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Journal Montag, 19. Februar 2024 – Jeff Noon, Vurt

Dienstag, 20. Februar 2024

Schlecht eingeschlafen, mehrfach aufgewacht, beim Weckerklingeln fühlte ich mich unausgeschlafen. Und dann hörte ich draußen auch noch deutlich Regen.

Wenigstens hatte ich damit eine Entschuldigung für meine schlechte Laune und Gereiztheit – die sich auch noch genau daran aufhängte, wie viele Mitmenschen ihre schlechte Laune und Gereiztheit ungefiltert auf ihre Umwelt abladen. Marsch in die Arbeit unter Regenschirm gegen das ernste Getröpfel, Blick dabei meist auf dem Boden, Schirm in den Wind gestemmt.

Emsiger Vormittag mit Abarbeiten und Online-Besprechungen. Mittagscappuccino bei Nachbars, es war Februar-angemessen kühl.

Zu Mittag gab es den sonntags zubereiteten Karottensalat mit ganz viel Koriander, ein Genuss.

Das Draußen mittlerweile mittelfreundlich; nach Feierabend ging ich erst unter den Hauptbahnhof und machte ein Automatenfoto für mein Projekt (diesmal problemlos).

Unterm Stachus ernsthafter Hamsterkauf beim Bodyshop: Zwar hoffe ich darauf, dass Bodyshop Deutschland irgendwie existierend aus diesem Insolvenzverfahren rauskommt, doch die Avocado-Körperlotion und die Olivenöl-Körperbutter verwende ich schon so lange, dass ich wirklich nicht weiß, wodurch ich diese beiden Produkte ersetzen sollte, wenn die Firma es nicht schafft.

Zu Hause nochmal die Yoga-Gymnastik vom Sonntag, dann kümmerte ich mich um die Kiste Crowdfarming-Orangen, die nachmittags eingetroffen war: Ich checkte jede Frucht auf weiche Stellen. Drei davon bereitete ich als Brotzeit für Dienstag vor. Beim Naschen davon stellte ich fest, dass sie wunderbar und süß schmeckte, ich schälte und teilte eine für Herrn Kaltmamsell.

Dieser wärmte die restliche Kalbsbrust vom Sonntag auf, die gab es als Abendessen. Nachtisch Schokolade.

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Der phantastische Roman Vurt, erschienen 1993, von Jeff Noon ist ein Höllenritt – aber meiner Meinung nach ein richtig, richtig guter. Ich las ihn zum ersten Mal 2007 auf Empfehlung einer geschätzten Kollegin, hatte noch nie etwas Vergleichbares gelesen, und war angetan genug davon, dass ich das Buch behielt (mag auch an dem Cover-Design dieser Ausgabe gelegen haben, das ich besonders mochte). Jetzt wollte ich wissen, wie er sich gehalten hatte – und konnte mich zum Glück an fast kein Detail mehr erinnern.

Vurt wurde immer schon vor allem von der Science-Fiction-Community rezipiert, doch dieses Genre ist sicher nicht das erste, an das ich bei der Lektüre dachte, auch wenn er in einer alternativen Welt spielt (und für eine Dystopie ist sie meiner Meinung nach zu wenig strukturiert dargestellt). In dieser Welt ist Vurt eine Substanz, die Energie enthält, aber auch eine durch Drogen erreichte Parallelwelt. In der anderen Welt kann man dauerhaft verloren gehen, dann tauchen zum Ausgleich Artefakte oder Aliens in der eigentlichen (?) Realität auf. Drogen gibt es in verschiedenster Materializität, am abgefahrensten in Form von Federn: Unterschiedliche Farben der Federn führen in unterschiedliche Handlungen, die man allein oder als Gruppe erleben kann. Es gibt sogar einen Newsletter, der diese Federn bespricht und bewertet wie Computerspiele.

Wir folgen in Vurt der Ich-Stimme von Scribble, der die Geschichte aus späterer Sicht aufschreibt. Der junge Mann gehört zu einer Gruppe von Desperados in Manchester, den Stash Riders, und hat seine große Liebe in der Handlung einer gelben Feder verloren. Der Plot des Romans dreht sich hauptsächlich um seine Versuche, sie zurückzubekommen. Dabei geht es um Heldentum und Feigheit, um Sex und verschiedene Lebensformen wie virtuelle und echte Polizei, Hundemenschen oder Nano-Maschinchen zur Haarreinigung, was echt ehrlich auf einer recht irren Ebene alles Sinn ergibt. Ich schrieb ja schon: Höllenritt, auch bei der zweiten Lektüre. (Keine der Rezensionen, die ich gefunden habe, kann die Handlung zusammenzufassen.) Und mal wieder haut mich um, was schlichte Buchstaben erschaffen können.

Wer etwas für sehr nicht-realistisches Erzählen übrig hat: Empfehlung.

2013 schreibt Sam Leith im Guardian anlässlich einer Neu-Auflage über den Roman und seinen Autor:
“Jeff Noon: a life in writing”.

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Adam Roberts macht sich Gedanken, wie man das Thema Feigheit untersuchen könnte, und holt dabei historisch/literarisch aus:
“Who’s Afraid of Cowardice?”

We’re brain-fried on superhero fistfights. It’s time to learn from heroes who run away.

via @daszeiserl

Heroism is romance, but cowardice is realism.

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@dasnuf hat wieder ein Buch geschrieben! Und macht dafür die beste Buchwerbung ever.

Journal Freitag, 9. Februar 2024 – Muscheln nach Familienart und Ewald Arenz, Der große Sommer

Samstag, 10. Februar 2024

Weiterhin tapfer ohne Ohropax geschlafen, das geht eigentlich ganz gut – allerdings schließe ich in den frühesten Morgenstunden beim Klogang das Fenster, um nicht von Vogel- oder Straßenreinigungslärm geweckt zu werden.

Es tagte eher trübe, auf meinem Weg in die Arbeit bekam ich vereinzelte Regentropfen ab. Und ich begegnete in dieser Dämmerung einem hochgewachsenen, als Punk gekleideten Mann wie aus dem Bilderbuch: Riesiger, perfekt coiffierter Irokesenschnitt in zwei Farben, Bomberjacke, schwarze Schnürstiefel bis fast hoch zum Knie, schwarze Hose reingesteckt, über dem Po hingen Hosenträger, das alles mit schlurfendem Gang und Bierflasche in der Hand. So viel Mühe würde sich doch niemand für Fasching machen?

Vormittags wechselnd trüber Himmel, mittags fand ich Zeit für einen Cappuccino im Westend. Mittagessen am Schreibtisch: Quark mit Joghurt, Apfel, Mandarinen.

Der Nachmittag blieb draußen trübe, aber trocken und sehr mild. Ich konnte einige Dinge erledigen.

Auf dem Heimweg nach pünktlichem Feierabend Wochenendeinkäufe beim Vollcorner, weil ich dort keine Petersilie fürs Abendessen bekam, ging ich auch beim Süpermarket Verdi vorbei (und erfuhr, in welchem Lokal meine vertrauteste dort Angestellte Geburtstage feiert).

Daheim eine Runde Yoga-Gymnastik, nach der heftigen Hüftdehnung der Folge 20 aus Adrienes Flow gab es diesmal wieder Bewegung.

Die Zubereitung des Abendessens übernahm ich: Ich hatte Miesmuscheln vorgeschlagen, die Herr Kaltmamsell besonders gern isst. Er hatte sich für das Rezept aus meiner Familientradition entschieden, also mit Knoblauch, Petersilie, Tomate, von meiner Mutter hatte ich mir bei einem Telefonat am Nachmittag noch den Tipp abgeholt, die Dosentomatenstücke erst am Ende dazuzugeben, sonst würde das Muschelfleisch gerne mal zäh. Die Muscheln selbst hatte Herr Kaltmamsell besorgt; sie waren sehr klein, aber bereits so sauber geputzt, dass ich fast nichts zu tun hatte.

Davor gab’s Martini-Cocktails zu reichlich Nüsschen aus der Landwehrstraße, zu den Muscheln Baguette und baskischen Weißwein Txakoli. Danach Schokolade.

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Ewald Arenz, Der große Sommer ausgelesen – und zwar recht überraschend: Das E-Book aus der Stadtbibliothek war bei 82 Prozent plötzlich aus. Der Rest, so stellte sich heraus, bestand aus Werbung und Leseproben. Für meinen Leseprozess ist sowas verheerend: Wenn ich noch 20 Prozent Papier auf der rechten Seite des aufgeklappten Buchs sehe oder eben noch vor mir auf dem Lesegerät zu haben glaube, schätze ich die Handlung entsprechend ein: Da kommt noch was, eine Auflösung, eine Episode, vielleicht taucht eine Figur nochmal auf. Ich grolle dem Verlag.

Insgesamt fand ich den Roman eher mittel. Der große Sommer des Titels wird aus der Ich-Perspektive des jugendlichen Friedrich erzählt, der in der geschätzten ersten Hälfte der 1980er im Gymnasium sitzengeblieben ist (wohl in der 10. Klasse, denn in der 11. wäre es damals bereits um Leistungskurswahl gegangen). Deshalb fährt er nicht mit seiner Familie in den Sommerurlaub, sondern verbringt ein paar Wochen bei seinen Großeltern, um sich auf die Nachprüfung vorzubereiten.

Der Roman erzählt das in einer Collage aus ganz besonderen Einzelszenen, die sich aber in meinen Augen nicht recht zu einem Ganzen verbinden: Große Liebesgefühle, das Entdecken des Vorlebens der Großeltern (das in den 1980ern noch von Krieg und Nachkriegszeit geprägt ist), ein Erlebnis im Tigerkäfig des Zoos, außer Kontrolle geratener Schabernack mit einem Bagger. Auch nervte mich das (meiner Ansicht nach unnötige) regelmäßige foreshadowing: “Das war der Tag, an dem sich alles ändern würde” etc. Da traute Arenz seiner eigenen Erzählkunst nicht.

Aber ich mochte auch einiges: Die Schilderungen erinnerten mich sehr realistisch ans Jungsein, an die Zeit, in der ich Flügel bekam und ein eigenes Leben mit eigenen Plänen begann. Mich irgendwo mit Freundinnen und Freunden traf, alles daran spannend und neu war, nichts schonmal gemacht und gesehen mit anderen. Das konnte ein Treffen am eigentlich vertrauten Baggersee sein, aber halt ohne Eltern, selbst eine Verabredung zum Stadtfest am Nachmittag, aber eben ohne Eltern. Nichts daran war noch selbstverständlich.

Und auch hier mochte ich wie schon in seinem Alte Sorten, wie Arenz zwischenmenschliche Kommunikation beschreibt und schreibt. Anders als in Fernsehserien-Drehbüchern wird nämlich in der Realität fast nie etwas direkt ausgesprochen oder gefragt. Das meiste sind Annahmen, Vermutungen im eigenen Kopf – und auch das beschreibt Arenz gut im Kopf seines Protagonisten. (Ich habe ja aus der Evolutionsforschung gelernt, dass der ständige Energieaufwand, das Innenleben anderer Menschen zu entschlüsseln, kein Hindernis für Fortschritt ist, sondern sehr wahrscheinlich der Erfolgsfaktor der menschlichen Art.) In einem Roman kann man auch realistisch schildern, dass man Leuten eben meist nicht ansieht, was in ihnen vorgeht (im Film muss man Inneres auch äußerlich zeigen). Auf Unerwartetes reagiert kaum jemand groß und sichtbar.

Der dritte Pluspunkt: Das offene Ende. Es wird ein Spannungsbogen aufgebaut, indem hin und wieder der Ich-Erzähler in kursiv gesetzten Abschnitten und offensichtlich in einer Gegenwart Jahrzehnte nach der Haupthandlung auf dem Friedhof nach einem Grab sucht, das durchaus auch in der Haupthandlung auftaucht: Was genau hat es damit auf sich?

§

Sandra Bosetti sagt mal wieder kluge Sachen, diesmal zu den Demos gegen rechts:

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https://youtu.be/ABhZmUAJeZI?si=EG_82mN7FBZNmJpH

“Die eigentliche Forderung einer Demo für die Demokratie ist also: Lasst uns vernünftig streiten.”

Journal Sonntag, 4. Februar 2024 – Beifang aus dem Internetz

Montag, 5. Februar 2024

Eher unruhige Nacht, unter anderem wegen lauter Menschen vorm Schlafzimmerfenster, das ich irgendwann genervt schloss, das Abgewöhnen der Ohropax wird noch Zeit brauchen (aber es ist wohl notwendig, der Haut meiner Gehörgänge geht es schon viel besser).

Ich stand zu dunklem Himmel und Regen auf, doch ein Blick auf den Regenradar zeigte mir, dass es bis zu meinem Isarlauf trocken werden würde. So war es dann auch. Ich nahm eine U-Bahn nach Thalkirchen, hatte sogar noch Zeit, den endlich fertigrenovierten Bahnsteig am Sendlinger Tor zu fotografieren.

Von Thalkirchen aus lief ich isaraufwärts. Es war mild, mit Weste über langärmligem, leichten Shirt, Schirmmütze, leichten Handschuhen war ich zur langen Laufhose richtig angezogen.

Unter der Großhesseloher Brücke stand ein Espressowagerl, das gut Geschäft machte.

Blick Richtung Pullach (und Alpen).

Eine überraschende Anemone, die mich sehr freute. Leider konnte ich sie nicht schärfer erwischen: Links geht ein steiler Abgrund hinunter zur Isar.

Urgewalt Schneemassen

Weiteres Naturerlebnis: Ich sah am Isarwerkkanal zwischen Schleusenwärterhäusl und Thalkirchner Brücke eine Wasseramsel tauchen. Erst nahm ich einen kleineren Vogel wahr, der über das Wasser auf meine Uferseite zuflog. Doch er landete nicht am Ufer, sondern stürzte kurz davor ins Wasser. Bei weißer Unterseite und braunem Rücken plus diesem Verhalten vermutete ich eine Wasseramsel, als sie denselben Flug in die Gegenrichtung wiederholte und wieder tauchte, war ich sicher.

Mein Körper machte die gut 95 Minuten Lauf gut mit, die Wege waren mit nur wenigen Pfützem leicht laufbar. Mit Semmeln fuhr ich U-Bahn zurück nach Hause. Frühstück um halb zwei: Apfel, zwei Semmeln.

Endlich mal wieder Papierablage. Die kleine Lade, in der ich Rechnungen, Amtsbriefe etc. sammle, hätte sogar noch ein bisschen Platz gehabt, dank Digitalisierung reicht es, wenn ich Ablage alle zwei Jahre mache.

Katharina Seisers Österreich express ausgelesen, und das Lesen der Texte war wie erhofft der Hauptspaß. Ich erkannte Katha nämlich sehr wieder, allein schon an den vielen schönen Wörtern, die ich zum Teil von seinerzeit aus ihrem Blog kenne (auf das auch referenziert wird). Es ist ein wundervoll persönliches Kochbuch, und weil das zur Person gehört, enthält es eine Fülle an ebenso leidenschaftlichen wie pragmatischen Tipps und Kniffen.

Zu den Powidl-Pofesen weist Katharina Seiser darauf hin, dass die in alten Kochbüchern auch mal “Parfesen” heißen.
“Hätte ich gern auch hier als Titel gehabt, erlaubt mir aber meine Lektorin nicht.” <3

Das Leseband liegt bei den Spinatpfannkuchen, die möchte ich als Erstes machen. Für die meisten anderen Einmerker braucht es erst die passende Saison der Zutaten.

Wieder ordentlich Miete abgewohnt und -geguckt.

Die nächste Einheit des diesjährigen 30-Tage-Yoga-Programms von Adriene hatte ich bereits als zehn Minuten reines Rumsitzen erkannt. Nach dem Lauf brauchte ich nicht unbedingt zusätzliche Bewegung und ließ mich darauf ein, verzichtete aber aufs Umziehen und setze mich im Strickkleid auf die Matte.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell auf meinen Wunsch wunderbar zartes Rindergulasch, dazu cremige Polenta. Nachtisch Schokolade; diesmal erinnerte mich Herr Kaltmamsell rechtzeitig daran, dass ich auch vor Überfressen aufhören könnte.

Früh ins Bett zum Lesen, ich hatte mir in der Stadtbücherei Ewald Arenz, Der große Sommer ausgeliehen.

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Maximilian Buddenbohm hat an der Jahreshauptversammlung seiner Schrebergartensiedlung teilgenommen und weist zurecht darauf hin:

Demokratie fängt tatsächlich da an, wo man sie gerne belächelt, siehe auch Elternabende. Zwei Spiegelungen fallen mir auf, das Große im Kleinen: Zum einen ist die Demokratie auch hier anstrengend und erfordert Sitzfleisch, Geduld, das Aushalten anderer Meinungen, Kompromisse und die bemerkenswerten Leistungen von Menschen, die sich tief, tief ins Kleingedruckte wagen.

“Kleine Jahresfortschrittsmeldung”.

Das sehe ich auch so, deshalb mein Appell: Gehen Sie auf Betriebsversammlungen, Jahreshauptversammlungen der Organisationen, denen Sie angehören, auf Bürgerversammlungen, Info-Veranstaltungen zu Projekten in Ihrer Ortschaft oder Ihrem Stadtviertel, kurz, nehmen Sie an der Demokratie teil, Hingehen und Zuhören ist schon mehr als nichts.

Dort kann man nämlich Demokratie auch mal live und schnell erleben. Zum Beispiel erinnere ich mich an eine Bürgerversammlung1 meines Stadtbezirks 2 Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt; jeder Bewohner, jede Bewohnerin des Bezirks können hier Anträge stellen, und wenn die Mehrheit der Anwesenden einen Antrag annimmt, muss sich der Stadtrat damit befassen. Einmal gingen fünf nicht mehr junge Männer nach vorne zur Antragsstellung, stellten sich breitbeining ums Mikrofon auf, einer verlas laut und entschlossen ihren Antrag (nach meiner Erinnerung, so viel Klischee ist leider, sprachen sie sich gegen eine bereits beschlossene Abschaffung von Parkplätzen in ihrer Wohnstraße aus), abgeschlossen von einer angedeuteten Drohung (irgendwas mit großem Unmut, der herrsche und der bei Ablehnung Folgen haben könnte). Als über diesen Antrag abgestimmt wurde, hoben alle im Saal bis auf die fünf Männer ruhig und kommentarlos ihr Stimmkärtchen bei “ablehnen”. So einfach war das. Und es fühlte sich sehr beruhigend an, wie schnell wir aus dem wahrscheinlich einschüchternd gemeinten Auftritt die Luft rausgelassen hatten.

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Benjamin Hindrichs hat sich für Krautreporter angesehen, welche Pläne eine potenzielle Trump-Regierung für die nächste Regierungsperiode hat (als Abonnentin darf ich Ihnen diesen Artikel schenken):
“Der Gorilla im Raum: Trump ist nicht das größte Problem”.

Im Hintergrund arbeiten die Republikaner daran, die US-Demokratie massiv umzubauen. Das zeigt unter anderem ein 920 Seiten langes Dokument einer ultrakonservativen Denkfabrik, das detaillierte Maßnahmen für eine republikanische Präsidentschaft 2025 enthält. Es ist Teil eines größeren Projekts und würde es Trump – und theoretisch auch dessen Konkurrentin Nikki Haley – überhaupt erst ermöglichen, Gegner:innen zu verfolgen, die Medienfreiheit einzuschränken und das Militär im eigenen Land einzusetzen.

Ähnliches hatte ich schon vom USA-Korrespondenten der Süddeutschen, Christian Zaschke, gelesen, aber dieser Artikel steht halt hinter einer Bezahlschranke:
“Fürchtet euch”.

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Mein Mastodon ist super, Folge 8 (wir sind ja noch nicht so lange zusammen unterwegs).

Wenn in der rbb-Berichterstattung über die Gegen-rechts-Demo in Berlin ein Schild auftaucht, von dem ich vorher über meine kleinen Internet-Freundinnen schon wusste.

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Wie mit RickRolling “Never gonna give you up” das Leben von Rick Astley ein zweites Mal veränderte: “The Legendary Song That Became the Rick Roll “.

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https://youtu.be/oADU2PIzhD0?si=6x6_Uxp4_QNFNl6L

  1. Ist in der Gemeindeordnung für den Freistaat Bayern als Pflicht enthalten: Artikel 18. “In jeder Gemeinde hat die erste Bürgermeisterin oder der erste Bürgermeister mindestens einmal jährlich, auf Verlangen des Gemeinderats auch öfter, eine Bürgerversammlung zur Erörterung gemeindlicher Angelegenheiten einzuberufen.”[]

Journal Dienstag, 30. Januar 2024 – Verschiedene Lektüren

Mittwoch, 31. Januar 2024

Eher unruhige Nacht, eine halbe Stunde vor Weckerklingeln beschloss ich, dass gut war.

Es traf sich, dass eh gerade eine Waschmaschine durchgelaufen war, ich nutzte die zusätzliche Zeit am Morgen für Häuslichkeiten. Draußen wurde es zu klarem Frost hell. Die ersten Vögel übten Frühlingsgesänge, noch ganz vereinzelt.

Ich freute mich, dass es auf meinem Weg in die Arbeit bereits deutlich tagte.

Mittagscappuccino bei Nachbars, im Anschluss Einkauf beruflich (dem Umstand geschuldet, dass es weiterhin kein Catering im Haus gibt), ich brauchte weder Mütze noch Handschuhe.

Mein Mittagessen bestand später aus viel Avocado (mit Salz, Zitronensaft, Aceto balsamico): Ich aß alle reifen weg und hoffe, dass die letzten aus dieser Kiste schnell nachreifen, denn die nächste Lieferung war bereits für gestern angekündigt.

Zur Verlängerung meines Heimwegs spazierte ich nach Feierabend in der Abenddämmerung in die Kaufingerstraße, ich wollte in einer Parfümeriekette eine bestimmte Lippencreme kaufen. Der Spaziergang tat sehr gut, doch die Lippencreme gibt es nur im Online-Shop der Parfümeriekette (seltsames Geschäftsmodell – aber schließlich ist der Claim eben nicht mehr “come in and find out”).

Daheim nochmal die Yoga-Gymnastik vom Vorabend, das Balancieren ging beim zweiten Mal viel besser. Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell die zweite Hälfte Ernteanteil-Blaukraut zu Salat mit Feta verarbeitet, er servierte ihn mit (Ernteanteil-)Bratkartoffeln. Der Salat schmeckte großartig, die Kombination saftiges, rohes Blaukraut, Fenchel, Apfel, Orangen ist so ziemlich das Frischeste, was man aus dem Winter rausholen kann. Und die Bratkartoffeln mit viel ganzem Kümmel und in Gänsefett gebraten passten gut dazu.

Nachtisch Schokolade.

Neue Lektüre: Katharina Adler, Iglhaut – ich war über die Inhaltsangabe gestolpert, hatte nachgesehen, ob das E-Book in der Stadtbücherei zufällig gerade verfügbar war und reflexhaft auf “Ausleihen” geklickt. Liest sich eher belanglos, doch der Roman spielt in der Gegenwart bei mir ums Eck in München: Südfriedhof, Kapuzinerstraße, Isartalstraße. Das ist nett. Sprachlich eher überorchestriert, aber es sind dann auch Gemmen dabei wie” “Authentisch, das war ein Furnierwort. Von außen betrachtet vielsagend, billig aber im Kern.” Dann wiederum völlig unglaubwürdige Dialoge, so reden Menschen nur in Drehbüchern miteinander.

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Montagabend hatte ich Gabriele Conrath-Scholl (Hrsg.), August Sander, Meisterwerke ausgelesen und -geguckt. Der ausführliche Aufsatz der Herausgeberin zu Anfang, Leiterin der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur, war für mich ausgesprochen erleuchtend: Zum einen lernte ich, wie zentral das Material und die Technik des konkreten Abzugs sind, der das eigentliche Fotokunstwerk darstellt, beide wurde ausführlich dargelegt. Zu August Sander wiederum erfuhr ich, dass seine so berühmten Menschenfotos, die ich immer als Festhalten eine Individuums zu einem bestimmten Zeitpunkt gesehen hatte, als Typensammlung gedacht waren. Sander sammelte Menschentypen, die Aufnahmen tragen Titel wie “Bauernfamilie”, “Arbeiterkinder”, “Konditormeister”, nicht etwa Namen. Mit wachsendem zeitlichen Abstand sind Sanders Typisierungen ohnehin hinfällig: Eine Bauernfamilie im Sonntagsstaat sieht nach hundert Jahren nicht anders aus als eine bürgerliche Familie, die sonntags zum Gruppenbild zusammengestellt wurde, halt irgendwie historisch. Außerdem lernte ich zu meiner Überraschung, dass viele von Sanders so dokumentarisch daherkommenden Fotos stark bearbeitet waren, am Beispiel eines Negativs zeigt Conrath-Scholl, dass Sander den gesamten Hintergrund weggekratzt hatte.

Bei meiner gestrigen Zeitungslektüre stieß ich dann darauf, dass August Sander mit seiner Perspektive lediglich Kind seiner Zeit war: Das Kunstmuseum Stuttgart zeigt gerade eine Ausstellung “Sieh dir die Menschen an! Das neusachliche Typenporträt in der Weimarer Zeit”, Till Briegleb schreibt dazu in der Süddeutschen:

Als lexikalische Grundlagenarbeit kann hier August Sanders berühmte Fotoserie über Berufs- und Gesellschaftsgruppen stehen, mit der er in den Zwanzigerjahren rund 600 exemplarische Porträts schuf, vom Bauern zum Komponist, vom Arzt zum Nationalsozialist. Körperbau und Gesicht wurden von Sander danach gewählt, ob sie beispielhaft wirkten.

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Auf meinem Mastodon sind die deutschlandweiten Gegen-rechts-Demos mit vielen, vielen Teilnehmenden ein großes Thema. Das sind sie auch in den klassischen Medien, aus denen ich mich hauptsächlich über das Weltgeschehen informiere. Deshalb überraschte mich, wie laut in eben diesem meinem Mastodon die Kritik an der Berichterstattung ist. Medienjournalist Stefan Niggemeier ordnet Berichterstattung und Kritik daran ein:
“Werden ‘Tagesschau’ und ‘Heute’ der Größe der Demos gegen Rechts gerecht?”

Die Öffentlich-Rechtlichen haben, nach meinem Eindruck, die Demonstrationen im normalen Rahmen ihrer Nachrichtenroutinen abgebildet. Aber vielleicht ist genau das für manche Kritiker das Problem: Für viele, die da demonstriert haben, sind diese Veranstaltungen nämlich keine Routine, sondern etwas Besonderes.

Stimmt auch wieder. Da wurde seit Jahren appelliert, der Kampf gegen Rechtsrutsch liege in den Händen aller, der Zivilgesellschaft. Jetzt steht genau die auf und zeigt sich.

Journal Montag, 29. Januar 2024 – Mehr zu Alasdair Gray

Dienstag, 30. Januar 2024

Munter nach gutem Schlaf aufgewacht, allerdings hatte das Einschlafen mit all dem Poor Things-Wirbel in meinem Kopf länger gedauert.

Ein weiterer klarer, frostiger Morgen, ich genoss die Weite des Himmels beim Kreuzen der Theresienwiese.

Wieder ein Vormittag mit Online-Besprechungen. Die Sonne schien herrlich, die Luft roch durchs hin und wieder geöffnete Bürofenster ebenso – ich setzte alles darauf, mittags zu einem Cappuccino raus zu kommen. Klappte dann auch.

Später gab es zu Mittag Apfel, Banane, Quark (in Einzelteilen, weil ich am Vorabend nicht dazu gekommen war, mir Bananenqaurk für die Brotzeit vorzubereiten).

Feierabend noch bei letzten Tageslicht, es geht aufwärts. Auf dem Heimweg füllte ich unsere Vorräte an Milchprodukten und Obst beim Vollcorner auf.

Daheim erledigte ich erstmal Bankgeschäfte, unter anderem kaufte ich die zweite Charge Rentenpunkte (Herr Kaltmamsell hatte letztes Jahr berechnet, welche Aufteilung steuerlich am günstigsten war): Jetzt könnte ich mich mit 63 aus dem Erwerbsleben verabschieden und bekäme dennoch volle Rente. Oder ich bleibe über 63 hinaus drin und bekomme eine höhere Rente.

Eine Runde Yoga-Gymnastik, dann Brotzeit für Dienstag vorbereitet.

Zum Abendessen gab es Reste: Blaukrautsuppe vom Samstag, die jetzt dann doch weichgegarten dicken Bohnen mit Tomate und Paprika – beides sehr gut. Zudem Schokolade.

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Auch Joël bloggt jetzt seit 20 Jahren und hat sich zu dieser Gelegenheit Fragen stellen lassen:
“20 Jahre Bloggen”.

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Eine kleine Doku über Alasdair Gray, den Künstler in Glasgow (Untertitel empfehlenswert, weil starker schottischer Akzent). An seinen Stadtansichten, die hier gezeigt werden, sieht man, wie die Optik der Verfilmung von Poor Things sich von seinem malerischen Werk beeinflussen ließ. Und ich möchte jetzt mal nach Glasgow reisen und Grays Murals und Deckengemälde besuchen.

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https://www.youtube.com/watch?v=wbNXMBvj3ew&t=1s

Dem Nachruf auf ihn 2019 im Guardian entnehme ich, dass der exzentrische und schillernde Gray inzwischen als “father figure of the renaissance in Scottish literature and art” gilt:
“Alasdair Gray obituary”.

Journal Samstag, 27. Januar 2024 – Alasdair Gray, Poor Things

Sonntag, 28. Januar 2024

Alasdair Gray, Poor Tings

Ich habe eine ganz persönliche Geschichte zu diesem ganz konkreten Buch. Als ich von einem neuen Film namens Poor Things erfuhr, dauerte es eine Weile, bis ich ihn der Romanvorlage von 1992 von Alasdair Gray zuordnete und damit einem meiner liebsten Papierbücher in unseren Regalen.

Der schottische Autor Bernard MacLaverty (u.a. Cal und Lamb) war 1993 zu Gast an der Uni Augsburg, wir Hiwis am Lehrstuhl für Englische Literaturwissenschaft kümmerten uns um seine Lesungen, waren Teil der geselligen Runden im Anschluss. Dabei erzählte er von seiner Freundschaft mit dem schottischen Schriftsteller Alasdair Gray, zeigte und empfahl dessen Roman Poor Things, unter anderem weil er von Gray selbst illustriert war und MacLaverty für das Titelbild Modell gesessen hatte.

Ich bestellte diese Hardcover-Ausgabe im örtlichen Buchhandel (also beim Pustet) – und wartete viele, viele Wochen darauf. Vor Internet-Zeiten waren Lieferungen aus dem Ausland umständlich, in diesem Fall handelte es sich auch noch um einen Direktimport, doch ich wollte unbedingt genau diese Ausgabe. Sie kostete mich laut Bleistifteintrag auf dem hinteren Innenblatt satte 56 Mark – zur Einordnung: das war damals ein Fünftel meiner Monatsmiete.

Doch das war es wert. Zwar sieht man auch in der Taschenbuchausgabe Grays Illustrationen und die vielen Bilder aus dem 19.-Jahrhundert-Klassiker Gray’s Anatomy (nachdem das Werk hier und in John Irvings Cider House Rules eine zentrale Rolle spielt, kaufte ich mir kurz darauf bei einem England-Aufenthalt ein günstiges Faksimile von einem Sonderangebotsstapel – in dem ich bis heute nachschlage, was mir da eigentlich gerade weh tut). Doch nur ein Hardcover hat ein Hard Cover unter dem Schutztumschlag, und das ist hier besonders schön.

Als ich das Buch jetzt aus dem Regal zog, fiel mir ein Zeitungsausschnitt darüber entgegen, in dem es “With filming about to start” heißt. Hat dann offensichtlich ein wenig länger gedauert.

Ich hatte kaum Erinnerungen an die Lektüre vor 30 Jahren und war jetzt positiv überrascht. Poor Things ist ein technisch sehr eigenwillig und opulent erzählter Roman. Wir haben Umberto Ecos “Natürlich eine alte Handschrift”: Laut der “Introduction” von Alasdair Gray besteht der Hauptteil der Geschichte in zufällig gefundenen Unterlagen, die eine Behörde in Glasgow als Abfall an die Straße stellte, nämlich “Episoes from the Early Life of a Scottish Public Health Officer by Archibald McCandless M.D.”

Erzählt wird darin aus der Perspektive von Archibald McCandless die Geschichte seines Freundes, des Arzts Godwin Daxter, der mit dem Wiederbeleben von Leichen experimentiert, darunter die einer jungen, hochschwangeren Frau, Bella Baxter: Er setzt ihr das Gehirn ihrer ungeborenen Tochter ein, sie lernt in atemberaubenden Tempo. Ein großes Stück der Handlung erfahren wir durch den Brief von Duncan Wedderburn, mit dem Bella durchbrennt und der sich von ihr in den Wahnsinn getrieben sieht. Fast dasselbe Stück Handlung bekommen wir dann nochmal von Bella erzählt, ebenfalls in Briefform, was sich ganz anders liest.

Nach diesem gefundenen Buch aus Selbstverlag enthält der Roman den Brief der Hauptfigur Bella: “A letter about the book to a grand- or great-grandchild by ‘Victoria’ McCandless M.D.” Sie nimmt praktisch alles an der eigentlichen Geschichte auseinander, erzählt die realen Hintergründe aus ihrer Sicht – eine weitere fiktive Version.

Und dann tritt nochmal der Autor der Introduction auf, Alasdair Gray, mit elaborierten Fußnoten, die angebliche historische Quellen als Belege für Details des zufällig gefundenen Manuskripts anführen, inklusive Kartenmaterial, erfundene Kipling- und Dickens-Zitate, aber auch Ausschnitten aus Victoria McCandless späteren Werken.

Die intellektuelle und gesellschaftliche Unbefangenheit Bellas in der Romanhandlung erinnerte mich an Diana Price (für Sie Wonderwoman) in der Verfilmung von 2017: Während Diana ohne die weibliche Prägung in Westeuropa Ende 18. / Anfang 19. Jahrhundert aufgewachsen war, wuchs Bella ja gar nicht auf. Und wenn sie Lust dazu hat, schreibt sie ihre Briefe halt seitenweise “wie Shakespeare”, also im Blankvers.

Das passt alles sehr gut zu dem, was ich über die aktuelle Verfilmung gelesen habe: Ein Rausch an erzählerischen Mitteln. Und heute Nachtmittag sehe ich mir die Umsetzung an.

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Als mich um sieben die Kirchenglocken endgültig weckten, sah ich bereits einen hellen Schein am wolkenlosen Himmel: Die Tage werden wirklich länger.

Die Efeutute im Wohnzimmer hat einen Nebenjob als Vorhanghalter übernommen.

Deutlich vor zehn war ich durch mit Bloggen, Milchkaffee, Wasser, Schwarztee aus frischgefiltertem Wasser und radelte durch die kühle Sonne zum Olympiabad.

Nicht nur war meine Bahn gemäßigt beschwommen: Zum ersten Mal seit ich mich erinnere waren das alles reine Schwimmer*innen, niemand benutzte Geräte/Hilfsmittel/Spielzeug. Ich konnte also meine 3.000 Meter selbstvergessen durchziehen, kein Risiko von blauen Flecken (am Montag davor hatte ich mir vor lauter Rechtsschwimmen sogar Kratzer an rechter Schulter und Nasenseite am Bahnentrennplastik geholt). Und das auch noch mit Sonnenglitzer.

Zurückradeln auf direktestem Weg, wenn auch von zu 70 Prozent roten Ampeln gebremst. Zu Hause kümmerte ich mich umgehend um die Bagels, einige tunkte ich diesmal in Sesam.

Frühstück um zwei drei Bagels: Frischkäse/Tomate/Kresse, Guacamole, Frischkäse/Orangenmarmelade. Ganz frisch schmeckte das Gebäck eher nach Semmel als nach gummigem Bagel.

Nachmittag im sonnendurchfluteten Wohnzimmer mit Romanauslesen und darüber Schreiben, kurzer Siesta. Später wiederholte ich die Yoga-Gymnastik vom Vorabend, allerdings ohne das Rumliegen am Anfang und korrigiert: Ich hatte mich nicht verhört, Adriene sagt den Ausfallschritt mit Übergang zum Krieger zweimal fürs linke Bein an.

Zum Nachtmahl verarbeitete Herr Kaltmamsell die Hälfte des Ernteanteil-Blaukrauts auf meinen Wunsch zu einer Rotkohl-Apfel-Suppe (zufällig hatten wir noch gehackte Selleriestangen in der Gefriere).

Schmeckte ganz ausgezeichnet. Davor gab’s restlichen Prinzen-Prosecco mit Nüsschen, danach Schokolade.

Im Bett begann ich neue Lektüre, den Bildband Gabriele Conrath-Scholl (Hrsg.), August Sander, Meisterwerke – auch mit Halslicht keine bequeme Bettlektüre.

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Auch in Wien wurde am Freitag gegen Rechtsextremismus demonstriert, verlesen wurde unter anderem ein Text von Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek:
“Elfriede Jelinek: Ich höre ein Ungeheuer atmen”.

Sie haben Unterstützer mit Geld, und sie sammeln noch mehr, wie man im Brandenburger Landhotel am See sehen konnte, doch ihre Stimmen holen sie sich von denen, die sie entrechten und verarmen lassen wollen.

Journal Dienstag, 23. Januar 2024 – Noch ein Winterdienstag

Mittwoch, 24. Januar 2024

Bessere Nacht, bei einem Aufwachen musste ich mich allerdings mit der Erkenntnis auseinandersetzen, dass erst Montag vorbei war, bei einem weiteren fiel mir ein mögliches mittelschlimmes Versäumnis in der Arbeit ein (ich hatte einen Termin nicht nachgeprüft, im Büro stellte sich heraus, dass er unkritisch liegt).

Draußen viel Wind, aber nicht nervig sturmlaut. Da ich ja schon am Vorabend geduscht und Haare gewaschen hatte, ging die Morgentoilette fix, und ich kam früh aus dem Haus. Draußen neben Wind Düsternis und vereinzelte Regentropfen.

Über den Vormittag regnete es aber heftig. Was ein Glück, dass die Wolken sich pünktlich zu meinem Mittagscappuccino-Impuls verzogen, ich marschierte raus ins Milde.

(2024 ist übrigens, wenn ich den Regenradar checke, ob es sich lohnt, das Bürolicht auszuschalten.)

Später gab es am Schreibtisch als Mittagessen eine Orange, Joghurt mit Quark. Büro-Nachmittag mit viel Stillarbeit.

Auch der Heimweg war trocken, nicht zu gruslig mild. Beim Vollcorner füllte ich unsere Vorräte an Milch, Milchprodukten und Obst auf.

Zu Hause eine Runde Yoga-Gymnastik. Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell aus Ernteanteil-Grünkohl, -Kartoffeln, -Karotten, -Sellerie, -Zwiebeln Eintopf gekocht, auf meinen Wunsch mit Linsen, und ich hatte noch Räuchertofu mitgebracht, den er reinschnitt.

Das Ergebnis war vielleicht nicht das hübscheste (Eintopf halt), aber ausgesprochen schmackhaft – und zufällig vegan. Die Linsen dickten den Eintopf gut an, das Räucheraroma machte sich ausgezeichnet.

Herr Kaltmamsell verabschiedete sich ungewöhnlich früh ins Bett: Der ärmste wird schon wieder von Erkältungssymptomen gebeutelt und hustet, das ist nur wenige Wochen nach der jüngsten einer Reihe von Erkältungen nicht fair. Er war doch immer der gesunde!

Im Bett las ich weiter in Alasdair Gray, Poor Things – das ich lediglich als Kuriosität in Erinnerung hatte, doch das sich als richtig gut herausstellt, auf vielen unerwarteten Ebenen.

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Mal wieder eine Foto-Rückschau:

Januar vor zehn Jahren.

Januar vor 20 Jahren, auf Geschäftsreise im nordenglischen Stockport.


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