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Journal Mittwoch, 8. Juli 2026 – Lerchenlauf und Listenabhaken

Donnerstag, 9. Juli 2026

Ich wachte wenige Minuten vor extrafrühem Weckerklingeln auf, das passte wunderbar.

Draußen war es nicht nur wie angekündigt bedeckt, beim Zähneputzen hörte ich im Innenhof auch Regentropfen – und der Regenradar kündigte genau für die Zeit meiner Laufrunde Niederschläge an. Letztendlich entschied ich mich dennoch gegen die Regenjacke: In der schwülen Luft fürchtete ich Schweißflüsse und Stickigkeit mehr als Durchnässung. Und gegen Verblindung meiner Brille setzte ich eine Schirmmütze auf.

Erwies sich als die richtige Entscheidung: Es tröpfelte lediglich hin und wieder, während der etwas ernsthafteren Regenphase lief ich unter Thalkirchner Blätterdach.

Wieder achtete ich fast durchgehend auf den Weg und aufs Füßeheben, ich will wirklich nicht nochmal stürzen (unterm strammen Brustgurt des Jogging-BHs erinnerten mich die linken Rippen auch zwei Wochen danach noch an den jüngsten Sturz). Die Luft war bei aller Düsternis herrlich, ich lief leicht auf nahezu menschenleeren Isarwegen.

München ist so reich, dass abgelegte Jackson Pollocks in Zu-verschenken-Kisten landen.

Daheim zackige Säuberung, vor Verlassen der Wohnung entschied ich mich bei dem angekündigt fortdauernden düsteren Wetter für hochgezogene Rollläden und Fenstern auf Kipp.

Beschleunigter Arbeitsweg durch zwei Stationen U-Bahn-Fahrt.

Schnellstart in einen emsigem Vormittag. Auf dem Weg zum nahegelegenen Mittagscappuccino fand ich es dann doch ganz schön kühl, zumindest bekam ich keine Regentropfen ab.

Zu Mittag gab es Aprikose, Bananen Quark/Joghurt/Leinsamenschrot.

Auch den Nachmittag rumgebracht. Nach Hause auf direktem Weg, ich war mit Herrn Kaltmamsell verabredet: Wir wollten einen Punkt auf unserer Auswärtsessensliste abhaken. Vor vielen Monaten war ich auf die Idee gekommen: Die nächste Pizza essen wir bei Dr Drooly – der kleine Laden, der nur vegane Pizza verkauft, hat einen sehr guten Ruf und sah beim Vorbeispazieren urig aus mit immer viel jungem Volk drumrum. Allerdings hatten wir seither nie Lust auf Pizza. Aber nun stand dieser Posten halt auf der (von Herrn Kaltmamsell sorgsam geführten) Liste und würde nicht eher von dort gestrichen, bis wir dort gegessen hatten, das System ist nicht perfekt.

Gestern stellte ich nur mein Zeug in der Wohnung ab und spazierte dann gleich mit Herrn Kaltmamsell nach hinter dem völlig verbaustellten Goetheplatz zu Dr Drooly und bestellte Pizza.

Pizza Marinara gegenüber, eine Pizza Cheezy für mich – sehr gute Tomatensauce, der vegane Käse-Ersatz schmeckte halt salzig. Aber! Der Teig war für meinen Geschmack perfekt, genau so brotig und großporig mag ich ihn.

Auf dem Heimweg holten wir uns als Nachtisch beim McDonald’s je einen McFlurry mit ordentlich pappsüßen Saucen.

Nach der 20-Uhr-Tagesschau (viel über den NATO-Gipfel samt irrlichterndem US-Präsidenten Trump; ich möchte hier festhalten, dass auch hier alle seine Aussagen und Zusagen immer Momentaufnahmen sind und keine davon verlässlich – in einem Militärbündnis besonders unbehaglich) bald den Fernseher ausgeschaltet. Früh ins Bett zum Lesen.

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Nochmal zu sexualisierter Gewalt, weil sich hier endlich etwas tun muss. Die Zeit interviewt die Anwältin Christina Clemm, die unter anderem die Moderatorin Collien Fernandes und die Autorin Claudia Wuttke vertritt, die kürzlich öffentlich Vorwürfe gegen ihre Ex-Partner erhoben haben:
“‘Nicht nur die Scham, sondern die Angst muss die Seite wechseln'”.

ZEIT: Die meisten Frauen, auch viele, die zu Ihnen kommen, erstatten keine Anzeige. Was hält sie ab?

Clemm: Viele tun es nicht, weil sie sich nichts davon erwarten. Sie haben Angst, dass man ihnen nicht glaubt. Dass sie jahrelang in einem Gerichtsverfahren hängen, an dessen Ende eh keine Verurteilung steht. Andere befürchten, dass es durch eine Anzeige noch mal zu Gewalt durch den Täter kommt. Und manche haben Angst vor Gegenanzeigen, vor Verleumdungen, auch in der Öffentlichkeit. Das Problem beginnt aber schon früher. Die allermeisten Gewaltbetroffenen sprechen gar nicht darüber, was sie erlebt haben, oder nur bruchstückhaft. Ihre Sorge ist zu groß, dafür verurteilt zu werden.

ZEIT: Ist es nicht verwunderlich, dass sich viele auch dem engsten Umfeld nicht anvertrauen, nicht mal der besten Freundin?

Clemm: Ich finde das gar nicht so erstaunlich. Wir tun oft so, als seien wir eine aufgeklärte Gesellschaft, aber wir haben nicht gelernt, offen über Sex und Partnerschaft zu sprechen. Männer tun es noch seltener als Frauen. Davon zu erzählen, wie es wirklich in einer Beziehung läuft, ist ein großes Tabu. Vor allem wenn es Gewalt und Grenzüberschreitungen gegeben hat. Viele der Betroffenen geben sich dafür selbst die Schuld. Nach dem ersten Vorfall ist es noch leichter möglich, sich zu öffnen. Aber wenn die Frau danach bei ihrem Partner bleibt, ist sie schnell isoliert. Dann heißt es: Wie blöd bist du denn, nicht zu gehen.

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Lisa Rank schreibt über ihren Körper:
“Mein Bauch ist ein Kopfkissen
Ich war der festen Überzeugung, ich hätte in meiner Jugend keine Essstörung gehabt. Bis ich meine Tagebücher von damals gelesen habe.”

Ach, wenn wir nur alle dorthin kommen könnten:

Es ist mittlerweile auch ein Leichtes was Schönes zu finden in jedem Foto. Keine Filter mehr zu benutzen. Immer wieder zu lachen bei dem Satz, den meine beste Freundin und ich uns schon seit Jahren sagen: „So sieht man halt aus“. Alle sehen irgendwie aus. Und das Leben ist zu kurz, um bei Hitze die weichen Beine in lange Hosen zu stecken. Lasst mich in Ruhe. Wenn jemand ein Problem mit meinen Beinen hat, dann ist es seins.

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Kino-Vorfreude:

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https://youtu.be/zrcg8YHSys8?si=KANS2nXzl636ednb

1. Kate McKinnon
2. Geena Davis
3. Kristen Stewart IN EINER KOMISCHEN ROLLE
4. SO VIELE FRAUEN!!!

Journal Sonntag, 5. Juli 2026 – #WMDEDGT

Montag, 6. Juli 2026

Heute ist wieder der Ja-jetzt-ist-das-langweilig.-Aber-in-20-Jahren!-Tag der Tagebuchbloggerei: Frau Brüllen fragt “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? #WMDEDGT” und sammelt die Antworten, für Juli hier.

ENDLICH mal wieder richtig gut geschlafen, unterbrochen von nur einem Klogang um halb drei – und dann bis fast sieben durch.

Wieder ein sehr kühler Balkonkaffee, ich wärmte mich mit Strickjacke und anschließendem Ingwertee.

Das verunsicherte mich bei der Wahl meiner Kleidung für die Laufrunde an der Isar. Letztendlich verließ ich mich auf die wärmende Bewegung.

Das erwies sich schon beim Radeln zum Friedensengel als die richtige Entscheidung.

Loslaufen dann tatsächlich mit einem etwas mulmigen Gefühl, ob ich auch nicht wieder stolpern und stürzen würde (ich nenne das nicht Angst, Angst sind die Wellen und Strudel, die mich nachts wach halten). Ich versuchte dran zu denken, wirklich auf den Boden vor mir zu schauen und die Füße zu heben. Aber letztendlich konnte ich doch locker laufen, hatte Spaß und freute mich über meinen funktionierenden Körper.

Auf der Höhe Unterföhring spritzten mich ein paar Regentropfen an.

Das Gewitter vergangenen Montag hatte an den nördlichen Isarauen heftige Schäden hinterlassen: Viele mächtige Bäume lagen in Stücke zersägt am Wegesrand, ich sah die Bruchspuren oder wie hier im Wasser riesige abgebrochene Äste.

Biologiestunde mit der App Flora incognita gestern:

Nesselblättrige Glockenblume (bereits meine dritte Glockenblumen-Variante)

Jakobs-Greiskraut

Gewöhnliche Waldrebe

Gewöhnliches Leinkraut

Gewöhnlicher Dost

Immer wenn die Flora-incognita-Bestimmung das Attribut „gewöhnlich“ ergibt, raune ich der Pflanze zu: „Nichts an dir ist gewöhnlich, meine Schöne, du Juwel!“ Und halte ihr zum Beweis das Foto hin, das ich von ihr gemacht habe.

Daheim gründliche Körperpflege inklusive Bein-Peeling und Fußpflege, dann Zubereitung des Desserts fürs Abendessen (Schokoladenpudding mit darin geschmolzener Schokolade, untergehobene geschlagene Sahne würde daraus Schokoladenspeise ergeben), gegen zwei Uhr gab es zum Frühstück eine Körnersemmel mit Jamón serrano und eine halbe (reife!) Netzmelone.

Nachmittags war es mir für Lesen auf dem windigen Balkon tatsächlich zu frisch – ich las drinnen weiter, restliche Wochenendzeitung.

Ein Stündchen bügeln mit sehr interessanter Playlist von Freundin aus der Musik-Branche. Nach einem Telefonat mit meiner Mutter (alles in Ordnung) zog es mich nochmal auf eine Runde raus durch die Stadt, Schaufenster und Touristen gucken.

Daheim eine Einheit Yoga, zum Abendessen steuerte ich ein wenig Salat bei. Herr Kaltmamsell hatte den Ernteanteil-Spitzkohl geviertelt und mariniert im Ofen gebacken, servierte ihn mit Hummus. Nachtisch Schokoladenspeise. Währenddessen regnete es heftig.

Früh ins Bett zum Lesen, als nächstes Florian Matzner (Hrsg.), Albert Coers – Straßen Namen Leuchten. Ein Denkmal für die Familie Mann (es ist schwer einzufangen, was der tatsächliche Titel des Buchs ist, meine innere Literaturwissenschaftlerin rudert mit beiden Armen, ich habe jetzt einfach diesen beschlossen).

Journal Samstag, 4. Juli 2026 – Perfekt temperierter Sommersamstag

Sonntag, 5. Juli 2026

Meh, wieder eine zerhackte Nacht, am erholsamsten fühlten sich die knapp drei durchgehenden Stunden Schlaf nach fünf an. Aufgestanden mit bösem Kopfweh, das hatte ich nun von einem ausnahmsweise alkoholfreien Freitagabend. Eine Ibu half schnell.

Auf dem Balkon war es trotz wolkenlosem Sonnenschein kühl, ich brauchte eine Strickjacke für meinen Balkonkaffee.

Endlich wieder Schwimmen, ich freute mich sehr auf eine sonnige Runde im Dantebad. Die Rippen schmerzten zwar immer noch ein wenig vom Lerchenlauf-Sturz vor zehn Tagen, doch bei diesem traumhaften nicht heißen Sommerwetter riskierte ich das. Zudem riskierte ich Anfahrt per Rad: Nur einmal musste ich abspringen für Ohrenzuhalten und Gegensummen wegen LALÜ.

Kurz vor elf war der Radlparkplatz vorm Dantebad so leer, dass ich schon Hindernisse befürchtete – wenn ich EIN! MAL! nicht vor Abfahrt checkte, ob auch alles wie gewohnt geöffnet hatte. Doch nein: Es war einfach extrem wenig los, auch auf den Schwimmbahnen. Na gut, richtiges Freibadwetter hatte es bei 24 Grad auf der Anzeige über der Sprudelschnecke eigentlich nicht, doch nach meiner Erinnerung reichte sonst reichlich Sonne.

Das Schwimmen über David-Hockney-Poolboden war herrlich. Die Rippen spürte ich durchaus, fühlte mich aber nicht behindert davon, sondern zog 3.200 Meter vergnügt durch. Anschließend erneutes Sonnencremen, ein Stündchen auf der (völlig vertrockneten und nahezu Grün-freien) Liegewiese mit Musik auf den Ohren und guten Gedanken inklusive Ideen.

Die eine Wolke am Himmel.

Auf dem windigen Rückweg hielt ich am Edeka am Stiglmaierplatz, besorgte Frühstückssemmeln und Teile des Abendessens. Frühstück um drei: Körnersemmeln mit Butter und Tomaten, Schwarzkirschen.

Nachmittag mit Internetlesen auf dem Balkon, Zeitunglesen im Wohnzimmer, weil auf dem Balkon zu viel Wind. Am Ende des Nachmittags turnte ich eine Runde Yoga – bei Kreislaufkapriolen inklusive Schweißausbruch, die nass getropfte Yogamatte musste ich zum Trocknen erstmal liegen lassen.

Nachgeholtes Wochenend-Anstoßen mit Aperol Spritz.

Fürs Abendessen war ich zuständig: Es gab den Ernteanteil-Salat vom Donnerstag, einen Friseesalat, der mit seinen kräftigen Freilandblättern etwas von Koralle hatte. Ich mischte eine Ernteanteil-Minigurke und zugekaufte (sehr gute) Tomaten unter, drauf kamen harte Eier. Zweiter Gang Käse, Nachtisch Schokolade.

Im Bett las ich Helle Helle, Flora Fink (Übers.), Hafni sagt aus – ein angenehm seltsamer Roman aus der Perspektive einer Frau Mitte 40 mit zwei erwachsenen Kindern, die nach der Trennung von ihrem Mann über Land fährt. Er beginnt sehr eigenartig:

Um sicher zu gehen, dass das auch wirklich der Anfang ist, checkte ich die Leseprobe bei Amazon: Doch, das sollte so. Ähnlich bleibt die Erzählweise, allerdings mit sehr vielen sehr konkreten Ortsangaben in Dänemark – die mir alle nichts sagten. Ich begleitete Hafni dennoch gern.

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Weiterführung des Themas gesellschaftliches Vertrauen. Auf Mastodon berichtet @katzentratschen von ihrer Familie.

Das individuelle Wertesystem ist zu ganz erstaunlichen Kapriolen fähig (mich immer eingeschlossen, hier sogar ganz besonders). Ich erinnere mich an einen bestimmten Angeklagten in einer Gerichtsverhandlung, die ich als Schöffin erlebte (alles öffentlich, ich berichte hier keine Indiskretionen). Dem Mann jenseits der 60 wurde vorgeworfen, Kontokarten aus Autos auf Friedhofsparkplätzen gestohlen und damit Geld abgehoben zu haben (bei der Gelegenheit lernte ich, dass dieses Vergehen unter Computerbetrug läuft). In der Verhandlung kamen wie immer auch die persönlichen Umstände und die Vergangenheit des Angeklagten zur Sprache. Er hatte beträchtliche Vorstrafen: Betrug, Diebstahl, solche Sachen. Erwerbstätig war er in seinem Leben nur sporadisch gewesen, mit Hilfsarbeiten. Doch er betonte stolz nach Verlesung dieser Fakten, er habe NIE! vom Staat Geld bekommen! Offensichtlich war für ihn gestohlenes Geld von anderen Menschen ehrlicher erlangt als Arbeitslosenhilfe – weil von eigener Hände Arbeit?

Sehr schön zu diesem Herrn auch die Szene, als in der Verhandlung als Beweismaterial die Aufnahmen der Überwachungskamera gezeigt wurden, die zur fraglichen Zeit von der Verwendung der Bankkarte im Bankautomatenraum aufgenommen worden waren. Der Angeklagte trug in der Verhandlung exakt denselben auffallend gemusterten Strickpullover, der an der Person auf den Bildern der Überwachungskamera zu sehen war. Und krähte sofort ungefragt: “DES BIN I NET!” Spätestens in diesem Moment erinnerte mich die Situation schon sehr ans Königlich Bayerische Amtsgericht.

§

Das Techniktagebuch fragt: “Wann sind eigentlich Internet-Cafés und öffentliche Internet-Terminals ausgestorben?”

Das ist tatsächlich eine interessante Frage, denn auch ich erinnere mich an Urlaube, in denen ich Internet-Cafés fürs Posten von Blogtexten suchte, erinnere mich ans abschließende Bezahlen an Theken, an unangenehm riechende Hinterzimmer. Oder an den besonderen Service mancher Hotels, die im Lobby-Bereich Computer-Schreibtische mit Internetzugang anboten, an mindestens einen mit Münzeinwurf. Doch ich erinnere mich nicht, wann ich zuletzt derartiges sah.

Journal Freitag, 3. Juli 2026 – Buchvorstellung zum Denkmal Familie Mann / Nachdenken über gesellschaftliches Grundvertrauen

Samstag, 4. Juli 2026

Etwas gehetzter Morgen, weil ich durch Verabredung am Vorabend nicht zum Bloggen gekommen war, außerdem Wäscheversorgung anstand (Wäscheständer leeren, Waschmaschine füllen und programmieren).

Das Draußen startete mit geschlossener Wolkendecke und kühler Luft, auf dem Weg in die Arbeit kam aber bereits die Sonne heraus.

Mittelemsiger Arbeitsvormittag, erschwert durch bleierne Müdigkeit. Hoffentliche schaffe ich es an diesem Wochenende mich zu erholen, idealerweise sogar durch viel Schlaf.

Raus auf einen Mittagscappuccino im Westend durch einen herrlichen Sommertag: Viel Sonne, Lufttemperatur so niedrig, dass sich der Sonnenschein angenehm wärmend anfühlte, immer wieder kräftiger, kühler Wind.

Zu Mittag gab es eine Nektarine, die ersten Kirschen der Saison (riesige Schwarzkirschen), Hüttenkäse. Der Freitagnachmittag kleckerte aus, ich ging pünktlich.

Ein paar Einkäufe auf dem Heimweg, daheim Wäscheaufhängen, Spannung, ob Herr Kaltmamsell es rechtzeitig zum Abendessen vor Abendverabredung von seinem Auswärtstermin nach Hause schaffen würde. Das tat er ganz knapp und zauberte uns in wenigen Minuten aus der Gefriere selbstgemachte Gnocchi mit Salbeibutter.

Auf den gestrigen Abendtermin freute ich mich trotz aller Erschöpfung. Sie erinnern sich an das Denkmal für die Familie Mann von Albert Coers? Dazu gibt es jetzt ein Buch, herausgegeben von Florian Matzner, und das wurde gestern Abend im Münchner Literaturhaus vorgestellt. Albert hatte Herrn Kaltmamsell und mich dazu eingeladen.

Wir spazierten durch die Abendsommermenschenmengen der Münchner Fußgängerzone zum Salvatorplatz.

Auch bei Tageslicht sehenswert: “Straßen Namen Leuchten”.

Im Gespräch mit der Leiterin des Literaturhauses, Tanja Graf, berichtete Herausgeber Florian Matzner von der Akademie der Bildenden Künste München über seine Sicht auf diese spezielle Kunst im öffentlichen Raum, Albert Coers von seinem Konzept des Denkmals und seinen Reisen über mehrere Kontinente auf Recherche nach Straßen, die nach Mitgliedern der Familie Thomas Mann benannt sind. Wenn es irgendwie ging, brachte er die Originallampen und -straßenschilder mit nach München (reichlich Anekdoten), die aus New York ließ er vor Ort duplizieren, die aus Los Angeles in einer Gießerei im bayerischen Landsberg. Er übernahm auch sonst für das Denkmal so viel Originalsituation wie möglich: Da er das Thomas-Mann-Straßenschild in Rom angefahren schief vorgefunden hatte (siehe Foto oben), steht es auch auf dem Salvatorplatz schief.

Den Aspekt Literatur im Exil beleuchtete in einem weiteren Gespräch mit Tanja Graf der Thomas-Mann-Experte Holger Pils, der die Wege der Familienmitglieder nach 1933 nachzeichnete. Das Buch selbst kauften wir gleich vom Büchertisch weg, ich freue mich schon sehr auf die Lektüre.

Nach der Veranstaltung genoss ich nur kurz den sensationellen Ausblick vom obersten Stockwerk des Literaturhauses, wir gingen gleich heim.

Diese Perspektive in der Kardinal-Faulhaber-Straße wird mich wohl jedesmal zum Zücken der Handy-Kamera bringen.

Eigentlich hatte ich noch Lust auf ein Speiseeiserl, doch am Marienplatz war mir die Schlange zu lang, und unser Eisdealer ums Eck von der Wohnung war bereits am Schließen. Also statt dessen Schokolade daheim.

Neue Lektüre im Bett: Helle Helle, Flora Fink (Übers.), Hafni sagt – eine angenehm eigenartige Road trip-Geschichte.

§

Dieser Text löste bei mir eine Gedankenkaskade aus, ein Bericht aus Finnland:
“Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser”.

via @holgi

Als Erstes assoziierte ich die immer wieder aufflammende Diskussion über die Regeln beim Wählen im Wahllokal: Nein, zum Wählen muss man nicht den Personalausweis vorlegen, die Wahlbenachrichtigung oder der Wahlschein genügt. (Nur wenn man keines davon hat, muss man die Wahlberechtigung durch Ausweis und Eintrag im Wählerverzeichnis belegen.)
Eine Wahlvorsteherin, mit der zusammen ich mal wahlhalf, erklärte das auf Nachfrage von Wähler*innen vor uns mit:
“Weil wir erstmal davon ausgehen, dass Sie uns nicht anlügen.”
Aber auch hier in den Blogkommentaren erinnere ich mich an Diskussionen, die vor allem die Betrugsmöglichkeiten bei diesem Vorgehen durchspielten.

Mein Naturell ist ein ganz anderes: Ich gehe wirklich erstmal davon aus, dass Menschen ehrlich sind, dass sie mir nichts antun und nichts wegnehmen, mich nicht anlügen. Das ist ganz tief in mir verankert.

Als Zweites dachte ich daran, wie viele Jahre ich bei Anfahrt an die Isar zum Laufen mit dem Fahrrad einen Überzug-Pullover oder eine -Jacke im Fahrradkorb ließ – denn man nimmt nicht einfach anderen Leuten ihren Pullover weg. Bis er halt doch mal weg war. Ich versuche mir die Situation bis heute konkret vorzustellen: Griff jemand in meinen Korb, besah sich den Pullover und wollte ihn ganz dringend selbst besitzen und tragen? Oder war es ein: “Schau mal, da ist jemand so blöd und lässt ihren Pullover einfach rumliegen! Soll sie mal sehen, wie blöd das ist.”? Mit der Folge, dass der Pulli anschließend irgendwo weggeworfen wurde?

Interessanterweise bekam ich meine Grundhaltung gerade NICHT im Elternhaus vermittelt. Meine Arbeiter-auf-dem-Weg-zum-Kleinbürgertum-Eltern nutzten jede Gelegenheit zu Steuer- und Versicherungs… äh… -tricksereien, die sie nur finden konnten. Und sie suchten sehr gründlich, hatten offensichtlich richtig Vergnügen dabei, noch so kleine Schlupflöcher in den Regeln zu finden. (Deswegen bin ich sicher, dass sie nichts dagegen haben, wenn ich es hier weitererzähle.) Die Grundhaltung: 1. Macht doch jeder. 2. Und wer es nicht macht, lässt sich übers Ohr hauen und ausnehmen.

Selbst aber identifiziere ich mich mit unserer Verfassung, unserer Gesellschaft, dem Staat: Das sind wir alle! Ich sehe mich nicht außerhalb des Steuersystems, sondern als Teil davon: Ich zahle Steuern und sichere damit staatliche Leistungen. Einfluss nehme ich darauf über Wahlen und politisches Engagement, akzeptiere aber, dass ich nicht bei der Verwendung jedes Euros meiner Steuern persönlich gefragt werde. (Und alles daran ist öffentlich, damit wird zum Beispiel dieser Haushaltstracker des Dezernats Zukunft – Institut für makrofinanzen gefüttert).

Ich sehe mich auch als Teil der Rechtsstaatlichkeit – einer zivilisatorische Errungenschaft, von deren Vorteilen ich zutiefst überzeugt bin. Und wenn ich so vielfältig davon profitiere, sehe ich mich auch verpflichtet, meinen Beitrag durch Regelbefolgung zu leisten. Wieder finde ich meine Einflussmöglichkeit in Wahlen und politischem oder zivilem Engagement.

Wieso konnten meine (durch und durch anständigen und menschenfreundlichen, das soll unbedingt betont sein) Eltern ihre eigene Haltung nicht auf mich übertragen? Dennoch sehe ich eine Brücke zu ihnen, nämlich in der Tendenz zum moralischen Rigorismus, der mich mit meiner Mutter verbindet und den sie in allem anderen als Steuern und Versicherungen lebt.

Beim weiteren Nachdenken komme ich durchaus auf viele schädliche Folgen meiner Grundhaltung: Ich kalkuliere das Böse zu wenig ein. Bestes Beispiel: Internet. Dass die Bösen dessen neue Möglichkeiten am effektivsten nutzten, und zwar für eigenen Vorteil zum Preis einer Verschlechterung der Welt – konnte vermutlich nur mich so sehr überraschen.

§

In diese Recherche hat sich Typo-Nerd Thomas Pfeiffer ganz besonders reingehauen:
Die Beschriftungen von historischen Präparaten des Royal College of Surgeons of England.
Ich liebe alles daran und bin sicher, dass Museums-Kuratorin Alice Watkinson-Deane Spaß mit seiner Anfrage hatte – Nerds erkennen einander.

§

Finde ich interessant: Die Service-Regeln des 1-Michelin-Stern-Restaurants Wielandshöhe.

(Falls jemand das fehlende Korrekturlesen übernehmen soll: Ich stehe zur Verfügung.)

Journal Donnerstag, 2. Juli 2026 – Abendplausch in Hinterhofgrün

Freitag, 3. Juli 2026

Am Ende des guten Schlafes doch wieder in Angstwirbeln geschwommen, erschlagen aufgestanden.

Meine seit Laufsturz schmerzenden Rippen schmerzten immer noch, dennoch nahm ich meine täglichen Bank- und Seitstütze wieder auf: Sollten sich nicht so anstellen.
Zumindest wurden die Schmerzen dadurch nicht größer (ich testete das den Tag über immer wieder durch besonders tiefes Einatmen).

Marsch in die Arbeit in herrlich frischer Luft, ich brauchte sogar eine Jacke.

Aus dem wegen Haus in der Ligsalzstraße wird wieder ein Haus.

Im Büro war ich sehr schnell vereinnahmt von der einen großen Aufgabe des Tages, die mich sehr belastete – mal wieder intensive Visualisierung des Danachs, um Durchhaltekraft zu schöpfen. Ich bin mittlerweile so darauf geeicht, mich an “und wenn das erst rum ist” und “wenn jenes endlich überstanden ist” festzuhalten, dass es mir immer schwerer fällt, in schönen Momenten abzubremsen: JETZT ist’s grad gut. (Alkohol hilft dann.) Stresskopfweh.

Dadurch kam ich mittags nicht raus, obwohl das Wetter perfekt aussah (Sonne bei 24 Grad). Mittagessen Apfel (jetzt ist aber wirklich gut bis zur nächsten Ernte) und Skyr/Joghurt/Leinsamenschrot (Skyjolei?).

Nachmittags Abschluss der belastenden Tagesaufgabe. Mich erwischte eine rare Hunger-Attacke, ich nutzte die gemischten Nüsse, die ich genau dafür in der Schreibtisch-Schublade habe.

Nach Feierabend die nächste Verabredung der Woche, diese mit zwei früheren Mitschülerinnen: Wir schafften es tatsächlich, uns dieses Jahr bereits ein zweites Mal zu treffen.

Ich spazierte in Sommerwetter über die südliche Theresienwiese, die Sonne schien bereits wieder unangenehm heiß.

In der Unterführung zum Skaterpark entdeckte ich neue Kunst – von Die Bunten aus Augsburg.

Wir trafen uns im Café Pfundig, eine Verabredung hatte von dem grünen und weitläufigen Innenhof geschwärmt, in dem der Außenbereich liegt. Zurecht: Innenhöfe werden in der Münchner Innenstadt ja standardmäßig versiegelt als Parkplätze genutzt, doch dieser erwies sich als schattige Oase. Ich aß zu zwei alkoholfreien Weißbieren Schweinsbraten mit Knödeln und Krautsalat (gibt es nur Donnerstag und Freitag ab fünf, für mich ein Indiz für Frische), unterhielt mich bis fast in die Dunkelheit über aktuelle Lebensumstände, Befinden der alten Familie, holte mir Geschichten über weitere unerwartete Folgen der Hitze in der Vorwoche ab (u.a. hitzebedingt kaputte Türelektronik, die einen Handwerksbetrieb aus den eigenen Räumen ausschloss und der dadurch nicht fristgerecht Angebote einreichen konnte).

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Falk Steiner schreibt auf bluesky in einem Thread über den Tod – und über eine Seite der Vorsorge, die oft fehlt (der ganze Thread ist nur eingeloggt sichtbar):

Eines der größten Probleme sind unsere heutigen, oft komplexen Lebensgeschichten. Wir kennen Menschen an vielen Orten, für die Hinterbliebenen aber kaum zuordenbar wie gut, intensiv etc. Und natürlich unerreichbar — wenn wir nicht selbst vorher für Erreichbarkeit sorgen und eine Liste pflegen.

Gebt Euren Angehörigen eine faire Chance, jene Menschen zu informieren, einzuladen, an Trauer und Abschied teilzunehmen. Das ist für Menschen wichtig — und auch schön, wenn dann Menschen einander treffen, die sich vorher nicht kannten. Ein bisschen wie eine Geburtstagsparty – nur ohne Gastgeber.

Journal Mittwoch, 1. Juli 2026 – Ein sehr lautes Kleid und mehr aus der Kartoffelkombinat-Generalversammlung

Donnerstag, 2. Juli 2026

Zu spät eingeschlafen, zu früh aufgewacht: Ich fürchtete mich bereits beim Aufstehen vor Müdikeitsanfällen in der Arbeit.

Das Draußen düster und kühl, ich versuchte so viel von der Kühle wie möglich in die Wohnung zu bringen.

Kleiderwahl. Ich assoziierte: The queen deliberately chose bright colours in one tone, worn from head to toe, to stand out in large crowds.

(Foto aufgenommen am Abend.)

In diesem Fall keine Absicht sondern Nebeneffekt: Während ich gewohnt bin, dass Kleidung in Echt deutlich unauffälliger wirkt als auf den Verkaufsfotos, stellte sich dieser Impulskauf (stark reduzierter Preis) beim Auspacken als mindestens so laut heraus wie abgebildet. Doch bei allen sonstigen Veränderungen meiner Persönlichkeit in den vergangenen Jahrzehnten: Ich habe immer noch überhaupt kein Problem damit, in der Öffentlichkeit mit schöner Kleidung sehr sichtbar zu sein.
(Bei der Rocklänge bin ich noch unschlüssig, ob sie so bleiben soll.)

Auf dem Weg in die Arbeit (ab jetzt und für die kommenden fünf Monate Oktoberfest-bedingt wieder außen um die Theresienwiese herum) machten mir zweimal fremde Frauen ein Kompliment für das Kleid.
Gegen den angekündigten Regen hatte ich einen Schirm in der Hand: Er wirkte, ich blieb unberegnet.

Arbeitsstart am Schreibtisch eher durcheinander, doch das mag sich auf der Basis meiner Grundgereiztheit nur so angefühlt haben. ABER! Eine Arbeitsaufgabe, die am Donnerstag fällig war, belastete mich seit Tagen, und JETZT, als ich ein neues Textdokument für Materialsammlung öffnete, hatte ich eine Idee für die Lösung. Große Erleichterung, ab jetzt war es nur noch Emsigkeit und Zeitaufwand.

Währenddessen begann es zu regenen, immer heftiger.

Um die Mittagszeit beschloss ich, dass der Regen abgenommen hatte und ging unterm Schirm raus auf einen Mittagscappuccino – auch jetzt über zwei U-Bahnhöfe zum großen Teil unterirdisch.

Umständehalber spätes Mittagessen: eingeweichtes Muesli mit Joghurt, Flachpfirsiche.

Nachmittags noch ordentlich etwas weggeschafft. Zu Feierabend hatte der Regen aufgehört, er hinterließ auf 19 Grad abgekühlte Luft – ich empfand das als wohltuend. U-Bahnen brachten mich zu Espressokauf im Caffe Fausto. Auf dem Rückweg von dort zum U-Bahnhof begegnete ich einem Arbeitskollegen – genauer: Ex-Kollegen, wir hatten ihn vor wenigen Wochen in den Wohlverdientenruhestand verabschiedet. Ein nettes Treffen.

Beim Sendlinger Tor noch Lebensmitteleinkäufe. Daheim Häuslichkeiten, für Yoga war es mir zu spät.

Als ein klassisches Sommerabendessen servierte Herr Kaltmamsell Wurstsalat mit Brot, ich aß dazu die Salzgürkchen auf. Nachtisch Schokolade.

Jetzt schloss ich dann doch die Balkontür: Mir wurde zu kalt.

Früh ins Bett zum Lesen – bei 22 Grad Raumtemperatur unter einer richtigen Bettdecke! Überraschend las ich Anna Maschik, Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten aus: Der ohnehin schmale und mit viel Weißraum gesetzte Roman endete bereits bei 70 Prozent – das ist ein neuer Rekord.

§

Zurück zur Generalversammlung Kartoffelkombinat am Dienstagabend (Mit-Gründer Simon war da, ich freute mich SO, ihn zu sehen).
Zusammenfassung: Es geht uns gut!

Da ist die Zahl der Ernteanteile, die weiter wächst, die Finanzen sind superstabil (2025 Pflichtprüfung des Genossenschaftsverbands -> anstandslos / 87 Prozent Eigenkapitalquote / unsere Genossenschaft hat 3611 Mitglieder
-> dieses Projekt wird von vielen Schultern getragen), der Vorstand ist sich der Risiken wie komplexere Prozesse (auch digital) bei Wachstum oder Auswirkungen des Klimawandels mit neuen Schädlingen und Krankheiten bewusst, merkt zwar die Normalisierung des Konzepts Solidarische Landwirtschaft, doch wir sind weiterhin Pioniere.

Vorstand Daniel und Jana sowie der Aufsichtsrat wurden komplett problemlos entlastet (mittlerweile vor einer PPT-Folie, die kurz erklärt, was “Entlastung” bedeutet, nämlich Verzicht auf rückwirkende Schadensersatzansprüche – in den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Verwirrung gegeben).

Nach der Pause erfuhr ich weniger Formelles über unsere Genossenschaft und die Gärtnerei. Zum Beispiel berichteten die Logistik-Verantwortlichen Anna und Almut (sie managen 140 Verteilerpunkte) vom erfolgreichen Test eines Super-Lastenrads: Bald wird es vier von 16 wöchentlichen Touren übernehmen, E-Bike statt Diesel-Lieferwagen – das ganz andere Wege nehmen kann, allerdings nicht so viele Kisten fasst und eine andere Logik hinter der Logistik benötigt.

Die Gärtnerinnen, die den Gewächshausanbau verantworten, Sophie und Agnes, berichteten Status – und ich lernte unter anderem etwas über Gewächshaus-Systeme aus den 1960ern, die nicht wie damals gedacht funktionieren.

Regelmäßig wird aus dem Publikum nach dem Saatgut gefragt, das wir in unserer Gärtnerei verwenden, bislang noch jedes Mal mit der Prämisse, dass samenfestes Saatgut und “alte Sorten” vorzuziehen seien. Wie so viele andere ist das ein komplexes Thema und in einer Gärnerei, die 2.500 Haushalte versorgt, noch viel komplexer. Ich freute mich deshalb sehr, dass unsere Fachleute vergangenes Jahr die Haltung des Kartoffelkombinats dazu gut verständlich zusammenfassten, die Erklärung steht mittlerweile auch auf der Kartoffelkombinat-Website:
“Saatgut und Jungpflanzen”.
Denn bei uns ist das einfach eine ganz andere Nummer als Selbstversorgung im Schrebergarten.

Gestern lernte ich über einen aktuellen Test unterschiedlicher Kürbissorten im Vergleich, aus einer Mischung von samenfesten und Hybrid-Sorten. Denn wie Freilandgärnter Felix erklärte: In der Literatur findet man viele Informationen, aber es ist nochmal was anderes, wenn man die Sorten selbst unter den wirklich eigenen Bedingungen anbaut.

Felix berichtete auch über Maschinenanschaffungen, darunter eine GPS-gesteuerte Lenkung, die die Arbeit der Freiland-Gärtner enorm erleichtert, zudem Boden und Pflanzen schont. Ohnehin freute ich mich sehr, fast das gesamte Team aus der Gärtnerei zu sehen, das die eigentliche Arbeit im Kartoffelkombinat macht. Wichtig: Wir sorgen für ein Gehalt über Tarif, beschäftigen sie das ganze Jahr durch, und wir kommen ohne Saisonarbeiter*innen aus.

Natürlich war ich hochgespannt, wie es dem Regenwasserüberlaufbecken geht, an dem ich mitgebaut habe. Es gab seit meinem Einsatz durchaus Überraschungen, doch alles ist im Griff, derzeit werden Zu- und Ableitungen verlegt, um das Gesamtsystem in Betrieb nehmen zu können. Bis dahin füllt sich das Becken nur durch Regen direkt von oben – und den gab es nicht, auch der erholsame Regenguss von Montagnacht hat es nicht bis hinaus nach Spielberg in unsere Gärtnerei geschafft. Wird also noch dauern, bis man die Umsetzbarkeit der zahllosen Swimmingpool-Scherze testen kann.

Was ich auch lernte: Kommunikationsplattformen wie instagram werden inzwischen sehr gezielt eingesetzt, inklusive Messung vom Reichweit und Interaktionen.
Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, sich dem Kartoffelkombinat anzuschließen, ist der instagram-Account eine gute Möglichkeit für einen Einblick: Unter anderem wird der wöchentliche Ernteanteil gepostet und Sie können ein Bild bekommen, ob er etwas für Sie wäre.
Auch auf Mastodon ist das Kartoffelkombinat zu finden.

Schöne Zukunftsaussichten 1: Es wird dieses Jahr Artischocken geben!
Schöne Zukunftsaussichten 2: Eine AG Bildung erstellt derzeit ein Konzept für die Vorstellung von Kartoffelkombinat speziell und Solidarischer Landwirtschaft allgemein in Form von Workshops, um den vielen Anfragen aus Bildungseinrichtungen und Unternehmen entgegenzukommen.
Schöne Zukunftsaussichten überhaupt: Die Existenz vom und Mitgliedschaft beim Kartoffelkombinat ist ein kleines Lichtlein in meinem Leben, vielleicht doch nicht alles falsch gemacht zu haben.
Aktueller Slogan: Sei Teil der Lösung statt des Problems.

§

Außerdem erzählte mir Herr Kaltmamsell am Ende der Generalversammlung von neuen beruflichen Plänen, die mich komplett überraschten. Und die ich sensationell großartig finde.

Journal Dienstag, 30. Juni 2026 – Blick durch Laim, Generalversammlung Kartoffelkombinat

Mittwoch, 1. Juli 2026

Wie herrlich kühl es durch die offenen Fenster und Türen in die Wohnung wehte! Bis zum Verlassen des Hauses (10 Minuten früher als sonst, um bei einer Veranstaltung rechtzeitig für Spontanhilfe parat zu stehen) stand das Thermometer in meinem Schlafzimmer bereits bei unter 24 Grad.

Jetzt machte der Oktoberfestaufbau trotz weiterhin aktiver Baustellen ernst: Die Querung war gesperrt, ich ging einen Umweg.

Nach dem Gewitter:

So eine große Wasserfläche steht dem vollverpflasterten Platz zwischen Verkehrsmuseum und Bavariapark eigentlich gut.

Im Büro öffete ich endlich mal wieder das Fenster völlig, herein kam frische Luft, die dieses Attribut zurecht trug.

Emiger Vormitteg, Cappuccino aus der Cafeteria.

Für meinen Mittagsmarsch fand ich diesmal eine berufliche Rechtfertigung: Ein fußläufig zu erreichendes Hotel hatte bei mehreren Versuchen keine formal korrekte Rechnung zuwege gebracht, telefonisch erreichte ich nur einen Chatbot, dem menschliches Verständnis fehlte – da ging ich doch einfach persönlich hin.

Das wurde ein schöner Marsch durch eine bislang fremde Gegend Münchens, nämlich Laim, doch gleich zum Mitnehmen bekam ich die Rechnung durch persönliches Auftauchen nicht: Man schrieb alle nötigen Angaben mit, vertröstete mich aber auf Lieferung per E-Mail: Nicht nur am Telefon ist offensichtlich in dieser Hotelkette menschliches Personal rar.

Zurück am Schreibtisch gab es zu Mittag Salzgürkchen, Apfel, Flachpfirsich, Hüttenkäse. Am besten schmeckte das Knoblauch-Zehlein, mit dem die Salzgürkchen eingelegt werden und das ich mitgenommen hatte.

Kurz darauf zog der Himmel zu, es wurde klebrig schwül.

Nahezu pünktlicher Feierabend, weil Abendtermin: jährliche Generalversammlung des Kartoffelkombinats. Nachdem die eh schon übersichtliche Zahl an teilnehmenden Genossenschaftler*innen in den vergangenen Jahren auch noch sank, verlegte der Vorstand sie auf einen Werktag-Abend – vielleicht wollten die Mitglieder ja nur nicht einen Sonntag dafür opfern? Für mich war ein Werktagabend erheblich umständlicher als ein Sonntag, doch ich konnte ja die Ausnahme sein.

Ich nahm einen direkten Bus zum Leonrodplatz, wir trafen uns wieder in der Mucca-Halle, dieses Jahr war auch Herr Kaltmamsell dabei und hatte fürs vegetarische Buffet Empanada mitgebracht. Abendessen in der Pause der Versammlung von diesem Buffet, es gab reichlich.

Die Generalversammlung war wieder hochinformativ und teilnehmenswert – Details im nächsten Blogpost. Die Verschiebung des Termins hatte zu erheblich mehr Anmeldungen geführt (190), tatsächlich gekommen waren aber nur eine Hand voll mehr als vergangenes Jahr: 94. Ich lerne, wie viele Menschen ein komplett anderes Verständnis von Anmeldung haben und wie viele entweder nicht wissen, welche Auswirkungen das auf das Orga-Team hat, oder wie vielen das egal ist.

Kurz nach neun waren wir durch, eine Tram brachte Herrn Kaltmamsell und mich nach Hause. Ich war überhaupt nicht müde, nutzte meine Aufgekratztheit für viel zu langes Lesen im Bett.