Bücher

Journal Dienstag, 1. September 2026 – Ich weiß ja nicht

Mittwoch, 2. September 2026

September, ich weiß ja nicht. Ist ein bisschen Wundertüte: Es kann noch Sommer drinstecken, aber auch scheißkalter, nasser, windiger Herbst. Über mir Münchnerin hängt als Damoklesschwert der Beginn von Armageddon aka des Oktoberfests Ende September.

Als Bayerin wiederum verbinde ich mit dem Monat aber auch den Beginn eines neuen Schuljahrs (diesen Rhythmus mag ich mir lebendig gehalten haben, weil ich mein Leben seit Jahrzehnten mit einem Lehrer teile), fühle in mir noch die damalige Gymnasiastin zwar mit spanischer Urlaubsbräune von Sommerferien, aber in warmer Kleidung. Die Tage werden zügig kürzer, daran mag ich überhaupt nichts. Uneingeschränkt gut heiße ich allerdings dieses (meine Füße und Hüften wollen sofort in ChaCha ausbrechen):

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https://youtu.be/Gs069dndIYk?si=9U2vmx4krTysyWZ4

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Recht gute Nacht, auch wenn mich ein Arbeitsproblem beschäftigte. In einer Halbwachphase fiel mir dafür zumindest eine temporäre Lösung ein, Erleichterung.

Wieder ein sonniger Tag, es waren Temperaturen weit unter Hitze angekündigt. Entsprechend genussvoller Marsch in die Arbeit.

Die Bedrückung durch das Arbeitsproblem wurde mir nach Hochfahren des Rechners durch eine Krankmeldung erstmal genommen. Schlagartige Entspannung.

Einiges weggeschafft, raus auf einen Mittagscappuccino im Westend – überrascht von der immer noch frischen Luft.

Spätes Mittagessen, weil Termin auf meinem eigentlichen Slot: Karotte, Banane, Feigen, Skyjolei. Diesmal meldete sich die rohe Karotte ab Nachmittag dann doch wieder mit Bauchweh, Mist. Passte zu meiner Gesamtlaune, Exitistieren ist derzeit wieder besonders lästig.

Nach Feierabend marschierte ich in angenehmen Temperaturen zu den Fotoautomaten unterm Stachus für eine Fortsetzung meines Fotoprojekts. Und wurde jäh ausgebremst: Beide Automaten out of order, davon einer ganz stumm und dunkel, der andere scheiterte an der Bezahlfunktion. Ach meia. Ja, ich schickte eine E-Mail mit dieser Information an den Aufsteller. (Ich war ja schon als Studentin diejenige, die bei Dysfunktion des Fotokopierers in der Bibliothek nicht nur Kommiliton*innen Bescheid gab, sondern auch der Haustechnik.)

Daheim knurrend eine Einheit Yoga geturnt, besänftigender wirkte dann das gute Abendessen: Herr Kaltmamsell servierte die Ernteanteil-Zucchini gebraten auf Ricotta mit gerösteten Haselnüssen und die restlichen Ernteanteil-Karotten als Ofen-Fritten. Nachtisch viel Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, die aktuelle Lektüre, Sanditz, auch nicht gerade ein Sonnenstrahl, sondern eine weitere Variante DDR- und Post-DDR-Tristesse.

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Lilly Schröder macht sich Gedanken, warum der Vergewaltigungsprozess um Frank S., der “größte Vergewaltigungsprozess, der je vor einem Berliner Gericht verhandelt wurde”, so wenig öffentliche Aufmerksamkeit bekommt:
“Keine Heldin, keine Empörung”.

Dass im Fall von Frank S. keines der Opfer öffentlich in Erscheinung tritt, hat vermutlich auch mit Scham und Stigmatisierung zu tun. Denn der 68-jährige Elektriker S., der sich mal als Polizist, mal als Hubschrauberpilot ausgab, lernte die Frauen auf Onlinedatingplattformen kennen, mit einigen führte er eine Beziehung. Während Gisèle Pelicot und Collien Fernandes die „perfekten Opfer“ für einen Massenaufschrei darstellten, weil ihnen zweifellos keine Mitschuld zugeschoben werden konnte, greift bei den Opfern von Frank S. leichter das misogyne Victim-Blaming-Narrativ: Warum waren die Frauen überhaupt auf diesen Plattformen? Warum haben sie sich auf solch eine gefährliche Situation eingelassen?

(…)

Frank S. erfüllt das Täterklischee geradezu perfekt: ein fremder Mann aus dem Internet, der sich als Serienvergewaltiger entpuppt. Das Problem: Die Täter sind meist keine Monster. In der Regel sind es die eigenen Partner, Ex-Partner, Brüder, Väter.

(…)

Es fühlt sich an, als hätten wir als Gesellschaft hingenommen: Männer vergewaltigen halt Frauen. Boys will be boys. Nur ist das nicht zu akzeptieren, denn „die Vergewaltigung ist Bürgerkrieg“, wie Virginie Despentes schreibt. „Sie ist die politische Organisation, durch die ein Geschlecht dem anderen erklärt: Ich habe alle Rechte über dich, ich zwinge dich, dich unterlegen, schuldig und entwürdigt zu fühlen.“ Das ist eine Realität, die wir niemals hinnehmen dürfen.

Journal Montag, 31. August 2026 – Rückkehr der rohen Karotte

Dienstag, 1. September 2026

Wow, welch turbulente Nacht. Diesmal brauchte ich nicht mal äußere Einflüsse: Wüste Träume und die Samba im Bauch, die Radieserln, Frühlingszwiebeln und Schnittlauch aus Okroschka tanzten, reichten völlig. Als der Wecker klingelte, war ich einerseits froh um das Ende der Nacht, andererseits völlig benommen.

Ich stand zu nassen Straßen auf, aber zu milder Luft.

Unerwartet zackiger Arbeitsvormittag. Ich schaffte es dennoch mittags auf einen Marsch um die Blöcke, jetzt war die leicht windige Luft unter wenigen Schäfchenwolken am blauen Himmel perfekt für tiefes Durchschnaufen.

Zu Mittag gab es nochmal rohe Karotte (RISIKO!), dann restliches Wassermelönchen und Skyjolei. Wieder kein Bauchweh von der rohen Karotte – vielleicht war das nur eine mehrjährige Phase? Es würde mich sehr freuen, denn ich esse sie wirklich gerne.

Highlight des Arbeitstags: Neue Kopfhörer. Ich benutzte immer noch die allerersten, die noch vor Corona bei der Umstellung auf Computer-Telefonie verteilt wurden (und habe das Naturell von Schlachtrössern, die jedes Equipment bis zum letzten Hansaplast-Flicken benutzen – wobei ich darauf echt nicht stolz bin, sondern mich immer mehr wie eine Plastiktüten-bügelnde Greisin fühle). Jetzt bröselte der Schaumstoff am einzigen Hörer, und nachdem meine Recherchen ergeben hatten, dass der Schaumstoff-Überzieher nicht auswechselbar war (geplante Obsoleszenz!), bestellte ich halt neue Kopfhörer. Seit gestern telefoniere und höre ich STEREO! Mal sehen, ob die bis zur Rente halten – oder ich irgendwann noch KABELLOSE erlebe.

Währenddessen verfolgte Herr Kaltmamsell das angekündigte DHL-Auto, das meinen Pulli nochmal geladen hatte, zum Teil auch in Echt und zu Fuß. Mit Erfolg, er passte den Wagen vor unserem Haus ab! Und jetzt weiß ein weiterer Paketbote, dass es an unserem Eingang Klingeln an ZWEI Seiten der Tür gibt.

Nach Feierabend genoss ich die wunderbare Spätsommerluft und die Sonne. Auf dem Weg nach Hause stockte ich bei Aldi unsere Schokoladenvorräte auf. Gründlich.

Daheim eine angenehme Runde Yoga, langsam löste sich meine zur Faust geballte Hüftgegend.

Lesen auf dem Balkon bis zum Abendessen: In der Münchner Stadtbibliothel war ein bestelltes Buch verfügbar (Lukas Rietzschel, Sanditz), wie praktisch, dass ich gerade ein Literatur-Magazin las, das ich zwischen zwei Texten einfach unterbrechen konnte.

Fürs Nachtmahl war Herr Kaltmamsell wieder einer Bitte von mir gefolgt und hatte ein Rindergulasch im Schnellkochtopf zubereitet.

Ganz hervorragend!

Nachtisch sehr viel Schokolade.

Im Bett Start der neuen Lektüre; Sanditz überraschte mich mit einem nicht-realistisch erzählten Beginn.

Journal Montag, 24. August 2026 – Aber Lerchenschwumm

Dienstag, 25. August 2026

Nach guter Nacht (ich fürchte, Ohrstöpsel plus geschlossene Fenster sind mittlerweile Voraussetzung für Ruhe) etwas früherer Wecker: Schwimmpläne vor der Arbeit. Allerdings fühlte ich mich überraschend müde.

Doch Schwimmen im Dantebad war so glorios wie erhofft: Die Sonne stieg am wolkenlosen Himmel langsam über das Wirtschaftsgebäude (Thermometer über Sprudelschnecke hatte bei Schwimmstart 16 Grad angezeigt) und verglitzerte immer größere Teile des Beckens, die Bahnen wurden zunächst mittelrege genutzt, auf den letzten 1.000 meiner 3.000 Meter hatte sich selbst dieser Verkehr gelichtet. Ich schwamm leicht und flüssig, verließ das Wasser hoch erfrischt. Gut gelaunte Körperpflege, nahtlos passende U-Bahnen verhalfen mir zu einem Einstempeln um 09:22 Uhr.

Im Büro erstmal alles bis dahin angefallene weggewirbelt. Dann Längerfristiges geordnet angegangen – Schwimmbeseeltheit führte zum Gefühl: So lange ich noch nicht mit Kolleg*innen gesprochen habe, ist das Wochenende noch nicht ganz vorbei. Was leider geblieben war: die Müdigkeit.

Das Wetter war herrlich: sonnig ohne Hitze. Mittags genoss ich das Draußen bei einem Marsch um die Blöcke.

Zum späten Mittagessen gab es Ernteanteil-Gurke, Hüttenkäse, Birnen (die auch eine Woche nach Kauf nicht nachgereift waren).

Auf dem Heimweg war das Wetter immer noch sehr angenehm; ich ging über Obsteinkäufe beim Süpermarket Verdi.

Zu Hause eine längere Folge Yoga.

Fürs Nachtmahl hatte sich Herr Kaltmamsell davon inspirieren lassen, dass Ernteanteil-Kartoffeln übrig waren, es noch einen Rest Frischkäse gab und er beides zu Kartoffelpü kombinieren wollte (plus Kräuter, da gibt es wohl einige Rezepte). Dazu brauchte es natürlich etwas als Hauptsache: Herr Kaltmamsell entschied sich für Hackbraten, und dabei für ein englisches Rezept mit eingearbeitetem Spinat. Das Ergebnis war rundum wohlschmeckend, frischer Thymian und Basilikum machten sich ausgezeichnet im Pü, der Spinat sehr gut im würzigen Hackbraten.

Nachtisch einige überreife Renekloden mit Buttermilcheis. Und Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, das neue Granta 176: American Berserk war eingetroffen – mal sehen, was ein Literaturmagazin aus dem aktuellen Elephant-im-Porzellanladen-tum herausholt.

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Hier gab es schon viel zu lange nichts mehr vom Gott des Hula Hoop, Daniel Middel – er kann auch Klassik!

Journal Sonntag, 23. August 2026 – Rückreise vom Westerwald / Amal El-Mohtar, Max Gladstone, This Is How You Lose the Time War

Montag, 24. August 2026

Auf dem sehr komfortablen Gästebett der Freunde im Westerwald nicht so lange geschlafen, wie ich hätte können. Dafür mit viel Zeit für Morgentoilette und Vorbereitung des Blogposts.

Überraschender Nebelblick, laut Gastgebern der erste solche der Saison.

Wir hatten noch Frühstückszeit, bekamen mehr vom spannenden Haus gezeigt und aus seiner Geschichte erzählt. Es gehört sogar ein Poolhaus dazu! (Ich kenne Leute mit Poolhaus.) (Auch wenn ich ihnen die Bezeichnung erst beibringen musste.)

Zeit für Abschied, wir wurden zum Bahnhof Au (Sieg) chauffiert.

Mit Legende-tauglicher Gleisnummerierung. Abschied mit vielen Umarmungen und mit vollem Herzen.

Unsere Rückfahrt enthielt einen zusätzlichen Umstieg – zusätzliches Risiko, doch wir waren beide gelassen, hatten gestern eh nichts mehr vor und genug Beschäftigung bei uns.

Der Abschnitt Siegburg-Frankfurt wurde spannend: Würde die Verspätung den Anschlusszug noch erreichbar machen? Auch wenn die App der Meinung war: nein, und auch wenn die Zugbindung bereits aufgehoben war, befolgten wir eine der erprobten Regeln des Bahn-Fernverkehrs: Es immer drauf ankommen lassen und ans Anschlussgleis eilen. Voilà! Der ICE nach München stand noch da.

Die Sitze dicht gepackt, wir mussten leider zwei bereits sehr eingerichtete Menschen von unseren reservierten Plätzen bitten (alles in aller Freundlichkeit allerseits). Mittagscappucino bekam ich aber nicht, der Speisewagen war zurückgeworfen auf nur Filterkaffee (auffallenderweise lud auch niemand per Durchsage dorthin ein, kein “sie gerne erwartet”).

Zur Brotzeit um eins hatte ich mir vom Frühstückstisch eine Schinkensemmel mitgebracht und eine Birne, genoss beides (immer noch mit kleinen Bissen und eher vorsichtigem Kauen auf der Seite ohne Loch von rausgerissenem Backenzahn).

München empfing uns mit Sonne und milder Luft, nach einer Runde Räumen und einem halben Stündchen Siesta setzte ich mich zum Lesen auf den Balkon.

Eine Folge Yoga, zum Nachtmahl verarbeitete Herr Kaltmamsell den Erntanteil-Mangold zu einem Nudelgericht mit Linsen.

Sehr gut! Dazu Ernteanteil-Tomaten mit Basilikum, Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, This Is How You Lose the Time War von Amal El-Mohtar und Max Gladstone ausgelesen. Startet mit einem Wirbelwind an indirektem Erzählen, aus dem der Hintergrund zweier sehr unterschiedlicher Gemeinschaften an Zeitreisenden hervorgeht, die die Zeitläufte im Sinne ihrer sehr unterschiedlichen Interessen beeinflussen. Eine Kriegerin (“agent”) nimmt aus einem Impuls heraus den Kontakt mit ihrem Gegenpart der anderen auf; es entsteht ein Austausch, dessen Medienformen allein schon super-kreativ abgefahren sind, innerweltlich aber herrlich stringent. Die Handlung wird sehr spannend, ist jedoch so dicht erzählt, dass ich mein Lesetempo immer wieder bremsen musste, weil meist jeder Satz zählt, Passagen-weise jedes Wort. Ein echter Ritt, der sich für mich sehr lohnte – ich hatte dringend mal wieder nicht-realistisches Erzählen gebraucht.

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Ein Nachruf – nicht nur auf eine liebe Nachbarin, sondern auch auf eine ländliche oberbayerische Ära.
“Briefe an die nahe Ferne ( 27 )
Die Schmiedrosi ist heimgegangen.”

Sie konnte unglaublich gut mähen, sehr ruhig und gleichmäßig, Schnitt für Schnitt und ich seh sie noch, wie sie früher bei uns vorbeigegangen ist, mit dem Häuerl (übersetzt: sowas ähnliches wie eine Harke) über der Schulter, hinaus aufs Feld, da hatte sie am unteren Ende des Kartoffelackers einen Krautgarten. Weißkraut, Blaukraut, Ranner(Rote Beete) waren angebaut und mußten behäuerlt werden.

(Aufschreiben, alles aufschreiben!)

Journal Donnerstag, 20. August 2026 – Lesungsankündigung jetzt offiziell und bebildert

Freitag, 21. August 2026

Foto und Grafik: Frau Klugscheißer

Tadaaa, es ist offiziell!
Am 24. Oktober wiederersteht eine versunkene Web-Kultur:
Die Bloglesung

it ain’t over ’til it’s over

bringt vier Leute auf die Bühne / in einen Boxring, die irgendwie schon immer gebloggt haben und bis heute nicht damit aufgehört.
Mequito, Vanessa, Novemberregen und mich. Frau Klugscheißer hat das ganze initiiert, organisiert und koordiniert; sie moderiert den Abend.

Termin: 24. Oktober 2026, 19 Uhr
Ort: Boxwerk, Schwindstr. 14, München
Eintritt frei – um eine Spende zur Unkostendeckung wird gebeten

Ich bin schon sehr gespannt, wann meine Panik einsetzt, denn unter anderem habe ich keinen passenden Text mit Box-Thema. Werde ich extra einen schreiben müssen? Was dann aber kein Blogtext wäre.

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Nach mittelguter Nacht ein überraschend milder Morgen, ich setzte mich für meinen Morgenkaffee wieder raus.

Vorm Haus hatte ich am Vorabend eine neue Baustellenabsperrung entdeckt, bestehend aus rot-weiß-gestreiften Trennwänden und einem Dixie-Klo. Was ist denn jetzt schon wieder. Das wäre parallel die vierte Baustelle in unserer Wohnstraße, ich muss schon jetzt zu weiten Teilen auf der Straße gehen.

Unter wild buntem Himmel in die Arbeit marschiert, die August-Ruhe über diesen Teilen Münchens genossen.

Im Büro erstmal Nerventest: Mein neuer Rechner erkannte die mehreren Bildschirme nicht. Nach Telefon, Ticket, Supportrückruf und -zusendung spielte ich dann eine 12-seitige Anleitung zur Lösung des ursächlichen Hardware-Problems durch, die mich in völlig unerwartete Abgründe der Unternehmens-IT blicken ließ. Arbeitsfähig war ich 70 Minuten nach Arbeitsbeginn, bis sich meine Verzweiflung und Gereiztheit gelegt hatten, brauchte es länger.

Draußen immer wieder Regenschauer.

Für einen Krankheits-Ausfall eingesprungen, sofort nützlich gewesen. In einer Regenpause raus auf einen Mittagscappuccino im Westend, Käsekauf auf dem Markt verhindert durch Abwesenheit des Käsestands, auch hier August-Ruhe.

Zu Mittag gab es Bananen sowie eingeweichtes Muesli mit Joghurt.

Recht geordneter Arbeitsnachmittag, aber es wäre mir lieber gewesen, danach bereits ins Wochenende zu können.

Auf dem Heimweg Einkäufe im Süpermarket Verdi – heiser geschrien, weil mich auf dem Bavariaring bei der Theresienhöhe innerhalb weniger Minuten das LALÜ! direkt neben mir von acht Polizeizeifahrzeugen, einem SWM-Einsatzfahrzeug und einem Feuerwehrauto weggefegt hatte. Mittelfristig werde ich mich nach einer Wohngegend umsehen müssen, in der sowas zumindest weniger häufig vorkommt.

Daheim Häuslichkeiten und Yoga – es kommt mir vor, als würden meine Krieger-Positionen mit der Zeit immer wackliger statt stabiler.

Aus Ernteanteil machte ich eine Schüssel Blattsalat mit Gurke und Tomate, den überraschend mitgeernteten Blumenkohl servierte Herr Kaltmamsell mit erwarteten Ernteanteil-Kartoffeln als Aloo Gobi. Nachtisch Mochi und Eiskonfekt.

Früh ins Bett zum Lesen, This Is How You Lose the Time War ist in bester Weise kompliziert und komplex, ich wollte wissen, wie’s weitergeht.

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Doch, ich bleibe dabei: The World Accoring to Garp ist richtig gut. 1978 veröffentlicht greift der Roman feministische Themen und Perspektiven auf, die auch heute fortschrittlich wären. Das geht los mit weiblicher Selbstbestimmung (an Jenny Fields erinnerte mich erst gestern die Seite Drei der Süddeutschen – € – über südkoreanische Frauen, die das mit den Männer lieber gleich ganz bleiben lassen – und dafür gesellschaftlich einen hohen Preis zahlen), setzt sich fort mit schmerzlich gründlicher Schilderung und Einordnung von Vergewaltigung (klar bezeichnet als brutale Machtausübung, die nichts mit Attraktivität der Opfer oder mit Erotik zu tun hat) und der frühen Sichtbarmachung und Umarmung von Transsexualität (ROBERTAAAA!!). Dass diese Themen nur zum Teil in der eigentlichen Romanhandlung durchgespielt werden, zum Teil aber in den langen Binnentexten (Titelheld Garp wird Schriftsteller, der Roman zeigt große Ausschnitte aus seinen Werken), halte ich für eine besondere Kunstfertigkeit.

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“Beratungstermine beim Klimaanlagenexperten sind die neuen Facharzttermine.”

Journal Dienstag, 18. August 2026 – Einstweiliger Regenjubel und Mammomat

Mittwoch, 19. August 2026

Ein bisschen mehr Schlaf am Stück, aber erholt geht anders.

Der Himmel bedeckt, die Luft kühl, sogar zu kühl für Balkonkaffee. Espresso aus der kleinen 1-Personen-Cafetera: Am Vorabend war bei der Vorbereitung der Kanne von unserer gewohnten 2-Personen-Cafetera die Scheibe des Filtereinsatzes (hat sich vor langer Zeit selbständig gemacht) nicht zu finden gewesen. Die Situation hatte ich schonmal, war nach langem Durchsuchen der Küche davon ausgegangen, dass ich sie in morgentlicher Bewusstlosigkeit beim Reinigen mitsamt dem Kaffeesatz weggeworfen hatte – obwohl sie auch im Müll nicht war. Die Scheibe tauchte damals IN einer Küchenschublade auf, ihr Weg dorthin liegt bis heute im Dunklen. Montagabend hatte ich keine Lust auf nochmalige hysterische Hektik gehabt. Gestern vermeldete Herr Kaltmamsell später Fund im Abtropfgitter neben der Spüle (ich war ganz sicher gewesen, die Scheibe Montagmorgen abgetrocknet und aufgeräumt zu haben).

Den Linden um die Theresienwiese sieht man die Hitze und Dürre an, wie ich es noch nie erlebt habe.

Am Schreibtisch mal wieder ein Eingesperrte-Füße-Moment: Wenn sich gewohnte und gut eingelaufene Schuhe zu eng anfühlen und drücken, obwohl weder die Füße geschwollen aussehen, noch die Schuhe eng geschnürt sind. Ging bislang jedesmal innerhalb weniger Stunden vorbei, ich lockerte halt erstmal die Schnürung.

Datenbankarbeitsvormittag, die Büros um mich herum überraschend gut besetzt. Guter Mittagscappuccino im Westend, zwischen Anwohnenden mit winzigem Baby.

Die anhaltenden Zahnschmerzen brachten mich dann doch dazu, einen Termin bei meiner Zahnärztin zu holen: Meine Zunge spürt in der schmerzenden Gegend eindeutig eine bröselnde Füllung; die hätte ich gern repariert.

Mittags setzte Regen ein, weiterhin hochwillkommen. Auch wenn ich für ein paar Dienstgänge draußen einen Schirm brauchte. Und er war nicht lange und nicht genug für Aussicht auf Ausgleich der Dürre.

Doch dann musste ich mir eine gründliche Fehlkalkulation eingestehen: Rechnertausch drüben bei den IT-Kollegen um drei, Feierabend um halb fünf (pünktlich, weil Arzttermin) hielt ich für locker geplant für die Einrichtung des neuen Arbeits-Laptops. Denn der IT-Support hatte versichert: Einfach dem Einrichtungsassistenten folgen! Und zudem gibt es schließlich Nutzer-Profile, die gewohnte Einstellungen von Gerät zu Gerät mitnehmen.

HAHAHA!

Der neue Laptop wollte erstmal 15 (keine fiktive Zahl) Updates inklusive BIOS, es funktioniert nix, und meine Einstellungen, Zugänge, Oberflächen, Funktionen musste ich alle von Null wieder anlegen. Arschlecken, dann halt am Mittwoch. Was bedeutete, dass ich meine Lerchenschwimmpläne für den nächsten Tag abblies – für die ich ohnehin schlechtes Gewissen hätte verdrängen müssen, weil mein Platz aus Gründen früh eher im Büro sein sollte.

Der Arzttermin war eine Mammographie im Rahmen des deutschen Screening-Programms. Als Innenstadtbewohnerin profitiere ich von der Nähe der Praxen zu meiner Wohnung. Als ich eintraf, herrschte an der Anmeldung Hochbetrieb, aber die Angestellten hatten alles im Griff.

Die freundliche Ärztin am Siemens Mammomat (tihihi!) war gestern allerdings wohl schon sehr lang im Dienst. Als sie mir ein paar Routinefragen nach nicht mal einer Minute zum zweiten Mal stellte, hielt sie kurz inne, sah mich an: “Habe ich das schon gefragt?” Ich äußerte mein Mitgefühl – die wievielte Patientin ich heute denn sei? Die 31.
Doch ihrem sorgfältigen und aufmerksamen Vorgehen mit vielen Erklärungen war das wirklich nicht anzumerken.

Danach ein paar Lebensmitteleinkäufe. Zu Hause war noch Zeit für Pediküre und Yoga. Dann wieder ein Abendessens-Highlight.

Spinat mit Kichererbsen ist eh einer meiner Lieblinge, doch in diesem Fall waren es auch noch kastilische Kichererbsen (garbanzos) aus der eigenen Familie!

Nachtisch Speiseeis, Süßigkeiten.

Im Bett The World According to Garp endlich ausgelesen. Ich mochte den Roman immer noch, vor allem viele seiner liebevoll und vielseitig gestalteten Charaktere, hatte aber einige Passagen nicht so geschwätzig über-detailliert in Erinnerung.

Journal Samstag, 1. August 2026 – Anreise nach Brighton in Selfies

Sonntag, 2. August 2026

Gestern fuhren wir nach Brighton, ohne Probleme. Irgendwann unterwegs wies Herr Kaltmamsell bewundern auf meine Souveränität und Gelassenheit hin: Das war einfach, denn alle Aufregung, alles Kopfzerbrechen und mich Anstellen hatte ich schon im September des Vorjahrs durchgespielt, als ich die Bahnreise München-London zum ersten Mal machte. Und jetzt kannte ich mich ja aus und wusste Bescheid.

Für uns ganz konkret ist Zug für eine Reise nach Brighton tatsächlich die bequemere Variante:
– Fußweg Wohnung-Zug 15 Minuten,
– nach Paris einmal umsteigen (gestern mit Anschluss am selben Gleis in Vaihingen)
– in Paris zweites Mal umsteigen mit 5 Fußminuten vom Ankunftsbahnhof Paris Est nach Gare du nord
– von London St. Pancras, drittes Mal umsteigen, direkt nach Brighton.

Das wäre mit Flugzeug umständlicher:
– Lange Anfahrt zum Flughafen München Erding mit erstem Mal Umsteigen unterwegs, Ankunft mindestens zwei Stunden vor Abflug,
– zweites Mal Umsteigen ins Flugzeug.
– Direktflüge nach London Gatwick gibt es der derzeit nicht (von dort gäbe es direkte Zugverbindungen nach Brighton), also drittes Mal umsteigen nach London rein,
– viertes Mal Umsteigen zum passenden Bahnhof,
– fünftes Mal Umsteigen in den Zug nach Brighton.
(Alternativ mit doppelter Fahrtzeit: Drittes Mal Umsteigen am Flughafen London in einen National-Express-Bus nach Brighton.)
Wobei unterwegs auch noch Gepäck verloren gehen kann, das man bei der Zugreise durchgehend bei sich trägt.

Zurück zur tatsächlichen Reise gestern: Ich nahm bei jedem Abschnitt Selfies von Herrn Kaltmamsell und mir auf:

Pünktliche Abfahrt 4:20 Uhr von München (nach einem Gewitter am Vorabend hatte es angenehm abgekühlt, wir machten die Wohnung dennoch hitzefest mit geschlossenen Fenstern und herabgelassenen Rollläden bis zum Eintreffen meiner Mutter).

Umstieg mit vielen anderen Reisenden in Vaihingen – wo NIX ist: In der knappen halben Stunde Wartezeit sah ich mich gründlich um, entdeckte sogar einen angeschlossenen Kiosk mit Kaffeeverkauf, doch der öffnete erst um sieben.

Bahnfahren kann so cool sein. Im Zugrestaurant holte ich uns ersten Cappuccino.

In Paris trafen wir pünktlich ein und hatten gut zwei Stunden Aufenthalt bis zur Weiterfahrt mit dem Eurostar unterm Kanal durch. Diese nutzten wir für die umständliche, aber flüssige Eincheck-Prozedur (Ticket-Check, Pass-Kontrolle Ausreise, Pass- und Visa-Kontrolle Einreise, Gepäck-Kontrolle) und für Frühstück kurz vor elf:

Herr Kaltmamsell erjagte Milchkaffee, Schinken-Käse Baguette.

Jetzt die erste Verspätung: Der Eurostar verließ Paris 20 Minuten nach geplanter Abfahrtszeit. Diese Eurostar-Fahrt bescherte mir das erste Sprachbad Londonerisch: Dropped Heitsches und Glottal Stops all over the place.

Auf unserer gesamten Fahrt sahen wir nur bereits abgeerntete Getreidefelder.

In London St. Pancras international warteten wir nur wenige Minuten auf den Anschluss nach Brighton.


Sehr voller Zug, weil viele zum Unterwegs-Halt London Gatwick unterwegs waren, andere zum Pride-Wochenende in Brighton.

Am Weg ein bisschen London.

In Brighton wenige Minuten Fußweg zur bereits bekannten Ferienwohnung, Ankunft kurz vor vier. Ich hatte bereits vergessen, wie dominant in der hiesigen Sound-Kulisse das Möwen-Geschrei ist.

Während ich aus München Tipps las, wie man die fortdauernde Hitze um die 30 Grad mit möglichst wenig Leid übersteht, hatte es in Brighton die angenehmen 24 Grad, bei denen man gerne alle Fenster aufließ.

Begrüßung im sonnigen Hinterhof der Wohnung.

Nach Auspacken und Check der Bestände gingen wir auf Einkäufe zum großen Supermarkt Waitrose – mit gewollten Umwegen durch viel glitzerndes Party-Volk.

Schwäbischer Kolonialismus.

Die ganz gründliche Besichtigung des Supermarkt-Angebots verschoben wir auf einen nächste Besuch, arbeiteten lediglich die Einkaufsliste ab.

Abendessen musste sich Herr Kaltmamsell überlegen und entschied sich für Bratwürste und Black Pudding aus der Pfanne, ich schnitt ein wenig Gemüse dazu.

An sich hatten wir mit edlem heimischen Schaumwein auf den Urlaub anstoßen wollen, doch das Gefrierfach war nicht fest geschlossen gewesen und ließ vor lauter Vereisung keinen Platz für eine Flasche zum Kühlen. Also gab es einen roten Primitivo di Manduria.

Nachtisch kleine Apple Pies und Schokolade. Herr Kaltmamsell klickte sich auf meine Bitte durchs Live-Fernsehprogramm, doch ich wurde früh so sturzmüde, dass ich bald ins Bett ging und nur noch wenig las.

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Nächste Lektüre: Ein nach Langem Wiederlesen von John Irvings The World According to Garp. Er war der erste Roman, den ich von ihm je las, hatte zuvor die wunderbare Verfilmung mit Glenn Close und Robin Williams gesehen (die ich beide bei dieser Gelegenheit kennenlernte), las ihn auf Deutsch.

Irvings Romane nach A Widow for One Year halte ich für immer schlechter, The Last Chairlift brach ich ab und beschloss, dass es das mit uns war. Aber davor sind viele seiner Werke hervorragendes Handwerk,1 und in meiner Erinnerung war Garp der kunstfertigste davon, in dem viele seiner folgenden gelungenen Romane bereits angelegt waren. Das wollte ich jetzt endlich mal überprüfen.

John Irving schreibt besonders gute erste Sätze, einige kann ich auswendig. Nicht, wie ich jetzt feststellte, den von The World According to Garp:

Garp’s mother, Jenny Fields, was arrested in Boston in 1942 for wounding a man in a movie theater.

Großartig, und er enthält in einem Satz zahlreiche Elemente, die mich Irvings Büchern so lange verfallen ließen. Zu meiner großen Freude überraschte mich das erste Kapitel noch in weiterer Hinsicht. Ich kann mich also an wenig erinnern und freue mich sehr auf die Lektüre.

An John Irving lernte ich auch, dass es für meine Literatur-Rezeption ausgesprochen schädlich sein kann, zu viel über den Autor zu wissen: In einer Film-Doku kam er als eitler und aufgeblasener Mensch rüber. Es brauchte eine Weile, bis ich meine Wahrnehmung seiner Romane davon befreien konnte. (Die zahlreichen Interviews, die ich zuvor mit ihm gelesen hatte, hatten diesen Eindruck nicht erweckt.)

  1. Ich schrieb meine Magisterarbeit über “John Irving in der Erzähltradition von Charles Dickens”. []