Fotos

Journal Sonntag, 2. Mai 2021 – Buchplatznot

Montag, 3. Mai 2021

Dann doch mal wieder eine Nacht mit Schlafpause: Nach kurzem Aufstehen um drei schlief ich nicht mehr ein, gab um vier auf und las eine Weile – nicht schlimm, da ich ja am Morgen den Schlaf nachholen konnte. Klappte dann auch ganz gut, ich wachte erst kurz vor acht richtig auf. Draußen kaltes Regenwetter.

Wieder hatte ich den Wiedereinstieg ins Joggen geplant (Gehen bis Wittelsbacherbrücke, 30 Minuten isaraufwärts joggen, zurückgehen), mich versucht darüber zu freuen, dass der Weg bei dem Wetter zudem nicht – hahaha – überlaufen sein würde. Aber dann war mir nach Bloggen schon drinnen so kalt, und es regnete energisch.

Also nahm ich etwas anderes wieder auf und das erste Vollbad in der neuen Wohnung. Die Badewanne hier ist aus Kunststoff statt Metall der 1950er und fasst schon auf den ersten Blick deutlich weniger Wasser (breiter Rand = schmalerer Innenraum, starke Rückenschräge, weniger tief). Ich ließ sie wie gewohnt zu drei Vierteln ein – und musste fast die Hälfte wieder ablassen, damit ich Platz darin fand: Nach meiner Schätzung fasst die Wanne nur Körper mal zwei, die in der alten Wohnung fasste zirka Körper mal drei bis vier Wassermenge. Ich hätte hier also nicht wie vergangenes Jahr in der alten Wohnung schmerzlindernd floaten können.

Herr Kaltmamsell begann die neuen Bücherschränke zu bestücken. Und stellte nach Leeren der ersten Kiste und Hochrechnen fest, dass wir gerade mal die Hälfte der vorgesehenen Bücher unterbringen würden (alle anderen stehen bereits in den bisherigen Lundia-Regalen im Arbeits- und seinem Zimmer sowie in den alten Paschen-Regalen im Flur). Also weiteres Aussortieren (u.a. den gesamten Pratchett, der ist wirklich einfach zu beschaffen, auch elektronisch, wenn wir ihn lesen wollen), außerdem müssen wir in den anderen, derzeit angenehm unbeengt befüllten Regalen Platz schaffen.

Zum Frühstück Fladenbrot und Käse, eine weitere Tasse Milchkaffee.

Internetlesen, Bügeln: Wichtig war mir vor allem der eben gewaschene Vorhang für den Flur, mühsam zu bügeln. Den hängte ich auch gleich auf, braucht nur noch eine Halterung in der Wand zum Wegraffen.

Fürs Abendessen sollte diesmal ich sorgen, ich bereitete Zitronen-Thymian-Hähnchen vor. Mittlerweile hatte der Regen aufgehört, ich machte mich zu einem Sonntagsspaziergang auf: Sendlinger Straße, Theatinerstraße, Hofgarten, Finanzgarten, über Marstallplatz, Tal und Viktualienmarkt zurück. Dank schlechtem Wetter waren nicht allzu viele Menschen unterwegs.

Hofgarten.

Auch Hofgarten.

Baum mit runtergerutschtem Strumpf.

Nach Langem mal wieder ein versehentliches Schuhfoto. Es war ausgesprochen kühl, das Thermometer am Juwelier Fridrich in der Sendlinger Straße zeigte bei etwas Sonnenschein 10 Grad an.

Das Hähnchen zum Abendbrot schmeckte sehr gut, wir verputzten je ein halbes (sagt man noch „verputzen“?). Und auf das Glas Weißwein dazu hatte ich mich den halben Tag gefreut (meine Alkohollust ist seit einigen Monaten sehr erratisch).

Noch ein billiges Wortspiel als Rausschmeißer?

… aber als Nachtleben.

§

Die Johanniter setzen jetzt Technik gegen Handy-filmende Gaffer an Unfallorten ein, ich nenne sie Konter-Technik.

Journal Samstag, 1. Mai 2021 – Schöner Wohnen

Sonntag, 2. Mai 2021

Wenn ein Feiertag auf einen Samstag fällt, ist das für mich als Büro-Arbeitnehmerin ein Ärgernis: Nicht nur bekomme ich keinen zusätzlichen freien Tag, auch noch sind die Pläne für meinen Samstag eingeschränkt.

Gestern war aber eh ein Arbeitstag: Meine Eltern kamen, um uns bei weiteren Schritten der Wohnlichmachung mit Handwerkskunst und Erfahrung zu unterstützen.

Noch vor ihrer Ankunft statteten wir den Balkon mit dem neuen Teppich aus – ein Geschenk meiner Eltern.

Die Bücherschränke, die wir gestern gemeinsam aufbauten, waren ihr Weihnachtsgeschenk zum Einzug. Der erste Schrank kostete ganz schön Anstrengung, uns passierte ein dummer Fehler (trotz wirklich guter Bauanleitung): Wir vergaßen die Blende und merkten das erst, als der Schrank stand – da ein Auseinandernehmen bis zu diesem Schritt nicht nur aufwändig gewesen wäre, sondern die Substanz auch sehr klar nicht auf mehrfache Montage ausgelegt, behalfen wir uns mit einem Winkel von hinten (mein Vater hatte vielfältigstes Material dabei). Als der Schrank endlich stand, war es bereits Mittag. Herr Kaltmamsell servierte Shakshuka, ich holte in der frisch umgezogenen Bäckerei Sultan in der Goethestraße Fladenbrot dazu.

Nach der Mittagspause ging’s deutlich schneller, Schrank 2 und 3 waren im sprichwörtlichen Handumdrehen aufgebaut. Ich ließ mir von meinem Vater möglichst viel erklären. Herr Kaltmamsell hatte währenddessen meine Schlafzimmerlampe zusammengefriemelt: Wie so’ne Ikea-Anfängerin hatte ich angenommen, dass dieses Modell lediglich zusammengelegt verkauft würde – nein, jedes Element musste einzeln gebastelt werden, die Lampe kam als Bausatz mit Kleinteiligkeit ähnlich Revell. Genau für sowas brauchte es die Geduld und den Gleichmut des Herrn Kaltmamsell (der als Kind eine Revell-Phase hatte); ich wäre in mehrere Wutanfälle geraten und holte mir lieber durchs Schraubendrehen beim Schrankzusammenbauen eine Blase im Prinzessinnenhändchen (dieselbe Stelle übrigens, an der ich mal bei einer Party – PARTY! BUHUHU! – eine vom Mojito-Stößeln hatte).

Mein zauberhafter Elektrikervater brachte die Lampe überm Bett an.

Besonders schön finde ich die Schatten an der Decke.

Feiertag hin oder her, wir beschlossen, uns bei den Nachbarinnen und Nachbarn durch Bohren unbeliebt zu machen. Jetzt gibt es auch im vorderen Flurteil eine Lampe (die zumindest eine vage Anmutung von dieser im Treppenhaus hat, die mir so gut gefällt).

Während mein Vater sie anbrachte, außerdem eine Vorhangschiene, entsorgte ich mit meiner Mutter die Styropor- und Papp-Verpackung der Schränke; durch ordentliche Zerkleinerung brauchten wir für die sechs großen Kartons nicht mal eine halbe Papiertonne, also kein weiteres Unbeliebtmachen bei der Nachbarschaft.

Abschließend setzten wir uns nochmal zusammen: Herr Kaltmamsell hatte zum Kaffee ein Matzen-Tiramisu gemacht.

Voilà. Mein Vater wird uns noch Längsstangen zum Zwischenstützen der Regalbretter basteln, damit sie nicht schon bald unter der Last der Bücher durchhängen. Selbst die edlen und deutlich dickeren Paschen-Bretter biegen sich nach über 15 Jahren leicht.

Für Sport war gestern keine Zeit, doch beim Möbelmontieren bekam ich ziemlich sicher genug Bewegung (aus dem Stand in Bauchlage immer im mittlerweile routinierten Ablauf Vorbeuge -> Kobra, während mein Vater in der Krankengymnastik gelernt hatte, aus einem Bodensitz knieschonend über offensichtlich sowas wie einen Herabschauenden Hund aufzustehen).

Ich wusch noch den alten Vorhang, den ich für die eben angebrachte Schiene am Flurfenster zum Hof vorgesehen hatte und war sehr, sehr erledigt. Nach dem Abendessen (Reste Shakshuka und Tiramisu) ging ich noch früher als unter der Woche ins Bett.

§

Heiraten in Zeiten von Corona, am Beispiel München Maxvorstadt geschildert von Anke Gröner.
„Freitag, 30. April 2021 – Mein erstes Livekonzert seit März 2020“.

Journal Freitag, 30. April 2021 – Wieder ein Wochenabschluss

Samstag, 1. Mai 2021

Wieder reichlich Schlaf, darin Träume mit Jane-Austen-Setting, aber FFP2-Masken – ich bin stolz auf mein Traumzentrum, gut gemacht! (Da bitte: Ich finde nicht alles schlecht an mir.)

Das Draußen in verschiedenen Grau-Schattierungen mit blauen Flecken am Himmel. Beim Hofgang am frühen Nachmittag erlebte ich sogar richtigen Sonnenschein.

Viel und intensive Arbeit in der Arbeit, gestern stand mir zum Glück die dafür nötige Konzentration zur Verfügung. Mittags aß ich ein Restl Apfelkompott mit Hüttenkäse und zwei wunderbare späte Tarocco-Orangen.

Bei Feierabend war der Himmel wieder düster, ich fing auf dem Heimweg Zierapfel- und Zierkirschblüten ein.

Ein paar Wochenendeinkäufe im Drogeriemarkt (Herr Kaltmamsell hatte die Lebensmittel übernommen). Zu Hause zog ich mich für Yoga um – doch die halbe Stunde bestand bis auf zwei Dehnung ausschließlich aus Atmen im Schneidersitz, Einatmen, Ausatmen durch die Nase in verschiedener Länge. Ich stand bald auf, um im Filmchen am Rechner vorzuspringen, denn Atmen hatte ich bereits den ganzen Tag über gemacht, dafür brauchte ich nicht meine kostbare Sporteinheit. (Allerdings hätte ich bei einem 30-Tage-Programm namens „Breath“ darauf gefasst sein können, dass solche eine Folge dabei sein könnte.) Durchaus Respekt für alle, die damit etwas anfangen können. Ich halt nicht.

Telefonat mit meinen Eltern: Sie kommen am Samstag, um mit Schrankaufbau und Lampenmontage zu helfen, ich freue mich auf das Wiedersehen.

Herr Kaltmamsell servierte ein typisches Freitagabendessen: Fleisch aus Pfanne, Spinat und Kartoffeln aus Ernteanteil. Ich machte uns als Aperitiv Negronis, zum Essen gab es mallorquinischen Rotwein.

Draußen regnete es ein bisschen, viel zu wenig. Zumindest machte das den Himmel schön dramatisch, derzeit bleibt es wundervoll lange hell.

Ich freue mich schon sehr auf die Nutzung des Küchebalkons. Der Blick von dort fühlt sich ungeheuer großstädtisch an.

§

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/vf5CMRLqdYw

Journal Mittwoch, 28. April 2021 – Heimarbeit mit Blick in Frühlingssonne

Donnerstag, 29. April 2021

Schlaf ohne ein einziges richtiges Aufwachen bis fünf, also nahezu durchgeschlafen!

Da ich gestern daheim arbeitete, nutzte ich die gesparte Zeit des Fußwegs ins Büro für eine Runde schweißtreibendes Krafttraining rundum.

Zum Arbeiten setzte ich mich erst mal an den Küchentisch; zum einen störte ich hier ganz sicher nicht Herrn Kaltmamsell, der in der neuen Wohnung aus einem Arbeitszimmer fernunterrichtet, das keine abschirmende Tür zum Wohnzimmer hat. Zum anderen hatte ich so ein Krähennest im Park im Blick: Noch ermöglichen die lediglich wenig ergrünten Bäume Sicht auf gelegentlich an- und abfliegende Krähen.

Das stellte sich aber schnell als ausgesprochen unangenehme Arbeitshaltung heraus (Stuhl für Tisch viel zu niedrig – typisch für einen Küchentisch verhindert eine Schublade die Nutzung eines höheren Stuhls), nach Ende des Fernunterrichts setzte ich mich mit dem Arbeitslaptop ins Wohnzimmer.

Zu Mittag gab es Servus-Habibi-Reste vom Vorabend, außerdem Orange und Grapefruit. Nachmittags ein letztes Stück Mohnrolle.

Schlag fünf machte ich Feierabend, draußen war herrliches Sonnenwetter. Erst mal kaufte ich am Viktualienmarkt das Abendessen ein: Herr Kaltmamsell hatte Öl vom Garnelenfrittieren aufbewahrt, er wollte darin Sardellen braten. Beim (angenehm leeren) Eataly besorgte ich Orangen, eine Zitrone und Ricotta Salata.

Nach Heimbringen der Einkäufe zog es mich aber nochmal raus in die Sonne, mit langärmligem Shirt brauchte ich keine Jacke. Ich spazierte zum Alten Südfriedhof.

Die christliche Mythologie ist schon schräg.

Nachtmahl war also Urlaubsessen, Herr Kaltmamsell servierte Boquerones fritos.

Früh ins Bett, um in Ruth Klügers Autobiografie zu lesen.

§

Es gibt auch im Internte Ritter in glänzender Rüstung. Einer davon, Daniel Kaminsky, ist jetzt gestorben – hier der Nachruf in der New York Times:
„Daniel Kaminsky, Internet Security Savior, Dies at 42“.

“He did things because they were the right thing to do, not because they would elicit financial gain,” his mother, Mrs. Maurer, said.

(When a reporter asked Mr. Kaminsky why he did not exploit the DNS flaw to become immensely wealthy, he said that doing so would have been morally wrong, and that he did not want his mother to have to visit him in prison.)

Journal Sonntag, 25. April 2021 – Balkonpräparierung

Montag, 26. April 2021

Gut und lang geschlafen.

Mohnrolle gebacken, während Herr Kaltmamsell sich auf den Weg zu seinen Eltern machte. Eine Maschine Wäsche.

Sportprogramm: Eine Runde Crosstrainer, Krafttraining für Oberkörper und Rumpf. Und weil ich dann eh angeschweißelt war, machte ich mich in dieser Sportkleidung an die Reinigung von Balkonmöbeln und Balkon.

Die edlen Teakholz-Möbel von Garpa waren vergangenes Jahr mit einem eigenen Täschchen voller Reinigungsutensilien samt Spielanleitung gekommen. Anweisungsgemäß schrubbte ich also die Möbel mit Seifenwasser („Grüne Seife“) und Bürste. Zu meiner Überraschung gingen so tatsächlich die Wasserflecken und -ränder sowie sonstige Witterungsspuren weg. Mehr Behandlung braucht es laut Hersteller nicht: Er ermutigt Patina und versichert, die Haltbarkeit der Möbel leide darunter nicht.

Der Balkon war anschließend noch schmutziger, ich reinigte ihn Kachel für Kachel mit Spülschwamm. Das Ganze hatte dann doch länger gedauert als vorhergesehen, nach Duschen und Haarewaschen (Letzteres mittlerweile ein eigener Programmpunkt der Körperpflege, knurr) setzte ich mich erst um zwei zum Frühstück: Letztes Stück Fladenbrot, ein Stück Käse, noch eine Schale Milchkaffee.

Für die Montagsbrotzeit verwandelte ich Ernteanteil-Karotten in Karottensalat.

Das Wetter war wundervoll, ich wollte dringend nochmal raus. Dass die Theresienwiese belebt sein würde, hatte ich erwartet; doch zudem fand darauf am Nordende eine Veranstaltung statt, beschallt mit Bassboxen in Oktoberfest-Lautstärke, die über die gesamte Theresienwiese und Umgebung wummerten – es war nicht mal die Idee von Ruhe möglich.

Daheim testete ich den Balkon zum Lesen der Wochenend-Süddeutschen (Pflanzen und Sitzpolster kommen erst nach den Eisheiligen raus, es ist nachts immer noch frostig).

Eine Runde Bügeln im sonnigen Wohnzimmer, ich glaube, ich habe meinen Lieblingsort dafür gefunden.

Zum Abendessen servierte Herr Kaltmamsell Kartoffel-Triangoli, ich steuerte Kopfsalat bei.

Schmeckte gut, aber aus irgendeinem Grund war die Ruccolasauce bitter geworden. Dazu hatte ich Lust auf ein Glas spanischen Sauvignon Blanc.

§

Rätsel des Alltags: Wie kommt jemand zu der Ansicht, er oder sie sei die erste/einzige, die öffentlich Kritik an der Corona-Politik der Bundesregierung übt? Marietta Slomka wundert sich in den Tagesthemen im heute-Journal.

§

Tiere, die Selfies aufnehmen. (Doch, das wollen Sie sehen.)

Journal Samstag, 24. April 2021 – Spaziergang Kirchseeon-Ebersberg

Sonntag, 25. April 2021

Meine Nächte haben sich vorerst beruhigt, ich bekomme erholsamen Schlaf.

Am Freitag hatte ich eine Mail vom Wahlamt der Stadt München bekommen, ich meldete mich als Wahlhelferin zur Bundetagswahl am 29. 26. September an (das kann man hier). Bei dieser Gelehenheit wieder die Empfehlung: Machen Sie das mal! Es ist ein Erlebnis in Staatsbürgerschaft. Vor allem wenn Sie Zweifel an der ordungsgemäßen Durchführung von Wahlen hierzulande haben: Schauen Sie sich das von hinter der Bühne an, lassen Sie sich schulen, machen Sie sich mit den Vorgaben und konkreter Auslegung vertraut, beteiligen Sie sich! In vielen Wahlbezirken können Sie sich auch gezielt zum Auszählen von Briefwahlzetteln bewerben.

Zu Morgenkaffee und Bloggen setzte ich mich gestern mal in die Küche mit Blick auf den Küchenbalkon, noch suche ich den besten Platz für den Wochenendmorgen.

Nach Duschen und Anziehen ging ich für eine Besorgungsrunde aus dem Haus: Blumeneimer zum Blumenladen zurückbringen, Lebensmitteleinkäufe (weil es einige nur dort gesammelt gibt) in der Feinkostabteilung vom Kaufhof am Marienplatz (Herr Kaltmamsell hatte vor einiger Zeit herausgefunden, dass man derzeit durch den Hintereingang in der Kaufingertor-Passage reinkommt, für den gewohnten Zugang übers Kaufhaus bräuchte man als Corona-Auflage einen „Shopping-Termin“, derzeit inklusive Testergebnis), wöchentlicher Corona-Schnelltest in der Sendlinger Straße (lange Schlange, aber zügige Abfertigung). Daheim lud ich die Einkäufe ab, zweite Runde war Supermarkt für den ganzen Lebensmittelrest auf der Einkaufsliste fürs Wochenende.

Zum mittäglichen Frühstück gab es ein Fleischpflanzerl vom Vorabend und ein Stück eben gekauftes Fladenbrot. Vormittags hatte der Optiker angerufen: Meine neue Brille sei abholbereit. Da ich für den Tag andere Pläne hatte, kündigte ich mein Abholen für Montag an. Nur dass meine alte Brille dann beim Putzen wieder zerbrach, an der geflickten Stelle. Ich ging also gleich zum Optiker und holte für knapp ein halbes Monatsgehalt meine erste Gleitsichtbrille ab (wehe das hat sich nicht gelohnt!). Schon beim angeleiteten Ausprobieren im Brillenladen erkannte ich, dass ich erheblich mehr mit Kopfbewegung werde arbeiten müssen, wenn ich möglichst viel scharf sehen möchte, vor allem werde ich sehr viel öfter mit gesenktem Kopf gucken müssen (kommt am End‘ daher das Doppelkinn im Alter?).

Mein Freizeitplan für den Tag war ein ausgedehnter Spaziergang von Kirchseeon nach Ebersberg, eine vertraute Strecke und zuletzt im Juni 2019 gegangen. Herr Kaltmamsell musste arbeiten und konnte mich nicht begleiten.

Das Draußen war noch voller, als ich es befürchtet hatte. An der Kirche St. Michael überm Eggelburger See, die ich schon oft besucht habe, war ich zuvor nur ein oder zweimal überhaupt jemand anderem begegnet. Gestern sah ich schon von unten so viele Menschen oben, dass ich eine Beerdigung für möglich hielt – doch das waren alles Menschen auf Ausflug. Auf jeder Grünfläche, die kein Acker war, saßen und lagen Menschen, Gruppen aus zwei bis drei Familien mit Kindern und Gerät blockierten die Wege nahzu unüberholbar, schon gar mit Abstand. Als Folge marschierte ich die Strecke recht zackig und mit wenigen Blicken links und rechts durch, auch ohne geplante Pause, weil alle Bankerl besetzt waren.

Aber: Schon auf der Hinfahrt in der angenehm leeren S-Bahn hatte ich einen Falken erspäht, auf dem Weg erst noch einen, dann einen Thermik-kreisenden Bussard. Vor allem aber: Über einem Bauernhof in Forstseeon sah ich die ersten Schwalben!

St. Colomann.

Auch in Forstseeon war gelammt worden. Bis hierher hatte ich es auf meinem Weg nur mit Radlerinnen und Radlern auf unterschiedlichsten Geräten zu tun.

St. Michael frisch renoviert.

Da hatte sich jemand zu weit aus dem Egglsee gewagt.

Heimfahrt mit einmal Umsteigen in Grafing.

Daheim hatte ich Hunger und aß eine Orange mit Joghurt.

Herr Kaltmamsell sorgte fürs Abendessen und servierte ein Curry mit Garnelen, ich bereitete als Sonntagskuchen Hefeteig für eine Mohnrolle zu und schob ihn zum Über-Nacht-Gehen in den Kühlschrank.

Im Bett las ich noch eine ganze Weile in Ruth Klüger, weiter leben: Eine Jugend und freute mich am Tonfall dieser klugen Frau.

§

Und dann hätten wir hier noch ein paar superpraktische Haushaltstipps, wie man sie gerne im Internet findet.
via @anneschuessler

Journal Freitag, 23. April 2021 – Flashbacks zu Griechenland 1984

Samstag, 24. April 2021

Das sonnige Draußen roch gewaltig nach Frühling.

Ich nahm früh das Rad in die Arbeit, erledigte im Büro noch ein paar Sachen und radelte dann zu einem weiteren Einsatz als Schöffin zum Justizzentrum am Stiglmaierplatz. Morgens war es noch kalt, doch gerade die Kombination aus kühler Luft, strahlender Sonne und Frühlingsgerüchen rief – wie fast immer – Erinnerungen an die Studienfahrt nach Griechenland zu Schulzeiten (1984) hervor: Auch nach 37 Jahren gehört das zusammen, war wohl eines der einschneidensten Erlebnisse meines Lebens.

Frühlingslandschaft bei Delphi.

Vor dem Museum in Delphi. Ich bin die dritte von links, 16-jährig – im damals sehr modernen Trenchcoat und mit den lang erbettelten Puma-Lederturnschuhen, die ich Idiotin dann im Athener Hotelzimmer unterm Bett vergaß. Links von mir die beste Fußballerin des Jahrgangs (zugegeben: eine von zweien), der Pulli an der Mitschülerin rechts von mir war sicher selbstgestrickt, der Regenüberwurf der Mitschülerin ganz rechts war ein K-Way („Kawai“ ausgesprochen), damals Synonym für Regenüberwurf (und furchtbar teuer).

Wie wenige Fotos wir damals machten!

Am Gericht ging es eher schnell, schon um halb elf waren wir fertig. Fürs Zurückradeln ins Büro brauchte ich nicht mal mehr Handschuhe.

Mittags gab es ein Laugenzöpferl sowie eine Orange mit Hüttenkäse.

Die Freude über die Freigabe des Impfstoffs AstraZeneca für Verimpfung in Hausarztpraxen hielt nicht lang: Die Praxen wissen von keiner Lieferung.

Die Ärzte werden jede Woche darüber informiert, welchen Impfstoff sie in der kommenden Woche erhalten können. Für nächste Woche wird den Hausärzten gar kein Astrazeneca-Impfstoff angeboten, sondern ein anderes Vakzin.

Nun: Ich stehe sein Januar auf der offiziellen bayernweiten Liste der Impfwilligen, jetzt auch auf der meiner Hausärztin – da ich nicht zur Gruppe besonders Gefährdeter gehöre, würde ich alles Weitere als Drängeln empfinden.

Daheim traf ich Vorbereitungen fürs Abendessen, die Zutaten hatte Herr Kaltmamsell besorgt: Bei offener Tür zum Küchenbalkon und ohne künstliches Licht (immer noch eine Sensation in der Küche) hobelte ich Gurken in den Kartoffelsalat und würzte das Hackfleisch für die Fleischpflanzerl (Ziebel und Knoblauch angebraten, Petersilie gehackt, Eier, Semmelbrösel, etwas Tomatenmark, Salz, Pfeffer).

Nochmal die Yoga-Einheit vom Vortag, diesmal tat sie richtig gut und nahm mir ein wenig von der ekligen Gereiztheit und schlechter Laune, die mich schon wieder plagten.

Fleischpflanzerl gebraten, dazu gab es Gin Tonic. Abendessen in letzter Sonne, die immer noch ungehindert von Laub über fast ihren ganzen Tageslauf ins Wohnzimmer scheint.

Helen Slavin, The Extra Large Medium ausgelesen. Auch wenn der Schluss die Schwachstelle des Romans ist, gefiel er mir insgesamt sehr gut. Erzählt wird die Geschichte von Annie, die tote Menschen sieht (sie tragen immer schokoladenbraune Kleidung), von klein auf. Anfangs war ich irritiert über die Parallele zu Hilary Mantels Roman Beyond Black und brauchte eine Weile, bis diese Geschichte ihren eigenen Charakter entwickeln konnte – und den hat sie.

Annie erzählt rückblickend und mit viel Galgenhumor ihr Leben, aber ohne reflektierende Distanz. Dazwischen gibt es kurze Kapitel aus der Sicht von Verwandten u.a. Mutter, Tante, Onkel, Stiefvater. Annie ergibt sich in ihr Schicksal und versucht sich mit ihrer Gabe nützlich zu machen, also die Botschaften der Toten an die Hinterlassenen zu überbringen – meist völlige Petitessen der Größenordnung, wo der Schlüssel zum Gartenhäuschen liegt. Sie hat ohnehin keine Chance auf ein auch nur halbwegs konventionelles Leben, die Toten lassen sie nicht in Ruhe (hier liegt eine Parallele zu Mantels Roman), sie schlägt sich irgendwie durch. Eingewebt ist dann auch noch eine Kriminalgeschichte, die zu dem etwas ungeschickten Schluss führt.

Vieles ist nicht auserzählt, das mag ich, ich fühlte mich als Leserin ernst genommen. Räume zum Beispiel werden durch den Eindruck vermittelt, den sie auf die Erzählerin erzeugen, nicht durch Möbelbeschreibung. Oder einschneidende Erlebnisse, die uns zunächst durch die traumatischen Auswirkungen erzählt werden, bevor wir Fragmente bekommen, aus denen sich der eigentliche Vorfall zusammensetzen lässt.


Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen