Nach Feierabend fuhr ich mit einer U-Bahn in die Innenstadt. Zum einen besorgte ich ein Mitbringsel für die geplagte Ferienwohnung-Nachbarin in Brighton: Wir werden im selben Apartment unterkommen wie ich vergangenen Oktober, und damals hatte ich ja gelernt, dass die Erdgeschoß-Bewohnerin die einzige feste unter zwei Ferienwohnungen ist – das stelle ich mir wirklich ungemütlich vor. Diesmal möchte ich ihr Pralinen vom Dallmayr mit einer netten Karte vor die Tür stellen.

Außerdem sah ich mich beim Sport Schuster nach Badeschuhen um: Ich würde in Brighton gerne nochmal im Meer schwimmen, diesmal aber anders als vor drei Jahren auf dem Kiesstrand nicht auf allen vieren rein- und rausgehen. Es gab Badeschuhe, allerdings nicht in meiner Größe. Ich beschloss, alte Sandalen mitzunehmen und ihnen durch den Einsatz in Salzwasser den Gnadenschuss zu setzen.

Daheim telefonische Abstimmung mit meiner Mutter zu ihrem Wohnunghüten während unserer Abwesenheit. Dann reichlich Räumen und sonstige Häuslichkeiten. Wieder servierte Herr Kaltmamsell das Nachtmahl: Er hatte die Ernteanteil-Aubergine chinesisch geschmort, es gab sie sauer-scharf mit Reis. Nachtisch Heidelbeereis, Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, neue Lektüre Angelika Klüssendorf, Das Mädchen. Der Roman nahm mich mit in eine elende Kindheit der späteren DDR mit prügelnder Mutter und Verwahrlosung.

§

Fast schon Routine bei vielen Arbeitgebern:
“PR-Kampagne XY ist jetzt online -> bitte liken und teilen!”

Haben wirklich so wenige Menschen noch ein echtes Leben im Internet? Online-Präsenz = Beruf?
Ich halte diese Aufforderung für problematisch: Wenn die Online-Kanäle von Mitarbeitenden als Werkzeuge des Arbeitgebers genutzt werden – könnten dann nicht alle ihre Posts automatisch in Verbindung mit dem Arbeitgeber gesetzt werden? Auch wenn sie zum Beispiel der offiziellen Policy widersprechen?

§

LLMs als Werkzeug in Forschung und Lehre kann man durchaus als Weiterführung des Didaktik-Konzepts Kompetenzorientierung betrachten: Niemand muss mehr Fakten wissen, sondern nur, wo man sie findet. Oder wie man sie erpromptet. Hier das Ergebnis:
“Opinion: I Was Not Allowed To Type Prompts Into ChatGPT During My Chalk Talk And This Is Discrimination”.

via Herr Rau

My own words? I haven’t used my own words since 2022. I’m not even sure I have my own words anymore. When I try to think without a prompt box in front of me, my mind returns only a vague sense of fog and the faint echo of a cursor blinking. My thoughts are not organized into paragraphs. They do not have topic sentences. They are just fragments. Impressions. My job is just… prompt.

I tried to explain this to the committee. I told them that the chalk talk format was outdated and did not reflect the realities of modern scientific practice. I noted that in my actual job, I would have access to AI tools at all times, and that evaluating me without those tools was like evaluating a carpenter without allowing them to use a hammer. I pointed out that memorizing information is not the same as understanding it, and that my ability to construct effective prompts demonstrated a sophisticated grasp of my field.

(…)

I was not offered the position.

In the rejection email, the committee cited “concerns about independent thinking” and “questions about foundational knowledge.” Independent thinking? I think independently all the time. Just last week, I independently decided to ask ChatGPT to “compare the advantages and disadvantages of optogenetic versus chemical-genetic approaches for my research” and then I independently selected the option that sounded best. That is independence. That is scientific judgment. The AI presents options; I choose among them. This is the same thing humans have always done, except the options used to come from reading papers, which is slow and inefficient and, frankly, boring.

§

Geschenkter Krautreporter-Artikel 1: Die aktuellen Waldbrände in Frankreich und Spanien haben ein dort nie erlebtes Ausmaß. Und ich lese viele Erklärungs-Reflexe, die mich skeptisch machen. Deshalb empfehle ich:
“Waldbrände, verständlich erklärt”.

Den Klimawandel können wir nicht sofort aufhalten, wie wir mit unseren Wäldern umgehen und auf Brände reagieren, könnten wir aber sofort ändern.

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Na, Sie wollen doch sicher auch wissen, was Altphilologie-Professorin und Homer-Übersetzerin Emily Wilson zur aktuellen Nolan-Verfilmung zu sagen hat. Hier sehr, sehr ausführlich (ich habe viel über die Vorlage von Homer gelernt) in der London Review of Books:
“An Uncomplicated Man”.

Am öftesten zitiert sah ich daraus:

Nolan’s Odyssey lacks many of the elements that make the poem great. It has nothing convincing to say about time, memory, history, war, or about the relationship between one warrior’s glorious return and the lives of his family, adversaries, comrades, friends and neighbours. It lacks psychological, emotional, political and ethical depth. Its narrative structure is gimmicky. The writing is abysmal. None of the characters has convincing motivation for their actions or words. There are no sex scenes, and all the food looks horrible.

Aber Wilson äußert auch ihre Freude, dass sich durch die Aufmerksamkeit für diese Verfilmung ihre Odyssey-Übersetzung verkauft wie geschnitten Brot und sich voraussichtlich mehr Menschen für das Studienfach Altphilologie entschieden werden.

(Insgesamt geht die Rezeption in meinem Blickfeld erstaunlich weit auseinander: Zwischen SAUGEIL! und VOLL SCHEISSE! sehe ich nichts.) (Ich bin immer noch desinteressiert.)

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Vielleicht doch für mehr Menschen interessant, als ich vor der Lektüre dieses Krautreporter-Artikels gedacht hätte, deshalb hier geschenkt:
“Viele Menschen unterschätzen ständig, wie sympathisch andere sie nach einem Gespräch finden. Das ist sogar durch Studien belegt.”

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Und dann noch eine Geschichte zum Freuen.
“99-jährige Mathematikerin löste Problem, an dem Generationen scheiterten”.

Das Spezialgebiet von Mathematikerin Joan Birman ist Knotentheorie, genauer:

Ihre Arbeiten machten das bis dahin eher randständige Gebiet der Zopftheorie überhaupt erst populär.

Wer den Originalaufsatz von Bharathram, Birman, Brendle nachlesen will (PDF):
“The Burau representation is faithful for n = 4″.

Journal Montag, 27. Juli 2027 – Regnerischer Lerchenschwumm und Arbeitstag

Dienstag, 28. Juli 2026

Letzte Arbeitswoche vor Urlaub, ab sofort zähle ich Tage.

Wecker auf früher wegen Schwimmplänen, nachts hatte ich mal wieder das Fenster wegen irrem Gebrüll im Park schließen müssen.

Die Wettervorhersage stand seit dem Vortag auf Bewölkung und Regen, also schlüpfte ich in einen Badeanzug (statt Bikini mit mehr freier Besonnungsoberfläche für Vitamin-D-Produktion) und nahm eine Bademütze mit gegen Frieren wegen Wind. Die Luft war aber mild.

U-Bahnhof-Kiosk am Westfriedhof (sah ich vergangene Woche morgens zum ersten Mal in Betrieb). Oder doch ein Raumschiff?

Diesmal wurde die Tür zum Schwimmbad bereits wenige Minuten vor sieben geöffnet. Brachte aber wenig, da das Eincheck-Terminal erst ab 7 Uhr bedienbar war.

Auf meine fast leere Schwimmbahn schien zunächst sogar die Sonne, doch bald zog der Himmel zu, und auf den zweiten 1.000 Metern regnete es eine Weile – gar nicht unangenehm.

Sehr guter Schwumm, auf den letzten 1.000 Metern (nach Klo-Unterbrechung – der Morgenkaffee trieb) war ich so schön im Status Schwimmen, dass ich mir ein Ende schier nicht vorstellen konnte. Das Thermometer zeigte über der Sprudelschnecke 20 Grad an.

An der Stempeluhr meines Bürohauses war ich wieder deutlich vor Kernzeit, und ich legte am Schreibtisch umgehend los: zum Glück keine unangenehmen Überraschungen.

Regnerischer Vormittag, der zudem recht kühl wurde. Doch mittags zog es mich raus, ich marschierte eine Runde um die Blöcke. Mittagessen Bananen, Skylei (-jo- war aus). Zeitungslektüre dazu leider beschränkt, weil meine Papierzeitung morgens nicht geliefert worden war und ich nur ein wenig in den frei zugänglichen Meldungen der Süddeutschen-Website rumlas.

Arbeitsnachmittag mit Aufgaben und Menschlichem, das Wetter sehr wechselhaft mit Regendrohung.

Den Heimweg genoss ich in milder Luft und immer wieder Ahnung von Sonne. Daheim eine Runde Yoga, ich ließ mich zur Abwechslung mal wieder von Jessica Richburg mobilisieren.

Zum Nachtmahl verarbeitete Herr Kaltmamsell den Ernteanteil-Chinakohl zu einem Pastagericht (mit einem Mascarpone-Rest statt Sahne, funktionierte sehr gut), ausgesprochen wohlschmeckend.

Da ich auf dem instagram-Account der Woidlerin Petra gesehen hatte, dass die Blaubeeren reif sind, hatte ich Herrn Kaltmamsell gebeten, auf dem Viktualienmarkt danach zu suchen.

Das, liebe Kinder, sind Blaubeeren, norddeutsch Heidelbeeren. Nicht die Haselnuss-großen Kugeln in Müsli-„Bowls“. Es gab sie zum Nachtisch leicht gezuckert und mit Schlagsahne – Ultra-Luxus!

Im Bett Arthur Schnitzlers Novelle Fräulein Else ausgelesen – die Theaterinszenierung, die mich so beeindruckt hatte, hat schon das Wichtigste rausgeholt. Die Erzählform in innerem Monolog war gut gemacht, doch bis zum Schluss haderte ich mit dem Wissen, dass sich hier ein über-60-jähriger Mann die Gedanken und Gefühle einer 19-jährigen vorstellt. Ein Künstler kann natürlich erfinden, was er will, doch das sagt meist viel über seine Zeit aus.

Journal Mittwoch, 22. Juli 2026 – Lerchenlauf / Arzt am Ende der Galaxie / Arbeit / Pediküre / Schnitzelgarten

Donnerstag, 23. Juli 2026

Das war gestern ein sehr voller Tag. Aber ich setzte alle Pläne um, ohne mich gestresst oder genervt zu fühlen.

Wecker auf extrafrüh, denn gestern war die beste Chance der Woche auf einen Lerchenlauf: Wegen eines vormittäglichen Arzttermins ganz weit draußen würde ich morgens von daheim aus arbeiten, davor passte wunderbar eine Laufrunde an der Isar.

Ich wachte kurz vor Weckerklingeln auf und freute mich sofort über die Aussicht auf Laufrunde. Draußen war der wolkenlose Himmel dämmrig, der Tagesanbruch wandert bereits deutlich nach hinten. Ich war auf niedrige Temperaturen gefasst und reaktivierte mein Merino-Laufshirt (immer noch ungewaschen und unstinkig, ich bin beeindruckt).

Das Licht war sensationell, die Laufzeit verflog geradezu, kaum hatte ich ein paar Fotos gemacht, klingelte mein Handy schon für Halbzeit (40 Minuten) und umkehren. Kurz davor Sichtung eines Mäuseleins direkt auf dem Weg vor mir, SO NIEDLICH.

Wittelsbacherbrücke gestern mit Krähen-Deko.

Beim Heimkommen wurde die Baustelle am Haus gerade von zwei Herren betrieben, ich musste ein wenig um Gruben hangeln, um zur Haustür zu kommen.

Letzte Handgriffe Morgentoilette am hochfahrenden Arbeitsrechner – der auch diesmal in Homeoffice-Umgebung mehrere Neustarts und 20 Minuten benötigte, bis ich arbeitsfähig war (währenddessen schon mal gepackt für später und die Wohnung fertiggeräumt).

Rechtzeitig für Arzttermin am Ende der Galaxie Abbruch der Arbeit, Arbeits-Laptop eingesteckt. Die Öffentlichen Verkehrsmittel verkehrten (ist ja egal, wenn ich statt der geplanten eine sehr verspätete S-Bahn erwische, die zur Planzeit fährt), auch wieder los kam ich in guter Zeit, noch deutlich vor Mittag saß ich an meinem Büroarbeitsplatz und packte dort an. Mittagscappuccino aus der Cafeteria, um mal ein bisschen PEPP! in meinen Arbeitstag zu bringen, bestellte ich EINEN GROSSEN.

Online-Besprechungen, dann Mittagessen: Nektarine, Nüsse, Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Emsiger Nachmittag, jemand hatte schlechte Nachrichten bekommen, ich versuchte sie durch Unterricht abzulenken.

Pünktlicher Feierabend: Ich hatte einen Vor-Urlaub-Pediküre-Termin (schon jetzt fühlte es sich an, als sei ich nicht am selben, sondern am Vortag an der Isar gelaufen). Auf dem Weg durchs Westend (jetzt war es warm) aufmerksames Horchen: Nein, keine Mauerseglerpfiffe mehr, die letzten hatte ich Dienstagmorgen gehört.

Heimweg mit schönen Füßen, ich holte Herrn Kaltmamsell für Abendessen im Schnitzelgarten ab.

Nein, wir schafften unsere Cordonbleus nicht (jemand hat morgen Brotzeit), aber das war sehr gutes Abendessen.

Der Himmel über dem Biergarten.

Daheim gab es als Nachtisch Honigmelone – fast so gut wie die meiner Kindheitsurlaube in Spanien. Und ein wenig Schokolade.

Im Bett die nächste Lektüre: Arthur Schnitzler, Fräulein Else. Berühmt für die Erzählweise in stream of consciousness, doch ich fand vor allem reizvoll, wie sich der über-60-jährige Schnitzler das Innenleben einer 19-jährigen ausmalte.

§

Maximilian Buddenbohm als Hamburgbewohner in Bahnhofsnähe bekommt es täglich mit, ich als Anwohnerin des Münchner Nußbaumparks (in deutlich geringerem Umfang) ebenfalls: Deutsche Großstädte haben ein massiv wachsendes Drogenproblem.

Gestern widmete die Süddeutsche Zeitung ihre Seite Drei dem Thema Crack und dem Zürcher Modell des kontrollierten Konsums (€):
“Eine Crack-Pfeife am Klettergerüst”.

Um Crack geht es auch in diesem ausführlichen Text (mit vielen, vielen Quellen am Ende) von Stefan A K Weichelt, Schwerpunkt Frankfurt.
“Willkommen in Zombieland”.
Hier mit der zusätzlichen Bitterkeit, dass Frankfurt in den 1990ern die Heroin-Krise in den Griff bekam – eben mit demselben Modell, das auch Zürich anwendet. Aber:

Für Heroinabhängige gibt es Methadon, Buprenorphin, in der Schweiz sogar ärztlich verschriebenes Heroin. Für Crack gibt es: nichts. Kein zugelassenes Substitut, keine etablierte medikamentöse Behandlung. Der Werkzeugkasten, mit dem Frankfurt einst zum Vorbild wurde, passt nicht mehr zum Schloss.

Er beschreibt das Vorgehen in Frankfurt, in Paris, in Brüssel, São Paulo – nennt sie “Freiluftlabore der Verdrängung”.

Verdrängung funktioniert nicht, das ist die vielleicht am besten belegte Erkenntnis der europäischen Drogenpolitik. Die Menschen lösen sich nicht auf, wenn man sie wegschiebt. Sie tauchen hundert Meter weiter wieder auf, kränker als zuvor, weil unterwegs der Kontakt zu Ärzten und Sozialarbeitern abreißt.

An dieser Stelle lohnt ein Blick auf eine Zahl, die in keinem Influencer-Video vorkommt und die man zweimal lesen muss. 2023 starben in Frankfurt, der Stadt mit Deutschlands größter offener Drogenszene, 32 Menschen an ihrer Sucht. In München, wo das Straßenbild ordentlich ist und keine Crackpfeifen aufblitzen, waren es 86.

München hat keine Konsumräume. Bayern hat sie als Bundesland nie zugelassen, ebenso wie die Hälfte der deutschen Länder. Konsumiert wird trotzdem – nur eben in Parks, auf Bahnhofstoiletten, in Wohnungen, dort, wo niemand einen Notruf absetzt, wenn jemand aufhört zu atmen. Das Elend ist nicht kleiner, es ist nur besser versteckt. Und im Versteck stirbt es sich leichter.

Was allen, auch uns Anwohnenden bei der Betrachtung gemein ist: Bestürzung und komplette Ratlosigkeit. Weichelt nennt zumindest ein paar Ansätze, die schonmal funktioniert haben – die allerdings nichts weniger als einen gesellschafltichen Umbau bedeuten.

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Bei Frau Klugscheisser Schulbuchbeispiele von “Ist doch nix passiert!”, also Belästigungen von Frauen und Mädchen, die sie in ihrer alltäglichen Freiheit einschränken: Keine soll sich so wehren müssen, so vorbereiten, ausrichten müssen. Vor allem Menners: Bitte lesen.
“Ampersand”.

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Workaround beim Kampf gegen Chatbots.

Geheimtipp beim Kampf gegen Chatbots von xkcd.

Bei mir half schon mehrfach beherztes Singen, um Service-telefonisch an einen echten Menschen zu kommen.

Journal Dienstag, 21. Juli 2026 – Sommerkühle

Mittwoch, 22. Juli 2026

Ich merke seit einigen Tagen, dass ich mich bereits vom Sommer verabschiede, dass ich die derzeitigen zapfigen Nacht- und Morgentemperaturen als sein Ende zu sehen bereit bin – dabei liegt noch der ganze oft Hitze-satte Sommerferienmonat August vor uns! Ich erkläre mir das mit der verfrühten ersten Sommerhitze und der Brutalhitzephase, die bereits einige Wochen in der Vergangenheit liegt.

Gestern war es auf dem sonnigen Arbeitsweg nur knapp zweistellige Grad frisch; ich hatte dennoch die Jacke daheim gelassen, damit sie nicht auf dem Heimweg Platz in der Tasche wegnahm.

Beim Verlassen des Hauses begegnete ich den Herren von der Müllabfuhr, die nur unter großer Anstrengung die Tonnen an der Baustelle beim Haus vorbeiwuchteten. Neben Gruß äußerte ich bedauernd diese Beobachtung und bekam erklärt, dass sie das aber nur heute ausnahmsweise täten: Sei die Baustelle nächste Woche nicht beseitigt, müssten die Tonnen für Leerung an die Straße gestellt werden. Ich hoffe, dass auch die Hausverwaltung diese Information erhält.

Am Schreibtisch warteten bereits neue Aufgaben auf mich, ich packte an.

Mittags raus ins Westend, vielleicht hätte ich doch eine Jacke mitnehmen sollen, brrr. An der eigentlich angesteuerten Cappuccino-Quelle stand eine mehrere Meter lange Schlange, ich bog ab zu einer anderen.

Mittagessen: Nektarinen, Hüttenkäse mit Leinsamenschrot.

Arbeitsnachmittag unter anderem mit Datenbankdingen. Auf dem Heimweg war es nun in der Sonne warm genug geworden. Zwischenstopp für Süßigkeiteneinkauf.

Der Zugang zum Wohnhaus noch weiter verbaustellt, eigentlich wüsste ich gerne Hintergründe.

Nach Wegessen des Ernteanteils hatte ich mich fürs Abendessen zuständig gemacht: Um eines der letzten beiden Gläser Zwetschgenröster aufzubrauchen, bevor die nächste Ernte kommt, gab es Kaiserschmarrn. Gutes Abendessen. Dann noch ein wenig Süßigkeit.

Im Bett Zadie Smiths On Beauty ausgelesen: Fand den Roman immer noch gut und handwerklich hervorragend gemacht, wurde wieder sehr an David Lodges Universitätsromane erinnert, doch diesmal fand ich das Buch mit seinen menschlichen Katastrophen auch sehr traurig.

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Warum Erklärungen von sterotypem Männer- und Frauenverhalten mit angeblichen Steinzeitmustern ein Scheiß sind, mal wieder.
“DNA des ‘Schamanen’ von Stonehenge lieferte eine Überraschung”.

Zweihundert Jahre lang trug der “Schamane von Upton Lovell” einen Bart. So zumindest zeigte ihn die Vitrine des Wiltshire Museum im südenglischen Devizes, nämlich als einen kräftigen, über glühendes Metall gebeugten Mann, eine Streitaxt griffbereit. Die Untersuchung von alter DNA zwingt die Wissenschaft nun aber dazu, die Figur neu zu zeichnen: Die Person, die vor rund 4000 Jahren unter einem Grabhügel in der Nähe von Stonehenge lag, war in Wahrheit eine Frau.

(Nur zur Erinnerung: Bei prähistorischen Jäger- und Sammlervölkern finden sich dieselben Abnutzungen durch körperliche Anstrengung an männlichen wie weiblichen Knochen; es gab sehr wahrscheinlich keine Arbeitsteilung nach Geschlechtszugehörigkeit.)

§

Natürlich eine persönliche Einzelsicht, aber eine kundige und amüsante: Andreas Moser erklärt in seinem Blog den aktuellen Premierministerwechel in Großbritannien.
“Das politische System des Vereinigten Königreichs – und ein Mülleimer”.

Aber wie kommt das eigentlich, dass mitten in der Legislaturperiode ein neuer Premierminister in das Reihenhaus in Downing Street 10 einzieht? In Großbritannien sind die Regeln klar: Was älter ist, hat mehr Bedeutung. Das Parlament gibt es schon seit 1265, das Amt des Premierministers aber erst seit 1721. (Bis dahin war das Parlament eher das Gegengewicht zum Monarchen.) Also spielt der Premierminister gegenüber dem Parlament nur die zweite Geige.

Wenn nun also die Abgeordneten der Regierungsfraktion innerhalb der laufenden Legislaturperiode finden, dass der Premierminister irgendwas falsch gemacht hat oder – wie im Fall von Keir Starmer – einfach ein bisschen langweilig wirkt, dann schreiben sie ihm einen höflichen Brief (diesmal auf Englisch, nicht auf Normannisch) und teilen ihm mit, dass seine Zeit abgelaufen sei. Ein paar Tage gibt es ein Hauen und Stechen hinter den Kulissen, und dann steht der neue Premierminister fest. Beziehungsweise der Vorschlag für den Premierminister, denn ernennen kann ihn nur der König. Der König wiederum wurde von Gott eingesetzt, weshalb er kein Katholik sein darf. Aber das ist ein anderes Thema.

Diesmal einigten sich die Labour-Abgeordneten schnell auf Andy Burnham.

Das Problem: Andy Burnham war zu jenem Zeitpunkt kein Abgeordneter, sondern Bürgermeister von Manchester.

Ist egal, könnte man meinen, dann tritt er halt als Bürgermeister zurück, die Abgeordneten wählen ihn zum neuen Parteivorsitzenden, und der König ernennt ihn.

Das Problem: Die Tradition verlangt, dass nur Premierminister werden kann, wer ein Abgeordnetenmandat hat. Wohlgemerkt, das ist kein gesetzliches Erfordernis. Aber weil es schon immer so praktiziert wurde, glauben alle ganz fest daran und halten es für ausgeschlossen, dass sich das jemals ändern könnte. Als Jurist haben mich diese verfassungsrechtlichen Diskussionen im Vereinigten Königreich immer zur Weißglut gebracht, weil ich das strukturierte Argumentieren mit Artikeln und Paragrafen gewohnt bin. Aber auf der Insel ist man bei solchen Debatten schnell bei König Edward II., beim Frieden von Utrecht oder beim Prozess gegen Guy Fawkes.

In jeder anderen Demokratie der Welt würde man sagen: Das ist eine dämliche Regel, die ändern wir jetzt.

Nicht so in Großbritannien! Hier wurde das Problem so gelöst, dass sich ein Labour-Abgeordneter geopfert hat. Der ehrenwerte Abgeordnete aus Makerfield erklärte seinen Rücktritt (eigentlich ist es viel komplizierter, aber dazu später mehr), so dass eine Nachwahl notwendig wurde. Und da konnte Andy Burnham antreten und im Juni 2026 gewinnen.

Besonders gefällt mir Mosers Seitenbemerkung:

Wie gesagt: Man könnte das alles mit einer einzigen Gesetzesänderung abschaffen. Einfach den Abgeordneten das Recht zum Rücktritt einräumen. – Stattdessen habe ich mir in Großbritannien jeden Tag anhören müssen, wie undurchsichtig und kompliziert die Gesetzgebung in der EU sei.

Journal Dienstag, 14. Juli 2026 – Tag mit drei Wettern

Mittwoch, 15. Juli 2026

1) sonniger Sommermorgen, 2) Regentag, 3) schwüler Sommerabend.

Gut geschlafen (ich muss extrem schnell eingeschlafen sein, denn nach Lichtaus kurz vor zehn kann ich mich nicht an die zehn Glockenschläge vom Turm St. Matthäus erinnern), selbst als ich kurz vor fünf aufwachte, holte ich bis extrafrühes Weckerklingeln nochmal Einschlafen raus. Munter sprang ich aus dem Bett für einen Lerchenlauf – es wird wohl der drittletzte sein, denn dann Urlaub, und Mitte August ist es vor der Arbeit bereits zu dunkel. Dieses Jahr fühle ich mich unterlerchenlaufen, ich werde am Ende der Saison nicht auf meine Kosten gekommen sein.1

Zur Abwechlung nahm ich die westliche Route über den Flauchersteg. Besonders freute ich mich über das Gefühl von Körpertüchtigkeit: Schnaufen, Beweglichkeit, Ausdauer, Kraft, Laune – alles stand mir zur Verfügung. Und ich schau halt jetzt, dass ich wirklich die Füße beim Laufen ein bisschen mehr hebe. (Die mittlerweile konsultierte Orthopädin hatte mich gründlich angefasst und einen Zusammenhang zwischen meinem Stolpern/Stürzen und LWS-Problemen ausgeschlossen. Sie vermutete eher zu selten neue Laufschuhe (DIE SIND ABER NOCH GUT!) und schludrigen Laufstil, empfahl Laufanalyse, evtl. Einzeltraining.)

Chronistinnenpflicht: Diese Hauswand am Westermühlbach sah ich zum ersten Mal ohne Graffiti. Kann schon morgen wieder vorbei sein.

Flaucherpracht

Meine liebste Art von Laufweg, schattig, schmal und federnd.

Alter Südfriedhof

Als ich mich daheim nach dem Duschen schminkte, klang es vom Innenhof wie Regen. Was ja wohl nicht sein konnte, siehe Fotos oben. Konnte es aber doch, der eine oder andere Tropfen erwischte mich auch auf dem Weg in die Arbeit (wieder durch zwei Stationen U-Bahn-Fahrt beschleunigt). Trotzdem hatte ich die Wohnung gegen Sonnenbeheizung abgesichert.

Das Wetter packte nach und nach Gewitter aus, als Untermalung einer sehr großen Online-Besprechung rumpelte und donnerte es ganz klassisch überm Bürohaus. Regen gab’s auch, zunächst allerdings eher unentschlossen mal mehr mal weniger. Außer auf meiner Wetter-App, die München hartnäckig als trocken anzeigte.

Unterm Schirm spazierte ich ins Westend für meinen Mittagscappuccino, es war eigentlich frisch genug für eine Jacke – die ich in Erwartung eines Hochsommertags nicht dabei hatte. Kurz nach Mittagessen (Rest Honigmelone, Skyjoli) verzogen sich Regen und Wolken, Sonne und blauer Himmel passten wieder zu meinem Sommerkleid.

Nach Feierabend war es auch sommerlich warm bis heiß geworden, doch ich genoss den Heimweg.

Zu Hause durfte ich mir ein Abendessen von Herrn Kaltmamsell wünschen, er stellte ein paar Möglichkeiten zur Auswahl.

Es wurden Tagliatelle carbonara – als Basis, unter die gebratene Ernteanteil-Zucchini gemischt wurden. Gute Idee.

Am Ende der Tageshelle zog der Himmel wieder gewittrig zu.

Im Bett freute ich mich an der Lektüre von Zadie Smiths On Beauty – aus einer Zeit, als sie sich fast noch nix schiss, ihre Figuren Einsichten formulieren ließ, die ihre Autorin in diesem Alter doch eigentlich noch nicht wissen konnte (Smith war noch keine 30, als sie es schrieb), die mit Sprache fröhlich einfach machte, was sie wollte, zum Beispiel mit “His well-madeness as a human being”. Das war noch ganz auf der Linie ihres sehr frühen Erfolgs White Teeth, hat sich inzwischen aber in einer Befangenheit verloren, die ich als Preis für mehr Wissen und mehr Erfahrung mit dem Altern nachvollziehen kann.

§

Damit möglichst wenige hinterher sagen können, man habe sie nicht gefragt, hier eine Online-Umfrage:
“Öffentlichkeitsbeteiligung zum nationalen Energie- und Klimaplan Deutschlands (NECP)Eine Befragung im Auftrag des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie”.

Ich bin sicher, auch Sie haben eine Meinung – geben Sie diese doch Katherina Reiche durch!
(Die Fragen gehen ziemlich tief – und das gesamte Befragungsdesign kommt mir eher unwissenschaftlich vor. Aber hey: Sie fragen!)

§

Hatte auch ich mich schon mehrfach gewundert: Wieso ist eigentlich Nokia verschwunden? (tl;dr: Multitouch)
“Nokia’s 14 Years of Mobile-Phone Supremacy Ended in an Afternoon”.
via @wurzelmann

(Damit, liebe Kinder, haben wir einst mobil getwittert: SMS an eine Mobilnummer, erst an eine in den USA, teuer, dann gab es endlich auch eine deutsche. SMS verursachte auch die ursprüngliche Zeichenbegrenzung von Twitter auf 140, so blieben 20 Zeichen für den Benutzernamen. Wenig macht mich älter als dieses Wissen aus erster Hand.)

Aus dem Artikel lernte ich unter anderem, dass es Nokia durchaus noch gibt: Das Unternehmen verkauft Telekommunikation-Infrastruktur, zum Beispiel für 5G-Netze.

§

Wie Steptanz heute (auch) aussieht.

Hier dieselbe Tänzerin etwas konventioneller (dadrauf habe ich mal Chachacha getanzt!).

  1. Futur II in freier Wildbahn, bitteschön. []

Journal Samstag, 11. Juli 2026 – Ausruh-Samstag (“Meine Hobbys sind Lesen und Schwimmen”)

Sonntag, 12. Juli 2026

Re: Überschrift – ich bin mir ziemlich sicher, dass ich vor 50 Jahren die Frage nach meinen Hobbys so beantwortet habe. Und mich offensichtlich seither nicht weiterentwickelt.

Mittelgut (der Alkohol) und nicht so lang wie ersehnt geschlafen, leicht verkatert aufgestanden.

Trotz langer Ärmel und Hosenbeine fröstelnder Balkonkaffee – gut so! Auch für die kommende Woche ist Hochsommer mit Tageshitze, aber nächtlicher Kühle angekündigt, das ließe sich gut aushalten.

Eher früh für einen Samstag brach ich zu meiner Schwimmrunde im Dantebad auf. Ins Becken ließ ich mich bei angezeigten 24 Grad im Schatten herab. Die Bahnen waren mittelrege genutzt, wir kamen gut miteinander aus. Nach ein paar hundert Metern wurde ich ruhig, die 3.200 Meter machten Spaß.

Danach war es unter nahezu wolkenlosem Himmel ein paar Grad wärmer geworden, ich legte mich geduscht und neu sonnengecremt in die Sonne und hörte Musik.

Oben.

Unten.

Da keinerlei Wind ging, wurde mir bald zu heiß.

Rückweg von roter Ampel zu roter Ampel – nervig, aber zumindest regte ich mich dadurch nicht über den Longboard-Fahrer auf, der auf den eh schon schmalen Radwegen und
-spuren an der Dachauer Straße, Seidlstraße, Paul-Heyse-Straße zwischen den Radler*innen kurvte.

Frühstück um halb drei: Ein Teller spanische Ochsenherz-Tomaten, ein paar frische Salzgürkchen (Herr Kaltmamsell hatte am Freitag neue angesetzt), Roggenvollkornbrot mit Tomate, dann noch eine Aprikose und reichlich Kirschen – ich liebe Sommer einfach schon wegen des saisonalen Obsts und Gemüses.

Fürs Zeitunglesen war ich jetzt zu müde und legt mich zu einer Siesta hin. Gerechnet hatte ich mit einem cat nap, doch ich schlief eine Stunde tief ein. Danach war ich erstmal benommen, aber das hatte es wohl gebraucht.

Zeitunglesen auf dem Balkon, mit herabgelassener Markise war die Temperatur wunderbar. Eine Runde Yoga, anstrengend.

Herr Kaltmamsell war aushäusig auf einer Gartenparty eingeladen, und das kommt dabei heraus, wenn ich mir selbst ein Samstagabendessen zubereite:

Reichlich Ernteanteil-Mangold mit Knoblauch gebraten, dazu Beluga-Linsen (eh klar) und Joghurt. Klingt vielleicht frugal, schmeckte aber hervorragend. Nachtisch 1: Lidl-Eis, ich hatte die Sorte Zimtschnecke mitgebracht, weil ich mir nichts darunter vorstellen konnte. Ergebnis: Joah, die Zimtschnecken sind in Form von Mini-Gebäckchen (Durchmesser ca. 4 mm) ins Eis eingearbeitet und kauen sich eher zäh, nicht mein Lieblingseis. Nachtisch 2: Schokolade.

In später Dämmerung nach Fledermäusen Ausschau gehalten – reichliche Sichtung, so schön!

Im Bett neue Lektüre: Immer wieder wünsche ich mir bei der Erinnerung an ein Lesevergnügen, das Buch nochmal zu lesen – habe das aber seit vielen Jahren doch nicht mehr gemacht. On Beauty von Zadie Smith hatte ich gleich bei Erscheinen 2005 gelesen, seither immer wieder daran gedacht, es vor über einem Jahr zum Wiederlesen rausgelegt. Gestern fing ich es tatsächlich an. Allerdings nicht das vorhandene Papierbuch: Lesen physischer Bücher finde ich immer beschwerlicher, und dann auch noch eines so dicken… Ich hatte nur mal geguckt, was das E-Book kostet, und für nur vier Euro war die Entscheidung leicht. Subjektive Bequemlichkeit siegt bei mir über Liebe zu Druckereien und Buchläden.

Und dann vergnügte mich die Lektüre auch gleich, schon 2005 startet der Roman mit E-Mails, die schön indirekt erste Informationen vermitteln.

§

“KI” hat die Betrugsmöglichkeiten bei Prüfungen sprunghaft erweitert. Schulen und Universitäten war das sofort klar, sie sind immer noch dabei, einen Umgang damit zu finden (im bayerischen Abitur 2026 mit Vorsichtsmaßnahmen, die sich fast schon apokalyptisch lasen).

Georg Passig ist Professor an der Technischen Hochschule Ingolstadt – und extrem bastelfreudiger Ingenieur. Er erzählt im Techniktagebuch von seinen Überlegungen, dass im Grunde Sendequellen im Prüfungsraum augespürt werden müssen. Was er bereits testet.
“Juli 2026
Mit dem Spectrum Analyzer durch die Prüfungen”.

(Große Liebe für die Schlusssätze.)

Journal Sonntag, 5. Juli 2026 – #WMDEDGT

Montag, 6. Juli 2026

Heute ist wieder der Ja-jetzt-ist-das-langweilig.-Aber-in-20-Jahren!-Tag der Tagebuchbloggerei: Frau Brüllen fragt “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? #WMDEDGT” und sammelt die Antworten, für Juli hier.

ENDLICH mal wieder richtig gut geschlafen, unterbrochen von nur einem Klogang um halb drei – und dann bis fast sieben durch.

Wieder ein sehr kühler Balkonkaffee, ich wärmte mich mit Strickjacke und anschließendem Ingwertee.

Das verunsicherte mich bei der Wahl meiner Kleidung für die Laufrunde an der Isar. Letztendlich verließ ich mich auf die wärmende Bewegung.

Das erwies sich schon beim Radeln zum Friedensengel als die richtige Entscheidung.

Loslaufen dann tatsächlich mit einem etwas mulmigen Gefühl, ob ich auch nicht wieder stolpern und stürzen würde (ich nenne das nicht Angst, Angst sind die Wellen und Strudel, die mich nachts wach halten). Ich versuchte dran zu denken, wirklich auf den Boden vor mir zu schauen und die Füße zu heben. Aber letztendlich konnte ich doch locker laufen, hatte Spaß und freute mich über meinen funktionierenden Körper.

Auf der Höhe Unterföhring spritzten mich ein paar Regentropfen an.

Das Gewitter vergangenen Montag hatte an den nördlichen Isarauen heftige Schäden hinterlassen: Viele mächtige Bäume lagen in Stücke zersägt am Wegesrand, ich sah die Bruchspuren oder wie hier im Wasser riesige abgebrochene Äste.

Biologiestunde mit der App Flora incognita gestern:

Nesselblättrige Glockenblume (bereits meine dritte Glockenblumen-Variante)

Jakobs-Greiskraut

Gewöhnliche Waldrebe

Gewöhnliches Leinkraut

Gewöhnlicher Dost

Immer wenn die Flora-incognita-Bestimmung das Attribut „gewöhnlich“ ergibt, raune ich der Pflanze zu: „Nichts an dir ist gewöhnlich, meine Schöne, du Juwel!“ Und halte ihr zum Beweis das Foto hin, das ich von ihr gemacht habe.

Daheim gründliche Körperpflege inklusive Bein-Peeling und Fußpflege, dann Zubereitung des Desserts fürs Abendessen (Schokoladenpudding mit darin geschmolzener Schokolade, untergehobene geschlagene Sahne würde daraus Schokoladenspeise ergeben), gegen zwei Uhr gab es zum Frühstück eine Körnersemmel mit Jamón serrano und eine halbe (reife!) Netzmelone.

Nachmittags war es mir für Lesen auf dem windigen Balkon tatsächlich zu frisch – ich las drinnen weiter, restliche Wochenendzeitung.

Ein Stündchen bügeln mit sehr interessanter Playlist von Freundin aus der Musik-Branche. Nach einem Telefonat mit meiner Mutter (alles in Ordnung) zog es mich nochmal auf eine Runde raus durch die Stadt, Schaufenster und Touristen gucken.

Daheim eine Einheit Yoga, zum Abendessen steuerte ich ein wenig Salat bei. Herr Kaltmamsell hatte den Ernteanteil-Spitzkohl geviertelt und mariniert im Ofen gebacken, servierte ihn mit Hummus. Nachtisch Schokoladenspeise. Währenddessen regnete es heftig.

Früh ins Bett zum Lesen, als nächstes Florian Matzner (Hrsg.), Albert Coers – Straßen Namen Leuchten. Ein Denkmal für die Familie Mann (es ist schwer einzufangen, was der tatsächliche Titel des Buchs ist, meine innere Literaturwissenschaftlerin rudert mit beiden Armen, ich habe jetzt einfach diesen beschlossen).