Bücher

Journal Montag, 24. August 2026 – Aber Lerchenschwumm

Dienstag, 25. August 2026

Nach guter Nacht (ich fürchte, Ohrstöpsel plus geschlossene Fenster sind mittlerweile Voraussetzung für Ruhe) etwas früherer Wecker: Schwimmpläne vor der Arbeit. Allerdings fühlte ich mich überraschend müde.

Doch Schwimmen im Dantebad war so glorios wie erhofft: Die Sonne stieg am wolkenlosen Himmel langsam über das Wirtschaftsgebäude (Thermometer über Sprudelschnecke hatte bei Schwimmstart 16 Grad angezeigt) und verglitzerte immer größere Teile des Beckens, die Bahnen wurden zunächst mittelrege genutzt, auf den letzten 1.000 meiner 3.000 Meter hatte sich selbst dieser Verkehr gelichtet. Ich schwamm leicht und flüssig, verließ das Wasser hoch erfrischt. Gut gelaunte Körperpflege, nahtlos passende U-Bahnen verhalfen mir zu einem Einstempeln um 09:22 Uhr.

Im Büro erstmal alles bis dahin angefallene weggewirbelt. Dann Längerfristiges geordnet angegangen – Schwimmbeseeltheit führte zum Gefühl: So lange ich noch nicht mit Kolleg*innen gesprochen habe, ist das Wochenende noch nicht ganz vorbei. Was leider geblieben war: die Müdigkeit.

Das Wetter war herrlich: sonnig ohne Hitze. Mittags genoss ich das Draußen bei einem Marsch um die Blöcke.

Zum späten Mittagessen gab es Ernteanteil-Gurke, Hüttenkäse, Birnen (die auch eine Woche nach Kauf nicht nachgereift waren).

Auf dem Heimweg war das Wetter immer noch sehr angenehm; ich ging über Obsteinkäufe beim Süpermarket Verdi.

Zu Hause eine längere Folge Yoga.

Fürs Nachtmahl hatte sich Herr Kaltmamsell davon inspirieren lassen, dass Ernteanteil-Kartoffeln übrig waren, es noch einen Rest Frischkäse gab und er beides zu Kartoffelpü kombinieren wollte (plus Kräuter, da gibt es wohl einige Rezepte). Dazu brauchte es natürlich etwas als Hauptsache: Herr Kaltmamsell entschied sich für Hackbraten, und dabei für ein englisches Rezept mit eingearbeitetem Spinat. Das Ergebnis war rundum wohlschmeckend, frischer Thymian und Basilikum machten sich ausgezeichnet im Pü, der Spinat sehr gut im würzigen Hackbraten.

Nachtisch einige überreife Renekloden mit Buttermilcheis. Und Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, das neue Granta 176: American Berserk war eingetroffen – mal sehen, was ein Literaturmagazin aus dem aktuellen Elephant-im-Porzellanladen-tum herausholt.

§

Hier gab es schon viel zu lange nichts mehr vom Gott des Hula Hoop, Daniel Middel – er kann auch Klassik!

Journal Sonntag, 23. August 2026 – Rückreise vom Westerwald / Amal El-Mohtar, Max Gladstone, This Is How You Lose the Time War

Montag, 24. August 2026

Auf dem sehr komfortablen Gästebett der Freunde im Westerwald nicht so lange geschlafen, wie ich hätte können. Dafür mit viel Zeit für Morgentoilette und Vorbereitung des Blogposts.

Überraschender Nebelblick, laut Gastgebern der erste solche der Saison.

Wir hatten noch Frühstückszeit, bekamen mehr vom spannenden Haus gezeigt und aus seiner Geschichte erzählt. Es gehört sogar ein Poolhaus dazu! (Ich kenne Leute mit Poolhaus.) (Auch wenn ich ihnen die Bezeichnung erst beibringen musste.)

Zeit für Abschied, wir wurden zum Bahnhof Au (Sieg) chauffiert.

Mit Legende-tauglicher Gleisnummerierung. Abschied mit vielen Umarmungen und mit vollem Herzen.

Unsere Rückfahrt enthielt einen zusätzlichen Umstieg – zusätzliches Risiko, doch wir waren beide gelassen, hatten gestern eh nichts mehr vor und genug Beschäftigung bei uns.

Der Abschnitt Siegburg-Frankfurt wurde spannend: Würde die Verspätung den Anschlusszug noch erreichbar machen? Auch wenn die App der Meinung war: nein, und auch wenn die Zugbindung bereits aufgehoben war, befolgten wir eine der erprobten Regeln des Bahn-Fernverkehrs: Es immer drauf ankommen lassen und ans Anschlussgleis eilen. Voilà! Der ICE nach München stand noch da.

Die Sitze dicht gepackt, wir mussten leider zwei bereits sehr eingerichtete Menschen von unseren reservierten Plätzen bitten (alles in aller Freundlichkeit allerseits). Mittagscappucino bekam ich aber nicht, der Speisewagen war zurückgeworfen auf nur Filterkaffee (auffallenderweise lud auch niemand per Durchsage dorthin ein, kein “sie gerne erwartet”).

Zur Brotzeit um eins hatte ich mir vom Frühstückstisch eine Schinkensemmel mitgebracht und eine Birne, genoss beides (immer noch mit kleinen Bissen und eher vorsichtigem Kauen auf der Seite ohne Loch von rausgerissenem Backenzahn).

München empfing uns mit Sonne und milder Luft, nach einer Runde Räumen und einem halben Stündchen Siesta setzte ich mich zum Lesen auf den Balkon.

Eine Folge Yoga, zum Nachtmahl verarbeitete Herr Kaltmamsell den Erntanteil-Mangold zu einem Nudelgericht mit Linsen.

Sehr gut! Dazu Ernteanteil-Tomaten mit Basilikum, Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, This Is How You Lose the Time War von Amal El-Mohtar und Max Gladstone ausgelesen. Startet mit einem Wirbelwind an indirektem Erzählen, aus dem der Hintergrund zweier sehr unterschiedlicher Gemeinschaften an Zeitreisenden hervorgeht, die die Zeitläufte im Sinne ihrer sehr unterschiedlichen Interessen beeinflussen. Eine Kriegerin (“agent”) nimmt aus einem Impuls heraus den Kontakt mit ihrem Gegenpart der anderen auf; es entsteht ein Austausch, dessen Medienformen allein schon super-kreativ abgefahren sind, innerweltlich aber herrlich stringent. Die Handlung wird sehr spannend, ist jedoch so dicht erzählt, dass ich mein Lesetempo immer wieder bremsen musste, weil meist jeder Satz zählt, Passagen-weise jedes Wort. Ein echter Ritt, der sich für mich sehr lohnte – ich hatte dringend mal wieder nicht-realistisches Erzählen gebraucht.

§

Ein Nachruf – nicht nur auf eine liebe Nachbarin, sondern auch auf eine ländliche oberbayerische Ära.
“Briefe an die nahe Ferne ( 27 )
Die Schmiedrosi ist heimgegangen.”

Sie konnte unglaublich gut mähen, sehr ruhig und gleichmäßig, Schnitt für Schnitt und ich seh sie noch, wie sie früher bei uns vorbeigegangen ist, mit dem Häuerl (übersetzt: sowas ähnliches wie eine Harke) über der Schulter, hinaus aufs Feld, da hatte sie am unteren Ende des Kartoffelackers einen Krautgarten. Weißkraut, Blaukraut, Ranner(Rote Beete) waren angebaut und mußten behäuerlt werden.

(Aufschreiben, alles aufschreiben!)

Journal Donnerstag, 20. August 2026 – Lesungsankündigung jetzt offiziell und bebildert

Freitag, 21. August 2026

Foto und Grafik: Frau Klugscheißer

Tadaaa, es ist offiziell!
Am 24. Oktober wiederersteht eine versunkene Web-Kultur:
Die Bloglesung

it ain’t over ’til it’s over

bringt vier Leute auf die Bühne / in einen Boxring, die irgendwie schon immer gebloggt haben und bis heute nicht damit aufgehört.
Mequito, Vanessa, Novemberregen und mich. Frau Klugscheißer hat das ganze initiiert, organisiert und koordiniert; sie moderiert den Abend.

Termin: 24. Oktober 2026, 19 Uhr
Ort: Boxwerk, Schwindstr. 14, München
Eintritt frei – um eine Spende zur Unkostendeckung wird gebeten

Ich bin schon sehr gespannt, wann meine Panik einsetzt, denn unter anderem habe ich keinen passenden Text mit Box-Thema. Werde ich extra einen schreiben müssen? Was dann aber kein Blogtext wäre.

§

Nach mittelguter Nacht ein überraschend milder Morgen, ich setzte mich für meinen Morgenkaffee wieder raus.

Vorm Haus hatte ich am Vorabend eine neue Baustellenabsperrung entdeckt, bestehend aus rot-weiß-gestreiften Trennwänden und einem Dixie-Klo. Was ist denn jetzt schon wieder. Das wäre parallel die vierte Baustelle in unserer Wohnstraße, ich muss schon jetzt zu weiten Teilen auf der Straße gehen.

Unter wild buntem Himmel in die Arbeit marschiert, die August-Ruhe über diesen Teilen Münchens genossen.

Im Büro erstmal Nerventest: Mein neuer Rechner erkannte die mehreren Bildschirme nicht. Nach Telefon, Ticket, Supportrückruf und -zusendung spielte ich dann eine 12-seitige Anleitung zur Lösung des ursächlichen Hardware-Problems durch, die mich in völlig unerwartete Abgründe der Unternehmens-IT blicken ließ. Arbeitsfähig war ich 70 Minuten nach Arbeitsbeginn, bis sich meine Verzweiflung und Gereiztheit gelegt hatten, brauchte es länger.

Draußen immer wieder Regenschauer.

Für einen Krankheits-Ausfall eingesprungen, sofort nützlich gewesen. In einer Regenpause raus auf einen Mittagscappuccino im Westend, Käsekauf auf dem Markt verhindert durch Abwesenheit des Käsestands, auch hier August-Ruhe.

Zu Mittag gab es Bananen sowie eingeweichtes Muesli mit Joghurt.

Recht geordneter Arbeitsnachmittag, aber es wäre mir lieber gewesen, danach bereits ins Wochenende zu können.

Auf dem Heimweg Einkäufe im Süpermarket Verdi – heiser geschrien, weil mich auf dem Bavariaring bei der Theresienhöhe innerhalb weniger Minuten das LALÜ! direkt neben mir von acht Polizeizeifahrzeugen, einem SWM-Einsatzfahrzeug und einem Feuerwehrauto weggefegt hatte. Mittelfristig werde ich mich nach einer Wohngegend umsehen müssen, in der sowas zumindest weniger häufig vorkommt.

Daheim Häuslichkeiten und Yoga – es kommt mir vor, als würden meine Krieger-Positionen mit der Zeit immer wackliger statt stabiler.

Aus Ernteanteil machte ich eine Schüssel Blattsalat mit Gurke und Tomate, den überraschend mitgeernteten Blumenkohl servierte Herr Kaltmamsell mit erwarteten Ernteanteil-Kartoffeln als Aloo Gobi. Nachtisch Mochi und Eiskonfekt.

Früh ins Bett zum Lesen, This Is How You Lose the Time War ist in bester Weise kompliziert und komplex, ich wollte wissen, wie’s weitergeht.

§

Doch, ich bleibe dabei: The World Accoring to Garp ist richtig gut. 1978 veröffentlicht greift der Roman feministische Themen und Perspektiven auf, die auch heute fortschrittlich wären. Das geht los mit weiblicher Selbstbestimmung (an Jenny Fields erinnerte mich erst gestern die Seite Drei der Süddeutschen – € – über südkoreanische Frauen, die das mit den Männer lieber gleich ganz bleiben lassen – und dafür gesellschaftlich einen hohen Preis zahlen), setzt sich fort mit schmerzlich gründlicher Schilderung und Einordnung von Vergewaltigung (klar bezeichnet als brutale Machtausübung, die nichts mit Attraktivität der Opfer oder mit Erotik zu tun hat) und der frühen Sichtbarmachung und Umarmung von Transsexualität (ROBERTAAAA!!). Dass diese Themen nur zum Teil in der eigentlichen Romanhandlung durchgespielt werden, zum Teil aber in den langen Binnentexten (Titelheld Garp wird Schriftsteller, der Roman zeigt große Ausschnitte aus seinen Werken), halte ich für eine besondere Kunstfertigkeit.

§

“Beratungstermine beim Klimaanlagenexperten sind die neuen Facharzttermine.”

Journal Dienstag, 18. August 2026 – Einstweiliger Regenjubel und Mammomat

Mittwoch, 19. August 2026

Ein bisschen mehr Schlaf am Stück, aber erholt geht anders.

Der Himmel bedeckt, die Luft kühl, sogar zu kühl für Balkonkaffee. Espresso aus der kleinen 1-Personen-Cafetera: Am Vorabend war bei der Vorbereitung der Kanne von unserer gewohnten 2-Personen-Cafetera die Scheibe des Filtereinsatzes (hat sich vor langer Zeit selbständig gemacht) nicht zu finden gewesen. Die Situation hatte ich schonmal, war nach langem Durchsuchen der Küche davon ausgegangen, dass ich sie in morgentlicher Bewusstlosigkeit beim Reinigen mitsamt dem Kaffeesatz weggeworfen hatte – obwohl sie auch im Müll nicht war. Die Scheibe tauchte damals IN einer Küchenschublade auf, ihr Weg dorthin liegt bis heute im Dunklen. Montagabend hatte ich keine Lust auf nochmalige hysterische Hektik gehabt. Gestern vermeldete Herr Kaltmamsell später Fund im Abtropfgitter neben der Spüle (ich war ganz sicher gewesen, die Scheibe Montagmorgen abgetrocknet und aufgeräumt zu haben).

Den Linden um die Theresienwiese sieht man die Hitze und Dürre an, wie ich es noch nie erlebt habe.

Am Schreibtisch mal wieder ein Eingesperrte-Füße-Moment: Wenn sich gewohnte und gut eingelaufene Schuhe zu eng anfühlen und drücken, obwohl weder die Füße geschwollen aussehen, noch die Schuhe eng geschnürt sind. Ging bislang jedesmal innerhalb weniger Stunden vorbei, ich lockerte halt erstmal die Schnürung.

Datenbankarbeitsvormittag, die Büros um mich herum überraschend gut besetzt. Guter Mittagscappuccino im Westend, zwischen Anwohnenden mit winzigem Baby.

Die anhaltenden Zahnschmerzen brachten mich dann doch dazu, einen Termin bei meiner Zahnärztin zu holen: Meine Zunge spürt in der schmerzenden Gegend eindeutig eine bröselnde Füllung; die hätte ich gern repariert.

Mittags setzte Regen ein, weiterhin hochwillkommen. Auch wenn ich für ein paar Dienstgänge draußen einen Schirm brauchte. Und er war nicht lange und nicht genug für Aussicht auf Ausgleich der Dürre.

Doch dann musste ich mir eine gründliche Fehlkalkulation eingestehen: Rechnertausch drüben bei den IT-Kollegen um drei, Feierabend um halb fünf (pünktlich, weil Arzttermin) hielt ich für locker geplant für die Einrichtung des neuen Arbeits-Laptops. Denn der IT-Support hatte versichert: Einfach dem Einrichtungsassistenten folgen! Und zudem gibt es schließlich Nutzer-Profile, die gewohnte Einstellungen von Gerät zu Gerät mitnehmen.

HAHAHA!

Der neue Laptop wollte erstmal 15 (keine fiktive Zahl) Updates inklusive BIOS, es funktioniert nix, und meine Einstellungen, Zugänge, Oberflächen, Funktionen musste ich alle von Null wieder anlegen. Arschlecken, dann halt am Mittwoch. Was bedeutete, dass ich meine Lerchenschwimmpläne für den nächsten Tag abblies – für die ich ohnehin schlechtes Gewissen hätte verdrängen müssen, weil mein Platz aus Gründen früh eher im Büro sein sollte.

Der Arzttermin war eine Mammographie im Rahmen des deutschen Screening-Programms. Als Innenstadtbewohnerin profitiere ich von der Nähe der Praxen zu meiner Wohnung. Als ich eintraf, herrschte an der Anmeldung Hochbetrieb, aber die Angestellten hatten alles im Griff.

Die freundliche Ärztin am Siemens Mammomat (tihihi!) war gestern allerdings wohl schon sehr lang im Dienst. Als sie mir ein paar Routinefragen nach nicht mal einer Minute zum zweiten Mal stellte, hielt sie kurz inne, sah mich an: “Habe ich das schon gefragt?” Ich äußerte mein Mitgefühl – die wievielte Patientin ich heute denn sei? Die 31.
Doch ihrem sorgfältigen und aufmerksamen Vorgehen mit vielen Erklärungen war das wirklich nicht anzumerken.

Danach ein paar Lebensmitteleinkäufe. Zu Hause war noch Zeit für Pediküre und Yoga. Dann wieder ein Abendessens-Highlight.

Spinat mit Kichererbsen ist eh einer meiner Lieblinge, doch in diesem Fall waren es auch noch kastilische Kichererbsen (garbanzos) aus der eigenen Familie!

Nachtisch Speiseeis, Süßigkeiten.

Im Bett The World According to Garp endlich ausgelesen. Ich mochte den Roman immer noch, vor allem viele seiner liebevoll und vielseitig gestalteten Charaktere, hatte aber einige Passagen nicht so geschwätzig über-detailliert in Erinnerung.

Journal Samstag, 1. August 2026 – Anreise nach Brighton in Selfies

Sonntag, 2. August 2026

Gestern fuhren wir nach Brighton, ohne Probleme. Irgendwann unterwegs wies Herr Kaltmamsell bewundern auf meine Souveränität und Gelassenheit hin: Das war einfach, denn alle Aufregung, alles Kopfzerbrechen und mich Anstellen hatte ich schon im September des Vorjahrs durchgespielt, als ich die Bahnreise München-London zum ersten Mal machte. Und jetzt kannte ich mich ja aus und wusste Bescheid.

Für uns ganz konkret ist Zug für eine Reise nach Brighton tatsächlich die bequemere Variante:
– Fußweg Wohnung-Zug 15 Minuten,
– nach Paris einmal umsteigen (gestern mit Anschluss am selben Gleis in Vaihingen)
– in Paris zweites Mal umsteigen mit 5 Fußminuten vom Ankunftsbahnhof Paris Est nach Gare du nord
– von London St. Pancras, drittes Mal umsteigen, direkt nach Brighton.

Das wäre mit Flugzeug umständlicher:
– Lange Anfahrt zum Flughafen München Erding mit erstem Mal Umsteigen unterwegs, Ankunft mindestens zwei Stunden vor Abflug,
– zweites Mal Umsteigen ins Flugzeug.
– Direktflüge nach London Gatwick gibt es der derzeit nicht (von dort gäbe es direkte Zugverbindungen nach Brighton), also drittes Mal umsteigen nach London rein,
– viertes Mal Umsteigen zum passenden Bahnhof,
– fünftes Mal Umsteigen in den Zug nach Brighton.
(Alternativ mit doppelter Fahrtzeit: Drittes Mal Umsteigen am Flughafen London in einen National-Express-Bus nach Brighton.)
Wobei unterwegs auch noch Gepäck verloren gehen kann, das man bei der Zugreise durchgehend bei sich trägt.

Zurück zur tatsächlichen Reise gestern: Ich nahm bei jedem Abschnitt Selfies von Herrn Kaltmamsell und mir auf:

Pünktliche Abfahrt 4:20 Uhr von München (nach einem Gewitter am Vorabend hatte es angenehm abgekühlt, wir machten die Wohnung dennoch hitzefest mit geschlossenen Fenstern und herabgelassenen Rollläden bis zum Eintreffen meiner Mutter).

Umstieg mit vielen anderen Reisenden in Vaihingen – wo NIX ist: In der knappen halben Stunde Wartezeit sah ich mich gründlich um, entdeckte sogar einen angeschlossenen Kiosk mit Kaffeeverkauf, doch der öffnete erst um sieben.

Bahnfahren kann so cool sein. Im Zugrestaurant holte ich uns ersten Cappuccino.

In Paris trafen wir pünktlich ein und hatten gut zwei Stunden Aufenthalt bis zur Weiterfahrt mit dem Eurostar unterm Kanal durch. Diese nutzten wir für die umständliche, aber flüssige Eincheck-Prozedur (Ticket-Check, Pass-Kontrolle Ausreise, Pass- und Visa-Kontrolle Einreise, Gepäck-Kontrolle) und für Frühstück kurz vor elf:

Herr Kaltmamsell erjagte Milchkaffee, Schinken-Käse Baguette.

Jetzt die erste Verspätung: Der Eurostar verließ Paris 20 Minuten nach geplanter Abfahrtszeit. Diese Eurostar-Fahrt bescherte mir das erste Sprachbad Londonerisch: Dropped Heitsches und Glottal Stops all over the place.

Auf unserer gesamten Fahrt sahen wir nur bereits abgeerntete Getreidefelder.

In London St. Pancras international warteten wir nur wenige Minuten auf den Anschluss nach Brighton.


Sehr voller Zug, weil viele zum Unterwegs-Halt London Gatwick unterwegs waren, andere zum Pride-Wochenende in Brighton.

Am Weg ein bisschen London.

In Brighton wenige Minuten Fußweg zur bereits bekannten Ferienwohnung, Ankunft kurz vor vier. Ich hatte bereits vergessen, wie dominant in der hiesigen Sound-Kulisse das Möwen-Geschrei ist.

Während ich aus München Tipps las, wie man die fortdauernde Hitze um die 30 Grad mit möglichst wenig Leid übersteht, hatte es in Brighton die angenehmen 24 Grad, bei denen man gerne alle Fenster aufließ.

Begrüßung im sonnigen Hinterhof der Wohnung.

Nach Auspacken und Check der Bestände gingen wir auf Einkäufe zum großen Supermarkt Waitrose – mit gewollten Umwegen durch viel glitzerndes Party-Volk.

Schwäbischer Kolonialismus.

Die ganz gründliche Besichtigung des Supermarkt-Angebots verschoben wir auf einen nächste Besuch, arbeiteten lediglich die Einkaufsliste ab.

Abendessen musste sich Herr Kaltmamsell überlegen und entschied sich für Bratwürste und Black Pudding aus der Pfanne, ich schnitt ein wenig Gemüse dazu.

An sich hatten wir mit edlem heimischen Schaumwein auf den Urlaub anstoßen wollen, doch das Gefrierfach war nicht fest geschlossen gewesen und ließ vor lauter Vereisung keinen Platz für eine Flasche zum Kühlen. Also gab es einen roten Primitivo di Manduria.

Nachtisch kleine Apple Pies und Schokolade. Herr Kaltmamsell klickte sich auf meine Bitte durchs Live-Fernsehprogramm, doch ich wurde früh so sturzmüde, dass ich bald ins Bett ging und nur noch wenig las.

§

Nächste Lektüre: Ein nach Langem Wiederlesen von John Irvings The World According to Garp. Er war der erste Roman, den ich von ihm je las, hatte zuvor die wunderbare Verfilmung mit Glenn Close und Robin Williams gesehen (die ich beide bei dieser Gelegenheit kennenlernte), las ihn auf Deutsch.

Irvings Romane nach A Widow for One Year halte ich für immer schlechter, The Last Chairlift brach ich ab und beschloss, dass es das mit uns war. Aber davor sind viele seiner Werke hervorragendes Handwerk,1 und in meiner Erinnerung war Garp der kunstfertigste davon, in dem viele seiner folgenden gelungenen Romane bereits angelegt waren. Das wollte ich jetzt endlich mal überprüfen.

John Irving schreibt besonders gute erste Sätze, einige kann ich auswendig. Nicht, wie ich jetzt feststellte, den von The World According to Garp:

Garp’s mother, Jenny Fields, was arrested in Boston in 1942 for wounding a man in a movie theater.

Großartig, und er enthält in einem Satz zahlreiche Elemente, die mich Irvings Büchern so lange verfallen ließen. Zu meiner großen Freude überraschte mich das erste Kapitel noch in weiterer Hinsicht. Ich kann mich also an wenig erinnern und freue mich sehr auf die Lektüre.

An John Irving lernte ich auch, dass es für meine Literatur-Rezeption ausgesprochen schädlich sein kann, zu viel über den Autor zu wissen: In einer Film-Doku kam er als eitler und aufgeblasener Mensch rüber. Es brauchte eine Weile, bis ich meine Wahrnehmung seiner Romane davon befreien konnte. (Die zahlreichen Interviews, die ich zuvor mit ihm gelesen hatte, hatten diesen Eindruck nicht erweckt.)

  1. Ich schrieb meine Magisterarbeit über “John Irving in der Erzähltradition von Charles Dickens”. []

Journal Dienstag, 28. Juli 2026 – Urlaubsvorbereitungen und viel Beifang aus dem Internet

Mittwoch, 29. Juli 2026

Nach mehrfach unterbrochener Nacht deutlich vor Weckerklingeln aufgewacht. Bockig beschlossen, dass der Körper also wohl genug geschlafen hatte.

Pflanzengießen, doch mal wieder Balkonkaffee (in dicker Strickjacke, aber wundervoller Morgenluft), Wäsche aufhängen. Marsch in die Arbeit unter wolkenlos blauem Himmel und in frischer Luft im Sommerkleid.

Am Schreibtisch gemischte Orga, Besprechungen, Ärger. Teilnahme an Geselligkeit, bedrückende Informationen. Mittagscappuccino im Westend, noch vor zwölf war die Temperatur auf Hochsommerhitze gesprungen.

Zu Mittag gab es Hüttenkäse mit Joghurt und Leinsamenschrot (Hüjolei), dann reichlich Kirschen (vielleicht zu viele, Bauch anschließend Fragezeichen-förmig).

Emsiger Arbeitsnachmittag mit Ideen. Das Stockwerks-Sommerfest hatte ich abgesagt (aber erst nach 24 Stunden Bedenken!), meine übersichtliche Menschen-Energie benötige ich für Leute, die mir am Herzen liegen. Der Geräuschkulisse nach wurde Spaß gehabt, das freute mich.

Nach Feierabend fuhr ich mit einer U-Bahn in die Innenstadt. Zum einen besorgte ich ein Mitbringsel für die geplagte Ferienwohnung-Nachbarin in Brighton: Wir werden im selben Apartment unterkommen wie ich vergangenen Oktober, und damals hatte ich ja gelernt, dass die Erdgeschoß-Bewohnerin die einzige feste unter zwei Ferienwohnungen ist – das stelle ich mir wirklich ungemütlich vor. Diesmal möchte ich ihr Pralinen vom Dallmayr mit einer netten Karte vor die Tür stellen.

Außerdem sah ich mich beim Sport Schuster nach Badeschuhen um: Ich würde in Brighton gerne nochmal im Meer schwimmen, diesmal aber anders als vor drei Jahren auf dem Kiesstrand nicht auf allen vieren rein- und rausgehen. Es gab Badeschuhe, allerdings nicht in meiner Größe. Ich beschloss, alte Sandalen mitzunehmen und ihnen durch den Einsatz in Salzwasser den Gnadenschuss zu setzen.

Daheim telefonische Abstimmung mit meiner Mutter zu ihrem Wohnunghüten während unserer Abwesenheit. Dann reichlich Räumen und sonstige Häuslichkeiten. Wieder servierte Herr Kaltmamsell das Nachtmahl: Er hatte die Ernteanteil-Aubergine chinesisch geschmort, es gab sie sauer-scharf mit Reis. Nachtisch Heidelbeereis, Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, neue Lektüre Angelika Klüssendorf, Das Mädchen. Der Roman nahm mich mit in eine elende Kindheit der späteren DDR mit prügelnder Mutter und Verwahrlosung.

§

Fast schon Routine bei vielen Arbeitgebern:
“PR-Kampagne XY ist jetzt online -> bitte liken und teilen!”

Haben wirklich so wenige Menschen noch ein echtes Leben im Internet? Online-Präsenz = Beruf?
Ich halte diese Aufforderung für problematisch: Wenn die Online-Kanäle von Mitarbeitenden als Werkzeuge des Arbeitgebers genutzt werden – könnten dann nicht alle ihre Posts automatisch in Verbindung mit dem Arbeitgeber gesetzt werden? Auch wenn sie zum Beispiel der offiziellen Policy widersprechen?

§

LLMs als Werkzeug in Forschung und Lehre kann man durchaus als Weiterführung des Didaktik-Konzepts Kompetenzorientierung betrachten: Niemand muss mehr Fakten wissen, sondern nur, wo man sie findet. Oder wie man sie erpromptet. Hier das Ergebnis:
“Opinion: I Was Not Allowed To Type Prompts Into ChatGPT During My Chalk Talk And This Is Discrimination”.

via Herr Rau

My own words? I haven’t used my own words since 2022. I’m not even sure I have my own words anymore. When I try to think without a prompt box in front of me, my mind returns only a vague sense of fog and the faint echo of a cursor blinking. My thoughts are not organized into paragraphs. They do not have topic sentences. They are just fragments. Impressions. My job is just… prompt.

I tried to explain this to the committee. I told them that the chalk talk format was outdated and did not reflect the realities of modern scientific practice. I noted that in my actual job, I would have access to AI tools at all times, and that evaluating me without those tools was like evaluating a carpenter without allowing them to use a hammer. I pointed out that memorizing information is not the same as understanding it, and that my ability to construct effective prompts demonstrated a sophisticated grasp of my field.

(…)

I was not offered the position.

In the rejection email, the committee cited “concerns about independent thinking” and “questions about foundational knowledge.” Independent thinking? I think independently all the time. Just last week, I independently decided to ask ChatGPT to “compare the advantages and disadvantages of optogenetic versus chemical-genetic approaches for my research” and then I independently selected the option that sounded best. That is independence. That is scientific judgment. The AI presents options; I choose among them. This is the same thing humans have always done, except the options used to come from reading papers, which is slow and inefficient and, frankly, boring.

§

Geschenkter Krautreporter-Artikel 1: Die aktuellen Waldbrände in Frankreich und Spanien haben ein dort nie erlebtes Ausmaß. Und ich lese viele Erklärungs-Reflexe, die mich skeptisch machen. Deshalb empfehle ich:
“Waldbrände, verständlich erklärt”.

Den Klimawandel können wir nicht sofort aufhalten, wie wir mit unseren Wäldern umgehen und auf Brände reagieren, könnten wir aber sofort ändern.

§

Na, Sie wollen doch sicher auch wissen, was Altphilologie-Professorin und Homer-Übersetzerin Emily Wilson zur aktuellen Nolan-Verfilmung zu sagen hat. Hier sehr, sehr ausführlich (ich habe viel über die Vorlage von Homer gelernt) in der London Review of Books:
“An Uncomplicated Man”.

Am öftesten zitiert sah ich daraus:

Nolan’s Odyssey lacks many of the elements that make the poem great. It has nothing convincing to say about time, memory, history, war, or about the relationship between one warrior’s glorious return and the lives of his family, adversaries, comrades, friends and neighbours. It lacks psychological, emotional, political and ethical depth. Its narrative structure is gimmicky. The writing is abysmal. None of the characters has convincing motivation for their actions or words. There are no sex scenes, and all the food looks horrible.

Aber Wilson äußert auch ihre Freude, dass sich durch die Aufmerksamkeit für diese Verfilmung ihre Odyssey-Übersetzung verkauft wie geschnitten Brot und sich voraussichtlich mehr Menschen für das Studienfach Altphilologie entschieden werden.

(Insgesamt geht die Rezeption in meinem Blickfeld erstaunlich weit auseinander: Zwischen SAUGEIL! und VOLL SCHEISSE! sehe ich nichts.) (Ich bin immer noch desinteressiert.)

§

Vielleicht doch für mehr Menschen interessant, als ich vor der Lektüre dieses Krautreporter-Artikels gedacht hätte, deshalb hier geschenkt:
“Viele Menschen unterschätzen ständig, wie sympathisch andere sie nach einem Gespräch finden. Das ist sogar durch Studien belegt.”

§

Und dann noch eine Geschichte zum Freuen.
“99-jährige Mathematikerin löste Problem, an dem Generationen scheiterten”.

Das Spezialgebiet von Mathematikerin Joan Birman ist Knotentheorie, genauer:

Ihre Arbeiten machten das bis dahin eher randständige Gebiet der Zopftheorie überhaupt erst populär.

Wer den Originalaufsatz von Bharathram, Birman, Brendle nachlesen will (PDF):
“The Burau representation is faithful for n = 4″.

Journal Montag, 27. Juli 2027 – Regnerischer Lerchenschwumm und Arbeitstag

Dienstag, 28. Juli 2026

Letzte Arbeitswoche vor Urlaub, ab sofort zähle ich Tage.

Wecker auf früher wegen Schwimmplänen, nachts hatte ich mal wieder das Fenster wegen irrem Gebrüll im Park schließen müssen.

Die Wettervorhersage stand seit dem Vortag auf Bewölkung und Regen, also schlüpfte ich in einen Badeanzug (statt Bikini mit mehr freier Besonnungsoberfläche für Vitamin-D-Produktion) und nahm eine Bademütze mit gegen Frieren wegen Wind. Die Luft war aber mild.

U-Bahnhof-Kiosk am Westfriedhof (sah ich vergangene Woche morgens zum ersten Mal in Betrieb). Oder doch ein Raumschiff?

Diesmal wurde die Tür zum Schwimmbad bereits wenige Minuten vor sieben geöffnet. Brachte aber wenig, da das Eincheck-Terminal erst ab 7 Uhr bedienbar war.

Auf meine fast leere Schwimmbahn schien zunächst sogar die Sonne, doch bald zog der Himmel zu, und auf den zweiten 1.000 Metern regnete es eine Weile – gar nicht unangenehm.

Sehr guter Schwumm, auf den letzten 1.000 Metern (nach Klo-Unterbrechung – der Morgenkaffee trieb) war ich so schön im Status Schwimmen, dass ich mir ein Ende schier nicht vorstellen konnte. Das Thermometer zeigte über der Sprudelschnecke 20 Grad an.

An der Stempeluhr meines Bürohauses war ich wieder deutlich vor Kernzeit, und ich legte am Schreibtisch umgehend los: zum Glück keine unangenehmen Überraschungen.

Regnerischer Vormittag, der zudem recht kühl wurde. Doch mittags zog es mich raus, ich marschierte eine Runde um die Blöcke. Mittagessen Bananen, Skylei (-jo- war aus). Zeitungslektüre dazu leider beschränkt, weil meine Papierzeitung morgens nicht geliefert worden war und ich nur ein wenig in den frei zugänglichen Meldungen der Süddeutschen-Website rumlas.

Arbeitsnachmittag mit Aufgaben und Menschlichem, das Wetter sehr wechselhaft mit Regendrohung.

Den Heimweg genoss ich in milder Luft und immer wieder Ahnung von Sonne. Daheim eine Runde Yoga, ich ließ mich zur Abwechslung mal wieder von Jessica Richburg mobilisieren.

Zum Nachtmahl verarbeitete Herr Kaltmamsell den Ernteanteil-Chinakohl zu einem Pastagericht (mit einem Mascarpone-Rest statt Sahne, funktionierte sehr gut), ausgesprochen wohlschmeckend.

Da ich auf dem instagram-Account der Woidlerin Petra gesehen hatte, dass die Blaubeeren reif sind, hatte ich Herrn Kaltmamsell gebeten, auf dem Viktualienmarkt danach zu suchen.

Das, liebe Kinder, sind Blaubeeren, norddeutsch Heidelbeeren. Nicht die Haselnuss-großen Kugeln in Müsli-„Bowls“. Es gab sie zum Nachtisch leicht gezuckert und mit Schlagsahne – Ultra-Luxus!

Im Bett Arthur Schnitzlers Novelle Fräulein Else ausgelesen – die Theaterinszenierung, die mich so beeindruckt hatte, hat schon das Wichtigste rausgeholt. Die Erzählform in innerem Monolog war gut gemacht, doch bis zum Schluss haderte ich mit dem Wissen, dass sich hier ein über-60-jähriger Mann die Gedanken und Gefühle einer 19-jährigen vorstellt. Ein Künstler kann natürlich erfinden, was er will, doch das sagt meist viel über seine Zeit aus.