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Journal Samstag, 6. August 2022 – Erkältungserinnerung, Käsekuchen, Beifang aus dem Internetz

Sonntag, 7. August 2022

Nach guter Nacht um sieben aufgewacht – mit Erkältungsgefühl in den Atemwegen, das sich über Morgenkaffee und Bloggen verstärkte. Anlass für den inzwischen nur noch einmal wöchentlichen Coronatest.

Auch wenn meine Wetter-App es hartnäckig bestritt, nieselregnete es draußen ausdauernd. In Kombination mit dem Atemwegsgezicke änderte ich meine Sport- und Tagespläne von Laufrunde auf Yoga. Herr Kaltmamsell reinigte den Backofen gerade gründlich mit Automatik, das verschob ohnehin das gewünschte Käsekuchenbacken.

Also 40 Minuten mit Tim, reichlich anstrengend.

Yogi-Perspektive bei der stehenden Vorbeuge, forward fold.

Nach dem Duschen spazierte ich erst mal Semmelholen, testete auf dem Weg die Kaffeerösterei Yellowcup auf Cappuccino-Künste (durchschnittlich) – seit der positiven Überraschung in Ingolstadt glimmt in mir die Hoffnung, irgendwo in der Münchner Innenstadt wirklich guten (nach meinem Geschmack) Cappuccino zu bekommen.

Daheim Backen von Käsekuchen nach Buddenbohm: Zu meiner Überraschung und Freude hatte Herr Kaltmamsell sich den kurz nach dem letzten Mal nochmal gewünscht (eigentlich ist er nicht der große Käsekuchen-Fan). Um zu verhindern, dass der Kuchen im Ofen wieder so ausrastet wie beim letzten Mal, trennte ich die Eier nicht, sondern schlug sie gesamt mit dem Zucker weißschaumig, rührte dann das Puddingpulver ein und abschließend Quark mit Milch. Funktionierte.

Frühstück gab’s schon kurz nach eins: Semmeln (eine mit Butter und Ernteanteil-Tomate: sensationell), eine Banane.

Das Erkältungsgefühl wurde stärker. Ich schlief ein bisschen, las Zeitung – und versuchte mich angestrengt zu erinnern, was ich früher gegen einsetzende Erkältungen getan hatte: Dank Corona-Hygiene war ich fast drei Jahre nicht mehr erkältet. Herr Kaltmamsell riet zu heißem Ingwerwasser, ich müsse aber dran glauben. Da wir frischen Ingwer im Haus hatten, versuchte ich das.

Als der Käsekuchen ein wenig abgekühlt war, gab’s zwei große Stücke davon.

Nach Weglesen aller aktuellen und liegengebliebenen Zeitung ging ich noch eine Runde raus. Es war ein wenig milder geworden, ich brauchte keine Jacke. Die Innenstadt war voll, vor allem voller Touristen (herzlich willkommen!).

Zurück daheim war die Temperatur genau richtig für einen Drink auf dem Küchenbalkon, will heißen: Kühl genug. Es gab Aperol Spritz. Zum Abendessen hatte Herr Kaltmamsell Okroschka gemacht, schmeckte ausgezeichnet.

Da ich mir die rauchige Umami-Note von Wurst gewünscht hatte, enthielt die kalte Suppe diesmal wieder Regensburger-Stücke – deren Konsistenz allerdings für ideale Zutat zu sehr der der Kartoffelstücke ähnelte. Herr Kaltmamsell hatte die Idee, das nächste Mal Schinkenstückchen zu verwenden.

Nachtisch: Mehr Käsekuchen.

§

Wer sind die Leute aus der Wissenschaft, die sich vehement und in immer neuen Offenen Briefen gegen die “Genderpraxis des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks” wehren? Die FAZ (hört hört!) fragt Damaris Nübling, Professorin für Sprachgeschichte an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und Expertin für Genderlinguistik:
“‘Wir schütteln nur den Kopf darüber'”.

“Ich will keineswegs sagen, dass manche Emeriti nicht noch forschen. Aber viele von den Unterzeichnenden sind in einer anderen Zeit groß geworden. In der Linguistik kam es ab den Neunziger-, spätestens den Nullerjahren zu einer großen empirischen Wende. Zuvor wurde viel Introspektion betrieben. In früheren Arbeiten hat man sich selbst befragt, das eigene Sprachgefühl absolut gesetzt, und das passiert noch häufig. Man nennt das auch „arm-chair-linguistics“, Linguistik vom Sessel aus. Das geht heute nicht mehr, die Ansprüche haben sich geändert.”

(…)

Aber die Kritiker der genderbewussten Sprache haben ja den Eindruck, ihnen werde ihre Sprechweise verboten.

Viele bringen sich in eine Opferposition, behaupten, ihnen würde eine neue Sprache vorgeschrieben. Niemand schreibt ihnen etwas vor, niemand muss seine Sprache ändern. Aber die jüngere Generation ist an inklusiverem Sprechen interessiert und praktiziert dies, auch im ÖRR. Das erzeugt bei traditionell Sprechenden einen gewissen Druck, der sie verunsichert. Doch es gibt auch im ÖRR keinen Zwang, sondern Empfehlungen. Ich selbst verwende in bestimmten Situationen einen Knacklaut in „Arbeiter:innen“ oder spreche von Studierenden, aber auch nicht in jeder Situation. Meist versuche ich, Geschlecht zu umgehen. Wir sollten uns alle in Toleranz üben, Argumente zur Kenntnis nehmen und die Bemühungen um geschlechtersensibles Sprechen nicht abwerten.

§

Möglicherweise haben sie diese wichtige Quelle von Gesundheitstipps zu Hüftschmerzen schon wieder vergessen, aber sie ist weiterhin online, bedienen Sie sich: “Statt Medizinstudium”. Wäre ich nicht so störrisch, hätte ich mir ganz sicher durch Befolgen das Hüft-Implantat wegen Arthrose zweiten Grades ersparen können.

Daran erinnert hat mich ein ähnlicher Service von @marga_owski auf Twitter. Margarete sammelt, was ihr unaufgefordert gegen ihr heftiges Long Covid-Leiden empfohlen wird.

§

Möglicherweise werden Menschen, die bei Nichtwissen/Neugier erst mal googlen, und Menschen, die erst mal per Kommentar/Druko fragen, einander nie verstehen.

§

Wacken-Yoga.

Journal Freitag, 5. August 2022 – Wochenabschluss mit einem Rosé-Knaller

Samstag, 6. August 2022

Bereits bei meinem Morgenkaffee auf dem Balkon war es schwül.

Die Vormittags- und Mittagssonne brannte dann auf mein Büro, die großen Jalousien ließen sich nicht herablassen – da war’s auch schon egal, dass ich für einen Job mehrfach durchs ganze Haus laufen musste. Ich sah’s als Trainingseinheit und nahm zweimal bis in den 16. Stock die Treppen.

Freude aufs Wochenende, der Freitagfeierabend kündigt sich mit wachsender Lust auf Alkohol an.

Wieder sehr spätes Mittagessen wegen (von Auftraggebendem unverschuldetem) Feuerwehreinsatz, der mich anderthalb hochintensive Stunden kostete. Kurz vor zwei gab es Nektarinen, Banane, Zuckeraprikosen, Renekloden mit Hüttenkäse.

Jetzt war ich erledigt, nachmittags riss ich nicht mehr viel.

Der Heimweg war dann gar nicht so schlimm heiß wie am Donnerstag, nur normal heiß. Unterwegs Molkereiprodukte fürs Wochenende beim Vollvorner besorgt.

Die eigene Wohnung hatte Herr Kaltmamsell schön kühl gehalten, wir ließen Fenster und Türen weiterhin geschlossen (bis auf die in den kühlen Lichthof). Nachdem ich ausgeschwitzt hatte, wiederholte ich die Yoga-Einheit vom Donnerstag; gerade mit Balance-Übungen komme ich besser zurecht, wenn ich auf sie gefasst bin.

Wanderführer Baskenland für September/Oktober bestellt, langes Wochenende in Freiburg gebucht, Meldung für Ernteeinsatz in unserem Kartoffelkombinat Apfelgarten.

Zur Feier des Wochenabschlusses gab’s erst mal Calvados-Tonic. Nachtmahl waren Spareribs, die Herr Kaltmamsell auf dreierlei Art gegrillt hatte: Nur gesalzen (wurden knusprig-trocken), mariniert (schmeckten vor allem nach Marinade), vorgedämpft (unsere Favoriten, blieben schön saftig). Dazu machte ich Ernteanteil-Chinakohl als Salat mit Joghurt-Dressing.

Wein dazu: Der Pittnauer Rosé Dogma 2021, den ich im Ingolstädter District Five gekauft hatte.

Er gefiel mir sehr gut: Spontanvergoren und ungefiltert, dennoch ganz weit weg von Orange Wine. Fruchtig, mit ein wenig Luft Himbeer(geist) in der Nase, im lange Nachhall Zwetschge. Passte gut zu unseren Spareribs.

Nachtisch Schokolade.

Im Fernsehen ließen wir Tootsie von 1983 laufen, hat sich erstaunlich gut gehalten: Gutes Drehbuch, großartige Schauspieler*innen (Bill Murray kannte ich damals so gar nicht, dass ich ihn nicht wahrgenommen hatte, ebensowenig Geena Davis), so viel 1980er-New York! Was mich erstaunte: Obwohl ich den Film nicht mehr als zweimal gesehen haben kann (ich glaube aber, sogar beim Start im Kino), konnte ich mich an sehr viele Details erinnern.

Währenddessen ging das angekündigte Gewitter los, wieder konnten wir Fenster und Balkontüren nicht öffnen.

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Auf Facebook geteilt von @sinnundverstand mit dem Hinweis: “Hierfür wurde das Internet erfunden.” Ja.

Ed People lässt sich auf der Straße von Leuten ihren Lieblingstanz beibringen.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/jOvmKHtbaUA

Journal Donnerstag, 4. August 2022 – Keine Wegführung unterm Heimeranplatz

Freitag, 5. August 2022

Nach Weckerklingeln bleiern müde – möglicherweise hatte mein Bauch ein Problem mit der vielen Butter im Abendessen. (Nein, die vielen Süßigkeiten können kein Problem gewesen sein.)

Balkonkaffee in milder Luft.

Der Vormittag im Büro war geschäftig. Mittags ging ich wieder raus auf einen Cappuccino, diesmal zum Emilio in der Gollierstraße, weil ich dort gleich die Espressobohnen-Vorräte daheim auffüllte. Für meinen Cappuccino (überdurchschnittlich) bot man mir die Jubiläumssorte an, die sich gut machte.

Für die Wege hin und zurück nahm ich gezielt die Schattenseite der Straßen: Die Hitze, die sich schon vor acht angekündigt hatte, war jetzt da.

Wie fast täglich beim Nutzen der Unterführung U-/S-Bahnhof Heimeranplatz fing ich den suchenden Blick umherirrender Menschen auf und wies ihnen den Weg, gestern dreimal: Die Ausgänge sind hier wirklich sensationell schlecht ausgeschildert, und das obwohl der Heimeranplatz ein Drehkreuz ist. Vor allem Menschen, die an den südlichen Ausgang von der U-Bahn geraten, also Richtung Hansastraße, werden komplett desorientiert. Auf die Frage “Wie komme ich denn hier zum Bus?” muss ich dann immer erst mal “Zu welchem?” rückfragen, und dann “In welche Richtung?”: Um den Heimeranplatz gibt es vier Bushaltestellen. Selbst unterm Sendlinger Tor mit den vielen Ausgängen ist es einfacher sich zurechtzufinden, auch im derzeitigen und noch lang anhaltenden Baustellen-Wirrwarr: Alle Bus- und Tramlinien sind ausgeschildert, auch die Ausgangshinweise auf Straßen sind korrekt und je nach Baustellenentwicklung angepasst. Kann sein, dass man dreimal die Runde im Untergeschoß drehen muss, bis man sie sieht, aber sie sind da. Nicht so unterm Heimeranplatz.

Mittagessen über der Arbeit: ein wenig Pumpernickel mit Butter, viele köstliche Pfirsiche, Zuckeraprikosen, Renekloden mit Kefir übergossen. Dann war ich sehr müde (gibt es Obst-mit-Kefir-Koma?).

Die Hitze machte den Heimweg mühsam, ich konnte nicht nur im Schatten gehen und musste mich von der Sonne verprügeln lassen. Einkauf im kleinen Russenladen in der Mozartstraße: Kwass für das am Wochenende geplante Okroschka.

In der gut verschattet gekühlten Wohnung enthitzte ich erst mal, dann gab’s eine Runde Yoga-Flow mit Mady.

Das Nachtmahl bereitete ich aus Ernteanteil zu: Blattsalat mit Zitronen-Walnussöl-Dressing (Walnussgeschmack nicht so schön zu schmecken wie in der Kombination mit Balsamico), Tomaten mit Büffelmozzarella und frischem Oregano (weil halt im Ernteanteil – passte!).

Sehr gut. Nachtisch Süßigkeiten.

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Dringend nötig: Gute Nachrichten.
“Nach mehr als 30 Jahren hat der Tierpark Hellabrunn zum ersten Mal wieder Nachwuchs bei den Stachelschweinen!”

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Schabernack mit Sportfotografie: Hier findet jemand vergleichbare Motive in der Kunstgeschichte.

via @ankegroener, eh klar

Journal Mittwoch, 3. August 2022 – Eritreisches #Lindwurmessen im Restaurant Rotes Meer

Donnerstag, 4. August 2022

Morgens nochmal die perfekte Temperatur für Balkonkaffee in herrlichem Sommermorgenduft, die Sonne ging in einen wolkenlosen Himmel auf.

Auf dem Weg in die Arbeit einen Mauersegler überm Westend gesehen – aber keine schrillenden Banden mehr.

Im Büro erst mal eine Kanne Tee mit einer Neuerwerbung vom Kräuter- und Wurzelsepp (Geheimtipp für München-Besuche, liegt fünf Minuten vom Viktualienmarkt entfernt). Und leider muss ich neu auf die Liste von Brauch-ich-nicht-in-meinen-Früchte-und-Kräutertees setzen: Fenchel. Nach Süßholz, Minze, Brombeerblättern. Wobei ich Fencheltee mag. Auch Tee aus frischer Minze.

Vormittags nutzte ich das Angebot meines Arbeitgebers, ein neues Portrait fürs Mitarbeitenden-Portal machen zu lassen. Mein derzeitiges Foto ist sieben Jahre alt, und ich möchte nicht, dass Menschen bei meinem deutlich gealterten Anblick erschrecken. Ich finde Fotos im Firmen-Intranet ausgesprochen praktisch, vor allem wenn man mit jemandem zum ersten Mal verabredet ist – oder sich versucht zu erinnern, wer das nochmal war. Möglicherweise habe ich alle Spielregeln von Fotosessions zerschossen, als ich als Ziel “Erkennbarkeit” nannte und bereits die erste Runde Aufnahmen mit “Passt!” abnickte. Aber mit meinen 55 Jahren weiß ich doch inzwischen, dass ich leicht fotografierbar bin, das ist ja kein Verdienst.

Mit dem Ergebnis war ich rundum zufrieden: Das bin eindeutig erkennbar ich.

Wegen einer längeren Besprechung und eines IT-Termins, der mir wichtig war, kam ich erst um halb zwei zu meinem Mittagessen: Pumpernickel mit Butter, köstliche weiße Pfirsiche mit Kefir.

Draußen wurde es über den Nachmittag heiß. Aber als ich das Gebäude nach Feierabend verließ, fand ich den Heimweg möglichst im Schatten erträglich.

Bei Sankt Paul bog ich ab: Ich kaufte im Süpermarket Verdi Obst. Daheim nur kurzes Verschnaufen, ich war mit Herrn Kaltmamsell endlich zum nächsten #Lindwurmessen1 verabredet, und zwar im eritreisch/äthiopischen Lokal Rotes Meer.

Wir setzten uns raus in den (typischen unglamourösen Lindwurmstraßen-)Hinterhof.

Erst brachte uns der sehr freundliche und liebe Kellner gemischte vegetarische Vorspeisen: Teigtaschen mit Linsenfüllung, interessant gewürzte Hirse und Grünkohl mit Frischkäse – alles ganz hervorragend.

Dann gab es Injera, gesäuerte Hirsemehlfladen (ein Fladen auf der Servierplatte, links daneben Streifen, die auch als Esswerkzeuge dienten) mit Schirowat (gemahlene Erbsen gewürzt) und Begalitsch (Lamm in Curcumasauce, ich glaubte die typische eritreische Gewürzbutter daran zu entdecken). Anders als bei der privaten eritreischen Einladung versuchten wird uns diesmal an der Einwickeltechnik ohne Besteck: Die Saucen werden auf den großen Fladen gelöffelt, dann ein Stück Injera abreißen, über ein Stück Sauce stülpen, es damit greifen und in den Mund schieben – ging ganz gut! Und schmeckte hervorragend, der Erbsenbrei eigentlich noch exotischer als das Lamm. Wir schafften nicht mal alles. So waren wir nicht nur aufs Angenehmste satt: Meine Bedenken, das Lokal könnte nach dem Lob in der Süddeutschen Zeitung überlaufen und überfordert sein, hatten sich nicht im Geringsten bewahrheitet.

Nach einem Spaziergang auf dem Heimweg hatten dann doch noch Süßigkeiten zum Nachtisch Platz.

§

Man kann es sich denken, aber es hilft, die expliziten Aussagen zu lesen. 2012 erschoss ein Massenmörder an der Sandy Hook Elementary School 27 Menschen (ich tue mich mit der Bezeichnung “Amoklauf” schwer, das hier war ein geplanter und systematischer Mord, kein spontanes Ausrasten). Nur: Der Rechtsextreme Alex Jones verbreitete seit kurz darauf den Mythos, das sei alles eine Inszenierung gewesen – unterstützt von Tausenden Anhänger*innen. Jetzt steht Jones deshalb vor Gericht, und die Eltern der ermordeten Kinder berichten, was seine Lügen angerichtet haben.
“Sandy Hook parents testify about the ‘hell’ Alex Jones inflicted on them through lies about the shooting”.

(Gestern stellte sich im Prozess außerdem – versehentlich – heraus, dass Alex Jones durch seine reißerischen Lügen mit seiner Online-Plattform in besten Zeiten bis zu 800.000 Dollar TÄGLICH verdiente.)

§

Ein Fußballfoto, das auch mich bewegte, war das der englischen Nationalspielerin Chloe Kelly nach ihrem Europameisterschaftstor. Lucy Ward analysiert im Guardian, warum:
“Pure joy and a sports bra: the photo that encapsulates England Women’s Euros win”.

This is a woman’s body – not for sex or show – just for the sheer joy of what she can do and the power and skill she has.

  1. Wir futtern uns nacheinander durch alle Lokale an der Südseite der Lindwurmstraße von Sendlinger Tor westwärts bis Stemmerhof, dann an der Nordseite wieder zurück. []

Journal Dienstag, 2. August 2022 – Mittagsabenteuer

Mittwoch, 3. August 2022

Gute Nacht, durch die offenen Fenster wehte es regenkühl herein.

Sehr angenehmer Weg in die Arbeit. Ich begegnete einer Sonderform der Typografie: Gemischte Botschaften.

Zunächst dachte ich, das sei eine große Text-Font-Schere – doch dann sah ich, dass sich die Schriftart auf die Mühle bezieht. Typografie-Humor.

Mittags ging ich auf großes Abenteuer. Erinnern Sie sich noch an das Café, an dem ich außerhalb der fünf Oktoberfest-Monate auf meinem Arbeitsweg vorbeikomme und das in mir oft Sehnsüchte nach einer alternativen Identität weckt? Ich folgte der verwegenen Idee, dort einfach mal mittags auf einen Cappuccino hinzugehen.

Volkskunst auf dem Heimeranplatz.

Allein der Spaziergang zum Café Colombo war den Ausflug wert: Ein perfekter Sommertag, an dem es um die sonnige Mittagszeit noch nicht heiß war, an dem es nach Ferienglück roch, die Farben strahlten (es half, dass ich den orange people begegnete, die gerade Straße kehrten), die Menschen in bunte Flatterkleidung gehüllt waren.

Im Café war ordentlich was los, in den Regalen entdeckte ich interessante Weine und Lebensmittel (darunter Orecchiette) mit hübschen Etiketten, der Cappuccino schmeckte.

Zurück am Schreibtisch aß ich zu Mittag Gurke, Quark mit Joghurt, Nektarine und Pfirsich.

Geschäftiger Nachmittag, bunt durch weitere Bluescreen-Ereignisse auf einem weiteren Rechner.

Auf dem Heimweg nur ein kurzer Einkaufsabstecher, Herr Kaltmamsell hatte unsere Liste bereits abgeräumt. Zu Hause eine ausführliche Runde Yoga, die Abschlussfolge von Adrienes Home, die sie immer ohne Ansagen turnt. Ich musste also fast durchgehend auf den Bildschirm gucken, eher unentspannt. Nein, selbst kann ich mir nicht 40 Minuten Yoga zusammenstellen, ich brauche Vorgeturntes.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell nach Langem mal wieder mein geliebtes Shakshuka – ohne dass ich es explizit gewünscht hatte.

Nachtisch reichlich Schokolade.

§

Ah, da schau her: Da hat jemand in Salzburg versucht, die Fleißer besser als die Fleißer zu machen. Laut Rezension ging das schief.
“‘Ingolstadt’
Die Antwort auf den ‘Jedermann'”.

In Ingolstadt ist man zu Ingolstadt verdammt. Und bei der Ingolstädterin Marieluise Fleißer heißt das: Der Katholizismus ringt alle nieder.

§

Langer, aber hochspannender Artikel über den Forschungsstand zur Evolutionstheorie, also über die Diskussionen der Rolle von natürlicher Auslese, Mutationen, Genetik, Epigenetik – und der (für mich eine neue Bezeichnung) Plastizität (Fähigkeit von Organismen, sich der Umwelt in der Entwicklung und bei konkreten neuen Bedingungen anzupassen), über die Suche nach einer unifying theory.
“Do we need a new theory of evolution?”

Journal Montag, 1. August 2022 – Schulferien auf dem Arbeitsweg

Dienstag, 2. August 2022

Nachts nur leichter Schlaf, ich hatte mich beim Zu-Bett-Gehen seltsam aufgekratzt gefühlt. Das Wetter: wolkig-sonnig mittelkühl.

Jetzt sind Sommerferien, also freue ich mich für ein paar Wochen auf dem Weg in die Arbeit an anderen Wegen, die ich sonst wegen Schulkinderbevölkerung meide.

Gollierstraße.

In der Arbeit eher Ungemütliches, unter anderem musste ich auf einen Ersatzrechner ausweichen. Mittagessen Birchermuesli mit Sojajoghurt, marmeladig reife Pflaumen, Nektarine.

Geschäftiger Nachmittag. Der Tag war sommerlich geworden, aber nicht heiß. Auf dem Heimweg Süßigkeiten- und Obsteinkäufe. Der Himmel zog zu, aber über dem Westend sah ich nochmal Mauersegler.

Daheim eine wohltuende Runde Yoga, ich turnte nochmal die vorletzte Folge in Adrienes Programm Home.

Als Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell Zucchini aus Ernteanteil mit eh noch vorhandenen Limetten, Chili (vom Balkon!), Minze, Thai-Basilikum, Ingwer plus zugekauften Garnelen in ein köstliches Gericht verwandelt, mit genau der richtigen Schärfe. Und der Thai-Basilikum ist mit seiner Anis-Note eine echte Entedeckung: Welche Speisen lassen sich wohl noch damit bereichern? Nachtisch reichlich Süßigkeiten, auf die ich mich den ganzen Nachmittag gefreut hatte.

In der Dämmerung begann es zu regnen, es gab nachts immer wieder hochwillkommene Schauer.

§

Nichelle Nichols ist gestorben, eigentlich unsterblich geworden als Lieutenant Uhura auf der USS Enterprise. Sie spielten wir auch gerne als Kinder beim Raumschiff-Enterprise-Nachspielen, irgendein Haarschmuck musste als Antenne im Ohr dienen. Ich weiß gar nicht, ob mir als Kind auffiel, wie selbstverständlich in dieser Fernsehserie eine Frau als Technikerin ernst genommen wurde – sicher nicht, dass sie auch noch als Schwarze Frau ernst genommen wurde. Schön fand ich Nichols ganz sicher, auch als alte Frau. Im Guardian ein Nachruf in Bildern.

§

@formschub hat mir einen Wunsch erfüllt und über Typografie gebloggt:
“Die Welt(en) hinter den Buchstaben”.
(München habe ich mindestens zweimal entdeckt.)

Journal Sonntag, 31. Juli 2022 – Von Jakobidult bis Preysinggarten

Montag, 1. August 2022

Guter, erholsamer Schlaf bis um sieben. Draußen war der Himmel bedeckt, die Luft kühl. Eigentlich hatte ich einen Freibadschwumm geplant, doch überm Bloggen und Morgenkaffee schwand die Lust darauf. Dann fiel mir auch noch die Jakobidult ein und ich plante um.

Als ich nach Körperpflege und Ankleiden bereit zum Aufbruch war, hatte sich das Wetter zwar doch für Freibad-Tauglichkeit entschieden, aber das war mir jetzt egal. Mit Herrn Kaltmamsell ging ich erst noch auf einen Cappuccino in ein Café an der Hans-Sachs-Straße, dann die Fraunhoferstraße entlang zur Isar und zur Auer Dult.

Jahnstraße.

Diese Jakobidult war wieder so groß wie vor Corona. Wir gingen systematisch alle Gassen ab, sahen viel Interessantes. Unterwegs entwickelte sich ein Gespräch über die Risiken von Herrn Kaltmamsells Sabbatjahr, als er nämlich bei allem, was im Haushalt anstand (wir gingen gerade an den Ständen mit “Neuigkeiten” vorbei und dachten an den dringend entkalk-bedürftigen Wasserhahn in der Küche), meinte: “Das kann ich ja in meinem Sabbatjahr erledigen.” So soll das auf keinen Fall sein: Dass er plötzlich für alles zuständig ist, schließlich ist war sein zentraler Vorsatz für die Auszeit Nichtstun.

Entdeckung: Die Alpen-Cocosnuss.

Gekauft haben wir nichts: Das Doppel meiner hochgeschätzten Bürotasse, nach der ich suchte, gab es nicht, diese Töpferei hat in den sechs Jahren seit Erstkauf zu anderen Tassenformen gewechselt – und irgendeine Riesentasse brauche ich nicht.

Zurück daheim gab es Mittagessen: Herr Kaltmamsell hatte die Roten Beten aus Ernteanteil gegart und servierte sie mit zweierlei Mohn-Dripping.

Mohnbröselbutter und Mohnjoghurt – beides sehr gut, aber die Butter bräuchte als Gericht noch etwas dazu. Außerdem gab es Kartoffelsalat vom Vorabend und eine große Portion Trifle.

Supertüchtiger Nachmittag, ganz erstaunlich, zu wie viel ich ohne Sportprogramm komme: Wochenendzeitung gelesen, Lieblingstweets des Monats zusammengestellt, gebügelt. Herrn Kaltmamsell streng angesehen und betont, dass er die drei T-Shirts nur gebügelt wiederbekommt, wenn er sie unten in seinen Stapel legt (er trägt seit Sommeranfang dieselben drei) (für Arbeit und Ausgehen aber auch Hemden) (weiteres Risiko des Sabbatjahrs Kleidungsverkommen?). Vor meiner Abendverabredung fand ich sogar noch Zeit für ein halbes Stündchen Yoga.

Mangels Lust auf Radfahren nahm ich eine Tram nach Haidhausen – dachte ich, doch sie fuhr nur bis zum Isartor: Bauarbeiten. Schnell in die S-Bahn bis Rosenheimer Platz umgestiegen, von dort zu Fuß weiter. Im Preysinggarten verbrachte ich einen sehr schönen Abend. Unter anderem stellten meine Verabredung und ich fest, dass sie vor 20 Jahren fast in Sichtweite des Lokals gewohnt hatte, ich vor wenig länger hatte in Sichtweite meine erste Arbeitsstelle in München. Ich genoss die Begegnung und den Austausch, das ist schon ein besonderer Mensch in meinem Kontaktkreis.

Zu Essen gab es rote Paprika mit Schafskäsefüllung und Salat, dazu zwei Rhabarberschorlen. Heimweg mit der U-Bahn vom Wiener Platz – auch die Rückreise umständlich mit Pendelverkehr ab Odeonsplatz: Bauarbeiten.


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