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Beifang aus dem Internet

Dienstag, 11. März 2014

Es gibt ja selten Gelegenheit, einer Regierungspartei am eigenen Leib vorzuführen, wo die Gesetzeslage im Argen liegt. Wie wunderbar, dass Sebastian Heiser der SPD eine Lektion in Urheberrecht erteilen konnte: “Liebe Raubkopierer bei der SPD,”.

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Erstaunlicherweise sind Menschen dann besonders ehrlich, wenn sie sich in der vermeintlichen Anonymität des Internets bewegen. Soziale Schranken der öffentlichen Meinungsäußerung werden überwunden – endlich kann gesagt werden, was man sich sonst nicht zu sagen traut.
Dieser Film behandelt das Phänomen exemplarisch am Beispiel von Online-Kommentaren zum Thema Down-Syndrom und wirft dabei einen Blick auf die Realität hinter den Kommentaren.

Da sind wir wieder bei “ja wohl noch sagen dürfen, was man denkt”. Ja, darf man. Aber muss darauf gefasst sein, sich dadurch zu entlarven.

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Der Kampf einer Posaunistin bei den Münchner Philharmoniker, oder: Wie mein Bild von Celibidache zerstört wurde: “Abbie Conant: Behind the Screen“. (Text von 2010, aber er jetzt als Hinweis in meiner Twitter-Timeline aufgetaucht.)

In 1980, Abbie Conant auditioned for the Munich Philharmonic behind a screen. The orchestra voted for her appointment to the principal solo position, though the conductor, Celibidache, was opposed. Celibidache ordered that she play a “probationary year”, in which any complaints to her playing could be recorded. No complaints were recorded, but he did not award her any solos.

In 1982, Abbie was demoted to second trombone, which required a greater work load for less pay. Celibidache provided no written criticism but simply stated, “You know the problem: we need a man for solo trombone.”

Von da an ging’s erst richtig bergab.

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Ich muss mich immer wieder dazu disziplinieren, besonders bescheuerte homophobe Argumente nicht einfach dezent zu ignorieren (es fühlt sich für mich immer ein bisschen unhöflich an, Menschen durch Gegenargumente zu unterstellen, dass sie diesen Blödsinn jetzt wirklich ernst gemeint haben – völlig fehlgeleitetes Fremdschämen). Sondern mit Argumenten und Fakten gegenzuhalten.

Als da wäre der Vorwurf, Homosexualität sei unnatürlich. Wie bei allen Argumenten mit Natur würde ich am liebsten einen Schritt zurück gehen und fragen, was eigentlich “Natur” ist und “natürlich”, denn das ist ein hochinteressantes und schrecklich unordentliches Gebiet, aber die Frage wäre – so sozial kompetent bin ich dann doch – in diesen Situationen unangebracht. Also verweise ich darauf, dass es zahllose Arten gibt, die gleichgeschlechtliche Paarungen kennen. Neuestens kann ich konkret und im Detail Flamingos anführen: “Schwule Flamingos. So lebt es sich nach der Natur“.

(Wehe, Sie sagen jetzt: “Jaaaa, Flamiiiiingos! Die sehen ja schon so aus!”)

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Die Deutschen sind sich zu großer Mehrheit einig, dass ihre Bahn Mist ist. Egal, was die Deutsche Bahn anstellt, irgendwas daran wird schon scheiße sein, also wird geschimpft. Das ist in vielerlei Hinsicht fatal: Nicht nur brächte eine sachlichere Perspektive zutage, dass die Deutsche Bahn vor allem im internationalen Vergleich ziemlich gut funktioniert und komfortabel ist. Eine sachlichere Perspektive ermöglichte auch konstruktivere strukturelle Kritik.

Hier zum Beispiel reifliche Überlegungen und Analysen, warum Hochgeschwindigkeitszüge die Feinde einer Bahnzukunft sind: “Hochgeschwindigkeitszüge zerstören das europäische Bahnnetz”.

Das ist ein ernstes Problem: Ich bin überzeugt, dass motorisierter Individualverkehr nicht die Mobilität der Zukunft ist. Machen wir uns gerade die Alternative kaputt?

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Ansonsten: Frühling vorm Büro.

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Wochenend und Sonnenschein

Montag, 10. März 2014

Nachdem er vergangenes Wochenende seine neuen Wanderschuhe getestet hatte (wir waren zwischen Schöngeising und Fürstenfeldbruck unterwegs), fragte der Mitbewohner umgehend: “Und wann gehen wir das nächste Mal Wandern?” Diesen überraschenden Wanderenthusiasmus will ich auf keinen Fall bremsen, also fuhren wir am sonnigen Samstag per S-Bahn nach Starnberg: Der Mitbewohner hatte im Büchlein Wandern mit dem MVV eine kleine Tour durch die Maisinger Schlucht herausgesucht. Und wieder war es eine ganz hervorragende Wahl.

Durch das schöne Starnberg

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den Maisinger Bach entlang

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zum Maisinger See.

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Von dort aus spazierten wir nach Pöcking und weiter nach Possenhofen und erreichten nach insgesamt gut zweieinhalb Stunden den dortigen S-Bahnhof. Von dem nur gerade überhaupt nichts fuhr, weil zwischen Starnberg und Possenhofen “Personen auf dem Gleis” den Verkehr behinderten (möglicherweise wieder Teenies im Wettkampf um den Darwin Award). Nun, wir tranken in der reich geschmückten kleinen Bahnhofswirtschaft ein Radler, bis ich durchs Fenster sah, dass die S-Bahnen wieder fuhren.

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Die Überschrift, meine Herrschaften, ist keineswegs aus der Floskelkiste der Lokalredakteurin gekramt: Am Sonntag war ich nach einem weiteren Sonnentag, diesmal mit einer Freundin verbracht, im Konzert der King’s Singers.

Sie müssen wissen, dass dieses Ensemble in meiner aktiven Chorzeit und innerhalb meines engen Horizonts als Inbegriff der A-capella-Gesangskunst galt. Doch in Echt gehört hatte ich die Herren noch nie. Auch wenn von den Sängern der Besetzung von 1982 bis 1986 kaum noch jemand dabei ist, freute ich mich sehr, dass ich die Gelegenheit endlich wahrgenommen habe. Liedauswahl, Arrangements und Vortrag waren ein Genuss.

Bei dieser Gelegenheit sah ich endlich mal das opulente Prinzregententheater von innen, lernte, dass manche Menschen auch mal 10 Minuten zu spät in ein Konzert kommen und kein Problem damit haben, zehn andere Zuschauer aufstehen zu lassen, um an ihre Plätze zu gelangen (der junge Mann, der gleich 20 Minuten zu spät kam, blieb aber am Rand stehen).

Vor dem Konzert begegnete ich einem inzwischen pensionierten Uni-Kollegen aus meiner Augsburger Zeit, den ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte, in der Pause einem Studienfreund, mit dem ich seinerzeit viel gefeiert, Filme gesehen und im Unichor gesungen hatte, den ich aber seit fast 20 Jahren aus den Augen verloren hatte (er steht nicht im Internet). Es ist möglicherweise eine ganz eigene Sorte Menschen, die ein Konzert der King’s Singers besucht – und die irgendwas mit mir verbindet.

Auffallend fand ich unter dem ansonsten erwartbaren älteren Bildungsbürgerpublikum den hohen Anteil schöner, edler Jünglinge im Zuschauerraum – mag man die King’s Singers in bestimmten Kreisen?

Die Zugabe aus dem Werk der Commedian Harmonists war dann allerdings ein abenteuerlich arrangierter “Kleiner grüner Kaktus” und nicht “Wochenend und Sonnenschein“.

Journal Freitag, 28. Februar 2014 – Fondue

Samstag, 1. März 2014

Gestern Abend gab’s Fondue. Auch ohne Silvester. Dem Mitbewohner und mir war aufgefallen, dass wir schon sehr lange kein Fondue mehr gegessen hatten, obwohl wir beide sehr gerne Fondue essen. Und weil wir erwachsen sind und selbst bestimmen können, wann wir Fondue essen, hatten wir gestern festgelegt.

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Der Mitbewohner verwies zudem darauf, dass so die Kulturtechnik des Sößchenherstellens gewahrt bleibt. Er selbst hat keinen familiären Fleischfonduehintergrund (in der Mitbewohnerfamilie heißt Fondue immer Käsefondue), so bringe nur ich Rezepte mit in die Partnerschaft. Die Klassiker aus der Familie Kaltmamsell sind:

Knoblauchbutter:
Zimmerwarme Butter mit einer gepressten Knoblauchzehe, Salz und Pfeffer vermengt, kalt gestellt.

Currycreme:
Majonese mit ordentlich Currypulver und etwas Salz.

Sherry-Orangen-Sauce:
Majonese mit geriebener Orangenschale, gemahlenen Mandeln, Sherry (oder Portwein), weißem Pfeffer, Salz.

Teufelssauce:
Tomatenmark mit etwas Ketchup, etwas Wasser, verschiedenen Paprikapulvern, Salz.

Unabdingbar gehören in meiner Tradition auch dazu:
- Eingelegte Champignons (Champignons geputzt, in Topf mit Zitronensaft übergossen, einmal aufgekocht, Salz, Pfeffer, ein paar Stunden ziehen lassen, vor Servieren frische, gehackte Petersilie).
- Silberzwiebeln aus dem Glas.
- Baguette vom Bäcker.

Aber es ist keineswegs so, dass ich in den Fonduetraditionen meiner Familie verhaftet wäre; ich probiere gerne Neues aus, wenn es nur nicht zu neu ist. Gestern zum Beispiel experimentierten wir mit Schweinbauch: Speck in Fett gegart – könnte schmecken. Tatsächlich fehlte aber ein Kontrapunkt im Geschmack, und wenn man ihn durch langes Brutzeln herstellen wollte, wurde der Schweinbauch hart.

Wir schafften es sogar, vor der völligen Überfressung aufzuhören, weil das Schälchen mit Brennpaste rechtzeitig leer war.

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Gelesen 1:

Das Restaurant, in dem Tiramisu erfunden wurde, muss wegen der italienischen Wirtschaftskrise schließen: “Last orders at restaurant that invented tiramisu”.

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Gelesen 2:

Es gibt sie DOCH! Die Elders of the Internet!

Der Guardian war dabei: “Meet the seven people who hold the keys to worldwide internet security”.

What these men and women control is the system at the heart of the web: the domain name system, or DNS. This is the internet’s version of a telephone directory – a series of registers linking web addresses to a series of numbers, called IP addresses. Without these addresses, you would need to know a long sequence of numbers for every site you wanted to visit. To get to the Guardian, for instance, you’d have to enter “77.91.251.10″ instead of theguardian.com.
(…)
Back in the ceremony room, the four keyholders are once again locked in a cage with the safes holding their smartcards, this time returning them for future use. It is 23.32 on the clock and each is solemnly holding up their keycard, in a new tamper-evident bag, for the cameras to witness before returning it to the safe. Not everyone present is entirely gripped. “It’s like a combination of church and a baseball game and I don’t know what else,” says Icann PR Lynn Lipinski. “I’m getting sleepy.”

Journal Mittwoch, 26. Februar 2014 – neues Mobiltelefon

Donnerstag, 27. Februar 2014

Das Leben ist kein Ponygeburtstag, und so brauchte ich in der Nacht auf gestern noch eine Dosis Migränemittel. Diesmal war die Zeit zwischen Aufwachen mit großem Kopfweh und “das ist wohl Migräne” kurz genug, dass das Triptan Böses blockieren konnte. Noch ein Glück, denn ich hatte gestern frei.
Aber drei Attacken in zwei Monaten sind kein Rhythmus, den ich haben möchte.

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140226_Kleidung

Das Wetter machte sich ein weiteres Mal schön, warm war es allerdings nicht (ist ja auch erst Februar). Ich ignorierte die postmigränale Schwäche und den Schwindel, radelte gemütlich hinaus ins Olympiabad, zog dort gemütlich meine Bahnen. Zwar war ich von Spielzeugschwimmern- und -schwimmerinnen umgeben, doch sie waren alle schneller als ich, so musste ich mich nicht um sie kümmern.

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Nachmittags endlich Gelegenheit, ein neues Mobiltelefon zu besorgen (mit meinem Provider bin ich ja weiterhin zufrieden). Bei der Wahl, mit meinem bisherigen Vertrag 250 Euro für ein neues Gerät zu bezahlen oder mit einem teureren Vertrag einen Euro, entschied ich mich für das Abstottern des Betrags – nichts anderes ist ja der teurere Vertrag. Der mir zudem einige Annehmlichkeiten bietet. Ich ließ mir sogar ein Futteral dazu verkaufen, um das Risiko eines weiteren Saftunfalls zu verringern. (Eine Versicherung wollte ich aber dann doch nicht.)

Das Synchronisieren des Geräts auf den Stand des alten (noch ein Glück hatte es lange genug funktioniert, dass ich ein vollständiges Backup machen konnte) funtionierte völlig problemlos. Ich nutzte die neue Handykamera dafür, gleichmal das beeindruckendste Zubehör aus dem Pack zu fotografieren:

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Wo ich doch mit dem Verkäufer noch gescherzt hatte, dass man bei allem High Tech für die Einrichtung einees Smartphones immer noch nicht um die Büroklammer als Werkzeug herumkomme.

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Zeit und Muße genug, fürs Abendessen zu sorgen.

Mal wieder Ricotta-Feta-Tomaten-Tarte (Teig hatte ich noch in der Gefriere):

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Und als Dessert Tiramisu:

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Journal Dienstag, 25. Februar 2014 – Küchenunruhen

Mittwoch, 26. Februar 2014

Während des frühmorgendlichen Aufwachens gemerkt, dass ich keine Lust auf die geplante Stunde Krafttraining im Sportstudio hatte. Statt dessen ein wenig weitergedöst, dann beherzt aufgestanden und nach dem Duschen an einer möglichen Zukunft gearbeitet.

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Um halb acht kam der Installateur, den der Mitbewohner organisiert hatte, um die Küche wieder ins Ruder zu bringen.

Dass die von den Vormietern ererbte Verrohrung, sehr wahrscheinlich von denselben Laien gebaut wie die gesamte Kücheneinrichtung, heikel war, wussten wir seit dem Einzug vor 15 Jahren (OMG!). Erst als wir 2007 eine neue Waschmaschine bekamen und vom Fachmann verrohren ließen, stand darin nach einem Durchlauf der Geschirrspülmaschine hin und wieder Wasser. Nun, das pumpten wir halt manuell ab.

Doch letztes Jahr beseitigte endlich der Rohrfreimann den Pfropf in den hinteren Wandrohren, der ein Ablaufen des Waschbeckenwassers immer stärker behindert hatte. Seither blieb das Waschmaschinenprogramm immer wieder stehen und meldete Wasseralarm. Der zu Rate gezogene Waschmaschinenfachmann diagnostizierte, dass mit der Waschmaschine alles in Ordnung sei, dass allerdings aus dem Waschbecken Wasser über die Rohre zur Waschmaschine laufe, sich dort irgendwo unabpumpbar sammle und Alarm auslöse. Da könne er nichts machen.

Wir montierten also vor jedem Waschgang die Maschine von Strom und Wasser ab, zogen sie aus der Einbauzeile, kippten sie und ließen dieses gesammelte Wasser ablaufen (waren immer ca. 100-150 ml), schoben die Waschmaschine zurück, schlossen sie wieder an und wuschen. Ähnliche Work-arounds bin ich ja vom Computerarbeiten mit Windows gewohnt.

Bis letzte Woche die Sicherung rausflog, weil dann doch irgendwo dazwischen Wasser ausgetreten war und eine Steckdose erwischt hatte. Seither ist der Stecker der Geschirrspülmaschine schwarz und wir spülen von Hand.

Wir ließen uns von der Hausverwaltung einen Handwerker empfehlen, der gestern kam. Nach einer Dreiviertelstunde Werkeln sah ich ihn auf dem Boden vor dem Spülschrank sitzen, den Blick sehr ratlos auf die Nildelta-artig verästelten Rohre gerichtet. Da begann ich mir Sorgen zu machen.

Aber ich musste in die Arbeit und überließ die weitere Koordination dem Mitbewohner. Er berichtete abends, dass der Installateur keine wirklich Lösung gewusst habe. Er habe schließlich ein Teil der Verrohrung ausgetauscht, nun verhindere ein Ventil, dass Wasser vom Abfluss der Spüle zur Waschmaschine laufe.

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Die von den Vormietern übernommene Kücheneinrichtung mochte ich ja nie. Bislang hatte ich mir vorgestellt, dass sie halt irgendwann immer kaputter gehen würde und wir uns dann nach einem Ersatz umsehen würden. Möglicherweise ist diese Zeit gekommen. Nur dass ich zum einen überhaupt kein Vergnügen an dem Recherchieren und Konstruieren einer neuen Kücheneinrichtung habe, zum anderen Ebbe in meiner Kasse ist (Sie erinnern sich? ein Jahr Auszeit von Ersparnissen gelebt?).

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Die geänderten Manomama-Jeans von der Schneiderin geholt. Jawohl, nachdem ein großer Keil aus der Rückseite entfernt wurde, passen sie jetzt beide, für zusätzliche 16 Euro das Stück.

Das Modell mit den schmalen Beinen geht deutlich über den Bauchnabel, das bin ich gar nicht mehr gewohnt.

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Das Modell “Bootcut” sitzt nach dem Anpassen wunderbar und ist sehr bequem.

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Auch das weiße T-Shirt ist übrigens von Manomama (ich hatte mein letztes weißes unausbleichbar versaut). Ich war überrascht gewesen, wie dünn und durchsichtig das Material ist.

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Zum Nachtmahl hatte der Mitbewohner auf meinen Wunsch dieses Sellerierisotto (wunderschönes Wort!) zubereitet. Die Keksbrösel hätten extra gebacken werden müssen (die gekauften schmecken mir zu künstlich), also ersetzte er sie durch geröstete Mandelstifte. Das Ergebnis ist eine hinreißende Kombination von Aromen und Texturen, große Empfehlung.

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Gelesen:

Mittlerweile traue ich Frau Novemberregen auch die kalte Fusion zu, so viel weiß und kann sie. Hier ihre klugen und erschöpfenden Ausführungen zu Prüfungen: Vorbereitung auf, Ablegen von, selbst Abnehmen. Idiotensicher und erfrischend zu lesen.

Wahrscheinlich habe ich noch nie auf eine Klickstrecke verlinkt. Aber bitte sehen Sie sich diese an, vom Haus des abgesetzten Generalstaatsanwalts Viktor Pschonka vor den Toren Kiews, betextet von Frau Diener: “Sonnenkönig meets Hornbach”.

Was ich mir in deutschen Bioläden schon immer dachte (Warum bloß kommt gutes Essen immer in Begleitung von Esoterik daher?), ist Michael Schulson in den USA ebenfalls aufgefallen: “Whole Foods: America’s Temple of Pseudoscience“.
Aber er schließt vernünftigerweise:

The moral is not that we should all boycott Whole Foods. It’s that whenever we talk about science and society, it helps to keep two rather humbling premises in mind: very few of us are anywhere near rational. And pretty much all of us are hypocrites.

Herr Merlix war mit seinen Söhnen beim Hamburger Mützenmacher. Ich begrüße das außerordentlich.
(Und wenn jetzt bitte jemand mit zwei kleinen Kindern zum Lederhosenmacher ginge, sie dort ausstatten ließe und darüber schriebe? Nicht mit so einer Oktoberfestverkleidung, sondern mit den kurzen Gebrauchslederhosen, die man auf alten Kinderbildern sieht, die gemeinhin als das praktischste Kinderkleidungsstück überhaupt galten. Bitte?)

Journal Samstag / Sonntag, 22. / 23. Februar – gebacken, draußen gewesen

Montag, 24. Februar 2014

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Der Apfelkuchen mit Grießboden und Kardamom war aufwändig in der Herstellung und schmeckte nach Grießbrei mit Äpfeln. Der wäre deutlich weniger aufwändig gewesen.

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Pane Vallemaggia gebacken. Ist mir schon mal fluffiger geraten (allerdings habe ich lokales Weizenmehl 550 verwendet statt des Manitoba).

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Auf Wunsch des Mitbewohners (!) am Samstagnachmittag spazieren gegangen: Auer Mühlbach flussaufwärts. Dabei die ersten Schlüsselblumen gesehen, wenn auch in einem Garten.

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Am Sonntag in herrlichster Sonne Isarlauf.

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Nachmittag auf einem Familiengeburtstag – köstliche Kuchen (darunter Frankfurter Kranz!) in angenehmer Gesellschaft.

Spülmittel (und ein Exkurs über Geschäftsberichte)

Sonntag, 23. Februar 2014

PR-Veranstaltungen sind privat ja nicht so das Meine. Auch nicht, wenn es um Kochen und Essen geht – es gibt inzwischen genug Foodblogs, die sich auf Teilnahme an und dankbare Berichterstattung über PR-Veranstaltungen spezialisiert haben.

Doch diese Einladung kam über kpunktnull, die Beratungsfirma von Thomas Knüwer – da wollte ich dann doch mal wissen, was sich seine Mannschaft für den Großkunden Henkel so ausgedacht hat (das Projekt für dessen Marke Schwarzkopf war ja ein ganz großes).
Außerdem sollte es um Spülmittel gehen. SPÜLMITTEL! Das konnte doch nur im besten Sinne wahnwitzig werden.
Dass es nicht nur für das Goutieren von Fiktion Suspension of disbelief braucht, sondern auch im Marketing von Markenprodukten – darüber sind wir uns ja wohl einig. Aber wenn ich Nerds respektiere, die jedes Detail der Verlagsrivalität zwischen Marvel und DC im Lauf der Jahrzehnte aufsagen können, respektiere ich auch Spülmittel-Nerds.

Die Geschichte der Spülmittelwerbung ist reich an Ikonen und Topoi. Wir erinnern uns entzückt an Tilly, Palmolive und “Sie baden gerade Ihre Hände darin”:

Wie wunderbar hätte man wiederum mit “Während Villariba schon feiert, wird in Villabajo noch geschrubbt” den Deutschen die korrekte Aussprache des spanischen “ll” beibringen können! (Pst, wie das deutsche j.) Aber es ging dann doch nur um Fairy Ultra.

Sehr ikonisch auch: die Prilblumen.

Gleichzeitig konnte ich mir nicht recht vorstellen, dass sich mit Spülmittel viel Geld machen lässt. Und überhaupt: Wie verkloppt man Spülmittel? Um das zu überprüfen, schaute ich in den Geschäftsbericht von Henkel.

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Exkurs über Geschäftsberichte. Henkel hat vergangenen Freitag den Geschäftsbericht für 2013 veröffentlicht – ich gratuliere dem Team, denn ich kenne die Anstrengung dahinter. Deswegen weiß ich auch, wie sehr es sich lohnt Geschäftsberichte zu lesen, wenn man etwas über ein Unternehmen oder auch nur Unternehmensbereiche herausfinden möchte. Je börsennotierter, desto mehr.
Der Konzernabschluss mit seinen Zahlentapeten und seinem Bilanzdeutsch mag für die Laiin zu speziell sein, aber im Lagebericht finden sich immer interessante Aussagen und Beschreibungen. In den vergangenen Jahren haben sich die Firmen immer mehr um verständliche Sprache bemüht, gleichzeitig unterliegt der Inhalt des Lageberichts strengen Regeln, für deren Einhaltung externe Wirtschaftsprüfer sorgen – das verhindert Marketinggeschwurbel.

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Henkel Geschäftsbericht 2013 also. Spülmittel gehören zum Unternehmensbereich “Laundry and Home Care”. Und der hat auch im vergangenen Jahr wie schon 2012
28 % des Gesamtumsatzes erzielt. Nicht schlecht für Spülmittel. Zur Marktentwicklung 2013 ist von “einem weiter intensivierten Preis- und Promotionswettbewerb” die Rede (nein, keine Doktortitel, sondern Verkaufsaktionen).

Unter “Geschäftstätigkeit und Strategie” findet sich:

Erfolgreiche Produkteinführungen leisteten auch im vergangenen Jahr einen bedeutenden Beitrag zur positiven Geschäftsentwicklung. Im Jahr 2013 ist es uns gelungen, unsere Innovationsrate auf 45 Prozent auszubauen.
Durch die zentrale und effiziente Steuerung des Innovationsprozesses sowie durch vertiefte Einblicke in die Kaufgewohnheiten der Konsumenten können wir Verbrauchertrends schnell erkennen, aufgreifen und beschleunigt in neue Produkte umsetzen.

Na gut, doch ein wenig Geschwurbel. Ich übersetze: Wir haben mehr verkauft, weil wir zum einen herausgefunden haben, dass die Leute lieber immer wieder neue Produkte kaufen, weil wir zum anderen herausgefunden haben, welche neuen Produkte sie am liebsten mögen und weil wir dann eine ganze Reihe solcher neuen Produkte angeboten haben. (Könnte das ein Job für mich sein? Deutschsprachige Geschäftsberichte ins Deutsche übersetzen?)

Genau das erklärte mir auf der PR-Veranstaltung dann auf meine Fragen die Marketingfrau dieses Henkel-Bereichs, Bettina Klinken. Sie überging geduldig meine Frotzeleien und bestätigte genau dieses: Spülmittel verkauft man mit immer neuen Varianten, zum Beispiel neuen Düften. Ich sprach sie auch auf das teure Spülmittel in Form einer lila Blume mit der Aufschrift “Sommernachtstraum” an, das ich im Drogeriemarkt entdeckt hatte (die Einladung hatte mich dazu gebracht, tatsächlich mal andere Spülmittel als die Hausmarke in wahlweise durchsichtig oder grün anzusehen; und ich hatte die Flaschen umgedreht, um herauszufinden, welcher Konzern dahintersteckt). Bettina Klinken korrigierte mich: Das war eine Schmetterlingsform, keine Blume. Und tatsächlich eine weitere Aktion, diesmal auf der Basis von besonders gestalteten Flaschen. Die interessanteste Information war für mich: Das funktioniert, die Leute springen tatsächlich darauf an. Frau Klinken berichtete, dass diese Aktion einen enormen Erfolg gehabt habe, dass Kunden oft diese besonderen Flaschen aufheben, ausspülen und wiederverwenden, weil sie auch in der Küche etwas Schönes stehen haben wollen. Aber sie betonte auch: “Die Qualität muss natürlich stimmen.”

Was mich elegant zum Thema des Abends bringt: Die neue Variante des Spülmittels Pril. Das ist nämlich die Lösung für ein Problem, von dem ich gar nicht wusste, dass man es beim Abspülen haben kann: Stärke. Eine lustige Präsentation brachte uns bei: Tenside lösen Fett, um Stärke kümmern sich Enzyme.
Mit eben dem winzigen Haken, dass ich noch nie Schwierigkeiten hatte, Stärke abzuspülen – löst sich das nicht einfach in Wasser? (Nein, wohl nicht – wie habe ich das bislang bloß geschafft?)
Mein Hauptgegner beim Spülen ist Mozzarella als Überbackungskäse. Nein, nicht allgemein Käse, sondern ganz konkret Mozzarella. Den ich auch nach vielen Stunden Einweichen nur mit Hammer und Meißel von der Auflaufform entfernen kann, sprich mit physischer Gewalt.
Ich habe mit Bettina Klinken von Henkel verabredet, dass ich ihr Spülmittel auch dagegen testen werde und das Ergebnis berichte.

Zur Promotion (hihi) des neuen Spülmittels gab es also ein Kochevent, zu dem Journalistinnen und Bloggerinnen eingeladen waren.

Wir kamen in den Genuss der gesamten Marketing-Breitseite für das neue Produkt:

- Aufwendig produzierte Einladung (verschickt in einem Paket mit einem Kartoffelkuchen im Weckglas).

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- Gemeinschaftskochlocation mit einem Kochteam, zu dem jemand gehörte, den man wohl aus dem Fernsehen kennt, wenn man Kochsendungen ansieht: Graciela Cucchiara (ich vermute, das war die karottenrothaarige Frau mit 3D-Film-Brille, weil sie grüßende Worte sprach).
Es war alles so vorbereitet, dass die Gäste ein wenig mitkochen konnten – ich war beeindruckt, wie passgenau organisiert war, uns die Illusion der Mitarbeit zu geben, ohne dass wir ein Gericht wirklich verderben konnten. Ich durfte einen Teil von bereits gerösteten Mandelstiften hacken – der andere Teil war bereits gehackt und wurde mir als Vorbild gezeigt. Ich durfte auch bereits geschälte Zwiebelhälften hacken und zu den bereits gehackten in die Schüssel geben. Es war ein bisschen wie Kindergeburtstag, aber nicht im schlechten Sinn.

- Gutes Essen.

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- Ein junger Wissenschaftler erklärt die Funktionsweise von Spülmittel in Witzig (die Presseinfo war sachlicher).

- Cake-Pops in Logo-Form zum Nachtisch.

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Charmantes Detail: Das Team von Henkel berichtete, dass ihre Firmenzentrale in Düsseldorf eine eigene Konditorei hat, in der auch ausgebildet wird. Und die hatte diese Cake-Pops hergestellt.

- Zum Mitnehmen Gewürze aus der Kochlocation, eine Flasche Spülmittel, noch ein Cake-Pop, und ein USB-Stick in Logo-Form mit einem Texterinnentraum an Spruch vorn drauf.

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Zusammengefasst: Schöne, runde Geschichte. (Spülmittel, tse.)

Nachtrag 26.2.2014: Einigen Bloggerinnen ist wohl ziemlich aufgestoßen (unter anderem Ulrike), dass die Einladung in Paketform verschickt wurde. Liebe Marketing- und PR-Menschen: Das bedeutet für normal arbeitende Menschen, dass sie zum Abholen am Feierabend oder am Wochenende zu einer Ausgabestelle fahren müssen. Glauben Sie mir, dass macht die Absender sehr schnell sehr unsympathisch. Ich hatte einfach das Glück, dass der Mitbewohner beim Eintreffen des Pakets gerade daheim war.