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Journal Sonntag, 9. November 2014 – Augenzeugen

Montag, 10. November 2014

Sonntägliches Ausschlafen dauerte bis sieben.

Als es ganz hell wurde, zeigte sich ein für die Münchner Innenstadt exotischer Anblick: leichter Nebel.

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Mehr Lust zum Schwimmen als zum Laufen gehabt. Aus einer Laune heraus den Mitbewohner gefragt, ob er ins Olympiabad mitkommen möchte, mit dem Rad – er mochte überraschenderweise. Obwohl für ihn ja schon das gut zwanzigminütige Hinradeln eine Trainingseinheit war.

Wir trennten uns in der Eingangshalle des Olympiabads: Während ich meine Stadtwerkekarte zum Eintritt nutzte, musste er sich erst mal eine Eintrittkarte kaufen, und ich würde ohnehin länger fürs Schwimmen brauchen.

Beim Umziehen auf überwältigte Reaktionen gestoßen.

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Meine 3.000 Meter waren entspannt genug, dass die Gedanken fließen konnten. Es formierten sich Pläne, unter anderem der, unbedingt beim Nachhausekommen einen Schuedi zu backen. Was ich genau so tat.

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Im sonnenbeschienenen Wohnzimmersessel das SZ-Magazin vom Freitag gelesen. Merkwürdige Geschichte über eine Gruppe Jugendlicher, die sich als Schulprojekt 18 Tage lang durch die Uckermark schlagen, ohne Handy und ganz allein. Bis auf die erwachsene Begleitperson, die aber nicht eingreifen soll. Und bis auf den SZ-Fotografen. Und die beiden SZ-Autorinnen. So dass der Begleittross fast so groß war wie die Gruppe Jugendlicher.
Mich irritieren ja auch Fernseh-Dokus von angeblichen Alleingängen in unwirtlicher Gegend, die auf lächerliche Art den Umstand ignorieren, dass eine Unternehmung in Begleitung eines ganzes TV-Teams kein Alleingang ist.
Doch das Interview mit Peter Sloterdijk im selben Magazin fand ich interessant genug, dass ich jetzt mal was von ihm lesen möchte.

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Auf dem Wohnzimmersessel auch die Wochenendzeitung gelesen, während der Mitbewohner in der Küche das Szegediner Gulasch zum Nachtmahl bereitete.

Ein Stündchen gebügelt (dafür musste ich bereits das Licht einschalten), meine Wanderschuhe nochmal ordentlich eingecremt und eingewintert.

Online viele, viele Augenzeugenberichte vom 9. November 1989 gelesen und viele Einordnungen Involvierter.

Aber auch einen besonderen Augenzeugenbericht vom 9. November 1938.

Journal Samstag, 8. November 2014 – Brotbackgespräche

Sonntag, 9. November 2014

Wecker auf sieben gestellt, weil ich für eine mittägliche Geburtstagseinladung Brot backen wollte. Zum Glück schon eine halbe Stunde davor aufgewacht, denn ich hatte mich mal wieder in der Zeit verschätzt: Da das Pane Vallemaggia auf zweimal gebacken werden muss, braucht es auch doppelte Backzeit.

Wurde gut, wenn auch immer noch nicht so schön großporig wie bei Petra. Vielleicht sollte ich den Teig weniger ausstoßen.

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In der U-Bahn dorthin neben einem der Kleinkinder gelandet, deren Lautstärkeregler kaputt ist und die NUR IN BIS ANSCHLAG ERHOBENER STIMME SPRECHEN KÖNNEN, DABEI DAS DEZIBELLEVEL EINES MARTINSHORNS ERREICHEN. Mir so dezent wie möglich die Ohren zugehalten.

Giesinger Küchenausblick bekannt aus Instagram und Twitter:

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Auf dem Heimweg zu Fuß Herbstdämmerung über der Wittelsbacher Brücke.

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Auf der Geburtstagsfeier auch übers Brotbacken gesprochen.
Falls von diesen Gästen jemand hierher kommt, ein paar Links, von denen ich beim Brotbacken immer noch profitiere.

Übrigens ist mir jetzt auch eingefallen, welche Art Brot auch im Gasofen funktionieren müsste:
Topfbrot.

Sauerteig:

Sauerteig von Null ansetzen (oder sich von einer Brotbäckerin ein Gläschen Anstellgut geben lassen)

Pflege eines Roggensauerteigs

Als Brotrezept zum Einstieg und für ein einfaches Erfolgserlebnis empfehle ich das Berliner Landbrot.

Gute und verlässliche Brotrezepte finden sich bei:

Chili und Ciabatta

Plötzblog (der auch das empfehlenswerte Brotbackbuch geschrieben hat)

Küchenlatein

Zorra

Brotdoc

Ketex

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Abends dem Mitbewohner American Hustle gezeigt, wieder begeistert von Drehbuch, Schauspielerinnen, Schauspielern.

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Andrea Diener hat für sich vor einiger Zeit Thüringen als Urlaubsgegend entdeckt und schreibt nun auch in der FAZ darüber:
“Im Fluss Gold und Forellen, ansonsten eher arm”.

Journal Freitag, 7. November 2014 – das Fenster schließt sich

Samstag, 8. November 2014

Wieder wachsende Verzweiflung über den Tag hin, weil sich das Fenster zu einer angenehmeren Zukunft schließt. Dazu die nicht minder bedrückende Erkenntnis, dass diese Zukunft vielleicht gar nicht angenehmer gewesen wäre, wenn der Weg dorthin so viel Mangel an menschlicher Achtung verrät. Doch die innere Rückkehr auf Start entmutigt und lähmt mich erst mal.

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Morgens Crosstrainerstrampeln, Radeln in die Arbeit, gut zu machende Arbeit mit nur einem Panikaugenblick (WOHIN IST IM PROJEKTKALENDER DER NACHMITTAGSTERMIN VERSCHWUNDEN?).

Abends zum Termin bei meiner wunderbaren Kosmetikerin geradelt, die sich wieder fast zwei Stunden Zeit für mich nahm und mich so lange liebevoll massierte, bis ich losließ.

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Zum Nachtmahl hatte der Mitbewohner aus Teilen des Ernteanteils three shades of green zubereitet: Nudeln mit Kerbelpesto, Endiviensalat, Kale Chips.

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Dazu einen Rotwein aus dem Burgenland, vor einiger Zeit im Broeding entdeckt:

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Auf der Website des Weinguts war nicht herauszufinden, woraus er gemacht war (man kann Vermarktungsmetaphorik ein bisschen zu weit treiben). Doch meine Lieblingssommelière meldete sich auf Instagram mit der Info: Zweigelt und Blaufränkisch. (Sehe gerade: Steht auch auf der Broeding-Site.)

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Noch ein GDL-Versteher-Artikel, den ich mit mehr Interesse gelesen habe als das einhellige GDL-Bashing der traditionellen Medien einschließlich meiner sonst meist geschätzten Tageszeitung Sueddeutsche Zeitung (die sich gestern u.a. nicht zu blöde war, ihre Kritik an die Barttracht des GDL-Vorsitzenden zu knüpfen).
“Die Rolle der DB im Bahnstreik”.

Verschärft hat die Bahn den Konflikt in den letzten Wochen noch dadurch, dass sie einseitig Tarifverhandlungen mit der EVG führte – und zwar für alle ihre Mitglieder, auch für die bislang von der GDL vertretenen Lokführer. Die Bahn gesteht der EVG also dasselbe Recht zu, das sie der GDL verweigert.

(…)

Die GDL weist zurecht darauf hin, dass der Bahn die unterschiedliche Behandlung derselben Beschäftigtengruppe im Unternehmen schon seit Jahren mühelos gelingt, wenn das personalpolitisch opportun ist. Außerdem zeigten unzählige Beispiele etwa bei der Vogtlandbahn oder der Albtal Verkehrsgesellschaft, dass Tarifpluralität bereits heute funktioniere. Und wie es um die soziale Ordnung bei der Bahn bestellt ist, ist den Mitarbeitern der DB noch aus dem Jahr 2007 bekannt. Damals wollte die Bahn im Verbund mit der EVG-Vorgängergewerkschaft Transnet die Einstellung 1000 neuer Lokführer zu einem Stundenlohn von 7,50 Euro über eine Zeitarbeitstochter durchsetzen. Das Vorhaben scheiterte schließlich am Widerstand der GDL.

Vielleicht, also nur mal so als Möglichkeit, vielleicht hat die GDL sehr gute Gründe für ihre Unnachgiebigkeit. Die vielleicht, also nur mal so als Möglichkeit, vielleicht im Interesse ihrer Mitglieder liegen.

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Vielleicht erinnern Sie sich an das Blog Kutter? Antville-Urgestein? Mit der unschlagbaren tag line “Verdrängung ist, was uns über Wasser hält”?
Dort steht der Text:
“Wessis in Weimar”

Gebucht bei Jugendtourist: eine Busreise im Oktober und November 1989 durch die DDR. 25 Jahre später bleibt die Erkenntnis: Das spannendste am Mauerfall waren die letzten Tage davor.

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Bestechende Beweisführung in der taz: Warum mancher Teebeutel ein Vorbild für Feminismus sein kann.
Oder: Wie die EMMA ein Web-Eigentor schoss.
“Emanzen, die nackt tanzen.”

Journal Mittwoch, 5. November 2014 – Kroatisches zum Nachtmahl

Donnerstag, 6. November 2014

Ein sehr bedeckter, grauer Tag, an dem es nie richtig hell wurde.

Eine Stunde früher im Büro gesessen, weil laut Aushang im Hausflur ein Heizungstechniker ab 8 Uhr etwas in allen Räumen prüfte. Der niemals auftauchte.

Mittags im kroatischen Feinkostladen um die Ecke eingefallen. Die Blut- und Leberwurst mit Knoblauch und scharf, geräuchert (und im Naturdarm, wie Sie sehen) gab’s abends zum Salat aus dem Ernteanteil (Tahini macht sich im Salatdressing sehr gut) und mit selbst gebackenem Frankenlaib.

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Den Feierabend wieder mit dem Hinterherlesen der Twittertimeline (und darin verlinkter Artikel) verbracht.

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Neuigkeiten aus unserem Kartoffelkombinat:
“Auf der Suche nach einer neuen Heimat”.

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Positive Verstärkung wirkt viel besser als Meckern. Man kann also als Werbung auch damit auffallen (und das soll Werbung doch, dachte ich immer?), dass man nicht die Klischees bedient:
“Pinkwatch lobt Hornbach”.
Mich würde sehr die Wirkung dieser Kampage in Zahlen interessieren.

(Ich quietsche ja jedesmal bei der Hornbach-Fernsehwerbung mit dem Goth-Mädchen.)

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Oh ja, es ist durch und durch unangenehm und empörend, dass die Bahn bestreikt wird.
Punkt.
Falls Sie davon abgesehen mal eine andere Sicht auf die streikende Gewerkschaft GDL werfen möchten (unabhängig ob diese richtig oder falsch ist), empfehle ich diesen gut lesbaren Hintergrundartikel. (Ich werde ja immer professionell misstrauisch, wenn eine Seite die Kommunikationshoheit zu haben scheint.)
“Bahnstreik – Ich bin ein GDL-Versteher!”

Transnet (Anm. der Verf.: die heutige EVG) ist beispielsweise dafür mitverantwortlich, dass die Deutsche Bahn systematisch Leiharbeiter als Lokführer einstellen konnte – Jahre später konnte die GDL durch ihre Streiks dieses „Geschenk“ von Transnet an Mehdorn revidieren. Zum großen Zusammenstoß mit der GDL kam es 2007, als Transnet einen Tarifvertrag mit der Deutschen Bahn unterzeichnete, der es der Bahn gestattete, über fragwürdige Vertragsbedingungen neue Lokführer zu Stundenlöhnen von 7,50 Euro einzustellen. Nicht die „Lokführergewerkschaft“, sondern Transnet war laut Vertrag für diese „Lokführer zweiter Klasse“ verantwortlich, die formaljuristisch als „Mitarbeiter mit eisenbahnspezifischer Ausrichtung“ bezeichnet wurden.
(…)
Die GDL streikt also auch, um eben keine Rosinenpickerei für eine „Funktionselite“ zu betreiben, sondern um möglichst vielen Mitarbeitern Vorteile durch die Schlagkraft der Lokführer zu veschaffen.

Wenn man sich die Zahlen anschaut, ist dieser Anspruch auch mehr als gerechtfertigt – nach Angaben der Deutschen Bahn sind in diesen Berufsgruppen 37.000 Mitarbeiter beschäftigt, von denen 19.000 Mitglied der GDL und lediglich 8.000 Mitglied der DGB-Gewerkschaft EVG sind. Die restlichen 10.000 Mitarbeiter sind nicht gewerkschaftlich organisiert.

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Fotoessay über russische Tantchen

via kscheib

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Vor dem Hintergrund wachsender Einwandererfeindlichkeit in UK hat die London School of Economics and Political Science mal durchgerechnet:
“Recent waves of immigrants to the UK have contributed far more in taxes than they received in benefits”.

Our findings are remarkable. Recent immigrants – those who arrived after 1999 – have provided a consistently positive and astonishingly strong contribution to the UK’s fiscal health. Between 2001 and 2011, immigrants from the European Economic Area (EEA – the EU plus three small neighbours) contributed 34 per cent more than they took out, with a net contribution of about £22.1 billion.

At the same time, recent immigrants from non-EEA countries made a net contribution of £2.9 billion, thus paying into the system about 2 per cent more than they took out. Overall, immigration to the UK between 2001 and 2011 therefore provided a positive net contribution of about £25 billion. And don’t forget that this occurred over a period in which the UK had run an overall budget deficit.

In contrast, over the same period, the tax paid by natives amounted to just 89 per cent of the welfare they received. This works out at an overall negative fiscal contribution of £624.1 billion. Our analysis thus suggests that rather than being a drain on the UK’s economy, immigrants arriving since the early 2000s have made substantial net contributions to its public finances. This is a reality that contrasts starkly with the “drain on our economy” view often maintained in public debate.

Allerdings bin ich ja PR-Fachkraft, und als solche weiß ich, dass Fakten die stumpfste Waffe gegen Ressentiments ist.

Journal Dienstag, 4. November 2014 – grüne Schuhe

Mittwoch, 5. November 2014

Weiterhin bacherlwarm.

Morgens zum Krafttraining geradelt, vom selben Vorturner wie vergangene Woche weitere hilfreiche Tipps zur Verbesserung von Übungsausführung bekommen. Die selbstzufriedene Sicherheit der korrekten Ausführung steigert mein Vergnügen sehr (“Rules are GOOD! Rules help control the fun!”).

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Das Wetterorakel Biergarten sagte am frühen Vormittag: Das Wetter bleibt schön. So waren mittags auch alle Tische besetzt, obwohl die Sonne schon so winterlich tief steht, dass ihre Strahlen es nicht mehr über die umliegenden Häuser in den Garten schaffen.

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Nach der Arbeit in balsamartiger Föhnluft durch die Nacht zum Schuhekaufen geradelt. Die Schuhe in vorsondiertem Geschäft 1 wurden mir als “was Modisches” erkärt – meine komplett unmodischen Füße passten nicht hinein. In Geschäft 2 hatten sie die im Schaufenster vorsondierten Schuhe nicht in meiner Größe. Doch ich sah im Regal andere Schuhe, gar nicht wie die gesuchten, die mir viel besser gefielen. Sie passten und erfüllten die Bedingung, dass ich damit längere Strecken zu Fuß gehen kann. Nächster Schritt in Richtung woman in comfortable shoes:

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Der Mitbewohner hatte das Ernteanteil-Blaukraut verarbeitet, dazu etwas Schweinehals gebraten und Nudeln gekocht – ein köstliches Nachtmahl. Zum Nachtisch die andere Hälfte Apple Crumble, diese mit Vanillesoße.

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Wieder ein ganz großartiges Was machen die da?:
“Heiko Wohlgemuth, Theaterautor und Schauspieler”.

Mit ganz viel Hintergrundinfo, wie Witze entstehen, wie manche Menschen für Theater schreiben und Ideen entwickeln. Jetzt will ich dringend den Kleinen Störtebecker mit dieser Wand sehen. Selbst wenn ich mit ganz vielen Kindern um mich rum fertigwerden muss.

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Ausrufezeichen!

MATOKA!

Journal Sonntag, 2. November 2014 – Starnberger See

Montag, 3. November 2014

Nach Morgenkaffee und Bloggen eine Kartoffelsuppe gekocht, damit ich das nicht nach dem Wandern tun muss. Mit meiner Mutter telefoniert: Ingolstadt wurde gestern seinem Ruf als Nebelloch gerecht, ich machte sie mit Beschreibungen des wolkenlosen Sonnenscheins in der Münchner Innenstadt neidisch.

Beim Bäcker eine Käsesemmel und einen Laugenzopf zum Frühstück geholt, mich damit in die S-Bahn nach Starnberg gesetzt. Die Bahn war voller Radlerinnen und Wanderschuhträger, ich hoffte, der Starnberger See würde Platz für uns alle bieten.

Die Wanderung Maisinger Schlucht wiederholt. Auf manchen Streckenabschnitten war der Weg tatsächlich belebt wie ein Ameisenstraße – aber mei: Alle wollten bei diesem Wetter raus, und den meisten bleibt halt wie mir nur das Wochenende für solche Unternehmungen.

Hinter Starnberg.

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Hinter Maising.

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Maisinger Weiher.

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Pöcking.

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Zurück nach Starnberg ging ich diesmal den Prinzenweg.

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Die bewirtschafteten Uferteile des Starnberger Sees waren schwarz vor Menschen.

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Die Runde von ca. 14 Kilometern ohne allzu viel Steigungen war ich in gemütlichem Wanderschritt und ohne richtige Pause in gut drei Stunden gegangen. Deshalb überraschte mich, dass meine Beine und Füße während der letzten Viertelstunde echte Erschöpfung signalisierten. Auf dem Stückchen Fußweg von der U-Bahn-Station nach Hause fühlten sich die Wanderschuhe wie Bleiklumpen an.

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Ich war dann so zeitig wieder daheim, dass ich noch im Sonnenlicht die Wochenendzeitung lesen konnte.

Am Samstag hatte ich über Twitter mitbekommen, dass @wurstsack aka Hendrik Haase bei Holgi auf Podcastbesuch gewesen war (Thema: Slow Food-Treffen in Turin) ; so war ich beim Bügeln aufs Angenehmste unterhalten. Allerdings brach ich das Bügeln vor den letzten beiden Teilen ab, weil meine Beine nun sogar gegen das Stehen mit Schmerzen protestierten. Körper, wir haben ein Kommunikationsproblem.

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Beifang aus dem Internet:

Der hiesige Protest Versprengter gegen angebliche Verunglimpfungen des Islam könnte den Eindruck erwecken, islamisch geprägte Kulturen seien humorlos. Falsch: Im Nahen Osten zum Beispiel gibt es eine sehr rührige Comedy-Szene – die allerdings durchaus mit ihrem Leben spielt.
“Middle East Goes Monty Python on ISIS”.

Unlike us, they don’t need to watch ISIS on TV; they can see ISIS from their front window.

Journal Samstag, 1. November 2014 – Schwimmen und Lesen

Sonntag, 2. November 2014

Papierlektüre zum Morgenkaffee. Das jüngste SZ-Magazin hatte ein Philipp-Lahm-Interview zum Titelthema gemacht. Ja, ich weiß, dass das ein berühmter deutscher Fußballspieler ist, das gehört zur Allgemeinbildung. Obwohl mich das Thema überhaupt nicht interessierte, las ich rein: Gut gemachte Geschichten zeichnen sich ja dadurch aus, mich für ein Thema zu interessieren. Bis zur Hälfte drangeblieben bin ich allerdings aus Faszination an den spektakulär bescheuerten Fragen:

Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Länderspiel in Februar 2004 gegen Kroatien? Ihre erste Ballberührung in der Nationalmannschaft war ein Fehlpass.
(…)
Versuchen Fußballspieler, sich vor jedem Spiel eine perfekte oder besonders schöne Spielsituation in Gedächtnis zu rufen, um sich so wie beim autogenen Training aufzubauen?
(…)
Bei der EM 2012 hat Bastian Schweinsteiger1 bemängelt, nicht alle Ersatzspieler hätten mitgefiebert. Spricht so etwas der Kapitän an oder macht das der Trainer?

Wenn das rauskommt, wenn man Fußballkundige Interviews mit Fußballstars führen lässt, bitte ich fürs nächste Mal um so fußballferne Interviewende wie möglich. (Meine Kontaktdaten stehen hier.)

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Das Wetter war so wundervoll, dass ich meine geplante Schwimmrunde nicht im Drinnen drehen wollte. Die Freibäder sind natürlich schon lange geschlossen, doch München bietet ja den Luxus eines Winterfreibads, sogar mit 50-Meter-Becken: Das Dantebad. Gestern war mir das die 7,80 Euro Eintrittsgeld wert. Da das Buch von Laura Waco, das ist zuletzt las, zum größten Teil in exakt dieser Gegend spielt (Borstei, Dantebad), hatte ich eh in letzter Zeit oft daran gedacht.

Das Hinradeln war wundervoll, doch dann folgten 75 Minuten Kampfschwimmen. Das Dantebad widmet eine seiner drei Schwimmerbahnen den Rückenschwimmern, also hatte ich angenommen, die anderen beiden Bahnen seien frei von Rückenschwimmerinnen. Irrtum: 50 Prozent schwammen Rücken, außerdem war ständig Schwimmspielzeug im Einsatz. Ein scharfkantiges Handpaddel auf der Nachbarbahn schrammte mir einen roten Striemen in den Oberschenkel.

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Im sonnigen Wohnzimmer Laura Waco, Von Zuhause wird nichts erzählt für meine Leserunde fertig gelesen.

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Schaufensterbummel zur blauen Stunde durch die Sendlinger Straße und die Theatinerstraße – alle paar Jahre habe ich Lust darauf. Aber eben nur alle paar Jahre, und so kenne ich die Shoppinggegend östlich von meiner Wohnung wenig. Ich sah Geschäfte ihre Schließung ankündigen, von deren Existenz ich nicht mal wusste, obwohl ich nur 500 Meter entfernt wohne.

Die Touristen saßen auch bei Dunkelheit noch tapfer in den Straßencafés auf dem Marienplatz und der Theatinerstraße.

Dass so viele Menschen vor dem geschlossenen Apple Schtore rumlungerten – stehend, auf dem Boden sitzend oder kauernd – und mit ihren Smartphone beschäftigt waren: Gibt’s da ein offenes W-LAN? (Ich war ohne Telefon unterwegs und konnte nicht nachsehen.)

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Mir ist schon klar, dass vier Tage Strohsingleleben sich nicht mit dauerhaftem Alleinleben vergleichen lassen. Aber die Erklärung fürs Niekochen “ach, für mich allein habe ich keine Lust” fällt mir schon schwer zu verstehen. Vielleicht liegt der Unterschied in der großen Freude, die mir ganz persönlich gutes Essen bereitet? Und die Niekocherinnen nicht kennen?

Zum Nachschwimmfrühstück bereitete ich mir Guacamole zu (beim Verdi war ich an einer reifen Avocado vorbeigekommen), dazu gab’s das letzte Eck des Mittwoch aufgetauten Viertels Frankenlaib von letztem Sonntag, außerdem Kaymak (also streichfähige Sahne, gerne verglichen mit clotted cream) mit Apfelmarmelade. Der Kaymak von Gazi enthält allerlei Stabilisatoren, kennt jemand einen Hersteller, der darauf verzichtet?

Und zum Abendbrot schnippelte ich mir Ofengemüse, dazu Couscous und Feta. Die zweite Hälfte nehme ich mir Montag als Brotzeit mit in die Arbeit.

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Allerdings gebe ich zu: Lebte ich dauerhaft allein, probierte ich wahrscheinlich seltener neue Rezepte aus. Und lernte dadurch weniger dazu.

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Zum Ofengemüse gab’s Tagesschau und den Schrecken, Recht gehabt zu haben:
Letzte Woche hatte ich dem wehrlosen Werkstudenten (natürlich kann ich mir auch als Sekretärin nicht die PR-Kriegsgeschichten verkneifen) Vorträge über die möglichen Auswirkungen des Veranstaltungstitels “Hooligans gegen Salafisten” gehalten: Auch wenn an den Krawallen und Attacken vergangenes Wochenende kein Salafist weit und breit beteiligt war, würde es irgendwann heißen, es habe sich um Gewalt zwischen Rechten und Salafisten gehandelt.

Dass das so schnell passieren würde, hätte ich nicht prognostiziert.
Schon gestern zitierte die 20-Uhr-Tagesschau in einem Beitrag über Bundespräsident Gauck eben diesen Herrn in indirekter Rede, er sei besorgt über “Straßenschlachten zwischen Salafisten und Hooligans”. Da waren keine Salafisten!

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Bizarritäten: HilliKnixibix twitterte

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Und schlagartig fiel mir ein, wie ich vor längerer Zeit in der Umkleide des Olympiabads beim Haarefönen ein kleines, unauffälliges Fotoshooting beobachtet hatte und noch dachte: “Wenn’s nicht extrem unwahrscheinlich wäre, hielte ich die abgelichtete Dame für Frau Almsick.” Sie war’s wohl tatsächlich.

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Am Fernsehprogramm hängen geblieben, weil Pro7 überraschend Alice in Wonderland von Tim Burton zeigte und ich den endlich nachholen konnte. Gefiel mir, enttäuscht war ich allerdings von der Musik: Danny Elfman hatte wohl keine Lust und klaute lediglich ein bisschen von sich selbst.

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Die New York Times portraitiert Menschen, die in einer Ebola-Station in Liberia arbeiten. Heldentum ist ein belasteter Begriff, hier aber vielleicht doch mal angebracht.
“Braving Ebola. Portraits of those who labor and those who survived at an Ebola treatment center in rural Liberia.”

  1. Ja, ich weiß, dass auch dieser ein berühmter deutscher Fußballspieler ist. []