Fotos

Journal Mittwoch, 24. Juni 2026 – Reiher überm Glockenbachviertel

Donnerstag, 25. Juni 2026

Der Reiher, den ich am Anfang meines Lerchenlaufs beim Abbiegen von der Pestalozzistraße an den Westermühlbach am Himmel sah, war zwar nicht das Wichtigste des Tages, gibt aber die schönste Überschrift her.

Nach mittelunruhiger Nacht (dreimal Aufwachen, beim zweiten Mal um halb zwei öffnete ich Fenster und Türen nach draußen, irgenwann brauchte ich sogar eine echte Decke) ließ ich mich extrafrüh wecken: Lust auf einen Isarlauf vor der Arbeit.

Ich kam ein paar Minuten später los als ideal in meiner Tagesplanung, weil ich noch ein paar getrocknete Wäschestücke verräumte und den Geschirrspüler leerte, dennoch meine täglichen Bank- und Seitstützübungen durchzog.

An der Isar war schon jetzt auffallend viel los: Es wurde sportgeradelt, gejoggt, Hund gelüftet. Nach einer kleinen Weile mit störenden Schmerzen um den Hüftgürtel kam ich in einen schönen Fluss, genoss nochmal den Duft von Lindenblüten, das herrlich klare Licht der schrägen Morgensonne.

Den Namen einer alten Bekannten gelernt: Wiesen-Flockenblume.

Wer Streetart festhalten will, muss schnell sein: So sah der Ort vor einer Woche aus, das in dieser Umgebung fast zynisch wirkende “Heimat” ist verschwunden.

Bis ich nach nicht mal der Hälfte meiner Runde auf dem Damm beim Flaucher schon wieder stolperte und stürzte. Diesmal klappte das Abrollen nach links nur im Ansatz, ich musste erstmal sitzenbleiben und mich sammeln. Ein Läufer und eine Läuferin sahen unabhängig voneinander nach mir, bis klar war, dass ich mich nicht verletzt hatte und weiterlaufen konnte. Was ich dann in geplanter Weise tat, jetzt aber dann doch immer wieder innerlich “Scheiße” fluchend.

Am Ende meiner Runde hielten mich auch noch ungnädig rote Fußgängerampeln auf, nach Körperflege und Anziehen hatte ich ebenfalls Pech mit Ampeln und musste lange auf die eigentlich als Abkürzung gedachte U-Bahn warten: Arbeitsanfang stark verzögert.

Die linke Rippenseite und die Schwellung des linken Arms am Ellbogen schmerzten beim Atmen / bei Bewegung (in Ruhe nicht, und ich habe mir ja gemerkt: dann ist nichts kaputt), die Handballen hatten auch etwas abbekommen, weil eben nicht wirklich abgerollt. Vor allem machte mich der erneute Unfall aber niedergeschlagen und bedrückt: Da stimmt doch irgendwas nicht. Und sehr wahrscheinlich irgendwas, was sich weder einfach so diagnostizieren noch beheben lässt. Ich müsste halt besser aufpassen und die Füße beim Joggen mehr heben – aber Selbst- und Körpervergessenheit gehören doch zu den zentralen Attraktionen meiner Lauferei. Zudem verdüsternd: Wenn ich gleich nach dem Sturz die Folgen so deutlich spürte, konnten die nächsten Nächte und Tage ja lustig werden.

Apropos lustig: Die fortgesetzten Schmerzen um LWS und Hüfte wollte mein Körperhirn (oh doch, das gibt es) auch gleich mit dem Sturz verbinden, ich musst ihm in expliziten Gedanken klarmachen, dass ich mit denen bereits aufgestanden war und sie nicht davon herrühren konnten. Außerdem war ich mit schmerzendem linken Daumen aufgestanden, er hatte sich wahrscheinlich im Schlaf unter Kissen/Kopf verkantet. Auch den musste ich meinem Körperhirn als Sturzverletzung ausreden.

Mit dieser Grundlaune arbeitete ich Wegzuarbeitendes weg, ließ mir aber auch von einem London-Urlaub erzählen.

Noch hielt mich die Hitze nicht von Mittagscappuccino im Westend ab, doch angenehm war der Weg nicht.

Zu Mittag gab es auch gestern Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot, außerdem Aprikosen und Flachnektarinen.

Mittel-emsiger Arbeitsnachmittag, körperlich eingeschränkt fühlte ich mich vor allem von der schmerzenden Rippe unter der linken Brust (Prellung? sehr lustig, wie sofort das Nies-Versuche abbricht).

Rumfragen und Rumsuchen nach möglichen Ursachen der Stolperei beim Joggen ergab unerfreuliche Möglichkeiten. Fußheberschwäche würde zu meinen LWS-Problemen passen. Ich brauche eh wieder neue orthopädische Einlagen, also holte ich mir einen Termin in der orthopädischen Sammelpraxis.

Heimweg wieder mit U-Bahnhof-Wegen und über einen Lebensmitteleinkauf schon für Freitag: Das Wochenende soll mit tinto de verano gefeiert werden.

Herr Kaltmamsell verbrachte den Abend aushäusig. Ich überredete mich zu Pediküre mit einmal alles.

Es ist übrigens keineswegs so, dass Tampons mit der Menopause ihren Nutzen völlig verlieren.

Ob und wie Pilates oder Yoga mit Sturzbeschwerden funktionierten, würde ich erst Donnerstagabend herausfinden.

Als Abendessen machte ich mir Linsensalat aus Dosenlinsen, Tomaten, Gurke, Paprika. Nachtisch 1 war ein Stückchen restliche Wassermelone, Nachtisch 2 Schokolade und Sirupwaffeln.

Vicki Baum, Zwischenfall in Lohwinckel ausgelesen, wirklich schön und indirekt ausgesprochen informativ für den Zeithintergrund (1930 veröffentlicht). Immer wieder aufregend: Auswahl der nächsten Lektüre (die beiden Romane von meiner Wunschleseliste, die mich aktuell sehr interessieren und die ich auch in der Stadtbibliothek fand, sind erst im Juli verfügbar, konnte ich lediglich vormerkten). Sollte möglichst nicht zu nah an der zuletzt gelesenen sein (sonst komme ich durcheinander) und zu aktuellen Neigungen passen. Es wurde Vivian Gornick, Fierce Attachments.

Schlagartig bleimüde, selbst Zähneputzen kostete Anstrengung. Ob sich der Sturz auf das Bettliegen auswirken würde?

§

Die laufende Männerfußball-WM belästigt mich so wenig wie noch kein Fußball-Großereignis zuvor: Keine Leinwände in Biergärten, auf die Spiele übertragen werden, wenn ich gerade gemütlich biergarteln möchte, nachts keine Polonaise hupender Autos in Hörweite (wurde der “Corso” von der Lindwurmstraße wegverlegt?). Danke schön!

§

Der Bayerische Rundfunk versucht es hartnäckig mit dem, was menschliche Entscheidungen am wenigsten beeinflusst: Fakten. Zum Glück, denn dafür haben wir ja Journalismus. Genauso blauäugig empfehle ich:
“#Faktenfuchs: Klimawandel oder ‘Sommer wie früher’?”
(Auch wenn ich selbst mittlerweile hilflos einfach das Thema wechsle, wenn selbst wirklich kluge Wissenschaftsredakteurinnen mit “früher gab es auch schon heiße Sommer” daherkommen.)

“Das, was früher seltene Ereignisse waren, sind jetzt gewöhnliche Sommer. Das, was ohne Klimawandel unmöglich gewesen wäre, sind jetzt die neuen Extremereignisse”, sagte die Physikerin Friederike Otto vom Grantham Institute for Climate Change am Imperial College London dem Science Media Center.

Karsten Haustein, Meteorologe und Klimawissenschaftler an der Universität Leipzig, erklärt, woran das liegt: “Erwärmung durch verschwindende Schmutzpartikel und der Treibhauseffekt überlagern sich, das führte dazu, dass sich innerhalb von 50 Jahren die Temperaturen um zwei Grad erhöht haben”, sagte er dem #Faktenfuchs. “Global hat sich Stand 2025 der Planet um 1,4 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit erwärmt. Alles menschengemacht, daran gibt es keinen Zweifel mehr.”

In Westeuropa, auch Deutschland, ist der Effekt sogar deutlicher. “Da liegen wir bei 2,5 Grad mehr seit vorindustrieller Zeit”, sagte Haustein. Davon seien knapp über zwei Grad seit Mitte der 1970er dazugekommen – dem gerne zitierten “früher”.

(…)

Stephan Lewandowsky ist Professor für Kognitionspsychologie an der University of Bristol und derzeit an der Universität Potsdam Leiter des Projekts Protecting the Democratic Information Space in Europe. Er beschäftigt sich in seiner Forschung damit, wie Falschinformationen sich verbreiten und was dazu führt, dass Menschen wissenschaftliche Belege akzeptieren oder nicht – auch in Bezug auf den Klimawandel.

Der Vergleich von “Sommer heute” mit “Sommer früher” greife an einer wesentlichen Stelle an, die uns alle betreffe: an der Kluft, die sich auftut zwischen unserem eigenen Erleben und Statistik. Das hat mehrere Gründe. Einer davon ist, dass Datenauswertung und Statistik für viele Menschen eher etwas Fremdes ist. “Die Menschen wachsen nicht mit dem Wissen über das Messen von Dingen auf. Das ist für die meisten Menschen nicht wirklich wichtig in ihrem Leben”, sagt Lewandowsky. “Und genau das macht es für manipulative Politiker sehr einfach, das auszunutzen. Und andere dazu zu bringen, diese Ideen nachzuplappern.”
Erinnerung ist kein Abbild der Statistik – und auch nicht ihr Ersatz

Gerade beim Klima ist die Auswertung von Daten aber zentral. Beate Ratter ist Expertin für Klimaanpassung und Professorin für Integrative Geographie an der Universität Hamburg und Abteilungsleiterin am Helmholtz Zentrum Hereon. Sie sagt: “Klima ist eine Statistik, Klima ist ein dreißigjähriger Mittelwert.” Aber: “Eine Statistik können Sie nicht fühlen. Was Sie fühlen, sind Einzelereignisse, mit denen Sie etwas verbinden.”

Journal Dienstag, 23. Juni 2026 – Steigende Hitze

Mittwoch, 24. Juni 2026

Zerstückelte Nacht (so viel hatte ich doch gar nicht getrunken), aber Schlaf bis ganz kurz vor Weckerklingeln.

Den Übernachtungsgast sah ich auch noch kurz und konnte ihn verabschieden: Die Freundin fuhr gestern weiter nach Klagenfurt zum Bachmannpreislesen. Ich hingegen ging in die Arbeit.

Die Theresienwiese ist immer noch Oktoberfest-vorbereitende Baustelle. Jetzt wird’s spannend, ob die das noch bis zum offiziellen Start des Aufbaus am 25. Juni schaffen. (Leider ja doch keine Verschiebung durch den gerichtlichen Zank um die Vergabe von Bierzelt-Genehmigungen.)

Die Büro-Temperatur war weiterhin angenehm, Kühldecken exakt für mein persönliches Wohlbefinden eingestellt.

Dennoch wollte ich raus, tat das auch ins Westend auf meinen Mittagscappuccino.

Es war nicht schön da, viel zu heiß. Auf dem Rückweg erinnerte ich mich an einen Trick, den ich schonmal bei Starkregen angewendet hatte: Ich ging fast die Hälfte unterirdisch, nämlich die U-Bahnhöfe Theresienhöhe und Heimeranplatz entlang – gut gekühlt, bei einfahrenden U-Bahnen sogar mit Ventilation.

Zu Mittag gab es Aprikosen und eine Flachnektarine, außerdem Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Über den Nachmittag wurde es auch im Büro immer wärmer, ich sah meinen Knöcheln beim Anschwellen zu. Gleichzeitig: “Ich kann nicht mehr sitzen” / “Ich kann nicht mehr stehen” in 15-Minuten-Zyklen.

Heimweg jeden Schatten suchend (und wieder zweimal unterirdisch), möglicherweise büßte ich hitzegebeugt fünf Zentimeter Körpergröße ein. Einkäufe für die nächsten Abendessen beim (herrlich gekühlten) Süpermarket Verdi.

Zu Hause Yoga, Wäscheaufhängen, dann bereitete ich das vereinbarte Abendessen zu, genauer: richtete es an.

Wassermelone und Minze (beides vom Verdi) mit Feta und Crema di Balsamico. War tatsächlich genau das Richtige. Nachtisch Honigwaffeln und Schokolade.

Beunruhigende Nachrichten aus der Tagesschau: Es wird noch heißer werden, am Wochenende reißt praktisch ganz Deutschland die 40-Grad-Grenze. Die Temperatur in der Wohnung war noch gut erträglich, steigt aber spürbar.

Im Bett wechselte ich zu leerem Überzug zum Zudecken, alles andere war bei gemessenen 25 Grad im Schlafzimmer zu viel.

§

Material, Preis, Passform, Absatzhöhe – schön und gut. Ich möchte künftig als Info über Sandalen auch das Geräusch beim Gehen wissen, bevor ich über Kauf entscheide.
Hiermit liefere ich nach: Die Cloudstepper von Clarks machen Squasch-Schlap, ziemlich laut. Muss man mögen – und besser vor Kauf wissen.
@giardino lieferte den Link zum Blogtext von 2006 dazu, der das Thema abschließend erfasst:
“mein rechter schuh.”

Journal Montag, 22. Juni 2026 – Start in Hitzewoche

Dienstag, 23. Juni 2026

Start der Woche 6 vor Urlaub.

Als ich bereits kurz nach fünf aufwachte und ein Wiedereinschlafversuch in Angststrudeln landete, ließ ich die Nacht Nacht sein. Herr Kaltmamsell neben mir (geteiltes Bett, weil meines den Gast beherbergte) war ebenfalls schon munter, wir standen auf. Ab gestern werden die Tage wieder kürzer, zumindest Helligkeit versuche ich aus diesen übel heißen Tagen rauszuholen.

Der vorzeitige Start in den Morgen war mir ganz recht, denn ich hatte am Vortag den Journal-Post im Blog noch nicht mal begonnen. Nach Pflanzengießen setzte ich mich auf den angenehm kühl umwehten Balkon und bloggte los.

Auch auf dem Weg ins Büro fühlte sich das Draußen noch schön an.

Geordnet losgearbeitet, doch schnell stellte ich fest, dass ich ohne das Adrenalin von Querschüssen ganz schön müde war, durch das frühe Aufwachen und Aufstehen in den vergangenen Tagen fehlte mir dann doch Schlaf.

Wie mag dieses Heupferd wohl in den 13. Stock geraten sein, wo ich ihm bei meinem Treppengang begegnete?

Mittagsspaziergang um die Blöcke, im Schatten war es gut auszuhalten (Sonne sehr unangenehm).

Spätes Mittagessen, weil ich einen Job nicht unterbrechen wollte: Aprikosen, Nektarinen, Buttermilch.

Zu Feierabend besonders unauffälliger Aufbruch: Gestern feierte der Arbeitgeber seine Sommergeselligkeit (auf Basis von Mitgebrachtem und Selbstzahlen, er darf Mitarbeitende nicht einladen), für mich ein Spezial-Foltereck des Höllenfeuers, doch diesmal konnte ich für meine Abwesenheit sogar die Rechtfertigung Übernachtungsbesuch vorweisen – ich musste die Karte aber nur zweimal ziehen.

Heimweg in mittelunangenehmer Hitze über Einkäufe.

Zu Hause erneute Begrüßung von Übernachtungsbesuch, ich ließ mir die München-Eindrücke des Tages erzählen: Ja, die höchst hinderliche Verbaustellung der Münchner Innenstadt fällt auch Externen auf, wir Einheimischen stellen uns nicht nur an.

Herr Kaltmamsell hatte ein Festmahl zubereitet und servierte Rinderrippen auf selbsterfunden mexikanische Art mit Cornbread.

Sehr gutes Essen in wohltemperierter Wohnung, Austausch mit Gast bis frühe Müdigkeit.

§

Vorreiterin im Kampf gegen tief verwurzeltes Unrecht: Nevenka Fernández war vor 25 Jahren in Spanien die erste Frau, die ihren Chef erfolgreich gegen sexuelle Belästigung verklagte.
“Vorkämpferin für Frauenrechte in Spanien
25 Jahre Schweigen”.

Wofür sie bis heute büßt. Hören wir bitte nicht auf darüber zu sprechen, warum nur ein Bruchteil der Opfer sich wehrt oder gar an die Öffentlichkeit geht:

„Dass ich darüber gesprochen habe, hat mich gerettet“, erklärte die junge Frau nach dem Urteil, das sich schnell als Pyrrhussieg erweisen sollte. Denn der gerichtliche Erfolg war ihre soziale Niederlage. Ein Großteil der Bevölkerung der Kleinstadt drehte ihr den Rücken zu, feindete die couragierte Frau an. Der Fall spaltete eine ganze Region. Arbeit zu finden war für Fernández in Spanien fortan unmöglich. Sie musste gehen. Erst nach England, dann nach Irland, wo sie bis heute lebt.

§

Am Sonntag war ich auf der Bahnfahrt doch noch zum Zeitunglesen gekommen. Ich hatte mir das SZ-Magazin vom Freitag für eine ruhige Minute aufgehoben: Die Titelgeschichte des deutschen Schriftstellers Navid Kermani würde mich sehr wahrscheinlich ziemlich mitnehmen, die konnte ich nicht mal kurz dazwischen weglesen. Und so war es dann auch (€):
“Der vergessene Bürgerkrieg im Sudan”.

Laut den Vereinten Nationen die derzeit größte humanitäre Katastrophe weltweit (und das bei einer großen Auswahl). Was den Artikel besonders lesenswert macht: Kermani kennt den Sudan von einer vorherigen Reise im Frieden als Student und hatte bereits ein Bild und Hintergrundwissen.

§

Sophie Duvernoy hat Die Effingers von Gabriele Tergit (das mir sehr gut gefiel) ins Englische übersetzt. Für die London Review of Books hat Michael Hofmann den epischen Familienroman besprochen, mit lesenswerten Beobachtungen:
“Let me count the geese”.

Journal Sonntag, 21. Juni 2026 – Johannistag im Elterngarten

Montag, 22. Juni 2026

Ein Tag mit Programm: Angrillen bei meinen Eltern, Übernachtungsbesuch aus Berlin. Da ich sehr gerne an der Isar Laufen gehen wollte, und das bei der Hitze frühmorgens eh am besten war, legte ich die Runde vor dieses Programm und stellte mir einen Wecker.

Ich trank meinen Balkonkaffee, ein Amslerich trank aus der Wasserschale.

Gut vor acht verließ ich das Haus in ganz kurzen Laufhosen, um über Alten Südfriedhof an die Wittelbacherbrücke zu traben. Schon jetzt heizte die Sonne so stark, dass ich mich für die Schattenstrecke im Westen entschied.

Ich lief leicht und gut, schon jetzt war neben den erwarteten Hundgassiführer*innen viel Laufvolk unterwegs.

Auch gestern was gelernt dank der App Flora Incognita: Moschus-Malve heißt das vertraute Blümelein am Wegesrand, hier fotografiert am Westermühlbach (habe jetzt die Ortungsfunktion der App freigeschaltet, um mich am Datensammeln für Forschung zu beteiligen).

Hier erlebte ich zum ersten Mal einen Hund mit Höhenangst: Er wurde von seiner Besitzerin unter vielen lieben Worten über den Flauchersteg gezogen und guckte exakt so panisch und verängstigt, wie ich es von Familie mit Höhenangst kenne, wenn sie eine Brücke betreten muss, durch die sie durchsehen kann – die Planken des Flaucherstegs lassen genau solche Lücken.

Lay-down-Floaten statt Stand-up-Paddeln im Isarwerkkanal.

Um den Brunnen am Schleusenwärterhäusl war nicht nur ich froh für Wassernachschub: Es wurde Schlange gestanden.

Einmal um den Hinterbrühler See und dann zurück nach Hause.

Verbindung zwischen altem und neuerem Teil des Alten Südfriedhofs.

Zum Münchner Gleisende spazierte ich allein in Prügelhitze: Herr Kaltmamsell blieb daheim, um mittags den Übernachtungsbesuch zu begrüßen.

Angenehme Fahrt in der klimatisierten Regionalbahn nach Ingolstadt, allerdings musste ich den hartnäckigen Gesprächsversuchen des Herrn gegenüber ausweichen, der meine Signale des Zeitungsleseversuchs inklusive fehlendem Einstieg auf seine Antwort-Prompts einfach nicht wahrnehmen wollte.

In Ingolstadt sehr langsamer Weg zum Elternhaus in prügelnder Hitze. Aber dann wurde es wirklich schön: Meine Eltern erzählten von ihrer kürzlichen Reise, die Bruderfamilie war dreiköpfig dabei, ich erfuhr unter anderem Vorbereitungen einer weiteren Reise.

Auch wenn es im Haus meiner Eltern wunderbar kühl war: Wenn gegrillt wird, sitzt man draußen. Dort servierte meine Mutter vom Grill Brotscheiben, Garnelen, Schweinebauch, Koteletts vom Altmühltaler Lamm (so viel besser als am Freitag die im Restaurant), dazu gab es einen Grillgemüsesalat, den meine Mutter in der Provence kennengelernt hatte und der ebenfalls hervorragend schmeckte. Ich aß so reichlich, dass ich beim Dessert Erdbeerkuchen passen musste und beim Espresso blieb.

Zwar machte am Himmel die eine oder andere Wolke samt Donnergrollen Hoffnung auf Abkühlung, erfüllte sie aber nicht. Zurück zum Bahnhof Ingolstadt Nord ging ich in weiterhin prügelnder Hitze. Umso angenehmer war die klimatisierte Regionalbahn, kurz blitzte die Idee auf, einfach bis zur nächtlichen Abkühlung darin sitzen zu bleiben, schließlich habe ich ein Deutschlandticket. Die Verspätung, mit der wir in München eintrafen, war nie willkommener. Wobei ich beim Verlassen des Zugs erleichtert feststellte, dass es in München nicht ganz so brutal heiß war.

Daheim saß der Besuch und bereitete Freude. Herr Kaltmamsell servierte zum Nachtmal aus Ernteanteil-Mangold und -Brokkoli Rachel Roddys Picknick Pie, ich machte dazu Gurkensalat. Vor allem aber Austausch mit Besuch bis Schlafengehen.

Journal Samstag, 20. Juni 2026 – Langsames Einstellen auf lange Hitze

Sonntag, 21. Juni 2026

Nicht so lange geschlafen, wie ich mir nach dem späten Einschlafen gewünscht hatte, dafür hatte ich mehr vom Morgen.

Und konnte nach Morgenkaffee und Häuslichkeiten früher als sonst zum Schwimmen aufbrechen, denn ich fürchtete mich vor Hitze und Menschenmassen.

Obwohl ich deutlich vor zehn ankam, stand an der Kasse die längste Schlange, die ich bislang am Dantebad erlebt habe. (Mochte mir der Einzelbesetzung zu tun haben, an Freibadtagen gibt es sonst eine weitere Kasse außen am Gebäude.) Ich spazierte mit meiner Bäderkarte an all den vor allem Familien mit kleineren Kindern vorbei, an denen wie im Ali-Mitgutsch-Wimmelbuch meines kleinen Bruders viel aufgeblasenes Badegetier und sonstige sichtbare Freibadausstattung hing.

Im Sportbecken war bereits sehr viel los, doch es wurde ein schönes Schwimmen: lauter freundliche Leute auf der Bahn, dann geht’s. Markante Schwimmfigur gestern, die ich immer wieder sehe: Schwarzer Ganzkörper-Anzug und Badehaube, an den Händen große Paddel, darin schwimmt sie bäuchlings, wobei bei jedem Zug die Beine fast geschlossen einmal abgeknickt werden, die Arme schräg nach unten einmal das Wasser umrühren. Sie kommt damit so langsam voran, dass ich sie oft überhole und mich jedesmal an der Eigenwilligkeit der Fortbewegung freue.

Ein Stündchen Sonnenbaden auf der noch überwiegend grünen Liegewiese. Die Hitze war mit Kappe gut aushaltbar, auf den Ohren hatte ich Thomas Newmans Musik zum Film Road to Perdition, den mir kürzlich eine überraschende Nachwuchs-Filmmusik-Kennerin empfohlen hatte.

Heimradeln über Semmelkauf war dann allerdings bereits an der Grenze zu unangenehm, sobald ich in die Sonne geriet.

Frühstück kurz nach zwei: Vollkornsemmeln mit Butter und Tomatenscheiben – Sommerfrühstück!

Außerdem aß ich eine der roten Aprikosen, die ich beim Lidl gekauft hatte: Sensationell! Ich verließ das Haus nochmal, um beim nächstgelegenen Lidl Nachschub zu besorgen. Da draußen war es wirklich, wirklich heiß, nicht schön.

Zurück daheim fühlte ich mich sehr wacklig und müde, ich legte mich aufs Sofa und schlief richtig ein.

Zeitunglesen, Häuslichkeiten, eine Runde Yoga.

Zum Nachtmahl gab es Hitzeessen, Co-Produktion von Herr Kaltmamsell und mir:

Tomaten-Nektarinen-Salat mit Burrata und Basilikum (Salz, Pfeffer, Olivenöl), dazu Toskana-Brot, im Glas Rosé aus Gols, Pittis Koenig (Blaufränkisch, St.Laurent), der hervorragend passte.

Nachtisch Schokolade.

Als ich ins Bett ging, war in der Wohnung die Temperatur immer noch angenehm, draußen viel zu warm. Nachdem für die nächsten Tage ähnliches Wetter angekündigt ist, sehe ich eine Woche mit geschlossenen Fenstern auf uns zukommen.

Journal Freitag, 19. Juni 2026 – Vorgezogenes Sonnwendfeiern, diesmal bei Hitze

Samstag, 20. Juni 2026

Sommerhitze heißt: Balkonkaffee an Werktag.

Arbeitsweg in Hochsommerkleidung, noch war es angenehm frisch in der Morgensonne.

GUTE Neuigkeiten! An der Theresienwiese (Ostseite, bei der Beethovenstraße) gibt es jetzt einen Trinkwasserbrunnen. An den vorherigen Morgen hatte ich Menschen daran trinken und sich kühlen sehen, gestern diesen Hund.

Überm Westend schrillten Mauersegler-Schwärme, zum ersten Mal nahm ich wahr, dass es auch Varianten des schlichten SCHRILL! gibt, nahezu melodiös.

Mein Styling-Kompliment an eine fremde Frau lief diesmal ins Leere: Ich sah zu spät, dass die Passantin ihre Ohren mit Kopfhörern verschlossen hatte, meine Geste und Worte führten lediglich zu einem verwirrtem Blick.

Überraschend emsiger Vormittag, aber nach einer Besprechung fand ich Zeit für einen Mittagscappuccino im Westend: Weg in der Hitze immer schön im Schatten und nicht zu schnell.

Mein Büro lies sich mit geschlossenem Fenster und offener Tür ins luftige Atrium gut temperieren, dennoch begann um die Mittagszeit massiver Schwindel. Dagegen konnte ich eh nichts machen, also versuchte ich es mit Ignorieren.
Mittagessen Quark mit Joghurt und Leinsamenschrot, außerdem Banane und Aprikosen.

Überfallartig emsiger Nachmittag, das lenkte mich zumindest vom Schwindel ab.

Pünktlicher Feierabend, sehr gemächlicher Heimweg über nötigste Einkäufe. Zum zweiten Mal in einer Woche sprachen mich amerikanische Missionare an (sehe ich als kosmischen Ausgleich für das Missionarsunheil, das meine angestammte katholische Religion historisch begangen hat): Diese waren Mormonen mit dem Buch Mormon in der Hand, Einstiegsfrage, ob ich dieses Buch kenne. Wie immer blieb ich freundlich, beendete das kurze Gespräch dann aber doch mit einem ehrlichen: “Es freut mich für Sie, dass sie etwas erfunden haben, das Sie glücklich macht, weiterhin alles Gute.”

Zu Hause nach Abkühlen eine Folge Yoga – in Adrienes letzem 30-Tage-Programm “Flow” sind sie mir mit 15 bis 23 Minuten wirklich zu kurz: So wenig bewege ich mich nicht, dass die sich nach Wirkung anfühlen.

Für den Abend war ich mit Herrn Kaltmamsell zum leicht vorgezogenen Sonnwend-Essen verabredet, im Romans mit weiterhin einem der schönsten Gastgärten eines Restaurants in München. Diesmal mussten wir keine Regenströme befürchten, sondern die große Hitze. Irgendwas ist immer, Wetter können wir halt nicht kontrollieren, und das erleichtert mich sogar.

Dritter Einsatz der Hochzeitsschuhe von 2024. Wir brachen so rechtzeitig auf, dass ich langsam gehen konnte.

U-Bahn nach Neuhausen. Mit uns trafen noch viele, viele weitere Gäste ein, die ebenfalls um sieben reserviert hatten. Ich machte mich auf lange Wartezeiten für alles gefasst, doch das freundliche Personal hatte den Ansturm gut im Griff.

Zwei verschiedene Spritz als Aperitif (meiner mit Sarti), als Vorspeise hatte ich von der Tageskarte (-tafel) einen Ziegenkäse-Cheesecake mit Lachs und Kaviar gewählt.

War gut – aber wie eigentlich das meiste auf der Speisekarte nicht so richtig italienisch. Hauptsache gut. Als Wein hatte ich mir schon vorher mal wieder einen Vermentino gewünscht und bestellte einen sardischen solchen. Der Alkohol tat mir sehr gut. Mit seiner Entspannung konnte ich Herrn Kaltmamsell ein wenig von der vergangenen Woche erzählen, ließ mir von ihm Details seiner berichten.

Als Hauptgang ließ sich Herr Kaltmamsell hausgemachte Ravioli mit Kabeljau-Füllung servieren, ich Lammkoteletts mit Kartoffel-Provolone-Plätzchen und Spinat.

Zu meiner Erleichterung sank die Temperatur deutlich und wurde lediglich angenehm warm. Es ließ sich hervorragend aushalten, ich vermisste meinen vergessenen Fächer nicht. Sogar auf Dessert hatte ich noch Lust und überredete Herrn Kaltmamsell, mich zu begleiten: Schokoküchlein mit flüssigem Kern (Foto vergessen). Jetzt war ich aber wirklich sehr voll.

Daheim war die Wohnung weiterhin schön kühl, wir ließen Fenster und Türen nach draußen zu, Ausnahme Fenster in den kühlen Innenhof.

Journal Donnerstag, 18. Juni 2026 – Hitzeeinbruch

Freitag, 19. Juni 2026

Bis drei sehr gut, dann nur noch unruhig geschlafen.

Noch kam es vom sonnigen Draußen frisch rein: Ich öffnete viele Fenster und Türen, machte die Wohnung erst kurz vor Aufbruch hitzefest mit Rollläden und geschlossenen Fenstern – denn heiß sollte es auf jeden Fall werden.

Auf dem Weg in die Arbeit genoss ich erstmal das Hochsommerlicht.

Doch schon bei einem Dienstgang kurz vor zehn wogte die Hitzewelle an.

Verabredung mit meinen Eltern fürs Sonntagmittagessen: Sie sind zurück von ihrer Reise und ich habe große Sehnsucht nach ihnen.

Mittagscappuccino aus der Cafeteria, später spazierte ich eine Runde um die Blöcke. Obwohl ich in der jetzt nicht mehr anders zu nennenden Hitze lieber nicht schnell ging, war mir am Ende kreislaufwacklig schwindlig. In der Gollierstraße hatte ich beobachtet, wie ein recht großer, angeleinter Hund sich neben seiner stehengebliebenen Besitzerin einfach rücklings auf den schattigen Gehweg legte, Beine mit abgeknickten Pfoten in die Luft. Vielleicht hätte ich nicht nur laut “Vorbild!” scherzen sollen, sondern es ihm exakt nachmachen.

Zu Mittag gab es eingeweichtes Muesli mit Joghurt, außerdem Aprikosen und Nektarinen. Ruhig wegzuarbeitender Nachmittag. Während es draußen wie angekündigt richtig heiß wurde, hielt ich mein Büro angenehm temperiert – was bei meinem Kreislauf nicht recht ankam, er wackelte dennoch wie in Hitze.

Direkter Heimweg – gemessenen Schrittes.

Die dreireihigen Linden um die Theresienwiese in Blüte und Duft.

Daheim riss ich mir wieder die Beinhaare aus, dann turnte ich eine neue Folge Pilates von Gabi Fastner – wieder mit neuen unbekannten Übungen, spannend.

Der Ernteanteil hatte keinen Salat gebracht, also bereitete Herr Kaltmamsell die chinesische Keule aus Ernteanteil als Nachtmahl zu und servierte sie mit Bratkartoffeln und Spiegeleiern. Gut! Zum Nachtisch schlossen wir die Erdbeer-Saison ab, dann gab’s noch Schokolade.

Auffallend dieses Jahr: Wie sehr sich immer weiter von der Standard-Erdbeerschachtel entfernt wird.

Sehr früh ins Bett zum Lesen, ich amüsiere mich weiterhin, wie Vicki Baum in Zwischenfall in Lohwinckel einen Landarzt erschafft, so gar nicht das Zeug zum TV-Serienhelden hat, grantig und fachlig untermittelmäßig (er ist aber nicht die dominierende Figur).

§

Die herzzereißende Geschichte eines offenen Port 22 und wen Arman Hossain damit anlockte.
“I Left Port 22 Open on the Internet for 54 Days.
Here’s Who Showed Up.”

via @herr_rau

Ich verstehe die Technik fast gar nicht, nur genug, um die Geschichte zu erfassen und super zu finden.
Hat denn niemand ein IoT-Maschinchen, das 3245gs5662d34 und 345gs5662d34 eine Heimat geben könnte?!

Together, they account for over 11,000 attempts.

§

Jemand mit beruflicher Expertise in diesen Dingen schreibt:

Autonomie ist in jedem Alter wichtig. Noch wichtiger ist es, Hilfe annehmen zu können, damit die Helfenden nicht aufgeben und man selbst nicht in seiner Angst versinkt und damit dann schon jede Autonomie verloren hat.

Hier der zugehörige Blogpost, oben der Anlass des Hinweises:
“Posthornschnecken”.

Puh. Bislang berücksichtige ich als Vorbereitung für ein möglichst Leid-armes Alter bereits:
– Bewegung (das ist das Einfachste für mich, weil eh ein Bedürfnis, etwas Aufmerksamkeit erfordert lediglich, alle Bereiche Kraft, Cardio, Mobilität abzudecken)
– Aktive Pflege menschlicher Kontakte inklusive Nachschubsicherung (wofür ich mein starkes Eigenbrötlertum überwinden muss, aber Wirkung wissenschaftlich erwiesen)

Jetzt wird mir klar, dass ich rechtzeitig lernen muss, Hilfe einzukalkulieren. Das ist für mich, die mit SELBER! praktisch geboren wurde, ausgesprochen schwer. (Bislang so: No man is an island? Das wollen wir doch mal sehen.)

§

Where you’ll see a rare bird.