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Journal Samstag, 8. Juli 2017 – Hochsommersamstag mit Gewitter

Sonntag, 9. Juli 2017

Früh aufgewacht, was mir allerdings gut in die Tagesplanung passte, weil ich vor der angekündigten großen Hitze und den deshalb erwartbaren Menschenmengen Schwimmen gehen wollte.

Überm Morgenkaffee auf dem Balkon endlich den Mittelteil des Spaniensommerurlaubs gebucht, zumindest die Unterkunft. An- und Abreise müssten mit Bus und Zug ohne Probleme abzudecken sein. (Wir haben beide gemerkt, dass Mietauto für uns wirklich die allernötigste Notlösung wäre.)

Beim Nachlesen meienr Twittertimeline beobachtete ich befremdet die Eskalationen in Hamburg um den G20-Gipfel, von Polizei, Randalierern und Kommentaren. Fühlte mich sehr rentnerisch, weil ich mich beim Gedanken „Offensichtlich geht’s uns zu gut“ ertappte. Und die PRlerin in mir weiß, dass durch die Bilder (sehr schöner Artikel über ihre Rolle in der Wochenend-SZ – gegen Geld) gerade die G20-Gäste aus repressiven Staatssystemen Argumente gegen die offene, demokratische Gesellschaft mit heim nahmen.

Einkaufsrunde für Lebensmittel. Während es auf meinem Balkon noch angenehm frisch gewesen war (in der Nacht davor hatte es gewittert und geregnet), schlug die Sonne draußen bereits wieder mit der Hitzekeule zu.

Zu Fuß ins Schyrenbad. Angenehme Schwimmrunde, die Schmerzen in linker Schulter bis in den Arm ließen sich aushalten, allerdings merkte ich, dass ich durch den eingeklemmten Nerv deutlich langsamer bin. Gut eingecremt und mit Musik auf den Ohren ein Sonnen- und Wolkenbad genommen (mehr Wolken in allen Farben als Sonne). Ich dachte daran, dass sich sonnen auf Spanisch tomar el sol heißt, die Sonne einnehmen, wie tomar algo etwas essen, etwas trinken heißt. So fühlte es sich nämlich an, wenn die Sonne mal wieder richtig herauskam und mir auf die Haut prallte: Als söge meine Haut sie auf.

Nussschnecke zum Frühstück. Am Himmel zwei große Möwen, dazwischen eine Krähe, die sie ärgerte. Wenige Male quer über dieses Eck der Liegewiese laut schnarrend eine Wacholderdrossel.
Einmal segelte eine wunderschöne Seifenblase über mich hinweg. Ich sah mich um: Ein junger Mann blies für ein ganz kleines Kind Seifenblasen, das sie mit höchstem Vergnügen jagte.

Rückweg über den Postkartenanblick von Wittelsbacherbrücke, Westermühlbach, Südfriedhof.

Ich kann’s immer wieder schier nicht fassen, dass dieses Idyll nur zehn Minuten zu Fuß von meiner Innenstadtwohnung entfernt liegt.

Eine Stunde, nachdem ich heimgekommen war, brach ein Gewitter mit Regen aus. Von da an gewitterte und regnete es immer wieder bis in die Nacht. Ich bereitete Kartoffelsalat für Abendessen (Kartoffeln und Gurke aus Ernteanteil), las Zeitung. Zum Kartoffelsalat gab’s abends bayerische Fleischpflanzerl; ich hatte mit dem Gedanken gespielt, sie orientalisch zu würzen und mit Feta zu füllen, mich dann aber dagegen entschieden.

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Am meisten herumgereicht wurde in meiner Twitter-Timeline dieses Merkel-Putin-GIF. Viel besser aber finde ich den erweiterten Ausschnitt mit Vorgeschichte (der mich daran erinnere, dass die Frau promovierte Physikerin ist).

Völlig nebensächlich, aber ein Kichern wert:
„Donald Trump ‚has trouble finding hotel room at G20 summit'“.

Journal Freitag, 7. Juli 2017 – Abschied von der Theresienwiese

Samstag, 8. Juli 2017

Ich war naiv gewesen: Auch dieses Jahr wird die Theresienwiese bereits dicht gemacht, ich spazierte gestern zum letzten Mal für vier Monate quer drüber. (Wobei man natürlich argumentieren könnte, dass es ohne Oktoberfest erst gar keine solche riesige unbebaute Fläche mitten in München gäbe.)

Später am Tag Aufregendes, übers Wochenende muss mir einfallen, wie ich da diplomatisch rauskomme.

Es wurde wieder heiß, nach den Einkäufen auf dem Heimweg war ich sehr froh über die angenehm temperierte Wohnung.

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Wieder mal die Hoffnung, dass jetzt wirklich endlich Fußballpause sein könnte bis zum Start der diversen Ligen. Dieses Jahr schien es überhaupt nicht mehr aufzuhören mit Fußballsendungen und -nachrichten auf allen Kanälen, immer wieder sogar statt eigentlicher Nachrichtensendungen wie Tagesschau. Hier ein schöner Text von vor drei Jahren, wie sich diese Dauerpräsenz für eine Fußballdesinteressierte anfühlt.

Firstly, imagine every time within a day that football is mentioned by someone else. Secondly, replace it with something that you don’t want to hear about every day. Say… Archaeology. Then, think about how an average day would pan out.

via @truemilhouse

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Das Kostüm der handmaids aus der aktuellen Fernsehverfilmung von Atwoods The Handmaid’s Tale wird zur Waffe von Aktivistinnen. Durch die Retweets von Margaret Atwood beobachte ich das seit ein paar Monaten, hier eine Zusammenfassung:
„Handmaids Are Popping Up In Protests Everywhere. Here’s What The Show’s Costume Designer Thinks.“

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Den Herdwick Shepherd gibt es weiterhin, und es ist weiterhin sehr bereichernd, diesem Schafzüchter aus dem Lake District auf Twitter zu folgen. Ein polnisches Team hat eine wunderschöne und bewegende 15-Minuten-Doku über ihn gemacht – Sprache ist Englisch, es kommt nur James Rebanks zu Wort.

Journal Sonntag, 2. Juli 2017 – Regen und Bügelgedanken

Montag, 3. Juli 2017

Lang geschlafen, dennoch schlecht aus dem Bett gekommen, aber: Keine Migräne, trotz reichlich Alkohol am Abend davor!

Nach dem Bloggen Isarlauf: Laut 2-Stunden-Vorhersage des Regenradars würde ich trocken durchkommen, da das Regenband südlich an München vorbeiziehen sollte. Tatsächlich aber lief ich fast durchgehend in leichtem Niesel und Regen und maulte innerlich schon über die Meteorologie, die bis heute nicht mal das Wetter in den nächsten Stunden vorhersagen kann. Bis mir einfiel, dass ich in Thalkirchen und isarabwärts deutlich südlich vom Stadtzentrum lief, wahrscheinlich exakt im angezeigten Regenwolkenband.
(Aber: Ganze Herden von Sichlors!)

Zwischen Tierpark und Großhesseloher Brücke nahm ich ausnahmsweise die Ostseite: Regenschutz durch Bäume, und bei diesem Wetter waren nicht die Sportradler zu befürchten, die mich sonst von dieser Isarseite fern halten. (Ich werde nie nachvollziehen können, wie jemand statt in dieser grünen Einsamkeit lieber bei organisierten Stadtläufen mit Tausenden anderer Läuferinnen und Läufer durch Innenstädte joggt. Aber natürlich: Jede, wie sie mag.)

Nachmittags Bügeln. Ich bemesse die Höhe eines Bügelbergs in Zeit, dieser war 2,25 h hoch. Auch wenn ich es nicht gerne mache und vor mir her schiebe, leide ich nicht beim Bügeln. Unter anderem behalte ich damit Überblick über den Zustand der Garderobe von Herrn Kaltmamsell und von mir. Für Kleidung bin im Haushalt ich zuständig: Herr Kaltmamsell hat nie Bügeln gelernt, und er übernimmt so viel an Logistik, füttert mich mit köstlichen Speisen, dass ich unterm Strich immer noch im Soll bin. Seine Hemden bringt er in die Reinigung, wo eine faszinierende Aufblas-Maschine sie bügelt, doch im Sommer trägt er oft T-Shirts und Polohemden, die auf meinem Bügelberg landen. Ein Austausch auf Twitter erinnerte mich daran, dass ich als Studentin meine Kleidung ungebügelt in den Schrank hängte und jeweils für den Tag bügelte. Dadurch stand aber oft ein Bügelbrett herum, heute hätte ich keine Lust, meine kostbare Zeit vor der Arbeit dafür zu verwenden, außerdem versorge ich ja jemanden zusätzlich.

Da ich bei den letzen Bügelrunden gesehen hatte, wie zerschlissen Herrn Kaltmamsells Sommeroberteile sind, war er auf meine Bitte Einkaufen gegangen, so richtig im Geschäft. Gestern bekam ich diese neuen Oberteile nach dem ersten Tragen und Waschen aufs Bügelbrett. Und musste dem Herrn abraten, nochmal Baumwollpique-Poloshirts des Herstellers Hilfiger zu kaufen: Bereits nach dem ersten Tragen hatte sich Pilling unter den Achseln und am Rücken (Rucksack) gebildet – das habe ich ja noch nie erlebt.

Abends Lesen statt Polizeiruf im Fernsehen: Ich muss noch bis Donnerstag das Buch für die Leserunde durchkriegen.

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Bewegung macht Spaß, erhöht die Lebensqualität, und es mehren sich die Hinweise, dass sie sich messbar positiv auf einige Gesundheitsfaktoren auswirkt. Wozu Bewegung nicht nützt: zum Abnehmen.
„Why you shouldn’t exercise to lose weight, explained with 60+ studies“.

Was der Artikel eigentlich demontiert: Den zweiten Teil der „calorie in -> calorie out“-Rechnung. Auch hier stellt sich heraus, dass mein Misstrauen gegenüber Kalorien als Einheit zur Messung von Nahrhaftigkeit begründet ist.

Unterpunkte des Artikels:

1) An evolutionary clue to how our bodies burn calories
2) Exercise is excellent for health
3) Exercise alone is almost useless for weight loss
4) Exercise accounts for a small portion of daily calorie burn
5) It’s hard to create a significant calorie deficit through exercise
6) Exercise can undermine weight loss in other, subtle ways
7) Exercise may cause physiological changes that help us conserve energy
8) Energy expenditure might have an upper limit
9) The government and the food industry are doling out unscientific advice
10) So what actually works for weight loss?

Ich muss oft an professionelle Balletttänzerinnen denken: Es ist wohl unbestreitbar, dass sie sehr hart körperlich arbeiten. Aber essen sie dann auch wie Bauarbeiter? Nein: Um die Dünnheitsnorm für Balletttänzerinnen einzuhalten, müssen sie hungern. Ihr Stoffwechsel hat sich darauf eingestellt, mit wenig Nahrung auszukommen und würde jedes Mehr umgehend in Vorräten ansetzen.

Journal Samstag, 1. Juli 2017 – Torte für Mutters Freundin

Sonntag, 2. Juli 2017

Nicht mal auf schlechtes Wetter ist Verlass. Da ich bei bedecktem Himmel zum Freibadschwumm aufbrach, ließ ich mir den Rücken nicht eincremen. Doch schon als ich durch den Südfriedhof spazierte (eine Gruppe gar nicht mal junger Menschen grüßend, die sich offensichtlich zu einem Raid zusammengeschlossen hatten und gerade in einer Arena kämpften), schien vor allem die Sonne. So begrüßte ich beim Schwimmen jeden Schatten auf dem Beckenboden, der die Gefahr eines Sonnenbrands minderte. Ein wenig rot war ich abends aber doch. Das Schwimmen selbst genoss ich, bei kühlen Temperaturen und Wind waren nur wirklich Schwimmwillige auf den Bahnen.

Auf dem Heimweg Wolkendrama über der Isar.

Nachmittags kamen meine Mutter und eine Freundin zu Tee und Torte vorbei: Sie hatten Karten für das Musical Sister Act im Deutschen Theater am Abend, waren mit einem Bus angereist und verbrachten die Stunden vor der Vorstellung wegen Gehbeschränkung der Freundin bei uns statt mit einem Bummel durch München. Ich begleitete sie noch zum Deutschen Theater und weiß jetzt, dass man von uns aus zu Fuß selbst mit Krücken und Pausen nur zehn Minuten braucht.

Die Hugo-Torte schmeckte richtig gut nach Prosecco, Hollundersirup und Limettenschale, allerdings kann die Angabe „Springform mit 24cm Durchmesser“ nicht stimmen: Ich hatte nach Überfliegen der Zutaten vorsichtshalber eine 26cm-Form genommen, und die war randvoll geworden. (Im Hintergrund ein Teil der Leckereien, die ich zudem vom syrischen Konditor geholt hatte.)

Ich freute mich sehr, diese liebe Freundin meiner Mutter zu Gast zu haben: Sie kennen sich seit mindestens 35 Jahren, ich war als Jugendliche Gast bei großen Feiern in ihrem Haus, sah sie regelmäßig bei Festen meiner Eltern – aber dass Freunde der Eltern auch deren Kinder besuchen, ist ja sehr ungewöhnlich.

An dem Pimm’s, den ich den Damen noch zur Einstimmung aufs Musical servierte, beteiligte ich mich nicht: Ich war abends auf Cocktails verabredet. Auch hier sehr angenehme Stunden, ich unterhielt mich sogar über Fußball.

Journal Mittwoch, 28. Juni 2017 – Laufen nach der Arbeit

Donnerstag, 29. Juni 2017

Besonderheit des gestrigen, sonst ereignislosen Tags: Ich ging nach der Arbeit Laufen. Es war Abkühlung angekündigt, sogar Aufziehen einer Regenfront, das klang nach gutem Laufwetter – und es ist noch lang genug hell.

Ich verließ das Büro also früher als sonst, radelte heim, zog mich um und radelte zur Wittelsbacherbrücke. Auf der Isar war das eine oder andere Schlauchboot / aufblasbare Schwimmtier in ähnlicher Größe / Kanu unterwegs. Die Temperaturen fühlten sich angenehm an, auf halber Strecke bekam ich den einen oder anderen Tropfen Regen ab. Insgesamt stellte sich der Lauf als ausgezeichnete Idee heraus, auch wenn ich nicht so viel Energie hatte wie morgens.

Herr Kaltmamsell, der weiterhin versichert, gerne auch unter der Woche für uns zu kochen, hatte vor Tagen meine Essenswünsche abgefragt (freie Entscheidung, da der Ernteanteil bereits vollständig vertilgt war) und servierte aufwändiges Butter Chicken – sogar mit frisch gebackenen Chapati, weil ich Reis als Beilage langweilig finde.

Ausgesprochen köstlich, ich fühlte mich sehr verwöhnt.

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Zu meiner großen Freund sieht es danach aus, als sei ein brach liegendes Blog der ersten Stunde wiedererwacht:
Notebook München

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Die Ehe für alle scheint in Deutschland nach jahrzehntelangem unwürdigen Gezerre dann doch noch in dieser Legislaturperiode wahr zu werden – weil Kanzlerin Merkel ausgerechnet in einem Podiumsinterview einer Frauenzeitschrift anders klang als bisher. Viel weist darauf hin, dass sie von Wahltaktik motiviert war.

Ich dachte ja: Whatever works. Aber auch hier lohnt es, Betroffene zu Wort kommen zu lassen (wie ich seinerzeit das Referendum in Irland zur Ehe für alle klasse fand, bis mich eine Betroffene darauf hinwies, wie erniedrigend es für sie sei, wenn die Norm-Mehrheit über ihre Rechte befinden dürfe). Deshalb sind die Ausführungen von Frank Stauss lesenswert:
„Verdruckst, verlogen und verzockt.“

Es geht und es ging immer um Menschen. Um Eltern, um Mütter, um Väter. Um die täglichen kleinen und großen Demütigungen – die zwar abgenommen haben aber immer noch an jeder Ecke auf uns lauern. Staatlich legitimiert und die längste Zeit nicht nur mit dem Segen der Kanzlerin, sondern wegen ihrer harten, klaren und berechnenden Ablehnung jeder Reformen.

Journal Montag/Dienstag, 26./27. Juni 2017 – Beifang aus dem Internetz

Mittwoch, 28. Juni 2017

Ereignislose Arbeitstage, am Montag mit Sommerhitze und feierabendlichem Obsteinkauf, am Dienstag mit Regen am Morgen, durch den ich zum Langhanteltraining ging, der sich aber in einen sehr warmen Feierabend mit gemischten Wolken verwandelte.

Die Sperrung der Theresienwiese für Oktoberfestaufbau wirft ihre Bauzäune voraus.

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Auch wenn Sie alle eh schon bei Read on my Dear lesen, weise ich Sie auf diese Geschichte hin:
„Eine Banane“.

Zu der Geschichte passt sehr gut, dass ich auf dem Heimweg gestern an einem Spendenplakat „Den Hunger beenden“ vorbei kam, inklusive dunklem Kindergesicht mit riesigen Augen, und mir dachte, das müsste man vor die Redaktionen von Frauenzeitschriften hängen, die von Diätterror leben.

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Else Buschheuer hat ein schwules Flüchtlingspaar bei sich aufgenommen und schreibt im jüngsten SZ-Magazin darüber:
„Meine Beiden“.

Lesenswert, weil es mal wieder verdeutlicht, dass Geflüchtete Menschen mit sehr individuellen Biografien und Charakteren sind. Lesenswert auch wegen der Buschheuer-Schreibe, die ich so mag, seit ich seinerzeit auf ihr Blog aus Manhattan stieß, und die kein Problem damit hat, auch die Autorin nicht so gut aussehen zu lassen.

Meine Jungs mussten nicht länger in Aleppo oder Gaza sein, aber auf Weimar, Gera und Jena hatten sie auch keinen Bock. Während hochmotivierte ehrenamtliche Helfer sie finanziell, mental und juristisch unterstützten, waren die Jungs fasziniert von bunten Kontaktlinsen, Shishacafés und McFit. Als ich ihre Oberflächlichkeit kritisierte, ließen sie durchblicken, dass ich ruhig auch mal wieder zum Friseur gehen könnte.

Manchmal kam ich zu Hause nicht mehr ins Netz, weil sie nebenan mit vier Geräten gleichzeitig (drei Smartphones und dem Computer, den ich ihnen geliehen hatte) online waren. Einmal hatte sich der Große einen verdorbenen Magen geholt, gebärdete sich wie ein Sterbender und scheuchte mich nachts durch halb Berlin in die nächste Bereitschaftsapotheke.

DAS war unser Culture Clash, nicht Schweinefleisch und Alkohol, nicht Jesus und Mohammed. Sie waren Konsumenten und wollten es in aller Ruhe sein, sie wollten sich weder von Mullahs noch von mir davon abhalten lassen, eimerweise Protein bei Amazon zu kaufen. Uns trennte nicht der Koran, nicht der IS, uns trennte ein »Lifestyle«, wie es der Kleine einmal nannte. Nach Jahren der Selbstverleugnung waren sie 24 Stunden am Tag damit beschäftigt, schwul zu sein, und das war verdammt noch mal ihr Menschenrecht. Aber auch ich hatte Ansprüche. Ich wollte, dass sie obendrein noch fleißig sind, pünktlich, ehrgeizig, kreativ und hartnäckig, aber gleichzeitig bescheiden.

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Ijeoma Oluo erinnert sich an ihre Kindheit in Armut und wie sie ihrer Mutter übel nahm, dass sie eines Tages einen Boston Cream Pie heim brachte.

By 6th grade I had already figured out that we were poor and that it was a moral failure on our part. We were defective, and therefore unable to afford the things that normal families could afford. My friends had snack cabinets full of treats that they could just reach into whenever they felt like it. We had no phone, often no electricity, and if there was a package of ramen in our cupboard, it was a very good day. I wasn’t quite sure why, but I knew that this was all my mom’s fault. She had married the wrong man, she had gotten the wrong job, she hadn’t saved enough or scraped enough or worked hard enough. But we had no food in our fridge and I was pretty sure this Boston cream pie was why.

Worauf ihr Artikel hinaus will:
„Poor People Deserve To Taste Something Other Than Shame“.

Ich musste sofort an den Ring denken, den ich von meinem bitter armen spanischen Großvater geerbt habe. Und wie ich mich dabei ertappte, ihm übel zu nehmen, dass er für solchen Tand Geld verschwendet hat.

via @MlleReadOn

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Im Techniktagebuch beschreibt Angela die Handhabung ihres neuen Pkws – sehr informativ für mich, da die letzten Autos, das ich fuhr, etwa auf dem Stand der Technik von Angelas altem waren:
„Glück ist doch käuflich“.
(Jetzt verstehe ich auch, warum wir beim letzten Mietwagen vor zwei Jahren keinen Knopf fürs Licht gefunden haben.)

Journal Sonntag, 25. Juni 2017 – Generalversammlung des Kartoffelkombinats, wir bauen eine Lagerhalle

Montag, 26. Juni 2017

Zum Morgenkaffee auf dem Balkon war es noch trocken (wenn auch recht frisch), doch dann setzte Regen ein. Nichts wars also mit Radeln zur jährlichen Generalversammlung des Kartoffelkombinats, Herr Kaltmamsell (seit vergangenem Jahr ebenfalls Genosse) und ich nahmen U- und Straßenbahn.

Bericht zum Geschäftsjahr 2016 (die Zahlen sind so herrlich übersichtlich im Vergleich zu den Bilanzen, mit denen ich bislang beruflich zu tun hatte) sowie Entlastungen von Vorstand und Aufsichtsrat waren gar kein Problem.

Zum Status Quo berichteten die Vorstände über das erste halbe Jahr in der eigenen Gärtnerei – und es ist atemberaubend, welche Unbillen das Team bewältigte, und mit denen es die Genossenschaftsmitglieder bislang unbehelligt ließ: Wetter zum einen (erst zu trocken, dann stand das Wasser) – aber Wetter ist ja in der Landwirtschaft der bekannteste Risikofaktor. Doch dass beim Ausschachten der Bewässerungsanlage eine Leitung der Telekom dran glauben musste (und ein Nachbarort zwei Tage kein Internet hatte – SORRY!), dass beim Graben verbuddelte Pflanzenschutzmittelbehälter auftauchten (das Erdreich ist mittlerweile ausgewechselt, keine messbare Belastung), dass eine Lieferung Setzlinge vom Laster fiel, dass ein Landratsamt wegen fehlender Unterlagen meinte, das da auf dem Gelände seien alles Schwarzbauten (mittlerweile hat der Vorstand fast alle Unterlagen aus 60 Jahren aus Archiven gewühlt) – das ist dann doch unerwartete Aufregung und Beschäftigung.

Zum Glück hatten Daniel und Simon auch eine Menge Erfolge zu berichten, unter anderem von der ersten im Kartoffelkombinat selbst geernteten Kartoffel – hurra! Außerdem ist der Anbau so richtig angelaufen, in Gewächshaus und Freiland, wir hatten bereits reichlich Gemüse aus eigener Gärtnerei in den Ernteanteilen.

Wichtigstes Thema gestern aber war die nächste Großinvestition nach dem Kauf der Gärtnerei: Bau einer Halle fürs Lagern von Wintergemüse, auch für die Kühlung des Frischgemüses bis zum Packen der Kiste und der gepackten Kisten bis zum Transport am nächsten Morgen zu den Verteilerpunkten. Zudem soll in der Halle Raum fürs Kistenpacken sein. Da verantwortungsbewusst gebaut werden soll (Material, Energieversorgung), ist das eine große Investition. Wie immer wurden uns Genossenschaftlerinnen und Genossenschaftlern alle Hintergründe, Pläne und Zahlen auf den Tisch gelegt – wir bekamen sogar drei Alternativen zu diesem kostspieligen Bau einer eigenen Lagerhalle durchgespielt. Nach ein paar Nachfragen erteilten wir dem Vorstand das Mandat, die Sache wie vorgestellt voranzutreiben.

Ganz planmäßig verläuft das Wachstum der Mitgliederhaushalte: Wir sind derzeit über 1100 Haushalte, und derzeit werden wieder weitere aufgenommen. Hier stehen die Ziele und Werte des Kartoffelkombinats: Wenn Sie in München oder Umland wohnen, Verantwortung für die gesamte Wertschöpfungskette Ihres Gemüses übernehmen möchten (bio, regional, fair für alle Beteiligten – alle), wenn Sie damit idealerweise eine Alternative zur Konsumgesellschaft schaffen wollen – dann könnten Sie hier nachlesen, wie eine Teilnahme funktioniert, und sich hier für einen sechswöchigen Test anmelden.

Ja, das Ganze ist so einmalig, wie es sich auf den ersten Blick liest, das Kartoffelkombinat leistet in sehr vieler Hinsicht Pionierarbeit (seit gestern weiß ich, dass wir sogar in der Bundestagsdebatte ums Genossenschaftsrecht als positives Beispiel genannt wurden). Derzeit wird pioniert mit dem Aufbau einer mittelgroßen professionellen Gärtnerei, die als Ziel 80 Prozent des Gemüsebedarfs von 1600 Haushalten decken soll (20 Prozent werden weiterhin von Partnerbetrieben zugekauft). Das ist so begeisternd, dass sogar der betreuende Banker von unserer kreditgebenden Bank Genossenschaftler wird.

Wenn Sie Erfahrungsdetails meiner fast vierjährigen Mitgliedschaft wissen möchten, schreiben Sie mir gerne eine E-Mail (Adresse links oben) oder fragen Sie in den Kommentaren.

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Auf dem nachmittäglichen Rückweg hatte der Regen aufgehört. Daheim erledigte ich Erledigungen, las aber Zeitung, statt wie geplant zu bügeln. Der Strandurlaub in Galicien zwischen Wanderung und Madrid ist immer noch nicht entschieden.