
Ein wundervoll sonniger Frühlingstag, der mir genug Vertrauen in den Wechsel der Jahreszeiten gab, dass ich die Sommerkleidung aus dem Keller holte und die Winterkleidung dorthin verstaute.
Winter ade.

Jetzt fehlen mir nur noch zwei bis drei lange Winterabende, um die Sommersachen aufzubügeln.

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Stricken ist eigenartigerweise meine letzte Print-Bastion: Noch blättere ich am liebsten in Zeitschriften nach Pullis und Jacken, die ich stricken könnte, noch schlage ich in alten Handarbeitsbüchern Muster nach.
Der Edelwollfirma Lana Grossa bin ich besonders verbunden: Sie hat ihren Sitz in Gaimersheim, also direkt bei meiner Geburtsstadt, und war für mich als junges Mädchen in den 80ern der Inbegriff von unerreichbarem Luxus: Die Garne und Wollen waren ausgefallen, prächtig, kreativ, verschwenderisch – nichts davon hatte ich bis dahin mit Handarbeit verbunden. Schon die mondäne Einrichtung des Lana-Grossa-Geschäfts in der Ingolstädter Fußgängerzone (war es die Schmalzingergasse oder die Ziegelbräustraße?) war mit seinen eleganten schwarzen Regalen und edlen Teppichen Universen entfernt von allen anderen Wollläden – die Begriffe mondän und elegant waren genau das Gegenteil von dem, woran man bis dahin bei Stricken gedacht hatte. Leisten konnte ich mir die Wollen und Garne nicht; um mit ihnen arbeiten zu können, strickte ich – nur gegen Erstattung der Materialkosten – für andere Leute (ah, die Jacke aus schwarzem Angora, das in kleinen 20-Gramm-Knäueln verkauft wurde …).
Die Firma existiert immer noch, sogar immer noch mit Sitz in Gaimersheim, und sie gibt unter anderem die Strickzeitschrift Filati heraus (lernen auch Sie den Ausdruck “Statement-Strick”). Darin hatte ich einen Pulli gefunden, den ich mir stricken möchte. Nachmittags radelte ich nach Schwabing und kaufte das Garn dafür.
Morgens war mein Plan noch gewesen, mir auf dem Rückweg das erste Ballabeni-Eis der Saison zu holen, doch ich hatte den ganzen Tag böses Bauchweh, das mir den Appetit nahm. So genoss ich lediglich den Anblick der Wiesen um die Museen, gesäumt von grünenden und blühenden Bäumen, bunt von Menschen, die sich darauf niedergelassen hatten.
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Auf dem sonnigen Balkon machte ich mich gleich an die Maschenprobe (ich stricke den Pulli mit Pfauenmuster einfarbig dunkelblau).

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Abends beehrte Stevan Paul nochmal München und las im Hukodi aus seinem Schlaraffenland. Das bedeutete diesmal nicht nur wundervolle Geschichten und viele herzerfrischende Begegnungen mit Münchner Foodbloggerinnen, sondern auch ein Menü, zubereitet von Hukodi-Wirt Sebastian Dickhaut. Die Räume waren knallvoll, doch der emsige Trupp hinter den Kulissen schaffte eine geordnete Versorgung aller Gäste.
Diesmal stellte Paulsen eine andere Geschichte ans Ende seiner Lesung, “Von der Kunst, ein Linsengericht zu kochen”. Der Anlass war ein trauriger: Stevan hatte am selben Tag erfahren, dass sein verehrter Lehrherr, “Monsieur” Albert Bouley, Held so vieler seiner Geschichten, am Dienstag verstorben war.

Jakobsmuschel grün:

Ochsenbackerl:

Der abschießende Milchreis war ebenso köstlich, doch ihn ansehnlich zu fotografieren überstieg meine Künste weit.
Nachtrag: Die Perspektive des Kochs.
Heimspaziergang um Mitternacht in herrlichsten Frühlingsnachtdüften.