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Journal Freitag, 2. Oktober 2026 – Oktoberfestflucht ins Homeoffice, Abendgäste

Samstag, 3. Oktober 2026

Guter Nachtschlaf, der Wecker unterbrach einen lebhaften Traum, in dem ich in der Arbeit gerade in ein neues Gebäude umzog. Lobby und Atrium aus glänzendem Holz boten so aufregende Ansichten, dass ich mit dem Fotografieren schier nicht hinterher kam. Wohnungsträume kenne ich ja und mag ich besonders, ich weiß noch nicht, was ich von Büroträumen halten soll – Hauptsache Architektur?

Morgenroutine durchbrochen, weil ich ja daheim arbeiten würde. Also richtete ich nach Morgentoilette und Ankleiden einen Arbeitsplatz am Schreibtisch von Herr Kaltmamsell ein – der mir sogar Arbeiten im Stehen ermöglicht. Und dachte fast rechtzeitig an doppelte dicke Socke und Wollpulli, weil Homeoffice heißt frieren.

Draußen tagte es wie angekündigt düster, bald verschwand auch die anfängliche Milde der Luft und ich schloss die Fenster.

Ebenfalls erwartet hatte ich die mehrfachen Neustarts, bis ich wirklich arbeitsfähig war: Ich nutzte sie wieder zum Brotbacken.

Die Situation im Mehlschrank hat sich übrigens verändert. Einen eigenen Mehlschrank haben wir, weil die eine Küche, die wir vor zwölf Jahren selbst einrichteten, vor dem Heinzkörper Platz für einen nur wenig tiefen Schrank bot – genau richtig für die vielen Mehlsorten einer abenteuerlustigen Brotbäckerin. Das war das einzige Küchenmöbel, das wir beim Umzug zwei Stockwerke nach oben mitnahmen: Diese bereits bestehende Küche bot dafür einen Winkel hinter der Tür.

Seit einigen WochenMonaten erschlugen Herr Kaltmamsell und ich in der Küche regelmäßig Mehlmotten. Herr Kaltmamsell hatte vergangenes Wochenende den Mut, das Verdrängen bleiben zu lassen und forschte nach der Ursache. Mit erwartbarem Ergebnis. Auf Mastodon fragte ich nach einer selbst erprobten Dauerlösung, die möglichst kein Umfüllen erforderte – und bekam viele, wunderbar hilfreiche Vorschläge.

Wir entschieden uns für das System von Mepal; auch den Tipp, in die Schränke Klebefallen zu hängen, setzte ich um.

Beim Arbeiten war mir dann gar nicht so kalt wie sonst immer, ich wechselte in eine leichte Jacke. Aus dem Düster wurde draußen ein wenig Regen, viel zu wenig. Aber die Geräuschkulisse war den ganzen Tag und den Abend von Oktoberfestfeiernden geprägt, ich sah mich in meiner Entscheidung für Homeoffice bestätigt.

Doch auch diesmal behagte mir das Arbeiten daheim überhaupt nicht. Dieses Einsickern von Arbeitsthemen, -sorgen, -mühen in mein heimisches Refugium und Rückzugsgebiet fühlt sich nach Vergiftung an.

Mittagscappuccino gab’s aus der heimischen Cafetera, für die eigentliche Mittagspause stempelte ich mich aus und ging auf eine Runde in die Innenstadt. Fast wäre ich wieder umgekehrt, weil mir eine Frau aus den ewigen Spenden-Akquise-Geschwadern am Sendlinger Tor die Laune verhagelte, genauer: Meine aggressiv unfreundliche Reaktion auf ihr fröhlich-munteres Angelaber verhagelte mir die Laune, so jemand will ich eigentlich wirklich, wirklich nicht sein – es gibt ja wohl weniger anständige Arten Geld zu verdienen als ihre. Was auch meine ungelenke Schluss-Aussage war.

Nach einer Weile Fußgängerzone-Laufen war ich zumindest so weit wiederhergestellt, dass ich meinen Vorsatz Blumenkauf (Dahlien) umsetzte – zur eigenen Erfreuung, als Deko für die Abendessensgäste und um mal wieder mit dem Blumenladen in unserer Straße Geschäfte zu machen. Dort bekam ich einen besonders schönen Strauß sowie ein ausführliches Gespräch mit der Inhaberin: Die deutlich nicht Deutsch-Muttersprachlerin erzählte, wie sie im Großmarkt immer bei den heimschen Anbauern kauft, so lange die Saison dauert, weil sie möchte, dass es die weiterhin gibt. Woraufhin ich ihr verriet, dass ich meine Dahlien ja woanders auch günstiger bekäme – aber ich bittegerne möchte, dass es weiterhin in meiner Straße einen Blumenladen gibt. Wir strahlten einander an, jetzt BFF.

Zu Mittag gab es Trauben, Birne, Apfel, außerdem Skyr mit Joghurt.

Am frühen Nachmittag kam Herr Kaltmamsell heim von Arbeit und Einkaufen. Er überließ mir seinen Schreibtisch weiterhin, denn jetzt hielt er sich in der Küche auf, um das Abendessen für die Gäste zu kochen – sich hin und wieder versichernd, dass ich damit zurechtkommen würde, wenn er viel zu viel zu essen machte.

Freitäglich pünktlich klappte ich den Arbeits-Laptop zu und verräumte mein Handwerkszeug. Mit dem Räumen machte ich dann gleich weiter. Gemütlich richtete ich die Wohnung für die Abendessengäste her, Arbeitskolleg*innen von Herrn Kaltmamsell: Tisch ausziehen und decken (Einmerker: Vom Christkind wünsche ich mir dann doch eine passende Tischdecke. Die viele Tischwäsche für den früheren runden/ovalen Tisch wird endlich weggegeben, aber eine Tischdecke für unausgezogenen, eine für ausgezogenen Tisch sollten wir wirklich haben), Papiernester (überraschend wenige) und andere Nester verstecken, ein bisschen staubsaugen.

Die Gäste kamen, brachten Blumen, Wein, Süßigkeit als Gastgeschenke. Fröhliches Plaudern über Aperitiv (Negroni oder alkoholfreiem Campari Soda), dann servierte Herr Kaltmamsell als Vorspeise Zucchini auf Ricotta-Creme (dazu das Brot von mir), als Hauptspeisen Kichererbsen mit Spinat, Ottolenghi-Kürbiscreme, und wer mochte, bekam gebratenes Entrecôte – alles ganz hervorragend. Eine Enttäuschung war der Weißwein, den ich eigens für den Abend nachbestellt hatte: Der Ziereisen Grauer Burgunder 2022 war gekippt und oxidiert, ungenießbar – dabei hatte er nicht mal in unserem Kammerl gelagert. Ich kam nicht auf die Idee, eine weitere Flasche zu öffnen (hoffentlich ist nicht das ganze 6er-Kistlein verdorben), sondern wir hielten uns an den ebenfalls bereitgestellten roten Côtes du Rhône. Zum Nachtisch gab es von mir den Flan de queso und Trauben. Ich lernte freundliche und kennenlernenswerte Menschen kennen und einen Hund.

Noch vor Mitternacht waren wir wieder zu zweit und räumten noch eine Weile, um die erste Ladung Geschirrspüler starten zu können – und am nächsten Morgen nicht noch alles vor uns zu haben.

Journal Donnerstag, 1. Oktober 2026 – Der Spätsommer bleibt

Freitag, 2. Oktober 2026

Mittelgute Nacht: Lange Störung durch ausdauernde und laute Partygaudi mit Musik um Mitternacht.

Immer noch machen Wespen unsere Wohnung zum Friedhof, morgens kommen sie zu jedem geöffneten Fenster herein, am Abend tragen wir Dutzende Leichen in den Müll.
(Dafür endete auf instagram endlich die Flut an neufolgenden/likenden Männer-Accounts; nach meiner Schätzung habe ich mehrere hundert blockiert.)

Wieder startete der Morgen sonnig, in die Arbeit marschierte ich mit offener Jacke.

Letzer Morgenarbeitsweg mit Blick auf Oktoberfest: Am heutigen Freitag arbeite ich von daheim, um mich nicht mit den dazugehörigen Umständen auseinandersetzen zu müssen.

Im Büro geordnetes Arbeiten, mittags ging ich raus in die mittlerweile fahle Sonne auf Mittagscappuccino und Obsteinkäufe auf dem Markt.

Zu Mittag gab es zwei Äpfel und Hüttenkäse.

Zäher Nachmittag, schön fand ich die Luft, die durchs dauergekippte Fenster hereinkam.

Heimweg ohne Zwischenstopps, lediglich mit Umweg um Oktoberfest-Ausläufer, ich hatte noch Pläne: Herr Kaltmamsell hat für Freitagabend Gäste zum Abendessen eingeladen, ich machte mich zuständig für Nachtisch-Erstellung. Und so erstellte ich gestern Abend erstmal Flan de queso.

Der Ernteanteil hatte Frisee-Salat gebracht, den servierte ich mit Joghurt-Dressing, Birne, Trauben, Eiern als Abendessen.

Nachtisch Schokolade, immer noch standen Fenster und Türen ins milde Draußen offen. Echter Regen ist immer noch nicht angekündigt, dafür werden am Rhein immer neue historische Tiefststände gemessen, und die 20-Uhr-Tagesschau berichtete über verschwindende Schweizer Gletscher. Gleich nach dem Bericht über weitere klimaschädliche und Mobilitätswende verhindernde politische Maßnahmen wie Tankrabatt und Erhöhung des Preises fürs Deutschlandticket.

Früh ins Bett zum Lesen.

§

Herr Buddenbohm gerät auffallend häufig in Situationen, die derart schulmeisterlich übergriffig den Zeigefinger schwingen, dass selbst gelassenere Gemüter nur mit “JA! IST GUT!” reagieren können. Zum Beispiel zum Gedanken:

Aber was sieht man nicht alles prinzipiell ein, ohne daraus spontane Aktionen abzuleiten.

Ausführlicher:
“Es finden Belehrungen durch den Alltag statt”.

§

Vor 20 Jaren war die Frau, die meinen Namen trug, jemand sehr andere. Deshalb verlinke ich sie ohne Angst vor Selbstlob-Verdacht: Das bin ich nicht.
Damals erzählte ich meine jugendliche Vergangenheit in einer Happy-Clappy-Band – und wie gut, dass ich sie vor 20 Jahren aufschrieb, denn an das meiste erinnere ich mich heute gar nicht mehr.
“Happy Clappy in der fränkischen Diaspora”.

Auch die Kommentare waren vor 20 Jahren noch bereichernde Lektüre.

§

Croco sammelte im September deutlich aufmerksamer Beviloquia als ich, bitte freuen Sie sich an ihren
“Lieblingsposts im September 26”.

Journal Mittwoch, 30. September 2026 – Zahnkostenüberlegungen

Donnerstag, 1. Oktober 2026

Recht gut geschlafen, doch ich bedauerte sehr, dass ich wegen Lärmbelästigung die herrliche Nachtluft nicht durch ein offenes Fenster hereinlassen konnte.

In recht kalter, aber wunderbar sonniger Morgenluft spazierte ich zu meinem zweiten Termin beim Oralchirurgen.

Als erstes stellte sich heraus: Der Kostenvoranschlag war nicht per Post eingetroffen. Die Mitarbeiterin zeigte sich über diesen Umstand nachvollziehbar vergnatzt: Sie habe ihn bereits am Tag nach dem ersten Beratungstermin abgeschickt, um mir genug Zeit zur Durchsicht vor dem gestrigen Termin zu geben. Ich nehme an, dass mal wieder ein Postbote nicht gesehen hat, dass es Briefkästen zu beiden Seiten der Eingangstür gibt, und bat Frau Dentalchirurgbüro, sich nicht über einen wahrscheinlichen Rückläufer mit der Behauptung, ich wohnte dort nicht, zu wundern.

Die gute Seite daran: Diese Kostenvoranschlag-Erstellerin druckte die Aufstellung jetzt nochmal aus und ging sie grob mit mir durch – sie wusste aus Erfahrung, aus welchen Positionen sich oft Fragen ergeben. Mit veranschlagt war einiges an High-Tech: Wenn ich das richtig verstanden habe (!), wird über zwei verschiedene 3D-Aufnahmeverfahren der Eingriff genau berechnet, Herr Chirurg führt nur noch aus. Eine Aufnahme war bereits vor einer Woche erstellt worden, gestern machte eine weitere Angestellte mit einer kleinen Superfotokamera am Stab ein exaktes 3D-Abbild von Zähnen und Mundinnenraum (und war so freundlich und geduldig, mir viele neugierige Fragen zu beantworten), das sie mir auf dem Bildschirm von allen Seiten zeigte.

Die Summe des Kostenvoranschlags hatte ich so ungefähr erwartet.
“17 Impl. mit extrenen Sinuslift und Aug. DVT. Scan und nav. Bohrschablone/Planung”:
4.236,53 Euro
(Ich vermute den Kostenanteil für das Foyer der Dentalchirurgie hinter den zwei Posten “Zuschlag bei nicht stationärer Durchführung” für 123,73 Euro und 22,50 Euro.)

Diese genauen Beträge halte ich hier aus Chronik-Gründen fest
(-> aufschreiben! alles aufschreiben!), Jane Austen und Frances Burney machten das in ihren Romanen ja auch und lieferten wertvolle zeithistorische Dokumente (nicht dass ich mich mit Burney oder Austen vergleichen wollte). So ein Implantat kostet damit also deutlich mehr als mein Monats-Einkommen.

Zahnzusatzversicherung habe ich ja keine, weil laut meiner Zahnärztin vor 13 Jahren meine besonders guten Zähne keine nötig machen (“Wenn’S jeden Monat fünf Euro ins Sparschwein werfen, ham’S mehr davon.”). Aus Jux rechnete ich mal durch, wie viel ich bei meiner Krankenkassen in diesen 13 Jahren bis heute für eine Zahnzusatzversicherung eingezahlt hätte, die die gesamten Kosten für das obige Implantat übernehmen würde: über 11.000 Euro. Meine Zahnärztin lag also richtig – allerdings hätten die 5 Euro ins Sparschwein nicht gereicht.

Der Herbst ist schon da, er ist nur nicht gleichmäßig verteilt.

Im Büro Emsigkeit, aus dem Augenwinkel bemerkte ich, wie am Hochhaus vorm Bürofenster zwei Krähen einen Falken attackierten.

Spaziergang auf einen Mittagscappuccino im Westend.

Vor mir holte sich eine Oktoberfestbedienung in gebrandetem Arbeitsdirndl auf dem Weg zur Schicht ihren Morgenkaffee Togo.

Mittagessen: Bananen, Birne (überraschend geschmacksfrei), Feigen, Nüsse.

Emsiger Nachmittag, zu Feierabend war ich müde und erschöpft.

Heimweg über Einkäufe im Vollcorner, der restliche Weg wurde anstrengend: Ein LALÜ! am nächsten, beim Ausweichen vor Betrunkenen (einer ließ gerade seine Lederhose herunter) lief ich irgendwann lieber auf der Straße.

Ab daheim wurde es schön: Ich holte Herrn Kaltmamsell zum Abendessen im Honghong ums Eck ab.

Sehr gut und wohltuend. Daheim zum Nachtisch Vanillepudding und Schokolade. Früh ins Bett zum Lesen.

§

Vanessas lesenswerte Analyse:
“Meine 5cent zur politischen Situation – ohne, dass der Name des Kanzlers vorkommt”.

Unter anderem:

Wenn man sich die Wanderungsbewegungen hin zur AfD hinschaut, wird vor allem eines klar: Die rechtradikale Partei gewinnt, weil sie Nichtwähler mobilisiert – Menschen, die sich im Parteiensystem bislang nicht repräsentiert gefühlt haben. Das war bereits vor den diesjährigen Landtagswahlen bekannt. Wir sind beseelt von der offenen Gesellschaft und haben vergessen, dass rechtsradikales Gedankengut tief verwurzelt ist.

Aber Vanessa wäre nicht Vanessa, wenn sie nicht auch ganz handfeste Ideen für eine Verbesserung hätte.

Journal Montag, 28. September 2026 – Seltsamer Septembersommer

Dienstag, 29. September 2026

Völlig zerhackte Nacht mit häufigem Aufwachen, ohne dass ich dafür Anlässe nennen könnte. Von draußen reichlich Oktoberfest-Gaudi-Lärm, auch noch um zwei Uhr: Die Baustelle statt Sperrung der Zufahrt zu den Kliniken ermöglicht den Oktoberfest-Radl-Rikschas jetzt die Durchfahrt vor unserem Haus, und sie fahren gerne mit lauter Musikbeschallung, möglichst weit weg von Oktoberfestmusik. Der Schlafmangel rächte sich über den Verlauf des Arbeitstags mit Müdigkeit.

Es wurde hell zu wolkenlosem Himmel über kalter Luft.

Schöner Weg in die Arbeit, ich schlug schon jetzt einen Bogen ums Oktoberfest.

Sonne von hinten, Mond von vorn – darin liegt ganz sicher eine tiefe Wahrheit.

Emsiger Arbeitsvormittag, darunter Vorbereitung des jährlichen Aufregungstermins (aber längst nicht mehr so Angst-belastet wie anfangs).

Das Wetter spielte Sommer, ich genoss meine sonnig wolkenlose Mittagsrunde um die Blöcke sehr, es war warm genug für Jackenlosigkeit.

Mittagessen: Apfel, außerdem Skyr mit Joghurt – und Citronat. Ich hatte die angebrochene Packung mit halb eingetrockneten Würfelchen aus der Kiste mit Backzutaten geangelt und das Citronat am Vorabend einerührt in der Hoffnung, dass es am nächsten Tag aufgeweicht sein würde. Nicht nur hatte das geklappt, die Gesamtmischung schmeckte auch ausgezeichnet fruchtig. Vielleicht ein wenig zu süß, bei geplantem Einsatz würde ich weniger Citronat nehmen.

Emsiger Nachmittag.

Der Heimweg war mit 26 Grad dann doch zu warm für September. Gründlicher Süßigkeiten-Einkauf, dann wieder im größeren Bogen um die Theresienwiese.

Nicht groß genug.

Daheim war die programmierte Waschmaschine noch nicht durch (Restzeitanzeige ungefähr so verlässlich wie bei Computer-Updates), ich erledigte schnell mal die ungeliebte Pediküre und bereitete das Yoga-Turnen vor, nach dem ich mich sehr sehnte (nochmal die Rücken-Folge vom Maddy Morrison).

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell die erste Ernteanteil-Lieferung Grünkohl zu Kale Chips verarbeitet, den Ernteanteil-Stangensellerie zu einem meiner Lieblingssalate mit Zucchini, Zitronensaft, Kapern, Feta.

Nachtisch Schokolade – und als erste Weihnachtssüßigkeit Stollen-Konfekt, das ich besonders mag.

Aufmunterung: Auch in diesen Weihnachtsferien reise ich mit Herrn Kaltmamsell für ein paar Tage nach Berlin. Auch diesmal mit Kabarettistischem Jahresrückblick – besonders spannend durch die neuen Ensemble-Mitglieder Ami Warning, Kirsten Fuchs. Zudem möchte ich diesmal endlich Linie 1 im Grips-Theater sehen, Sound meiner Jugend. Gestern Abend guckte ich alle gespeicherten Unterkunft-Tipps in Berlin durch – und endlich war mal das Appartment in Kreuzberg frei, das ich schon lang im Auge hatte.

Früh ins Bett zum Lesen, Terry Pratchett erfindet die besten Drachen.

§

Der Bayerische Rundfunk löst seinen Fundus zum Teil auf und versteigert ihn – auf dieser Website. Ach wäre ich doch in einer Lebenssituation, die mir den Bedarf eines Abendschau-Sofas bescherte. Sehr attraktiv auch dieses “Rentner Starter-Kit”. (Särge gäb’s auch).

Beistelltische, Stühle gleich Konvolut-weise, Kommoden, Kinderhocker – wenn Sie jemanden kennen, der gerade Einrichtung braucht?

via Heiko Bielinski

Aber auch: Ruderboot, Deko-Gemüse, Krippenfiguren, leere Filmdosen (viele), Küchenutensilien, Heizlüfter, Kinderwagen, Flugzeugsitze, Maskenspiegel, Leitern (die auch mal “Staffelei” heißen <3), Schlagbohrer, Drucke von Gemälden, Schaufensterpuppen, ein Streitwagen, Zapfsäulen.

§

Sarah Bosetti hält eine Laudatio auf Angela Merkel – als Satirikerin und Staatsbürgerin.

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https://youtu.be/LIMvUn_EjCY?si=8PrO8Kkoex8FIVXR

Journal Sonntag, 27. September 2026 – Prachtseptemberwetter

Montag, 28. September 2026

Gut und neun Stunden lang geschlafen, möglicherweise nur einmal von Klogang unterbrochen (allein schon dass ich das nicht so genau weiß, belegt die Tiefe des Schlafs). Aufgestanden zu strahlendem Sonnenschein.

Waschmaschine mit Bettwäsche gefüllt, Geschirrspüler ausgeräumt, Wasserfilter gewechselt, erst dann gab es Morgenmilchkaffee. Fürs Bloggen brauchte ich über zwei Stunden, weil ich am Vorabend nur die Fotos des Tages runtergeladen hatte – und den Tag sehr gerne festhalten und bebildern wollte. Doch an Sport plante ich eh eine Laufrunde an der Isar, für die wünschte ich mir etwas wärmere Luft als die neun Grad am Morgen und gab der Sonne noch ein wenig Zeit zum Heizen. Das frisch gefilterte Wasser nutzte ich für eine daheim seltene Kanne Tee: Milky Oolong.

Dann aber U-Bahn zum Odeonsplatz (vom Radeln hielt mich die Aussicht auf reichlich LALÜ! zum Oktoberfest ab).

Wundertätiger Isarlauf, an dessen Ende ich weniger Schmerzen spürte als am Anfang. Ich hatte eine U-Bahn zum Odeonsplatz genommen. Beim Loslaufen im Hofgarten schoss mir gleich mal ein Florett vom Kreuz bis ins rechte Knie. Oh nein! Ich blieb stehen, mobilisierte die Wirbelsäule, schüttelte mich kräftig aus und lief vorsichtig weiter. Langsam legten sich die Schmerzen, mein Gemüt hellte sich auf und ich genoss das Licht, die Farben, die Bewegung. Nach gut anderthalb Stunden war nur ein Pieksen über der rechten Pobacke geblieben, als ich dran rumknetete, war auch das weg. So kam ich sehr fröhlich auf 110 Minuten (laut iphone-App 16,5 Kilometer).

Hofgarten. Das schöne Wetter hatte viele Fans.

Hartnäckige Natur (schwer zu fotografieren: Auf dem längst abgebrochenen Weidenbaum sprießen nicht nur Weidenzweige, sondern rechts auch indisches Springkraut).

Schon wieder ist meine Freude übers aktuelle Wetter eingetrübt von Klimakatastrophe: Der Isarpegel war weiter gesunken, alle Wege waren so trocken, dass nach Passieren selbst noch so langsamer Radeln minutenlang eine Staubwolke bleibt. Und bei vielen Bäumen war auf den zweiten Blick klar, dass das nicht beginnende Herbstverfärbung war, sondern schon längere Trockenheitsverfärbung.

Zurück nahm ich Bus und U-Bahn, nachdem mir die Tram gerade davongefahren war. In der U-Bahn mir gegenüber ein blutjunges Pärchen kuschelnd, zur Musik aus geteiltem Kopfhörerpaar lautlose synchrone Tanzbewegungen. ❤️ ❤️ ❤️
Im Rischart im U-Bahnhof holte ich mir noch Frühstück.

Daheim knetete ich mich nach dem Schmerzschrecken vorsichtshalber mit der Faszienrolle durch, dann große Selbstreinigung.

Frühstück kurz nach zwei: Ernteanteiltomaten und ein ganzes Brot. Letzteres zumindest dem Geldwert nach: Die Riesenbreze vom Rischart (wir suchen doch nach den schönen Seiten des Oktoberfests) kostete 4,95 Euro.

Den Nachmittag über nahm ich wieder den trink- und badewilligen Vögelchen unseren Balkon weg. Internet- und Zeitunglesen. Zum ersten Mal im Jahr nahm ich fallende Kastanien von den beiden riesigen Bäumen vorm Balkon wahr, selbst dann allerdings wenige.

Es war mal wieder Bügeln nötig, dabei folgte ich einem Tipp zu einem SWR1-Interview mit der abgefahrenen Kunstexpertin und Anwältin Sasa Hanten:
“Die Kunst des Erbens”.
Sehr hörenswert auf vielerlei Ebenen, die Frau ist der Knaller. Unter anderem hörte ich zum ersten Mal jemanden darüber sprechen, wie großen Einfluss auf ihr Auswachsen hatte, dass ihre Familie über Generationen eben keine Flucht und Zerstörung oder andere tiefe Traumen durchmachen musste.

Und ich beobachtete, wie weit nach links der Sonnenuntergang bereits gerutscht war.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell die Ernteanteil-Rote-Bete als köstliches Risotto. Nachtisch restlicher Apple Crumble, außerdem Schokolade.

§

Vanessa bemerkt:

Die vergangenen zwei Wochen waren fantastisch: Ich habe das Leben eines westdeutschen Mannes in den 80ern geführt. Als ich von meinen Geschäftsreisen nach Hause kam, hatte der Reiseleiter geputzt, gesaugt, eingekauft, meine Wäsche gewaschen und gebügelt. Essen stand bereit. Auf der Reise hat ein Assistent mir lästige Dinge abgenommen und Teile des Gepäcks getragen.

Wäre das nicht mal ein schönes LARP? Die westdeutschen 70er/80er, nur andersrum?

§

Dinah Riese schreibt als linke Jüdin in der taz:
“Antisemitismus in der Linkspartei
Wollen wir nicht besser sein?”

via @ronensteinke

Darf ich als linke Jüdin von einer politischen Linken nicht erwarten, dass ihr Kampf gegen Menschenfeindlichkeit auch für mich ist?

(…)

Wollen wir nicht besser sein? Ich kann mich nicht von ganzem Herzen über dieses Wahlergebnis freuen. Und doch hoffe ich, dass Grüne und SPD sich dem Druck nicht beugen. Dass die Linke sich zusammenreißt und klarmacht, dass für An­ti­se­mi­t*in­nen in ihren Reihen kein Platz ist. Und dass sie das auch durchsetzt. Dass Berlins nächste Regierende Bürgermeisterin Elif Eralp heißt. Ich hoffe es für diese Stadt, die nicht noch fünf Jahre unter einem CDU-Regierungschef verdient hat. Und ich hoffe es für mich und meine Familie, die wir in dieser Stadt nun mal leben.

§

Wenn Ballett-Rivalen einander in freier Wildbahn begegnen.

Journal Samstag, 26. September 2026 – Bayrischzeller Höhenweg mit Regionalbahn-Benimm und ein wenig Slapstick

Sonntag, 27. September 2026

Sehr unruhige Nacht: Alkohol, Draußenlärm, Kreuz- und Hüftschmerzen, Diesdas. Mal wieder fühlte sich die letzte Stunde des Ausschlafens am erholsamsten an.

Angekündigt war nochmal perfektes Wanderwetter mit Sonne, Windstille, milder Luft, das wollte ich nutzen. Nachdem mir vor einer Woche das etwas deutlichere Auf und Ab des Tegernseer Höhenwegs gefallen hatte, erinnerte ich mich an den Bayrischzeller Höhenweg, den ich vor Jahren zweimal mit Herrn Kaltmamsell gegangen war und dessen Profil ich ähnlich im Kopf hatte. Da
– ich mir das vorherige Bloggen ein wenig zu gemütlich gemacht hatte,
– die Fahrt nach Bayrischzell dann doch mit anderthalb Stunden etwas weiter war und
– sich herausstellte, dass diese Verbindung nur stündlich bedient wurde (ländlich Wohnende rollen Augen: das kennen sie von JEDER öffentlichen Verbindung),
– ich zudem bei zu erwartendem Wandervolk-Andrang frühzeitig für einen Sitzplatz am Zug sein wollte,
machte ich mich sehr zackig fertig dafür.

Wieder mit den festen Wanderstiefeln für einfacheres Steigen in unwegsamem Gelände – in meiner normalen Wanderbesockung (zwei Paar alte Baumwollsocken) statt dicken als solche verkauften Wandersocken fühlten sich meine Füße nicht eingesperrt an.

Der dreiteilige Zug nach Tegernsee, Lengries, Bayrischzell war bereits ziemlich voll – und die leeren Plätze wollte man mir nicht überlassen. Auf mein “Ist da noch frei?” hörte ich:

1. “Nein, der/die ist/sind grad auf dem Klo.” Nach dem dritten solchen wunderte ich mich über die ungeahnten Kapazitäten bayerischer Regionalbahn-Klos.

2. „Da kommen noch welche!“

Dieses Sitzplatzbelegen in Regionalbahnen finde ich hiermit eine Unsitte: Dass nur eine*r aus einer verabredeten Gruppe früh am Start-Bahnhof sein muss, der Rest trödelt herbei oder steigt an den späteren Halten zu? Ich lege mich fest: Das ist unfair. Anständig ist es, sich am Start-Gleis frühzeitig zu verabreden und gemeinsam nach Plätzen zu suchen. Oder man sitzt halt nicht als Gruppe zusammen, sondern gruppiert sich erst am Ziel.

Diesmal lohnte sich mein Stehenbleiben: Von vier „reservierten“ Sitzen zweier Vierer-Buchten wurde nur einer (!) bis Abfahrt tatsächlich besetzt – und zwar von einer „ach ich hatte ganz hinten Plätze für uns belegt“.

Der Zug wurde sogar noch sehr voll mit wenigen verbleibenden Stehplätzen, unter den Fahrgästen viele mit Fahrrad oder Hunden, Geräuschkulisse reichhaltig. Ich hatte eine interessante Fahrt, unter anderem durch die Gespräche einiger sehr alter Frauen neben mir.

Kurz vor Ankunft am Endbahnhof Bayrischzell war der Zug leer genug geworden, dass ich bequem zum Klo kam (und diese Zugklo-Variante dokumentierte – Regionalbahnen haben meist Rollstuhl-taugliche Klos als Allgemein-Klos).

In Bayrischzell packte ich gleichmal meine Jacke weg, es war mild genug für kurze Ärmel. Slapstick-Einlage, als ich mich neben einem Bruckerl über den Legerwaldgraben herunterbeugte, um meine Wanderstiefel neu zu binden (fühlten sich zu locker an): Die Wasserflasche rutschte aus der Rucksack-Halterung und purzelte ins Bachbett. Seufzen, erstmal band ich meine Stiefel zu Ende. Blick auf die Gesamtsituation ergab, dass ich von der gegenüberliegenden Seite des schmalen Grabens gut ans Bacherl kam, auf Steinen übers eh sehr niedrige Wasser an meine Flasche. Andere Wanderer hatten mein Malheur gesehen und boten ihre Stöcke als Hilfsmittel ab, doch die brauchte ich gar nicht.

Jetzt aber endlich WANDERN. Es wurde ein angenehme Runde mit den erinnerten schönen schmalen Aufstiegen über Steine und Wurzeln hauptsächlich im Wald, über bequeme Abstiege auf breiten Wirtschaftswegen (so mag ich es, unwegsame Abstiege nicht so sehr), über weite Blicke. Auch andere waren hier unterwegs, allgemeines “Servus!”, auch wenn ich die sonstigen Unterhaltungen in ganz anderen Sprachen hörte, freundliches Aneinander-Vorbeilassen.

Sie haben eine Unterführung zum Kreuzen der vielbefahrenen Bundesstraße zum Wanderanfang gebaut: Herzlichen Dank für die zusätzliche Sicherheit – außerdem hätte die hiesige Jugend ja sonst gar keine Möglichkeit für Streetart, die ihnen nicht ein Donnerwetter der gesamten Nachbarschaft einbrockt.

So ging’s schonmal los, die Ausblicks-Malerizität des Tages war gesetzt.

Als “einfach”, wie in fast allen Wegbeschreibungen, würde ich die Strecke nun nicht bezeichnen: An dieser Stelle hangelte man sich mit einem Seil in der rechten Wand entlang – ich kenne einige geübte Wandersleut, die hier wegen Höhenangst gescheitert wären. Vielleicht gilt das Bewertungssystem aber Bergwanderungen, bei denen alles ohne Klettern “einfach” ist?

Dazwischen eine besonders hübsche Raupe als Filmchen bei instagram.

Von den passierten Almen war eine sogar noch in Betrieb:

Die Niederhofer-Alm war gut platziert für eine Pause und Brotzeit: Danach gab es auf dem Weg über anderthalb Stunden keine Gelegenheit mehr. Als für mich um halb zwei Pausenzeit war, nahm ich in Ermangelung eines Bankerls mit einem bequemen Stein in der Sonne Vorlieb.

Brotzeitstein rechts. Es gab Apfel, Feigen, eine dicke Scheibe französisches Landbrot.

Kurz darauf war der Weg energisch gesperrt, das sperrende Plakat warnte vor Forstarbeiten. Da ich nichts davon hörte und ja Wochenende war, nahm ich es nicht akut ernst und ging trotzdem weiter – ich hätte auch keine Umgehungsstrecke gewusst. Stellte sich heraus: Oh doch, da wurde mit riesigem, schweren Gerät forstgearbeitet, mehr als Wanderweg-breit. Verdutzt sah ich auf meinem Handy nach Ausweichmöglichkeiten (GPS ging, sonst mehrere Stunden kein Mobilfunkempfang), da hupte mich der Mann in der Führerkabine des Riesen-Geräts kurz an. Ich trat heran, grüßte, wurde nach meinem Ziel gefragt: “Bloß der Höhenweg…” Und bekam ein freundliches: “Na geh durch.” Dankeschön – mir ist völlig klar, dass bei solchen Waldarbeiten keine großen Kommunikationskampagnen einberechnet werden, die uns paar Wochenend-Ausflügler*innen berücksichtigen.

Erst nach einer halben Stunde Weg endete die Sperrung – noch energischer als die Gegenseite.

Jetzt ging es konsequent bergab, die letzte gute Stunde im engen Tal nach Bayrischzell.

Schon ein schöner Weg, aber halt auch eine gute Stunde parallel zur lauten Straße.

Insgesamt eine nette Wanderung, ganz hervorragend ausgeschildert – aber ich nahm mir vor, mich in der Gegend Schliersee-Bayrischzell nach Alternativen umzusehen.

Auf diesem letzten Stück hatte ich Lust, das Tempo nochmal anzuziehen, auch um mich im kühlen Tal warm zu gehen (Körper spielte gestern hervorragend mit) – was zufällig dazu führte, dass ich nach knapp fünf Stunden Wanderung genau beim Einfahren des Zugs zurück am Bahnhof eintraf: Ich hatte extra nicht auf den Fahrplan geschaut, sondern mich gezwungen, die Abfahrt halt zu nehmen, wie sie kam, aber mein Wandertempo NICHT davon ablenken zu lassen – dann hätte ich halt bis zu einer Stunde warten müssen.

Pflanzenlernen mit der App Flora Incognita:

Gewöhnlicher Fransenenzian

Deutscher Kranzenzian

Locker besetzte Rückfahrt.

Schliersee.

Ich war sehr müde, nickerte auch ein bisschen ein. Ausstieg wieder am Harras, U-Bahn zum Sendlinger Tor mit Oktoberfest-Cosplayer-Begleitung.

Daheim machte ich mich nach Auspacken an die Zubereitung des Nachtischs: Apple Crumble aus Elstar-Äpfeln vom Markt. Die Backzeit nutzte ich für eine Einheit Yoga: Die Rücken-Folge von Maddy Morrison.

Als Nachtmahl erfüllte mir Herr Kaltmamsell wieder einen Wunsch:

Chinesische Auberginen süß-sauer – köstlich. Nachtisch reichlich Apple Crumble mit flüssiger Sahne.

Journal Freitag, 25. September 2026 – Einerseits herrliches Wetter, andererseits Oktoberfest

Samstag, 26. September 2026

Trotz sehr frühem Start bis Weckerklingeln geschlafen. Freude bei Aussicht auf Freitagabend, bis dahin Zähnezusammenbeißen.

Sonniger, einstellig kalter Morgen. Freude über Outfit-Idee des Tages (außer Socken und Schuhen alles alter bis sehr alter Bestand).

Goldene Morgensonne verschönte meinen Arbeitsweg.

Überraschung am Bavariaring:

Schlange am Okoberfesteingang um 07:30 Uhr, aufgemacht wird um 10 Uhr. Ich begann mich bereits vor meinem Heimweg zu fürchten und beschloss, nächsten Freitag von daheim zu arbeiten.

Selbst einer Radlerin wurde die Durchfahrt den Bavariaring entlang vorm Eingang verweigert. Als sie protesierte, sie arbeite doch aber am Bavariaring, ließ man sie durch, aber mit dem Hinweis: “Auf eigene Gefahr!”
(Darf ich mich daran erheitern, dass die Security-Leute um die Theresienwiese zu 95 Prozent aus PoC bestehen, und zwar muslimisch und nordafrikanisch gelesenen – die bei Polizeikontrollen fast immer als erste rausgezogen werden?)

Der Arbeitstag gestaltete sich machbar, anstrengend war eher die menschliche Seite.

Mittagscappuccino aus der Cafeteria, weil mir Sonnenschein von wolkenlosem Himmel vor allem große Sehnsucht nach einem möglichst ausgedehnten Marsch um die Blöcke machte. Der war dann auch herrlich.

Mittagessen Birnen, Feigen, Hüttenkäse.

Auch am Nachmittag hatte ich noch zu tun, kam aber pünktlich raus.

Einkäufe beim Vollcorner, ab dann wurde der Heimweg nur fast so unangenehm wie befürchtet: Ich achtete natürlich vor allem auf die Leute, die VOM Oktoberfest kamen und außer Selbstkontrolle waren. Einer benötigte die gesamte Gehwegbreite an der Schwanthalerstraße fürs Vorwärtskommen, ich rannte schnell vorbei.

Fürs Abendessen war ich zuständig: Ich erledigte die Kutteln auf römische Art von unserer Kochliste, damit ich mir auch mal wieder spontan etwas anderes wünschen durfte (Herrn Kaltmamsells Augenbrauen sich bei diesen Wünschen nicht mehr sehr weit nach oben bewegten).

Während der letzten Gar-Phase gab’s zum Aperitiv und Wochenendfeiern Negroni mit arabischen Nüsschen.

Die Kutteln wurden leider gar nicht so, wie ich sie mir vorgestellt und in Erinnerung hatte, die Sauce eher gemüsig als sämig, ich hatte ein schlechtes Rezept erwischt.

Schmeckte ok, war halt nicht das, was ich angepeilt hatte. Dazu ein sizilianischer Gallo, dem wohl die Lagerung in unserem Kammerl über den heißen Sommer nicht gut getan hatte: Er schmeckte stark oxidiert und nach Sherry. Mei, hatte trotzdem entspannende Wirkung.

Nachtisch Schokolade, früh ins Bett, das der Vollmond beschien.

§

Wieder jemand nutzt die Bahn mal außerhalb Deutschlands und erkennt dabei die positiven Seiten der Deutschen Bahn:
“Mit Bahn und Bus in Finnland unterwegs”.
(Jajaja, Verlässlichkeit wäre dennoch sehr, sehr schön.)

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Dafür mag ich Krautreporter und zahle für mein Abo: Dass sich die Redaktion immer wieder blind weitergereichte Medien-Aussagen genauer ansieht und mit verfügbaren aktuellen Daten abgleicht. In diesem Fall die oft erhobene Behauptung: KI verringert die Anzahl von Arbeitsplätzen und vergrößert Arbeitslosigkeit. Für Sie als Geschenk:
“KI klaut dir erst mal nicht den Job”.
(Was sich aber durchaus belegen lässt: KI verändert die Arbeitswelt und vergrößtert gesellschaftliche Ungleichheit.)

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In der gestrigen Süddeutschen eine großartige Folge “Reden wir über Geld” (jede Antwort Gold): Juristin und Kunst-Bewerterin Sasa Hanten (€).
“‘Eine Kunstsammlung ist keine gute Anlageidee'”.

Es geht los mit:

SZ: Sasa Hanten, reden wir über Geld. In Frankfurt steht das berühmte Euro-Zeichen vor der ehemaligen EZB-Zentrale. Sie haben die Skulptur mal Ihre „Jugendsünde“ genannt. Waren Sie jung und brauchten das Geld?

Sasa Hanten: Ich sage ja immer: Ich war jung und hatte das Geld. Ne, der Künstler der Skulptur, Ottmar Hörl, hatte das Angebot, zur Bargeldeinführung des Euro eine Skulptur zu machen. Ich war jung, in einer Kanzlei angestellt und mein Chef meinte: „Ich habe keine Ahnung von Kunst, ich muss mich da auf dich verlassen.“ Also habe ich Hörl vertreten.

Und was war die Sünde?

Meine Jugendsünde war, dass ich mir dabei eine kleine Unverschämtheit geleistet habe. Die bezog sich auf die Zeit, die das Ding da stehen sollte, 90 Tage. Für Künstler hört es sich nach sehr viel Geld an, wenn sie für ein öffentliches Projekt einen Auftrag erhalten. Aber viele verstehen den Unterschied zwischen brutto und netto nicht. Wenn man die Euro-Skulptur richtig kalkuliert hat, inklusive Handwerker, Auf- und Abbau, war alles sehr aufwendig. Ich habe mir gedacht: Den Abbau sparen wir uns. Und dann habe ich eben gespielt.

Gespielt?

Ja, spielen ist für mich etwas Positives. Ich habe in den Vertrag eine Klausel geschrieben, dass die Stadt nach den 90 Tagen Eigentümerin wird. Die meisten Leute lesen keine Verträge durch und vor allem Männer gehen oft davon aus, dass alles zu ihrem Vorteil ausgeht. Nach 90 Tagen hat jemand von der Stadt angerufen, wir sollen die Skulptur abbauen lassen. Da habe ich gesagt: „Die gehört uns doch gar nicht.“ Das gab mehrere Runden der Empörung, ich hatte Herzklopfen bis zum Hals. Aber ich habe es durchgesetzt.