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Journal Sonntag, 18. Februar 2024 – Der Frühling ist voll ausgebrochen

Montag, 19. Februar 2024

Schlaf bei geschlossenem Fenster, weil draußen durchgehend laute Menschen lärmten. Ich wachte nach der Abendeinladung deutlich zu früh auf, aber nur wenig verkatert, selbst das eher vom zwischenmenschlichen Austausch (Partykater) und dem wenigen Schlaf.

Draußen wurde es sonnig, für meinen Isarlauf stattete ich mich mit Sonnenbrille und Schirmmütze aus, ließ die Handschuhe daheim. Ich fuhr eine U-Bahn-Station weit zur Fraunhoferstraße, lief von dort an die Isar und flussabwärts, bei herrlichem Wetter zwischen viel Spaziervolk und Radelnden.

Unterwegs begegnete ich der vollen Ladung Frühfrühling in Blütenform: Schneeglöckchen, Winterlinge, Krokanten, in der Großstadt inklusive diese begeistert fotografierender Menschen.

An der Emmeramsbrück bog ich Richtung Aumeister ab, doch auch hier gesperrte Wege, ich lief einmal im Kreis, um auf meine Wunschlaufdauer von 100 Minuten zu kommen. Der letzte Teil zurück zur Tram-Haltestelle Tivoli wurde überraschend beschwerlich, doch nichts tat ernsthaft weh.

Müller’sches Volksbad mit Kabelsteg im Hintergrund.

St. Lukas, im Vordergrund entwurzelte Bäume. An der Muffathalle sah ich Streetart, die ich noch nicht kannte.

Mauersteg, im Hintergrund die Maximiliansbrücke.

Beim Warten auf die Tram dehnte ich gründlich. Ich stieg an der Müllerstraße aus, spazierte über Semmelholen beim Wimmer heim.

Zum Frühstück gab’s kurz nach zwei eine zweite Runde Milchkaffee, eine Birne, zwei Körnersemmeln. Mit einer kleinen Siesta holte ich Nachtschlaf nach, las dann Wochenend-Süddeutsche und Buch.

Brotzeit für Montag gekocht: Aus den Ernteanteil-Karotten wurde mal wieder Karottensalat mit Koriander. Ich turnte noch eine Runde Yoga-Gymnastik.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell auf meinen Wunsch etwas ganz Besonderes gemacht: Kalbsbrust mit Makkaroni-Maronen-Füllung aus dem Buch von Petra Hammerstein, Zart und saftig. Ich mag gefüllte Kalbsbrust, halte aber die klassische Semmelknödelmasse nicht für die ideale Füllung.

Schmeckte wirklich gut, vor allem das Fleisch. Die Füllung war recht fest, durch die Kastanien aber ungemein aromatisch. (Aber natürlich viel zu viel, Füllung ist immer zu viel.) Nachtisch Schokolade.

Der Guardian-Wochenend-Newsletter thematisiert comfort food. Beim Nachdenken über meines solches stolperte ich: Was soll comfort food eigentlich sein? Im Guardian-Newsletter wird es mit “the type of food they would typically eat at home in their pyjamas” beschrieben. Das SZ-Magazin versucht sich an der Übersetzung “Trostessen”:

lassen uns in unsere Kindheit oder an den letzten Urlaubsort reisen – und einfach mal die Gegenwart vergessen

Das verwirrt mich eigentlich noch mehr, denn Speisen, die mich an meine Kindheit erinnern oder an einen Urlaub sind keine, die mich die Gegenwart vergessen lassen. Aber vielleicht ist mein Grundproblem, dass mich Essen nicht tröstet: Wenn es mir schlecht geht oder wenn ich Schmerzen habe oder beides, verschwindet mein Appetit. Manchmal geht es mir nach ein wenig Alkohol besser, aber das ist ja offensichtlich nicht gemeint. Wahrscheinlich kenne ich also gar kein comfort food. Es gibt einfach Nahrungsmittel und Gerichte, die ich besonders gern esse, die mir Vergnügen und Behagen bereiten – das sind allerdings so viele, dass eine Liste sinnlos wäre.

Andererseits half schon oft gegen schlechte Laune ein liebevoll zubereitetes und wohlschmeckendes Abendessen, das Herr Kaltmamsell zauberte. Und um auf die Guardian-Definition zurückzukommen: Im sitze oft im Pyjama, also in Schlumpfklamotten am Abendbrottisch, wenn ich davor Yoga geturnt habe und keine Lust auf eine Rückkehr in meine Bürokleidung hatte.

Weil auch das ein wiederkehrendes Food-Thema ist: Nein, ich esse auch nichts besonders Seltsames, einzeln oder in eigenwilliger Kombination. Am ehesten ist meine Vorliebe für lauwarmes Wasser eigen, von dem ich am Tag ca. anderthalb Liter trinke (ansonsten viel Tee, ob schwarz, Kräuter- oder Früchte); nur im heißesten Hochsommer bevorzuge ich mein Leitungswasser kalt.

Journal Samstag, 17. Februar 2024 – Brotbacken und lukullischer Freundesabend

Sonntag, 18. Februar 2024

Nächtliche Kopfschmerzen – ich hatte den Wein im Verdacht, trotz bloß halber Flasche und dreimal so viel Wasser dazu.

So wachte ich unausgeschlafen auf. Positiv: Ich startete die Umsetzung meiner Brotbackpläne zeitig, es sollte Buttermilch-Mischbrot geben (in jedem Durchgang entferne ich mich weiter vom Originalrezept, mal sehen, wann ich so zufrieden bin, dass es als eigenes Rezept unter meinen landet).

Das Brot gelang hervorragend (Anschnitt nach Abkühlen).

Das Draußen war düster, aber weiter mild, es regnete. Die Kopfschmerzen ließen sich auch nicht durch Ibu vertreiben, ich fühlte mich müde. Doch ich hatte mich auf eine Schwimmrunde gefreut, also machte ich mich dafür fertig und in ging in Nieselregen zur U-Bahn.

Unterwegs machte ich einer Gruppe Hispanohablantes Platz, gedankenlos mit spanischer Erklärung, dass sie so zusammen sitzen konnten, woraufhin sie sie komplett verstummten. (Verzeihung, so war’s nicht gemeint. Aber in München ist Spanisch fast genauso wenig Fremdsprache wie Englisch.)

Im Gebäude der Olympiaschwimmhalle sah ich vor der Bezahlschranke (hihi) hinunter aufs Becken – mit sinkender Laune: Es war so voll, wie ich es noch nie gesehen hatte, zwei Bahnen durch Rudelschwimmer besetzt, ganz kurz überlegte ich umzukehren. Doch das hätte meine Laune weiter verschlechtert, ich ließ es darauf ankommen.

Im Olympiapark selbst fand gestern ein Volkslauf statt, die Teilnehmenden nutzten die Schwimmbadumkleiden, ich musste einen leeren Spind erst suchen.

Doch von da an ging es aufwärts: Die am wenigsten genutzte Bahn, in die ich mich herabgelassen hatte, leerte sich bald, ich fühlte mich gar nicht mehr müde, das Kopfweh war weg. Gutes Schwimmen, nach 3.000 Metern hätte ich locker noch weiter können (wollte es aber nicht übertreiben, und es war eh schon spät).

Am südlichen Beckenende, also Richtung Sprungbecken, nahm ich bei jeder Wende deutlich den Geruch von Dauerwellen-Chemikalie wahr (ich bin so alt, dass ich die noch aus eigenem Riechen kenne), Wasserstoffperoxid? Vermutlich einfach zur Reinigung verwendet, doch der Geruch schubste den Gedankengang an, dass die Blumenkohlfrisur auf Basis von Dauerwelle auf den Häuptern alter Frauen wie seinerzeit dem meiner polnischen und meiner spanischen Oma wohl ausgestorben ist. Und durch den praktischen Kurzhaarschnitt ersetzt wurde. Auch dass damit der Phänotyp alter Damen ausgehfein mit Kleid, Pumps, Handtasche durch beige Funktionskleidung mit Klettverschlussschuhen abgelöst wurde, ein Generationenwechsel an der Spitze der Bevölkerungspyramide. Ich bin schon gespannt auf den nächsten Styling-Wechsel – zu dem dann ich gehören werde.

Den Rückweg begann ich mit der Tram, unterbrach ihn für Espressobohnenkauf in der Maxvorstadt – und musste dann wieder zurück zur Tram gehen, denn an der U2 wird derzeit gebaut. Das Wetter war mittlerweile deutlich heller und freundlicher geworden.

Frühstück kurz nach zwei bestand daheim aus zwei mächtigen Scheiben frischem Brot, die eine mit Gänseschmalz (von dem werden wir noch eine Weile haben), die andere mit Butter und bulgarischem Akazienhonig. Außerdem einer großen Hand voll libanesischer Pistazien.

Gemächlicher Nachmittag mit Zeitungslektüre und einer Runde Yoga-Gymnastik, bevor ich mich fein machte für die Abendeinladung mit Herrn Kaltmamsell bei Freunden. Dafür nahmen wir eine U-Bahn in Richtung Südwesten. Blöderweise startete mein Kreislauf kurz davor seine Superschwindel-Schweißausbruch-Frier-Nummer (seit den Glutattacken der Wechseljahre weiß ich sicher, dass das keine ist), ich nahm ein kleines Handtuch mit, um unterwegs wenigstens Gesicht, Hals und Haar halbwegs zu trocknen.

Wir verbrachten einen ausgesprochen lukullischen Abend mit Champagner-Cocktail, wunderbarer Suppe (dazu ein überraschend passender fränkischer Orange Silvaner Kerstin Laufer), einer mächtigen fränkischen Bauernente (von der ich mir mit der Erklärung “der Gast bekommt das beste Stück” gleich mal einen Schenkel schnappte), begleitet von Klöß, Blaukraut, Selleriesalat (unbedingt nachbauen), im Glas einen wunderbaren spanischen Roquers de Porrera aus dem Priorat.

Und dann gab es noch als besonders köstlichen Nachtisch eine Zitronentarte (aus dem goldenen Plachutta, merken), dazu Süßwein. Das Ganze in dem wunderschönen und schweren Familienkristall eines der Gastgeber. Und begleitet von Neuigkeiten-Austausch, Aufholen von aktuellem Ort im Leben.

Darüber war es überraschend spät geworden: Erst nach Mitternacht saßen Herr Kaltmamsell und ich am U-Bahnsteig für die Heimfahrt.

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Cornelia Kolden fasst für die ARD Brüssel Hintergründe der europäischen Bauernproteste zusammen:
“Woher kommt die Wut auf Brüssel?”

Spoiler: Die aktuelle Bundesregierung ist nicht die Ursache der Missstände. Nicht mal die Grünen.

Journal Freitag, 16. Februar 2024 – Abendessen und Theater im Blauen Haus

Samstag, 17. Februar 2024

Es war nachts so mild, dass ich das Schlafzimmerfenster ganz weit geöffnet hatte; erst beim Klogang um vier schloss ich es gegen aufbrandenden Vogellärm.

Ich verabschiedete mich von Herrn Kaltmamsell bis Samstag: Wir würden beide den Abend aushäusig verbringen, aber einzeln, und er würde schon nachmittags abreisen.

Verzauberte Anblicke auf dem Weg in die Arbeit.

Ruhige Arbeit in der Arbeit. Ein paar Saatkrähen vor dem Bürofenster, die sehe ich diesem Winter sehr selten.

Mittagscappuccino in der Cafeteria der Nachbarfirma, auf dem Weg die erste Ahnung von Frühlingsluft in der Nase. Mittagessen eine Wiederholung vom Vortag: Apfel, eingeweichtes Muesli mit Joghurt.

Nach pünktlichem Feierabend spazierte ich in milder Luft über Einkäufe im Süpermarket Verdi nach Hause. Ich klatschte kurz mit Herrn Kaltmamsell ab, der gerade die Wohnung verließ.

Vor der Abendverabredung war noch Zeit für eine Einheit Yoga-Gymnastik, auch die interessant genug für eine Wiederholung: Ab Tag 9 ist das diesjährige 30-Tage-Programm von Adriene, Flow, anregend genug.

Treffpunkt fürs Nachtmahl mit Freundin war das Blaue Haus hinter den Kammerspielen, Wirtshaus und Theaterkantine. Obwohl es mir schon immer ein Begriff war, hatte ich noch nie dort gegessen und freute mich auf den Abend.

Als Vorspeise (es gibt hier nur Tageskarte) aß mein Gegenüber einen Salat und war sehr angetan, ich hatte einen Auberginen-Ziegenkäse-Flan mit Salat, der gut war, aus dem ich aber weder Aubergine noch Ziegenkäse so richtig rausschmeckte. Eine große Freude war der Wein dazu: Côtes du Rhône Visan “Madrigal”, Domaine Coste Chaude – wunderbar elegant.

Hauptspeise gegenüber Kalbslende, ich wählte die gebackene Blutwurst mit Kartoffel-Feldsalat, schmeckte ganz hervorragend. Gespräche über Beruf und Familie, über Literatur und Konferenzbetrieb.

Abgelenkt wurde wir immer wieder interessiert vom Theaterbetrieb: Offensichtlich wurde im Haupthaus der Kammerspiele Wer immer hofft, stirbt singend gespielt, das ich vor einem Jahr gesehen hatte. Ein Erzählmittel der Inszenierung ist eine Live-Kamera, die die Schauspielenden hinter die Bühne und bis ins Blaue Haus begleitet, die Bilder werden auf die Bühne projiziert – und jetzt sah ich diese Live-Aufnahmen von der anderen Seite. Sie begannen jeweils mit dem Einschalten der Filmbeleuchtung, kurz darauf wurde es vorübergehend schauspiellaut, wir sahen die Schauspieler*innen von hinten. Dieses Schließen des Inszenierungs-Kreises fühlte sich ausgesprochen befriedigend an.

Zu mittelspäter Nacht machten wir uns (beide überraschend angetrunken von der geteilten Flasche Wein) auf den Heimweg. Es war immer noch sehr mild, Marienplatz und Fußgängerzone lebendig vor Menschen.

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Die US-amerikanische Schriftstellerin Rebecca Solnit1 schreibt über die Veränderung San Franciscos:
“In the Shadow of Silicon Valley”.

Mir war nicht klar, dass autonome Pkw dort bereits seit einiger Weile lustig am Straßenverkehr teilnehmen.

I’ve become somewhat used to driverless cars in the years they’ve been training on the city’s streets, first with back-up human drivers, and then without. They are here despite opposition from city officials, including the fire chief, and San Francisco recently sued the California state bureau that gave companies licence to use the streets as their laboratory. Firefighters have reported driverless cars attempting to park on firehoses; last June one such car prevented emergency vehicles from reaching victims of a shooting; the vehicles are apparently unequipped to assess these situations and respond by stopping. Direct communication isn’t an option: the only way to get a driverless car to do anything is to contact the company in charge of it.

Hervorhebung von mir, denn das ist gruslig.

Solnit geht es aber vor allem darum, wie technische Entwicklung menschliche Interaktion reduziert – und das, wo zwischenmenschlicher Austausch immer die Haupttriebkraft von Fortschritt war. (Sehen Sie, das akzeptiere ich als bewiesen, obwohl ich genau diese Reduktion ganz persönlich begrüße. Mir ist bewusst, dass ich die kleine Minderheit bin, die sich freut, wenn die Büroflure leer sind; alle anderen klagen, dann hätten sie ja auch nicht reinzukommen brauchen, wenn sonst niemand da sei.) Rebecca Solnit vergleicht das San Francisco ihrer Jugend mit dem heutigen Stand – einem Paradoxon:

The luxury shuttle buses that Facebook, Google and Apple launched for their employees around 2012, by easing the congested commute, encouraged large numbers of them to move to San Francisco, which has now been fully annexed by the Valley. The desire of tech workers to live in this dense, diverse place while their products create its opposite is an ongoing conundrum. Many tech workers think of themselves as edgy, as outsiders, as countercultural, even as they’re part of immense corporations that dominate culture, politics and the economy.

  1. Genau: Das ist die Frau, die mansplaining definierte.[]

Journal Donnerstag, 15. Februar 2024 – Verfrühte Frühlingswärme

Freitag, 16. Februar 2024

Wieder eine gute Nacht, geht doch. Das Tag wurde sonnig, schon der Marsch in die Arbeit freute mich.

Hin und wieder ein Blick aufs namibische Wasserloch.

So Straußengefieder sieht immer reichlich unaufgeräumt aus.

Die Sonne strahlte einladend, für meinen Mittagscappuccino ging ich ein Stück.

Wundervoll und halt gleichzeitig für die Jahreszeit viel zu warm. Ich fürchte mich wieder vor blühenden Obstbäumen, die sich im April ein Frost holt. Mittagessen war ein Apfel und eingeweichtes Muesli mit Joghurt.

Nachmittags (beruflich) Andre Wolf von Mimikama zum Thema zum Stand KI-generierter Bilder gehört, dabei den Nutzen der Online-Bildersuche beim Entlarven gelernt: Wenn es das Porträt nur einmal gibt -> KI-generiert. Mir fielen sofort die Fotos zu den typischen fake instagram-Accounts ein, Männername mit vielen Ziffern dahinter, die ich hin und wieder durch die Bildersuche geschickt hatte, weil ich Bilderklau vermutete – und sie nirgends fand. Die sind schlicht KI-generiert, z.B. von hier, also gibt es jedes nur genau einmal. Andere Anwendung: Wenn berühmte Menschen abgebildet sind, ergibt die Bildersuche oft dieses Motiv in verschiedenen Varianten – die in Details wie Krawatten- oder Brillenfarbe nicht übereinstimmen, weil jedes einzeln KI-generiert wurde und das dann immer ein bisschen unerschiedlich ausfällt.

Nach Feierabend ging ich in noch Tageslicht nach Hause. Auf Yoga hatte ich keine Lust, statt dessen sorgte ich fürs Abendessen. Der Ernteanteil hatte an Salat nur ein wenig PortulakPostelein gebracht, deshalb verwertete ich bulgarischen Feta, den mir eine Bulgarin geschenkt hatte. Sie hatte empfohlen, ihn mit Honig, Birne und Nüssen zu überbacken. Das tat ich gestern, orientierte mich dabei an diesem Rezept, auch der Akazienhonig war ein Geschenk der bezaubernden Bulgarin.

Das schmeckte ausgezeichnet! Dazu Postelein, als Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

Journal Aschermittwoch, 14. Februar 2024 – Ereignisarmer Arbeitstag

Donnerstag, 15. Februar 2024

Sehr müde früh eingeschlafen, viel guten Schlaf bekommen. Aufgewacht kurz vor Weckerklingeln, das ermöglichte mir einen guten Start in den Arbeitstag und in die kurze Arbeitswoche.

Emsiger Vormittag, auch wenn über die Faschingstage nichts Dramatisches reingekommen war. Das Draußen weiter hell und freundlich, Mittagscappuccino aus Zeitgründen bei Nachbars.

Zu Mittag gab es eine Crowdfarming-Avocado, außerdem Granatapfelkerne (die Saison ist vorbei, diese schmeckten nach nix) mit Sojajoghurt.

Weiterhin Rumgeeier wegen LWS-Schmerzen (sehr wahrscheinlich rein muskulär), ich war sehr dankbar für meinen höhenverstellbaren Schreibtisch.

Nach Feierabend ließ ich mir wieder “Beine wie Delphin” erwachsen. Die Bezeichnung der Wachserin passt besonders gut, da ich haarige Beine vor allem beim Schwimmen als unangenehm empfinde.

Daheim Häuslichkeiten und eine Runde Yoga-Gymnastik, als Nachtmahl gab es den restlichen Wirsing-Auflauf (immer noch gut!) und Schokolade.

Ich recherchierte weiter an meinem Wanderurlaub auf Mallorca zur Oktoberfestflucht. Einen passenden Anbieter mit attraktiver Route an der Nordküste hatte ich bereits gefunden, jetzt präzisierte ich meine Wünsche und schickte eine detaillierte Anfrage ab. Allerdings ohne An- und Abreise (ich will ja Abenteuer mit Bahn und Schiff), dafür muss ich noch fachkundige Unterstützung finden.

Früh ins Bett zum Lesen.

Ein sehr ereignisarmer Tag. Genau richtig für einen Fotorückblick.

Vor zehn Jahren im Bad der PR-Agentur, in der ich damals arbeitete.

Vor 20 Jahren mit einer Hulk-Gesichtsmaske (meiner Erinnerung nach hatte der Bodyshop eine Sonderaktion mit knallfarbigen Pflegemasken).

Vor 30 Jahren: Herr Kaltmamsell zog damals im Februar von daheim aus Haunstetten aus und in eine WG in der Augsburger Innenstadt mit einer gemeinsamen Freundin, ich half beim Umzug.

§

Eine Goldgrube für Bloggerinnen: Eine Sammlung von Warnschildern an Kommentator*innen.

Journal Faschingsdienstag, 13. Februar 2024 – Winterwanderung zwischen Ammer- und Starnberger See

Mittwoch, 14. Februar 2024

Diesmal wieder eine recht zerhackte Nacht, doch endgültig wachte ich erholt auf.

Das angekündigte freundliche Wetter nutzten Herr Kaltmamsell und ich für eine erste Wanderung: Die Route zwischen Herrsching am Ammersee und Tutzing am Starnberger See waren wir noch nie im Winter gegangen.

Nach kurzem Brotzeitkauf (Bäckereiangestellte alle zumindest angedeutet maskiert) nahmen wir die S-Bahn nach Herrsching. Dort starteten wir mit einem guten Cappuccino (in lokaler Bäckerei, da die beiden italienischen Cafés/Eiscafés Richtung See geschlossen waren) und gingen erstmal fast eine Stunde am See entlang.

Das wurde eine schöne Wanderung in kühler Luft (ich brauchte fast durchgehend Mütze und Handschuhe, mit Thermo-Rolli und Fleece-Jacke unter der superduper Wanderjacke und in Winter-Jogginghose war ich richtig gekleidet), wir bekamen auch Sonne zu sehen. Doch es war eine eindeutige Winterwanderung: Keine Düfte, die einzigen Blümchen Schneeglöckchen, nur wenige Vögel hörbar und sichtbar. Zu Anfang sahen wir allerdings Milane, später eingezäunte Hirsche, einen ansitzenden Habicht (?), zu meiner Überraschung Kühe.

Eingezäunte Hirsche, im Hintergrund Erling und Andechs.

Wir sahen viel Schnee- und Windbruch, kein Wunder.

Brotzeitpause nach knapp drei Stunden, ich hatte Mango mit Sojajoghurt im Glas dabei, aß außerdem ein Laugenzöpferl.

Ein weiterer gescheiterter Versuch, wie in der Wanderkarte ausgewiesen zwischen den Deixlfurter Seen durchzukommen. Am Ende dieser Wiese hätte wir uns wieder ohne sichtbaren Pfad rechts quer durchs Gestrüpp schlagen müssen, das ließen wir diesmal bleiben, kehrten um und folgten der Straße.

Auf diesen Ausblick auf den Starnberger See freue ich mich jedesmal.

Gut 20 Kilometer in fünfeinhalb Stunden mit einer Pause waren vielleicht etwas überambitioniert für den Start in die Wandersaison gewesen, wir fühlten uns beide recht erledigt. Zurück nach München brachte uns eine schnelle Regionalbahn, vom Hauptbahnhof nach Hause genehmigten wir uns eine Tram (darin zahlreiche Maschkerer).

Für Abendessen sorgte wie geplant Herr Kaltmamsell: Er verwandelte den Wirsing aus Ernteanteil mit Zwiebel, viel Käse, Sahne, Eiern zu einem Auflauf.

Schmeckte sehr gut, ich freute mich schon auf die zweite Hälfte am Mittwochabend. Nachtisch Schokolade.

§

Im Techniktagebuch: Telefonieren ist einerseits einfacher geworden, andererseit komplizierter, vor allem aber verschieden kompliziert für Menschen aus der Generation Stationärapparat und aus der Generation Smartphone.
“Telefonieren ist fast kostenlos. Meistens. Aber man sollte trotzdem aufpassen”.
“Andere Generationen, andere Fragen über das Telefonieren”.

§

Fotograf Maxime Michelet inszeniert Geschwister und ihre Beziehung zueinenander, mit interessanten Ergebnissen.
“‘I got the sense the youngest child would always win’: sibling relationships – in pictures”.

Journal Mittwoch, 7. Februar 2024 – William Shakespeare / Werner Herzog, Der Sturm / Das Dämmern der Welt

Donnerstag, 8. Februar 2024

Gute Nacht, nur die letzte Stunde vor Wecker mit leichterem Schlaf.

Es kündigte sich wieder ein schön heller Tag an.

Vormittags in der Arbeit kämpfte ich gegen bleiernde Müdigkeit, die ich mir überhaupt nicht erklären konnte. Für meinen Mittagscappuccino ging ich also extra weit, frische, kühle Luft (Mütze brauchte ich sehr wohl) und Koffein ließen mich deutlich wacher an den Schreibtisch zurückkehren. Mittagessen später: eine dicke Scheibe Schokoroggenbrot, vorgeschnippelte Blutorange und Grapefruit.

Kurzer Nachmittag, Feierabend mit Minusstunden, denn mein Abo an den Münchner Kammerspielen schickte mich am Abend ins Theater (und ich musste ja herausfinden, dass ich keine Energie für diese Termine habe, wenn ich normal lang arbeite). Auf dem Heimweg kaufte ich im Süpermarket Verdi Obst, dann in einem arabischen Nussladen in der Landwehrstraße gesalzene Pistazien und eine Nussmischung mit Safran.

Blöderweise war aus der bleiernen Müdigkeit des Vormittags jetzt massiver Schwindel geworden, ich befürchtete bereits nach Jahren ohne eine Migräne. Daheim legte ich nur kurz ab und verräumte meine Einkäufe, dann ging ich ins Bett – mit der traurigen Option, den Theaterabend bleiben zu lassen, wenn es mir nicht besser gehen würde.

Doch als ich nach einer guten Stunde aufstand, war der Schwindel tatsächlich weg, ich fühlte mich fit. Herr Kaltmamsell hatte auf meine Bitte das Nachtmahl vorverlegt, er servierte Nudeln mit Linsen (LINSEN!) und Ofenkarotten. Dann musste ich schon los, an den Kammerspielen erwartete mich William Shakespeare / Werner Herzog, Der Sturm / Das Dämmern der Welt (ich hatte bemerkt, dass mich mittlerweile eine Aufführungsdauern von drei Stunden nicht mehr schreckt). Ich marschierte (dann doch in den so schön marschierbaren Turnschuhen und nicht in Theater-Pumps) durch angenehme Abendluft zur Maximilianstraße.

Wieder wusste ich vor dem Angucken nichts über die Inszenierung. Mein Interesse basierte vor allem darauf, dass ich Shakespeares Tempest weder je gelesen noch gesehen hatte (nicht mal Greenaways Prospero’s Books), es aber über Herrn Kaltmamsells Erzählungen und Referenzen kannte, er spricht oft von der Geschichte. Der Bezug zu Werner Herzog ergab sich aus der Inszenierung (Dank an die Dramaturgie von Claus Philipp und Tobias Schuster), im Programmheft heißt es:

Hausregisseur Jan-Christoph Gockel verschneidet Shakespeares Stück mit Werner Herzogs neuem Roman “Das Dämmern der Welt”. Darin erzählt Herzog die Geschichte des Soldaten Hiroo Onoda, der 29 Jahre lang auf einer Insel den Zweiten Weltkrieg weiterkämpft. Alle Nachrichten darüber, dass der Krieg zu Ende ist, hält er für Fälschungen.

Das Bühnenbild (Julia Kurzweg) eher karg, im Zentrum zunächst ein Schiffsmast, genutzt wurde die Bühne selbst mit ihrer Veränderbarkeit. Später tauchte auch das ganze Schiff auf, ein rostiger und offensichtlich schon lang untergegangener Kahn, und zwar buchstäblich von unten aus der Bühne geholt.

Miranda und Ferdinand aus Der Sturm wurden von Marionetten dargestellt (Michael Pietsch ist auch Puppenbauer und -spieler), Miranda von einer verstörend kaputten Marionette, Nebenfiguren lagen als Marionettenköpfe auf der Bühne herum, Darsteller*in von Caliban (Michael Pietsch) und Ariel hoben sie auf und sprachen für sie.

Gestern sah ich auch wieder eine aktuell häufig verwendete Technik: Statt eines Vorhangs wurde vor der Bühne eine durchsichtige Projektionsfläche herabgelassen, die das Bühnengeschehen verdoppelte. Darauf wurden abgefilmte Ausschnitte des Bühnengeschehens vergrößert, zum Beispiel die Marionettenfigur der Miranda, die sonst zu klein für gute Sichtbarkeit gewesen wäre. Oder es wurde Handlung gezeigt, die hinter oder unter der Bühne spielte – die Transparenz der Projektionsfläche ermöglichte gleichzeitiges Verfolgen des Bühnengeschehens.

Zentrale thematische Elemente: Krieg (u.a.: Gibt es überhaupt Frieden? Oder wird andauernder Krieg nur hin und wieder durch die Illusion von Frieden unterbrochen?), Vergebung, Bilder, Rache, Hierarchien.

Herausragender Darsteller war Bernardo Arias Porras, den ich noch nicht kannte – er spielte Werner Herzog auf verschiedenen Ebenen (Lebensgeschichte erzählend, im Dschungel handelnd, Filmweisheiten predigend), mit seiner großgewachsenen, dürren Physis extrem weit weg von der Herzogs, immer wieder mit dieser leichten selbstvergessenen Überkandideltheit, die Männerfiguren wie ihn ein bissl bemitleidenswert machen. Ich werde die nächsten München-Tatorts gucken müssen, Kammerspiel-Talente wie Bernardo Arias Porras tauchen dort recht verlässlich in größeren Nebenrollen auf.

Erst heute Morgen erfuhr ich von Herrn Kaltmamsell, dass Werner Herzog heutzutage vor allem durch seine Auftritte in US-amerikanischen Fernsehserien bekannt ist. Gestern auf der Bühne ergab sich am Anfang des Stücks eine angenehme Verwirrtheit durch den “Herzog”, von dem bei Shakespeare die Rede ist, und seinem Namen.

In der Pause spazierte ich durchs Foyer und genoss das Gebäude.

Der Vorhang der Kammerspiele, extrem selten zu sehen.

Hinter der Bartheke im Obergeschoß.

Nach der Pause fiel fiel die Inszenierung in meinen Augen ein wenig ab, Ariel-Darstellerin Katharina Bach trug in Bardamenkostüm und Stand-up-Modus Gedanken zu Krieg und Frieden vor, dann wurden um und auf dem kreiselnden Schiff Handlungs- und Gedankenstränge aufgeräumt.

Rascher Heimweg durch leichten Regen, das eigentlich interessante Publikumsgespräch mit dem Regisseur musste ich auslassen (Momente, in denen ich euch Nachtmenschen beneide).

§

In Spanien gibt es eine Kampagne #TengoNombre – #ichhabeeinenNamen: Geschäftsleute wollen nicht mehr bloß “der Eck-Chinese” sein.
“‘I’m not the Chinese on the corner’: Barcelona’s shopkeepers reclaim their names”.


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