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Journal Samstag, 14. April 2018 – Radeln und Schwimmen

Sonntag, 15. April 2018

Unruhige Nacht, weil die Nachbarn Gäste hatten und sich fröhlich und laut auf dem Balkon über meinem Schlafzimmer unterhielten. Da halfen auch Ohrstöpsel nicht, ich musste zusätzlich das Fenster schließen. Dann wachte ich auch noch früh auf. Überm Morgenkaffee und Bloggen kam ich langsam zu mir.

Radl nach vielen Wochen ohne Nutzung aufgepumpt und von Balkonschmutz befreit: Ich wollte ins Olympiabad radeln.

Es klappert und knarzt, mein Radl, brachte mich aber durch den Sonnenschein flink und treu in den Norden Münchens (Kirschbäume in der Agnesstraße zu meiner Überraschung noch nicht in Blüte). Dennoch muss ich mir jetzt endlich den entscheidenden Rempler geben und das neue Fahrrad aussuchen, das ich ja schon letztes Jahr geschenkt bekommen habe.

Der Olympiapark war wegen einer Laufveranstaltung voller Menschen, auch das Schwimmbecken (wegen Umbaus immer noch das fensterlose Trainingsbecken) sehr voll. Da ich so lange nicht mehr Schwimmen war, überraschte mich, wie leicht ich meine gewohnten 3000 Meter wegschwamm, sogar wahrscheinlich mehr, da ich mich ein paar mal verzählte und aufrundete. Die ersten 2000 Meter glitt ich kraftvoll und fröhlich durchs Wasser, dann musste ich mich leider ein paar Mal ärgern
1) über den jungen Brustschwimmer, der mich nicht überholen ließ – also wie auf der Autobahn bei meinem Überholversuch nach links zog und mich auch am Bahnende beim Wenden nicht vorließ, so dass ich auf die Gegenbahn wechseln musste, um in meinem Tempo schwimmen zu können,
2) über den Rückenschwimmer mit Handpaddeln auf der Nachbarbahn, der mich böse am Bauch kratzte.

Insgesamt aber freute mich meine gute Tagesform so sehr, dass ich ausgesprochen beschwingt zurück radelte.

Ich stoppte kurz am Josephsplatz, um im U-Bahn-Untergrund mal wieder Automatenfotos zu machen (die jahrelang gewohnten Fotoautomaten am Sendlinge Tor sind ja wegen Umbaus weg).

Nach einem Frühstück bügelte ich frisch gewaschene und Sommerkleidung auf, sortierte die Winterkleidung in die Kleidungskiste für den Keller. Mein Ziel, meinen Kleidungungsbestand so lange zu reduzieren, bis Sommer- UND Winterkleidung in den Kleiderschrank passen, habe ich ein wenig aus den Augen verloren. Der jetzige Bestand ist durchweg in Gebrauch (na ja, mit sentimentalen Ausnahmen wie dem Seidenrock, den ich zur Abiturfeier geschenkt bekam), und auch dieses Jahr habe ich mir ein neues Sommer-Outfit (das ich wirklich nicht brauche) genehmigt.

Abends radelte ich nochmal (und merkte, dass ich die lange Fahrradpause mit Popoweh werde zahlen müssen) in den Nordosten Münchens zu einer Verabredung beim Vietnamesen, meist die Isar entlang. Sehr viele Menschen nutzten das schöne Wetter, die Emmeransbrück war von Grillschwaden umweht.

Nach einem schönen Abend mit Hack-gefüllten Betelröllchen (und vorsichtshalber ohne Alkohol) und Geschichten radelte ich über die Oberföhringer Straße zurück – eine völlig unbekannte Gegend.

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Die Überraschungen, die man beim Programmieren Kognitiver Systeme erleben kann (und die einen Hinweis darauf geben, wie vorsichtig man da sein muss):
„When algorithms surprise us“.

Journal Freitag, 13. April 2018 – Kalifornischer Besuch und Beifang aus dem Internet

Samstag, 14. April 2018

Statt Donnerstagmorgen also gestern sehr früh aufgestanden und eine gute halbe Stunde Krafttraining mit Hanteln eingeschoben. War anstrengend, und schon am Abend spürte ich Muskelkater heraufziehen – was bewies, dass ich besser mal wieder regelmäßiger sportle.

Sonniger Tag, der Jahreszeit angemessen temperiert: Auf dem Heimweg las ich in der Landwehrstraße (Obsteinkäufe) 16 Grad an einer Apotheke.

Feierabendbier mit Warten auf Besuch aus Kalifornien, der mich ganz arg freute.

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Auch dasnuf hat Gedanken zum Film Embrace aufgeschrieben, sie ähneln meinem Wunsch. Und sie hat ein Wort dafür: Body-Egalness. Ja, das wünsche ich mir.

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Ein interessanter Beitrag zur Kopftuchdebatte (ich bleibe dabei: Redet Frauen nicht rein, wie sie sich zu kleiden haben! Von keiner Seite!): Schon 2006 erinnerte Mary Beard in einem Blogpost an eine Debatte im Großbritannien der 1960er. Auch damals ging es um eine fremdländische Kopftracht, allerdings die einer männlichen Einwanderergruppe – es ging um die traditionellen Turbane der Sikhs.
„Veils, turbans and ‚rivers of blood'“.

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Die existenziell zerstörerischen Auswirkungen von Kindesmissbrauch, im New Yorker von jemandem beschrieben, dessen Meisterwerkzeug Sprache ist, nämlich von Romanautor Junot Díaz:
„The Silence: The Legacy of Childhood Trauma“.

That violación. Not enough pages in the world to describe what it did to me. The whole planet could be my inkstand and it still wouldn’t be enough. That shit cracked the planet of me in half, threw me completely out of orbit, into the lightless regions of space where life is not possible. I can say, truly, que casi me destruyó. Not only the rapes but all the sequelae: the agony, the bitterness, the self-recrimination, the asco, the desperate need to keep it hidden and silent. It fucked up my childhood. It fucked up my adolescence. It fucked up my whole life. More than being Dominican, more than being an immigrant, more, even, than being of African descent, my rape defined me. I spent more energy running from it than I did living.

Mich berührt besonders Díaz‘ Mischung von Englisch und Spanisch. Ich erinnerte mich, dass ich einen seiner Romane gelesen und besprochen hatte: „The Brief Wondrous Life of Oscar Wao“. Richtig, schon damals hatte ich diese Sprachmischung gemocht.

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Und dann gleich nochmal dasnuf: Sie klopft ab, womit sie im Fall der Apokalypse punkten könnte.
„Die degenrierte Akademikerin“.

So fühle ich mich immer, wenn das Kartoffelkombinat um tatkräftige Hilfe bittet – für die Gärtnerei, Lagergebäude, Website, App etc. Ich kann exakt NIX.

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Schon vor einigen Wochen hat Else Buschheuer im Süddeutschen Magazib aufgeschrieben, wie ihr Leben und ihre Selbstsicht von Männern geprägt wurde:
„Die dressierte Frau“.

Einige Aspekte und Analysen überraschten mich, doch insgesamt halte ich ihren Essay für bedenkenswert. Unter anderem Buschheuers Beobachtung, dass auch Frauen, die sich gegen männliche Zudringlichkeit zu wehren wissen, die männlicher Dominanz Paroli bieten – unterm Strich doch nach Männerpfeifen tanzen.

Allerdings ist mir erst seit Kurzem, erst seit #MeToo, klar, dass ich nicht so bin, weil ich eben so bin, sondern dass ich so geworden bin, weil es Männer gibt, weil ich eine Frau bin mit Brüsten und einer Vagina, und weil die Knöpfe von Schwänzen gedrückt werden (wehe, Männer der SZ-Magazin-Chefredaktion, ihr streicht mir dieses schön schiefe Bild raus!).

Ich dachte früher, nee Freunde, nun spring ich nicht mehr über eure Stöckchen, nun springt ihr über meins! Heute weiß ich: Ich sprang immer noch, verdammte Scheiße, ich sprang zwar nun, INDEM ich Männer springen ließ, aber ich war nur von einer Wichsvorlage (süß) zur anderen (sauer) gewechselt.

Ich holte mir die Macht, aber egal ob schnurrend oder fauchend, ich war von Männern gezeugt, geformt, gezähmt. Ich hatte nur eine einzige Wahl, nämlich die, mich zu diesem Fakt zu verhalten: Claqueurin oder Kriegerin zu sein. Ich hab mich, nach einigem Rumgeeier, für die Kriegerin entschieden.

(Bitte auch das Autorinnenprofil unterm Text lesen.)

Journal Donnerstag, 12. April 2018 – Verschiedene Vernebelungen

Freitag, 13. April 2018

Seltsamer Tag.
Das lag zum einen an der nächtlichen Migräneattacke (richtig: die dritte in zwei Wochen), die mir nach der Triptanmedikation nur noch anderthalb Stunden bis Wecker gab – den ich im Moment der Diagnose eh schon von Frühaufstehen für Morgensport auf die übliche Zeit gestellt hatte. Gradaus Denken war erst gegen Ende des gestrigen Arbeitstags möglich. Ich habe es sehr satt, Sie (und mich) mit meinen Kränklichkeiten zu langweilen; ich möchte Sie endlich wieder mit Sport und Cocktails langweilen.

Zum anderen lag das daran, dass ich gestern das Foto des myself-Artikels postete (instagram, Twitter, Facebook) und sich so viele Menschen mit mir freuten, dass es mich noch wuschiger machte. Sie sind alle zu und zu freundlich!

Zum noch anderen begann der Morgen nach Migräne-Aufstehen schräg, weil ich ohne Nachzudenken auf den „Software aktualisieren und neustarten jetzt“-Knopf klickte und erst danach merkte, dass ich während dieses Vorgangs nicht bloggen konnte. Woraufhin ich meinen Tagesanfang umstellte und erst Duschen, Schminken, Föhnen und Anziehen ging, um nach dem Software-Update zu bloggen.

Der Tag begann mit herrlichem Frühlingswetter und strahlenden Farben.

Er verdüsterte sich gegen Abend aber wieder schwül.

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Da war es wieder: Das gute Internet.
Die Elfjährige und die Washington Post.

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Sie werden nach dieser Geschichte Erdbeer-Erdbeerverkaufshäuschen nie mehr mit denselben Augen sehen:
„Im Winter 1996 habe ich eine Woche damit verbracht, in einer düsteren Holzhütte Erdbeersamen aus Styropor zu schnitzen.“

Journal Mittwoch, 11. April 2018 – Selbst in Zeitschrift

Donnerstag, 12. April 2018

Frühingsfest im Werden.

Gerade habe ich mal wieder ein Stinkphase (Dreckshormone), die stündlich das Bedürfnis nach Achselwäsche und Deo auslöst.

Aus den besten Aufzügen kann man rausschauen.

Abends hatte ich wieder überhaupt keine Lust auf Sport, und gegen inneren Widerstand sportle ich nicht. Turnbeutel also wieder heimgetragen, aber einen Umweg gemacht, um die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift myself zu besorgen, weil ahem…

Nachtrag: Das Foto von mir hat Markus Burke gemacht.
Herr Kaltmamsell freute sich wie ein Schnitzel, das auf dem Foto seine Pabel-Moewig-Sammlung als Hintergrund zu sehen ist (möglicherweise an der myself-Zielgruppe vorbei?). Zum Nachtmahl servierte er Spinatknödel, zu denen ich nach zwei Wochen mal wieder Lust auf ein Glas Wein hatte (ein Viura aus der Rioja).

Abendprogramm: Ich schaute mir in der Arte-Mediathek den Film Embrace an – über die (Crowd-finanzierte) Aktion der Australierin Taryn Brumfitt, Frauen mit ihrem eigenen Körper zu versöhnen, hatte ich vor zwei Jahren viel gelesen.

Die Dokumentation gefiel mir, auch wenn ich wenig Hoffnung habe, dass Taryns Wunsch in Erfüllung geht: Ihre Tochter möge mit ihrem eigenen Körper weniger hadern als sie selbst. Dazu müssten sich erst mal so viele gesellschaftliche Strukuturen ändern. Und ich habe mittlerweile ein kleines Problem mit dem ständig wiederholten Appell ans Schönfinden aller Frauenkörper: Mir wäre lieber, wenn dieser Aspekt überhaupt in den Hintergrund träte. Frauenkörper sind. Wie Männerkörper halt auch. Ende der Geschichte. (Das schließt den Wunsch nach Schmücken und Gestalten ja nicht aus.)

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Javier Cercas, spanischer politischer Schriftsteller, ordnet in einem Kommentar in der gestrigen Süddeutschen das Handeln von Carles Puigdemont ein: „Amtsmissbrauch.“
„Warum man Puigdemont nicht verteidigen sollte“.

Wie schräg es ist, dass das Oberlandesgericht Schleswig über Puigdemonts Freilassung zu entscheiden hatte, erklärt Ulrich Karpenstein im Verfassungsblog:
„Der Fall Puigdemont – ein europäisches Problem!“

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Hatte ich auf Twitter mitbekommen und weil Vanessa mitschrieb: Auf Twitter hatte Whitney Reynolds (aus gegebenem Anlass) die Aufgabe gestellt „Describe yourself like a male author would“. Selbst scheiterte ich bei dem Versuch mitzumachen, mein Selbstbild meines Äußeren ist irreparabel kaputt. Im Guardian sammelt Alison Flood Ergebnisse – und stellt sie einigen Frauenbeschreibungen hochdekorierter Romanautoren gegenüber.
„‚A nice set of curves if I do say so myself‘: a Twitter lesson in how not to write women“.

Sollten Sie ein Mann sein und aus der Sicht einer Frau schreiben wollen, verinnerlichen Sie bitte, bitte:

One integral thing about being female is that we don’t really think about our breasts very much at all.

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Ich bin ja dabei, Frieden mit den Münchner Stadttauben zu schließen. Erst gab es am Balkon ein paar wirklich schöne Exemplare (lookism!), dann freute ich mich wiederholt über die Ästhetik von Taubenschwärmen, die vom Nußbaumpark vor die Silhouette von St. Matthäus flogen. Ein Fotograph in New York hat die örtlichen Stadttauben zu seinen Stars gemacht:
„New York City’s Pigeons, Like You’ve Never Seen Them Before“.

via @pinguinverleih

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Da lachte selbst die Autohasserin sehr:
„Harrison Ford“.

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So gern ich die englischsprachigen Landwirtschafts-Erzählerinnen und -Erzähler im Web, vor auf allem auf Twitter schätze, so sehr vermisse ich irgendwas Vergleichbares im deutschsprachigen Raum. Freundlicherweise reagierte auf meinen entsprechenden Seufzer Texas-Jim,1 der Mann hinter dem Blog Dieseldunst, und schickte mir ein paar Tipps – alle ganz anders als die englischsprachigen, aber einige hochinteressant. Zum Beispiel MASCHINEN!


  1. Der Nick ist ein Hinweis, wie lange er schon ins Internet schreibt. []

Journal Sonntag, 8. April 2018 – Platzender Englischer Garten

Montag, 9. April 2018

Nach Ausschlafen gemütliches Bloggen über Milchkaffee, die Waschmaschine holte meine Bettwäsche nach. So richtig sportlustig fühlte ich mich immer noch nicht, also beschränkte ich mich auf ein halbes Stündchen Bauch- und Rückenkräftigung, das mich ziemlich anstrengte.

Frisch geduscht und angezogen ging ich beim Bäcker Wimmer Semmeln holen. Nach dem Frühstück Zeitunglesen am offenen Balkon.

Die Kastanie vorm Balkon gibt Pfötchen.

Am mittleren Nachmittag drängte es mich doch noch raus: Ich spazierte über Sendlinger und Theatinerstraße zum Hofgarten, durch die Unterführung am Haus der Kunst in den Englischen Garten. An sich hatte ich eine Schleife über den Monopteros geplant.

Doch angesichts dieser Menschenmassen ließ ich das bleiben und kehrte um – zumal die Menschenmassen mit Kirmesgeräuschen verbunden waren, inklusive Diskogewummer aus verschiedenen Quellen.

Statt dessen ging ich über Staatstheater

(das gespiegelte Weiße rechts bin ich) und Platzl heim.

Wagemutig hatte ich auf dem Spaziergang neue Schuhe getragen: Am Donnerstag eingetroffene weiße Zeha-Schnürschuhe. Allerdings war das Risiko nicht so groß: Ich weiß von einem Vorläufer, dass mir das Modell Carl Häßner sehr gut passt. So mag ich Schuhhersteller: Mit einem Stammsortiment, das bleibt und höchstens mal die Farbe wechselt. Kann ich so blind bestellen wie Camper Pelotas.

Das Nachtmahl bereitete wieder Herr Kaltmamsell zu: Krenfleisch mit Soße aus Ostermeerrettich, den wie immer mein Bruder tränenreich gerieben hatte.

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Was mich sehr freut: Das girl from the trailer park, das mittlerweile eine renommierte Forscherin und Universitätslehrende ist, erzählt in ihrem Blog vom Sprung aus dem trailer park.

Und was mich immer wieder umhaut bei diesem konkreten Lebensweg: Er ist so selbst gemacht, wie es überhaupt möglich ist; da gab es keine gute Fee, keinen Förderer oder Entdecker. Es gab lediglich eine enorme Begabung, bockigen Fleiß – und den einen oder anderen Zufall an passender Stelle.

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Die Aktivisten Christa Schlett und Georg Gabler über die Anfänge der Behindertenbewegung in Frankfurt Mitte der 1970er Jahre und ihre Errungenschaften.
„Interview
‚Es ging um Augenhöhe mit Nichtbehinderten'“.

Gabler: Die Behinderten waren auch in der Sozialpolitik kein besonderes Thema. Behinderte sind eine Randgruppe, um die man sich zwar kümmern muss. Aber Forderungen haben die nicht zu stellen. Das ist inzwischen dank der UN-Behindertenrechtskonvention Gott sei Dank anders.

via @raulde

Journal Samstag, 7. April 2018 – Anwandern im Norden von Oberschleißheim

Sonntag, 8. April 2018

So lustig, mein Körper! Für die Nacht auf Samstag überraschte er mich mit einer weiteren Migräne, fünf Tage nach der jüngsten – und überraschend weil nach fünf völlig alkoholfreien Tagen! Wieder kam ich nicht sofort drauf, dass die berstenden Kopfschmerzen um drei Uhr früh Migräne sein könnten und nahm erst mal eine Aspirin. Als die Schmerzen um sechs aber zum Heulen schlimm wurden (Migränikerinnen kennen die Übersprungshandlungen Oberkörperschaukeln, „OhGottohGott“-Wimmern und Kreiselaufen, die uns in diesen Situationen die biologische Nähe zu Haushühnern vor Augen führen? Und die wir wiederholen, auch wenn sie in der Vergangenheit bewiesenermaßen noch nie etwas gebracht haben?), griff ich doch wieder zum Triptan.

Der besorgte Herr Kaltmamsell flüsterte mir noch zu, dass wir die Wanderung gerne auf Sonntag verschieben könnten, dann schlief ich ein paar Stunden komatös.

(Und dann auch noch die Lächerlichkeit dieser Beschwerden: Kein Virus, keine Nervenhüllen-fressende Autoimmunaggression, kein Bein-ab, keine bösartige Wucherung, kein Gift, keine Blutströme – einfach nur Schmerz-und-Elend-JETZT!)

Wandern gingen wir dann doch noch, allerdings hatte ich die geplanten Erledigungen des Samstagvormittags von Bettzeugwaschen bis Hosenkauf verschlafen. Migräne führt ja im Nachgang gerne zu Scheißegal, im besten Fall entspanntem, im gestrigen Fall in dunkelgrauer Hilflosigkeit.

Mittlerweile habe ich Erfahrung mit Wandern in Aprilsonne und cremte mich gründlich mit 30-faktoriger Sonnenmilch ein – einmal Anwandern ohne Sonnenbrand! Die S-Bahn brachte uns mittags nach Oberschleißheim (Herr Kaltmamsell hatte Käsebrezen eingesteckt, zum Glück reichte mein Appetit mittlerweise dafür, so dass ich eine Wandergrundlage in den Magen bekam). Dort gingen wir erst mal auf Straßen grob Richtung Norden ins Riedmoos. Wanderer Lohn war gleich mal der Anblick eines Sprungs Rehe auf den Feldern.

Industriell bewirtschaftete Felder waren ohnehin das, was wir am meisten sahen, „-moos“ ist halt flach. Kaum Vögel (einmal von Fern ein Falke), nur zwei Sorten Schmetterlinge – das ist kein Lebensraum, der auf Vielfalt ausgelegt ist.

Wir kamen durch Einfamilienhausdörfer, deren Doppel- bis Dreifachgaragen in der Größe der halben Wohnfläche Zeugnis gaben von fehlender Infrastruktur, in der man selbst zum Semmelholen ein Auto braucht. (Bloß Spaß, hier fährt natürlich niemand 10 Kilometer zum nächsten handwerklichen Bäcker: Man hat die tschechischen Tiefkühl-Teiglinge vom Discounter-Großeinkauf in der Gerfriere, die man zum Frühstück aufbackt.)

In Haimhausen machten wir an der Amper entlang einen Abstecher zum Schloss. Darin die private „Bavarian International School“ – aber wir haben ja keine Klassengesellschaft?

Was es ebenfalls in Haimhausen gab: Eine Eisdiele! Drumrum saßen Menschen an Tischen in der Sonne und löffelten aus beeindruckenden Eisbechern, wir reihten uns in die Schlange des Straßenverkaufs. Gutes erstes Eis der Saison!

Übers Inhausermoos gingen wir zurück nach Süden und zum Unterschleißheimer See (uns radelten Menschen in Badelatschen und mit Badematten entgegen). Am Ortseingang Unterschleißheim entdeckte ich die Brauerei der Crew Republic: Da sind die!

Nach viereinhalb Stunden gemütlicher Wanderung waren wir an der Waldwirtschaft Bergl, die wir uns zum Einkehren ausgesucht hatte.

Guter Schweinsbraten, schöne Lage. Zum S-Bahnhof Oberschleißheim waren’s dann durch den Wald nur noch 20 Minuten.

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Pia Ziefle (Suna) macht einen Buchladen auf!
„Die Grundversorgerinnen
Literarisches Quartett um Schriftstellerin Pia Ziefle eröffnet neuen Buchladen in Mössingen“.

Zum Geschäftsrisiko als Buchhändlerin sagt sie als Autorin: „Ich kann nicht tief fallen.“

Journal Freitag, 6. April 2018 – Wochenausklangsschlemmerei

Samstag, 7. April 2018

Gestern war dann richtig Frühling: Büsche und Bäume grünten und blühten, die Sonne schien, die Vögel tirillierte, doch die Temperaturen um die 15 Grad verlangten nach Jacke und Schal – luden aber zum Herumsitzen in der Sonne ein, die Straßencafés waren voll.

Ich machte freitäglich früh Feierabend und spazierte über Obsteinkäufe beim Verdi heim.

Die Referenzmagnolie tut ihre Pflicht. (Sie haben schon auch eine Referenzmagnolie, oder? Oder eher eine Referenzforsythie? In meiner Kindheit und Jugend stand meine Referenzmagnolie auf meinem Schulweg zum Reuchlin-Gymnasium neben der Schule Auf der Schanz, die ich mit dem Fahrrad passierte. An ihr hatte meine Mutter mir auch beigebracht, was eine Magnolie ist und wie sie duftet.)

Daheim gab’s als Aperitif eine spanische Meeresfrüchtedose (Chipirones rellenos), auf Alkohol hatte ich immer noch keine Lust bis hin zu leichtem Ekel davor.

Mit Herrn Kaltmamsell plante ich die samstägliche Wanderung, es geht nach Oberschleißheim.

Der Herr servierte zum Nachtmahl Kuh (Entrecôte) auf Wiese (Asiasalate aus Ernteanteil), zum Nachtisch probierten wir eine neue Sorte Ben&Jerry’s-Eis, das ich kürzlich mitgebracht hatte: Birthday Cake. Ich fand sie weniger schlimm, als ich befürchtet hatte (fluffig, wenig Interessantes drin), der Esser an meiner Seite fand sie weniger aufregend, als er erhofft hatte. Aber das wissen wir jetzt.

Die vergangenen Abende hatte ich in der Dämmerung immer wieder zum Nebengebäude gelinst, gestern sah ich, worauf ich gehofft hatte: eine Fledermaus flatterte übers Dach als Silhouette in den Abendhimmel. Es gibt also auch dieses Jahr welche.

Wieder sehr früh müde gewesen und Schlafen gegangen.