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Journal Sonntag, 24. Januar 2021 – Bücherflohmarkt!

Montag, 25. Januar 2021

Ausgeschlafen mit wenigen Unterbrechungen. Im letzten Abschnitt ein aufregender Traum, in dem ich mit dem Radl über den Rand einer Brücke über ein bewohntes Tal abkam (ich musste ausweichen) und zufällig genau im winzigen Balkon einer Dachwohnung landete (musste nur noch die Bewohnerin bitten, mich rein- und durchzulassen, entschuldigte mich vielmals).

Gedrosselter Sport, weil mein Körper sich recht zerschlagen anfühlte: Halbes Stündchen Crosstrainer, halbes Stündchen Reha-Gymnastik. In meinem Alter an ein Wunder grenzend: Danach fühlte ich mich weniger zerschlagen (Sie erinnern sich an die Trainingsregeln von Vanessa Giese?)

Zum Frühstück gab es das restliche selbst gebackenes Hartweizenbrot mit Schimmelkäseaufstrich und Apfelkuchen.

Der Tag war windig, aber trocken, hin und wieder zeigte sich sogar die Sonne. Ein wenig wollte ich ins Draußen und spazierte über den Alten Südfriedhof an die Isar (Luft dann doch recht kalt). Doch es waren so viele Menschen unterwegs, auch in schwer ausweichbaren Gruppen, dass ich für Abstand schnell in unansehnliche, aber leere Nebenstraßen auswich.

Alter Südfriedhof im Schmuddelwinter.

Daheim eine Einheit Yoga (wenig Gelaber, angenehm viel Bewegung), Nachmittagssnack Grapefruit mit Joghurt.

Gemeinschaftliches Video-Telefonat mit Herrn Schwieger im Krankenhaus (wo er seit vielen Wochen sein muss, unbesuchbar): Ich freute mich arg ihn zu sehen, vor allem über den munteren Eindruck, den ermachte.

Buchlesen bis zum Abendessen: Herr Kaltmamsell hatte Cornish Pasties gebacken.

Weil auf Twitter Interesse an unseren aussortierten Büchern aufblitzte, fotografierte ich die Buchrücken und postete sie als Thread, zu vergeben gegen Porto oder Abholung – mit dem Erfolg, dass ich gestern Abend drei weitere Pakete fertigmachen konnte.

Noch zu haben sind (ich aktualisiere im Lauf des Tages):

Aktualisierung: Weg ist Virginia Woolf.

Aktualisierung: Weg sind die beiden Reiss, Im Haus der großen Frau, Das Delta der Venus, Selbs Mord.

Aktualisierung: Weg ist Spanish Farm Trilogy, Plays Unpleasant.

Außer dem Anton Reiser.

Aktualisierung: Weg sind Die Kunst des Liebens, Der Decameron.

Außer IBM and the Holocaust.

Aktualisierung: Weg ist die Spoon River Anthology.

Aktualisierung: Weg ist James Herriot.

Außer Val McDermid.

Aktualisierung: Weg sind Alexander McCall Smith und The Finkler Question.

Aktualisierung: Weg sind Früchte des Zorns und Bumerang.

Außer Waldo und How to do things with words.

Aktualisierung: Weg ist The Ghosts of Malta.

Aktualisierung: Weg ist Giacomo Joyce.

Außer Val McDermid.

Aktualisierung: Weg ist Sujata Massey. Jetzt auch Nick Hornby.

Aktualisierung: Minette Walter ist weg.

Bei Interessen gerne E-Mail an den Kontakt links oder einen Kommentar. Zur Arbeitserleichterung (Albtraum: 80 Mal ein bis zwei Bücher zur Post bringen müssen) wünsche ich mir eine Mindestabnahme von zwei Kilo – wenn Ihr Wunsch weniger wiegt, könnte ich einfach nach Gutdünken auffüllen?

§

Markus Decker arbeitet seit 20 Jahren als politischer Korrespondent in Berlin; hier schreibt er einen sehr persönlichen Rückblick.
„Politischer Korrespondent in Berlin: Einfach mal in Ruhe zuhören“.

via @flueke

Parallel zur Digitalisierung hat eine zuweilen ätzende Polarisierung Platz gegriffen, auch unter Journalisten. Zufall ist diese Parallelität kaum. Zwar sollte man sich vor einer Romantisierung des Vergangenen hüten. In den 1970er-Jahren wurden Repräsentanten des Staates bisweilen auf offener Straße erschossen.

Anfang der 1980er-Jahre lautete die Losung in linken Kreisen: „Stoppt Strauß!“ Gemeint war Franz Josef Strauß von der CSU, der wahlweise als reaktionär oder gemeingefährlich galt. Der spätere Kanzler Helmut Kohl wurde gewohnheitsmäßig als „Birne“ verhöhnt. Härte gab es stets. Es gibt ohnehin wenig, was nicht schon mal da gewesen wäre. Was manche für neu halten, ist überwiegend Folge eines schlechten Gedächtnisses.

(…)

Dass ein Journalist morgens ins Büro geht und wie ein Bäcker oder Metzger ehrlichen Herzens versucht, das Beste zu geben, scheint manchen Bürgern nicht mehr vorstellbar. Derlei Wutbürgerei macht mich gelegentlich zu einem wütenden Korrespondenten. Selbst in jenen linken Kreisen, die Donald Trump für das Allerletzte halten, hat sich die Trump-Vokabel „Fake News“ eingebürgert. Wir sind, soweit ich sehen kann, die einzige Berufsgruppe, der bei Fehlern Absicht unterstellt wird.

Es macht jedenfalls einen Unterschied, ob man als Journalist in der Demokratie arbeitet oder als Journalist für die Demokratie – letztere also als gefestigt gelten kann oder eben nicht. Da Journalisten allein in der Demokratie ungehindert arbeiten können, kann es so etwas wie Neutralität gegenüber ihren Feinden nicht geben.

Distanz hingegen bleibt zwingend. Die Kunst besteht darin, die Balance zu halten. Und klar ist: Je vehementer er angegriffen wird, desto mehr hänge ich dem demokratischen Mainstream an. Er ist, wie wir nicht bloß in den USA begutachten können, das Beste, was wir haben.

Je vehementer er angegriffen wird, desto mehr hänge ich dem demokratischen Mainstream an. Er ist, wie wir nicht bloß in den USA begutachten können, das Beste, was wir haben.

Journal Freitag, 22. Januar 2021 – Gockel, erstes Kapitel

Samstag, 23. Januar 2021

Die Nacht war wieder kurz nach fünf zu Ende, doch sie hatte fünf durchgeschlafene Stunden enthalten – erfrischend. Ich spürte die ausführliche Gymnastik des Morgens davor (nach Langem mal wieder Liegestütz sowie Fliegende und Überzieher mit Hanteln).

Wie nach jedem Blumenkauf freue ich mich ganz arg, wenn mein Blick auf den Strauß fällt.

Die milden Temperaturen hielten an, mein Weg in die Arbeit war schneefrei und trittsicher. Unterwegs kaufte ich beim Bäcker Zöttl ein Humusbrot für die Brotzeit. Das gab es mittags vor einer Orange mit Hüttenkäse und sättigte aufs Angenehmste.

Im Büro Telefonate auf interessanter Flughöhe.

Ich machte pünktlich Schluss, um einen Feierabend zu bekommen. Auf dem Heimweg war Süßigkeitenkauf geplant. Ich steuerte dafür den Edeka Theresienhöhe an, weil es bei dem in einem Sonderaufsteller Trockenfrüchte und Nüsse in Schokolade von Meienburg gibt, die wir sehr mögen (ansonsten ist der Laden mir für eine Pandemie eigentlich zu eng). Jetzt sollte wir auf einige Wochen mit Süßkram versorgt sein.

Daheim schaltete ich sofort den Backofen ein, um die Hartweizlinge zu backen, die seit 24 Stunden im Kühlschrank garten. (Vorteil des Arbeitens von daheim: Ich konnte am Vortag den Teig ansetzen.) Wie es mir meist geht: Eine Zeit lang stieß ich fast nur auf Brotrezepte mit Hartweizenmehl, doch nachdem ich ein Kilo in der Hofbräumühle gekauft hatte, waren sie alle verschwunden. Nach diesem hatte ich gezielt suchen müssen.

Anstoßen aufs Wochenende mit Schaumwein.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell den ersten Teil von viererlei Gerichten, die aus einem Bio-Gockel werden: Die Hühnerbrüste a la Kim. Mit Erbsen und einem Stück frisch gebackenem Hartweizenbrot. (Die anderen werden Paprikahuhn aus den Keulen, Hühnerbrühe mit Tortellini, aus dem Suppenfleisch Sandwich-Füllung.)

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„«Wir befehlen Ihnen, die sieben Bundesräte in Gefängnisse einzusperren»“

Ein Gastro-Unternehmer fordert die Nummer zwei der Armee in einem Einschreiben dazu auf, die Schweizer Regierung zu verhaften und vor ein Kriegsgericht zu stellen. Und hält in einem Keller seiner Restaurant-Kette ein Treffen ab, an dem der Systemumsturz besprochen wird. Was geht da genau vor?

Zunächst schwankte ich, ob mich vielleicht sogar beruhigen soll, dass es selbst in der Basisdemokratie Schweiz Demokratie-feindliche Realitätsverdreher gibt. Doch leider verstärkte es doch nur den Eindruck, dass die ganze Welt immer weiter aus den Fugen gerät. Erst kürzlich unterhielt ich mich darüber, welche Pendants zur deutschen Reichsbürgerbewegung es wohl in anderen Staaten gibt.
(Nebenbei: Drehbuchschreiber*innen von Katastrophenfilmen haben sowas von ausgeschissen. Letzthin lief mein Favorit Arrival im Fernsehen, und obwohl sich hier die Darstellung apokalyptischer Vorgänge angenehm vom Genre-Stereotyp unterscheidet, gab es auch hier das Versatzstück der Fernsehmeldung über einbrechende Börsenkurse. Schallendes Gelächter, denn es hat sich mittlerweile erwiesen, dass gewissenlose Gier auch die Apokalypse in erster Linie als Möglichkeit zur Kapitalanhäufung sieht.)

§

Wahrscheinlich eine Ausnahme, aber eine interessante: Im Techniktagebuch schildert Vater Georg Passig seinen Homeoffice-Alltag mit fünf distanzbeschulten Kindern (1. bis 12. Klasse, Grundschule, Realschule, 2x Gymnasium, Fachoberschule – alle Bayern). Und was er dadurch über die tatsächliche Funktion von Präsenzunterricht gelernt zu haben meint.
„Entspanntes Familienleben dank Homeschooling“.

Mir bricht ja der Schweiß aus allein schon bei dem Gedanken, diese fünf Kinder-Tagesrhythmen zusätzlich zu meiner Arbeit im Blick zu behalten zu müssen.

Journal Dienstag, 19. Januar 2021 – Coronagestrüpp

Mittwoch, 20. Januar 2021

Besser geschlafen!

Nach Duschen und Haarewaschen legte ich den Scheitel des wuchernden Haupthaars auf die andere Seite – in der Hoffnung, damit einen Inspector-Columbo-Look zu erzielen, etwa so.

So sehe ich mich.

So sehen Sie mich.

Doch Scheitel rechts bringt lediglich meine inneren 1980er zum Vorschein und damit eine Frisurenmischung aus Princess Di und Miranda Priestly.

Auf dem Weg in die Arbeit war der Boden jetzt wieder frostig, es krachte und knirschte unter meinen alten Schneestiefeln (die sich nach nur ca. 15 Jahren und einmal Reparieren beim Schuster auflösen: Das Kunstfell zerschleißt und löst sich vom Sohlenteil).

Morgenrosa über Theresienwiese mit Bavaria und Corona-Drive-in-Teststation.

Am Schlittenhügel auf der Westseite der Theresienwiese sah ich schon im fahlen ersten Licht vor acht ein Kind in rotem Schneeanzug Schlittenfahren.

Der Tag wurde grau und windig, am Nachmittag setzte Regen ein.

Mittags Karottensalat mit viel Koriander, ein Apfel. Nachmittagssnack Quark.

Auf meinem Heimweg regnete es leicht, aber ich hatte keine Lust auf Regenschirm und ließ statt dessen Mütze und Mantel durchfeuchten.

Daheim die ersehnte Yoga-Runde, die mich wieder zu einem halbwegs pünktlichen Feierabend gebracht hatte.

Nachtmahl aus der Küche von Herrn Kaltmamsell: Sellerieschnitzel, eines davon gefüllt mit Schinken und Käse – sehr gutes Winteressen.

Abendunterhaltung war eine Zufallsentdeckung vor ein paar Wochen: Die Ärzteserie Atlanta Medical (im Original The Resident). Ich mag ja eigentlich Ärzteserien, interessiere mich allerdings vor allem für den medizinischen Teil und weniger für das Privatleben der Mediziner*innen, deshalb bin ich im Grunde immer noch auf der Suche nach einem Ersatz für Emergency Room. In Atlanta Medical (derzeit in Wiederholung auf Sixx) geht es zwar für meinen Geschmack auch zu viel um das Privatleben des Personals, aber auch reichlich um Medizin; der Schwerpunkt scheint aber (ich kenne ja nur die ersten sechs Folgen) der Wirtschaftsaspekt am US-amerikanischen Krankenhauswesen zu sein – ohne dass ich mir ausgerechnet davon Realismus erwarte, auch hier sieht man die Ärzt*innen nie Papierkram machen, schon gar nicht stundenlang. Vieles daran ist sehr spezifisch US-amerikanisch, vielleicht aber durch die Wende in der deutschen Gesundheitspolitik zur Profitorientierung schlicht unsere gar nicht so ferne Zukunft.

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Bis vor ein paar Jahren wäre das mein Traum gewesen, seither wurde es immer mehr ein Albtraum: Umberto Eco sucht ein Buch in seiner Bibliothek.

Bücher und Bibliotheken finde ich weiterhin großartig, aber ich will sie nicht mehr besitzen oder gar darin wohnen – sondern halt Zugang dazu haben. Allerdings arbeite ich ja auch nicht wissenschaftlich.

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Ja, wir1 beschäftigen uns immer noch mit der Shanty-Sensation des Monats. Hier der Ursprung und die Geschichte des Wellerman:
„The true story behind the viral TikTok sea shanty hit“.
(Bei dieser Gelegenheit bemerkte ich: Wer mir einen Artikel mit „The true story behind…“ verkaufen möchte, muss schon ein sehr attraktives Thema haben, dass ich ihn trotzdem lese.)

  1. Whatever that means to you – ich bin bereits völlig Adriene-veryogat. []

Journal Montag, 18. Januar 2021 – Angetaut

Dienstag, 19. Januar 2021

Nächte gibt’s derzeit halt nur zerhackt, was soll’s.

Schon beim Lüften des Schlafzimmers merkte ich, dass es ein paar Grad milder geworden war. Entsprechend matschte und suppte es unter meinen Schuhen auf dem Weg in die Arbeit.

Bavariapark und Verkehrsmuseum immer noch von Schnee verschönt.

Der Bürotag glich bis nachmittags einem Wirbelsturm, dann beruhigte sich die Lage. Zum späten Mittagessen gab es Radicchio aus Ernteanteil mit roter Paprika und Balsamico-Dressing, dann Grapefruit und Orange mit Joghurt.

Auf dem Heimweg war es immer noch nicht frostig, aber auch nicht zu warm. Auf die Yoga-Runde daheim hatte ich mich schon gefreut, sie war mittelfordernd (immer wieder lustig, wie weit meine eigene Biegsamkeit von der der Vorturnerin abweicht und Work-arounds erfordert – und Adriene ist wirklich kein atemberaubender Schlangenmensch) und tat gut.

Für die Brotzeit am nächsten Tag verarbeitete ich Ernteanteil-Karotten zu Salat mit Koriander. Beim Suchen im Küchenschrank nach dem Crispy Chilli Oil entdeckte ich, dass das Glas ganz hinten umgefallen und zum Teil ausgelaufen war – eine ordentliche Sauerei. Ich räumte also das Schrankfach aus und putzte.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell Chorizo und Spiegeleier gebraten, serviert mit selbstgebackenem Brot.

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Geheimnis gelüftet: Wie Spitzenpolitiker Körpersprache für Reden trainieren.

Journal Samstag, 16. Januar 2021 – Hefeteig-Fiasko und Winterspaziergang

Sonntag, 17. Januar 2021

Ausgeschlafen, nach einem Aufwachen um fünf aber nur bröckerlweise.

Den Vormittag im Haushaltswirbel verbracht:
– Zwei Maschinen Wäsche waschen, in Aufhängen und Trockner sortiert, entsprechend verarbeitet.
Abend-Brot in allerlei Einzelschritten gebacken.
– Zwetschgendatschi aus dem letzten Tiefkühl-Paket elterlicher Zwetschgen zubereitet.
– Bank- und Seitstütz, eine Runde Cardio auf dem Crosstrainer mit Blick in einen hellen Wintertag, an dem ganz selten die eine oder andere deko-hübsche Schneeflocke trudelte.

Das Brot geriet hervorragend.

Der Zwetschgendatschi aber nicht: Seltener Fall von komplett totem Hefeteig (Hefe war frisch und hatte im Brot gewirkt, Milch nicht zu heiß). Er hatte sich auch nach 90 Minuten Gehen im Warmen nicht einen Millimeter bewegt, und während ich mich selbst in diesem Fall sonst auf eine Reaktion im Backofen verlassen konnte, blieb der Teig auch nach 40 Minuten bei 180 Grad flach. (Jajaja, der Bäckervater von Novemberregen lehrt, dass man dem Hefeteig einfach genug Zeit lassen müsse, irgendwann werde er sich schon rühren. Doch ich hatte nicht unendlich Zeit, weil ich mit Herrn Kaltmamsell zum Spazierengehen verabredet war.)

Diesmal stimmte nicht mal „schmeckte trotzdem“: Der Teig hatte die Konsistenz einer dicken gekochten Lasagneplatte, und das war unter Zwetschgen schon arg seltsam. Im schlechten Sinn.

Zum Frühstück aß ich Birchermuesli mit Joghurt und zwei echten Mandarinen (köstlich, aber voller Kerne).

Für einen Spaziergang nahm ich Herrn Kaltmamsell mit zu der Strecke überm Isartal, die ich schon mal nach Weihnachten gegangen war. Wir ließen uns von einer (entspannend leeren) S-Bahn durch die Sonne nach Großhesselohe fahren und gingen los.

Am Isarfräulein.

Anders als bei meinem letzten Spaziergang stiegen wir in Pullach eine Treppe hinunter zur Isar (zum Glück mit Geländer zum Festhalten, sie war durch Schnee und Eis sehr rutschig) und spazierten auf dem Damm zwischen Isarwerkkanal und Isar zurück.

Burg Schwaneck.

Wir sahen einen Bussard im schrägen Sonnenlicht auf einer Nadelbaumspitze landen, nach einer Umschau nochmal auffliegen, wieder landen – ganz schön beeindruckend.

Auf der Rückfahrt trug ich wie schon auf der Hinfahrt erstmals eine FFP2-Maske (beide Bestellungen sind mittlerweile eingetroffen, ich kann den Anbieter Siegmund Care empfehlen). Bloß: Das ist schon eine ganz andere Nummer als die leichten OP-Masken, die ich in der Arbeit oder auf meinen Wegen durch die Innenstadt fast nicht spürte. Damit sie ordnungsgemäß abschließen kann, sind die Bänder der Maske eng und drücken hinter den Ohren, durch den deutlich dickeren Stoff fällt das Atmen schwer – ich fühlte mich sehr unwohl und bekam Kopfschmerzen. Mal wieder höchsten Respekt vor dem medizinischen Personal, das seine ohnehin anstrengenden Arbeitstage dadurch erschwert. Allerdings werde ich wohl für längeres Tragen ein Band über den Hinterkopf verwenden, das sollte bequemer sein.

Ich freute mich wieder an der Temperatur: Beim Spazierengehen war mir in ganz normaler Winterkleidung (gefütterte Stiefel, Jeans, T-Shirt und Wollpulli, Mantel, Schal, Mütze, Fäustlinge) wohlig warm. Daheim begann ich trotz Heizung zu frieren und musste mir heißen Tee kochen. Wie praktisch, dass das Gewebe um die lange OP-Narbe immer wieder heiß wird und ich meine rechte Hand daran wärmen kann.

Im Abendlicht aß ich Zwetschgen…dings, kein echter Genuss, aber sättigend.

Gestern fand der erste CDU-Parteitag im Internet statt. Meine Twitter-Timeline schien ihn zu einem großen Teil zu verfolgen – was mich überraschte. Ich bilde mir ein, dass Nicht-CDU-Wähler die Bestimmung eines neuen Parteivorsitzenden bislang nicht in allen Details so mitnahm (es wurde Armin Laschet).

Herr Kaltmamsell sorgte fürs Nachtmahl, es gab aus Ernteanteil Rote-Bete-Suppe, dazu frisches Brot und aufgetauten Weihnachtsschinken. Dazu die letzte Flasche Gut Oggau Atansius 2013.

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Nach dieser Berechnung (via Crocodylus) und Berücksichtigung meines Bluthochdrucks ist das meine Aussicht auf Covid-19-Impfung.

Damit kann ich gut leben.

Journal Mittwoch, 6. Januar 2021 – Schneewanderung an Dreikönig

Donnerstag, 7. Januar 2021

Ausgeschlafen (Hl.-Dreikönig ist Feiertag in Bayern), zu Schneefall aufgewacht. Was sehr gut zum Tagesplan eines gemeinsamen Spaziergangs mit Herrn Kaltmamsell passte, er hatte sich frei genommen – wir waren seit Monaten nicht mehr gemeinsam draußen gewesen.

Ich bin endlich auch des Gemaules über angeblich unzureichende Pandemiemaßnahmen überdrüssig (des Gewackels in der Pandemiebekämpfung schon länger). Am Dienstag hatten Bund und Länder weitere Maßnahmen beschlossen, und mein Twitter war nahezu randvoll mit Maulen und Lästern, warum das auch diesmal Scheiße sei. Ja, auch mir wäre ein mehrwöchiger echter Lockdown lieber, da dieser das Infektionsgeschehen am wirkungsvollsten bremsen könnte. Doch ich habe über die vergangenen Monate gelernt, dass es politisch andere Prioritäten gibt – und darüber keine Einigkeit. Mir reicht die Wahrnehmung, dass es selbst unter den Eltern meiner Bekanntschaft an Prioritäten alles gibt von „Wenn Schulen und Kitas nicht öffnen, zünde ich alles an“ bis „Mir sind die offiziellen Beschlüsse egal, ich lasse mein Kind nicht in Schule/Kita“, um zu verstehen, dass jede Entscheidung zu Kritik oder Gemaule führen wird.

Also ziehe ich mich zurück auf „alles an dieser Pandemie ist Scheiße“, halte Kontakte sehr reduziert, versuche andere nicht zu gefährden und gräme mich über meine individuellen Beeinträchtigungen (zum Beispiel über die Milchkaffeetasse, die mir gestern beim Abtrocknen entglitt und in viele Stücke zersplitterte – wo ich die doch bisher auf der Auer Dult gekauft habe und nicht weiß, ob es 2021 überhaupt eine geben wird) (jajaja, ich habe eine Online-Quelle gefunden, darum geht’s nicht).

Körperliches: Nachdem ich immer noch Muskelkater im Oberkörper hatte und es in LWS sowie um die Hüfte zwickte, beschloss ich Sportpause (in meinem Wochenplan wäre ausführliche Reha-Kräftigung dran gewesen). Doch dann fiel mir ein, dass ich in aller Ruhe die nächste Yoga-Folge machen könnte, die eine eher kurze war. Gute Idee, so konnte ich nämlich den ersten warrior auskosten – BEIDSEITIG!

Frühstück mit aufgetautem Roggenschrotbrot aus eigener Herstellung und italienischem Käse. Herr Kaltmamsell hatte als Schneewanderung (na ja, Wanderung ist es nach unserer Definition ja erst mit Proviant) eine Strecke im Forstenrieder Park ausgesucht. Wir nahmen eine angenehm leere S-Bahn nach Buchenhain und spazierten los. Es schneite leicht, war nicht zu kalt – perfekte Verhältnisse.

Lustige Wegnamen.

Endpunkt war die U-Bahn-Station Fürstenried West. Waren dann 9,5 Kilometer in ungeräumtem Schnee, zweieinhalb Stunden. Und Herr Kaltmamsell ächzte mehr als ich, der war allerdings in den vorgehenden Wochen nicht so viel Spazieren wie ich.

Abschließend halt kein Einkehren mit Brotzeit, das wird noch eine Weile nicht gehen. Daheim machte ich Teepunsch – und merkte an meinen brennenden Augen, dass ich ein wenig Schneeblindheit erwischt hatte.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Rinderrouladen aus der Gefriere mit Nudeln und Rosenkohl. Gegen die verspannten Muskeln ließ ich mir vor dem Schlafengehen ein Entspannungsbad ein. Zu CNN-Bildern von hunderten fanatischen Trump-Anhängern, die in Washington das Capitol stürmten (die beidem Parlamentskammern sollten gestern den Wahlsieg von Joe Biden bestätigen) ging ich zu Bett.

§

Dennoch Erheitungerung gefällig?
„Suppe ist rund.“ Erörtern Sie.

Journal Freitag, 1. Januar 2021 – Unerreichbare beste Versionen

Samstag, 2. Januar 2021

Ein Kalender, der mit Freitag beginnt, ist sicher nicht der schlechteste. Ob in der Silvesternacht im Münchner Klinikviertel geböllert wurde, kann ich nicht sagen: Ich schlief mit Ohrstöpseln gut und hörte nichts.

Sportprogramm war Yoga: Das tat so gut! Ich hatte bereits vergessen, dass Yoga in Körpergefühle kommt, zu denen meine anderen Bewegungsformen keinen Zugang haben (z.B. merkte ich im forward fall, dass ich meine geplagte LWS-Muskulatur durchgehend anspanne und hier bewusst locker lassen muss).

Noch dazu hieß die Folge „Intend“ mit dem Angebot, sich eine solche Absicht zu überlegen. Ich ließ mich darauf ein und merkte bei dem Hinweis, „be the best version of yourself“ gehe ja immer, dass ich eher Gegenteiliges brauche, weil mich vermutlich genau dieses Ziel, „die beste Version meiner selbst sein“, zermürbt hat: Es ist für mich (!), die von klein auf auf Leistungsgesellschaft gedrillt ist, in erster Linie unerreichbar, weil immer eine weitere Verbesserung möglich ist, was das Leben automatisch zu einer Abfolge von Scheitern und Enttäuschungen macht; mühelose Errungenschaften sind wertlos, wenn nicht sogar ein Versehen, nur Mühe zählt. Als mögliches Ziel fiel mir letztendlich für mich ganz persönlich ein: Accept failure, no matter what, it doesn’t take away your worth – akzeptiere Scheitern, egal welches, akzeptiere, deinen Ansprüchen nicht gerecht zu werden, nichts davon verringert deinen Wert.

Zum Frühstück aß ich selbst gebackenes Brot und italienischen Käse, eine Portion Zitronen-Tiramisu (das ich dann doch nicht so gern mag wie die Version mit Kaffee, Kahlùa und Kakao).

Für einen Spaziergang marschierte ich einfach mal in die Sendlinger Straße und weiter.

Als ich von der Briennerstraße auf den Odeonsplatz zusteuerte, hatte ich die Idee, nach der Stippvisite bei der Manufaktur am Vortag mal wieder in den Flagship Store Nymphenburger Porzellan am Odeonsplatz reinzuhimmeln. Nur um vor leeren Auslagen zu stehen und am Eingang zu lesen, dass der Laden dicht gemacht hat, Verkauf nur noch am Schlossrondel des Nymphenburger Schlosses. Kann ich also nur noch im Internet himmeln. (Solch kostbares Porzellan würde ich nie besitzen wollen – vor lauter Wertschätzung würde ich es nie verwenden.)

Daheim ein Brot mit Majo, Äpfel. Zeitunglesen im Bett mit Füßehoch.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell das Wildschweingulasch aus der Gefriere aufgetaut, die ebenso in Scheiben eingefrorenen Böhmischen Knödel gebraten, zum Nachtisch der Rest Tiramisu – ein Festmahl. Ich trank dazu den Rest des Silvestersekts.

Mir wurde bewusst, dass ich seit über drei Monaten keine Migräneattacke mehr hatte, also etwa seit dem Einsetzen des künstlichen Hüftgelenks. Wer hätte gedacht, dass Migräne durch Titan im Körper geheilt werden kann! Werde also allen Migränikerinnen künftig Hüft-TEP empfehlen. Oder das als Waffe gegen ähnlich falsch strukturierte Ratschläge einsetzen (Korrelation ≠ Kausalität): „Also MIR hat’s geholfen!“


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