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Journal Mittwoch, 20. Mai 2026 – Berlin 7: 3. Tag re:publica und lange Heimreise

Donnerstag, 21. Mai 2026

Gestern war der re:publica-Tag, an dem ich unterm Strich mindestens so viel Bereicherndes aus Gesprächen mit Internet-Kontakten mitnahm wie aus Sessions.

Nach Längerem reiste ich wieder am Abend des letzten Veranstaltungstages nach Hause (ich wollte dringend am Donnerstag ganz daheim sein, weil 21. Mai und Rosentag) und bemerkte, dass ich mir damit diesen 3. Tag re:publica zu großen Stücken nahm: Im Kopf war ich bereits auf dem Heimweg, richtete alles darauf aus.

So auch den frühen Wecker, um frühzeitig an der re:publica sein zu können. Ich hatte große Schlangenangst: 1. Kofferschlange, ich musste ja mein Gepäck bis Abfahrt unterstellen, 2. Einlassschlange. Zudem musste ich packen und das Apartment gemäß vorgegebender Checkliste aufräumen.

Gestern in Tarnkleidung.

Ausgeräumtes Apartment – war sehr in Ordnung, nur den Matratzenschoner in Bettnässer-Qualität hätte ich gern gegen etwas weniger Schweißtreibendes getauscht.

Anfahrt mit einmal Umsteigen, an Kofferabgabe und Einlass ging alles flugs. Jetzt war ich dann wieder viel zu früh drin, guckte ich mich halt an den Partner-Ständen um. Ich blieb hängen an dem der Arolsen Archives, in deren Online-Angebot ich ja schonmal die Spur meiner polnischen Großmutter und meiner Mutter gefunden hatte.

Am Touchscreen vor diesem Schild erklärte mir eine Arolsen-Mitarbeiterin das Projekt #everynamecounts: Freiwillige helfen, Namen und Daten von NS-Verfolgten digital zu erfassen, indem sie die Angaben von abfotografierten Originaldokumenten online in eine Eingabemaske übertragen. Weil die Karteien und Dokumente oft handschriftliche Eintragungen enthalten, können sie nicht einfach maschinell ausgelesen werden, es braucht Menschen zur Verarbeitung. Die Dame versicherte mir, dass jede Eingabe dreimal überprüft werde, um Fehler so gering wie möglich zu halten. So wird der durchsuchbare Datenbestand zur NS-Verfolgung immer größer. Was für eine großartige Bürgerbeteiligungs-Aktion! (Die Projekt-Website regt auch an, das für Schul- oder CSR-Projekte in Unternehmen zu nutzen.)

Mit Frau Klugscheisser traf ich mich ganz vorne in Stage 1 für “Ohne Moral keine Demokratie? Über Werte, Macht und gesellschaftlichen Zusammenhalt”: Yasmine M’Barek unterhielt sich mit Anne Rabe zu ihrem Buch Das M-Wort: gegen die Verachtung der Moral. Sehr schnell waren sie wieder bei den bedrohlichen Prognosen der Landtagswahl Sachsen-Anhalt im Herbst, aber drumrum nahm ich einige neue Gedanken mit.

Bei der nächsten Session hatte ich nur den Titel gelesen und etwas ganz Anderes erwartet (selber schuld): In “‘Wir spüren auf, wir graben tiefer’ – ARD Team Recherche zeigt, wie investigativer Journalismus auf Social Media funktionieren kann” ging es NICHT darum, wie das ARD Team Recherche auf Social Media recherchiert, sondern wie recherchierte Themen dieser Redaktionen als instagram-Reels und TikToks aufbereitet werden. Als ich meine Enttäuschung überwunden hatte, fand ich das doch interessant, vor allem mal wieder den Einblick in den Maschinenraum des Arbeitsalltags Öffentlich Rechtlicher.

Zeit für Mittagscappuccino im Hinterhof, Festhalten der neuen U-Bahn-Wagen der Berliner Verkehrsbetriebe, Schwatz mit wirres-Blogger Felix Schwenzel. Auch wenn das Wetter gestern düster aussah, es später auch regnete, war die Luft angenehm mild.

Die nächste Session hatte ich mir als Highlight gleich beim ersten Durchsehen des Programms markiert: “Schrumpfende Spielräume – ARD-Korrespondentinnen berichten” – was für ein Line-up mit (von links) Isabel Schayani vom ARD-Weltspiegel, Gudrun Engel (Studioleiterin des ARD-Studios in Washington), Tamara Anthony (bis 2024 Leiterin des ARD-Büros Peking), Sophie von der Tann (ARD-Korrespondentin für Israel und die palästinensischen Gebieten), Marie-Kristin Boese (Leiterin des ARD-Studios in Mexiko-Stadt). Von Schayani schön mit gezielten Fragen strukturiert berichteten die vier von den aktuellen Umständen ihrer Arbeit und wie sich diese verändert haben – durchaus unterschiedlich, denn während Engel mit einer immer größeren Flut von Ereignissen und Informationen kämpft, sehen sich die anderen von teils immer bizarreren (China) Hindernissen eingeschränkt. Was sie verbindet: Ein ungeheuer kämpferischer Geist. Und ja: Es machte auch diesmal einen Unterschied, dass da nur Frauen als Fachleute saßen (und es überhaupt nicht um ihr Frausein ging).

Ich saß am Rand, neben mir eine E-Rolli-Fahrerin, die sich am Ende, als wir zum Glück auch mal zur Seite schauten statt nach vorne – als Christiane Link herausstellte, Bloggerinnen-Urgestein! Große Wiedersehensfreude, auf meine zweite Frage (nach Befinden), die nach ihrem Blog, verwies Christiane auf ihren Substack “The accessible Link”. Wie bei jeder Begegnung hatte sie gleich mal wieder aberwitzige Geschichten auf Lager, von ihrer Rolle in einer parlamentarischen Anhörung (!) (!!) bis zu den Drehbuch-reifen Turbulenzen um ein Gutachten, das sie für ein Gerichtsverfahren in Schottland erstellte und mit dem sie sich über schlimme gesundheitliche Probleme rettete. Außerdem bin ich sicher nicht indiskret, wenn ich hier weitergebe, dass Christiane es jetzt offiziell und schriftlich hat, dass sie KEINE mad woman ist.

Wegen Verratschens besonders spätes Mittagessen: Kurz vor drei gab es drinnen auf dem Affenfelsen Apfel und Hüttenkäse. Und Nachklingenlassen des Umstands, wie lange ich mit Frau Klugscheisser, Felix und Christiane über das Internet verbunden bin und ihre Leben mitverfolge (in dem Maß, in dem sie selbst das zulassen).

Als Pflicht-Programmpunkt “Session, deren Thema mich überhaupt nicht interessiert”, ging ich in “Battle of the Nerds – LIVE auf der re:publica!”, sonst eine Spielshow als Podcast. Doch ich war durch, konnte auch das nur wenig wahrnehmen.

So schweiften meine Gedanken ab. Auffallend dieses Jahr auf meinen Fußmärschen durch Berlin: Wie oft mich Passantinnen anlächelten, in allen Altersstufen, mal Kinderwagen schiebend, mal gebeugt und mit schwerem Schritt Hackenporsche ziehend, mal mit funkelnden Augen zwischen unzähligen Piercings. Auch die E-Radlerin, die mir an einer Kreuzberger Kreuzung nach Blickkontakt den Vortritt ließ und eigens dafür abstieg. Möglicherweise bin ich in einen universitären Feldversuch geraten. Allerdings verweigert mir Berlin ja seine verbriefte schlechte Laune und Anranzigkeit seit Jahrzehnten.

Gestern eine weitere Entdeckung auf meinem Fußmarsch, nämlich auf der Brücke über den Kanal:

Laut der App Flora Incognita Scharfer Mauerpfeffer, noch nie gesehen/wahrgenommen.

Die Rückreise wurde beschwerlich. Ich hatte mich besonders schlau gefühlt (nein, diesmal kein Selbst-Bashing, meist sind diese schlauen Ideen nämlich wirklich schlau), weil ich mit meinem schweren Koffer eine direkte Busverbindung zum Hauptbahnhof rausgesucht hatte, Haltestelle zehn Fußminuten von der Station entfernt. So musste ich nämlich den Koffer nicht die Treppen zur U-Bahn und die Treppen beim unweigerlichen Umsteigen schleppen. Und ich verließ die re:publica mit reichlich Zeit bis Zug-Abfahrt.

Nicht bedacht hatte ich als Auto-Ferne, dass Busfahren demselben Hindernis unterliegt wie Autofahren: Stau. Und der war durch zahlreiche Baustellen durchgehend. Nach 45 Minuten Schleichfahrt und Stehen (so lange hätte ich zu Fuß zum Hauptbahnhof gebraucht) waren wir grade mal bis Unter den Linden gekommen. An der dortigen U-Bahn-Station ließ der Busfahrer mich und einige andere Rollkoffermenschen raus (auf der Treppe bot mir eine Passantin Hilfe mit dem Koffer an – die Berlinerinnen sind einfach entzückend, siehe oben), die U-Bahnfahrt ließ mir noch genügend Zeit für Brotzeiteinkauf vor Abfahrt.

Die sich immer weiter verschob: “Wegen Bauarbeiten” verzögerte sich die Abfahrt des Zuges nochmal und nochmal – während meiner Stunde Rumstehens wurde für nahezu alle, viele ICEs Verpätungen von mindestens 15 Minuten durchgesagt, aus wechselnden Gründen, vorwiegend aber “wegen Bauarbeiten”, nur zwei fuhren pünktlich. Ich stand so lange Handy-lesend am Bahnsteig, dass mir – auch nach dem langen Stehen im Bus – der untere Rücken ausgesprochen unangenehm weh tat. Ein paar Gabi-Fastner-Übungen (ja mei, dann schaun’s halt) taten so gut, dass die Schmerzen erst nach anderthalb Stunden Zugfahren (Abfahrt mit 40 Minuten Verpätung) wieder einsetzten. Da hatte ich bereits zu Abend gegessen: Apfel, Vollkornsemmel mit Brie, Nussecke.

Der Ausblick vom locker besetzten Wagen bot mir unter anderem einen Reiher, dann eine ganz schmale Mondsichel am Himmel, ich las Mastodon-Timeline, Süddeutsche, guckte instagram.

Bei der Ankunft in München war die Verspätung von “Wir haben für Sie Wasser und Kekse bereitgestellt” mit 65 Minuten jenseits von Fahrgastrechteformular gerutscht. Ziemlich erledigt nach Hause gerollkoffert, den extra nochmal aufgestandenen Herrn Kaltmamsell geherzt. Mich am Kofferausräumen gehindert und nur das Notwendigste rausgeholt (E-Zahnbürste aufladen, Butter in den Kühlschrank), Bett.

§

Auch “Blogosphäre”-Mitdiskutantin Franzi machte sich nachträglich Gedanken:
“Mythos Blogosphäre: Was mir noch durch den Kopf geht”.

Stimmt: Die Bedeutung von Sprache ist bis heute in Blogs geblieben. Ich lache beim Bloglesen immer wieder laut auf: Weil da Leute, die Schreiben keineswegs beruflich machen, Pointen setzen können, Geschichten erzählen, Wörter erfinden oder für ihre Zwecke umfunktionieren.

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Ein kleiner Knaller auf der re:publica war, als in einer Session verglichen wurde, was Verlage manchmal als Buch-Vorschüsse zahlen. Berit Glanz erklärt fachlich die Mechanismen und Hintergründe solcher Vorschüsse (und verlinkt den Knaller-Moment der Session):
“Zwischen Bestseller und Brainrot – Wie der Markt die Literatur sortiert”.

Journal Dienstag, 19. Mai 2026 – Berlin 6: 2. Tag re:publica plus Ausstellung

Mittwoch, 20. Mai 2026

Ein wenig hatte ich mich zeitlich verschätzt: Zur ersten re:publica-Session, “Reden wir noch oder canceln wir schon?” mit Igor Levit, Jouanna Hassoun, Johannes Volkmann und moderiert von Deutsche-Welle-Redakteur*innen Jennifer Wilton und Jaafar Abdul karim kam ich zwei Minuten zu spät.

Unterschätzt hatte ich zum einen, wie lange ich für den Einlass aufs Gelände schlangestehen musste: mehr als 15 Minuten (ich notiere das zum Merken für eventuelle nächste Male). Zum anderen wurde ich auf meinem – wieder sensationell sonnig frühlingshaften – Marsch zur Station charmant aufgehalten. Am Rolandufer überholte ich ein Quintett junger Burschen, die auf US-Englisch miteinander plänkelten. Aus diesem Plänkeln erahnte ich bereits, was dann als Ansprache von hinten kam: “Entschuldigung!” Die Burschen wollten ihr Deutsch üben. Ich ließ mich darauf ein, sie waren auch zu niedlich, aber viel hatten sie noch nicht zu bieten. Bis ich ihnen dann doch beibringen musste: “Ich möchte nicht unhöflich sein – I don’t want to be impolite – but I am in a hurry.”

Da drüben am Märkischen Ufer lag das Restaurant-Schiff, auf dem ich am Freitag zuvor so gut gegessen hatte; es sind die beiden rechts vor der Brücke.

Diese erste Session war eine Bereicherung: Die Teilnehmenden sprachen wirklich miteinander, auch wenn manchmal spürbar die Luft brannte wegen gegenteiliger Ansichten, deren Äußerung offensichtlich reflexartige Unterstellungen erzeugte. Aber die drei Diskutand*innen wollten sehr zeigen, wie Reden statt Canceln geht (selbstverständlich wurde um eine Definition von “Canceln” gerungen – ohne eindeutiges Ergebnis): Sie differenzierten, klärten, hakten nach. Und mit CDU-MdB Johannes Volkmann würde ich mich sehr gern ausführlich unterhalten um herauszufinden, worin unsere Ansichten sich in Wirklichkeit unterscheiden. (Außerdem kann ich jetzt nachvollziehen, warum Pianist Igor Levit ein so gefragter Diskussionsteilnehmer ist: Er formuliert nicht nur zuhörenswert, sondern stellt auch kluge Bezüge her.)

Ich eilte in einen anderen Saal für “Der Innovations-Maschinenraum Deutschlands: 11 Pioniere live auf einer Bühne”, in erster Linie aus beruflichem Interesse. Die Pitches waren alle extrem dicht und kurz, ich weiß nicht, ob irgendeine der hochtechnischen Innovationen wirklich verstanden wurde und ankam – relevanter war eigentlich der Rahmen, den Alexandra-Gwyn Paetz vom Bundesforschungsministerium (bei der Fotoafnahme oben bereits weitergeeilt) und Jeanne Rubner als Vize-Präsidentin der Technischen Universität München (oben ganz rechts) spannten – aber das erzähle ich in der Arbeit.

Jetzt machte ich eine re:publica-Pause: Ich wollte ohnehin unbedingt die Ausstellung “Der Holocaust – Was wussten die Deutschen?” im Dokumentationszentrum Topografie des Terrors sehen und hatte auf meinem Fußmarsch zur Station entdeckt, dass sie fast auf dem Weg und nur 15 Fußminuten von der re:publica entfernt lag. Dorthin spazierte ich also, mit kurzem Abstecher für Mittagscappuccino.

Eine ganz ausgezeichnete Aufbereitung des Themas: Sauber und akribisch anhand von Quellen befasst sich die Ausstellung in drei Kapiteln damit.

“Propaganda” beleuchtet, was das NS-Regime über die Verfolgung und Ermordung der Jüdinnen und Juden öffentlich bekannt gab. “Hinweise im Alltag” rückt Gerüchte und inoffizielle Nachrichten über die Massenmorde in den Blick. “Vom Puzzleteil zum Bild” zeigt, wie einzelne Personen Informationen zusammenfügten, um sich ein Gesamtbild zu verschaffen.

Die Quellen sind die Exponate der Ausstellung und belegen: Niemand konnte nichts gewusst haben.

Was zur Frage führte:

Auch darauf werden Antworten gesucht, wird um Antworten gerungen.

Wenn ich schonmal da war, sah ich mich auch im Außenbereich des Dokumentationszentrums um, dessen Inneres ich mit Herrn Kaltmamsell Ende 2024 besichtigt hatte – allerdings nur kursorisch.

Auf dem Rückweg zur re:publica machte ich um halb zwei Mittagspause im Mendelssohn-Bartoldy-Park (Berlin hat SO viel schöne kleine und große Parks) und aß Apfel sowie Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Zurück auf dem Veranstaltungsgelände traf ich weitere meiner kleinen Internetfreund*innen, riss mich aber rechtzeitig los für: “Onlinehandel, Stadtzentren und nachhaltiger Konsum – Wie passt das alles zusammen?”

Lisa Frien-Kossolobow und Jan Gimkiewicz vom Umweltbundesamt berichteten über Pilotprojekte dazu – durchaus herzerfrischend.

Ich machte weiter mit “Das skaliert nicht!”: Vor allem der Lokaljournalismus (im Panel u.a. Marc Rath, Chefredakteur Mitteldeutsche Zeitung und Magdeburger Volksstimme) versucht, echte Nähe zu den Menschen im Zeitungsgebiet herzustellen mit Hilfe von vielen kleinen, originellen Aktionen (u.a. regelmäßige Redaktionstage im Hauptbahnhof, ein Redakteur fährt mit einer Elektro-Schwalbe über die Dörfer, ein Stand in einer Plattenbausiedlung), das hörte sich überzeugend und vielversprechend an.

Als ich mich in die Session “How-to Aufhören: Ein Gespräch über bessere Enden im Arbeitsleben” setzte, wusste ich noch nicht, dass es meine letzte des Tages sein würde: Ich war elend müde und konnte mich nicht darauf konzentrieren. Umso attraktiver erschien mir ein Heimweg zu Fuß in der immer noch herrlichen und eher frischen Frühlingsluft. Ich bin erwachsen und kann machen was ich will, also machte ich das – ich war einfach over capacity. (Schade, ich erinnere mich an re:publicas, auf denen ich viel aufnahmefähiger war.)

Ich nahm nochmal einen anderen Weg, kreuzte dabei die Zossener Brücke, kam am legendären Prinzenbad vorbei,

entdeckte Berliner Wanderwege

und ließ mir von der App Flora incognita diese ungewöhnliche und hübsche Blume in der Grünanlage um die Kirche St. Thomas bestimmen: Dolden-Milchstern, ganz bezaubernd.

In der Unterkunft nur kurzes Bilderrunterladen und -sortieren, dann folgte ich einer Empfehlung zum Abendessen in ein italienisches Hotelrestaurant.

Das zum einen wusste, dass italienische Restaurants außerhalb von Italien bitteschön mit rot-weiß-karierten Tischdecken arbeiten, zum anderen einen hervorragenden Spargel-Spinat-Salat servierte. Die anschließenden “Spaghetti Carbonara” waren weder Spaghetti noch Carbonara, sondern Linguine (wahrscheinlich aus eigener Herstellung) in Käsesauce mit Speck, aber schmackhaft und sättigend. Dazu genehmigte ich mir ein Glas Vermentino. Zurück in der Unterkunft gab es noch Schokolade.

Im Hinterkopf arbeiteten bereits die Pläne für die Rückreise am Mittwoch, wird ein langer Tag.

§

Auch Initiator Alexander Matzkeit hat über unsere Session zum “Mythos Blogosphäre” gebloggt – der halt für uns Zeitzeug*innen kein Mythos war (und ich kann mich erinnern, wie irritiert ich mich vor vielen Jahren auf Twitter äußerte, dass Sascha Lobo auf einer Veranstaltung als “Blogger” vorgestellt wurde: Er musste mich selbst auf seine Beteiligung an der Riesenmaschine hinweisen, die ich eher als Online-Magazin wahrgenommen hatte denn als Blog).

Journal Montag, 18. Mai 2026 – Berlin 5: 1. Tag re:publica

Dienstag, 19. Mai 2026

Nach gutem und ausreichend Schlaf war ich so zügig durch mit Bloggen, Morgengymnastik, Morgentoilette, Anziehen und Packen, dass mir vor meinem Fußmarsch zur re:publica sogar noch Zeit für Lesen blieb. Was allerdings auch daran lag, dass ich als Ankunftszeit 11 Uhr anpeilte. Die Eröffnungsfeier ließ ich aus, denn: Schon seit vielen Tagen war mein Ausblick auf die diesjährige re:publica getrübt, genauer seit Johnny Häusler vor zehn Tagen in seinem Newsletter sachlich mitteilte, dass er und seine Frau Tanja, beide Mitgründer*innen der re:publica, nicht mehr Teil davon sind; sie haben ihre Anteile verkauft. Und obwohl sich selbstverständlich diese als Blogger-Konferenz gestartete Veranstaltung immer verändert und weiterentwickelt hat: Eine re:publica ohne Tanja und Johnny brach mir erstmal das Herz. Dieser Schatten blieb den ganzen Tag.

Aber dann Fußweg in nochmal herrlichem Sonnenschein.

Outfit des Tages.

Mir ging’s beim Fotografieren um die Yellow Fist im Vordergrund.

Und hier um die Schrift: Ungewöhnlicherweise wurde an diesem sehr modernen und neue Gebäude der 1950er-Schriftzug beibehalten.

Hallo Station!
Die Schlange für den Einlass (Taschenkontrolle von richtig freundlichen Menschen) hatte sich wieder bis 30 Meter hinter den Aufgang zur U-Bahn gezogen, bewegte sich aber wohlkoordiniert schnell.
Erstes Treffen mit einem re:publica-Newbie.

Auf dieses Line-Up hatte ich mich sehr gefreut (von links): Luisa Neubauer, Carolin Emcke, Alice Hasters und Constanze Kurz unterhielten sich zu “Never Gonna Give (You) Up – Warum wir immer weiter machen”. Sehr persönliche Sichten, sehr unterschiedliche Ansätze, sehr unterschiedliche Sprache und Begrifflichkeit (erster Lacher beim Eingangsstatement von Luisa Neubauer “Richtig. Für gute Laune fragt man Klimaaktivisten.”). Aber eben auch Einigkeit, dass Aufgeben keine Option ist.

Nach einem Mittagscappuccino setzte ich mich in die ersten Reihe vor Stage 1. Oliver Nachtwey, Professor für Soziologie, und Soziologin Carolin Amlinger stellten die Forschung hinter ihrem Buch Zerstörungslust vor, “Warum so viele Menschen die Demokratie brennen sehen wollen” (Foto vom anschließenden Gespräch mit der sehr fundiert vorbereiteten Moderatorin Ann-Krsitin Tlusty). Das war sachlich und ziemlich tief, ich hörte wieder, dass man vielen gesellschaftsdestruktiven Haltungen nicht mit Fakten begegnen kann, weil sie auf dominanierenden Gefühlen basieren. Das Projekt und die Literatur dazu waren einerseits erhellend, andererseits deprimierend.

Jetzt nutzte ich mein Privileg als Speakerin mit Zugang zur Speakers’ Lounge und dem dortigen Catering:

Ich setzte mich dort auf einen Teller Salat und Tai-Curry mit Tofu, fand auch noch eine Banane.

Die nächste Session, die ich mir notiert hatte, “Streiten wir noch – oder hassen wir schon?”, konnte ich nicht sehen: Der (sehr große) Saal 2 wurde wenige Personen vor mir wegen Überfüllung geschlossen. Statt dessen (zumindest lief mir unterwegs dorthin Heidi Reichinnek über den Weg) ließ ich mir vom vertrauten Cory Doctorow vortragen zu “On Enshittification – and what can be done about it.”

Sehr dicht, gehaltvoll und überzeugend, ich verlinke die Aufzeichnung, sobald sie bereit steht: Empfehlung.

Nachtrag 22.5.2026: Hier die Aufzeichnung.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=KhINQgPMVSI

Auf der ARD ZDF Media Stage berichteten drei ARTE-Mitarbeitende über neue Projekte, die sich an junge Leute richten. Der Einblick war interessant, doch die Detailfragen aus dem Publikum ließ ich bereits aus.

Ich hatte einen Stimmungs-Durchhänger und zog mich in die fast leere Speakers’ Lounge zurück, las dort auf einem Sofa Zeitung, bis es Zeit für meinen eigenen Auftritt war: Alexander Matzkeit hatte Felix Schwenzel, Franziska Bluhm und mich zusammengeholt für ein Gespräch zu “Mythos Blogosphäre – Wie war es damals wirklich?”. Wir warfen unsere Erinnerungen zusammen, die einander durchaus glichen – für Belastbares müssten man allerdings gezielter nachschlagen, recherchieren und unter anderem mehr Blogger*innen von damals fragen, vor allem verschiedenere (Melody? katatonik? – nur so als Einstieg in andere Kreise als die von Franzi, Felix und mir). Schön fand ich auch die Beiträge und Fragen aus dem Publikum (etwa 30 Interessierte).

Hier ein Foto von unserer Runde.

Bei dieser Gelegenheit traf ich ganz alte Internet-Bekanntschaften wieder, das freute mich. Doch es war bereits acht Uhr durch, durch fühlte auch ich mich und ging. In U- und S-Bahn zum Ostbahnhof wog ich ab, ob mir ein Restaurantbesuch (ich hatte eine Empfehlung beim Ostbahnhof) oder Supermarkteinkäufe lieber waren: Supermarkt verschaffte mir Zeit zum Bloggen. Und so gab es Körnersemmeln mit Butter und Käse, dazu Tomaten. Nachtisch ein wenig Schokolade.

Im Bett überraschend Joachim Meyerhoff, Alle Toten fliegen hoch: Amerika ausgelesen: Die letzten 11 Prozent stellten sich mal wieder als Leseprobe eines anderen Romans heraus (zefix!).

§

IT-Berater Christian Hofstede-Kuhn listet in seinem Blog (strukturell aus IT-Perspektive) auf, wie er durch Jahrzehnte Erfahrung zum Profi-Bahnfahrer in Deutschland wurde. Und gibt diese Erkenntnisse weiter, eingeleitet mit “If you board a German long-distance train often enough, you stop hoping for punctuality and start engineering around its absence.”:
“A Field Manual for Three Years on Deutsche Bahn”.

Es geht um Dinge wie Entscheidungen bei Zugausfall, dass Strecken über Nürnberg denen über Stuttgart vorzuziehen sind etc.

The thing nobody tells you about commuting by train for years is that you develop a relationship with the system. You stop fighting it. You learn its moods, its bad days, its hidden virtues. You build out a mental model of failure domains, fallback paths, and where the load-bearing humans sit. You discover that the Bordrestaurant at 9pm on a Friday between Hamburg and Frankfurt is one of the most quietly civilised places in modern Europe, full of other tired professionals reading novels and eating overpriced soup, and you would not trade it for a plane.

DB will let you down. It will also, more often than the internet would have you believe, deliver you eight hours of clean uninterrupted thinking time at 250 km/h across a country, drop you within walking distance of your next meeting, and occasionally reroute you down the left bank of the Rhine at golden hour as an apology. The trick is to plan for the first and enjoy the second.

Journal Sonntag, 17. Mai 2026 – Berlin 4: Ohne Schwimmen, aber mit Volkspark Friedrichshain, Anita-Berber-Park, Einchecken auf der re:publica

Montag, 18. Mai 2026

Wieder schön früh nach guten Schlaf aufgewacht, wieder verhieß das Gelassenheit für meine Pläne vor Verabredung am Nachmittag.

Draußen kalt und sonnig, ich machte mich über Milchkaffee ans Verbloggen des Vortages. Und bemerkte immer stärker, dass mich TOP 1, Schwimmen im SSE, unter Druck setzte. Nach einigem Hadern mit unvermeidlichem Konditionseinbruch durch Schwimmpause, mit auf die Schwimmrunde ausgerichtete Körperpflege, eigens mitgebrachter Schwimmausstattung kam ich zu dem Schluss, dass mir freie Stunden mit Zeitung- und sonstigem Lesen (all die Bookmarks mit Artikeln, all die Newsletter!) besser tun würden als eine Schwimmrunde.

Also las ich, turnte Pilates, reinigte mich gründlich und ging auf einen Spaziergang Richtung Schwimmbad statt hinein. Bei dieser Gelegenheit erkundete ich den Volkspark Friedrichshain, erklomm unter anderem beide verfügbare Hügel – dieses in herrlicher Sonne samt nahezu milden Temperaturen, zwischen vielem Spaziervolk und energisch grillenden Gruppen (offizielle Wiese, an einer Hütte musste man sich aber fürs Grillen anmelden).

Der Strausberger Platz wurde für Foto-/Filmaufnahmen genutzt.

Namensgeber

Der Volkspark Friedrichshain wurde genutzt für Sport verschiedener Art. Die Sonne wärmte, mittlerweile hielt ich meine Jacke in der Hand.

Soundtrack dominiert von metallischem Starenzwitschern, für eine Münchnerin sehr exotisch.

Den Spaziergang durch den schönen, sonnigen Park genoss ich sehr (mehrere Eichhörnchen!), in die Unterkunft kehrte ich mit ordentlich Frühstückshunger zurück. Gegen den gab’s um halb zwei Äpfel sowie Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

TOP 2 zog ich aber durch, schließlich hatte ich mich auf dieses Treffen mit Berliner Blog-Urgestein sehr gefreut: Eine U-Bahn brachte mich zum Anita-Berber-Park in Neukölln (ehemaliger St.-Thomas-Friedhof). Durch den spazierte ich mit der Verabredung auch und betrat zum ersten Mal wenigstens ein wenig das Tempeldorfer Feld. (Kurzer Stopp an der NS-Zwangsarbeit-Gedenkstätte der Evangelischen Kirche.) Diese Gegend kenne ich noch gar nicht, kommt auf die Liste.

Zu KaffeeundKuchen setzten wir uns ins Friedhofs-Café 21 Gramm, wo wir mehrere Anläufe brauchten, den diversen interferierenden Laien-Bedienungen in verschiedenen Sprachen unsere (wirklich einfachen) Wünsche klar zu machen (zweimal Tee, zwei Stück Caramel Tahini Shortbread – einer von drei angebotenen Kuchen) – die Verabredung zuckte Schultern: Berlin halt.

Austausch von Aktuellem, ich freue mich bereits auf neuen, frischen Lesestoff.

Zu TOP 3 brachten mich wieder U-Bahnen: Ich checkte an der Station für die re:publica ein.

Ging schnell und flüssig. Ich fühlte mich fit, die Luft war trotz sich dunkel türmender Wolken angenehm, also ging ich eine Stunde zu Fuß zurück in meine Unterkunft.

Dieses Jahr war die re:publica im Berliner Straßenbild reichlich plakatiert.

Zum Abendessen wärmte ich die restlichen gekochten Nudeln vom Donnerstagabend mit einer kleinen Dose Linsen auf (zum Glück hatte ich rechtzeitig begriffen, dass der Backofen statt Mikrowelle ein Backofen UND Mikrowelle war), mischte eine kleine Dose Sardinen unter – kann man sehr gut machen. Nachtisch Schokolade.

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An der Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete im Münchner Westend gehe ich an jedem Arbeitstag mindestens einmal vorbei, genauer: Ich gehe durch, weil das eine praktische Abkürzung von meinem Arbeitsplatz zum Heimeranplatz ist. Dadurch wusste ich bereits, wie ruhig es hier zugeht (ich bedauere immer wieder, dass ich nie ein Gesicht zweimal sehe: Ist halt eine Durchgangsstation), und aus Berichten, dass die Anwohnenden sehr wohlwollend eingestellt sind. Umso mehr freute ich mich über diese SZ-Reportage (mal sehen, ob der Geschenklink funktioniert):
“Das Viertel, in dem die AfD keine Chance hat”.

Im Westend steht die größte Geflüchtetenunterkunft Münchens. Und die Rechten? Nichts von ihnen zu hören.
Warum in dem Viertel niemanden stört, was anderorts für Riesenaufruhr sorgt.

Spoiler: Genossenschaftsbauten tun einer Stadtkultur gut.

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Über die Rolle von Mooren in der CO2-Bilanz und über Programme zur Wiederbewässerung trockengelegter Moore hatte ich schon gelesen – aber nirgends so schön und schmissig zusammengefasst wie bei Frau Büüsker:
“Die Moorrevolution”.

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Wie der Münchner Hula-Hoop-Gott Daniel Middel, der mit seinen Filmchen die Welt definitiv zu einem besseren Ort macht, vom australischen Fernsehen interviewt wurde.

Journal Samstag, 16. Mai 2026 – Berlin 3: Bauhaus-Fotografie und Hansaviertel mit Freundin

Sonntag, 17. Mai 2026

Gut geschlafen, als ich erfrischt aufwachte, war es erst sieben Uhr: Wunderbar, also keine Gefahr von Hektik für die Umsetzung meiner Tagespläne.

Nach Bloggen an Morgenkaffee und -tee hatte ich Lust auf Pilates: Ich fand sogar eine Fläche im Mini-Apartment, auf der ich mich für etwas raumgreifendere Gymnatikübungen nur zentimenterweise umarrangieren musste: in und vor der Kochnische.

TOP 1: Lebensmitteleinkäufe für den restlichen Urlaub. Im Alnatura, den ich auf dem Weg zum Ostbahnhof unweit der Unterkunft gesehen hatte, bekam ich alles Gewünschte. Auch gestern war das Draußen reichlich frisch, gleichzeitig erfreulich sonnig.

TOP 2: Fahrt nach Charlottenburg für Marzipaneinkauf. Auf dem Weg zum Ostbahnhof auf der Holzmarktstraße viele, viele, viele, viele, viele, viele, viele, viele, viele, viele, viele, viele, viele große Motorräder – sogar noch viele mehr: Ich hatte den Anfang des Corsos in Form eines Polizei-Motorrads gesehen, und als ich nach fünf Minuten Fußmarsch abbog zum Ostbahnof, war immer noch kein Ende des Motorradflusses am Ende der Straße zu erkennen. In München hätte ich gedacht: Wallfahrt. Hier fiel mir keine Erklärung ein.
Nachtrag: Auf Mastodon bekam ich den Hinweis, dass es sich um diese “Gedenkfahrt” handelte – also doch eine Wallfahrt.

Regionalbahnfahrt nach Charlottenburg, großzügiger Einkauf bei Wald Königsberger Marzipan, vor ein paar Jahren beim Ferienaufenthalt in der Gegend entdeckt.

Ich mag Charlottenburg einfach: Der Stadtteil hat genau meine liebste Art von Uncoolheit, ist menschenbunt und ein bisschen angegrabbelt, ohne schmutzig zu wirken. Auf dem Karl-August-Platz kreuzte ich gestern einen Markt, der sehr sympathisch aussah. Und bekam in der Nähe meinen Mittagscappuccino in einem Café der neuesten Generation.

Nicht weit entfernt davon wieder sowas:

TOP 3: Treffen mit Freundin am Museum für Fotografie. Wir hatten uns zum gemeinsamen Besuch der Ausstellung “Neue Frau, Neues Sehen. Die Bauhaus-Fotografinnen” verabredet.

Aufmerksam gehängte Ausstellung, gut erklärt und vermittelt, ich erfuhr eine Menge Interessantes zum Thema. Dass die meiste Architektur-Fotografie des Dessauer Bauhauses, u.a. die ikonischen Gropius-Aufnahmen von Lucia Moholy stammen, ohne dass sie genannt wurde, wusste ich allerdings schon vorher.
Die sonstigen Fotos der Ausstellung nahm ich eher als illustrierend für den faktischen Hintergrund wahr, nur wenige stachen erinnernswert heraus.

Vor allem ging es bei der Verabredung ja um das Wiedersehen mit dieser möglicherweise längstjährigen Freundin. Wir setzten uns zu KaffeeundKuchen ins nahegelegene Café des Amerika-Hauses (hervorragender säuerlicher Cheese Cake zum späten Frühstück). Dann zog uns die Sonne trotz weiterhin sehr frischer Temperatur raus auf einen Spaziergang: Die schon lange Einheimische zeigte mir erstmal das Hansaviertel, wusste viel zum historischen und aktuellen Hintergrund zu erzählen.

In der Akademie der Künste viele liebevolle Details.

Wir stellten fest, dass wir beide sehr gern zu Fuß gingen und taten das einfach die nächsten Stunden ins Gespräch vertieft, grob die Spree entlang.

Konditorei Buchwald als Einmerker für künftige Einkäufe und für KaffeeundKuchen.

Gut durchgelüftet und nach viel Austausch (wie spannend der Absprung der großen Kinder ins eigene Leben ist / je älter, desto häufiger drängen Körperlichkeiten in den Vordergrund / Einladung zu einem 60. Geburtstag) begleitete ich die Freundin noch in ihr Heim im Mauerpark (einmal quer über Gedenkstätte, durch Tourist*innen schlängelnd), nahm kurz ihren Partner in den Arm und verabschiedete mich dann in den eigenen Abend. Selbst für mich war das genug Tagesbewegung gewesen, für den Weg zur Unterkunft nutzte ich die U-Bahn.

Zum Abendessen briet ich eine rote Paprika in mitgebrachtem Olivenöl, erhitzte damit Cocktailtomatenhälften und bereits gekochte Nudeln vom Donnerstag, servierte auf Ruccolabett – gut!

Damit kein falscher Eindruck von Zurückhaltung entsteht: Mein Nachtmahl bestand aus drei solcher Teller. Nachtisch eher wenig Schokolade.

Das viele Gehen sollte ich eigentlich gewohnt sein, dennoch frühe starke Müdigkeit. Statt den Tag zu verbloggen, lud ich nur die Bilder von meinem Handy und sortierte sie. Aber ich recherchierte noch ein Schwimmbad mit wahrscheinlich geleinten 50-Meter-Bahnen für Sonntagvormittag inklusive Weg dorthin (Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) erfüllte alle Kriterien inklusive Offensein).

Im Bett überraschend langes Lesen, doch ich bezahlte den späten dritten Kaffee mit lang verzögertem Einschlafen.

§

Novemberregen schildert gut nachvollziehbar an einem Beispiel, warum manche Leute beruflich erbetene Zuarbeit schnell erhalten und manche nicht.
“15. Mai 2026”.

§

Johannes Kuhn stellt in seinem Blog bedenkenswerte “popsoziologische Theorien” zu einer deutlich zeitgenössischen Tendenz auf:
“Die große Gereiztheit”.

(via hmbl.blog)

§

Da schau her: China-Restaurants gab es in Europa keineswegs erst ab den 1970ern. Für Wien haben Jakob Lehne und Andrea Ruscher vom Wien Museum herausgefunden, dass es diese bereits in den 1940er-Jahren gab:
“Mit Stäbchen und Acht Schätzen: Wiens vergessene Geschichte der China-Restaurants”.

Journal Freitag, 15. Mai 2026 – Berlin 2: Take your aunt to work day

Samstag, 16. Mai 2026

Mittelgute Nacht, ich schwitzte sehr – zum Glück ist das Bett breit genug, dass ich mich zwischendrin von der verschwitzten Seite weglegen konnte.

Verdutzung beim (nahezu) ersten Handgriff nach Aufstehen: Auch die kleinere der zwei Induktionsherdplatten akzeptierte meine mitgebrachte Cafetera nicht als ausreichend große Fläche. Ich musste mit einem größeren Topf arbeiten, in den ich sie stellte.

Sonniges Wetter, ich freute mich auf Marsch zu TOP 1: Verwandtschaft, die für eine Bundestagsabgeordnete arbeitet, hatte sich bereit erklärt, mir ihren Arbeitsplatz zu zeigen – und alles, was dazu gehört.

Touri-Pflichten erfüllen.

Wir trafen uns am Eingang zum Bürogebäude, hier erster Ausweis- und Security-Check (ich war natürlich angemeldet). Und der erste Schwung hochinteressanter Alltagsinformationen aus der Arbeit für eine Spitzenpolitikerin. Ich bekam sogar Bundestags-Merchandise! (NIEMAND erinnert sich an die Parole KEINE WEITEREN STOFFTASCHEN – es gibt klare Prioritäten.) Da dieses Bürogebäude nicht mit dem restlichen Gebäudekomplex des Bundestags durch unterirdischen Gang verbunden ist, gingen wir obenrum. Das hieß auch: Nochmaliger Eingang mit nochmaligem Ausweis- und Security-Check (super sweetes Personal!).

Die Verwandtschaft war gründlich vorbereitet und erzählte zu praktisch allem und jedem Eck, Gebäude, Gang, Raum, Kunstwerk “Fun Facts”, Hintergründe, Anekdoten, Geschichte – ich glaube, da arbeitet jemand gern hier und ist sich der Tragweite bewusst.

Das Gebäude, in dem die Verwandtschaft arbeitet – diese Variante 1930er-Architektur kriegt mich immer wieder.

Die Architektur bot immer wieder beeindruckende Aus-, Runter-, Rüber-, Überblicke. (Und die Verwandtschaft hat einen Sinn dafür und führte an die entsprechenden Guck-Punkte.)

Ja, schon auch Gefängnisgang-Assoziationen – Verbindung ist wohl der Transparenz-Wunsch.
Die Leere auf den Fluren erklärt sich zum einen damit, dass keine Sitzungswoche war, zum anderen damit, dass sich viele den Brückentag frei genommen hatten.

Eines der wenigen historischen Gebäude, die in den Gesamtkomplex integriert sind.

In einem der vielen unterirdischen Verbindungsgänge, dieser gleichzeitig Kunst am Bau.

Links der Garten der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft, rechts die Terrasse, auf der die Sommer-Interviews stattfinden.

Lesesaal der Bibliothek des Deutschen Bundestags.

Hier wird wohl auch getanzt.

Links der Kindergarten des Bundestags (wusste die Verwandtschaft alles auswendig!).

Die Ausschusssäle.

An vielen Stellen Kunst, die wäre einen eigenen Besuch wert.

Bibliothek der Parlamentsprotokolle im Reichstag.

Im Reichstagsgebäude taten es mir besonders die Türklinken an. (Sollte ich nochmal die Gelegenheit zu einem Besuch haben, folge ich der Empfehlung der Verwandtschaft, die Klos in den verschiedenen Gebäuden zu besichtigen, weil auch diese wohl sorgfältig und sehr unterschiedlich gestaltet sind.)

Fraktionssaal der Linken, Otto-Wels-Saal, unter dem linken Turm des Reichstags mit Deutschlandflagge.

Austausch über den städtebaulichen Charakter des Regierungsviertels zwischen Sicherheitsbedürfnis und Volksnähe. Verwandtschaft erzählte einerseits von viel Security und Kameras, wenig Einladung zum Aufenthalt, dann wieder von Social-Media-Geschäftsleuten, die die teils sensationellen Perspektiven und Locations als Dreh-Orte nutzen, oder von regelmäßigen Tanztreffs direkt vor den Glaswänden, hinter denen sich die Sitzungssäle der Bundestagsausschüsse befinden (einen durfte ich von innen sehen).

Über drei Stunden waren wir unterwegs gewesen, als die reichhaltige Führung in der Kantine des Bundestags endete – und mit einem großen Teller gebratener Zucchini, Ofen-Süßkartoffeln, Hummus; die Verwandtschaft erklärte sich mit dem veganen Angebot der Kantine sehr zufrieden. Jetzt war auch Gelegenheit zu mehr Austausch über Befinden und Pläne. Rundum viel Liebe.

Nachdem sich unsere Wege trennten, erledigte ich TOP 2: Nachkauf des japanischen Mamecha-Tees (im gleichnamigen Laden), den ich vor einem Jahr über eine Freundin kennengelernt hatte und sehr schätze. Klar könnte ich den auch online bestellen, so fühlt es sich aber besser an. Weg dorthin durch viele Menschen in Mitte, die Geschäfte und Cafés waren seit meinem letzten Besuch noch einen Tick schicker geworden.

Auch zurück zur Unterkunft spazierte ich, das Wetter war weiterhin angenehm, wenn sich auch der Himmel bewölkte.

Dort eine Runde Ausruhen (haha = Bilder runterladen und schon mal bloggen). Bevor ich mich zu meiner Abendverabredung aufmachte, TOP 3: Die Einheimische hatte ein Restaurant in echter Fußweite von meiner Unterkunft vorgeschlagen, das Spree Fumée – auf einem Schiff im Historischen Hafen Berlin. Eigentliche Idee war Abendessen unter freiem Himmel mit Touri-Blick auf der Terrasse gewesen, doch die kühle Luft wehte uns ins Innere des Schiffs – ausgesprochen schöne Umgebung.

Foto: Ute Schirmack

Ich suchte mir einen der besonders angepriesenen Cocktails aus, meine Verabredung und ich teilten uns die Zusammenstellung des Hauses für zwei – plus Klebreis und ein paar Grillspieße, ebenfalls Spezialität des Hauses.

Foto: Ute Schirmack

Schmeckte alles wirklich liebevoll zubereitet und gut. War allerdings nur der Hintergrund für Austausch von aktuellem Leben, kürzlichen Entwicklungen (die mich durchaus besorgt zurückließen), was dieses Jahr sonst noch geplant ist.

Erst bei fast ganz dunkler Nacht spazierte ich zurück in meine Unterkunft.

Journal Donnerstag, 14. Mai 2026 – Berlin 1: Anreise an Christi Himmelfahrt

Freitag, 15. Mai 2026

Ich hatte mir trotz Feiertag den Wecker gestellt, um alle Vorhaben vor der mittäglichen Abreise nach Berlin unterzubringen, der Schlaf davor war eher unruhig gewesen und dreimal (!) von Waden-/Fußkrämpfen unterbrochen.

TOP 1:1 Pflanzengießen, Bloggen, Kofferinhalt rauslegen.

Hier war bereits die Entscheidung gefallen, keine Lauf-Ausstattung mitzunehmen, sondern lediglich Schwimmzeug.

TOP 2: Laufrunde ab Haustür über Alten Südfriedhof an die Isar und dort nach Süden. Es war so kühl, dass ich zu den Lauf-Caprihosen meinen Sport-Hoodie trug, das passte. Gegen mögliche Regenschauer setzte ich die Schirmmütze auf, benötigte ihre Dienste aber nur ganz kurz auf der Brücke Maria Einsiedel. Der Körper spielte gut mit, das Wetter machte einen auf England mit vielen Wechseln der Himmelsfarben und Stimmung.

Große Freude, als ich um die Wittelsbacherbrücke endlich Schwalben sah. Über der Thalkirchner Brücke flogen dann Schwalben und Mauersegler gemischt in Schwärmen.

Angeber-Raps

Weißdorn-Pracht

Südlich von Hellabrunn. Es ist SO! SCHÖN!, dass alles wieder grün ist und die kahle, fahle Zeit hinter uns liegt.

Kurzer Regenduscher über Thalkirchen.

Gefolgt von Sonne.

TOP 3: Kofferpacken, Marsch zum ehemaligen Hauptbahnhof, Besteigen des ICE-Sprinters nach Berlin.

Beim Starbucks holte ich mir heiße Milch mit Milchschaum: Der erste Schluck auf meinem Sitz im ICE verriet bereits, dass es der bestellte und bezahlte Extra-Shot Espresso nicht in den kleinen „Cappuccino“ geschafft hatte, der ihn erst zu einem erkennbar solchen machen würde. Große Enttäuschung, denn auf diesen Cappuccino hatte ich mich gezielt gefreut.

Ich hatte – möglicherweise zum ersten Mal – einen Platz ganz hinten im letzten Wagen, also den ersten am Bahnsteig. Wohin offenbar ohne Reservierung schwer zu finden war: Trotz zahlreicher Durchsagen mit Bitten um Verräumen von Handgepäck, weil es so voll sei, blieb ein Drittel der Sitze in diesem Wagen leer. Dennoch stellte ich bei jedem Halt meine Tasche vom leeren Nebensitz auf den Boden vor mir, für alle Fälle: So gern ich einen leeren Nebensitz mag, erinnere ich mich noch stärker an dringende Sitzplatzsuchen und die Erleichterung beim Finden.

Winken nach Ingolstadt. Auch diese Ansicht hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert.

In Sachsen-Anhalt bekam ich ordentlich Raps zu sehen.

Ich las erstmal liegengebliebene Zeitungsteile auf, dann Mastodon-Timeline seit Vortag.
Mittagessen kurz vor zwei: Apfel, Birne, Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot. Unterwegs Festklopfen meiner Verabredung für Samstag, sie wurde ein Museumsbesuch mit anschließendem KaffeeundKuchen.

Merkwürdiges Gefühl: Der ICE war durchgehend und störungsfrei auf die Minute pünktlich. Ich fürchte, das werde ich mit irgendeiner anderen Reisekatastrophe bezahlen müssen. (Echt kein Unken, wie so viele Bahnfahrende empfinde ich mittlerweile bereits Verspätungen bis zehn Minuten als pünktlich.) Doch wenn es so läuft, ist die Bahn als Reisemittel unschlagbar.

In Berlin hatte ich ja ein überraschend günstiges Ferien-Appartment gebucht (sehr klein, aber Hauptsache Kochgelegenheit), dafür brauchte ich ein paar Lebensmittel. Recherchen hatten ergeben, dass die Supermärkte um meine Unterkunft den gestrigen Feiertag einhielten, ich sah mich auf den Rewe im Berliner Hauptbahnhof angewiesen. Und bekam einen rechten Schrecken, als davor eine Schlange stand: Der kleine Laden mit schmalen Gängen war überfüllt, Einkaufswillige wurden immer nur in Gruppen eingelassen, wenn ihn genügend Kundschaft verlassen hatte. Das ging aber zum Glück schnell, ich schnappte mir das Dringendste (u.a. Espresso!), auch an den Kassen wurde systematisch und wohlgeordnet schnell gearbeitet.

S-Bahn Richtung Osten (unterwegs Festklopfen meiner Tagesverabredung für Freitag, besonders aufregend), zehn Minuten rollkoffern (der Schirm in meiner Tasche als Talisman wirkte: kein Regentropfen, doch den großen Pfützen sah ich an, dass die Regenvorhersage eingetroffen war), problemloses Einchecken mit Menschenkontakt in mein Zimmer mit Kochnische.

Allerdings wünschte ich mir fürs Abendessen (mein Ferienwohnungsklassiker Nicht-Nudelsalat mit roter Paprika, Gurke, Joghurt) dann doch noch Geschmacksverstärkung (Majo? Senf?), recherchierte also Spätis in der Nähe. Um im angesteuerten von einem freundlichen Herrn zum Ostbahnhof geschickt zu werden, hier gebe es sowohl einen 7-Tage-Penny also auch -Rewe. Menschenauskunft schlug Google-Recherche, ich konnte gemütlich einkaufen.
Jetzt letztes Festklopfen der Freitagabend-Verabredung – auf einem SCHIFF!

Apartmenthaus

Ich hatte große Sehnsucht nach Gymnastik, turnte also nochmal die Pilates-Folge Gabi Fastners vom Dienstag, dafür hatte ich Reise-Yogamatte und Kleidung dabei. Ich brauchte dann doch mehr Platz als für Yoga, musste mich ein paar Mal für Übungen zwischen den Möbeln umarrangieren.

Abendessen also mit Senf UND Majo UND Cocktailtomaten aufgeppter Nicht-Nudelsalat, Nachtisch reichlich Schokolade.

Zimmerausblick – die Erklärung für den niedrigen Preis?

  1. Bis ich endlich begriffen hatte, dass das die Abkürzung von Tagesordnungspunkt ist! Jahrzehnte! []