Fotos

Journal Dienstag, 7. November 2017 – Haare schneiden

Mittwoch, 8. November 2017

Früh aufgestanden, in kaltem Nieselregen zum Langhanteltraining gegangen. Angestrengt und Spaß gehabt.

Nach der Arbeit Friseur; diesmal hatte ich so bald nach dem vorherigen einen Termin vereinbart, dass ich mich nicht schon total eingewachsen fühlte.

Vorher.

Nachher mit Friseurmeister – Stylist to the nerds!

Journal Samstag/Sonntag, 4./5. November 2017 – Wieder wahlgeholfen

Montag, 6. November 2017

Am Samstag waren wir bei meinen Schwiegereltern in Augsburg zum Mittagessen eingeladen. Nach Ausschlafen, Bloggen, Zugfahrt durch sonnige Landschaft gab es köstlichen Lammbraten in anregender Gesellschaft (neben Schwiegers auch meine Eltern und eine liebe alte Freundin der Schwiegereltern).

Zurück in München ging ich am frühen Abend mit Herrn Kaltmamsell in den nächstgelegenen Einrichtungsladen. Wir hätten nämlich gerne ein Sofa, auf dem wir aneinander gekuschelt lesen und fernsehen können (das vorhandene Sofa ist dafür nicht geeignet), das aber kein Möbel der Sorte Sitzelement ist. Im Internet hatte ich mich bereits umgesehen, fühlte mich aber unterinspiriert. Im Möbelladen war zwar auch nichts perfekt, aber das Probesitzen auf Exponaten machte uns den einen oder anderen Wunsch klar.

Daheim It von Stephen King ausgelesen: Ausgezeichnet konstruierter und vielschichtig erzählter Roman. Es geht um sehr viel mehr als Grusel: Außenseiter, Kindheit, Gruppendynamik, freier Wille. Mir war auf den 1100 Seiten nie langweilig geworden; zwar hätte man die eine oder andere Detailausschmückung streichen können, doch vielleicht hätte das Gesamtwerk darunter gelitten. Leider gibt es typischerweise nur eine weibliche Figur, Beverly, die in der Kindergruppe der sieben „Losers“ halt „the girl“ ist.
Große Leseempfehlung.

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Am Sonntag früh aufgestanden, weil ich als Wahlhelferin des Bürgerentscheids „Raus aus der Steinkohle“ fungierte, diesmal als Schriftführerin. Auch diesmal hatte ich es nicht weit, zur Einsatzschule ging ich morgens nur zehn Minuten.

Bürgerentscheide sind vermutlich immer eher ruhig, der Abstimmungsanlass war zudem auch kein sehr emotionales Thema. Daher blieb viel Zeit zum Ratsch mit Mitwahlhelfenden, wieder lernte ich sympathische und interessante Menschen kennen. Von einer, einer Erzieherin, erfuhr ich unter anderem, dass es YouTube-Stars mittlerweile zu einem eigenen Panini-Sammelalbum geschafft haben, das unter den von ihr betreuten Schulkindern heiß umkämpft ist. (Falls ein Feuilletonautor weitere Belege für den Untergang unserer Zivilisation durch das Internet braucht. Und als Hinweis für uns Rest, welchen Stellenwert Webstars heute bei der Jugend (TM) haben.)

Als Sonntagsessen hatte ich mir wieder etwas von Herrn Kaltmamsell gewünscht: Rindergulasch mit Böhmischem Knödel.

Es war köstlich.
Ruhiger Nachmittag mit Siesta und Lesen, im kräftigen Regen der zweiten Tageshälfte ging ich zum Stimmauszählen.

Abendessen war eine Quitte aus dem Ofen (hätte in ihrer Alufolie ruhig noch länger als die 60 Minuten garen können, war noch ziemlich knackig) mit Sahne und Honig.

Journal Mittwoch, 1. November 2017 – Abwandern

Donnerstag, 2. November 2017

Letztes Ferienausschlafen, nach Kaffee und Bloggen eine Runde Krafttraining. Als ich hantelhebend aus dem Fenster sah, fiel mein Blick auf zwei Elstern – die hatten wir bislang noch nie in der Nähe. Ich mag Elstern und weiß, dass sie unter den ohnehin schlauen Krähenvögeln die schlauesten sind, aber ich weiß auch, dass sie sehr, sehr laut sind. Deshalb haben sie mir vor dem eigenen Fenster bislang auch kein bisschen gefehlt.

Eine Stunde früher als angekündigt kam Herr Kaltmamsell vom Rollenspielen zurück, unversehrt. Wie vereinbart brachen wir mittags zu einer letzten Wanderrunde auf: Wir nahmen die S-Bahn nach Wolfratshausen, wanderten an der Loisach entlang nach Icking und den Hochweg zurück nach Wolfratshausen.

In Wolfratshausen kehrten wir in der letzten Abenddämmerung beim Humplbräu ein.

Ende meiner Allerheiligenferien.

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Stirling-Architekturpreis für den Hastings Pier und damit den Mut des Weglassens:
„Walking tall: Hastings pier wins the Stirling architecture prize“.

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Die New York Times über Sade Adu:
„Sade’s Quiet Storm of Cool“.

Ich freute mich über die Erinnerung an Sades personifizierte Eleganz – sogar in den Cowboystiefeln, die sie beim SNL-Auftritt trägt, und die mich immer an meine damalige Freundin G. erinnern. Sie und Alison Moyet waren die Frauen, die ich in meiner 80er-Jugend am schönsten fand – sie sahen einfach so sehr wie sie selbst aus. (Nicht meine Style-Vorbilder, gekleidet habe ich mich ganz anders – ich sah ja auch ganz anders aus.)

Journal Dienstag, 31. Oktober 2017 – Geschäftige Entspannung

Mittwoch, 1. November 2017

Gestern war sportfrei, dennoch hatte ich natürlich Pläne: Brot, Kuchen.

Morgens knetete, faltete und buk ich die Häusemer Bauerekrume von Chili und Ciabatta. Die schief ging. Eigentlich schien alles in Ordnung, bis der Teig bei der Stückgare nicht recht hoch wollte. Ich gab ihm eine Viertelstunde mehr und schoss dann ein. Im Ofen ging der Laib trotz Einschneiden mittig hoch, beim Anschneiden zeigte sich zu dichte Krume mit Riesenlöcher (darin hat der Bäckergeselle geschlafen, würde meine liebe Schwiegermutter sagen). Sieht mir nach Wirkfehler aus.

Zum Ausgleich wurde der Gewürzkuchen ganz hervorragend und beduftete wunschgemäß die Wohnung.

Draußen schien die Sonne, zwischen den einzelnen Backschritten fettete ich im Sonnenlicht meine Wanderschuhe für die Winterruhe.

Nach Duschen und Frühstück spazierte ich eine Runde über den Alten Südfriedhof – und seufzte schon bald wieder über den unzuverlässigen Akku meines Smartphone: Nach nur 15 Minuten Pokémonfangen hatte er 60% Ladestand verloren. Das Gerät habe ich erst im Juni gekauft, das ist nicht akzeptabel. Ich werde mich um Reparatur auf Garantie kümmern müssen, der Aufwand ärgert mich.


Ich sah viele Eichhörnchen, hatte diesmal auch Erdnüsse eingesteckt. Doch mir fehlte die Geduld fürs Anlocken, ich legte ihnen lediglich ein paar Nüsse in Sichtweite.

Den Nachmittag verbrachte ich mit Lesen im Sonnen-beschienenen Sessel (immer noch Steven Kings It, die 1100 Seiten werden nicht langweilig) und fühlte mich wohl. Allerdings kann mir schon vorstellen, dass ich auf Dauer allein wunderlich würde. Wahrscheinlich würde ich mir Katzen zulegen, um mir die Aufgaben des Tages nicht selbst ausdenken zu müssen.

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Einem Link von @DonnerBella zur ersten Folge der Serie Very British Problems gefolgt.

Ich kann zu keinem anderen Schluss kommen als dass ich eigentlich Britin bin. Auch ich
– habe eine phone voice (als mich Herr Kaltmamsell mal offiziell Telefonieren hörte, sah er erstaunt aus dem Nebenzimmer herüber),
– wechsle meinen Akzent je nach Situation,
– verstecke mich in meinem Smartphone/meinen Einkäufen im Fahrradkorb, um der Begegnung mit Nachbarn zu entgehen,
– weiß nicht, wie ich jemanden begrüßen soll (so schlimm, dass ich, wenn ich das bei meinem Gegenüber bemerke, besonders beherzt eine Möglichkeit wähle, um die Peinlichkeit zu beseitigen),
– habe gute Arbeitskolleginnen, mit denen ich seit Monaten regelmäßig Smalltalk betreibe ohne zu wissen, wie sie heißen, aber nie mehr fragen kann,
– habe beim Arzt immer das Gefühl, lästig zu sein – und jemandem wirklich Kranken im Weg zu stehen,
– beschwere mich nicht, twittere statt dessen,
– habe auch nach 17 Jahren im selben Haus noch nicht alle Nachbarn getroffen; mich unterhalten mit sechs von 16 Parteien.
Allerdings habe ich keine Probleme damit, wenn Gäste sich selbst bedienen.

Wegschmeißen könnte ich mich über die Behauptung in dem Film, Briten könnten einfach keinen small talk (eigenes Kapitel Selbstbild vs Fremdbild): Tatsächlich sind sie absolute Meister darin, einfach um eine echte Konversation zu vermeiden – und merken es nicht mal. Es hat ja keiner verlangt, dass sie sich dabei auch wohlfühlen.

(Wenn Sie beim Gucken vielleicht auch die Bandbreite der auftretenden Menschen beachten würden?)

Journal Montag, 30. Oktober 2017 – St. Brück mit Schwimmen und Bagel

Dienstag, 31. Oktober 2017

Vor sieben wohlig aufgewacht, nach dem Bloggen noch herumgeräumt, bis ich endlich zum Schwimmen radeln konnte – das Olympiabad öffnet ja wegen Umbaus erst um 10 Uhr für die Öffentlichkeit. Es war trocken, aber ziemlich kalt, Ende Oktober war es fürs Radeln nun doch Zeit für Stirnband und Handschuhe.

Ein guter Schwumm unter wenigen Leuten. Dennoch Augenrollen über die beiden, die Schwimmen spielten statt zu schwimmen: Nach jeder Runde ausführlich auf einem Zettel nachguckten, mit welchem Spielzeug sie die nächste Runde schwimmen würden. Und mir dabei die Wende verstellten. Als ich nach dem Duschen zu meinem Spind kam, fragte ein Herr in Badehose nach Wechselgeld für seinen Spind (man braucht im Olympiabad eine Euromünze). Ich schenkte ihm einfach meine.

Auf dem Heimweg Einkauf im Basitsch, ich hatte Backen vor. Auf den Straßen Verkehr wie am letzten Adventsamstag. Inzwischen stelle ich mir manchmal vor wie es wäre, würden alle Privatautos aus der Innenstadt verbannt, die Straßen bis auf eine Spur für Busse, Taxis, Lieferautos verkleinert, die restliche Fläche Fußgängern und Radlern vorbehalten; ich bin überzeugt, dass das eine lebenswertere Stadt wäre.

Zum Frühstück/Mittagessen gab es restliche Kartoffelsuppe, während dessen backte ich Bagel. Und weil ich sie ja inzwischen doch nur nach diesem Rezept mache: Hier bitte das Rezept, die besseren Bagels.

Nachmittags Zehennägel lackieren verschränkt mit It lesen verschränkt mit Vorteige für Brot ansetzen.

Durch die Zeitumstellung wird’s ganz schön früh dunkel.

Zum Abendessen Chinakohlsalat aus Ernteanteil und frische Bagel mit meinem Lieblingsbelag: Frischkäse, Räucherlachs, Ruccola.

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Happy Halloween!


Journal Sonntag, 29. Oktober 2017 – Abgetaut

Montag, 30. Oktober 2017

Programm gestern: Turnen im Sportstudio, Kühl- und Gefrierschrank abtauen und putzen. Die Putzaktion schieben Herr Kaltmamsell (als Programmpunkt in Ferien) und ich (Feiertagsprogramm) seit einem halben Jahr vor uns her.

Also räumte ich nach meinem Morgenkaffee den Kühlschrank-Inhalt in Einkaufskörbe und auf den Balkon, ich schaltete aus.

Hinaus zum Ostbahnhof kam ich in mäßigem Sturm noch trocken. Doch nach einer Runde Crosstrainer und einem Stündchen Stepaerobic regnete es. Meine Regenjacke mit Kapuze bewährte sich, bis der Regen in die Sorte „strömend“ wechselte: Ich wurde tropfnass, wegen des Winds inklusive nutzloser Brille. Das war genau das Wetter, vor dem ich mich bei einer mehrtägigen Wandertour fürchte: Peitschender Regen führt zu schützend gesenktem Kopf, ich sehe nur den Meter Boden vor meinen Füßen.

Das Abtauen ging deutlich schneller als erwartet, direkt nach dem Frühstück war ich innerlich noch gar nicht bereit zum Putzen. Wie gut dass ich mich daran erinnerte, dass kein Gefrierschrank davon kaputt geht, wenn er eine Stunde abgetaut aber ungeputzt herumsteht!

Nach einer weiteren Tasse Tee ging ich nach Spielanleitung des Kühlschrankherstellers vor und machte Vorher-Fotos, um beim Wiedereinräumen der Einrichtung nicht herumprobieren zu müssen.

Den größten Dienst leisteten mir die Bilder beim Zusammensetzen der Leisten am untersten Glasregal. Aber: Dass ein wunderbar großer Kühlschrank, in den sogar ein ganzes Backblech passt, auch deutlich mehr Putzarbeit bedeutet als sein kleinerer Vorgänger, hätten Sie mir vermutlich vorher sagen können. Ich hingegen war dadurch zu überraschen. Überraschend fand ich auch, dass ich die Schubladen nicht völlig auseinander nehmen konnte; in die Steckverbindungen hätte ich gerne reingeputzt. Es waren dann doch ein paar Stunden, größter Erfolg: Ich habe nichts kaputt gemacht!

Mit diesem häuslichen Schwung setzte ich dann gleich mal Bagelteig an, wechselte den Wasserfilter aus, machte mir die Füße schön.

Zum Abendbrot gab’s Kartoffelsuppe aus Ernteanteil (plus zugekauftem Suppengrün). Und nach der Tagesschau war der Kühlschrank dann auch wieder kalt genug für das Kühlgut.

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Traurige Geschichte, schöner Einsatz von ausführlichem Multimedia-Erzählen: Die New York Times über die scheue Irin Catherine Corless, née Farrell. Sie deckte als Heimathistorikerin auf, wie in ihrem Heimatort Tuam in einem katholischen Heim über Jahrzehnte hunderte uneheliche Babys und Kleinkinder misshandelt, vernachlässigt und in einer Klärgrube beerdigt wurden:
„The lost children of Tuam“.

Journal Freitag/Samstag, 27./28. Oktober 2017 – Start in fünf freie Tage

Sonntag, 29. Oktober 2017

Der Freitag war uninteressant. Nachdem ich noch in milder Luft in die Arbeit geradelt war, sanken tagsüber die Temperaturen rapide. Zumindest trocken kam ich abends ins Tal, um im Hofbräuhausmühlenladen Roggenmehl zu besorgen, doch ich hatte mich während eines Platzsprühregens ein paar Minuten unterstellen müssen.

Zum Abendessen bereitete Herr Kaltmamsell Dim Sum, die Teigplatten dafür waren der letzte Inhalt des Gefrierschranks gewesen: Jetzt kann ich ihn abtauen.

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Samstagmorgen verabschiedete ich Herrn Kaltmamsell für vier Tage Abwesenheit: Er fuhr wie mittlerweile alle Allerheiligenferien zum Rollenspielen (Call of Cthulhu, Pen&Paper).

Das Wetter war windig mit buntem Himmel, ich ging Laufen (Hofgarten – Unterföhring).

Nach Frühstück eine kleine Siesta. Zweimal von eigenem Schnarchen (Seitenlage, geschlossener Mund – ich bin schließlich eine Dame) aufgewacht.

Ausführliches Bügeln, für das ich mir über die Woche zuvor Hörstoff gesammelt hatte:

1.
„I hope this email finds you well…“

Mary Beard ponders why email is governed by so few rules and conventions.

Und holt sich dann selbst vom Krückstockgefuchtel runter, als sie feststellt: Die Alten Römer waren auch nicht besser.

2.
Holgi hat sich für Bayern Tourismus mit den Käse-Affineur Thomas Breckle unterhalten.

Superspannend (ich mag sehr, wie Holger Kleins ehrliche Neugier und seine mangelnde Scheu, selbst ein wenig doof dazustehen, die Gesprächspartner zum Erklären und Erzählen bringt) – und jetzt will ich dringend diesen affinierten Käse probieren. Mit Riesling oder Silvaner von der Nahe.

Im Briefkasten hatte ich eine Sendungsbenachrichtigung gefunden. Ich erwarte aber nichts, die einzige ausstehende Bestellung konnte ich checken: Ist noch nicht versendet. Also werde ich nicht ein paar Kilometer raus in die Arnulfstraße radeln oder für Geld mit der Tram fahren, um das abzuholen. (Erste Male. Ich werde nie erfahren, ob ich etwas verpasse, und kann blendend damit leben.)

Ich genieße es sehr, ein paar Tage am Stück (St. Brück!) einfach Zeit zu haben. Dann rief auch noch Herr Putzmann an und gab durch, dass er diesen Montag nicht kommt – ich kann also auch den Montag völlig frei einteilen.

Abends Treffen mit dem ganz alten Internet im schönen Preysinggarten – der uns umsorgte und verwöhnte, wie ich es fast schon vergessen hatte. Ich bin sehr, sehr froh, dass ich dieses alte Internet noch kennenlernen durfte und radelte beseelt und windverwirbelt nach Hause.

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Bestürzung über die politischen Verschiebungen in Spanien: Am Freitag erklärte die Landesregierung von Katalonien ihre Unabhängigkeit, die spanische Staatsregierung setzte sie wie angekündigt und gemäß der spanischen Verfassung ab.

Klar schwelt dieser Konflikt schon lange. Doch nach allem, was ich dazu gelesen habe, hätte es einen politischen Ausweg gegeben, den Katalonien und die Zentralregierung schon vor vielen Jahren hätten antreten können: Ein neuer Länderfinanzausgleich hätte manchen Unmut von Katalanen besänftigen können, oder eine (langwierige) Verfassungsänderung hätte den Weg in eine staatliche Unabhängigkeit ebnen könne. Katalonien hat seit langem seine eigene offizielle Kultur und Sprache: Catalán, für das erst einmal künstlich eine lehrbare Einheit in Grammatik und Vokabular geschaffen werden musste, ist seit langem erste Schulsprache, Kastilisch wird wie Englisch lediglich als Fremdsprache unterrichtet – von Unterdrückung oder Marginalisierung kann nicht die Rede sein. Die von beiden Seiten vorangetriebene Eskalation in Zeiten, in denen es nun wirklich schlimme Probleme gibt, weist auf die grundsätzliche Beklopptheit der menschlichen Art hin. Die immer wieder sehenden Auges gegen ihre eigenen, ausdrücklich erklärten Interessen handelt: Um Recht zu behalten, Rache zu nehmen, jemand drittem eins reinzuwürgen oder aus sonst einem bescheuerten Antrieb.

Für die FAZ schreibt Paul Ingendaay:
„Wie ein Kampf zweier Betrunkener“.

Wurde der gegenwärtige Konflikt lange Zeit mit zwei Zügen verglichen, die ungebremst aufeinander zurasen, so ähnelt die Sache jetzt eher dem Faustkampf zweier Betrunkener, nur dass der eine deutlich größer ist. Und dem wird man mit Sicherheit anhängen, wie unfair er war. Das ist eine peinliche und unwürdige Situation. Man könnte den Eindruck gewinnen, beide Kämpfer spielten auf Zeit und wollten es nicht zum Äußersten kommen lassen. Beide scheinen darauf zu hoffen, dass der Gegner endlich einen Fehler macht, der die Gewichte verschiebt und den Kampf entscheidet.

via @ankegroener – ganz praktisch, eine FAZ-Leserin in der Timeline zu haben.

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Ratgeber-Artikel in Edition F:
„Finanzielle Abhängigkeit ist für Frauen ein enormes Risiko – so schützt du dich davor“.

Auch ich bin überzeugt, dass materielle Abhängigkeit vom Partner Unfreiheit auf vielen, vielen Ebenen bedeutet. Allerdings habe ich noch nie erlebt, dass eine dieser finanziell abhängigen Frauen umdachte, bevor sie nicht die Konsequenzen am eigenen Leib erfuhr: Mann weg in neuer Partnerschaft und nicht zahlungsbereit, sie plötzlich mit echter Armut konfrontiert. Weil diese Frauen alle, alle überzeugt sind, dass das bei ihnen, in ihrer Partnerschaft ganz, ganz anders ist. Und selbstverständlich verdienen sie nach dem Absturz dennoch meine Unterstützung und Zuwendung, auch wenn mein rabenschwarzes, selbstgerechtes und missgünstiges Herz brüllt: DU VOLLIDIOTIN! DAS HÄTTEST DU WISSEN KÖNNEN!

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Die Anschuldigungen gegen Harvey Weinstein: Warum gehen die Frauen erst jetzt damit an die Öffentlichkeit? Ronan Farrow im New Yorker:
„Weighing the Costs of Speaking Out About Harvey Weinstein“.

But many still say that they face overwhelming pressures to stay silent, ranging from the spectre of career damage to fears about the life-altering consequences of being marked as sexual-assault victims. “Now when I go to a restaurant or to an event, people are going to know that this happened to me,” Sciorra said. “They’re gonna look at me and they’re gonna know. I’m an intensely private person, and this is the most unprivate thing you can do.”

(…)

A woman who appeared anonymously in my previous article, alleging that Weinstein raped her while she worked for him, and who has chosen to remain nameless, told me that she has yet to tell even people close to her about the full extent of her allegation. “I want to be braver. I really do,” she told me. “I want to be able to put my name to this and talk through what happened, but I am surrounded by people who, the first thing they’ll do is read this article, and I’ll be working three desks from them, and they’ll know details of my life I haven’t even told my family.” For many women, this was the most difficult decision of their lives.

Dazu kommen handfeste Konsequenzen für die eigene Karriere: Darryl Hannah verweigerte sich Weinstein nach eigenen Angaben und wurde plötzlich von Filmpremieren ihres eigenen Films Kill Bill – Volume 2 ausgeschlossen, in dem sie eine der Hauptrollen spielte.

Other women told me that Hannah’s fear of retaliation was well-founded. The actress Ellen Barkin told me that, though she was never a victim of Weinstein’s sexual advances, he frequently verbally abused her, calling her a “cunt” and “cunt bitch” during the filming of “Into the West,” which he produced. “The repercussions are real,” she said. “I was terrified Harvey was going to make it impossible to go back to work, with those tentacles of his.” She continued, “This fear of losing your career is not losing your ticket to a borrowed dress and earrings someone paid you to wear. It’s losing your ability to support yourself, to support your family, and this is fucking real whether you are the biggest movie star or the lowest-pay-grade assistant.”

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Nicht nur der Lake District hat faszinierende Schafe.
„The Mountain Shepherds“.

Photo essay of Georgian shepherds bringing their flock down from the mountains for the winter