Bücher

Journal Sonntag, 5. Juli 2026 – #WMDEDGT

Montag, 6. Juli 2026

Heute ist wieder der Ja-jetzt-ist-das-langweilig.-Aber-in-20-Jahren!-Tag der Tagebuchbloggerei: Frau Brüllen fragt “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? #WMDEDGT” und sammelt die Antworten, für Juli hier.

ENDLICH mal wieder richtig gut geschlafen, unterbrochen von nur einem Klogang um halb drei – und dann bis fast sieben durch.

Wieder ein sehr kühler Balkonkaffee, ich wärmte mich mit Strickjacke und anschließendem Ingwertee.

Das verunsicherte mich bei der Wahl meiner Kleidung für die Laufrunde an der Isar. Letztendlich verließ ich mich auf die wärmende Bewegung.

Das erwies sich schon beim Radeln zum Friedensengel als die richtige Entscheidung.

Loslaufen dann tatsächlich mit einem etwas mulmigen Gefühl, ob ich auch nicht wieder stolpern und stürzen würde (ich nenne das nicht Angst, Angst sind die Wellen und Strudel, die mich nachts wach halten). Ich versuchte dran zu denken, wirklich auf den Boden vor mir zu schauen und die Füße zu heben. Aber letztendlich konnte ich doch locker laufen, hatte Spaß und freute mich über meinen funktionierenden Körper.

Auf der Höhe Unterföhring spritzten mich ein paar Regentropfen an.

Das Gewitter vergangenen Montag hatte an den nördlichen Isarauen heftige Schäden hinterlassen: Viele mächtige Bäume lagen in Stücke zersägt am Wegesrand, ich sah die Bruchspuren oder wie hier im Wasser riesige abgebrochene Äste.

Biologiestunde mit der App Flora incognita gestern:

Nesselblättrige Glockenblume (bereits meine dritte Glockenblumen-Variante)

Jakobs-Greiskraut

Gewöhnliche Waldrebe

Gewöhnliches Leinkraut

Gewöhnlicher Dost

Immer wenn die Flora-incognita-Bestimmung das Attribut „gewöhnlich“ ergibt, raune ich der Pflanze zu: „Nichts an dir ist gewöhnlich, meine Schöne, du Juwel!“ Und halte ihr zum Beweis das Foto hin, das ich von ihr gemacht habe.

Daheim gründliche Körperpflege inklusive Bein-Peeling und Fußpflege, dann Zubereitung des Desserts fürs Abendessen (Schokoladenpudding mit darin geschmolzener Schokolade, untergehobene geschlagene Sahne würde daraus Schokoladenspeise ergeben), gegen zwei Uhr gab es zum Frühstück eine Körnersemmel mit Jamón serrano und eine halbe (reife!) Netzmelone.

Nachmittags war es mir für Lesen auf dem windigen Balkon tatsächlich zu frisch – ich las drinnen weiter, restliche Wochenendzeitung.

Ein Stündchen bügeln mit sehr interessanter Playlist von Freundin aus der Musik-Branche. Nach einem Telefonat mit meiner Mutter (alles in Ordnung) zog es mich nochmal auf eine Runde raus durch die Stadt, Schaufenster und Touristen gucken.

Daheim eine Einheit Yoga, zum Abendessen steuerte ich ein wenig Salat bei. Herr Kaltmamsell hatte den Ernteanteil-Spitzkohl geviertelt und mariniert im Ofen gebacken, servierte ihn mit Hummus. Nachtisch Schokoladenspeise. Währenddessen regnete es heftig.

Früh ins Bett zum Lesen, als nächstes Florian Matzner (Hrsg.), Albert Coers – Straßen Namen Leuchten. Ein Denkmal für die Familie Mann (es ist schwer einzufangen, was der tatsächliche Titel des Buchs ist, meine innere Literaturwissenschaftlerin rudert mit beiden Armen, ich habe jetzt einfach diesen beschlossen).

Journal Samstag, 4. Juli 2026 – Perfekt temperierter Sommersamstag

Sonntag, 5. Juli 2026

Meh, wieder eine zerhackte Nacht, am erholsamsten fühlten sich die knapp drei durchgehenden Stunden Schlaf nach fünf an. Aufgestanden mit bösem Kopfweh, das hatte ich nun von einem ausnahmsweise alkoholfreien Freitagabend. Eine Ibu half schnell.

Auf dem Balkon war es trotz wolkenlosem Sonnenschein kühl, ich brauchte eine Strickjacke für meinen Balkonkaffee.

Endlich wieder Schwimmen, ich freute mich sehr auf eine sonnige Runde im Dantebad. Die Rippen schmerzten zwar immer noch ein wenig vom Lerchenlauf-Sturz vor zehn Tagen, doch bei diesem traumhaften nicht heißen Sommerwetter riskierte ich das. Zudem riskierte ich Anfahrt per Rad: Nur einmal musste ich abspringen für Ohrenzuhalten und Gegensummen wegen LALÜ.

Kurz vor elf war der Radlparkplatz vorm Dantebad so leer, dass ich schon Hindernisse befürchtete – wenn ich EIN! MAL! nicht vor Abfahrt checkte, ob auch alles wie gewohnt geöffnet hatte. Doch nein: Es war einfach extrem wenig los, auch auf den Schwimmbahnen. Na gut, richtiges Freibadwetter hatte es bei 24 Grad auf der Anzeige über der Sprudelschnecke eigentlich nicht, doch nach meiner Erinnerung reichte sonst reichlich Sonne.

Das Schwimmen über David-Hockney-Poolboden war herrlich. Die Rippen spürte ich durchaus, fühlte mich aber nicht behindert davon, sondern zog 3.200 Meter vergnügt durch. Anschließend erneutes Sonnencremen, ein Stündchen auf der (völlig vertrockneten und nahezu Grün-freien) Liegewiese mit Musik auf den Ohren und guten Gedanken inklusive Ideen.

Die eine Wolke am Himmel.

Auf dem windigen Rückweg hielt ich am Edeka am Stiglmaierplatz, besorgte Frühstückssemmeln und Teile des Abendessens. Frühstück um drei: Körnersemmeln mit Butter und Tomaten, Schwarzkirschen.

Nachmittag mit Internetlesen auf dem Balkon, Zeitunglesen im Wohnzimmer, weil auf dem Balkon zu viel Wind. Am Ende des Nachmittags turnte ich eine Runde Yoga – bei Kreislaufkapriolen inklusive Schweißausbruch, die nass getropfte Yogamatte musste ich zum Trocknen erstmal liegen lassen.

Nachgeholtes Wochenend-Anstoßen mit Aperol Spritz.

Fürs Abendessen war ich zuständig: Es gab den Ernteanteil-Salat vom Donnerstag, einen Friseesalat, der mit seinen kräftigen Freilandblättern etwas von Koralle hatte. Ich mischte eine Ernteanteil-Minigurke und zugekaufte (sehr gute) Tomaten unter, drauf kamen harte Eier. Zweiter Gang Käse, Nachtisch Schokolade.

Im Bett las ich Helle Helle, Flora Fink (Übers.), Hafni sagt aus – ein angenehm seltsamer Roman aus der Perspektive einer Frau Mitte 40 mit zwei erwachsenen Kindern, die nach der Trennung von ihrem Mann über Land fährt. Er beginnt sehr eigenartig:

Um sicher zu gehen, dass das auch wirklich der Anfang ist, checkte ich die Leseprobe bei Amazon: Doch, das sollte so. Ähnlich bleibt die Erzählweise, allerdings mit sehr vielen sehr konkreten Ortsangaben in Dänemark – die mir alle nichts sagten. Ich begleitete Hafni dennoch gern.

§

Weiterführung des Themas gesellschaftliches Vertrauen. Auf Mastodon berichtet @katzentratschen von ihrer Familie.

Das individuelle Wertesystem ist zu ganz erstaunlichen Kapriolen fähig (mich immer eingeschlossen, hier sogar ganz besonders). Ich erinnere mich an einen bestimmten Angeklagten in einer Gerichtsverhandlung, die ich als Schöffin erlebte (alles öffentlich, ich berichte hier keine Indiskretionen). Dem Mann jenseits der 60 wurde vorgeworfen, Kontokarten aus Autos auf Friedhofsparkplätzen gestohlen und damit Geld abgehoben zu haben (bei der Gelegenheit lernte ich, dass dieses Vergehen unter Computerbetrug läuft). In der Verhandlung kamen wie immer auch die persönlichen Umstände und die Vergangenheit des Angeklagten zur Sprache. Er hatte beträchtliche Vorstrafen: Betrug, Diebstahl, solche Sachen. Erwerbstätig war er in seinem Leben nur sporadisch gewesen, mit Hilfsarbeiten. Doch er betonte stolz nach Verlesung dieser Fakten, er habe NIE! vom Staat Geld bekommen! Offensichtlich war für ihn gestohlenes Geld von anderen Menschen ehrlicher erlangt als Arbeitslosenhilfe – weil von eigener Hände Arbeit?

Sehr schön zu diesem Herrn auch die Szene, als in der Verhandlung als Beweismaterial die Aufnahmen der Überwachungskamera gezeigt wurden, die zur fraglichen Zeit von der Verwendung der Bankkarte im Bankautomatenraum aufgenommen worden waren. Der Angeklagte trug in der Verhandlung exakt denselben auffallend gemusterten Strickpullover, der an der Person auf den Bildern der Überwachungskamera zu sehen war. Und krähte sofort ungefragt: “DES BIN I NET!” Spätestens in diesem Moment erinnerte mich die Situation schon sehr ans Königlich Bayerische Amtsgericht.

§

Das Techniktagebuch fragt: “Wann sind eigentlich Internet-Cafés und öffentliche Internet-Terminals ausgestorben?”

Das ist tatsächlich eine interessante Frage, denn auch ich erinnere mich an Urlaube, in denen ich Internet-Cafés fürs Posten von Blogtexten suchte, erinnere mich ans abschließende Bezahlen an Theken, an unangenehm riechende Hinterzimmer. Oder an den besonderen Service mancher Hotels, die im Lobby-Bereich Computer-Schreibtische mit Internetzugang anboten, an mindestens einen mit Münzeinwurf. Doch ich erinnere mich nicht, wann ich zuletzt derartiges sah.

Journal Freitag, 3. Juli 2026 – Buchvorstellung zum Denkmal Familie Mann / Nachdenken über gesellschaftliches Grundvertrauen

Samstag, 4. Juli 2026

Etwas gehetzter Morgen, weil ich durch Verabredung am Vorabend nicht zum Bloggen gekommen war, außerdem Wäscheversorgung anstand (Wäscheständer leeren, Waschmaschine füllen und programmieren).

Das Draußen startete mit geschlossener Wolkendecke und kühler Luft, auf dem Weg in die Arbeit kam aber bereits die Sonne heraus.

Mittelemsiger Arbeitsvormittag, erschwert durch bleierne Müdigkeit. Hoffentliche schaffe ich es an diesem Wochenende mich zu erholen, idealerweise sogar durch viel Schlaf.

Raus auf einen Mittagscappuccino im Westend durch einen herrlichen Sommertag: Viel Sonne, Lufttemperatur so niedrig, dass sich der Sonnenschein angenehm wärmend anfühlte, immer wieder kräftiger, kühler Wind.

Zu Mittag gab es eine Nektarine, die ersten Kirschen der Saison (riesige Schwarzkirschen), Hüttenkäse. Der Freitagnachmittag kleckerte aus, ich ging pünktlich.

Ein paar Einkäufe auf dem Heimweg, daheim Wäscheaufhängen, Spannung, ob Herr Kaltmamsell es rechtzeitig zum Abendessen vor Abendverabredung von seinem Auswärtstermin nach Hause schaffen würde. Das tat er ganz knapp und zauberte uns in wenigen Minuten aus der Gefriere selbstgemachte Gnocchi mit Salbeibutter.

Auf den gestrigen Abendtermin freute ich mich trotz aller Erschöpfung. Sie erinnern sich an das Denkmal für die Familie Mann von Albert Coers? Dazu gibt es jetzt ein Buch, herausgegeben von Florian Matzner, und das wurde gestern Abend im Münchner Literaturhaus vorgestellt. Albert hatte Herrn Kaltmamsell und mich dazu eingeladen.

Wir spazierten durch die Abendsommermenschenmengen der Münchner Fußgängerzone zum Salvatorplatz.

Auch bei Tageslicht sehenswert: “Straßen Namen Leuchten”.

Im Gespräch mit der Leiterin des Literaturhauses, Tanja Graf, berichtete Herausgeber Florian Matzner von der Akademie der Bildenden Künste München über seine Sicht auf diese spezielle Kunst im öffentlichen Raum, Albert Coers von seinem Konzept des Denkmals und seinen Reisen über mehrere Kontinente auf Recherche nach Straßen, die nach Mitgliedern der Familie Thomas Mann benannt sind. Wenn es irgendwie ging, brachte er die Originallampen und -straßenschilder mit nach München (reichlich Anekdoten), die aus New York ließ er vor Ort duplizieren, die aus Los Angeles in einer Gießerei im bayerischen Landsberg. Er übernahm auch sonst für das Denkmal so viel Originalsituation wie möglich: Da er das Thomas-Mann-Straßenschild in Rom angefahren schief vorgefunden hatte (siehe Foto oben), steht es auch auf dem Salvatorplatz schief.

Den Aspekt Literatur im Exil beleuchtete in einem weiteren Gespräch mit Tanja Graf der Thomas-Mann-Experte Holger Pils, der die Wege der Familienmitglieder nach 1933 nachzeichnete. Das Buch selbst kauften wir gleich vom Büchertisch weg, ich freue mich schon sehr auf die Lektüre.

Nach der Veranstaltung genoss ich nur kurz den sensationellen Ausblick vom obersten Stockwerk des Literaturhauses, wir gingen gleich heim.

Diese Perspektive in der Kardinal-Faulhaber-Straße wird mich wohl jedesmal zum Zücken der Handy-Kamera bringen.

Eigentlich hatte ich noch Lust auf ein Speiseeiserl, doch am Marienplatz war mir die Schlange zu lang, und unser Eisdealer ums Eck von der Wohnung war bereits am Schließen. Also statt dessen Schokolade daheim.

Neue Lektüre im Bett: Helle Helle, Flora Fink (Übers.), Hafni sagt – eine angenehm eigenartige Road trip-Geschichte.

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Dieser Text löste bei mir eine Gedankenkaskade aus, ein Bericht aus Finnland:
“Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser”.

via @holgi

Als Erstes assoziierte ich die immer wieder aufflammende Diskussion über die Regeln beim Wählen im Wahllokal: Nein, zum Wählen muss man nicht den Personalausweis vorlegen, die Wahlbenachrichtigung oder der Wahlschein genügt. (Nur wenn man keines davon hat, muss man die Wahlberechtigung durch Ausweis und Eintrag im Wählerverzeichnis belegen.)
Eine Wahlvorsteherin, mit der zusammen ich mal wahlhalf, erklärte das auf Nachfrage von Wähler*innen vor uns mit:
“Weil wir erstmal davon ausgehen, dass Sie uns nicht anlügen.”
Aber auch hier in den Blogkommentaren erinnere ich mich an Diskussionen, die vor allem die Betrugsmöglichkeiten bei diesem Vorgehen durchspielten.

Mein Naturell ist ein ganz anderes: Ich gehe wirklich erstmal davon aus, dass Menschen ehrlich sind, dass sie mir nichts antun und nichts wegnehmen, mich nicht anlügen. Das ist ganz tief in mir verankert.

Als Zweites dachte ich daran, wie viele Jahre ich bei Anfahrt an die Isar zum Laufen mit dem Fahrrad einen Überzug-Pullover oder eine -Jacke im Fahrradkorb ließ – denn man nimmt nicht einfach anderen Leuten ihren Pullover weg. Bis er halt doch mal weg war. Ich versuche mir die Situation bis heute konkret vorzustellen: Griff jemand in meinen Korb, besah sich den Pullover und wollte ihn ganz dringend selbst besitzen und tragen? Oder war es ein: “Schau mal, da ist jemand so blöd und lässt ihren Pullover einfach rumliegen! Soll sie mal sehen, wie blöd das ist.”? Mit der Folge, dass der Pulli anschließend irgendwo weggeworfen wurde?

Interessanterweise bekam ich meine Grundhaltung gerade NICHT im Elternhaus vermittelt. Meine Arbeiter-auf-dem-Weg-zum-Kleinbürgertum-Eltern nutzten jede Gelegenheit zu Steuer- und Versicherungs… äh… -tricksereien, die sie nur finden konnten. Und sie suchten sehr gründlich, hatten offensichtlich richtig Vergnügen dabei, noch so kleine Schlupflöcher in den Regeln zu finden. (Deswegen bin ich sicher, dass sie nichts dagegen haben, wenn ich es hier weitererzähle.) Die Grundhaltung: 1. Macht doch jeder. 2. Und wer es nicht macht, lässt sich übers Ohr hauen und ausnehmen.

Selbst aber identifiziere ich mich mit unserer Verfassung, unserer Gesellschaft, dem Staat: Das sind wir alle! Ich sehe mich nicht außerhalb des Steuersystems, sondern als Teil davon: Ich zahle Steuern und sichere damit staatliche Leistungen. Einfluss nehme ich darauf über Wahlen und politisches Engagement, akzeptiere aber, dass ich nicht bei der Verwendung jedes Euros meiner Steuern persönlich gefragt werde. (Und alles daran ist öffentlich, damit wird zum Beispiel dieser Haushaltstracker des Dezernats Zukunft – Institut für makrofinanzen gefüttert).

Ich sehe mich auch als Teil der Rechtsstaatlichkeit – einer zivilisatorische Errungenschaft, von deren Vorteilen ich zutiefst überzeugt bin. Und wenn ich so vielfältig davon profitiere, sehe ich mich auch verpflichtet, meinen Beitrag durch Regelbefolgung zu leisten. Wieder finde ich meine Einflussmöglichkeit in Wahlen und politischem oder zivilem Engagement.

Wieso konnten meine (durch und durch anständigen und menschenfreundlichen, das soll unbedingt betont sein) Eltern ihre eigene Haltung nicht auf mich übertragen? Dennoch sehe ich eine Brücke zu ihnen, nämlich in der Tendenz zum moralischen Rigorismus, der mich mit meiner Mutter verbindet und den sie in allem anderen als Steuern und Versicherungen lebt.

Beim weiteren Nachdenken komme ich durchaus auf viele schädliche Folgen meiner Grundhaltung: Ich kalkuliere das Böse zu wenig ein. Bestes Beispiel: Internet. Dass die Bösen dessen neue Möglichkeiten am effektivsten nutzten, und zwar für eigenen Vorteil zum Preis einer Verschlechterung der Welt – konnte vermutlich nur mich so sehr überraschen.

§

In diese Recherche hat sich Typo-Nerd Thomas Pfeiffer ganz besonders reingehauen:
Die Beschriftungen von historischen Präparaten des Royal College of Surgeons of England.
Ich liebe alles daran und bin sicher, dass Museums-Kuratorin Alice Watkinson-Deane Spaß mit seiner Anfrage hatte – Nerds erkennen einander.

§

Finde ich interessant: Die Service-Regeln des 1-Michelin-Stern-Restaurants Wielandshöhe.

(Falls jemand das fehlende Korrekturlesen übernehmen soll: Ich stehe zur Verfügung.)

Journal Montag, 29. Juni 2026 – Endlich Gewitter

Dienstag, 30. Juni 2026

Das Beste kam am Ende des Tages: Gewitter mit ordentlich Regen. Bis dahin:

Start in Arbeitswoche 5 vor Urlaub. Diese enthält drei Abendtermine, das ist für mich zwar willkommene Ablenkung von der Arbeit, aber bereits an der Grenze zu Zusatzbelastung.

Düsterer Himmel beim Aufstehen, aber kaum Abkühlung. Erste Handgriffe des Tages: Hefeteig für Empanada.

Ich überwand mich, die sonst eisern täglichen Bank- und Seitzstütz-Übungen nochmal ausfallen zu lassen: Der Rippenschmerz war wieder stärker geworden, womöglich hatte ich die Pilates-Einheit am Vorabend verfrüht genossen.

Sonniger Weg in die Arbeit (immer noch über die Theresienwiese, die Baustellen dauern an), geordnetes Losarbeiten.

Das Wetter schöpfte die Möglichkeit von Gewittern nicht aus, dennoch wagte ich mich mittags raus auf eine Spazierrunde – und wurde von angenehmen Schattentemperaturen überrascht, der Wind fühlte sich nicht mehr wie aus einem Haarföhn an, sondern erfrischte.

Mittagessen: Apfel, Aprikosen, außerdem Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Der Arbeitsnachmittag wurde noch richtig emsig, weil ich endlich die für einen Job nötigen Informationen hatte.

Nach Feierabend war die Temperatur halbwegs erträglich, aber immer noch weit entfernt von angenehm, ich nutzte jede Schattenmöglichkeit des Heimwegs.

Zu Hause eine Runde Yoga (Rippenschmerz immer noch hinderlich) – dass ich dabei ins Schwitzen kam, lag aber allein an der Zimmertemperatur über 27 Grad. Zumindest war ich nicht die in der Küche mit dem heißen Backofen, in dem gerade die Empanada zum Mitbringen für die Generalversammlung des Kartoffelkombinats Dienstagabend buk, das hatte Herr Kaltmamsell übernommen. Der dann auch noch das Abendessen servierte: Orecchiette mit Ernteanteil-Brokkoli. Vor denen ich bereits Salzgürkchen gesnackt hatte.

Schon seit einer Weile grollte Donner, und zur Tagesschau um acht kam endlich, endlich der Regen. Und dann bei Gewitter natürlich in großem Schwall.

Das herrliche Regenrauschen wurde unmittelbar gefolgt von LALÜ.

Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen – voll Vorfreude auf eine Nacht mit Zudeckenbedarf. Die neue Lektüre, Anna Maschik, Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten, nahm mich mit in eine bäuerliche Zeit und Welt, die ich ein wenig aus der Rumplhanni von Lena Christ kannte, diese aber am nördlichen Ende Deutschlands und sehr viel kultivierter erzählt (der Titel des Romans stellte sich bereits als ausgesprochen doof und heischend heraus).

Journal Sonntag, 28. Juni 2026 – Kocherl-Wandern

Montag, 29. Juni 2026

Nein, “Kocherl-” passt eigentlich gar nicht, war nur das erste, was mir gleichzeitig mit der Idee für diesen Sonntag einfiel. Die Idee: Um die Zeit, um die im Juli der Münchner Kocherball beginnt, eine Wanderung zu beginnen. Nur halt nicht, weil die Kocherl (= Hausangestellten) nur um diese Zeit frei hatten zum Tanzen, also vor der Arbeit, sondern weil es nur um diese Zeit kühl genug für eine Wanderung sein würde.

Also Wecker auf fünf, der mich nach recht guter Nacht aus tiefem Schlaf riss.

Balkonkaffee für Herrn Kaltmamsell und mich, danach genügte mir Katzenwäsche: Ausgiebiges Duschen samt Körperpflege verschob ich auf den späteren Tag. Als Wanderstrecke hatte ich mal wieder den Auer Mühlbach gewählt, erweitert um Anmarsch von daheim nach Thalkirchen, also die Heilig-Abend-Wanderstrecke. Um sechs Uhr verließen wir das Haus.

Die Morgen-Abkühlung nutzten nicht nur wir: Es waren viele Jogger*innen und Hundespazierende unterwegs, nach sieben umgaben uns schlagartig auch Sportradler*innen. Es wurde ein schönes Gehen in Morgenluft. Das mitgeführte Wasser reichte, zu wenig waren aber überraschen die Toiletten am Weg: Dass das Klohäusl bei Maria Einsiedel außer Betrieb war, brachte mich in Umstände.

An vielen Stellen sahen wir Badende, auch schon hier kurz nach sechs an der Wittelsbacherbrücke.

Wir passierten zahlreiche Flaschensammlungen – am Vorabend und in der Vornacht war offensichtlich reichlich gefeiert worden.

In Thalkirchen ging’s hoch.

In Siebenbrunn bei den Schrebergärten wurde reichlich im Auer Mühlbach gebadet.

Streetart in Giesing

Unterm Nockherberg

An Untergiesinger Altbauten auffallend viele Fenster mit Tüchern verhängt oder gleich mit Rettungsfolie versiegelt: keine Rollläden vorhanden.

Nach ein wenig Warten an der Haltestelle Deutsches Museum brachte uns eine klimatisierte Tram kurz nach neun nach Hause. Dort schnelles Versperren und Abdunkeln der Wohnung, ich ging nochmal raus für Frühstückssemmeln.

Das Feigenbäumchen (Foto vom Samstag) auf unserem Südbalkon hat nicht funktioniert: Das ärmste verbrennt dort, in den vergangenen Tagen warf es immer mehr Blätter ab. Ich rettete es auf den Westbalkon. Nächster Versuch Olivenbäumchen?

Eine weitere Hitzeanpassung: Ich muss Obst im Kühlschrank lagern, wie in Spanien, sonst verdirbt es innerhalb eines Tages.

Kurz nach 11 Uhr wurde ich schlagartig sehr, sehr müde – ich legte mich einfach hin und schlief über eine Stunde. So richtig munter wurde ich danach nicht mehr, das mag aber auch an der Hitze gelegen haben.

Zum Frühstück gab es kurz nach eins Salzgürkchen und zwei Körnersemmeln.

Nachmittag mit Lesen von allem möglichen, unter anderem nach Langem mal wieder einige Stunden am Stück Roman: Ich las Vivian Gornick, Fierce Attachments aus – durchaus interessiert, aber der dominante Duktus einer Psychoanalyse-Sitzung befremdete mich. Draußen zog der Himmel mit Wolken zu, im Westen sogar so dunkel, dass ich auf abkühlendes Gewitter zu hoffen begann. Vergeblich.

Die schmerzenden Rippen waren viel besser geworden, ich gab meinem Bewegungsdrang nach und turnte eine Folge Pilates – große Freude.

Zum Nachtmahl taute Herr Kaltmamsell die eingfrorenen restlichen Rinderippen vom Montag auf, rührte dazu Polenta – richtiges Sonntagsessen. Nachtisch Schokolade.

Eher spät ins Bett, weil ich nicht müde war, zudem weil das zu warme Schlafzimmer mit geschlossenen Fenstern nicht recht lockte.

§

Catatonic schreibt über das japanische Konzept/Werkzeug/Zeichen
“Sekimori Ishi”.

Und tut das so abgewägt, dass eine Zusammenfassung oder ein Ausschnitt das Ergebnis verfälschten, lesen Sie bitte selbst. (Mein Erwerbsleben besteht mittlerweile zu 80 Prozent aus solchen Zeichen; ich muss aufpassen, dass sie in meinem echten Leben nicht überhand nehmen.)

Journal Freitag, 26. Juni 2026 – Lindenblütenkleben und Too darn hot!

Samstag, 27. Juni 2026

In dieser Nacht störten die Sturzfolgen dann doch meinen Schlaf – allerdings schwer abzugrenzen vom zwickenden und bis ins rechte Knie stechenden LWS-Schmerz (KÖRPER!).

Die Lindenblüte ist fast vorbei, nur an der Nordwest-Ecke der Theresienwiese rieche ich sie noch.
Von den abgeworfenen Blüten auf dem Foto nahmen die Sohlen meiner Sandalen etwa ein Drittel mit: fest angepappt von Blattlauskleber.

Die Theresienwiese weiter verbaustellt und mit Absperrgittern versehen, diese aber an den wichtigsten Passagen noch nicht verschlossen.

Das Büro erleichternd temperiert, Arbeit vorhanden, aber machbar.

Irgendwas ritt mich mittags und ließ mich das Haus für einen Mittagscappuccino im Westend verlassen (ich verdächtige den Schrittzähler, aber ich wollte auch eine Postkarte einwerfen). Und siehe da: Jetzt fühlte sich der leichte Wind sogar noch erfrischend an. Im Schatten.

Total gestelltes Foto, so sitze ich nie beim Cappuccino-Trinken.

Zu Mittag gab es die erste Minigurke aus der Kartoffelkombinat-Gärtnerei (mit Salz, weil bei all dem Trinken Salz nicht vergessen!), Ernteanteil-Apfel (langsam nimmt der Geschmack der letztjährigen Ernte trotz phänomenaler Lagertechnik ab), Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Am Nachmittag erreichte mich ein Arbeitsauftrag, den ich sehr gern erfüllte: Erbeten war eine Aufstellung von Daten zu einem Thema, bei dem ich mich immer wieder lächerlich überstrukturiert fühle, weil das doch eh niemanden interessiert, solange alles läuft. Fast hätte ich Fanfaren geschmettert beim Rausziehen der Ordner.
Ich war mehrere Stunden konzentriert und sehr fröhlich beschäftigt. Auch hatte ich viele Ideen, wie man diese Daten zielführend nutzen könnte, aber das gehört bereits nicht mehr zu meiner Rolle als nur die Sekretärin.

Draußen war es wie angekündigt prügelheiß, aber ich musste ja nach Hause kommen. Wieder nutzte ich U-Bahnhöfe für ein geschätztes Fünftel meines Heimwegs, ging langsam, absolvierte Lebensmitteleinkäufe im Vollcorner und der Balkanbäckerei, schlug lieber einen Umweg, wenn ich dadurch Schatten abgreifen konnte. Auf dem letzten Viertel des Wegs erinnerte ich mich dennoch intensiv an die kleinen Kinder, die sich einfach auf den Gehweg setzen und sich weigern, auch nur einen Schritt weiter zu gehen – ich konnte diesen Impuls sehr stark fühlen.

Daheim musste ich mich erstmal sammeln. Fürs Abendessen hatte ich mich zuständig erklärt, hobelte Ernteanteil-Fenchel zu einem Salat mit Orangen, Kichererbsen, Zitronensaft, Olivenöl. Während dieser durchzog, turne ich Yoga – die blöden Rippenschmerzen vom Sturz waren dann doch stärker statt schwächer beworden und beeinträchtigten mich. Restliche Anrichtung des Abendessens:

Bei geschlossenen Fenstern und nach Westen herabgelassenen Rollläden gab es Netzmelone mit Jamón ibérico, Balkanbrot, Fenchelsalat – und vor allem dazu tinto de verano: Schon der erste Schluck transportierte mich ins Kastilien meiner Kindheits-Familienurlaube. Nachtisch Schokolade, die eine oder andere waren Kühlschrank-gekühlt.

Meine Pläne fürs Wochenende kalkulieren die Stunden nach Sonnenaufgang ein, zu anderen Zeiten habe ich nicht vor, die Wohnung zu verlassen. Irgendwelche Vorteile muss meine Lerchennatur ja haben, wenn ich schon nie Geschichten aus dem Nachtleben erzählen konnte und kann (kurze Ausnahmen bei Hochverliebtheit und zu Studienzeiten für Poker-Nächte).

Lesen im Bett (Schlafzimmertemperatur trotz aller Prävention über 26 Grad): Vivian Gornicks Fierce Attachments nahm mich mit in die 1980er Jahre und zu den jüdischen New-York-Bewohnerinnen, deren Mütter noch den Zweiten Weltkrieg erlebt hatten, in eine Wohnblock-Frauengemeinschaft mit sehr eigenen Regeln.

§

Auf Mastodon sah ich über die Kommentare dazu die Lesungen zum Bachmannpreis vorbeifließen. Die Kommentare zu und Zitate aus Lena Schättes Text ließen mich aufhorchen, denn es geht ums extreme Dicksein. Ist dann auch ein sehr lesenwerter Text, hier das PDF:
“Was wir tragen”.

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UI! Die aktuelle Meisterstunde portraitiert den Mann, der meinen Bräter (den schönsten der Welt) gefertigt hat:
“Künstler Berthold Hoffmann über seine gusseisernen Kochgeräte:
“Die einfache Form bündelt Energie'”

Zusätzlich gibt es Fotos aus der Gießerei – und aus einem vergangenen Beruflseben weiß ich: Gießerei-Fotos sind immer Schmankerl; eines von damals habe ich drucken und rahmen lassen, es hängt in unserem Wohnungsflur.

(Ich hatte ganz vergessen, dass Berthold Hoffmann seinerzeit meinen verlinkten Original-Blogpost von 2008 sogar selbst kommentiert hatte. Achja – andere Blog- und andere Kommentierzeiten.)

§

Der Film war nicht gut, aber interessant mittelmäßig.

Mit solchen Filmkritiken kann ich etwas anfangen, diese von Southpark über den Horrofilm Backrooms.

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Gardenwithjohnny goes Celeste Barber. Manche “Influencerinnen” sind ja bereits ihre eigene Parodie – danke! (Das nächste Mal aber im Kleidchen, bitte.)

§

Um es mit der großen Naturphilosophin Ann Miller zu sagen (die meiner Erinnernung nach damit in diesem Blog bereits auftrat):
TOO! DARN! HOT!

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/WS_YAKZH3lw?si=pjAuowD9JHB6xEJ2

Journal Mittwoch, 24. Juni 2026 – Reiher überm Glockenbachviertel

Donnerstag, 25. Juni 2026

Der Reiher, den ich am Anfang meines Lerchenlaufs beim Abbiegen von der Pestalozzistraße an den Westermühlbach am Himmel sah, war zwar nicht das Wichtigste des Tages, gibt aber die schönste Überschrift her.

Nach mittelunruhiger Nacht (dreimal Aufwachen, beim zweiten Mal um halb zwei öffnete ich Fenster und Türen nach draußen, irgenwann brauchte ich sogar eine echte Decke) ließ ich mich extrafrüh wecken: Lust auf einen Isarlauf vor der Arbeit.

Ich kam ein paar Minuten später los als ideal in meiner Tagesplanung, weil ich noch ein paar getrocknete Wäschestücke verräumte und den Geschirrspüler leerte, dennoch meine täglichen Bank- und Seitstützübungen durchzog.

An der Isar war schon jetzt auffallend viel los: Es wurde sportgeradelt, gejoggt, Hund gelüftet. Nach einer kleinen Weile mit störenden Schmerzen um den Hüftgürtel kam ich in einen schönen Fluss, genoss nochmal den Duft von Lindenblüten, das herrlich klare Licht der schrägen Morgensonne.

Den Namen einer alten Bekannten gelernt: Wiesen-Flockenblume.

Wer Streetart festhalten will, muss schnell sein: So sah der Ort vor einer Woche aus, das in dieser Umgebung fast zynisch wirkende “Heimat” ist verschwunden.

Bis ich nach nicht mal der Hälfte meiner Runde auf dem Damm beim Flaucher schon wieder stolperte und stürzte. Diesmal klappte das Abrollen nach links nur im Ansatz, ich musste erstmal sitzenbleiben und mich sammeln. Ein Läufer und eine Läuferin sahen unabhängig voneinander nach mir, bis klar war, dass ich mich nicht verletzt hatte und weiterlaufen konnte. Was ich dann in geplanter Weise tat, jetzt aber dann doch immer wieder innerlich “Scheiße” fluchend.

Am Ende meiner Runde hielten mich auch noch ungnädig rote Fußgängerampeln auf, nach Körperflege und Anziehen hatte ich ebenfalls Pech mit Ampeln und musste lange auf die eigentlich als Abkürzung gedachte U-Bahn warten: Arbeitsanfang stark verzögert.

Die linke Rippenseite und die Schwellung des linken Arms am Ellbogen schmerzten beim Atmen / bei Bewegung (in Ruhe nicht, und ich habe mir ja gemerkt: dann ist nichts kaputt), die Handballen hatten auch etwas abbekommen, weil eben nicht wirklich abgerollt. Vor allem machte mich der erneute Unfall aber niedergeschlagen und bedrückt: Da stimmt doch irgendwas nicht. Und sehr wahrscheinlich irgendwas, was sich weder einfach so diagnostizieren noch beheben lässt. Ich müsste halt besser aufpassen und die Füße beim Joggen mehr heben – aber Selbst- und Körpervergessenheit gehören doch zu den zentralen Attraktionen meiner Lauferei. Zudem verdüsternd: Wenn ich gleich nach dem Sturz die Folgen so deutlich spürte, konnten die nächsten Nächte und Tage ja lustig werden.

Apropos lustig: Die fortgesetzten Schmerzen um LWS und Hüfte wollte mein Körperhirn (oh doch, das gibt es) auch gleich mit dem Sturz verbinden, ich musst ihm in expliziten Gedanken klarmachen, dass ich mit denen bereits aufgestanden war und sie nicht davon herrühren konnten. Außerdem war ich mit schmerzendem linken Daumen aufgestanden, er hatte sich wahrscheinlich im Schlaf unter Kissen/Kopf verkantet. Auch den musste ich meinem Körperhirn als Sturzverletzung ausreden.

Mit dieser Grundlaune arbeitete ich Wegzuarbeitendes weg, ließ mir aber auch von einem London-Urlaub erzählen.

Noch hielt mich die Hitze nicht von Mittagscappuccino im Westend ab, doch angenehm war der Weg nicht.

Zu Mittag gab es auch gestern Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot, außerdem Aprikosen und Flachnektarinen.

Mittel-emsiger Arbeitsnachmittag, körperlich eingeschränkt fühlte ich mich vor allem von der schmerzenden Rippe unter der linken Brust (Prellung? sehr lustig, wie sofort das Nies-Versuche abbricht).

Rumfragen und Rumsuchen nach möglichen Ursachen der Stolperei beim Joggen ergab unerfreuliche Möglichkeiten. Fußheberschwäche würde zu meinen LWS-Problemen passen. Ich brauche eh wieder neue orthopädische Einlagen, also holte ich mir einen Termin in der orthopädischen Sammelpraxis.

Heimweg wieder mit U-Bahnhof-Wegen und über einen Lebensmitteleinkauf schon für Freitag: Das Wochenende soll mit tinto de verano gefeiert werden.

Herr Kaltmamsell verbrachte den Abend aushäusig. Ich überredete mich zu Pediküre mit einmal alles.

Es ist übrigens keineswegs so, dass Tampons mit der Menopause ihren Nutzen völlig verlieren.

Ob und wie Pilates oder Yoga mit Sturzbeschwerden funktionierten, würde ich erst Donnerstagabend herausfinden.

Als Abendessen machte ich mir Linsensalat aus Dosenlinsen, Tomaten, Gurke, Paprika. Nachtisch 1 war ein Stückchen restliche Wassermelone, Nachtisch 2 Schokolade und Sirupwaffeln.

Vicki Baum, Zwischenfall in Lohwinckel ausgelesen, wirklich schön und indirekt ausgesprochen informativ für den Zeithintergrund (1930 veröffentlicht). Immer wieder aufregend: Auswahl der nächsten Lektüre (die beiden Romane von meiner Wunschleseliste, die mich aktuell sehr interessieren und die ich auch in der Stadtbibliothek fand, sind erst im Juli verfügbar, konnte ich lediglich vormerkten). Sollte möglichst nicht zu nah an der zuletzt gelesenen sein (sonst komme ich durcheinander) und zu aktuellen Neigungen passen. Es wurde Vivian Gornick, Fierce Attachments.

Schlagartig bleimüde, selbst Zähneputzen kostete Anstrengung. Ob sich der Sturz auf das Bettliegen auswirken würde?

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Die laufende Männerfußball-WM belästigt mich so wenig wie noch kein Fußball-Großereignis zuvor: Keine Leinwände in Biergärten, auf die Spiele übertragen werden, wenn ich gerade gemütlich biergarteln möchte, nachts keine Polonaise hupender Autos in Hörweite (wurde der “Corso” von der Lindwurmstraße wegverlegt?). Danke schön!

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Der Bayerische Rundfunk versucht es hartnäckig mit dem, was menschliche Entscheidungen am wenigsten beeinflusst: Fakten. Zum Glück, denn dafür haben wir ja Journalismus. Genauso blauäugig empfehle ich:
“#Faktenfuchs: Klimawandel oder ‘Sommer wie früher’?”
(Auch wenn ich selbst mittlerweile hilflos einfach das Thema wechsle, wenn selbst wirklich kluge Wissenschaftsredakteurinnen mit “früher gab es auch schon heiße Sommer” daherkommen.)

“Das, was früher seltene Ereignisse waren, sind jetzt gewöhnliche Sommer. Das, was ohne Klimawandel unmöglich gewesen wäre, sind jetzt die neuen Extremereignisse”, sagte die Physikerin Friederike Otto vom Grantham Institute for Climate Change am Imperial College London dem Science Media Center.

Karsten Haustein, Meteorologe und Klimawissenschaftler an der Universität Leipzig, erklärt, woran das liegt: “Erwärmung durch verschwindende Schmutzpartikel und der Treibhauseffekt überlagern sich, das führte dazu, dass sich innerhalb von 50 Jahren die Temperaturen um zwei Grad erhöht haben”, sagte er dem #Faktenfuchs. “Global hat sich Stand 2025 der Planet um 1,4 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit erwärmt. Alles menschengemacht, daran gibt es keinen Zweifel mehr.”

In Westeuropa, auch Deutschland, ist der Effekt sogar deutlicher. “Da liegen wir bei 2,5 Grad mehr seit vorindustrieller Zeit”, sagte Haustein. Davon seien knapp über zwei Grad seit Mitte der 1970er dazugekommen – dem gerne zitierten “früher”.

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Stephan Lewandowsky ist Professor für Kognitionspsychologie an der University of Bristol und derzeit an der Universität Potsdam Leiter des Projekts Protecting the Democratic Information Space in Europe. Er beschäftigt sich in seiner Forschung damit, wie Falschinformationen sich verbreiten und was dazu führt, dass Menschen wissenschaftliche Belege akzeptieren oder nicht – auch in Bezug auf den Klimawandel.

Der Vergleich von “Sommer heute” mit “Sommer früher” greife an einer wesentlichen Stelle an, die uns alle betreffe: an der Kluft, die sich auftut zwischen unserem eigenen Erleben und Statistik. Das hat mehrere Gründe. Einer davon ist, dass Datenauswertung und Statistik für viele Menschen eher etwas Fremdes ist. “Die Menschen wachsen nicht mit dem Wissen über das Messen von Dingen auf. Das ist für die meisten Menschen nicht wirklich wichtig in ihrem Leben”, sagt Lewandowsky. “Und genau das macht es für manipulative Politiker sehr einfach, das auszunutzen. Und andere dazu zu bringen, diese Ideen nachzuplappern.”
Erinnerung ist kein Abbild der Statistik – und auch nicht ihr Ersatz

Gerade beim Klima ist die Auswertung von Daten aber zentral. Beate Ratter ist Expertin für Klimaanpassung und Professorin für Integrative Geographie an der Universität Hamburg und Abteilungsleiterin am Helmholtz Zentrum Hereon. Sie sagt: “Klima ist eine Statistik, Klima ist ein dreißigjähriger Mittelwert.” Aber: “Eine Statistik können Sie nicht fühlen. Was Sie fühlen, sind Einzelereignisse, mit denen Sie etwas verbinden.”