Fotos

Journal Freitag, 17. August 2018 – Bandscheibenspaß und Beifang aus dem Internetz

Samstag, 18. August 2018

Ein frische Sommermorgen mit Bandscheibenspaß: Der Fußweg in die Arbeit wieder höchst interessant. Im Büro bestand der Vormittag hauptsächlich aus Kampf – nämlich um eine Sitzposition ohne grenzwertige Schmerzen in Kreuz und Bein. Aber wie wunderbar, als ich diesen Kampf gewonnen hatte! Auf dem Heimweg aber derselbe Schmerzspaß wie morgens, ich war mit Veratmen beschäftigt.

Daheim machte ich die ersten Handgriffe am Nachtmahl und legte mich dann in Stufenlage auf den Boden. Doch zum ersten Mal verschaffte mir das keine Linderung, sondern verstärkte die Schmerzen – ich hielt nicht mal 15 Minuten durch. Also verlegte ich mich auf Alkohol (Aperol Spritz) und Ibu, was tatsächlich wirkte. Und ich werde zefix dann doch mal wieder zur Hausärztin gehen, vieleicht hat die medizinische Forschung ja eine Sprunginnovation gegen die Auswirkungen von Bandscheibenvorfällen hervorgebracht, die ich noch nicht kenne.

Zum Nachtmahl servierte ich Dorade mit Bulgursalat, schmeckte sehr gut.

Nachtisch war die Panna Cotta vom Vortag – nach Langem war es mir mal wieder passiert, dass sich die Gelatine abgesetzt hatte (zu heiß in die Förmchen gefüllt?). Die rote Sauce dazu ist das Johannisbeergelee aus Nachbarinnenfrüchten: Herr Kaltmamsell hatte sich ums Entsaften und Einkochen gekümmert, nur war das Gelee nicht richtig fest geworden.

§

Aus gegebenem Anlass: Früher (TM) kam es schon mal vor, dass man beim Einkaufen etwas im Wagen hatte, das man dann doch nicht haben wollte. Dann ging man damit zurück zum Regal und stellte es dort hin, woher man es genommen hatte. Wann wurde dieses naheliegende Verhalten dadurch ersetzt, dass man diese Ware beim Anstehen an der Kasse ins nächstbeste Regal oder direkt zwischen die Quengelware am Kassenband schob? Das beobachte ich mittlerweile bei jedem zweiten Einkauf. (Einmal schmuggelte ich im Drogeriemarkt einer Frau das Fläschchen Handdesinfektion, das sie ihre Begleitung während des Anstehens extra aus einem entfernteren Regal hatte holen lassen und dann doch in die Quengelware schob, unter ihre sonstige Ware auf dem Kassenband.)

Apropos:
„Shoppers are buying clothes just for the Instagram pic, and then returning them“.
via @tknuewer

§

Die historische Bedeutung von Aretha Franklins Biografie:
„Aretha Franklin’s Revolution“.

Franklin’s 76 years on Earth bookended a grand arc of tumult, letdowns, progress, setbacks, terror, and hope in American history. That in itself might not be a remarkable feat so much as a reminder that all black people older than 53 have seen and lived through hell.

§

Wie eine Elfjährige in Kanada mit einem science project Lokalpolitik machte:
„How One Kid Stopped the Contamination of a River“.

To halt the illegal flow of raw sewage into Nova Scotia’s LaHave River, it took a determined 11-year-old with water samples and a Facebook page.

via @MaikNovotny

§

Wenn wir schon mal bei folgenreichen Schulprojekten sind (die Übergänge sind immer das schwerste): Bei einer Recherche für den Geschichtsunterricht fand ein 14-Jähriger in Dänemark das Wrack eines deutschen Kampfflugzeugs aus dem Zweiten Weltkrieg. Inklusive Pilot.
„Boy finds WWII plane with pilot’s remains in cockpit“.

§

Die Tätigkeit des Grabens und die Geschichtswissenschaft führen uns zu folgendem Artikel:
„Kaum Gepinsel, keine Dinos: Grundkurs Archäologie für Journalisten“.

Darin unter anderem das wundervolle Wort Truffel (Archäologenkelle).

§

Und wieder etwas Großartiges, was bislang komplett an mir vorbei gegangen ist: Crosswalk Musical. James Corben, der auf großartigste Weise einen an der Waffel hat, führt berühmte Musicals auf der Straße auf. In den Grünphasen von Fußgängerampeln.
Zum Einstieg empfehle ich:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/Mmmw4FmDl-s

Und jüngst wirkte Andrew Lloyd Webber höchstselbst mit.

Journal Donnerstag, 16. August 2018 – Wanderurlaubsvorbereitung

Freitag, 17. August 2018

Ein sonniger Tag mit kühlem Morgen (= kein Balkonkaffee).

In der Mittagspause Wanderurlaub weitergeplant. Die Website zum Westerwaldsteig hatte mir alles Nötige zur Verfügung gestellt, ein Büchl dazu habe ich auch schon besorgt. Nur zwei Punkte waren für mich noch offen:
1) Würde ein bestimmter Zug zu einer bestimmten Zeit fahren? (Meine Leib- und Magenwesterwälderin hatte gewarnt.)
2) Am Ende einer Etappe hatte ich keine Unterkunft gefunden, sondern lediglich den Hinweis auf Taxidienste, die zur nächsten Ortschaft mit Unterkunft fahren würden. Gab es da wirklich keine Pension, kein Hotel?
Beides klärte ich in einem Telefonat mit dem ganz zauberhaften Westerwald Touristik-Service:
1) Ja, zu diesem Zeitpunkt sind alle Bauarbeiten auf der Strecke abgeschlossen.
2) Es gibt eine Unterkunft.
Die Wartemusik beim Durchstellen zur Wanderspezialistin: „Ich bin aus’m Westerwald.“ (Die überhaupt nicht nach dem einen Westerwälder klingt, den ich mal sehr gut kannte. Aber der ist ja auch ausgewandert.)

Wenn die Unterkünfte stehen, muss ich mich noch nach einem Gepäcktransport umsehen.

Abends auf dem Heimweg ein paar Einkäufe, unter anderem für die Panna Cotta, die ich gestern für Freitagabend zubereitete.

Das Abendessensbild heute für Fleischphobiker: Gemischter Salat aus Ernteanteil.

Zum Nachtisch Schokolade. Ich hatte vergangene Woche im Lindt-Laden am Stachus verschiedenste Sorten Lindor lose gekauft – und stelle seither fest, dass es dafür die falsche Jahreszeit ist: Bei einr Zimmertemperatur von 23/24 Grad sind sie zu weich, aus dem Kühlschrank sind die gefüllten Kugeln zu kalt und hart. Vielleicht sollte Lindt es Ferrero gleichtun und eine Sommerpause für bestimmte Produkte einlegen.

Als Abendvergnügen holte ich eine ZDF-Sendung nach:
„Terra X
Der große Bluff
Meisterbetrüger der Geschichte“.

Die Hauptattraktion: Im dritten Teil spielt die Grande Dame der deutschen Bloggeria mit – Gaga Nielsen! Aber am besten lesen Sie bei ihr selbst.

§

Aretha Franklin ist gestorben. Da ich schon immer eine Musikidiotin war, lernte ich sie erst mit 15 durch ihre Nummer in Blues Brothers kennen. Die Songs des Films konnte ich mitsingen, bevor ich den Film zum ersten Mal sah – der Soundtrack lief Anfang und Mitte der 80er auf allen Partys. Von Aretha Franklin lernte ich aus diesem Film zudem, dass man mit genug Stil sogar Hauspantoffel rocken kann.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/cGXU7268Z50

(Zudem hatte sie eine klare Meinung darüber, wer über ihr Aussehen urteilen durfte und wer nicht.)

Journal Mittwoch, 15. August 2018 – Mariä-Himmelfahrts-Wandern von Kirchseeon nach Aying

Donnerstag, 16. August 2018

Ausgeschlafen bis halb acht, dennoch müde.
Vormittags verschickten wir den ersten Termineinmerker für das große Fest nächstes Jahr an die E-Mail-Kontakte – ich freute mich, wie wenig Bounces dabei waren.

Beim Wimmer holte ich Semmeln für ein mittägliches Frühstück, bevor wir den lange geplanten Wandertag antraten – das Wetter war mit gemischten Wolken und mit Temperaturen in den mittleren Zwanzigern genau richtig dafür.

Wir fuhren mit der S-Bahn nach Kirchseeon, um nach Aying zu gehen (haben wir schon einige Male gemacht).

Aufregendes beim Warten auf die U-Bahn am Sendlinger Tor; der Bahnhof wird ja derzeit und noch eine ganze Weile renoviert: Markierungen der Risse und Löcher auf der Wand gegenüber dem Bahnsteig.

Doch zurück zur eigentlichen Wanderung. Neu war diesmal, dass auf dem einstigen Wanderweg sehr viele Radler unterwegs waren, die Beschilderung ist inzwischen sogar ausschließlich auf Radler ausgelegt. Etwa die Hälfte der Fahrzeuge war motorisiert. Hoffentlich gibt es irgendwann überhaupt noch echte Wanderwege.

Besondere Vorkommnisse: In einem Waldstück blieb Herr Kaltmamsell vor mir abrupt stehen und deutete vor sich: „Die bewegt sich noch!“ Eine Kröte lag da auf dem matschigen, moorigen Weg in einer Fahrradspur auf dem Rücken: Wir drehten sie mit einem Stecken um, gossen Wasser dabenen. Sie bewegte sich ein wenig, sah aber immer noch seltsam verknotet aus. Ich hob sie auf die Seite neben dem Weg, damit sie nicht überfahren wurde – und war erstaunt, wie weich sie sich anfühlte.

Besonders fit waren auch wir gestern nicht. Meine Schmerzen hielten sich zwar in Grenzen, doch meine Beine waren sehr schwer und ich atmete nicht so leicht wie sonst.

Unser Ziel nach fast fünf Stunden: Aying.

Der Biergarten in Aying ist von einer so entwaffnenden Idyllizität, dass ihr auch noch so viele Radlwanderer in voller Kunststoffmontur nichts anhaben können.

Das Bier war hervorragend und stand auf Bierfilzln für Geisteswissenschaftlerinnen.

Herr Kaltmamsell bestellte nur ein wenig Leberkäs mit Spiegelei und Kartoffelsalat (gilt in Bayern als Snack), um mir bei meinem Brotzeitbrettl helfen zu können (geht in Bayern mit all dem Käse und Gemüse als vegetarische Mahlzeit durch).

Ich teilte allerdings nicht nur mit ihm, sondern auch mit einer besonders emsigen Wespe.

An einem Nebentisch größere Kinder, die mir aus dem Augenwinkel auffielen, weil sie nicht mit Messer und Gabel umgehen konnten, sondern beides geradezu körperverletzlich mit der Faust bedienten. Ganz im Gegensatz zu dem ziemlich kleinen Kind an einem anderen Nachbartisch, das vergnügt und manierlich seinen Kaiserschmarrn mit Apfelmus gabelte. (Keine Zivilisationsuntergangszenarien hier: Auch in meiner Kindheit gab es Kinder, die nicht mit Besteck essen konnten.)

Auf dem Weg zum Ayinger Bahnhof entdeckten wir noch ein Marterl – ich liebe diese bayerischen Totengedenken mit Geschichte.

Zurück in München am heimischen U-Bahnhof noch schnell einen Pokémon-Raid mitgenommen, am nächtlichen Vergnügen im Nussbaumpark vorbeispaziert: Es gab gerade sehr schöne Live-Musik.

Das wildesten Erlebnis des Tages hatten wir dann direkt vor unserer Haustür: Ein Sperber kam unter einem parkenden Auto hervor, wo er gerade eine Maus geschlagen hatte. Er flog damit auf eine Brüstung um einen der Bauarbeitercontainer der benachbarten Baustelle und begann zu fressen.

§

George Monbiot schreibt im Guardian darüber, wie er ein Foto vom Strand in Brighton aus dem Jahr 1976 sah und höchst verblüfft bemerkte, wie wenige Menschen darauf dick waren. Er macht sich auf die Suche nach den Gründen – und widerlegt die meisten bisherigen Erklärungen.
„We’re in a new age of obesity. How did it happen? You’d be surprised“.

via @vinoroma

Journal Dienstag, 14. August 2018 – Reise an einen vergangenen Balkan

Mittwoch, 15. August 2018

Frischer Morgen, doch der Regen hatte aufgehört.

Da der Mittwoch einer der abwegigen bayerischen katholischen Feiertage ist, hatte ich mich für den Abend davor mit Herrn Kaltmamsell zum aushäusigen Essen verabredet.

Seit ich ihn kenne, schwärmt er mir von einem damals noch jugoslawischen Lokal seiner Jugend vor, der Sternklause in Augsburg. Dort habe es eine Balkan-Platte von legendärem Umfang gegeben, mit der er und seine Rollenspielfreunde sich ins Fresskoma gefuttert hätten. Jugoslawien versank in einem entsetzlichen Bürgerkrieg, damit verschwand nach und nach auch der klassische „Jugo“, der zur gastronomischen Ausstattung jeder deutschsprachigen Stadt gehört hatte.

Doch es bleiben Spuren. Eine in München entdeckte ich auf den instagram-Bildern von @sammykuffour: Den Damatinergrill beim Prinzregentenplatz. Dorthin führte ich Herrn Kaltmamsell gestern Abend aus.

Die Balkanplatte hieß Dalmatiner-Platte und war eigentlich das langweiligste auf der Speisenkarte. Aber dafür waren wir nunmal gekommen, also bestellten wir sie.

Wir saßen wie alle Gäste des Abends auf der Terasse hinterm Haus, dafür war es warm genug, und tafelten die Platte nieder (bis auf den Tomatenreisbrei „Djuvec-Reis“).

Das Lokal ist komplett aus der Zeit gefallen (wie die Süddeutsche schon 2014 konstatierte) und sieht noch exakt so aus wie die Jugos der 70er und 80er, fast alle Gäste wirkten ähnlich anachronistisch: Als wir eintrafen, herrschten Rentner Marke Kegelklub vor (dass man die in München überhaupt sieht!), erst später kamen jüngere Leute der Generation Undercut plus langer Vollbart. Herrlich.

Fleisch und Ajvar waren sehr gut, die Deko etwas vorgestrig angetrocknet. Am Nebentisch wurde Mokka serviert, vom launigen (freundlichen und flinken) Kellner mit tagespolitischen Kommentaren zur türkischen Lira und Trump begleitet. Den bestellten auch wir.

Auf dem Weg zurück zur U-Bahn bemerkte ich, dass ich diesen sehr hübschen Teil Münchens (und im Grunde ganz Bogenhausen) überhaupt nicht kenne; da werde ich wohl mal gezielt spazieren gehen.

§

Richard C. Schneider erlebt den Nahen Osten in Berlin:
„So kann ein Tag beginnen“.

§

Doch nochmal das leidige Thema Brexit – es geht ja nicht weg vom Beschweigen. Diesmal im Economist:
„No deal is often better than a bad deal. Not with Brexit“.

Even with extensive (and expensive) planning, leaving the EU without a deal would have been difficult. As things stand, almost no work has been done to prepare for such an eventuality. Lately, Britain has taken to outlining desperate-sounding plans to stockpile medicine and set up electricity generators. Chaos would be hard to avoid.

via @Christiane

Journal Sonntag, 12. August 2018 – Verschwinden Eiscafés?

Montag, 13. August 2018

Morgens war es auch gestern zu kühl für Balkonkaffee, doch über den Tag kam die Hochsommerhitze zurück.

Ich spazierte für eine Schwimmrunde zum Schyrenbad.

Aufrichtvorrichtung.

Das Wasser im Becken war herrlich kalt, die Schwimmbahn sehr wenig besucht, es wurde ein großartiger Schwumm. Ich verkniff mir dennoch ein deutliches Überziehen meiner üblichen drei Kilometer, weil sich in den vergangenen Tagen der eingeklemmte Nackennerv gemeldet hatte: Noch verhindert er lediglich problemfreies Kopfdrehen, ich will es aber auf keinen Fall wieder zu taubem, schmerzenden Arm kommen lassen, das brauchte die letzten Male immer Monate, bis es wieder weg war.

Ein Stündchen legte ich mich noch in die Sonne mit Musik in den Ohren, nach Mittag wurde es heiß.

Auf dem Heimweg Semmeln geholt. Beim Bäcker Wimmer war vor mir ein Kind dran, mittleres Grundschulalter, ungerührt – in der einen Hand ein selbst gemachtes Steckerleis, in der anderen eine Stofftasche-, das vier Brezen bestellte, abgezähltes Geld hinlegte. Der Verkäufer musste sich mit der Tüte weit über die Theke beugen, damit das Kind sie zu fassen bekam. Als es die Bäckerei verließ, sahen der Verkäufer und ich uns lächelnd an, er sagte: „Süß.“ Vor allem aber: Es gibt noch Kinder, die man allein Einkaufen schickt! Hurra!

Am Nachmittag war ich zum Eisessen verabredet. Dazu wollte ich in ein klassisches Eiscafé gehen mit Amarenabecher und Bananensplit – und musste lange nachdenken, wo es sowas in München noch gibt. Die Entwicklung geht ja hin zum Kreativeis, und diese Hagebutte-Arabica-Kreationen gibt es nicht in Eiscafés, sondern in hole-in-the-wall-Eisdielen. Mir fiel nur das legendäre Sarcletti in Neuhausen ein, der Verabredung aber das für ein beide fußläufiges Lokal zwischen Reichenbach- und Gärtnerplatz.

Zu meiner Begeisterung gab es dort sogar eine eigene Spaghettieiskarte, ich orderte ein schwarzes Spaghettieis mit vielen Nüssen (und leider nicht so gutem Schokoladeneis), die Verabredung einen Amarenabecher. Die Mahlzeit hatte aber doch etwas sehr Altmodisches. Ich dachte an meine polnische Oma, die mich als Kind in Ingolstadt nach Friedhofsbesuchen (Nordfriedhof) in ein Eiscafé in der Münchner Straße (längst ein Jalousiengeschäft) mitnahm und dort immer ein „gemischtes Eis mit Sahne“ bestellte – für sie der Gipfel des Feine-Damen-tums. Der Metallbecher und das ovale Metalltablettchen, auf dem serviert wurde, der vorne abgeflachte Eislöffel hatten schon was Ikonisches.

Zum Abendessen gab es den am Vortag bereiteten Kartoffelsalat und Fleischpflanzerl, danach sah auch ich endlich die in meinem Internet hoch und runter gerühmte Doku Kulenkampffs Schuhe.

Hans Joachim Kulenkampff und Peter Alexander waren die großen Fernsehhelden der Familie von Regisseurin Regina Schilling. Und natürlich, etwas später, Hans Rosenthal mit „Dalli Dalli“. Die Quizshows verhießen leichte Unterhaltung, Entspannung, heile Welt.

(…)

Die Showmaster gehörten wie Regina Schillings Vater einer sehr besonderen Generation an: erst missbraucht vom Nationalsozialismus, dann eingespannt in das Hamsterrad der Nachkriegszeit, die von Traumatisierungen nichts wusste oder nichts wissen wollte.

Sehr erhellend und berührend, gerade durch seine methodische Kargheit.

§

„Maria Konnikova Shows Her Cards“.

via @mspro

Dr. Konnikova is an experimental psychologist trained at Columbia University. But her latest experiment is on herself. For a book she’s researching on luck and decision-making, Dr. Konnikova began studying poker.

Auf dieses Buch bin ich schon sehr gespannt.

§

„Als Linkssein noch leicht war“.

In Bayern rühmte ich mich als Hippie und Revoluzzerin, in Jena bin ich die Quoten-Konservative. Mit meinem Pseudorebellentum kann ich hier niemanden beeindrucken.

(…)

Hier kann es vorkommen, dass einem fremde Leute spontan beim Umzug helfen, und wenn man sich bedankt, klopfen sie einem auf die Schulter und sagen: „Solidarität ist eine Waffe!“

Journal Samstag, 11. August 2018 – Paella und Gegrilltes im Elterngarten

Sonntag, 12. August 2018

Früh aufgewacht zu einem sehr kühlen Morgen. Beides passte mir gut, denn ich wollte vor der Abfahrt zu meinen Eltern noch ein wenig Sport treiben, eine Runde Krafttraining. Das tat ich nach Bloggen und Morgenkaffee dann auch, während Herr Kaltmamsell Einkaufen ging.

Wir nahmen einen Zug nach Ingolstadt, der uns durch Sommerlandschaft mit Hopfen kurz vor der Ernte fuhr.

Bei meinen Eltern wollte ich Zwetschgen ernten (vergangenes Jahr hatte es ja die Zwetschgenblüte erforen und es gab überhaupt keine Früchte). Sonst sind die Zwetschgen von diesem Baum, die besten der Welt, immer erst im September reif, doch meine Mutter hatte diesmal vier Wochen vorher Ernte ausgerufen. Doch als ich mit der Leiter im Baum stand und zusammen mit meinem Bruder das Pflücken begann, kamen die Zwetschgen mir noch arg grün vor. Ich kostete eine: Nein, die waren noch nicht reif. Ich werde noch zwei Wochen warten.

Das Gästeklo meiner Eltern, sommerlich dekoriert.

Anlass des großen Paella- und Grillfleischessens im Garten meiner Eltern war ein ferner Besuch bei meinen Schwiegereltern: Den brachten sie mit, um den Tisch auf der Terrasse saß auch die gesamte Bruderfamilie. Die Sonne hatte wieder einen Sommertag gewärmt, vergnügte Gespräche bis zum späten Nachmittag.

Zu Obst aus Eigenanbau kam ich dann doch noch: Die Schwägerin hatte Fallobst von verschiedenen Apfelbäumen mitgebracht und empfahl Einkochen als Kompott.

Ich fühlte mich an die Zeit erinnert, als ihre Familie noch einen großen Obstgarten hatte (mittlerweile mit Einfamilienhaus bebaut) und jede Apfellieferung mit Spielanleitung übergeben wurde: Die eine Sorte möge man noch zwei Wochen liegen lassen, bis sie gut schmeckte. Die andere Sorte bitte kühl einlagern für den Winter. Die dritte einkochen, eine vierte zu Kuchen verarbeiten, die nächste möglichst schnell essen, die hielten nicht lange. Ich bin froh, dass ich noch eine Zeit erlebt habe, in der nicht jeder Apfel ein Tafelapfel war, den man einfach so roh essen konnte. Ich erinnere mich sogar noch daran, dass sie in den Supermärkten meiner Kindheit mit „Tafelapfel“ beschriftet waren – weil das eben keine Selbstverständlichkeit war.

Auch eine Tüte überreifer Renekloden gab uns die Schwägerin mit. Zurück in München machte Herr Kaltmamsell daraus Marmelade, ich bereitete noch Kartoffelsalat aus Ernteanteil für Sonntag zu.

Journal Freitag, 10. August 2018 – Regen und Schatten

Samstag, 11. August 2018

Die versprochene Abkühlung trat ein, und der nächtliche Regen setzte sich auf meinem Arbeitsweg fort. Doch schon am Vormittag hörte er auf, das war sicher nicht genug fürs ausgedörrte Land. Trotz der frischen Temperaturen hatte ich kein Bedürfnis nach einer Jacke, ich hatte noch genug Hitze getankt.

Wie mittlerweise jedes Jahr um die Zeit zieht mein Gemüt die dunklen Vorhänge zu. Nach der Arbeit ging ich mit Blick auf den Boden durchs Westend und über die Bayerstraße und den Bahnhof zu ein paar Einkäufen zum Hertie und an den Stachus. Ich hätte auf dem Heimweg gerne einen Arm voll Gladiolen bei der Standlerin am Sendlinger Tor geholt, doch sie war gestern nicht da.

Zum Abendessen hatte Herr Kaltmamsell aus Gemüse des Ernteanteils Gazpacho zubereitet. Aus diesem hocharomatischen Gemüse (wie allein schon die dünnwandige grüne Paprika duftete!) wurde die kalte Suppe genau so schlicht köstlich, wie sie gehört. Klar kursieren immer elaboriertere Abwandlungen dieses Klassikers; ich empfehle aber bei Verfügbarkeit wirklich guter Zutaten erst mal diese simple Version.

Als zweiten Gang gab es ein Stück wunderbares Entrecôte, zum Nachtisch hatte Herr Kaltmamsell eine Idee umgesetzt, die ich seit Jahren vor mir her schiebe: Pimm’s Trifle. Den Biskuit mit Pimm’s tränken, als Obst Beeren und Minzblätter verwenden, Erdbeer-Jelly (hatte ich vor Jahren eigens aus England mitgebracht), dann wie gewohnt Custard und Sahne. Schmeckte wirklich ganz ausgezeichnet, ließ sich praktisch nicht fotografieren.

§

Deutschland, deine Autoliebe. Der Tenor dieses Artikels soll zwar ein anderer sein, doch mir fiel vor allem auf, dass man sich hierzulande selbst in eigens dafür angelegten autofreien Siedlungen den Autobesitz zu erschleichen versucht.
„Autofreie Siedlungen
Es geht auch ohne“.

Stadtteile ohne Autoverkehr sind noch die große Ausnahme. Denn viele Landes­bauverordnungen schreiben immer noch Stellplätze vor. Aber das ändert sich gerade – ein bisschen.

Wobei es in meinen Augen deutlich näher läge, Häuserblöcke in der Innenstadt Privatauto-frei zu halten als am Stadtrand.

§

„Interview mit Simone Menne: ‚Ich mag Macht – ohne ist man ohnmächtig'“.

Die erste weibliche CFO eines Dax-Konzerns spricht über ihre Sympathie für den Chefsessel, die Kunst als Ausgleich und ihre eigene Respektlosigkeit.

Aber bitte immer schön vorsichtig mit Übertragungen auf andere Frauen, denn: Not all women…

Dazu passt ganz wunderbar dieses
„#FührungsFrauenFloskel-Bingo“
der Allbright-Stiftung.

Zum Beispiel:


Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen