Fotos

Journal Freitag, 12. Juni 2015 – #12von12 und #distractinglysexy

Samstag, 13. Juni 2015

Auch gestern wurde ich erst in der Arbeit daran erinnert, dass wieder #12von12 war. Mein Plan war gewesen, heute eine Reihe Rosenfotos zu zeigen (ist heuer ein besonders gutes Rosenjahr? noch nie sind mir auf meinen Wegen so prächtige Rosen aufgefallen), also hatte ich zumindest nach meinem Crosstrainerstrampeln auf dem Weg in die Arbeit bereits Fotos gemacht.

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Eigentlich streikt ja die Post. Deshalb war ich überrascht, als es morgens an der Firmentür klingelte und ich eine Lieferung Büromaterial erhielt, das ich erst am vorherigen Nachmittag bestellt hatte.

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Eine Kollegin meldete sich über Skype aus dem Home Office wegen eines Computerproblems. Ich konnte ihr nicht nur helfen, sondern schickte ihr auch den Link zu DEM Tipp schlechthin für alle Computerprobleme.

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Ein sommerlicher Tag, der Biergarten vor dem Fenster war ausgelastet.

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Mittags Zeitung gelesen, Brotzeit waren Reste der vorabendlichen Mahlzeit.

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Ereignisloser Arbeitstag. Betrachtung der Heerscharen von Symbolen an meinem Bildschirmrand – ich nehme keines davon wahr.

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Feierahmd!

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Erst diese Woche fiel mir auf meinem Heimweg ein Haus an der Theresienwiese auf, Höhe St. Paul, von dem ein Einhorn herabblickt. Gestern hielt ich es fest.

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Die Linden sind gerade in voller Blüte und duften – betörend Hilfsausdruck.

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Einen so schönen und auch noch freitäglichen Sommerabend wollte ich draußen verbringen. Nachdem ich mir bei jedem Vorbeiradeln denke, „Warum gehen wir eigentlich nicht mal hierhin?“, spazierte ich mit Herrn Kaltmamsell zum Biergarten des Paulaner Bräuhauses. Wir hatten Mühe einen Platz zu finden, denn ein Drittel des Biergartens war von einer Firmenteambuildingveranstaltung okkupiert, in internationaler Zusammensetzung. Über unserem Abendbrot erklärte ich Herrn Kaltmamsell (dem als Lehrer solche Dinge völlig fremd sind), was er da sah: Businessmenschen in Freizeitkleidung, in diesem Fall inklusive Partnern/Partnerinnen, spielen in Gruppen Spiele gegeneinander, das ganze in einer Umgebung mit heftiger und deutlich lokaler Kultur (die heimischen Gastgeber trugen auch brav Lederhosen und Karohemd), man trinkt Alkohol und vergnügt sich energisch auf eine Art und Weise, die einem in privatem Umfeld sehr wahrscheinlich nie in den Sinn käme – das ist ja das Bereichernde daran.

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Unangenehmerweise nahmen die teambuildenden Herrschaften die Veranstaltung sehr ernst: Sie jubelten und feuerten in einer Lautstärke an, dass mir nicht nur mehrfach vor Schreck fast die Gabel aus der Hand fiel, sondern auch Konversation unmöglich wurde. Obwohl ich mir eigentlich den ganzen Abend im Biergarten vorgestellt hatte, brachen wir deshalb so bald wie möglich auf. Hinter uns riefen erste nicht teambuildende Biergartengäste: „Shut! Up!“

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Heim wollte ich aber auf keinen Fall, also spazierten wir ins Auroom. Diese ernsthafte Cocktailbar war dann auch genau das Gegenteil eines lärmenden Biergartens und herrlich entspannend. Ich bat um den furztrockenen Schokoladencocktail, der mich hier vor Jahren begeistert hatte (Dry Chocolate Martini, wie sich herausstellte), Herr Kaltmamsell orderte einen Auroom Old Fashioned, der mit einer Glas füllenden Eiskugel serviert wurde. Beides ganz ausgezeichnet.

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Danach hatten wir Lust auf mehr. Ich fragte den Barkeeper Alexander, ob es denn sehr albern sei, beim Cocktailbestellen von einem bestimmten Glas auszugehen: Ein bauchiger Tumbler im beleuchteten Regal hatte es mir angetan. Der Herr ging darauf ein, erklärte mir aber, das sei eigentlich ein Wasserglas, abgesehen davon werde darin guter Rum pur serviert. Darauf hatte ich aber gerade keine Lust. Er bot mir einen ähnlichen Tumbler an, in dem klassischerweise Sours serviert würden. Nachdem er ein paar Vorlieben abgefragt hatte (gerne sauer und frisch, Rum ist ok), bekam ich einen Five Island Sour (wenn ich das richtig verstanden habe).
Herrn Kaltmamsell gelüstete es nach sowas wie Brandy Alexander. Daraus wurde der süße Cocktail Rumkugel mit Rummen, Macadamia, Schokolade, Karamell.

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§

Außerdem möchte ich unbedingt ein paar von den Wissenschaftlerinnen festhalten, die sich auf Twitter über den Nobelpreisträger Tim Hunt lustig machten:

Tim Hunt, an English biochemist who admitted that he has a reputation for being a “chauvinist”, said to the World Conference of Science Journalists in Seoul, South Korea: “Let me tell you about my trouble with girls … three things happen when they are in the lab … You fall in love with them, they fall in love with you and when you criticise them, they cry.”

Unter dem Hashtag #distractinglysexy illustrierten sie die Gültigkeit seines Vorwurfs. Hier einige Beispiele. (Nebeneffekt: Haufenweise Fotos von weiblichen Rollenvorbildern in Forschung und Wissenschaft!)

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Journal Samstag/Sonntag, 6./7. Juni 2015 – Sommerlicher Reality Check

Montag, 8. Juni 2015

Am Samstag mit Ohrwurm aufgewacht: Beethoven 7. Sinfonie, 2. Satz, der in meinem Kopf spielte, seit ihn Klassikradio am Sonntag davor in Schwiegervaters Auto sendete. Zur Bekämpfung ein paar Mal angehört (zu nett, wie erst die Triolen, dann Achtel, dann Viertel dem Motiv entgegen gesetzt sind). Der Rest der Sinfonie klingt ja eher wie ein mittelguter Soundtrack für Touristikwerbung.

Morgenkaffee auf dem Balkon.

§

Wieder zum Schwimmen ins Schyrenbad gefahren, diesmal nicht so gedankenverloren Bahnen gezogen wie am Fronleichnamsdonnerstag, unter anderem weil die Hälfte der Mitschwimmer und Mitschwimmerinnen mit Hilfsmitteln unterwegs waren.

Trocknen und Musikhören in der Sonne. Amüsement über eine Gruppe junger Männer hinter mir, die Bier tranken, lachten, rauchten, fröhlich und völlig unironisch Stadlandfluss spielten, mit Papier und Kuli.

Wieder festgestellt, welch hervorragender Reality Check für Körper ein Freibadbesuch ist; Werberinnen, Marketingmenschen, Frauengazettenredakteure und
-redakteurinnen sollten regelmäßig zu einem Besuch gezwungen werden. Der Stand dieses Jahr: Es gibt immer noch Körper ohne sichtbare Tätowierungen, ich bilde mir ein, dass die Vielfalt der angeborenen Hautfarben etwas größer wird.

§

Abends mit Herrn Kaltmamsell zur Feier eines 50. Geburtstags ins Fürstenfeldbrucker Hinterland, per S-Bahn und wundervoller Fahrradfahrt über grüne Felder. Das Augustiner vom Fass schmeckte dann fast ein bisschen zu gut.

Das angekündigte Gewitter verschob sich zum Glück so weit in die Nacht, dass wir erst zurück in München für die letzten Meter von S-Bahnhof nach Hause den Regenschutz brauchten.

§

Am wieder sonnigen Sonntagmorgen mit Kopfweh aufgewacht, das gefährlich nah an Migräne war. Das konnte ich gar nicht brauchen, denn ich wollte zur Generalversammlung des Kartoffelkombinats nach Schönbrunn. Ich versuchte also die Anzeichen zu ignorieren, erst der besorgte Blick von Herrn Kaltmamsell auf mich, als ich nach einem Aspirin sehr jämmerlich über meinem Morgenkaffe saß, schickte mich zurück ins Bett – und dass der Herr unsere Anreise nach Schönbrunn genau berechnet hatte, die mir die Möglichkeit dazu versprach.
Siehe da: 45 Minuten zusätzlicher Schlaf vertrieben tatsächlich Kopfschmerzen und leichte Übelkeit, ich stand mit einer Munterkeit auf, die man nur Putz- bezeichnen kann.

Apropos Tourismus: In der S-Bahn nach Röhrmoos erheiterte mich ein Werbeplakat.

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Meine Fantasie spielte mir ausführliche Szenen zwischen Kunden und Agentur zu, die zu diesem Ergebnis geführt haben mögen. Hebe mir das als Beleg auf, wie Kommunikation komplett den Anschluss zur Zielgruppe verlieren kann.

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Radeln in schönster Sonne vom S-Bahnhof Röhrmoos nach Schönbrunn. Ich war zum ersten Mal in der Gärtnerei, die seit Anfang des Jahres Stammhaus unseres Kartoffelkombinats ist und freute mich über die Führung.

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Überraschung: Eine Mitgenossenschaftlerin sprach mich an und stellte sich als Leserin meines Blogs heraus – eine sehr schöne Begegnung.
Die Generalversammlung verlief spannend und harmonisch (Bild vom Vorstandstisch aus). Und da mag ich schon einige Hauptversammlungen gesehen und mitorganisiert haben: Ein stellvertretender Aufsichtsratvorsitzender mit winzigem Baby auf dem Arm war für mich ein erstes Mal.

Erfreuliche Neuigkeit aus der Generalversammlung: Wir werden Äpfel haben! Auf dem letzten Bild oben sieht man, dass dieser alte Gemüsehof noch mit Obstbäumen zwischen dem Beeten bestückt ist. Das sind Apfelbäume, die umständehalber seit vielen Jahren nicht geerntet wurden: Das können die Beschäftigten der Einrichtung nicht. Aber wir Genossenschaftlerinnen können! Ich freue mich schon sehr auf den Ernteeinsatz im Herbst.

Diskutiert wurde unter anderem der Wunsch nach mehr Mitbestimmung bei der Auswahl der angebauten Gemüse. Ich gestehe, dass mein Bild von solch einer Genossenschaft ursprünglich genau so etwas enthalten hatte: Wie wir gemeinschaftlich bestimmen, was in welchen Mengen angebaut wird. Doch ich bekam schon bald mit, dass dieser Aspekt, wie so vieles, ausgesprochen komplex ist. Einen tieferen Einblick erhielt ich vor einem halben Jahr, als die Gärtnerei Schönbrunn vorgestellt wurde und Vorstand Simon das Excel-Sheet mit der Anbauplanung per Beamer vorzeigte. Selbst in dieser nach eigenen Aussagen vereinfachten Form gehörten zu den Faktoren:
– Bodenbeschaffenheit in der eigenen Gärtnerei und den vier Partnerbetrieben
– Anbauhistorie der Böden. Gestern erfuhr ich zum Beispiel, dass in Schönbrunn für uns heuer eine Fläche bewirtschaftet wird, die viele Jahre lang brach lag: Der Boden ist dadurch schwer und lehmig, er kann erst mal nur mit „Pionierpflanzen“ wie Kürbis bebaut werden.
– Zusammensetzung des Maschinenparks
– Mikroklima
– Wie man die Beschäftigten in Schönbrunn einsetzen kann: Die Gärtnerei ist ja ursprünglich und immer noch in erster Linie Arbeitsplatz für geistig Behinderte, die hier zum Teil schon viele Jahr arbeiten – und deren Arbeitskraft sich halt nicht an Hochleistung und Effizienz ausgerichtet planen lässt.
– Jahrezeit
– Welche Samen in welcher Qualität wann zur Verfügung stehen
– Sonstige Pläne der Partnerbetriebe, mit denen auf Augenhöhe kooperiert wird.
Und das verbunden mit dem ehrgeizigen Ziel des Vorstands, so viel Vielfalt wie möglich zu bieten.
Bei dem allen ist zwar Raum für Experimente, doch unterm Strich muss vor allem die Versorgung der mittlerweile 700 Haushalte des Kartoffelkombinats gesichert sein. Ich sehe ein, dass Mitspracheforderungen von Genossenschaftlerinnen diese ohnehin unglaublich komplexe Planung sprengen.

Es macht mir enorm Spaß, immer mehr Hintergründe des nachhaltigen regionalen Gemüseanbaus zu erfahren, der solchen Anforderungen gerecht werden muss – und sich in fast keiner Weise vergleichen lässt mit spielerischem Ausprobieren auf ein paar Quadratmetern Gemüsegarten hinterm Haus.

Auch dies also ein Reality Check.

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Auf dem Heinweg warteten wir am S-Bahnhof Röhrmoos in sengender Hitze eine gute halbe Stunde auf den Rücktransport. Daheim Freude über die kühle Wohnung. Ich bügelte mal wieder auf, hörte dabei Holgis WRINT, in dem Andrea Diener von ihrer Marokkoreise erzählte.

Abends spontan Spargel, den die Nachbarin Herrn Kaltmamsell fürs Blumengießen geschenkt hatte, danach Erdbeeren mit Sahne, dazu Wiener Tatort.

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Von wegen Hintergründe von Bio-Anbau. Haben Sie sich schon mal gewundert, warum es so wenige Erdbeerfelder zum Selberpflücken in Bio gibt? Das Hofgut Letten erklärt:
„Was ist beim Anbau von Bio-Erdbeeren anders?“

via Kartoffeldruck des @kartoffelkombi

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Am Samstag ist Pierre Brice gestorben, meine Twitter-Timeline war voller Winnetou-Erinnerungen.

Selbst sah ich die Winnetoufilme als Kind nicht im Fernsehen: Sie wurden nach der Tagesschau gesendet, da lag ich schon im Bett. Und Sendungen nach der Tagesschau durfte ich bis ins Teenageralter eh nicht sehen. So bekam ich sie aus zweiter Hand mit: Die Nachbarskinder mit weniger restriktiven Eltern waren schwer beeindruckt von den Filmen und wollten Szenen daraus nachspielen. Das bedeutet allerdings keine schlüssige Nacherzählung, sondern immer die Information, die man fürs Nachspielen der vorgeschlagenen Szene brauchte. Das war aufregend und großartig, ich konnte die Faszination sehr gut nachvollziehen.
Als ich dann viel später die Winnetoufilme sah, war ich tatsächlich eher enttäuscht und erst durch Bully Herbigs Schuh des Manitu mit dem Stoff versöhnt.

Noch viel später hatte ich eine wunderbare Arbeitskollegin, die sich aus vertrauter Runde gerne mal mit dem Winnetou-Apachen-Gruß verabschiedete (zwei Finger würdevoll von der Schulter nach vorne). In meinem Kopf setzte immer augenblicklich die Filmmeldodie ein.

Journal Mittwoch/Donnerstag, 3./4. Juni 2015 – Sommerstart

Freitag, 5. Juni 2015

Am Mittwoch ein ziemlich spätes erstes Mal der Saison: Frühstückskaffee auf dem Balkon.

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In der Arbeit nochmal daran erinnert worden, warum ich da unbedingt weg wollte. (U.a. Auftraggeber, die erst nach Erteilung von Auftrag nachdenken, was sie wollen.)

Feierlicher Abend mit riesigem Porterhouse Steak von Rind aus Hermannsdorf (dazu großartiges Karottengrünpesto, von Herrn Kaltmamsell hergestellt) und spanischem Lieblingsrotwein.

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Fronleichnam begann ich wieder mit Kaffee auf dem Balkon. Die Amseln, die wir regelmäßig mit Rosinen füttern, störten sich kaum an meiner Anwesenheit. Zwei Eichhörnchen beim Spielen beobachtet, mich an einem jungen Kleiber gefreut, der ungewöhnlich wenig schreckhaft ist (sonst fliegen Kleiber bei jeder Bewegung auf dem Balkon fort), aber das Fressen am Meisenknödel noch nicht kann: Er muss sich mit den herabgefallenen Bröseln begnügen.

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Dann: Eröffnung der Freibadsaison (eine Woche zuvor hatten wir noch geheizt, verrückt). Am und im Schyrenbad ging es zu wie an einem Feiertag in den Ferien, dennoch konnte ich ganz gut Bahnen schwimmen. Nach fast zwei Monaten Pause hätte ich mich durchaus mit weniger als 3.000 Metern begnügt, doch es lief wunderbar.

Als ich nach der Schwimmrunde zu meinem Handtuch zurück kam, machte sich gerade auf einem ausgebreiteten Liegeplatz nebenan eine Krähe über eine Bäckertüte her. Ich verscheuchte sie und wies eine Handtuchnachbarin lachend darauf hin. Die meinte lediglich lapidar, sie habe schon öfter beobachtet, wie Krähen Brotzeit klauten. Und tatsächlich kam die Krähe zurück und zupfte weiter an der Papiertüte. Bevor ich sie vertreiben konnte, hatte sie schon eine Vollkornsemmel im Schnabel und flog davon. Sie (oder eine andere Krähe) kam ein paar Minuten später zurück und näherte sich wieder dem einsamen Liegeplatz mit zerrissener Bäckertüte. Diesmal blieb ich aber daneben stehen, bis die Krähe sich trollte.

Ich legte mich mit diesem Ausblick auf meine Decke.

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Wenn Bügeln meine Gelegenheit ist, Podcasts zu hören, höre ich im Freibad am ausgiebigsten Musik. Über den Winter hat sich Herr Kaltmamsell die Mühe gemacht, die zahlreichen Mischkassetten zu digitalisieren (sowie zu identifizieren und beschriften!), die mir in den 80ern und 90ern Freunde und Freundinnen aufgenommen haben, manche auch ich selbst; das geht von damals aktueller Popmusik über Themenkassetten mit Blödsinn (teilweise eigens eingesprochen) und Filmmusik bis zu Demos von Lokalbands und Konzertmitschnitten des eigenen Chors. Diese 370 Stücke begann ich in Zufallsauswahl zu hören und war praktisch durchgehend am Schmunzeln.

Zweimal wurden im Freibad Eltern kleiner Kinder ausgerufen (einmal 2, einmal 4 Jahre alt), die elternlos im Plantschbecken gefunden worden waren – sind Freibäder der Autobahnrastplatz fürs Kinderaussetzen?

Daheim Arbeitsvertragsformulare ausgefüllt, Unterlagen zusammengesucht, offene Fragen notiert.

Zum Nachtmahl echtes Sommeressen: Wassermelone mit Feta und Minze – sehr 2012, ich weiß.

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Dazu den letzten Film der Cornetto-Trilogie: The World’s End. Gefiel mir sehr gut (vor allem möchte ich bitte noch viel mehr Nick Frost sehen), aber mein Liebling bleibt Hot Fuzz.

§

Sarah Miller ist ausgesprochen sauer über eine weitere Geschichte, die beweisen soll, dass Weinexperten nur Blödsinn daherreden. Ihre Tirade ist unter anderem lesenswert, weil sie viele Aspekte der aktuellen Fachdiskussion über Weine und Weinanbau anspricht. Und weil sie viele Standardargumente gegen die Möglichkeit einer schieren Existenz von Weinkennerschaft auseinander nimmt.
„Cheap wine sucks: A manifesto“.

People from a 2008 study of people who don’t know anything about wine, and now also this small part of the staff of Vox, like cheaper wine. That’s fine. Cheaper wine is generally sweeter and people in general, especially Americans, like sweet things. In particular, that $8 Santa Rita Cabernet is from a huge producer, and those huge producers notoriously deploy additives—things like oak chips and weird grapey flavors—so their wines are universally appealing. Imagine a study where you asked 19 people to try Honey Nut Cheerios alongside some more expensive and less adulterated cereal, except the Honey Nut Cheerios were liquid and red and after two bowls of them you wanted a cigarette, and afterwards most of the people in the study were like “Honey Nut Cheerios rule.”

(…)

There’s no separating the anti-intellectualism about wine knowledge from other kinds of anti-intellectualism.

via @ankegroener

Journal Dienstag, 2. Juni 2015 – Arbeitsvertrag

Mittwoch, 3. Juni 2015

Gerädert aufgewacht, mit Kopfweh und Sportschmerzen – war das etwa zu viel Bewegung am Wochenende? Unwahrscheinlich, ich halte einen Infekt für wahrscheinlicher, den der Körper gerade mit viel Energie niederkämpft.

Aber nachdem ich schon am Montag eine außerplanmäßige Sportpause eingelegt hatte, radelte ich trotzdem zum Krafttraining. War entsprechend anstrengend.

Sonnentag mit wunderbaren Düften, im Büro wieder nichts zu tun gehabt.

Fürs Techniktagebuch aufgeschrieben, wie ich seit fast 10 Jahren meine Alterung per Automatenfotos festhalte.

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Daheim ein großer Umschlag vom prospektiven Arbeitgeber:

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Jetzt dürfen Sie mir gratulieren (was zu meiner großen Rührung bereits viele auf Twitter getan haben). Am 6. Juli trete ich also in der Kommunikationsabteilung der größten Forschungsorganisation für anwendungsorientierte Forschung in Europa1 meinen neuen Job als Organisations- und Redaktionsassistenz an. HU! RRA!

Nun war ich gestern Abend allerdings nicht auf Feiern eingestellt und hatte keinen Appetit auf Alkohol. Ich feiere nach. Sicher mehrfach. Erwähnte ich, dass ich mich sehr auf den Job freue? Und dass das mein Traumarbeitgeber ist?

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Die Cambridge-Professorin für Altphilologie Mary Beard sitzt gerade korrigierend über Examensklausuren und macht sich Gedanken darüber, ob ihre Studenten und Studentinnen immer blöder werden (Tipp: Nein.):
„Exams, and dumbing down“.

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Hochinteressante Grafik im Economist: In welcher Wikipediasprache ist welches Thema am uminstrittensten. (Wenn auch von August 2013.)
„Edit wars“.

  1. Das finden Sie. Ich bitte um Diskretion. []

Journal Sonntag, 31. Mai 2015 – Besuch aus Bonn

Montag, 1. Juni 2015

Weil das Wetter so schön war: Nochmal ein Isarlauf, diesmal von der Wittelsbackerbrücke flussaufwärts und deutlich kürzer.

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Frühstücksverabredung mit Besuch aus Bonn, die sich zu einem Spaziergang an der Isar ausdehnte – am frühem Nachmittag waren die morgens noch so ruhigen Wiesen dicht bevölkert, und Grillschwaden hingen überm Wasser. Ins Gespräch vertieft, holte ich mir den ersten Sonnenbrand der Saison.

Journal Freitag, 29. Mai 2015 – Robinienblüte

Samstag, 30. Mai 2015

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Es ist gerade heftigste Robinienblüte (diese Bäume hatte man mir als Akazien beigebracht, das sind sie aber gar nicht, und jetzt frage ich mich, ob dann Akazienhonig in Wirklichkeit Robinienhonig ist). Und so duftete es an diesem zweiten Sonnentag in Folge durch ganz München.

In der Arbeit so wenig zu tun, dass es einer Freistellung gleichkommt. Internet leergelesen.

Zum Nachtmahl in den Schnitzelgarten. Mit genügte ein wenig Wurstsalat, nachdem ich in einer nachmittäglichen Fressattacke (habe ich ausgesprochen selten) über die Konferenzkekse hergefallen war.

Einen weiteren Edgar Wright-Film angesehen, Shaun of the Dead. Ich fand ihn ganz amüsant, allerdings bei Weitem nicht so brillant wie Hot Fuzz. Das heißt: Soweit ich sah, denn diese Art Spannung ist einfach nichts für mich, ich stieg nach der Hälfte wegen Gehtnicht aus. Und ließ mir den Rest am nächsten Tag erzählen. Ja, klingt witzig.

§

Peter Glaser über uns „digitale Amphibien“:
„Die helle, anstrengende neue Welt“.

§

Immer wieder gut:

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Journal Donnerstag, 28. Mai 2015 – Klagenfurt gesichert

Freitag, 29. Mai 2015

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Ein Kaninchen gibt’s ja noch (das kranke habe ich nicht mehr gesehen, weiß aber jetzt durch Ihre Kommentare, dass ich das nächste Mal die Tierrettung anrufe), und es stört sich beim Grasen im Nebengrundstück nicht am Pause machenden Personal.

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Persönliche Anwesenheit beim diesjährigen Bachmannpreislesen gesichert (gestern wurden die Kandidaten und Kandidatinnen veröffentlicht): Künftige Chefin ist einverstanden, dass ich meinen neuen Job ein paar Tage später antrete, Zugticket ist besorgt, diesmal habe ich mich sogar offiziell akkreditiert und dabei dieses Blog als „Verlag/Medium“ angegeben.

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Mittags über meiner Süddeutschen sehr gelacht: Roman Deininger schreibt eine Seite 3 über meine Geburtsstadt Ingolstadt:
„Zur Sonne“. (Online lesbar für nur 1,99 Euro!)

Der atmosphärische Einstieg kommt erst nach der Rechtfertigung für den Artikel: Der Fußballverein der Stadt, ein Zusammenschluss der zu meiner Zeit heftig konkurrierenden Vereine ESV und MTV, ist in die erste Fußballbundesliga aufgestiegen. Doch dann rein in die Athmo:

Kurz vor 21 Uhr, Dämmerung legt sich über den größten Tag in der Geschichte des Ingolstädter Sports.
In der Theresienstraße1 spürt man den Puls der Stadt. Sie ist fast leer.

Roman Deininger beschreibt den heutigen Hauptanziehungspunkt der Stadt:

Ingolstadt Village muss man sich vorstellen wie Disneyland ohne Tiere.

Er geht durchaus tiefer, unterhält sich mit dem Audi-(=Ingolstadt-)Werkleiter, beschreibt die charakteristischen Festungsbauten, hinter denen sich Ingolstadt bis heute verschanzt.

Früher hat man kaum sagen können, dass Ingolstadt mit einem Imageproblem kämpft. Es kämpfte ja niemand.

Ich kann der Stadt auch weiterhin nichts konkret vorwerfen, und sie hat sich seit meinem Wegzug vor bald 30 Jahren auch sehr verändert.
Aber für mich wird die Atmosphäre dort immer die sein, die Marieluise Fleißer in ihren Theaterstücken transportiert. Auch wenn das Stück heute nicht mehr Pioniere in Ingolstadt, sondern Autobauer in Ingolstadt hieße.

§

Ich würde ja auch hierüber lachen, wüsste ich nicht, dass dieser Beweis für die völlige Willkür von Ernährungstipps in Medien (dazu zähle ich auch nicht-universitäre Bücher) keinerlei Konsequenzen haben wird.
„I Fooled Millions Into Thinking Chocolate Helps Weight Loss. Here’s How.“

The study was 100 percent authentic. My colleagues and I recruited actual human subjects in Germany. We ran an actual clinical trial, with subjects randomly assigned to different diet regimes. And the statistically significant benefits of chocolate that we reported are based on the actual data. It was, in fact, a fairly typical study for the field of diet research. Which is to say: It was terrible science. The results are meaningless, and the health claims that the media blasted out to millions of people around the world are utterly unfounded.

(…)

Here’s a dirty little science secret: If you measure a large number of things about a small number of people, you are almost guaranteed to get a “statistically significant” result. Our study included 18 different measurements—weight, cholesterol, sodium, blood protein levels, sleep quality, well-being, etc.—from 15 people. (One subject was dropped.) That study design is a recipe for false positives.

(Hervorhebung von mir.)

via @DonnerBella

Ich sehe immer bessere Chancen für meine Geschäftsidee Paläo-Brot (Details bekommen Sie kurz vor go life, dann werde ich eh meine Blogkontakte ausschlachten).

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Apropos unmoralisches Marketing: Abends ließ ich mich unter dem Einfluss von drei Gläsern Rosé dazu hinreißen, auf eine PR-Einladung zu einem „glutenfreien“ Event mit einer C-Prominenz, die sich anscheinend durch dreifache Fortpflanzung zur Ökotrophologin qualifiziert hat, ernsthaft zu antworten. Unwahrscheinlich, dass meine Anregung, die Miete doch lieber mit einer anständigen Tätigkeit zu verdienen, bei der absendenden „Junior PR-Consultant“ auf offene Ohren stoßen wird.

  1. mit Ludwigstraße die zentrale Fußgängerzone im Zentrum Ingolstadts []