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Journal Donnerstag, 5. Januar 2017 – Es wird eisig

Freitag, 6. Januar 2017

Wie angekündigt hatte der Frost angezogen. Doch mit Schneeschuhen, einer warmen Mütze und in zackigem Marschtempo war der Arbeitsweg nicht zu unangenehm.

Morgens.

Nach Feierabend.

Große Freude auf drei freie Tage am Stück.

Abends Vorbereitung einer re:publica-Einreichung zu dritt über Google Hangout – wie sehr ich technischen Fortschritt schätze!

§

Was machen Kinder eigentlich im Internet?
„Kinder im Netz
Was machen die da?“

§

Laurie Penny macht sich Gedanken darüber, unter welchen Umständen sie als strong bezeichnet wird und unter welchen als weak – und was das über unsere Gesellschaft aussagt.
„Meltdown of the Phantom Snowflakes“.

It used to mystify me when people told me how strong I must be, until I realized that it’s always after I am harassed in public, which is something that happens to me on the regular, as it does to most women who dare to express political opinions online.

(…)

When I fight back, though, when I continue to write about injustice in the face of the bullying campaigns that are daily life for every female activist I have met, precisely when I feel strongest—that’s when I’m told I’m weak. A crybaby. Special snowflake. Whiner.

Sie schaut sich an, welche sonstigen Frauen diese Sprecherinnen und Sprecher als strong bezeichnen:

Their mother was strong. Strong enough, it is implied, not to need liberating. Strong enough to bear unfairness. Strong enough that her children could come to terms with it, too.

(…)

… the fact that this retort comes up so often speaks to a different understanding of strength, a different positioning of strength against struggle. A strong woman is a woman who bears oppression with minimal complaint. She suffers the injustices of her sex and race and class without collapsing, at least not where others can see.

Journal 30./31. Dezember 2016 – Mallorquinisches Essen und Laufstrecken aus aller Welt

Sonntag, 1. Januar 2017

Am Freitag soweit mir möglich gegammelt:
Morgens zu café con leche gebloggt. Zum Mercat Santa Catalina, frühstücken (eher Herr Kaltmamsell, mir war es für echten Appetit noch zu früh).

Das links unten ist eine Tortilla in Brotlaib-Größe: Innen noch weich, mit recht großen Kartoffelstücken, schmeckte hervorragend. Rechts unten: Pica pica, die örtliche, leicht scharfe Zubereitung von Sepia.

Neben heimischen Orangen (schauen so wenig nach Supermarkt aus wie bei uns die Äpfel vom Baum) kaufte ich an einem kleinen Marktstand ein, der offensichtlich nur Lokales anbot (Käse, Pressack, Leberwurst, Oliven). Mit dem jungen schneckelhaarigen Verkäufer, der nur einen Rauschebart vom Hipster entfernt aussah, fachsimpelte ich über Hausschlachtungen und das Würzen von Leberwurst (die er mir zum Probieren rüberreichte, schmeckte deutlich nach Sternanis). Apropos: Rauschebärte und Männerdutts sehe ich auch hier, allerdings trugen schon immer mehr Spanier kurze Vollbärte als Deutsche: Viele Herren haben einen so starken Bartwuchs, dass sie sich – wie mein spanischer Vater – abends zum Ausgehen nochmal rasieren müssten (-> five o’clock shadow); da ist es bequemer, sich gleich einen Bart stehen zu lassen.

Wir sahen uns das Museum moderner und zeitgenössischer Kunst Es Baluard an.

Im Park daneben setzten wir uns auf die Sonnenterrasse des Cafés und tranken etwas: Meine guilty pleasure ist wegen Kindheitserinnerungen Fanta de limón. Schmeckt wie Bitter Lemon ohne bitter, ich bilde mir aber ein, dass sie in meiner Kindheit noch süßer war. Wir lasen hier, dann an der Uferpromenade, und als sich die Sonne senkte in unserer Ferienwohnung. Bis ich Swing Time von Zadie Smith ausgelesen hatte (Details in den Büchern 2016).

Abendbrot im Restaurant Es Baluard. Zu Kichererbsen und Spinatsalat (Vorspeisen), Ochsenschwanz und Entenbrust (Hauptspeisen) tranken wir einen schönen mallorquinischen Rotwein: Anima Negra, Brombeeren, Thymian, leichte Frucht, entwickelte sich im Glas interessant. Reservieren wäre gar nicht nötig gewesen, an den leeren Tischen sah man, wie sehr gerade nicht Saison ist. Dafür feierte eine vielköpfige junge Gruppe nebenan Geburtstag.

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Am gestrigen Samstag ging ich (nach Ausschlafen und Morgenkaffee) endlich Laufen – ich werde doch nicht die Sportsachen ungenutzt zurücktragen!

Nachmittags nochmal ein Spaziergang in der Sonne: Ich baute Vitamin D auf Vorrat und blieb an so vielen Blüten stehen wie möglich – schließlich war es das ab morgen für die nächsten drei bis vier Monate. Als ich das aussprach, munterte mich Herr Kaltmamsell auf: „Ich geh‘ mit dir auch in den Blumenzoo!“ (Stimmt, ein Besuch im Münchner Botanischen Garten könnte die karge, blütenlose Zeit überbrücken.)

Nochmal Tapas brotzeiten im Freien, noch ein Bierchen in der Sonne.

Silvesteressen waren die lokalen Leckereien vom Markt zu einem örtlichen Bio-Weißwein Km.1.

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PokémonGO im Mittlalter.

Journal Donnerstag, 29. Dezember 2016 – Mallorca, Ausflug nach Sóller

Freitag, 30. Dezember 2016

Gestern war Ausflugtag. Ich hatte sogar den Wecker gestellt (also die Weckfunktion des Smartphones – das versteht sich heutzutage von selbst, oder?), denn wir wollten den 10-Uhr-Bus vom Bahnhof in Palma nach Sóller nehmen. Dazu spazierten wir in ziemlicher Kälte durch die erwachende Stadt, ich sah überraschend viele Radler (mein Spanienbild ist halt zu großen Teilen in den 70ern und 80ern stehen geblieben). Und Windmühlen an überraschenden Orten.

In 20 Busminuten (und für nur 3,20 Euro pro Person) erst durch Gewerbegebiet, dann durch Orangen- und Olivenplantagen, dann durch den Tunnel waren wir in Sóller; mit uns fuhren vor allem andere Touristen, einige davon in Wanderausrüstung.

Eigentlich naheliegend, dass es hier auch kletternde Dreikönige gibt: Hl. Dreikönig ist in Spanien ein wichtiger Feiertag, traditionell gab es hier die Geschenke für die Kinder, nicht an Weihnachten. In einer Konditorei sah ich auch Kohlebrikett-förmiges Konfekt: Böse Kinder bekommen statt Geschenken nur ein Stück Kohle.

Weihnachtsstern in Baumgröße.

Als echte Sehenswürdigkeit erwies sich der Friedhof von Sóller.

Für einen kurzen Abstecher nach Port Sóller nahmen wir die historische Holztram und ließen uns durch Orangengärten schaukeln. In Port Sóller hatte ich vor über 15 Jahren zu Ostern für zwei Wochen Wanderurlaub mit meinen Eltern gewohnt – doch ich erinnerte mich an nichts. Ich ließ mich von der Sonne bescheinen (am schmalen Strand sichtete ich sogar einen Bikini), sah Datteln an Palmen, mochte die Winterruhe des Badeorts, in dem sich fast alle Bars und Restaurants in Bretter und Plastikplanen eingemummelt hatten.

Zurück in Sóller hatte ich bereits ein Restaurant für ein Mittagessen zu spanischen Zeiten (15 Uhr) ausgekundschaftet; C’an Boqueta. Wir saßen sehr schön und aßen gut. Es gab ein dreigängiges Menü, für jeden Gang drei Gerichte zur Auswahl.

Kürbissuppe mit gebratenem Schafskäse


Rinderzunge, zum ersten Mal aß ich sie gebraten: Sehr gut!

Apfelkuchen mit Mangoeis und Feige

Als Wein bat ich um die Empfehlung von etwas besonders Interessantem aus der Gegend. Es wurde ein ungefilterter Weißwein Paquito. Herr Kellner erklärte, dass die Rebsorte Premsal autochthon sei und dass dieser Wein nicht ganz ausgegoren wurde. Er hatte die leichte Apfel-/Sherrynote, die ich von minimalinvasiv ausgebauten Weißweinen kenne, aber noch einige andere Blumen- und Kräuternoten. Ich war sehr zufrieden.

Originalverkorkt hat hier über das Weingut geschrieben.

Als Bus zurück nach Palma nahmen wir eine Linie, die uns in anderthalb Stunden an der Küste entlang fuhr, über Deià und Valldemossa. Die Sonne senkte sich gerade über das Meer, wir hatte wunderbare Aussichten.

Auf dem Rückweg am Museum Es Baluard im gleichnamigen Restaurant für Freitagabend einen Tisch reserviert.

Journal Mittwoch, 28. Dezember 2016 – Schöne Aussicht auf Palma de Mallorca

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Wieder sehr lang ausgeschlafen – ich kann’s also doch. Mit gestern erworbenen Zutaten Café con leche gemacht, ausführlich Bilder runtergeladen, bearbeitet, gebloggt, sogar noch eine Runde gelesen.

Dann hatte ich endlich auch Frühstückshunger, zu fast spanischer Mittagessenszeit aßen wir gegen 14 Uhr in einer sehr vertrauenserweckenden Bar im Mercat de Santa Catalina.

Links oben frito mallorquín, rechts oben Nierchen, unten ensaladilla rusa, der Pincho war köstlich gefüllte Paprika. Das Brot dazu: typisch für hier ungesalzen. Alles ausgesprochen köstlich.
Neben uns saßen feine, herausgeputzte spanische alte Damen. Die sich als Britinnen erwiesen.

Das Stadtviertel Santa Catalina ist voller Restaurants – aus aller Herren Länder. Italienisch ist fast zu erwarten, indisch, chinesisch, mexikanisch, vietnamesisch, japanisch ebenfalls. Doch wir kamen auch an zwei peruanischen Lokalen vorbei, es gibt Cajun-Küche, polnische, libanesische und auch sonst nah-östliche, schwedische, zudem wurden wir fast von einem Wirt shanghait, dessen Lokal er als das erste tschechoslowakische in der Stadt anpries. Etwas suchen muss man allerdings zumindest in dieser Gegend Mallorquinisches.

Spaziergang zum Castell de Bellver, ich freute mich an dem Grün, den vielen Blüten, dem Vogelgezwitscher, der Sonne (mit ein wenig mehr Wolken als am Vortag), kurz: am Nichtwinter.

In der Abenddämmerung (es wird erst um halb sechs dunkel! um acht ist es morgens hell! ich kriege hier über eine Stunde mehr Tag am Tag!) setzten wir uns auf die Terrasse der Bar im Parque de la Feixina (draußen!) und tranken etwas.

Journal Dienstag, 27. Dezember 2016 – Mallorquinische Frittierdiät

Mittwoch, 28. Dezember 2016

Lange ausgeschlafen und zu strahlendem Sonnenschein aufgewacht. Darf so bleiben.

Das Draußen roch auf herrlichste Weise nicht nach Winter. Für den Morgenkaffee und erste Einkäufe spazierten wir zum Mercat de Santa Catalina. Herrn Kaltmamsell zwang ich zum Selberbestellen auf Spanisch, er machte das sehr gut (und guckt dabei immer so niedlich entschuldigend). Ich freute mich am Anblick der für mich typischen alten Damen, die sich selbst für ihre Markteinkäufe herausputzen, inklusive Stöckelschuhe, wuchtigem Goldschmuck und Sonnenbrille in Hollywooddivenformat.

Das Stadtviertel Santa Catalina stellte sich als besonders zauberhaft heraus.

Eine Türe in unserer Ferienwohnung.

In diesem sensationellen Jugendstilhaus ist eine ferretería untergebracht, also eine Eisen- und Haushaltswarenhandlung.

Weiteres Spazieren.

Gerade als ich Hunger und Appetit bekam, roch ich an der Uferpromenade Churros. Der Duft kam aus einer Bude, die auch neumodisches Zeug wie Crêpes und Waffeln verkaufte. Ich smalltalkte die junge Frau darin ein wenig auf Spanisch an, bevor ich ein Dutzend Churros bestellte, schon nannte sie mich cariño, lobte mich dafür, dass ich Zucker auf meine Churros wollte (selbstverständlich, nicht wahr, meinte sie, nur die Ausländer lehnen das ab) – ich fühlte mich als Einheimischenschaft-Schmarotzerin.

Diese Churros waren die fetthaltigsten meines Lebens, mein bis dahin leerer Magen verformte sich zu einem leicht vorwurfsvollen Fragezeichen. Die heiße Schokolade aus Tetrapack, die ich mir dazu in der Mikrowelle hatte heißmachen lassen, half nicht.

Wir besichtigten die Kathedrale von außen und innen, spazierten durch die Altstadt bis hinauf zur Plaça d’Espanya, sahen uns in der Lebensmittelabteilung des Corte Inglés um. Mir fiel auf, dass inzwischen wirklich alle Schilder auf Mallorquí beschriftet sind – das verstehe ich auf Basis meiner Castellano-Kenntnisse schon, kann es aber nicht aussprechen. Und trotz Kenntnis der kulturhistorischen und gesellschaftspolitischen Hintergründe befremdet mich, dass offensichtlich Separatismus eine so viel stärkere Kraft ist als das Bedürfnis, von möglichst vielen Menschen verstanden zu werden (die Mallorquí-Sprechenden können ja alle auch Castellano). Andererseits ist es ja genau dieser Separatismus, der meiner Ansicht nach in Spanien bislang die nationalistischen Bewegungen verhindert, die derzeit den gesellschaftlichen Fortschritt in anderen europäischen Ländern bedrohen.

Am Ende unseres Rückwegs sahen wir über dem Torrent de Sa Riera im letzten Licht Federmäuse.

Zum Abendessen waren wir verabredet: Zufällig verbrachten alte Bekannte aus Deutschland ebenfalls eine Winterfluchtwoche auf der Insel.

Im Fischlokal (Lob: die Speisenkarte war nach Herkunft der Fische sortiert) bestellte ich Gallo de San Pedro und wurde gefragt, ob ich ihn a la plancha wolle oder frito con cebolla. Ich entschied mich für zweites, war allerdings nicht darauf gefasst, dass frito nicht etwa gebraten, sondern frittiert bedeutete.

Nun, konnte mein Magen gleich mal den Umgang mit großen Fettmengen weiterüben (der Fisch verbarg sich in Stücke geschnitten unter dem Zwiebelberg und schmeckte sehr gut).

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Wie es kommt, dass Frau Brüllen vielleicht demnächst ein Kochbuch unter dem Pseudonym Julienne Schneider heraus gibt:
„Mein Name ist Schneider. J. Schneider“.

Journal Sonntag, 25. Dezember 2016 – Weihnachten von außen

Montag, 26. Dezember 2016

Sehr lang geschlafen. Morgenkaffee im Elternhaus, Geschenke untern Arm geklemmt, zum Bahnhof ließen wir uns von meinem Vater fahren.
Ein düsterer Tag mit ständiger Regendrohung, aber mild.

Nachmittags holte ich mir Frischluft und ein wenig Bewegung (plus eine Reihe Pokémon) bei einem Isarspaziergang. Gemerkt, dass ich Weihnachten so ganz ohne Weihnachtsfestessen dann doch traurig finde.

Andere baden in der Isar.

Daheim gebügelt, letzte Recherche für die Anreise in den Mallorca-Urlaub.
Zum Abendessen machte uns Herr Kaltmamsell Cacio e pepe – bei ihm klumpt nichts.

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Wie die Amis den Deutschen deutschen Christbaumschmuck beibrachten, habe ich ja schon mal vor Jahren verbloggt. Laut New York Times mit Erfolg:
„The Christmas Pickle: A Tradition Taken With a Pinch of Salt“.

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Eine völlig wahnsinnige Geschichte: James Barry war ein erfolgreicher britischer Militärarzt im 19. Jahrhundert.

Barry became the first doctor in the British Empire to perform a successful cesarean operation. It was one of many major medical contributions the Irish surgeon accomplished for the British military, from enforcing stricter standards for hygiene, improving the diet of sick patients, to popularizing a plant-based treatment for syphilis and gonorrhea.

Und – er war eine als Mann verkleidete Frau.
„The First Female Doctor in Britain Spent 56 Years Disguised as a Man“.

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Was stört dich am meisten?

Journal Samstag, 24. Dezember 2016 – Heilig Abend bei Eltern

Sonntag, 25. Dezember 2016

Meine Eltern hatten zu Heilig Abend bei ihnen eingeladen, Herr Kaltmamsell und ich hatten gerne angenommen.

Morgens buk ich Schwäbisches Kartoffelbrot; während seiner letzten Phase im Ofen stieg ich für eine gute Stunde auf den Crosstrainer (zwei Eichhörnchen beobachtet).

Wetter mild und ein wenig windig – das verbinde ich inzwischen mit dem 24. Dezember als typisch. Mit einem letzten, sperrigen Geschenk machten wir uns auf den Weg. Mein Vater holte uns vom Bahnhof ab und fuhr uns zu meinem Bruder, wo wir eben dieses Geschenk abgaben. UND gleich mal Christbaum lobten. Von diesem Allgäuer (?) Brauch hatte ich meinem Bruder erzählt, als ich ihn vor 13 Jahren kennenlernte; mittlerweile höre ich aus anderen Gegenden davon, und auch mein Bruder hat ihn mittlerweile im Oberbayerischen übernommen. In seinem Haus gab es sogar zwei Christbäume zu loben.

Dafür gab’s an Willi (ausgesprochen köstlich).

Fürs Loben des elterlichen Christbaums hingegen gab es spanischen süßen Anis. (Ein neues technisches Detail habe ich im Techniktagebuch beschrieben.)

Auch dieses Jahr zwang ich meine Eltern zu den Ritualen, die sie mir in meiner Kindheit nahegebracht hatten – selbst wenn sie für sie nicht mehr wichtig sind. Zum Beispiel der Spaziergang an Heilig Nachmittag aka Christkind suchen: Da es nach Regen aussah, hätten meine Eltern den eher ausgelassen, aber wo kämen wir denn da hin? Es regnete dann tatsächlich, sogar immer stärker. Aber da es nicht kalt war, fand ich das nicht so schlimm. Christkind suchen!

So sah es dann zur Bescherung aus. Das Festessen war Fondue, möglicherweise mochte ich am meisten die Brokkoliröschen frittiert – so viel Oberfläche kann deutlich mehr Fett aufnehmen als jedes Stück Fleisch.

Dazu gab es weitere mir unbekannte Geschichten aus der Kindheit meiner Eltern. Ich hörte zum ersten Mal, dass mein Vater während der Sommermonate auf dem Land bei der Familie auch Schafe hüten musste – weil der Schäfer für die Ernte gebraucht wurde. Und dass er natürlich ohne Hund oder Ausbildung dafür keine Chance hatte und verzweifelte. Ich hörte auch zum ersten Mal von der ganz frühen Erinnerung meiner Mutter, wie sie als Drei- oder Vierjährige von ihrem Gitterbettchen aus den Christbaum zu Fall brachte, weil sie an einem Bonbon gezogen hatte, mit dem er dekoriert war; sie erinnerte sich noch genau, wie sie die ganze Nacht von den Fichtennadeln gepiekst wurde, die bei der Aktion in ihr Bettchen gerieselt waren.

Zum Nachtisch gab’s Rotweincreme (traditionell von Dr. Oetker) und spanische Weihnachtssüßigkeiten (turrón, mazapán), die ich im spanischen Großmarkt besorgt hatte.