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Journal Freitag/Samstag, 15./16. April 2016 – Theresienwiesenflohmarkt

Sonntag, 17. April 2016

Auf Freitag sauschlecht geschlafen, statt Frühsport eine halbe Stunde Schlaf drangehängt. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt bei Weckerklingeln den Wecker verstellt habe um weiterzusschlafen.

Mittags hatte ich mich in einem nur Schaufenster-großen neuen kleinen Café mit einer Kollegin zum Essen verabredet. Ich aß ein Stück Quiche, viel aufregender aber war die Lavendellimo (Cucumis) dazu: Die kann ich mir ausgezeichnet mit Gin als Longdrink vorstellen.

Abends traf sich meine kleine Leserunde. Wir sprachen über Tim O’Brien, July, July, die Geschichte einer College-Abschlussklasse Jahrgang 1969, die sich 2000 wiedertrifft. Ich mochte das Buch nicht, die Figuren und Lebensgeschichten kamen mir vor wie stereotype Versatzstücke aus Hollywoodfilmen, nicht wie echte Menschen. Das wurde nicht dadurch gerettet, dass 1969 und 2000 kapitelweise abwechseln und zum Schluss nochmal ganz große nicht-realistische Erzählgeschütze aufgefahren werden. Das letzte Drittel hatte ich eher überblätternd gelesen.

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Für Samstag war der Wecker gestellt: Theresienwiesenflohmarkt. Die ersten Platzreservierer hatte ich schon am Donnerstag auf meinem Arbeitsweg gesehen, beim Heimweg am Freitagabend war der Flohmarkt bereits zu 40 Prozent aufgebaut.

Samstagmorgen hatte ich eigentlich keine Lust (seit ein paar Tagen Schatten auf der Seele), doch ich hatte bestimmte unaufschiebbare Einkäufe dort geplant. Entgegen der Wettervorhersage war es sonnig, und tatsächlich fand ich auch etwas, sogar mehr, als ich erhofft hatte. Unter anderem schoss ich ein Schnäppchen an Sechziger-Abendkleid in ganz hellem Aqua – das sich daheim auch noch als wie angegossen passend erwies (= keine Ausgaben für die Änderungsschneiderei).

160417_03_Abendkleid

Allerdings brauche ich dazu dringend Schmuck fürs Handgelenk – den ich ich nie trage, weil mich Gebämsel am Handknöchel wahnsinnig macht -, ein Armband, optimalerweise mit Amethysten. Und ein bis drei Runden im Solarium, damit meine nackten Arme perfekt dazu passen. Ein passendes Diadem würde ich auch nicht von der Bettkante schubsen, aber die bekommt man bekanntlich vererbt und dafür habe ich mir entschieden die falschen Vorfahren ausgesucht. Ein Foto des Gesamtoutfits gibts zu einem Anlass Ende April. Zum Glück habe ich nämlich überhaupt kein Problem damit, komplett overdressed zu Anlässen zu erscheinen, solange es bequem ist.

Überrascht war ich, dass weniger Stände den Flohmarkt bildeten als in den Jahren davor.

160416_02_Theresienwiesenflohmarkt

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Herr Kaltmamsell (dem ich geschafft hatte zu sagen, dass gerade alles sehr traurig ist, Morgensonne und Frühling hin oder her) passte auf mich auf, übernahm die Einkäufe und schickte mich zum Schwimmen. Eigentlich ist ja das Ritual, dass wir nach dem Theresienwiesenflohmarkt auf dem Frühlingsfest eine Bratwurst frühstücken.

Auf dem Weg zum Schwimmen füllte ich Kaffeevorräte auf (und freute mich auf die Aussicht, dass das nächste Vorratauffüllen in Brighton stattfinden wird). Schwimmen im Olympiabad war erst anstrengend, dann aber immer besser. Derzeit plagen mich ja böse Hüftschmerzen, die diesmal die Knie gleich mitnehmen. Schwimmen war erstaunlich gut dagegen. Ein wenig Abschied vom Olympiabad genommen, im Mai schließt es erst mal für Renovierungen – dachte ich, doch beim Gegencheck stellte ich fest, dass der Schwimmbetrieb schon nach drei Wochen Schließung wieder aufgenommen wird.

Daheim Frühstück und Siesta.

Ich hatte noch gemahlenen Mohn aufzubrauchen und wollte ihn mit Äpfeln kombinieren: Dieses Rezept stellte sich als ideal heraus. (Leider kann ich seit einiger Zeit nicht mehr auf Blogspot-Blogs kommentieren, mit keiner der angebotenen Methoden, sonst hätte ich mich vor Ort bedankt.) Statt weit importiertem Rohrzucker nehme ich allerdings immer heimischen Rübenzucker. Schließlich kenne ich aus meiner Kindheit in einer Zuckerrübengegend noch die eigenen Schienen für Rübenwaggons (mittlerweile alle verschwunden oder zu Radwegen umgebaut), zu Studienzeiten wohnte eine Freundin in Regensburg in Sicht- und Riechweite einer Südzuckerfabrik, also habe ich dazu durchaus eine persönliche Beziehung. Und überhaupt ist chemisch gesehen Kristallzucker gleich Kristallzucker.
Die in den Zutaten angegeben Zimt (ich nahm 1 gestrichenen Teel.) und gemahlenen Ingwer (1/2 Teel.) mischte ich unters Mehl (sie tauchen in der Zubereitung nicht auf).

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Das Ergebnis war ausgesprochen köstlich: Saftiger Mohnrührkuchen mit Apfelstücken und hin und wieder Mandelstückknurpsel.

Zum Abendbrot backte ich Coca de verdura, gestern überließ Herr Kaltmamsell wegen Arbeitsüberlastung die Küche ausnahmsweise mir. Mangold und Petersilie dafür kamen aus Ernteanteil.

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Von mir aus sieht der neue kanadische Premierminister Trudeau auch gut aus: Ich finde es respektlos, in politischen Zusammenhängen darauf herumzureiten. Kann es sein, dass die Berichterstattung damit seine wirklich fortschrittliche Politik kleinmachen möchte? Indem sie diese lediglich als Dekoration eines dekorativen Menschen darstellt? Bloß weil diese Art der Berichterstattung bei Frauen in der Politik nerviger Standard ist, wird sie nicht angenehmer, wenn ein Mann das Ziel ist. Herr Trudeau scheint sich ebenfalls unterschätzt zu fühlen:
„Handsome Canadian Prime Minister Justin Trudeau Gives Passable Off-the-Cuff Lecture on Quantum Computing“.

Und ich hoffe sehr, sehr, dass die ständige Wiederholung von hot und handsome im Text dazu satirisch ist.

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Nachschlag zu der Guardian-Auswertung seiner Online-Kommentare: Wie geht es der Frau, die die Spitzenreiterin als Ziel von Beleidigungen und Angriffen ist?
„Insults and rape threats. Writers shouldn’t have to deal with this“.

For all the progress women have made, there’s always an online comment section or forum somewhere to remind us that, when given anonymity and a keyboard, some men will use the opportunity to harass and threaten.

(…)

Because the harassment doesn’t begin and end on the Guardian website – being on social media has become, for better or worse, part of being a writer online. And the things you publish for one site have a ripple effect across all of your various social media profiles. It’s a workplace harassment issue that doesn’t stop at the workplace.

(…)

I’ve been writing online long enough to not attach my value as a person or writer to strangers’ opinions, but it would be a lie to say that the cumulative impact of being derided daily isn’t damaging. It is. It’s changed who I am on a fundamental level. And though I’d still like to think of myself as an optimistic person, being called a “cunt” or “whore” every day for a decade leaves its mark.

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Welche unerwarteten Folgen ein Handyverbot bei Veranstaltungen haben kann:
„Es ändert sich nichts: Keine Mobiltelefone an geheimen und gefährdeten Orten!“

Journal Dienstag, 12. April 2016 – #12von12

Mittwoch, 13. April 2016

Es war der 12. des Monats, den man in diesem Spiel mit 12 Fotos dokumentiert.

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Morgens eine Runde Krafttraining mit Fitnessblender. Hatte beim zweiten Versuch tatsächlich nur leichten Muskelkater hinterlassen, war auch gestern wieder fordernd, aber spaßig.

160412_03_Regenumhang

Es regnete morgens kräftig, wollte auch einfach nicht aufhören. Meine Tagesplanung hing davon ab, dass ich mit dem Rad unterwegs war – blieb nur der schmucke Regenumhang.

160412_04_Morgenrunde

Am Dienstag trifft sich die Abteilung um 9:30 Uhr zu einer kurzen Morgenrunde. Jemand gab einen Überblick über die Medienberichterstattung, die Anwesenden erzählten einander Termine.

160412_06_Korrekturlesen

Korrekturlesen gehörte gestern zu meinen Tätigkeiten.

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Nachmittags hatte sich das Wetter beruhigt. Es wurde sogar richtig sonnig.

160412_10_Drahtesel

Wegen eines schnellen Auftrags dazwischen wurde es dann doch knapp für meine feierabendliche Verabredung: Geschwind schwang sich die Pedalritterin auf ihren Drahtesel, um in die Blumenstraße zu strampeln.

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Nämlich holte ich mit Herrn Kaltmamsell den Federstoff für unsere neuen Wohnzimmervorhänge.

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Seit einigen Woche fühlen sich die Muskeln in meinem Rücken und in meinen Seiten immer wieder komisch zu kurz an (ich denke immer an Christian Buddenbrook und seine zu kurzen Nerven). Gestern raffte ich mich endlich zu einer Dehnübung auf, die mir eine Physiotherapeutin gezeigt hat und die sich genau richtig anfühlte. Fotografiert von Herrn Kaltmamsell.

160412_19_Kaeseschlacht

Zum Abendbrot hatte ich beim Basitsch Käse besorgt, Paprikaschoten und Birnen, dazu öffnete ich unsere letzte Flasche spanischen Gewürztraminer von Enate. Ich fand, er passte gut, Herr Kaltmamsell war nicht überzeugt.

160412_21_Nachtisch

Nachtisch waren Schokonüsse: Links die von Piasten, rechts m&m – diese weniger süß, dafür mit unangenehm dicker Kruste.

160412_23_Waschmaschine

Vor dem Zu-Bett-Gehen eine Maschine dunkle Wäsche so programmiert, dass sie am nächsten Morgen beim Aufstehen aufhängbar fertig sein müsste.

160412_26_Nachthupferl

Mit dem Altern wird der Nachttisch immer voller. Seit einem Jahr liegt auch eine Knirschschiene darauf. Erst seit ich sie verwende, glaube ich meiner Zahnärztin, dass ich nachts im Schlaf knirsche – auf den Fremdkörper bemerke ich das Zubeißen.

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Eine Folge des Genozids in Ruanda:
„Das Frauenwunderland“.

Ich hatte eine blümchenäugige Jubelgeschichte befürchtet, doch Autorin Barbara Achermann stellt auch skeptische Fragen und gibt zu, wo eine Einschätzung nicht möglich ist. Guter Artikel.

via @antjeschrupp

Journal Sonntag, 10. April 2016 – Letzte Tage

Montag, 11. April 2016

Nach langem Ausschlafen gemütliches Bloggen, außerdem ein schönes Telefonat mit meinem Vater, der inzwischen auf Reha ist. Und sich dort sehr langweilt: Der Mann ist ein Bewegungs- und Unternehmungswesen, stille Beschäftigung, am End‘ auch noch mit sich selbst, kann er gar nicht. Ich nehme an, er wird in den nächsten Tagen dafür sorgen, ein doppelt so dichtes Reha-Programm zu bekommen wie eigentlich vorgesehen.

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„Lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter“ wurde mir als Denkaufgabe gestellt. Ich habe das mal ernst genommen, nicht einfach abgewunken, sondern bei Menschen nachgelesen, die solche Kalendersprüche ernst nehmen. Zum Beispiel „Glücksdetektiv“.

Der Haken: An meinem garantiert allerletzten Tag würde ich mich an mein Wohnzimmerfenster setzen und einfach rausschauen. Mir ginge es gut. Ich müsste endlich keine Pläne mehr machen und mir nicht mehr ausdenken, wie ich all die vielen Jahre Leben für alle Beteiligten möglichst schadlos, wenn nicht sogar bereichernd rumkriege. Ich müsste gar nichts mehr. Diesen innigen Wunsch und die große Erleichterung darüber, dass mein Leben endlich vorbei wäre, kalkulieren die Besinnungsfreundinnen und -freunde bei ihren Denkanstößen als Möglichkeit nicht ein. Manche finden das Leben halt nicht viel zu kurz.

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Herr Kaltmamsell buk einen Pastinakenkuchen nach einem nahöstlichen Rezept aus Spezialitäten der Welt köstlich wie noch nie, Gräfe und Unzer 1982. Neben gekochten, pürierten Pastinaken und Walnüssen kommt noch reichlich Butter rein, umkleidet wird das ganze ebenfalls mit gesüßter Butter.

160410_15_Pastinakenkuchen

Schmeckt durchaus interessant und gut, der Gehalt eines Stücks bringt einen locker das Matterhorn rauf und wieder runter.

Journal Freitag/Samstag, 8./9. April 2016 – Wandern im Dachauer Land

Sonntag, 10. April 2016

Da alles darauf hinwies, dass ich wieder gesund war, legte ich am Freitagmorgen nach gutem Nachtschlaf eine Trainigsrunde Bauch und Rücken ein.

Auch der Fußmarsch in die Arbeit machte trotz Regentröpfeln Spaß, erst im Büro war ich dann doch etwas wacklig.

Das Arbeitstempo hatte sich wieder beruhigt, ich konnte pünktlich Schluss machen.

Nach Feierabend eine Runde Einkäufe, da Herr Kaltmamsell aushäusig war, dachte ich mir nur für mich ein Abendessen aus: Spaghetti mit Champignons in Sahnesoße (plus gedünstetem Zwiebelchen, dem Schnittknoblauch aus Ernteanteil und geriebenem Parmesan) – schmeckte wunderbar.

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Am Samstag war Wandern geplant. Auf dem Jakobsweg, das weiß ich von meinem Vater (der in letzter Zeit sehr viel von seiner Wanderung vor 14 Jahren erzählt) und aus den Berichten von Mini-Frau-Muttiafrikaanne, geht man etwa 30 Kilometer täglich. Das wollte ich dann zumindest mal probieren, als Training für den Wanderurlaub in England (wo allerdings 23 Kilometer die längste Tagesstrecke sein werden). Da ich sie mit Herrn Kaltmamsell gehen wollte, gab es nicht viel Terminauswahl: Die meisten Lehrer muss man fürs Wochenende ziemlich lang im Voraus reservieren, normalerweise arbeiten sie da. Nun war aber für diesen Samstag Kälte und Regen angesagt, morgens war auch genau dieses Wetter. Na gut, übten wir das halt auch gleich mal für England.

Wir fuhren mit der S-Bahn hinaus nach Altomünster. Der Plan war, von dort nach Markt Indersdorf zu wandern, nach einer Pause wieder zurück. Tatsächlich war es zum Glück nur grau und kalt, geregnet hat es unterwegs keinen Tropfen. Dafür waren wir auf der ganzen Strecke allein, in sieben Stunden begegneten uns nur ein Mal andere Wanderer.

Wir sahen immer wieder Rehe, einzeln, in Kleingruppen – plus dreimal Damwild im Gehege: zählt nicht, ist trotzdem niedlich. Mein Highlight aber war ein ein lustiger Hase: Wir waren gerade verhältnismäßig querfeldein unterwegs (die Wegbeschreibung im Büchel „Wandern mit dem MVV“ half nicht sehr, wir orientierten uns mehr an Markierungen und digitalen Landkarten), als wir vor uns die Rückseite eines großen, zimtfarbenen Hasen sahen, der gerade die Ohren spitzte. Und diese Ohren hatten weiß-schwarze Spitzen, ganz hinreißend. Er hoppelte ein paar Sprünge von uns weg, dann verschlang ihn scheinbar der Erdboden.

Wir sahen auch viele Vögel: Die ersten Schwalben des Jahres (!), Falken und Bussarde in der Luft, Amseln, Stare, Meisen, einen Dompfaff, Elstern, Spatzen, vielleicht einen Gelbspötter, vielleicht einen Fasan (ein huhngroßer Vogel mit ziegelrotem Körper und schwarzem Kopf am Feldrand, allerdings recht weit weg – vielleicht auch einfach ein entlaufenes Haushuhn), wir hörten viele unbekannte Vogelrufe.

Die Wanderung war sehr schön, wahrscheinlich ideal für dieses Wetter: Da sie hauptsächlich durch freies Land führte, ist sie nichts für heiße Sonnentage, bietet andererseits immer wieder weite Ausblicke über die sanften Hügel des Dachauer Lands (na gut, die wären bei klarem Wetter schöner gewesen). Nur der kleinste Teil führte uns über geteerte Wege, unsere robusten Wanderstiefel waren angemessenes Schuhwerk.

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Birgittenkloster Altomünster, das derzeit aufgelöst wird.

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Kreuzweg zum Kalvarienberg mit Hörstationen inklusive Erklärung der verwendeten Farbsymbolik (wir hörten mal rein).

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Herr Kaltmamsell: „Zahnspangen für Obstbäume?“

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Bei jeder Wanderung mindestens einen neuen Blumennamen lernen: Helfen Sie mir wieder bei der Bestimmung dieser Schönheit am Feldrand? (Blumen halten wenigstens still, wenn man sie zur Bestimmung fotografieren möchte. Im Gegensatz zu Vögelchen.)

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Albersbach mit vielen Schwalben (nicht im Bild). Das war bereits auf dem Rückweg. In Markt Indersdorf hatten wir in einem sympathischen Café etwas getrunken.

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Heppach.

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Abschließendes Einkehren in Altomünster. Dort gibt es sogar zwei Brauereien, den alteingesessenen Maierbräu und den reaktivierten Kapplerbräu. Wir entschieden uns dann für den Maierbräu, merke (laut Herrn Kaltmamsell): Nach einer Wanderung muss immer noch genug Energie übrig sein, nicht in den erstbesten Gasthof einkehren zu müssen.
Obwohl die Speisenkarte auch mit Ochsenbraten und Tafelspitz lockte, war mir mehr nach Brotzeit, unter anderem interessierte mich das Treberbrot, das laut Karte eigens für das Gasthaus gebacken wurde. Schmeckte sehr gut, ebenso wie die Biere (ich probierte das Dunkle und den unfiltrierten Zwickl). Selbst Wein wäre interessant gewesen: Die Karte schilderte ausführlich ein südtiroler Weingut, aus dem er kommt.

Ergebnis des Experiments: Nach 33 Kilometern und sieben Stunden Wanderung hatte ich dann doch eine Blase, wie erwartet an völlig unerwarteter Stelle (linke, große Zehe, unten innen), und schmerzende Druckstellen am oberen Stiefelrand. Wenig überraschende Erkenntnis: Eine springfluartige Menstruation wie seit über zehn Jahren nicht mehr ist schlecht mit einem Wandertag zu vereinbaren, ich machte auf meine alten Tage völlig neue Erfahrungen.
Doch wie es ist, einen Tag bei Regen zu wandern, werden wir in England herausfinden müssen.

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Schaun Sie mal, wer hier im Filmchen „Taste Escape“ die Rolle von Wein für Rom erklärt! (Pst, es ist Hande aka vinoroma.) (Nein, ihre Stimme klingt nicht immer so, die Ärmste!)

Journal Montag, 4. April 2016 – Frühlingsschlendern

Dienstag, 5. April 2016

Ein wunderschöner, sonniger Frühlingstag.

Im Büro bekam ich eine neue Auszubildende unter die Fittiche, auch sonst war gut viel Arbeit.

Den Heimweg schlenderte ich, es gab so viel zu sehen.

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Biergärten, die bereits voll waren (für einen ersten Besuch des Schnitzelgartens allerdingszu kühl).

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Kastanien, die einander an Geschwindigkeit des Blätterwuchs übertrafen.

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Meine Referenzmagnolie blüht (die Zierkirschen brauchen noch).

Herr Kaltmamsell kochte wieder Abendessen: Da wir noch Kartoffeln und Steckrübe aus unserem letztwöchigen Ernteanteil hatten, gab es Hamburg National aus Stevan Pauls Deutschland vegetarisch – nicht wirklich vegetarisch, weil mit vorhandener Rinderbrühe aufgegossen, aber überraschend wohlschmeckend. Ungewohnt und interessant durch die vielen Gewürze und Kräuter: Piment und Kümmel, frisches Bohnenkraut, frischer Dill und Majoran.

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Journal Sonntag, 3. April 2016 – Sonnenbrand aus der neuen Gärtnerei

Montag, 4. April 2016

Bis in den Morgen lauter Träume, in denen ich mich ärgern musste. Braucht kein Mensch.

„Taube auf dem Baum gelandet!“, rief Herr Kaltmamsell überm Morgenkaffee. Das war bemerkenswert, denn zwar gibt es hier schon auch hin und wieder Tauben, doch nicht auf unseren Kastanien, sondern auf dem Boden oder den Balkonen. Es war auch keine gewöhnliche Stadttaube.

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Sondern eine Wildtaube, eine Ringeltaube.

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Es war sonnig und warm, dennoch zog ich mich zum Laufen viel zu warm an. Diese heftigen Temperatursprünge der vergangenen Jahre habe ich immer noch nicht verinnerlicht. Meine Jacke trug ich schon bald in der Hand (ärmellos, daher nicht um die Hüfte bindbar). Trotz immer noch heftigem Muskelkater lief ich gut, sah grillende Menschen, hörte Hunde mit heftigem PLONTSCH in die Isar springen, erspähte zwei Wasseramseln, sah viel Lerchensporn, Schuppenwurz, Veilchen, Huflattich, Taubnesseln, Buschwindröschen, die Bäume brachen ebenfalls bereits in Blüten aus.

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Nach Mittag packten Herr Kaltmamsell und ich unsere Fahrräder in die S-Bahn, raus nach Mammendorf, denn: Unser Kartoffelkombinat hat vielleicht eine neue, dauerhafte Bleibe. Derzeit sind wir ja in Schönbrunn beheimatet, doch vor einigen Monaten stellte sich überraschenderweise heraus, dass ein Wettbewerb ausgeschrieben wird für ein komplett neues Konzept der gesamten Kloster- und Dorfanlage – ob die Gärtnerei ein Teil davon sein wird, ist völlig offen. Also machte sich der Vorstand nach nur einem Jahr erneut auf die Suche nach einem Gemüsehof.

Gefunden hat er zwar keinen Gemüsehof, aber wahrscheinlich eine Möglichkeit, ein Ziel der Genossenschaft früher zu erreichen als geplant: Den Kauf einer eigenen Gärtnerei. Nur dass die Anlage derzeit noch keine Gärtnerei ist, sondern eine Baumschule. Sie würde erst in eine Gärtnerei umgewandelt werden. Gestern nahm ich einen der Termine für uns Genossenschaftlerinnen wahr, die Baumschule zu besichtigen und mich über den Stand der Dinge sowie der Planung zu informieren.

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Das Gelände ist weitläufig und mit S-Bahn und Fahrrad gut zu erreichen.

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Gewächshäuser gibt es zum Teil auch noch.

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Drumrum ist außer Aussicht praktisch nix.
Nicht da ist natürlich auch die Ausstattung, die ein Gemüsehof im Gegensatz zu einer Baumschule braucht, zum Beispiel Lagermöglichkeiten für Gemüse. Übernähmen wir die Anlage, wäre das eine gewaltige Unternehmung für das Leitungs- und Orga-Team, doch alle machten den Eindruck, als hätten sie richtig Lust darauf. Bodenproben wurden bereits analysiert, erste Pläne – auch für die Finanzierung – stehen. Wie im Kartoffelkombinat gewohnt, wurden alle verfügbaren Informationen transparent und bereitwillig weitergegeben, inklusive offener Fragen.

Beschlossen kann solch ein Kauf natürlich nur von der gesamten Genossenschaft werden. Sollte das klappen, werden wir uns schneller vergrößern als bisher geplant, die große Anlage rechnet sich nur mit deutlich mehr Haushalten. Schon jetzt sind noch ein paar Plätze im Kartoffelkombinat frei, auch ohne die neue Gärtnerei. Wenn Sie interessiert sind, zum Beispiel weil es Ihnen um mehr als nur gutes Gemüse aus der Region geht, bitte hier weiterlesen.

Auch wenn ich darauf achtete, auf dem Rundgang und bei den Diskussionen an verschiedenen Stellen den Schatten zu suchen, war das eindeutig ein Hauch Sonnenbrandrot im Nacken, den ich heimbrachte.

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Zum Nachtmahl breitete Herr Kaltmamsell Grü Soß mit Kartoffeln und Eiern, die geballte Ladung Frühlingskräuter in Nase und Mund. Vielleicht probiere ich mal eine pürierte Version aus, doch ich genieße sehr, in der gehackten Soß die einzelnen Kräuter voneinander unterscheiden zu können.

Journal Samstag, 2. April 2016 – Trippa a la romana

Sonntag, 3. April 2016

Sehr lang geschlafen, mit ganz erstaunlichem Muskelkater aufgewacht. Als ich die Schlafzimmertür öffnete, stand davor Herr Kaltmamsell mit einem handgeschriebenen Schild: „KAFFEE!“

Fortschrittener Morgen, heftiger Muskelkater, und dann war’s auch noch trübe: Ich blies meine Laufpläne ab.

Durch eine Nachricht von Xing erfuhr ich, dass mein Vorarbeitgeber wohl nicht mehr existiert: Der Geschäftsführer hat eine neue Stelle bei einer Firma unter seiner Heimadresse, seine Vize gibt ebenfalls nicht mehr diese Agentur als Arbeitgeber an. (Ich warte immer noch auf mein Arbeitszeugnis über die Zeit, drückte mich bislang vor einem Nachhaken, jetzt wird’s schwierig.)

Das Trübe am Himmel lichtete sich, ich machte mich auf eine Einkaufsrunde. Bei Eataly sah ich nach Pancetta und Pecorino romano – Freitagabend hatte ich festgestellt, dass es die vertraute italienische Feinkosttheke in der „Schlemmergasse“ des Stachus-Untergeschoßes nicht mehr gibt. Eataly hatte nicht nur Pancetta und Peccorino romano, sondern auch Guanciale. Zudem nahm ich ein kleines Brot Grano duro mit. Auf dem Viktualienmarkt Grie-Soß-Kräuter für Sonntag besorgt, im Kaufhof am Marienplatz weitere Kräuter und Dickmilch (einzige mir bekannte Verkaufsstelle in der Innenstadt), beim Alnatura weitere Milchprodukte sowie Dosentomaten.

Daheim stellte ich fest, dass die Kastanie vor dem Balkon endlich Pfötchen gibt.

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Am Freitagabend hatte ich Five Quarters von Rachel Roddy ausgelesen.

Ich hatte sie sehr gerne gelesen, die Geschichte der nicht mehr richtig jungen Britin, die – eigentlich auf dem Weg nach Sizilien – in Rom hängen bleibt. Dort isst und kocht. Das Buch kommt als Kochbuch daher, besteht zeittypisch aber hauptsächlich aus sehr persönlichen Geschichten übers Essen und Kochen – wie Rachels Blog ja auch. Große Rollen spielen darin das Stadtviertel Testaccio, in dem Rachel wohnt, ihr Partner Vincenzo und der dreijährige Sohn, der für die Niedlichkeit im Gesamtbild zuständig ist, allerdings auch als Referenz für die Qualität von Gerichten und Cafés herangezogen wird (?). Die Rezepte gefielen mir, alle zeichnen sich durch eine geringe Anzahl von Zutaten und (scheinbar?) simple Zubereitung aus. Die Verbindung von italienischer und englischer Kochtradition kommt meinen persönlichen Vorlieben ohnehin entgegen. Ich mochte auch Rachels Beschreibung, wie sie gewohnte einfache Handgriffe in der Küche neu lernte. Das alles allerdings in einer Umgebung, die viele Klischeevorstellungen von italienischer Alltagsküche erfüllt (die Nachbarinnen, aus deren Küchen es ab 11 Uhr nach Sofritto duftet), aber ohne auch nur eine Andeutung, dass diese alltäglich Koch- und Esskultur in Rom (und ganz Italien) seit vielen Jahren verschwindet.

Nach Rachels Rezept kochte ich gestern Trippa a la romana, also römische Kutteln. Den Geruch von kochenden Kuttlen kenne ich ja seit Kindertagen, weil meine Mutter immer wieder callos a la madrileña servierte – ich mag ihn sehr gerne. Vor 30 bis 40 Jahren musste eine Mutter beim Metzger noch dazusagen: „Aber bitte saubere, sie sind nicht für den Hund.“ Und wenn sie das erzählte, betonte sie immer, dass sie sich nicht dafür schämte – Kutteln wurden als Abfall angesehen. Heute bekäme ich sie auch auf dem Viktualienmarkt in den auf Innereien spezialisierten Metzgerläden, doch der Süpermarket Verdi hat sie auch immer und liegt bequemer. Kutteln sind Pansen, einer der vier Mägen des Wiederkäuers Rind. Er wird gereinigt und vorgekocht verkauft.

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Es fällt mir schwer nachzuvollziehen, was an rohen Kutteln eklig sein soll, sie fühlen sich an wie weiches feuchtes Fell. Dass man das Glibbrige gekochter Kutteln ablehnt, leuchtet mir schon eher ein.

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Unvertraut war mir die Geruchsverbindung von Zwiebel, Pancetta und Minze in der Pfanne – eine wunderbare Kombination.

Als Aperitiv gab es Negroni nach Rachels Anweisung. Geruch und Geschmack von Campari weckten in mir immer 80er-Erinnerungen – und die daran, dass er mir eigentlich nicht schmeckt.

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Das fertige Gericht: Sehr schmackhaft, das nächste Mal reduziere ich aber die Flüssigkeitszugabe. Begeistert war ich von Pancetta und Pecorino romano: Beides schmeckte intensiv und sehr eigen. Gerade italienischer Käse, den man in Deutschland bekommt, kenne ich eigentlich nur in den Geschmacksrichtungen „salzig und sonst nichts“ (Parmesan & Co.) oder „sahnig und sonst nichts“ (Mozzarella & Co.), zudem die Verbindung von beidem (Fontina/Gorgonzola). Aus Rom und von Hande weiß ich ja, dass es im Land selbst ganz köstliche Käsesorten mit differenziertem Geschmack gibt – gestern habe ich mit diesem Pecorino gefühlt zum ersten Mal einen auch hier gekostet. Das Brot dazu war ungesalzen, also wahrscheinlich ein toskanisches Rezept. Erst mal für mich gewöhnungsbedürftig, zu den herzhaften Kutteln passte das aber sehr gut.

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Herr Kaltmamsell hatte mich vor Kurzem darauf hingewiesen, wie lange ich schon keine Mousse au chocolat mehr gemacht habe. Es gab eine am Nachmittag vorbereitete zum Nachtisch.

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Herr Skizzenblog hat vergangene Woche im Fernsehen Fußball geguckt und die Kommentare des Moderators gezeichnet. Wunderbare Unmsetzung der Floskel, deren Blödsinn die Fußball-affine Welt wahrscheinlich gar nicht mehr wahrnimmt. Mein Favorit: der ungenaue Ball.
„#GERITA“.