Fotos

Journal Samstag, 2. Mai 2026 – Sonniges Wandern am Tegernsee und überraschendes Theater-Erlebnis

Sonntag, 3. Mai 2026

Gute Nacht, unterm Strich, auch schön lang ausgeschlafen.

Draußen wieder der angekündigte strahlende Sonnenschein, das passte hervorragend zu den Wanderplänen mit Herrn Kaltmamsell (der entschied, dass das auch zwischen Abiturkorrigieren möglich sein muss). Und es ließ sich einrichten, dass wir trotz Ausschlafen den Zug um zehn erwischten – sehr rechtzeitig am Bahnhof, um Sitzplätze zu sichern. Dabei war der Zug diesmal gar nicht überfüllt, ich sah nur einen Steher.

Zur Auswahl hatte ich bekannte Strecken am Starnberger See (Wanderung linksrum über Berg), Tegernsee (Höhenweg ab Gmund) und Chiemsee (Obst- und Kulturwanderweg) angeboten, die Wahl fiel auf den Tegernsee.

Die Überraschung in Gmund: Es war sehr warm, nach einer Woche trügerischer Sonne entsprachen gestern die Temperaturen dem Anschein. Am Bahnhof packte ich also gleich mal meine Jacke weg, dass ich zu den kurzen Ärmeln auch kurze Hosen hätte tragen können (wie sehr viele andere Wander*innen, denen wir begegneten), hatte ich wirklich nicht erwartet.

Gefasst wiederum war ich auf den Hochbetrieb zwischen Gmund und dem Ort Tegernsee: Diese gute Stunde Strecke ist auch als Spaziergang und mit Kindern angenehm.

(Verschmierte Handy-Linse, bitte um Entschuldigung.)

Einkäufe im Käseautomaten über Gmund (ein Grund für die Wahl dieser Wanderung, ich hatte extra meine Bargeld-Bestände gecheckt), ich nahm von der Naturkäserei Tegernseer Land einen Weissacher mit (auch als Grillkäse geeignet) und einen Weichkäse mit grünem Pfeffer.

Am Kiosk des Bahnhofs Tegernsee gab es Mittagscappuccino, dann gingen wir den längeren und steileren Teil des Tegernseer Höhenwegs nach Rottach-Egern an.

Diesmal aber mit einer Variante, hier bogen wir nach links die Trappen hoch: Die Abzweigung nach Galaun war uns jedesmal aufgefallen, jetzt recherchierte Herr Kaltmamsell den GPS-Track und wir machten den Umweg hoch. Davor lagen Verhandlungen und Überlegungen, ob sich Herr Kaltmamsell wirklich, wirklich fit genug dafür fühlte und ob seine in letzter Zeit zickenden Knie darunter leiden würden. Ich schaffte es, mich diesmal an meinen Vorsatz zu halten, auf Steigungen immer Herrn Kaltmamsell vorgehen zu lassen, damit er das Tempo bestimmen konnte.

Das war eine wirklich schöne Zusatzstrecke mit bequemer Steigung zum Berggasthaus Riederstein am Galaun, an und um das gerade reichlich Mittag gemacht wurde. Wir zogen weiter.

Die Kapelle auf dem Riederstein ließen wir aber aus – unter anderem weil sie dicht von Menschen umzingelt war.

Blick auf Rottach-Egern.

Auf einem langen, steilen Weg stiegen wir ab, Ausschilderung brachte uns zurück zum Tegernseer Höhenweg.
Unterwegs kurz vor halb drei Brotzeit: Ich hatte rote Paprika dabei, einen Apfel (aus Ernteanteil von einem unserer Partnerbetriebe und wieder köstlich – warum schmecken die Lageräpfel vom Biosupermarkt nicht halb so gut?), ein Stück Marmorkuchen.

Das letzte Stück Höhenweg nach Rottach-Egern brachte uns trotz schattigem Wald nochmal ins Schwitzen: Es ging noch zweimal ordentlich rauf und runter.

Blühendes Rottach-Egern. Nicht im Bild: Viele Paragliding-Schirme um den Wallberg.

Ganz hinten der Riederstein, an dem wir vorbeigekommen waren.

Rottach-Egern-Selfie kurz vor dem Ort Tegernsee.

Nach fast fünfeinhalb Stunden kamen wir zurück zum Bahnhof. Mein Bewegungs-Tracker zeigte am Ende 17 Kilometer Wanderung an – das schien mir arg wenig, andererseits ging es halt schon sehr rauf und runter (über 100 Stockwerke). Mein Körper hatte sich durchgehend superfit gefühlt, das Treppentraining zahlt vielleicht doch sich aus.

Allerdings überfiel meine Zähne rechts zweimal Brutalschmerz in einer heftigen Welle, ohne irgendeinen erkennbaren Auslöser, zum Glück saß ich beide Male gerade (Mittagscappuccino, Heimfahrt). Es ist WIKRLICH schön, wenn der Schmerz nachlässt, außerdem interessant, wie viel Energie solch eine Schmerzwelle kostet, ich war anschließend richtig erschöpft. Sollte sich nicht schlagartig Besserung einstellen, werde ich nächste Woche dann doch die Kassenärztliche Vereinigung um Terminvermittlung zur Neurologie bitten müssen, auch wenn’s an meinem Stolz kratzt, der sich nicht vordrängeln möchte.

Wir waren so rechtzeitig am Zug nach München, dass wir uns einen Sitzplatz sogar aussuchen konnten; diesmal mussten auf der Fahrt viele stehen. Ich las die Wochenend-Süddeutsche aus, fühlte mich nach dem vielen Staub auf der ausgedörrten Wanderstrecke dreckig und klebrig, freute mich auf eine Dusche.

In München schickte ich den deutlich erschöpfteren Herrn Kaltmamsell direkt nach Hause, erledigte selbst noch letzte Einkäufe für jüngste Sonntagseinfälle. Daheim nahm ich die ersehnte Dusche, das war schön.

Die Zubereitung des Abendessens hatte ich an mich gerissen. Es gab aus Ernteanteil: Ringelbete (auch instagram-Bete genannt), mit Emmernudeln, Schnittknoblauch, zugekauften gerösteten Walnüssen, abgeschmeckt mit Frischkäse.

Dazu ein Glas abgefahrenen Weißwein von Marie Adler. Nachtisch Marmorkuchen.

Abendunterhaltung: Beim Rumklicken durch die Fernsehprogramme stolperten wir auf 3sat über die Inszenierung des Wiener Volkstheaters Fräulein Else nach Arthur Schnitzler, aufgezeichnet an den Münchner Kammerspielen. Co-Autorin und Hauptdarstellerin Julia Riedler spielt in diesem Ein-Personen-Stück vom ersten Moment an so fesselnd (kein Wunder für diese Rolle mit Preisen ausgezeichnet), dass sogar Theater-Skeptiker Herr Kaltmamsell gebannt hängen blieb. Der zudem Schnitzlers gleichnamige Novelle gut kennt.

Große Empfehlung: Allein schon der Kunstgriff, den wunderschönen Jugendstil-Vorhang der Kammerspiele als Spielzeit-gemäße Kulisse zu verwenden, außerdem erlebte ich einmal eine Publikumsbeteiligung (die ich sonst fürchte, ich habe für Zuschauen gezahlt, nicht fürs Mitspielen), die tatsächlich für die Aussage des Stücks unabdingbar war. Ein vorbildliches Beispiel, wie man einen 100 Jahre alten Text über die Gegenwart sprechen lassen kann.

Hier bei 3sat zum Hinterhersehen.

Journal Freitag, 1. Mai 2026 – Sonniger Maifeiertag mit Schwimmen und Frühlingsfest

Samstag, 2. Mai 2026

Sehr unruhige Nacht, am erholsamsten fühlten sich die letzten beiden Stunden mit echtem Ausschlafen an. Erst wenig vor acht zog ich den Rollladen hoch zu strahlendem Frühlingswetter.

Nach dem Bloggen setzte ich meine Backpläne um, es gab meinen klassischen Marmorkuchen.

Wegen spätem Aufstehen kam ich spät zu meiner Schwimmrunde los. Zumindest hatte sich bis dahin die morgens wieder sehr frische Luft erwärmt, beim Radeln zum Olympiabad musste ich nicht frieren.

Schwimmen sehr gut, ich legte 100 Bonusmeter auf meine 3.000. Aber: Die vormittägliche Ibu hielt nur drei Stunden, und der wiederanschwellende Zahnschmerz nahm den rechten Unterkiefer mit.

Heimradeln durch jetzt warme Innenstadt unter wolkenlos knallblauem Himmel. Frühstück kurz vor halb drei eine hervorragende Birne, viel Marmorkuchen – und eine vorzeitige weitere Ibu, als sich der Schmerz Richtung “tobend” entwickelte. Wenn das Tempo der Verschlimmerung so bleibt, halte ich keine zwei Monate bis zur möglichen neurologischen Hilfe durch.

Herr Kaltmamsell hatte bereits am Donnerstag von Mauerseglersichtung an der Isar berichtet (bevor ich dort Schwalben gesehen hatte!), gestern waren sie auch über der Innenstadt.

Weil mir schwindlig war vor lauter müde, ließ ich den Rollladen zum herrlichen Sonnenschein herunter und legte mich zu einer Siesta hin: Ich schlief tief, das hatte es wohl gebraucht. Allerdings wachte ich auch desorientiert auf, brauchte lang, bis ich wieder ganz da war.

Nachmittag mit Lesen, auch auf dem Balkon.

Die Bäume können bereits wieder Schatten spenden.

Die Entwinterung des Balkons (Bodenputzen) hatte ich mir für das lange Wochenende vorgenommen, doch der freundliche Herr Kaltmamsell fragte, ob er mir eine Freude mit dem Übernehmen dieser Tätigkeit machen könne. Das freute mich wirklich, doch weil er doch der mit Wochenendarbeit war (Abiturkorrigieren), hatte ich auch etwas schlechtes Gewissen.

Eine Runde Pilates: Ich habe weitere Folgen von Gabi Fastner zusammengestellt, die mich immer wieder positiv überraschen, wie vielen ungewohnte Übungen es darin gibt – und das nach Jahrzehnten Gymnastikerfahrung.

Abendessen gab es auf dem Frühlingsfest auf der Theresienwiese, ich stellte mir Langos vor, Bratwurst und Schokofrüchte. Und aß all das in dieser Reihenfolge.

Langos (beste neue Entwicklung der Volksfest-Kulinarik) mit Knoblauch und Käse.

Einmal Polnische, einmal frisch gebratene, knusprige Käsekrainer.

Gemischtes Obst in Schokolade.

Aber es war nur in der Sonne nicht frisch, dass ich keine Jacke dabeihatte, war leichtsinnig. Heimweg zum ersten Mauersegler-Schrillen des Jahres.

§

Stolpersteine in Spanien:
“‘Diese Würdigung ist ein Akt der Gerechtigkeit'”.

Tausende Spanier wurden von den Nazis in KZs deportiert. Auch für sie gibt es – wie in Deutschland – Stolpersteine zum Gedenken. Für ihre Nachkommen ist es eine besondere Würdigung.

Von spanischen KZ-Inhaftierten hatte auch ich erst vor wenigen Jahren erfahren, nämlich in der KZ-Gedenkstätte Dachau.

§

Urbane Choreografie – was alles Tanz sein kann! (Plus Kameraperspektive und Bildausschnitt.)

Journal Dienstag, 28. April 2026 – Lerche läuft vor Arbeit

Mittwoch, 29. April 2026

Unruhige letzte Nachstunden mit Angstwellen, ich beendete sie noch vor für Lerchenlauf extrafrühem Wecker.

Herr Kaltmamsell hatte seinen Morgenmilchkaffee abbestellt: Er musste gestern das Haus bereits um halb sechs verlassen, um das diesjährige Deutsch-Abitur an seiner Schule vorzubereiten. Um diese Zeit trank ich noch meinen Kaffee, machte mich aber auch früh lauffertig. Ein paar Grad mehr hatte es als von einer Woche, ich verzichtete auf Mütze und Handschuhe, war mit langärmligem Lauf-Hoodie und langen Hosen diesmal richtig ausgestattet.

Der Lauf selbst war ok, Schmerzen halt um die Hüftgegend, von anfangs linke LWS ins linke Knie bis rechter Sitzbeinhöcker in die ganze rechte Beinrückseite am Ende meiner 80 Minuten (die ich mir durch besonders frühen Start gönnen konnte). Deutlich stärker störten Zahn- und Gesichtsschmerzen rechts, beim Atmen durch offenen Mund schmerzte selbst die Luft am derzeitigen Haupt-Wehzahn. (Mir sollte nach vier Monaten Schmerzen eigentlich klar sein, dass die nicht von allein weggehen werden.)

Apropos Atmen: Herrliche Frühlingdüfte inklusive Morgenfeuchte.

Zurück daheim zackiges Duschen und Fertigmachen, unwesentlich verlängert, als ich dazwischen eine Brummwespe (Wohnungssuchverdacht) rausschaffen musste.

Wieder war ich nach zügigem Marsch in die Arbeit ca. 40 Minuten später als sonst am Schreibtisch.

Arbeitsvormittag ein wenig turbulent, aber nicht wirklich unangenehm. Für Mittagscappuccino reichte die Zeit nur in der Cafeteria, ich stürzte kurz raus auf Obsteinkauf.

Und so gab es zu Mittag neben Hüttenkäse mit Leinsamenschrot auch mal Kulturheidelbeeren (schmeckten ok, wenn ich den Geschmack von August-Blaubeeren aus dem Wald vergaß) und eine Banane. Plus dann doch eine Ibu, mir fiel ein, dass es keinen Grund gab, die Zahn-Gesichts-Schmerzen zu erleiden. Half zum Glück schnell.

Heimweg in milder, aber nicht unangemessen warmer Luft über die Theresienwiese, auf die wie derzeit jeden Abend zum Frühlingsfest Bayern-Cosplayer*innen strömten, vor allem junge.

Zu Hause Häuslichkeiten, dann nochmal die angenehme Yoga-Folge vom Vortag.

Herr Kaltmamsell verarbeitete die letzten Bestandteile des Ernteanteils, nämlich Lauch, Kartoffeln, Korianderblätter, zu einem Curry mit Kokosmilch.

Leichte Schärfe, ganz hervorragend. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen und zu O’Farrells Hamnet, der als historischer Roman eher ungewöhnlich ist.

§

Ein Bäcker, der von den chemischen Prozessen her denkt – und nicht Lutz Geißler ist. Aber der in solchen Formulierungen spricht:

Ich bin hier extrem wirksam, ich lasse keine Energie auf einer Strecke, ich kann immer rasch in die Umsetzung gehen.

Die Meisterstunde interviewt einen höchst eigenwilligen Handwerker, der auch sonst viele meiner Vorstellungen über den Haufen wirft:
“Bäcker Arnd Erbel über den Wert der täglichen Reproduktion: ‘Die wahre Meisterschaft entsteht im Wissen um die Toleranzen'”.

Journal Montag, 27. April 2026 – Beifang aus dem Internetz

Dienstag, 28. April 2026

Eher unruhiger Schlaf mit vielen Unterbrechungen, unter anderem wegen chlorschnupfig zugezogenen Nasenschleimhäuten, doch das Wochenende war erholsam genug für Kompensation gewesen.

Sonniger, kühler Weg in die Arbeit.

Start der Glyzinienblüte!

Ereignisreicher Arbeitsvormittag, wirklich geplant war davon eigentlich nur eine Info-Veranstaltung zur hauseigenen Generativen KI: Nichts war mir wirklich neu, mir fällt weiterhin keine Tätigkeit in meinem Arbeitsalltag ein, für die ich sie nutzen könne (ich würde WIRKLICH gerne mal!).

Querschüsse von mehreren Seiten, gegen elf kam ich wieder halbwegs zu mir. Und hastete gleich mal raus in die schöne Sonne auf einen Mittagscappuccino.

Zurück im Büro mehr Hasten, das Mittagessen wurde spät: Apfel, letzte Aprikosen, Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Nachmittag mit Arbeit, die mich viel menschliche Überwindung kostete. Keinen Ärger eingehandelt, vor Erleichterung im Smalltalk fast ehrlich gewesen.

Heimweg über Lebensmitteleinkäufe. Den Kartoffelsalat fürs Abendessen hatte ich ja schon am Sonntag vorbereitet, er sollte mit Fischstäbchen verpartnert werden (NICHT hiervon inspiriert!). Die besorgte ich noch (legte die 26-Stück-Packung brav wieder zurück und nahm nur 15 Stück mit).

Daheim die Balkontür geöffnet, nach Häuslichkeiten eine schöne Folge Yoga.

Herr Kaltmamsell garte die Fischstäbchen im Ofen, dort wurden sie zwar nicht knusprig, aber trotzdem gut. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett getorkelt, zu müde zum Lesen

§

Vielleicht erlebe ich gerade an meiner eigenen Reaktion auf Generative KI, wie viele andere auf das Thema “Social Media” reagierten und reagieren: Meine Abwehr und mein Widerwillen richtet sich in Wirklichkeit gegen Anwendungen und Ergebnisse – vor allem die kitschigen Bilder widern mich an, sie tauchen mittlerweile auch in meinem Berufsleben immer häufiger auf.
(Die eigentliche Technik und ihre Möglichkeiten finde ich ja aufregend und großartig.)

§

katatonik hält sich gerade in Japan auf und berichtet, hier geht’s los. Unter anderem besonders, weil sie längere Jahre in Japan gelebt hat.

§

Roger Rosenblatt schreibt in der New York Times eine Hymne auf alte Frauen:
“My Wife Is 85. She Takes My Breath Away.”

§

“Wissenschaftserklärerin Nguyen-Kim: ‘Wir überschätzen völlig, was Rationalität leisten kann'”.

Interview mit vielen wichtigen Aspekten, unter anderem über die Rolle von Vertrauen.

§

Seit einigen Frühlingen bereitet mir der Anblick der blühenden Testosteron-Zierkirschen ein ungutes Gefühl, und ich freue mich viel mehr über die Blüte tatsächlicher Obstbäume. Robinga Schnögelrögel kann erklären, warum mein Gefühl begründet ist.

Journal Samstag, 25. April 2026 – Regenwasserrückhaltebeckenfolienverlegung

Sonntag, 26. April 2026

Das war gestern ein wundervoll eindrucksreicher Tag in herrlichem Sonnenschein. Aufgestanden war ich sehr früh und noch vor frühem Weckerklingeln, eine Angstflut spülte mich aus dem Bett.

Stadtei verkleidet für Arbeitseinsatz im Dreck, unter der gammligen Fleecejacke noch ein gammliges Sportshirt, darunter ein Trägershirt für verschiedene Wärmen, es waren bis zu 23 Grad vorhergesagt (unter all dem Sonnencreme LSF 50). Im Rucksack hatte ich Turnschuhe für einen eventuellen Fußweg zurück zum Bahnhof, Zeitung für die S-Bahnfahrt hin, außerdem Brotzeit. Ich hatte mich letztendlich gegen Fahrradmitnahme entschieden, als mir einfiel, dass ich zwar bei der Hinfahrt in der S-Bahn reichlich Platz dafür haben würde, aus vorherigen Erfahrungen aber wusste, dass an einem sonnigen Samstagnachmittag die Züge und S-Bahnen rein nach München sehr voll sein würden, auch durch mitgenommene Fahrräder.

Ausblick vor meiner Haustür, es war zapfig frisch.

Alles war wie von Kartoffelkombinat-Veranstaltungen gewohnt hervorragend organisiert, Vorständin Jana hatte die Hilfstruppe des Tages mit der idealen Öffi-Verbindung raus in unsere Gärtnerei in Spielfeld nördlich von Mammendorf im Landkreis Fürstenfeldbruck versorgt. Also stieg ich am Stachus in die S3, ließ mich Zeitung lesend bis zum Endbahnhof Mammendorf fahren, stieg dort mit jetzt erkennbaren anderen Kartoffelkombinatler*innen aus und wartete auf den Linienbus, der uns praktisch vor den Gartenzaun fahren würde.

Im Bus saß dann bereits Vorstand Daniel, der schon auf der Fahrt Fragen beantwortete und Hintergründe zur Arbeitsaktion des Tages lieferte – wie immer bereitwillig, fundiert und verständlich. Zu den Arbeitsschritten und deren Dauer konnte er allerdings kaum Informationen liefern: Der Projektleiter würde von der zuständigen Firma kommen, der uns mit Routine (macht sowas zwei- bis dreimal die Woche) durch alles führen würde. Mir war durchaus feierlich, dieser Tag hatte etwas Historisches: Ein Regenwasserrückhaltebecken wurde nur einmal in unserer Gärtnerei gebaut.

Schon jetzt flogen die Schwimmbad-/Pool-Scherze über das Regenwasserrückhaltebecken, sehr wahrscheinlich hatten wir bis zum Arbeitsabschluss am Abend nahezu alle Varianten durchgespielt.

Spätestens ab jetzt könnte das hier für Sie eher uninteressant werden, aber damit werden wir alle leben müssen, denn ich möchte unbedingt viele Details festhalten. Daniel berichtete unter anderem, dass die Ab- und Zuflussrohre zu unserem Regenwasserrückhaltebecken zum allergrößten Teil bereits verlegt und betoniert worden sind, einiges aber noch im Bau.1

Morgensonne über unserem Kartoffelacker.

Das umgebaute Wohnhaus der Gärtnerei wird richtig, richtig schön (so sah es aus, als wir die Gärtnerei, damals eine Baumschule, 2017 kauften). Die anderen helfenden Hände trudelten langsam per Radl und Autos ein, Arbeitsstart war für 8:30 Uhr ausgegeben worden. Dazu gehörten auch einige Angestellte der Gärtnerei, die ich seit vielen Jahren kenne und über deren Wiedersehen ich mich freute. Nächste Schritte: Grundsätzliche Einweisung, Eintrag in Liste mit Unterschrift für Versicherung über die Berufsgenossenschaft.

Spaziergang ins Gärtnerei-Eck mit dem Regenwasserrückhaltebecken (links).

Erster Blick ins Becken. Die erste Schicht darin, ein Vlies, hatte das Gärtnerei-Team bereits ausgebracht, hier auf instagram Bilder und Filmchen davon. Der Mann in blauer kurzer Hose und blauem Shirt, den man darin sieht, ist Projektleiter Detlef, der uns gestern am Becken empfing und fröhlich begrüßte. Erstmal gab es auch von ihm grundsätzliche Anweisungen (am lautesten, dass beim Ausbringen NIEMAND! an der Folie ziehe, der keine ausdrückliche Anweisung von ihm dafür bekomme), außerdem Erklärung der nächsten Schritte. Dafür wurde mir eine Sorge genommen: Ich besitze keine Arbeitshandschuhe, war mir aber sehr bewusst, dass es für das Zupacken welche brauchen würde – ich konnte mich an einer Kiste bereitgestellter Leih-Arbeitshandschuhe bedienen (und möchte künftig eigentlich alles Manuelle mit dieser herrlichen zusätzlichen Griffigkeit tun).

Das Becken war aus Erde nach unten und mit einem umgebenden Wall nach oben geformt. Auf einem Eck des Walls stand ein 1,5 Tonnen schweres Paket: die zusammengerollte Teichfolie. Mithilfe von vier mitgerollten Seilen, an denen wir uns verteilten, rollten wir das Paket an einer Schmalseite des Beckens aus. Nächster Schritt: Nach genauer Choreografie zogen wir nacheinander, jeweils ein Stück Rand packend, die Folie über das Becken.

Das Ergebnis. Bis dahin war alles recht zügig gegangen, doch jetzt, hatte Projektleiter Detlef angekündigt, kam das Zurechtzuppeln der Folie, dessen Dauer mit “scho anderthalb Stunden” angekündigt war.

Meist in Gruppen folgten wir der Anweisung “Und jetzt ZIEHN!”. Nachdem zwei Seiten soweit passten (Lehre des Tages: “Falten müssen sein.” – auf keinen Fall durfte Zug auf der Folie sein, damit sie genug Spiel für Verformungen hatte), schlug Detlef die Ecke ein.

Mit Ganzkörpereinsatz, ganz oben in der Falte wurde Detlef von ihr fast verschlungen. Auf dem letzten Foto sieht man auch gut den Graben im Wall, der relevant für die Fixierung wurde; in dieser Phase hatten wir die Folie im Graben mit Sandsäcken beschwert.

Wenn Detlef unten im Becken etwas richten musste, rutsche er einfach in einem Eck runter; Helfer dafür taten es ihm gleich – es sah nach einem Mordspaß aus. Als also mal wieder Handgriffe auf dem Beckenboden erforderlich waren, meldete ich mich dafür – und durfte rutschen! (Der Aufstieg mit Festhalten in Falten in der Ecke war hingegen etwas anstrengender, als er ausgesehen hatte, auch hier war ich sehr, sehr froh über meine griffigen Arbeitshandschuhe.)

Auf instagram gibt es ein Filmchen vom Ziehen und Ruckeln.

Nächste Schicht: Ein Gewebe, das wir über zwei Drittel der Wandtiefe schoben und das zum einen die Folie schützt, zum anderen ins Wasser gefallenen Tieren die Möglichkeit zum Ausstieg bietet.

Wir entrollten den Stoff im Graben. In die Unterkante waren Taschen genäht, einige davon wurden wir geheißen mit Sandsäcken zu füllen. So ließen wir den Stoff vorsichtig über die Wand gleiten.

Oberkante wieder im Graben mit Sandsäcken fixiert. Als wir mit allen vier Seiten durch waren, gab es eine halbe Stunde Mittagspause. Sonst wird bei Mitmach-Aktionen gekocht, doch die Bauarbeiten belegten gerade die Kochmöglichkeiten: Wir waren gebeten worden, eigene Brotzeit mitzubringen (eine gute Seele hatte sogar ein Blech Kuchen dabei). Ich setzte mich bei den Wirtschaftsgebäuden auf einen Stuhl in die Sonne (immer noch nicht unangenehm warm) und aß Apfel sowie Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot. Zu trinken versorgte ich mich den Tag über mit Leitungswasser in mitgebrachter Sportflasche (deren Deckel über dem Mundstück sich bei der gestrigen Staubigkeit als sehr nützlich erwies), es standen aber auch Kästen mit Sprudelwasser und Schorle an der Baustelle.

Die Folien waren verlegt, jetzt mussten sie dauerhaft fixiert werden: Nächster Arbeitsschritt war die Verfüllung des Grabens mit Kies. An zwei Traktoren der Gärtnerei waren Schaufeln montiert, sie befüllten Schubkarren auf dem Wall mit Kies – und der musste dann in die Gräben.

Das traute ich mir mangels Übung und mit kaputtem Kreuz nicht zu, obwohl ich es sehr cool gefunden hätte. Statt dessen gesellte ich mich zu den Leuten, die am Graben saßen, Sandsäcke rausholten und bis zur Verfüllung Vlies, Folie, Textil mit ihren Füßen sicherten.

Unten im Becken kümmerte sich Detlef derweil um Zu- und Abfluss – unter anderem mit der größten Dichtung, die ich je gesehen hatte.

Das Verfüllen nahm viel Mühe und Zeit in Anspruch – allerdings nicht alle Menschen. Vorständin Jana fragte rum, ob jemand Lust hatte, sich anders nützlich zu machen: In der Packhalle waren für den nächsten Ernteanteil schwarze Trockenbohnen zu portionieren, die angestellten Packerinnen würden sich sehr über diese Vorarbeit freuen. Ich griff zu.

Die nächste Stunde verbrachte ich also im Kühlen und wog als eines von drei Zweier-Teams Bohnen in Papiertütchen ab, die eine andere Helferin verschloss, etikettierte und in Transportkisten schichtete. Ich freute mich über die Gelegenheit, die neue Packhalle zu nutzen, schaute mich anschließend auch sonst in der Gärtnerei um.

Gärtnerei-Humor auf dem Frauen(“und alles dazwischen”)-Klo.

Wachset, ihr Tomatenpflanzen, wachset und gedeihet, auf dass es wieder köstliche Tomaten gebe!

Ausblick von der Gärtnerei nach Nordosten.

Ich reihte mich wieder in die Arbeiten am Becken ein: Nach dem Verfüllen schnitten wir die überstehenden Folien ab – weniger sauber, als es der Tochter meines akkuraten Handwerker-Vaters lieb gewesen wäre, doch gerade in den Ecken stand sehr viel Zeugs über, und wir hatten nur Rasiermesser-Halte-Messerchen.

Letzter Schritt, den ich gestern noch miterlebte: In zwei Ecken wurden Leitern aus alten Autoreifen gehängt, damit große Tiere, zum Beispiel Menschen, das gefüllte Becken verlassen konnten. (Das sicher geglaubte Foto davon habe ich anscheinend doch nicht gemacht.)

Jetzt gegen halb fünf zerstreute sich der Helfertrupp langsam. Ich hatte mir eine Rückfahrgelegenheit ab Mammendorf per Regionalbahn rausgesucht, die konnte ich locker zu Fuß erreichen. Also räumte ich nur noch ein wenig auf, wechselte Gummistiefel gegen Turnschuhe und spazierte dorthin, das allergrößte Stück auf einem eigenen Fahrrad- und Fußweg neben der Landstraße.

Rechts anderer Leute Kartoffeln.

Zugverpätung nur zehn Minuten, in München auf dem Weg von Bahnhalt nach Hause überholte mich Herr Kaltmamsell, der den Tag bei seinen Eltern und bei einem Freund zum Musizieren verbracht hatte.

Mit ihm eröffnete ich nach einer ausgiebigen und genussvollen Dusche die Aperol-Spritz-Saison. Die Kastanien tragen bereits ihr Mai-Kleid mit Blüten.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell aus Teilen des Ernteanteil-Lauchs Pfannen-Börek zubereitet.

Sehr gut! Nachtisch Schokolade, Fledermaussichtung, wohlig erschöpftes Versinken im Bett, dort neue Lektüre: Maggie O’Farrell, Hamnet.

  1. Für die Typo-Afficionades: Hinter dem Link sieht man unter anderem die Überschriftentypo des Kartoffelkombinats, die seit Gründung verwendet wird und die ich von Herzen liebe. []

Journal Freitag, 24. April 2026 – Ende Erwerbsarbeitswoche, Erinnerung an frühere Erwerbsarbeit

Samstag, 25. April 2026

Viel zu früh aufgewacht, meinem donnernden Herzschlag beim Nicht-mehr-einschlafen-können zugehört. (Und einer Brüllamsel.)

Müde und flügellahm aufgestanden, nicht mal echte Freitagserleichterung vor Augen, weil ich am Samstag zum Arbeitseinsatz in der Kartoffelkombinat-Gärtnerei noch früher würde aufstehen müssen.

Gestern war es aber erstmal früher bei Herrn Kaltmamsell: Er hatte eine schriftliche Abiturprüfung zu verwalten.

Strahlend sonniger Tag, aber wieder mit Morgentemperatur nur knapp über Null.

Start der Schreibtischarbeit durch massive Konzentrationsprobleme erschwert. Aber wie so oft: Musste halt.

Mittagscappuccino aus der Cafeteria, aber sonniger Marsch um die Blöcke – noch brauchte ich eine Jacke.

Genuss des Spaziergangs getrübt durch Kreislaufkapriolen.

Zu Mittag gab es später Lidl-Aprikosen aus Spanien – ich war der jahreszeitlichen Lageräpfel und -birnen überdrüssig und bin noch nicht so weit für Erdbeeren: erstaunlich aromatisch. Außerdem eingeweichtes Muesli mit Skyr (Joghurt kaufte ich erst gestern nach).

Nach Feierabend steckte ich meine Jacke weg und ging in der milden Sonne kurzärmlig über Einkäufe heim.

Zu Hause Wäscheaufhängen, Yoga, Brotzeitvorbereitung für den Samstagseinsatz (der Umbau der Wirtschaftsgebäude unserer Kartoffelkombinats-Gärtnerei hat noch keine funktionierende Küche erreicht), dann wollte ich dringend Alkohol – frühes Aufstehen am Samstag hin oder her.

Herr Kaltmamsell rührte Manhattans.

Als wir damit im Wohnzimmer saßem, deutete er auf die Wohnzimmer-Gardine: Darin hing eine große Hummel. Mit Glas und Papier brachte ich sie auf den Balkon.

Da sie von dort nicht wegflog und benommen wirkte, rührte ich ein wenig Zuckerwasser an und tropfte es vor sie, dann auch in einem Schälchen aus leerer Tablettenpackung: Hummel streckte ihren Rüssel hinein, und als ich das nächste Mal raussah, war sie weg.

Das Nachtmahl war gestern Gemeinschaftsarbeit.

Ernteanteilsalat mit Walnussöl-Balsamico-Dressing, Ernteanteil-Kresse und ein wenig Schimmelkäse von mir, Herr Kaltmamsell briet dazu Ernteanteil-Kräutersaitlinge (von einem Partnerbetrieb) mit Knoblauch. Ich hatte das letzte Viertel selbstgebackenes Brot aufgetaut und eine Flasche Riesling geöffnet.

Nachtisch Schokolade. Früh ins Bett zum Lesen.

§

Mit der IMO – International Maritime Organisation hatte ich in einem früheren Berufsleben zu tun (Abgasgrenzwerte von Schiffsmotoren): Einflussreiche und interessante Einrichtung. Deshalb freute mich die gestrige Seite-Drei-Reportage von Martin Wittmann in der Süddeutschen über die IMO – es wundert mich gar nicht, dass es in dieser Organisation so nüchtern, gemütlich und inhaltsbezogen zugeht (€):
“Meer geht gerade nicht”.

§

Welch ein Zufall und Geschenk es ist, das Zendaya diesen Körper, diese Schönheit, diesen Beruf, diese Begabung UND Freude an Styling hat.
Damit ich bei diesem Anblick Mund und Augen aufsperren kann.

Journal Donnerstag, 23. April 2026 – Kapitulationen

Freitag, 24. April 2026

Funktioniert auch nach unwilligem Gewecktwerden als aufgeregte Freude beim Schließen des Schlafzimmerfensters:

Falke!

Wetter weiterhin strahlend sonnig, Luft weiterhin saukalt, auf dem Marsch in die Arbeit wären Handschuhe angebracht gewesen. (Die Kollegin, deren Hippie-Frühlingsbluse ich später bewunderte, verwies auch gleich auf ihre Fehleinschätzung der Temperaturen und schlotterte dramatisch.) Vorfreude auf endlich Friseurtermin und endlich weg mit der Wolle auf dem Kopf.

Arbeitsvormittag überraschend dicht, daran waren aber auch mehrere sehr störende Computer-Updates und -Neustarts schuld. (Der Triumph, als ich einem weiteren Zwangs-Neustart durch feierabendliches Runterfahren des Rechners zuvorkommen konnte!)

Mittagscappuccino aus der Cafeteria, damit ich für Einkäufe zum Markt kam.

Erneuter Anruf vom schicken Friseurladen mit erneuter Bitte um Verschiebung meines Termins, diesmal nach früher. Ich ergab mich trotz deutlich anderer Pläne, wollte einfach endlich einen Haarschnitt und strich diesen Laden, in den ich in den vergangenen Jahren immer wieder ausgewichen war, endgültig von meiner Liste – diese Art von Lässigkeit habe ich einfach nicht im Programm, damit musste ich mich schon vor Längerem abfinden.

Und so wurde es bereits vor zwölf wieder Zeit für ein Ibu gegen Zahn-Kopf-Weh. Markteinkauf kriegte ich hin, trotz gereizter Alles-Idioten-Stimmung, trotz langem Anstehen am Käsestand (MUSSTEN alle Leute vor mir bitte unbedingt am Ende des Standes anstehen, so dass niemand in der Schlange schonmal die Auslage sondieren konnte?!).

Mittagessen zwischen zwei Emisgkeiten eingeschoben, schließlich musste ich mich wegen Friseur sputen (auf den ich ursprünglich so lange gewartet hatte, um ihn auf einen optimal arbeitskompatiblen Termin legen zu können, *knurr*): ein paar Nüsse, außerdem Mango mit bulgarischem Joghurt.

Der Arbeitstag kapriolte lustig weiter, die Realität weigerte sich an zahlreichen Ecken und Enden, meinen Vorstellungen und Erwartungen zu entsprechen.

Überfrüher Feierabend, jetzt war ich gespannt, ob der Friseur besser Haareschneiden konnte als Termine zu verwalten.

Fast hätte ich das nicht herausgefunden: Als sich meine Wartezeit vor Ort 30 Minuten näherte, machte ich mich bereit zu gehen. Der Friseur war genau jetzt mit der Vor-Kundin fertig und fing mich gerade noch ein. Doch ich war total wütend, konnte auf Frage nach meinen Wünschen nur “Ist mir inzwischen egal, Hauptsache kurz” antworten und musste jetzt eine Stunde schweigend rumbringen, in der ich gleichzeitig innerlich schäumte und mir selbst deshalb total peinlich war, mir nur wünschte, mich irgendwie in Nicht-Existenz aufzulösen. Tja, hätte ich halt irgendwann einen Umgang mit meinen starken Affekten gelernt, statt nur eine Gefühlspolizei zu unterhalten, die ihre Berechtigung überwacht.

Abgekürzt: Ich bekam einen Haarschnitt und will diese Episode bittegerne so schnell wie möglich vergessen. Verdrängen. Whatever works.

Anschließend zwang ich mich appetitlos zumindest zu Brotkauf in der Balkan-Bäckerei fürs Abendessen, denn irgendwann würde ich ja wohl essen wollen, Herr Kaltmamsell war aushäusig, also Brot mit der Butter und dem Käse aus dem mittäglichen Markteinkauf. Nicht mal das herrliche Wetter und all die lächelnden Menschen, die es genossen, kamen an mich ran.

Herr Kaltmamsell war noch daheim und ließ mich bis zu seinem Aufbruch in Ruhe. Ich turnte Yoga, glückliche Umstände hatten mir eine Einheit mit Atemübungen und sonstigem Runterkommen zugespielt. Jetzt war ich zumindest für Essfähigkeit wiederhergestellt: Zu Abend gab es Rührei aus Eiern, die weg mussten, und dann eben gutes Fladenbrot mit Butter und Käse. Nachtisch Schokolade, aber mal nicht zu viel.

Endlich daran gedacht, in letzter Abenddämmerung auf den Balkon zu gehen und nach oben zu schauen (herrliche Abendluft): FLEDERMAUS!

Früh ins Bett, damit wenigstens dieser Tag ein Ende bekam – zu erledigt, um die Buchstaben in einem Buch scharf zu stellen. Wie viel Kraft diese ScHeISs gEfÜhLE kosten!

§

Maximilian Buddenbohm schrieb gestern:

Wenn Sie sich im öffentlichen Raum streiten, so dass es andere hören können oder müssen, bemühen Sie sich doch bitte jederzeit um eine deutliche Aussprache

Nicht nur schließe ich mich dem als co-betroffene Innenstadtbewohnerin an: Ich bitte zusätzlich darum, bei lautem telefonischen Streit hin und wieder für die gezwungen mithörenden die Aussagen des Gegenübers zusammenzufassen – kürzlich wurde ich auf dem Heimweg unfreiwillig Zeugin eines telefonischen Beziehungsstreits im Gehen, der immer näher an Beziehungsende geriet, da hatte ich ja wohl geradezu ein Recht auf die Perspektive der Gegenseite, audiatur et altera pars! (Wobei in diesem Fall nicht gebrüllt wurde, sondern nur laut gestritten – zumindest auf dieser Seite.)

§

Seit vielen Tagen keine Tiere am namibischen Wasserloch, weil es dort gerade so ausieht:

Es hat geregnet, alles grünt, derzeit braucht niemand dieses Wasserloch, um an Wasser zu kommen.

§

Toon-Blogger Beetlebum lernt bayrische Marterl kennen – und macht umgehend selbst eines:
“Bavarian Heritage”.

§

Sollte sich jemand von meiner extremen und aggressiven Unlust zu leben, seit ich mich erinnern kann, persönlich getroffen fühlen: Zeigen Sie mir gerne jederzeit einen Weg, mit dem ich mein Leben einer anderen, todkranken Person spende, die es liebt (Ihres? das eines lieben Menschen?), und wir kommen zusammen.