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Journal Samstag, 21. Mai 2022 – 29. Rosentag mit Museum Fünf Kontinente und Abend im Broeding

Sonntag, 22. Mai 2022

Ganz gute Nacht (bis auf einmal Aufspringen und Dehnen weil Krampf), gut ausgeschlafen.

Morgens kümmerte ich mich erst mal um den Brotteig, es gab herzhaftes Schokoladenbrot. Die nächsten Stunden fühlten sich ruhelos an. Zwischen Brotback-Handgriffen standen Bloggen, Pediküre, Duschen auf dem Programm, danach erster Einkaufsgang.

Denn gestern war Rosentag (seine Geschichte, meine Geschichte., die große Feier zum 25.). Diesmal mit neuer Vase, gestellt von meiner Mutter, die Vase sollte auch die nächsten Jahre den Strauß fassen können.

Das Draußen war weiter sonnig, zum Glück nicht mehr heiß. Ich zog nochmal los, um einen Zweitbikini und eine weiße, weite Sommerhose zu kaufen, Start im Kaufhof am Marienplatz. Meine Güte: Ich hatte völlig vergessen, wie zeitaufwändig Kleidungskauf ist. Bis ich endlich mit Bikini und Hose zurück kam, waren zwei Stunden vergangen – und ich war wirklich nicht zu Shopping abgeschweift, sondern hatte gezielt gesucht. (Na gut, Erdbeeren hatte ich auch mitgenommen.)

Die weitere Überraschung: Meine Fresse sind Bikinis teuer. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt einen Bikini ganz regulär gekauft habe, also nicht als Schnäppchen im Schlussverkauf oder gebraucht bei ebay, es mag 20 Jahre her sein. Der Kaufhof am Marienplatz löst gerade seine Sportabteilung auf (ganz oder wegen Umbau?), als Folge bekam ich 20 Prozent an der Kasse, was den Preis von Oberteil und Hose (Chantelle) nicht unter 100 Euro brachte.

Nach der Hose suchte ich erst im Kaufhaus, dann klapperte ich die Theatinerstraße ab – vergeblich. Erst als ich auf dem Rückweg auch in den COS ging, hing da etwas, was meinen Vorstellungen entsprach (jajaja, ich weiß: Ausbeuterkleidung). Ich stellte mich an der kürzeren Umkleide-Schlange der Männerabteilung an (auch das eine Überraschung: die enormen Schlangen an allen Umkleiden – na ja, Samstag halt): Die Hose sah super aus. Das beschichtete Leinen ist zwar laut, aber das beschloss ich zu verschmerzen.

Frühstück war dann Schokoladenbrot (gut!) mit kroatischem Pressack, Erdbeeren.

Für den Nachmittagsausflug zog ich die neue Hose gleich an:

Eigentlich hatte ich Herrn Kaltmamsell anlässlich des Rosentags ins Naturkundemuseum ausführen wollen, was in München die Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie ist (Hauptsache Dinosaurierknochen), doch die ist am Wochenende leider geschlossen. Statt dessen spazierten wir zum Museum fünf Kontinente, das wir vor vielen Jahren mal besucht hatten, als es noch “Völkerkundemuseum” hieß.

Die Innenstadt und damit auch die Maximilianstraße war knallvoll Menschen.

Das Museum hat sich nicht nur mit der Namensänderung auf den langen, schwierigen Weg der Selbstreflexion und bewussteren Einordnung der eigenen Geschichte und Bestände begeben. Ich fand sehr spannend, an welchen Stellen bereits Transparenz und offener Blick zu erleben waren, und an welchen Stellen noch alter Kolonialismus und West-zentrierter Herrenmenschenblick dominierten.

Zu Ersterem gehörte die Foto-Ausstellung im Treppenhaus.

Mich amüsierte der Hinweis, dass schon im 19. Jahrhundert wir Westler*innen bestimmen wollte, was in anderen Kulturen authentisch ist und was nicht.

Diesmal beschränkten wir uns auf das erste Obergeschoß, sahen uns in den wirklich schön präsentierten Abteilungen Orient, Ozeanien und Myanmar um.

Unter anderem lernte ich über die verschwundene Kultur in Nuristan in Ostafghanistan, von der ich noch nie gehört hatte.

Abteilung Ozeanien. Wie so oft fragte ich mich, welche Gegenstände ozeanische Menschen wohl aus der oberbayerischen Kultur auswählen würden, um bei ihnen daheim meine Kultur in einem Museum darzustellen. Welche Funktion würden sie ihnen zuschreiben? Welche würden sie als wichtig genug fürs Ausstellen erachten, welche als unwichtig weglassen? (Denn selbstverständlich spiegeln diese Räume nicht die Eigensicht der dargestellten Kulturen, sondern unsere.)

Besonders stolz ist das Museum auf seine Abteilung zu Myanmar.

Im Jahr 1911 reiste Lucian Scherman, Direktor des Münchner Völkerkundemuseums, jetzt Museum Fünf Kontinente, zusammen mit seiner Frau Christine nach Burma, dem heutigen Myanmar. Die beiden legten eine weltweit einzigartige ethnographische Sammlung an, zu der mehr als 2300 Objekte, 1200 Fotografien, ausführliche Reisetagebücher und Tonaufnahmen zählen.

Die Ausstellung beginnt mit einem Raum, in dem ein heutiger Marktstand aufgebaut ist, beschreibt inklusive Geräuschkulisse den Alltag und das Leben in einer dortigen Stadt. Und doch wurde mir mit der Zeit beim Betrachten der vielen Vitrinen und Exponate (wirklich sensationell und sehenswert) ein wenig unwohl: Scherman hat auf seiner Reise offensichtlich alles “gekauft”, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Ich bezweifle nicht, dass er für die Exponate gezahlt hat – aber ich bezweifle, dass die meisten dieser Gegenstände überhaupt zum Verkauf standen. Und genau das wird nicht thematisiert.

Bei dieser Beschriftung musste ich dann doch lachen. Zum einen liest sie sich herablassend wie ein Ausschnitt aus Brehms Tierleben, zum anderen wissen wir ja inzwischen, dass diese “Sanftmut” problemlos einen Genozid an den Rohingya einschließt.

Ich möchte auf jeden Fall wiederkommen; zum einen um die anderen Teile des Museums anzusehen, zum anderen um den weiteren Prozess der Selbstreflexion mitzuerleben.

Was ich als wirklich bizarr empfand: Die Maskenpflicht in den riesigen, fast komplett menschenleeren Museumsräumen. Und das sage ich, wo ich weiterhin konsequent FFP2-Maske trage beim Einkaufen und in Öffentlichen Verkehrsmitteln sowie in Räumen mit Menschen, zu denen ich keinen Abstand wahren kann.

Der Heimweg war dann schon fast heiß, auf dem Viktualienmarkt gab’s schier kein Durchkommen.

Daheim zog ich mich schon mal fürs Ausgehen um, denn gegen sechs klingelte Ingolstädter Familie sechsköpfig: Die Verwandtschaft hatte in München eingekauft und zog sich bei uns für einen abendlichen Opernbesuch um – wirbelnde Verwandlung in eine Festgesellschaft unter viel Gelächter, mit schnellen Austausch aktueller Informationen, dazwischen ein Schluck Wasser.

Mit Herrn Kaltmamsell verbrachte ich den Abend des Rosentags im Broeding, wir konnten dafür sogar noch auf einen Gutschein zurückgreifen, der Teil der vielen wunderbaren Geschenke zum Rosentag vor drei Jahren gewesen war.

Gruß aus der Küche war geröstetes Brioche mit Kalbsleberwurst und Rotweinbutter – ganz wunderbar. Als Aperitiv hatte ich einen alkoholfreien Rhabarber-Ingwer-Spritz, ich wollte mich vor der Weinbegleitung nicht überfordern.

Gurkenkaltschale mit Räucherfisch-WanTan und Erbsenpüree, im Glas ein sehr intensiver Grüner Veltliner Ebner-Ebenhauer aus dem Weinviertel (der sich vor allem mit den Erbsen hervorragend verstand).

Spinat-Malfatti mit Datteltomaten und Estragon, begleitet von einem wunderbaren Tement Welschriesling.

Gebratene Seeforelle (Starnberger See) mit Spargelsalat, Morchelgemüse und grüner Sauce, dazu ein ungarischer Homonna Tokaji Furmint – sehr spannend.

Maibock mit Rahm-Rhabarber, Pastinakenpüree, grünem Wildspargel – hervorragend. Dazu passte wunderbar der 2015er Loimer Pinot Noir Gumpoldskirchen (bei diesem Stichwort singt in meinem Kopf immer Hans Moser das Reblaus-Lied, ich habe vor Jahrzehnten auf dem Flohmarkt Schallplatten mit alten UFA-Liedern gekauft – und oft gehört).

Zum Käsegang gab es im Glas den Knaller des Abends:

Einen Zwetschgen-Portwein aus der Uckermark vom Gutshof Kraatz.

Dessert 1 war Zitronenverbeneneis.

Dessert 2 eine wundervolle Beerengrütze mit Topfennocke. Im Glas dazu nichts Süßes, sondern ein Reiterer Rosé Schilcher Frizzante.

Sehr sattes und zufriedenes Heimschaukeln mit der U-Bahn.

§

Affenpocken: Bevor Sie sich als Laie wild irgendwas zusammenspekulieren (in bestimmten Kreisen wird das “sich eine eigene Meinung bilden” genannt), könnten Sie auch das Interview mit Deutschlands führenden Pocken-Virologen lesen, mit Gert Sutter:
“‘Eine neue Pandemie haben wir nicht zu befürchten'”.

Wir Alten sind ja geimpft, schönen Gruß an die beiden Narben an meinem rechten Oberarm.

Journal Freitag, 20. Mai 2022 – Zu heiß für Feierabendeinkäufe

Samstag, 21. Mai 2022

Nacht ok, also ohne Lücken oder Krämpfe. Gewittert hatte es nicht.

Ein weiterer vom Schneider angepasster Rock, ein neu dazugekauftes Oberteil.

Schon auf dem Weg in die Arbeit, also um halb acht, brannte die Sonne richtig heiß auf die Theresienwiese.

Arbeitsvormittag mit aufregenden Neuigkeiten, sowohl aus der Arbeit als auch aus der Familie.

Mittags gab es zwei Äpfel (selbe Sorte, dennoch schmeckt einer sehr köstlich, der andere nur so lala), Pumpernickel mit Butter.

Jetzt hatte ich mich schon mal zu einer Mammographieplanung durchgerungen – und dann wurde mir der Termin abgesagt wegen Maschine kaputt. Aber da ich ja der Gynäkologin zugesagt habe, dass ich eine Mammographie machen lassen werde (und ich ein bisschen zwanghaft im Worthalten bin), suchte ich umgehend einen neuen Termin, Doctolib ist genau mein Ding.

Mal wieder in den Techniktagebuch-Redaktionschat geschaut: Er ist immer noch so sensationell lustig und schlau, dass ich schnell wieder zumachte, weil ich sonst (neben Twitter- und Bloglesen) zu gar nichts mehr käme.

Plan für nach Feierabend waren Kleidungskäufe im Stadtzentrum gewesen (Zweitbikini, weiße Hose), doch schon nach hundert Metern außerhalb des temperierten Büros stellte ich fest, dass ich in dieser Hitze (AM ZWANZIGSTEN MAI) gar nichts erledigen konnte. Ich ging entlang von Schatten langsam, aber so direkt wie möglich heim.

Herr Kaltmamsell hatte die Wohnung kühl gehalten, nach ein wenig Erholung, Sauerteigansetzen, Mani- und Pediküre machte ich eine Runde Yoga für Kraft und Balance.

Dann feierten wir das Wochenende mit Gin Tonics.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell die Mairübchen aus Ernteanteil zu einem Süppchen gekocht, dann wurden feine fleischerne und käsige Sachen aufgetragen, mit Ananas, Brioche und einem Cuvée Gewürztraminer Moscatel aus Valencia, Viña Llopis.

Kein erstes Abendessen auf dem Balkon, weil es dafür zu heiß war. (AM ZWANZIGSTEN MAI.)

Wir aßen sehr gut, ich erzählte Herrn Kaltmamsell von den vielfältigen Arbeitsaufregungen des Tages. Zum Nachtisch gab es Eiscreme: Schoko und Tiramisu.

Im Fernsehen lief der erste der alten Star-Wars-Filme. Es war sehr niedlich, ihn in Gegenwart von Herrn Kaltmamsell zu sehen, der alles (synchronisiert) aus Kinderzeiten mitsprechen konnte und zu jeder Einstellung Hintergrundinfos wusste.

§

Zur Feier des Samstags noch ein bisschen groovy Vivaldi! Es spielt die Goede Hoop Marimba Band (The Goede Hoop ist eine Volksschule in Boksburg, Südafrika).

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/k-Pn4usTSi8

Journal Mittwoch, 18. Mai 2022 – Erstes #Lindwurmessen

Donnerstag, 19. Mai 2022

Mittelunruhige Nacht, beim Weckerklingeln kam durchs offene Fenster herrliche Maienluft. Auf dem Weg in die Arbeit verzichtete ich auf eine Jacke.

Auf der Theresienwiese wird bereits das Oktoberfest aufgebaut – zumindest ein kleiner Teil davon. Denn: Das Bräurosl-Zelt (u.a. Schauplatz des Schwulen Oktoberfests am ->Gay Sunday, nach dem CSD wahrscheinlich die größte LGBTQ-Veranstaltung in München) ist dieses Jahr neu, und weil es erst noch vom TÜV abgenommen werden muss, darf es schon sechs Wochen vor dem offiziellen Start des Aufbaus (und der Sperrung der Theresienwiese, schnüff) aufgebaut werden.

Dass die Bierzelte des Oktoberfests eigentlich keine Zelte sind, sondern auf- und abbaubare Holzhäuser mit fester Anbindung an Strom-, Wasser- und Abwasserversorgung, sieht man im Vergleich zum klassischen Bierzelt auf dem Frühlingsfest.

Foto vom 12. Mai. Boden aus Holzplatten, Gerüst aus Alustangen, über die die Zeltplane gezogen wird. Auf den mächtigen Holzpfeilern oben hingegen werden Holzwände mit echten Fenstern und ein Holzdach befestigt, es gibt ein zweites Stockwerk mit einer Galerie.

Und überhaupt, hier ein wirklich guter Text zum Oktoberfest von Dominik Schelzke:
“Für die Stadt und das Lebensgefühl: München braucht die Wiesn!”

Egal, ob es um die Tracht, den Exzess oder das Italienerwochenende geht, zur Wiesn hat ganz München eine klare Meinung. Sie gehört zum Profil dieser Stadt wie die Isar und Karl Valentin.

Meine Meinung kennen Sie ja, auch dieses Jahr ist die Oktoberfestflucht bereits gebucht. Trotzdem empfand ich die beiden Seuchejahre ohne Oktoberfest als apokalyptisch. Und mir ist völlig klar, dass es ohne diese lukrative Großveranstaltung nicht mitten in der Stadt eine riesige freie Fläche gäbe.

Arbeit in der Arbeit, verhältnismäßig geradeaus.

Mittags erstes Stöbern im Programm der re:publica – und fast nicht mehr rausgefunden: So sehr fühlte sich das wie Heimkommen an, so sehr my people! Im ersten Schritt warf ich alle Links zu interessanten Speaker*innen/Programmpunkten in ein .doc. Kurz vor Abreise sortiere ich die zu meinem persönlichen Programm (und stelle höchstwahrscheinlich auch nach zwei Jahren Pause fest, dass alles Interessante gleichzeitig läuft).

Zu Essen gab es mittags das restliche selbstgebackene Dinkelbrot, außerdem Hüttenkäse mit Maracuja.

Nachmittags wurde die Arbeit nochmal turbulenter. Ich ging dennoch nicht zu spät, um noch etwas von dem herrlichen Wetter zu haben. Einkäufe auf dem Heimweg.

Abends war ich mit Herrn Kaltmamsell verabredet, wird wollten die Aktion #Lindwurmessen starten, also das erste von allen Lokalen an der Lindwurmstraße besuchen (nach dem Vorbild #mangiarosi in der Rosenheimer Straße). Wir hatten erstmal festgelegt, dass nur Gastronomie zählt, die Sitzgelegenheiten bietet, reine Take-aways nur, wenn sie etwas ganz Besonderes anbieten.

Vorher noch eine kurze Runde anstrengendes Yoga.

Abendessen beim Ayla.

Es gab Falaffel – einmal als “Bowl” und einmal als “Menu”. Schmeckte ok, die Falaffel waren sehr grün und gemüsig.

Aussicht beim Essen: St. Matthäus und die wundervollen Pappeln an der Lindwurmstraße. Daheim Schokolade zum Nachtisch.

§

Schaun Sie, wegen dem European Song Contest (ja natürlich weiß ich, wie der heutzutage wirklich heißt, ich vermisse halt den Namen Grand Prix Eurovision de la Chanson aus meiner Kindheit – der mit GPDLC auch noch die schönere Abkürzung hätte, passenderweise nur von den Konsonanten-trainierten Osteuropäer*innen korrekt auszusprechen). Theoretisch finde ich die Erscheinung durch und durch begrüßenswert (anders als internationalen Männerprofifußball). Praktisch will ich nicht gezwungen sein, mich damit zu beschäftigen.

Warum eine Welt ohne ESC, vor allem ein Europa ohne ESC ärmer wäre, fasst Laurie Penny unvergleichlich zusammen:
“All the Best Things About Europe with None of the Genocide”.

If the role of art is to interrogate civilization, the Eurovision song contest asks the one question that actually matters. The one question that’s still relevant after six savage centuries of slaughter and conquest in the notionally democratic West. It’s a question that’s usually posed in the dark alleyways and disused car parks of the collective unconscious, and it goes like this:

What if, instead of killing each other, we all just got hammered and did karaoke?

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Fotos!
“Capturing the everyday style of 1970s Britain”.

Gute Idee, nach Jahrzehnten die Aufnahmen durchzugehen, die zum Aufnahmezeitpunkt als unpassend/ungenügend angesehen wurden.

Journal Samstag, 14. Mai 2022 – Isar-/Loisachtalwandern in Maien-Idyll

Sonntag, 15. Mai 2022

Bis fast acht geschlafen, und das auch mit nur wenigen Unterbrechungen – super.

Draußen entwickelte sich wunderbares Wetter – auch das super, weil Herr Kaltmamsell den Tag für eine Wanderung hatte freinehmen können.

Erst mal gemütliches Bloggen und Morgenkaffee, Wäschewaschen, Telefonat mit meiner Mutter.

Ich ging eine schnelle Runde Einkaufen (u.a. Spargel und Erdbeeren für Sonntag, Brotzeit), dann zogen wir los. Eigentlich hatten wir mal wieder vom Starnberger See an den Ammersee wandern wollen, doch wegen Stammstreckensperrung der S-Bahn hätten sich An- und Abreise sehr kompliziert gestaltet. Statt dessen fuhren wir unkompliziert und direkt ab Hauptbahnhof Richtung Wolfratshausen, Wanderung am und im Loisach-/Isartal. Hier waren wir schon oft (zum Beispiel hier beschrieben), diesmal hatte Herr Kaltmamsell eine Erweiterungsschleife um die Loisachmünundung und in der Pupplinger Au recherchiert.

Gegen Sonne und Stechmücken hatte ich mich kräftig gecremt und besprüht, roch wie ein Drogeriemarkt nach Besuch einer Elefantenherde.

Schon die S-Bahnfahrt durch Sonnen-beschienene Maienlandschaft war herrlich. Rapsgelb bekam ich allerdings erst kurz vor Icking zu sehen.

Das Wegstück von Icking durch den Wald ist inzwischen ausgebaut und befestigt: In den Corona-Jahren waren wohl mangels entfernterer Ausflugsziele so viele Menschen durchgekommen, dass das nötig geworden war. Gesten begegneten wir nur sehr wenigen Wanderern oder Radler*innen, vielleicht haben wir jetzt die Wanderwege im S-Bahnbereich wieder mehr für uns.

Ich hatte mich für kurze Wanderhosen und Ärmel entschieden, das stellte sich als genau richtig heraus.

Schlederloh.

Blick auf die Loisachmündung in Frühlingsfarben, hier verlief das letzte Stück unseres Wegs.

Es wurde bereits an vielen Stellen das erste Heu gemacht (hier im Bild der Kreiselheuer, in meinem Hirn spielten Haindling “Mo mah du”).

Vor Dorfen.

Hinter Dorfen, kurz vor der Abzweigung nach links Richtung Wolfratshausen.

Über Wolfratshausen machten wir um halb drei Brotzeit: Ich aß Apfel und Nussschnecke.

Die Loisach in Wolfratshausen. Diese gingen wir wieder ein Stück entlang, doch an der Stelle, an der wir sie sonst zurück kreuzten, gingen wir Richtung Osten und Pupplinger Au / Isartal. Dieser neue Abschnitt stellte sich als besonders reizvoll heraus.

Der Weg mäanderte schmal durch den Auwald und den Bärlauch, links erzähte das Wasser Geschichten, mal mit Gluckern, mal mit Rauschen. Auf dem Weg sahen wir zweimal kleine Blindschleichen, im Wasser Fische.

An der Floßlände Angermeier kreuzten wir die Isar.

Brückenmadonna von Anton Ferstl. Selbst bei solch einer behutsamen Modernisierung griffen die Bürger*innen 1990 umgehend zu den Mistgabeln: Alles was nicht nach Dorfkirche-mit-Zwiebelturm-Holzschnitzerei aussieht, wird hierzulande erbittert bekämpft. (Allerdings nehme ich sehr an, dass auch ein Matthias Grünewald zu Lebzeiten auf solche Reaktionen stieß und fuchteln musste: “KUNST kommt nicht von ‘gefallen’!”)

Vor solchem Uferabbruch warnten Schilder, sie sind typisch für diese Flusslandschaft.

Auf dieser Isarseite gingen wir zurück Richtung Icking.

Weitere Abwechslung in der Landschaft.

Kurz vorm Ickinger Wehr. Vor Rückenkraulen wird gewarnt.

Aus dem Ickinger Wehr.

In Icking gibt es nur ein Wirtshaus. In dem kehrten wir ein.

Wurstsalat und Schweinsbraten (wenn die Wirtshausküchen halt lieber gleich auf Versuche in Kruste verzichten würden, statt unkaubares Hartleder zu produzieren). Ich hatte wieder keine Lust, auf der Rückfahrt dumpf im Kopf zu sein und trank lieber zwei alkoholfreie Weißbiere (Elektrolyte!).

In München holten wir uns auf dem Heimweg vom Bahnhof Nachtisch bei der Nachbarschafts-Eisdiele. Die Streckenlänge (ca. 16 Kilometer in knapp fünf Stunden mit zwei Pausen) war genau richtig gewesen, weder Herr Kaltmamsell und ich hatten auf den letzten Metern Beschwerden.

Journal Freitag, 13. Mai 2022 – Abziehende Regenfront, Wochenendfeiern

Samstag, 14. Mai 2022

(Mir fällt auf, dass ich schon lange keine Freitag-der-13.-Witzeleien mehr gehört habe. Müsste ich dafür Privatradio hören, oder ist dieses Kulturgut am Verschwinden /o\?)

Nacht mit Schlafloch, aus dem langsamen Wiedereinschlafen riss mich Transportklappern von draußen. Ich sah aus dem Fenster: Da sammelte ein unmarkierter Kleinlaster E-Roller ein, vermutlich zum Laden – durchaus vorsichtig und offensichtlich auf Lärmvermeidung bedacht, aber ich schlief halt alles andere als tief.

Möglicherweise bin ich der Wurzel meiner nächtlichen Seitwaden- und Zehenkrämpfe auf der Spur: kaputte LWS (im Zweifel ja Erklärung für alles). In dieser Nacht löste ich die Krämpfe nämlich, indem ich auf dem Rücken liegend erst das eine, dann das andere Knie ausdauernd ranzog. Beim nächsten Krampf stand ich auf und beugte mich in forward fold (Yoga-Vorbeuge) mit leicht angewinkelten Knien. Beides half mir, die Muskulatur um die Lendenwirbelsäule zu entspannen, gleichzeitig löste sich der Krampf.

Ein Regenmorgen, den Weg in die Arbeit trat ich in einer Niederschlagspause an, wurde dann aber ein wenig angesprutzt.

Vormittags ein paar satte Schauer – die Spargelpreise müssten in Kombination mit den milden Temperaturen gerade steil sinken.

Mittags gab es eine Portion Hirsebrei vom Vorabend (beim Erkalten weniger fest geworden als erwartet), außerdem Joghurt mit Quark.

Pünktlicher Feierabend: Wochenende! Auf dem Heimweg Vorratseinkäufe im Vollcorner (ich gehöre ja zu den Sortier-Streberinnen, die die Ware in Einpack-Reihenfolge aufs Kassenband legt; diesmal machte mich das so flink, weil ich Herrn Kassierer alles praktisch aus der Hand nahm und direkt verstaute, dass der Kunde vor mir noch nicht mal zur Häfte eingepackt hatte, als ich den Laden verließ) (weiteres Streberinnen-tum: wenn die Ware schlechte packbar ist, z.B. weil viel loses Obst und Gemüse, behalte ich meinen Einkaufskorb, lege alles erst mal dort hinein, und gehe zum Packen ein paar Meter weiter, um den Kassenbereich nicht zu blockieren).

Das Regengebiet war abgezogen.

Zu Hause Einkäufe ausgeräumt, den von Herrn Kaltmamsell gereinigten Balkon mit ihm zusammen eingerichtet.

Ein halbes Stündchen Yoga mit Mady Morrison, inklusive ein paar abgefahrener, anstrengender Haltungen.

Dann hatte ich aber wirklich frei. Als Aperitif reichte Herr Kaltmamsell Moscow Mules an.

Er bereitete ein schönes Stück Entrecôte vom Bison zu, das wir am Dienstag beim Käfer gefunden hatten, der Rest war Ernteanteil: Ich machte die zweite Hälfte Salatkopf und die schönsten Radiserl-Blätter mit Joghurt-Dressing zu Salat, als Beilage zum Fleisch gab es zumdem Blattspinat. Und im Glas einen Württemberger Lemberger.

Das Fleisch war zart und schmeckte ganz hervorragend, Spinat und Salat ebenso köstlich.
Zum Nachtisch Erdbeeren (ERDBEEREN! meine liebste Obstsaison), Schokolade.

Journal Donnerstag, 12. Mai 2022 – #12von12

Freitag, 13. Mai 2022

Aufgewacht mit Kreuzzwicken rechts, aber irgendwas ist da ja seit Jahren immer. Bloß dass das diesmal im Büro immer schlimmer wurde, in die Hüfte und den Oberschenkel übergriff, Ibu half nicht.

Aber erst mal mache ich mal wieder bei #12von12 mit, hier das Konzept, hier die Sammlung der Beiträge von gestern.

1 – Morgenkaffeetisch aktuell.

2 – Ein weiterer Sommertag draußen, zunächst mit diesigem Morgen.

3 – Vor dem Aufbruch in die Arbeit.

4 – Das Glyzinienhaus in der Anglerstraße, das mich jeden Tag erfreut. Auf der Tonspur Mauersegler-Schrillen.

Gestern war Fensterputz am Büro – ein ungeschicktes Timing, da die Sonne am ohnehin sehr warmen Tag mein Büro so stark heizte, dass ich wirklich sehr gern gleich frühmorgens die großen Außenjalousien runtergefahren hätte. Aber die waren halt gesperrt. So schwitzte ich zur Abwechslung weder wegen Sport noch wegen Glutattacke, sondern wegen hoher Raumtemperatur, das hatte ich möglicherweise seit Monaten nicht mehr (womit ich übrigens ungeheuer subtil mit meiner sparsamen Heizpolitik angeben möchte).

5 – Sie haben sich sicher schon lange gefragt, wie die mittäglichen Köstlichkeiten, von denen ich unter der Woche schreibe, wohl aussehen. Ein Stück älteres Weißbrot von Dienstag, Hüttenkäse, Orange, Ibu, denn die Schmerzen rechts untenrum wurden tatsächlich richtig unangenehm. (Halfen aber wieder nicht.)

Emsiger und anstrengender Arbeitstag, aber auch der ging zu Ende.

6 – Heimweg über den Bavariapark, dort herrliche Maiendüfte und wundervolles Licht.

7 – Bei der Bavaria selbst sah ich auch vorbei.

8 – Frühlingsfest wird abgebaut.

9 – Daheim erst mal Arbeit: Wer auf dem Balkon sitzen möchte, muss diesen samt Möbeln auch endlich mal herrichten. Bodensäuberung übernimmt Herr Kaltmamsell, ich schrubbte die Möbel mit Bürste und grüner Seife. (Vorher hatte ich mich schnell umgezogen.) Zum Glück hatten sich meine Kreuz-/Hüftschmerzen gelegt.

Abendessen in zwei Gängen: Zunächst gab es grünen Salat (Hälfte des mächtigen Kopfs aus frisch geholtem Ernteanteil mit Knoblauch-Vinaigrette). Dann servierte Herr Kaltmamsell etwas Warmes.

10/11 – Süßer Hirsebrei nach dem Rezept des Gethsemaneklosters Riechenberg, praktisch deren signature dish. Ich mag Hirse sehr gern, das Päckchen Goldhirse im letztwöchtigen Ernteanteil war höchst willkommen gewesen. Statt Sahne (man vergisst gern, dass die klassische Vollwertküche der 1980er ganz schön mächtig war) nahm ich dazu Joghurt. Der Brei schmeckte deutlich anders, als ich ihn erwartet hatte, nämlich ganz anders als Porridge oder Grießbrei, das süße Obst darin machte sich hervorragend, es brauchte nur wenig Honig zusätzlich. Diesen Hirsebrei gibt es sicher nochmal. (Dann vielleicht mit gerösteten Mandelstiften als zusätzlicher Textur.)
Noch ein wenig Schokolade.

12 – Mit Buch ins Bett, draußen grummelte ein Gewitter.

§

Raul Aguayo-Krauthausen macht sich in der Zeit Gedanken über:
“Behinderung und Inklusion im Film:
Geteiltes Licht”.

Unter anderem hat er sich dafür Zahlen der hiesigen Schauspielschulen geholt.

Die wenigen sichtbar behinderten auf Theaterbühnen, auf der Leinwand und dem Bildschirm fallen umso mehr auf. In England hat kürzlich Liz Carr den Laurence Olivier Award als beste Nebendarstellerin erhalten.

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https://youtu.be/Dn8eqmeDWto

In diesem ausführlichen Interview mit dem Guardian spricht Liz Carr über ihre Karriere – und die zusätzlichen Schwierigkeiten durch Corona.
“‘Everything I do is urgent’: actor Liz Carr on confronting mortality, taking risks – and winning awards”.

In UK ist die Inklusion ja sogar so weit, dass eine behinderte Comedian sich in ihrem Programm über das Empowerment “Du kannst alles werden, was du willst” lustig macht. (Nein, Sie als Nichtbehinderte lassen das mal besser bleiben und sorgen erst für Inklusion und lassen zu diesem Thema Behinderte zu Wort kommen statt deren Angehörige oder Menschen, die mit Behinderten oder zum Thema arbeiten.)

§

Kathrin Passig findet eine Möglichkeit, ihre journalistischen Texte weniger angestaubt klingen zu lassen.
“Wortschatzrenovierung”.

Vor ein paar Monaten habe ich meine Frankfurter-Rundschau-Kolumnen des vergangenen Jahres zwei ungefähr 20-Jährigen gezeigt und sie gebeten, in einem Googledoc alle Wörter einzutragen, die ihnen angestaubt vorkommen. Neue Wörter erkennt man ja ganz leicht, aber die Ausgestorbenheit alter Wörter ist leider unsichtbar, das ist genau wie bei Kleidungsstücken. Ich möchte nicht klingen, als wäre ich selbst 20, aber ich hätte gern so eine Art neutralen Mittelweg. Es stört mich selbst oft bei den Texten von Menschen, die älter sind als ich, dass ich mit dem Inhalt vielleicht einverstanden sein könnte, wenn die Wörter nicht so einen langen Bart hätten.

Journal Mittwoch, 11. Mai 2022 – Sommertag von drinnen und draußen

Donnerstag, 12. Mai 2022

Zum Einschlafen hatte ich mein Schlafzimmerfenster schließen müssen: Milde Temperaturen bedeuten Lärm im Park davor. Bei einem Aufwachen nach Mitternacht öffnete ich es wieder.

Bei Weckerklingeln ein echter Sommermorgen. Beleg: Ich hatte wie immer während meiner medizinischen Morgengymnastik die Balkontür im Wohnzimmer geöffnet – und vergaß fast, sie wieder zu schließen, weil von draußen keine Kühle hereinkam.

Nach Balkoncheck ließ ich die Jacke daheim und verließ das Haus in langärmligem T-Shirt und erstmals dieses Jahr mit nackten Beinen!

Zweiter vom Schneider angepasster Sommerrock; Füßlinge in den Schuhen nur für den Weg als Blasenschutz, zog ich im Büro aus.

Diesmel entdeckte ich die Mauersegler überm Westend – erst hörte ich sie, dann hielt ich Ausschau.

Vielfältig geschäftiger Vormittag mit Überraschungen und mit Prozentrechnen: Gesamtnote aus prozentual gewichteten Einzelnoten. Nach kurzem Schämen über mein Unvermögen bat ich den beruflichen Notengewichtungsexperten Herrn Kaltmamsell um Unterstützung, er schickte ein kleines Excel-Maschinchen. Damit machte ich mich auch gleich bei Kolleginnen mit ähnlichen Tätigkeiten beliebt.

Mittags die letzte Scheibe Pumpernickel mit Butter, Apfel, Banane.

Ein Arbeitsnachmittag, der zunehmend turbulent wurde und mir neue Einsichten in menschliche Abgründe verschaffte. (Daneben online einen Mammographie-Termin vereinbart, JAJAJAJAistjagut.)

Nach Hause über Supermarkteinkäufe, hauptsächlich Süßigkeiten. Es war sommerlich warm, in der Sonne sogar heiß. Entsprechend dicht bevölkert war alle Außengastronomie.

Daheim eine Runde Yoga rundum, bevor ich verabredungsgemäß mit Herrn Kaltmamsell aushäusig zum Abendessen spazierte: Ich hatte auf meinen Wegen durch die Innenstadt ein kleines asiatisches Lokal entdeckt, das interessant aussah.

Wir aßen ok, aber nicht wiederholungsnötig. Am besten schmeckte mir der hausgemachte Curcuma-Mango-Eistee.

Asamkirche von hinten in den Asamhöfen.

Nachtisch daheim Schokolade.

§

Maximilian Buddenbohm erlebt im Supermarkt etwas eigentlich wenig Sensationelles. Dennoch sehr Einschneidendes.
“Manchmal passt es zusammen”.

§

Und dann ist da ja auch noch Jemen. Hier eine Bilderstrecke aus dem Guardian, die die derzeitige Waffenruhe für Fotos aus dem entsetzlich von Bürgerkrieg gebeutelten Land nutzt, die zur Abwechlung nicht nur Zerstörung und Leid zeigen.
“Glimmers of hope: Yemen’s rich history endures far from war – in pictures”.


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