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Journal Montag, 18. Januar 2016 – Büroturbulenzen

Dienstag, 19. Januar 2016

Seit einigen Wochen schlafe ich nicht eigentlich schlecht, aber unerfreulich: Mein Schlaf ist leicht, ich träume viel und Unangenehmes, meist wache ich davon bedrückt auf. Auf gestern hatte ich mit Ohrenstöpseln geschlafen, damit mich Müllabfuhr und Schneeräumfahrzeuge nicht vorzeitig weckten. Zumindest das funktionierte.

Ich plante, trotz verschneiter Straßen und Wege abends zum Sport zu fahren, radelte also in die Arbeit (mit Öffentlichen wären genau diese Strecken umständlich gewesen). Es kam dann anders: In der Arbeit ging es hoch her, Reisen waren abzusagen, umzuplanen, neu anzulegen, abzurechnen, außerdem hatte mich ein wichtiger Informationsfluss nicht erreicht und ich musste eine rechtzeitige Abgabe retten. Nein, dabei wird es nie eine Rolle spielen, dass ich nichts dafür kann: Wenn etwas in meinem Bereich vor die Wand zu fahren droht, werfe ich mich ganzer Kraft (und Panik) in die Rettung. Dass die Situation entstanden war, weil jemand ebenso konsequent mit „mir egal“ und „nicht zuständig“ arbeitet, bedrückte mich zusätzlich: Erfahrungsgemäß ist bei Erwachsenen an dieser Grundeinstellung nichts zu ändern.

Das und eine düstere Großwetterlage im Büro verdarben mir den Appetit, ich brachte nur einen Kanten Brot herunter. Erst spät radelte ich mit ungenutztem Sportrucksack nach Hause, immer noch so daneben, dass ich fast eine grün gewordene Ampel verpasst hätte (Entschuldigung, rücksichtsvolles links abbiegendes Auto, danke fürs Nichthupen).

Während Herr Kaltmamsell die Kartoffeln fürs Abendessen kochte, schnitt und knabberte ich am Jamón.

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In der einen Woche seit Anschneiden ist er ganz schön geschmolzen; mittlerweile kann ich mir gut vorstellen, dass wir den schaffen.

Nachtmahl war Matjes – Sie müssen mir einfach glauben, dass er unter diesem Berg an Zwiebeln, Dill und Äpfeln liegt. Schmeckte ausgezeichnet.

160118_03_Matjes

Danach Schokoerdnüsse und -rosinen, während ich die Twittertimeline und den Techniktagebuchchat des Tages nachlas.

Journal Sonntag, 17. Januar 2016 – Tatsächlich Schnee. Und Zimtschnecken

Montag, 18. Januar 2016

Den ganzen Vormittag über füllte sich instagram mit Schneebildern.

160117_01_Schneeaussicht

In München schneite es den Tag über immer wieder ein wenig, die Vogelfutterstelle auf unserem Balkon war sehr gut besucht.

Seit Monaten wünschte sich Herr Kaltmamsell die Zimtschnecken von Katharina Seiser, die ich unerklärlicherweise seit Jahren nicht mehr gebacken habe. Gestern endlich dann doch.

Ich hatte den Teig schon am Samstagabend geknetet (mit nur 30 Gramm Hefe statt der angegebenen 42 Gramm eines ganzen Würfels), dann in den Kühlschrank gestellt. Hefegebäck schmeckt frisch einfach am allerbesten, idealerweise warm. Da ich aber am Sonntagvormittag zum Sport wollte, hätte ich für frische Zimtschnecken schon um sechs aufstehen müssen – oder den Teig eben schon am Vorabend kneten.

Das klappte wie gewohnt gut: Teig eine Stunde vor Weiterverarbeitung aus dem Kühlschrank geholt, dann Rezept fertiggearbeitet. Diesmal drückte ich die Schnecken auf dem Blech ein wenig flach.

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Ich radelte zum Ostbahnhof zu einer Stunde Aerobic und einer Stunde Gymnastik auf Wackelpolster. Die Straßen waren meist geräumt, die Fahrradwege eher nicht, also radelte ich im lichten Sonntagsverkehr auf der Straße.

Nach dem Turnen las ich den ganzen Nachmittag Internet, Zeitung und Buch, begleitet von Essen: Zimtschnecken (sehr gut), süße, knackige Äpfel, frisch gesäbelten Jamón, dann wieder Zimtschnecken und Äpfel. Bis es Zeit fürs Abendessen war (Reste vom Vortag). Vor komplettem Überfressen schaffte ich es, einige Zimtschnecken einzufrieren.

Abends im Fernsehen den Polizeiruf angesehen, weil die mit Matthias Brandt bislang immer herausragend gewesen waren. So auch dieser.

§

Als Münchnerin wache ich streng über die Regel für Rolltreppen in den hiesigen Bahnhöfen öffentlicher Verkehrsmittel: Rechts stehen, links gehen. Stellt sich heraus, dass das in richtigen Großstädten mit Menschenmassen vielleicht doch nicht die ideale Regel ist.
„The tube at a standstill: why TfL stopped people walking up the escalators“.

In London zum Beispiel hat man ausgerechnet, dass es an einiges Stellen theoretisch viel praktischer wäre, wenn auf den Stufen doppelt gestanden würde. Doch: Wie findet man das praktisch heraus?

In the execution of their own daily miracles, London’s commuters have learned to withstand vast and unpredictable challenges: track closures; signal failures; engineering works. And they have developed a thick skin. But on that particular Friday, the 11,000 of them who got off at Holborn station between 8.30 and 9.30am faced an unusually severe provocation. As they turned into the concourse at the bottom of the station’s main route out and looked up, they saw something frankly outrageous: on the escalators just ahead of them, dozens of people were standing on the left.

We might be bad at dancing and expressing our feelings, but say this for the British: when we settle on a convention of public order, we bloody well stick to it. We wait in line. We leave the last biscuit. And when we take the escalator, we stand on the right. The left is reserved for people in a hurry.

(…)

Last month, as (Harrison) stood on the concourse with all those good ideas up her sleeve and watched the trial unfold, she was a little unprepared for the intensity of the reaction, let alone for the interest of newspapers such as Denmark’s Politiken or the Washington Post. During the three weeks of the Holborn project, those who disapproved of the idea voiced their opinions with alacrity, as a preliminary internal report diligently records.

In München allerdings geht es ja nicht um Menschenmassen (allermeistens). Außerdem heißt es selbst in dem Artikel: „In lots of places, with short escalators or minimal congestion, this doesn’t much matter.“ Puh.

Journal Dienstag, 12. Januar 2016 – #12von12

Mittwoch, 13. Januar 2016

Habe absichtlich für dieses #12von12 auch Bilder zum Vergleich mit dem vergangenen November aufgenommen. Vielleicht wird dadurch besser verständlich, warum ich in den damaligen Jubel „Schon in sechs Wochen werden die Tage wieder länger!“ nicht einstimmen konnte: Jetzt, drei Wochen nach der Wintersonnwende sind sie immer noch deutlich kürzer als damals. Ich passe da genau auf, wenn ich fast jeden Tag um die gleiche Zeit die Theresienwiese kreuze. Am 12. November beleuchtete die Sonne bereits die Theresienhöhe, jetzt hat sie es um diese Zeit noch nicht über den Horizont geschafft.

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Üblicher Tagesbeginn: Milchkaffee, Wasser, Bloggen.

160112_02_Crosstrainer

Eine halbe Stunde auf den Crosstrainer. Das Shred-Ding lasse ich bleiben: Sie haben alle recht, warum sollte ich etwas tun, was ich grässlich finde. Wo ich doch so gar keinen Hang zu zeitgemäßem Flagellantentum habe (als Feuilletonistin würde ich einen Artikel schreiben, der sportliche Qual zum Zwecke der Selbstoptimierung in direkte Verbindung mit den Flagellanten des Mittelalters setzt, die ja spirituelle Selbstoptimierung zum Ziel hatten; an den Haaren herbeigezogen, ergäbe aber 150 Zeilen zustimmend nickende Feuilletonleser).

160112_03_Theresienwiese

Die Bavaria war definitiv noch nicht wach.

160112_04_Verkehrsmuseum

Das Verkehrsmuseum räkelte sich schon.

160112_07_Schnee

Ich war bereits am emsigen Arbeiten, als eine Kollegin den Kopf hereinsteckte: „Schau mal, es schneit!“ Onnööö.

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Mittagessen: Avocado aus der Kibbuzkiste mit Zitronensaft und Salz zermantscht auf selbst gebackenem Brot, zum Nachtisch eine Grapefruit.

160112_09_Sonnenuntergang

Irgendwo da hinten vermutete ich den Sonnenuntergang.

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Heimweg wieder über die Theresienwiese, von St. Paul läutete es. (Um 18:19 Uhr? Warum nur? Ich wünsche mir wirklich ein Kirchenglocken-Shazam.)

Beim Weg über die Theresienwiese immer wieder hoch zum weiten Nachthimmel geschaut, die wenigen Wolken ließen den Blick auf die Sterne frei. Orion entdeckt, mich daran erinnert, wie ich ihn kennengelernt habe: Wie ich nach einer der vielen Studienabschlussfeiern in meinem Freundeskreis im Augsburger Stadtteil Lechhausen mit Herrn Kaltmamsell (den es schon damals gab) hochtrunken auf dem Weg nach Hause war…
Eine schneefreie Winternacht und schon so spät, dass keine Straßenbahnen mehr fuhren. Wie wir also zu Fuß die paar Kilometer nach Hause gingen…
Wie Herr Kaltmamsell mir am klaren Winterhimmel Sternbilder zeigte… Wie mir von der Kombination Alkoholisierung und im Gehen nach oben zu sehen schwindelig wurde und ich tat, was jeder vernünftige Mensch getan hätte: Ich legte mich auf die Straße. So konnte ich ganz unschwindelig Orion betrachten und mir sowohl Gürtel als auch Schwert zeigen lassen.
Die Gastgeberin dieser Feier, so erinnerte ich mich weiter, war Katharina, eine besonders bezaubernder Kommilitonin mit roten Haaren… die hervorragend Cello spielte und nach dem Studium nach London zog. Das letzte, was ich von ihr hörte, war, dass sie bei Einspielungen von Filmmusik mitwirkte… Leider finde ich sie nicht im Web…
Dabei war sie es, der ich mein Rezept für Dorschbrot verdanke… Dorschbrot! Habe ich ja schon ewig nicht mehr gemacht. Sollte ich unbedingt mal wieder…

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Detail im heimischen Treppenhaus.

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Zu Weihnachten hat Herr Kaltmamsell von meinen Eltern einen kompletten spanischen Schinken (jamón) mit Schneidegestell und Messer (jamonero) bekommen. Der wurde gestern in Betrieb genommen.

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Standard-Abendszenario mit Tagesschau.

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Im Bett ein wenig gelesen.

Journal Samstag, 9. Januar 2016 – Mehrgängiges nahöstliches Menü für zwei

Sonntag, 10. Januar 2016

Auf diesen Samstag hatte ich mich gefreut: Vor ein paar Wochen hatte ich die Idee, nach Jahren mal wieder ausführlich nur für Herrn Kaltmamsell zu kochen, ein Abendessen in mehreren Gängen. Ich entschied mich für ein nahöstliches Menü, als Hauptgang zum ersten Mal Harira, die mir in Tel Aviv sehr gut geschmeckt hatte.

Außerdem hatte ich rechtzeitig mit dem Ansetzen des Vorteigs für das große Bauernbrot aus dem Plötzblog begonnen: Ein Brot, das die Anweisung „und 3-4 Tage bei 3-5°C im Kühlschrank lagern“ enthält, bäckt man nicht spontan – fürs Anrühren des Roggensauerteigs hatte ich sogar Herrn Kaltmamsell am Freitagnachmittag um Hilfe bitten müssen, da ich zur erforderlichen Zeit in der Arbeit war.

Mir stand also ein ganzer glückseliger Tag in der Küche bevor. Zumal das Wetter regnerisch und greislich war.

§

Eine Unterbrechung war Shred Level 3. Vorsorglich hatte ich mich mehr als fünf Minuten aufgewärmt und meinen Puls schon mal erhöht, dennoch war das Programm für mich fast nicht machbar. Das mag daran liegen, dass es mir keinerlei Freude bereitet, um Luft zu ringen, vor Schwindel Sterne zu sehen, echte Schmerzen zu haben – vielleicht unterscheiden sich Bewegungsbegeisterte in diesem Punkt grundsätzlich. Ich habe nichts dagegen, wenn Muskeln brennen und es zieht, wenn ich meinen Puls hin und wieder bis zum roten Kopf bringe. Aber Leiden genieße ich nicht, es macht mich böse. Und ich fühle mich danach nicht gut, sondern wütend.

Die wenigen Male, die mich ein Isarlauf so anstrengt, dass ich fast keinen Spaß daran habe, muntere ich mich nicht mit „Quäl dich! Nur so kommst du weiter!“ auf, sondern mit: „Ach, notfalls kannst du das letzte Stück ja spazieren. Ist auch schön.“ Was ich dann doch noch nie getan habe.

Nach dem Shred-Gehetze strampelte ich noch auf dem Crosstrainer, unterbrochen von Brotbackhandgriffen (Temperatur senken, Dampf ablassen).

§

Abends hörte ich in der Küche während der Zubereitung der letzten beiden Vorspeisen BBC 1 – ich hatte Lust auf Radiomusik, die später Aerobicmusik würde. Ich geriet in die „Dancefloor Charts“, die gefühlt immer noch klingen wie während meines Jahrs in Wales vor 25 Jahren. Und dann hörte ich auch noch einen Nachrichtensprecher mit so brutalem walisischen Akzent, wie ihn meine Barmaid-Kolleginnen im Duke of York sprachen: Das transportierte mich endgültig in die Vergangenheit, ich tanzte an der Arbeitsfläche.
Belehrung: Der Bezeichnung „BBC-English“ für received pronunciation ist schon lange überholt. Wie sehr, zeigte dieser Nachrichtensprecher.

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Als Aperitif reichte ich frisch gepressten Grapefruitsaft mit Wodka.
Es gab als Vorspeise Vorspeisen:

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Und zwar:

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Bulgursalat

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Tsatsiki (ich habe den Nahen Osten seeehr frei interpretiert)

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Karottensalat mit Koriander, frei nach diesem Rezept.

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Salat nach Freundeskreis-der-80er-Rezept: Türkische Paprika aus dem Glas, Zwiebeln, schwarze Oliven, Feta, Olivenöl.

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Baba Ganoush (Auberginenpuree mit Tahini)

Dazu stilbrüchig das Bauernbrot, das sehr gut schmeckte, aber einen Fehler hatte (Luftschicht unter der Kruste oben).

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Zur Harira (sehr gut! aber ich glaube, statt Rinderfond tut es auch Wasser) gab es einen israelischen Barkan Pinot Noir.

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Nachtisch, vielleicht hätte die Zuckerkruste dicker sein können.

Journal Mittwoch bis Freitag, 6.-8. Januar 2016 – Dreikönigszeit

Samstag, 9. Januar 2016

Am Dreikönigstag fuhr ich zu meinen Eltern. Während es in München mild und schneefrei war, wurde es ab der Holledau nach Norden immer weißer, in Ingolstadt lag sogar ernsthaft Schnee. Damit hatte ich nicht gerechnet, ich trug völlig unpassendes Schuhwerk.

Ich hatte morgens wieder einen Roscón de Reyes gebacken, dessen Hefeteig einfach nicht hatte aufgehen wollen. Den Tipp von Bäckertochter Novemberregen, eisern so lange zu warten, bis der Teig aufgeht, konnte ich aus Zeitmangel nicht umsetzen: Ich schob das Vieh halt so in den Ofen. Dort entwickelte es zum Glück doch noch Trieb, riss aber natürlich auf.

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Mein (spanischer) Vater erzählte, dass der Roscón seiner Kindheit allerdings anders ausgesehen habe: Der Teig war wohl bunt gewesen, enthielt wahrscheinlich kandierte Früchte. Eigentlich ist es Zeit, dass ich Weihnachten/Silvestern auch mal in Madrid verbringe. Dort hat sich in den 55 Jahren, seit mein Vater emigrierte, sicher einiges geändert, aber interessant wäre es auf jeden Fall. Ich könnte die Familie seines älteren Bruders zwingen, mir traditionelle spanische Weihnachten vorzuspielen, mit Villancicos und allem sonstigen Drumunddran.

Meine Mutter hatte groß für die Familie aufgekocht (mein Bruder samt Frau und Nifften war auch da). In der traditionellen Kulturmischung meiner Familie gab es polnische Hühnersuppe mit Eierstich und bayerischen Leberspäzle, als Hauptgang Truthahn (an Weihnachten typisch spanisch) mit Semmelknödeln (bayrisch), Spätzle (bayrisch-schwäbisch), Rosenkohl, Karotten, Pilzen. Zum Nachtisch Zitronencreme aus dem Packerl, typisch 80er.

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(Ich sag doch: In meiner Familie HAT man Glasteller.)

Die Stimmung bei Tisch war fröhlich (tagespolitische Ereignisse wurden ausgelassen), meine Eltern erinnerten sich, wie sie mich 1992 während meines Auslandstudienjahrs in Swansea, Südwales besuchten. Ich hatte ihnen eine Unterkunft in einem B&B Pferdehof besorgt, und sie erinnerten sich vor allem an die überwältigend freundliche Landlady – mit der sie sich nicht wirklich hatten verständigen können (das Englisch meiner Mutter war wenig und 30 Jahre alt, das meines Vaters nicht existent). Und wie sie Morgen für Morgen die grauenhaften sausages des full English breakfast gegessen hatten, weil sie es einfach nicht fertigbrachten, die lovely Landlady vor den Kopf zu stoßen.
Britische Gene liegen ja wohl eindeutig in unserer Familie.

§

Donnerstag morgens stürzte ich mich in eine weitere Runde Shred, mit fünf Minuten Vorlauf für eigenes Aufwärmen. Ein Problem dieses Level 2 ist für mich nämlich, dass es den Puls zu schnell hochbringt: Schon nach fünf Minuten hopst man kopfunter. Davon wird mir schwindlig und schlecht, also wärmte ich mich selbst erst mal auf.

Erster Arbeitstag nach den Weihnachtsferien, erstaunlich viele Kolleginnen und Kollegen waren schon seit Montag da (eigentlich hatte die Organisation Betriebsferien bis zum Dreikönigstag).

Unter anderem verarbeitete ich die Post für 30 Abteilungsleute von zwei Wochen, pflegte zwei Datenbanken mit Rückläufern der ersten großen von mir bearbeiteten Aussendungen.

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Freitagmorgen sah ich nach dem Aufstehen auf Twitter den Hinweis, dass die ISS um 6:37 Uhr am deutschen Himmel sichtbar sein würde, von Westen nach Osten ziehend (Folgeempfehlung: @DLR_next, wo ein semi-anonymer Mensch sehr persönlich twittert). Vor einiger Zeit hatte ich schon mal eine App installiert, die mich benachrichtigen sollte, wenn die ISS über meinem Himmel zu sehen war – tat sie aber nie.

Ich checkte den aktuellen Tweet,

160108_DLR

indem ich auf den Balkon ging und nachsah: Tatsächlich, da war Jupiter, da war der große Wagen – München hatte eigens alle Wolken abgezogen. Und um 6:37 Uhr wartete ich also mit Herrn Kaltmamsell im Schlafanzug auf die ISS (nachdem ich mir vom Kompass meines Smartphones bestätigen hatte lassen, dass ich die Himmelsrichtungen korrekt im Gefühl hatte). Und da war sie! Sehr hell und überraschend schnell zog sie einmal quer über uns. Egal wie alt du bist: Wenn du die ISS live siehst, winkst du frenetisch.

Nochmal Shred Level 3 (zum 11. Mal, um die Pause auszugleichen, meine persönliche Sportlogik), zu Fuß ins Büro, ruhiger emsiger Arbeitstag.

Abends machte ich mir eine Kartoffel-Lauch-Suppe (Herr Kaltmamsell war aushäusig) und kochte eine Crème brûlée für Samstagabend.

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Lokaljournalismus vom Feinsten: Auf der Wanderung entlang den Auer Mühlbach kommt man in Giesing an einem auffallenden Gebäude vorbei, von dem ich bislang lediglich wusste, dass es der Hauptsitz des Templerordens ist. Hubert Grundner von der Süddeutschen Zeitung wollte mehr darüber wissen und hat mal geklingelt. Bis er eingelassen wurde, dauerte es zwar noch ein dreiviertel Jahr, aber dann konnte er von seinem Blick hinter die Mauern berichten:
„Die Templer von Untergiesing“.

Daraus erfuhr ich unter anderem, dass das Gebäude erst seit 1968 Heimat der Templer ist.

§

Ein schönes und ausführliches Interview mit Stevan Paul, aka Herr Paulsen:
„Interview mit Stevan Paul: Schreibender Kulinariker“.

Wochenende 2./3. Januar 2016 – mit Tipps für Sportstudioanfängerinnen

Montag, 4. Januar 2016

Am Samstag nach unruhiger Nacht um 6 Uhr aufgewacht, mürrisch Milchkaffee getrunken und gebloggt.

Shred wiederaufgenommen (Level 2 war in einer Woche Pause nicht weniger anstrengend geworden) und ein bisschen auf dem Crosstrainer geschwitzt, insgesamt totales Formtief.

Auf eine kleine Einkaufsrunde fürs Wochenendessen gegegangen, das war’s dann aber mit diesem grauen und trüben Draußen für Samstag.

Ich backte Brot, baute gleich mal das in Nizza kennengelernte Pain de campagne nach. Dieses Rezept passte mir zeitlich am besten, ich reduzierte lediglich die Hefemenge (auf 3 Gramm für den Vorteig, 10 für den Hauptteig).

160102_01_Pain_de_campagne

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Klappte gut, das Resultat war mir dennoch ein wenig zu hefig. Das nächste Mal nehme ich mir die Zeit für Lutz Geißlers Variante, die mit nur einem halben Gramm Hefe auskommt, aber halt am Backtag acht Stunden Zeit braucht. (Die „dicke, knusprige Kruste“, von der er schreibt, entspricht allerdings nicht dem Brot, das ich in Nizza gekauft habe: Dort war die Kruste sogar besonders weich.)

Den Nachmittag SPQR gelesen, bis es Zeit war, Abendbrot zu kochen: Shakshuka! Ich hatte seit Freitag riesiges Gelüst darauf gehabe – nach der schweren französischen Küche brauchte ich am Wochenende dringend italienische oder orientalische Gemüsespeisen.

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Am Sonntag fast bis 9 geschlafen, beim Fensteröffnen fürs Lüften ein wenig dem komplett unmalerischen Schneeregen zugesehen. Von diesem ließ ich mich dann auch abhalten, mit den Fahrrad zum Turnen an den Ostbahnhof zu fahren, ich nahm die U-Bahn.

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Sportstudioaussicht.

Nach fröhlichem Stepareobic blieb ich brav zur saublöden Rückengymnastik auf dem Wackeluntergrund „Balance Pad“. Wieder stellte ich mich an wie eine 95-jährige auf Reha. Zumindest die abschließenden Bauchübungen auf dem Boden erinnerten mich daran, dass ich eigentlich recht gut trainiert bin.

So hatte ich es noch nie gesehen, werde es aber zukünftig tun.

Das und ein gestriges Erlebnis bringen mich dazu, Vorsatz- oder sonstwie -Anfängerinnen im Sportstudio hiermit ein paar Praxistipps zu geben, die verhindern könnten, dass jeglicher Spaß an der Bewegung ausbleibt.

Wenn Sie zum ersten Mal in eine Step-Stunde gehen:

1. Kommen Sie pünktlich! Das ist nicht in erster Linie höflich (aber das durchaus auch): Am Anfang fragt die Vorturnerin/der Vorturner, ob jemand zum ersten Mal da ist. An der Reaktion richten die Trainer nämlich den Schwierigkeitsgrad der Schrittkombinationen und die Geschwindigkeit des Aufbaus aus. Wenn, wie gestern, die beiden einzigen Anfängerinnen erst 10 Minuten (!) (!!) nach Stundenbeginn eintreffen, ist diese Chance vorbei: Der erste Block der Choreografie war bereits fast komplett einstudiert, und da zu Anfang nur geübte Hopserinnen im Raum gewesen waren, hatte der Vorturner sie durchaus vertrackt angelegt. Er versuchte sich danach zwar auf die beiden einzustellen (der zweite Block der Choreografie war supereinfach), doch sie waren komplett überfordert.

2. Stellen Sie sich möglichst in die Nähe der Vorturnerin oder des Vorturners. Wenn Sie sich auf die Eingangsfrage als Anfängerin zu erkennen gegeben haben (3. bitte tun Sie das unbedingt), wird sie versuchen, besonders auf Sie einzugehen, das kann sie aus der Nähe am besten. Und selbst sehen und hören Sie so besser, was gerade vorgeturnt wird. Ja, das bedeutet, dass Sie sich sichtbar machen und fühlt sich erst mal ausgesprochen peinlich an. Aber jede ihrer Mitturnerinnen erinnert sich nur zu gut an ihren eigenen Anfang und fühlt mit Ihnen. Unsichtbarkeit haben Sie sich umso schneller erarbeitet, je energischer Sie die Sichtbarkeit in Angriff nehmen.

Zurück daheim empfing mich Herr Kaltmamsell ganz aufgeregt: Nach zwei Jahren waren mal wieder Schwanzmeisen zu Besuch (sie wohnen nicht in unserer Gegend, sondern ziehen immer nur im Januar durch). Und zum ersten Mal trauten Sie sich an unseren Meisenknödel.

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Den Nachmittag über kamen sie immer wieder zu fünft angeflogen und fraßen – so niedlich!

Zum Abendbrot hatte ich winterbitteren Mangold besorgt. Ich briet ihn italienisch mit Knoblauch und einer Chillischote scharf an, servierte mit einer Kugel Büffelmozzarella. (Herr Kaltmamsell stand mit hängenden Schultern daneben und zieh mich, ihm durch Übernahme der Mahlzeitenzubereitung Maskulinität zu entreißen. Ob ich ihm Wolle und Häkelnadel schenken soll, um seine Maskulinität wiederherzustellen?)

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Dazu gab’s die Neujahrsfolge Sherlock, die mir ganz gut gefiel. Ich mochte vor allem die Metadiskussionen über das Sherlock-Narrativ und die Rolle des Erzählers: Sherlock Holmes und Watson kabbeln sich zum Beispiel immer wieder, wie sich Holmes wirklich ausdrückt und was ihm lediglich von Watson zugeschrieben wurde. Oder Mrs. Hudson, die sich darüber beschwert, dass sie in den Geschichten immer nur den Tee bringt und nie etwas sagt. Allerdings fand ich das viktorianische Setting deutlich weniger interessant als das sonstige moderne der Serie.

Journal Donnerstag/Freitag, 31. Dezember 2015/1. Januar 2016 – Nizzasilvester

Samstag, 2. Januar 2016

Dass ich Silvester in Nizza verbrachte, war Zufall: Das ist halt Ende Dezember. Nachdem aber bereits Nicht-Silvester-Nächte in der Altstadt ein rechter Remmidemmi ist, war ich auf Eskalation gefasst: Für viele Menschen ist der Kalenderwechsel mit starken Emotionen verbunden, gerne auch mit aushäusigem Feiern.

Vormittags ging ich mit Herrn Kaltmamsell auf den kleinen Fischmarkt (an diesem Tag wurde nur an drei Ständen verkauft), wir holten Tintenfisch fürs Abendbrot. Ohne Backofen ist meine kulinarische Kreativität eher eingeschränkt. Während mein Reisebegleiter die restlichen Einkäufe für den Abend erledigte, ging ich bei trübem Himmel Laufen an der Promenade des Anglais.

Den Rest des Tages verbrachte ich hauptsächlich mit dem Lesen von Mary Beards dickem SPQR, weiter gebannt und begeistert. Nach draußen zog es mich nicht nochmal. Ich verbloggte meine Bücher 2015, nahm mir mal wieder vor, im nächsten Jahr nun aber wirklich immer sofort Notizen zu ausgelesenen Büchern zu machen, um nicht wieder am Jahresende vor einem Haufen Arbeit zu stehen.

Der Pulpo wurde gekocht und angerichtet, während mich auf Twitter Meldungen über Terroralarm in München erreichten. Oh je – werden wird uns an solche Situationen gewöhnen müssen?

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Herr Kaltmamsell hatte einen lokalen Wein gefunden: Appellation Bellet kommt aus Nizza. Er hatte auch recherchiert, dass die angegebene Traubensorte Rolle die örtliche Variante des Vermentino ist. Danach schmeckte der Wein nun gar nicht, er stellte sich als rechter Holzbomber mit wenig Säure heraus: Mein Begleiter mochte ihn sehr, mir sind derzeit andere Weißweine lieber.

Ins Bett gingen wir wie sonst halt auch im Urlaub, so nach elf. Unglaublicher Lärm draußen, auch ohne Böller: Wo es sich in den Nächten davor einfach nach Party angehört hatte, war ich jetzt sehr an Fußballfans in der Münchner Fußgängerzone erinnert – Brüllen, Johlen, Gröhlgesänge, Hauptsach‘ d’Luft scheppert. Mit geschlossenen Fenstern und Ohropax ging es, ich bin ja Oktoberfest-geübt.

§

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Bedeckter Abschied von Nizza. Um 10 Uhr kam unser Vermieter zur Schlüsselübergabe. Wir nahmen den Bus hinaus zum Flughafen. Ereignislose Rückreise, im Flughafen Nizza wird gerade umgebaut.