Fotos

Journal Montag, 17. Feburar 2020 – Solidarisches Olivenöl aus Lesbos

Dienstag, 18. Februar 2020

Unruhiger Abschluss der Nacht, wie gut, dass ich mich beim Weckerklingeln auf Yoga freuen konnte.

Die gestrige Einheit hatte explizit die Hüfte als Ziel, ich war sehr gespannt, wie das würde. Ergebnis: Sehr unsymmetrisch wurde das, weil die wehe Seite nur ein Drittel so weit dehnen konnte wie die unwehe. Ich sehe es als Symptom von Arthrose und Entzündung, dass ich beim Dehnen rechts keinen Fortschritt sehe: Jeden Morgen fange ich von vorne an.

Radeln in die Arbeit durch Frühlingsmilde. Überm Bavariapark erst drei Kormorane, dann zwei Enten im Flug.

In der Arbeit Besprechungen, Arbeit und Tumulte. Mittags Kartoffelsalat und ein Fleischpflanzerl vom Samstagabend, nachmittags Granatapfelkerne.

Ich entdeckte, dass ich mich von einem Paar Schuhe verabschieden musste.

Das Leder sah schon lang nicht mehr schön aus, und für einen Erhalt müsste das gesamte untere Drittel des Schuhs ersetzt werden – das ist es nicht wert.

Nach der Arbeit radelte ich durch leichten Regen einen kleinen Umweg, um Olivenöl abzuholen. In unserer Anbaugenossenschaft Kartoffelkombinat hatte es Ende vergangenen Jahres eine Sonderaktion gegeben: Wir konnten Bio-Olivenöl aus einer Solidarischen Landwirtschaft auf Lesbos bestellen. Jetzt war es da.

Ich hatte mich sehr über die Gelegenheit gefreut: Zum einen liebe ich gutes Olivenöl, wir verbrauchen davon eine Menge. Zum anderen weiß ich, dass viele schöne und einfallsreiche landwirtschaftliche Projekte am Vertrieb scheitern: Klasse handwerklichen Käse herzustellen, ausgefallene Körner anzubauen, einen alteingesessenen Olivenhain wiederzubeleben ist das eine – aber erreichen die Produkte die möglichen vielen interessierten Käuferinnen und Käufern? Platanenblatt.de unterstützt die gebeutelte Insel Lesbos durch die Verbindung von Solidarischer Landwirtschaft mit Wiederbelebung alter landwirtschaftlicher Gemeinschaftsstrukturen.

Für eine Verkostung warte ich aber noch auf ein schönes Stück Brot, gestern gab es den zweiten Teil Skifahrsuppe (davor Brandy Alexander, danach viel Süßkram).

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Schwesterfraudoktor, die ich seit einigem Wochen mit Vergnügen lese, schreibt über Stuhl und unterdrückt dabei nur jeden zweiten scheiß Witz zum Thema:
„Im Stuhl vereint“.

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Eine hervorragende Menschenfotografin erzählt:

Oft verändert sich etwas, sobald ich die Kamera anhebe; eben habe ich noch einen entspannten Menschen vor mir, dann kommt die die Kamera dazu – und Zack – ist alles anders: Keiner mehr Zuhause. Eine Kamera ist imstande, Menschen von sich selbst wegzutreiben, sie verlassen quasi fluchtartig ihr eigenes Gebäude und es braucht Zeit bis sie wieder zurückkehren.

Smilla Dankert hat auch Tara fotografiert und gesprochen:
„Präsenz“.

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Wichtige Gedanken zu Feminismus von Helen Lewis im Guardian:
„Fighting the tyranny of ‘niceness’: why we need difficult women“.

via @lyssaslounge

All this is edging towards the same idea, an idea that is imprinted on us from birth: that women are called unreasonable, selfish and unfeminine when they stand up for themselves. “I myself have never been able to find out precisely what feminism is,” wrote Rebecca West in 1913. “I only know that people call me a feminist whenever I express sentiments that differentiate me from a doormat, or a prostitute.”

Bitte gesteht Frauen Komplexität zu, gesteht Feministinnen Komplexität zu.

I’m not talking about being rude, thoughtless, obnoxious or a diva. First of all, difficult means complicated. A thumbs-up, thumbs-down approach to historical figures is boring and reductive. Most of us are more than one thing; no one is pure; everyone is “problematic”. Look back at early feminists and you will find women with views that are unpalatable to their modern sisters. You will find women with views that were unpalatable to their contemporaries. They were awkward and wrong-headed and obstinate and sometimes downright odd – and that helped them to defy the expectations placed on them. “The reasonable man adapts himself to the world: the unreasonable one persists in trying to adapt the world to himself,” wrote George Bernard Shaw in 1903. “Therefore all progress depends on the unreasonable man.” (Or, as I always catch myself adding, the unreasonable woman.)

Lewis analysiert auch die Gefahr, weibliche role modells als eindimensionale Heldinnen zu portätieren.

The real Coco Chanel was clever, prejudiced, talented, cynical – and interesting.

Was passiert, wenn man ständig die Komplexität wegbügelt:

It creates a story of feminism where all the opponents are either cartoon baddies or mysteriously absent, where no hard compromises have to be made and internal disagreements are kicked under the carpet. The One True Way is obvious, and all Good People follow it. Feminists are on the right side of history, and we just have to wait for the world to catch up.

Life does not work like that.

(…)

Feminism will always be difficult because it tries to represent half of humanity: 3.5 billion people (and counting) drawn from every race, class, country and religion. It is revolutionary, challenging the most fundamental structures of our society. It is deeply personal, illuminating our most intimate experiences and personal relationships. It rejects the division between the public and private spheres. It gets everywhere, from boardrooms to bedrooms. It leaves no part of our lives untouched. It is both theory and practice.

(…)

Feminism will never be free of infighting, of personality clashes and contests over priorities. It will never be perfect, or nice. But no wonder sexists and reactionaries are scared of it, because – by God, can it get things done

Journal Samstag, 15. Februar 2020 – Kissentest

Sonntag, 16. Februar 2020

Ausgeschlafen, Kartoffeln für Kartoffelsalat aufgesetzt, Kartoffelsalat fürs Abendessen gemacht.

Die Yoga-Runde war lustig: Gleich die ersten Bewegungen im Sitzen erforderten vor allem Hüftflexibilität – nope, nix dergleichen. Mein Körper veränderte seine Haltung also nur um wenige Zentimeter, im Geiste aber war ich so verdreht wie Adriene.

Als ich zum Olympiabad radelte, war der Himmel noch trübe, begann aber schon aufzureißen. Ich schwamm gemütlich 2.500 Meter und verkniff mir vernünftigerweise mehr. Unter der Dusche erinnerte ich mich, warum ich diesen doch eigentlich besonders schönen Badeanzug nie trage: Irgendwas an ihm scheuert die Innenseiten meiner Oberarme wund. Deshalb zum Merken:

Daheim frühstückte ich Käse, Nudelreste vom Vorabend sowie Granatapfelkerne mit Joghurt und Mohn. Dazu teilte ich mir mit Herrn Kaltmamsell eine große Kanne Lapsang Souchong – leider werde ich in der Teekenner-Hölle schmoren: Ich liebe Lapsang SÜSS!

Es war mittlerweile sonnig und warm geworden, ich ging raus für eine Besorgung.

Der Nußbaumpark präsentierte die große Krokusshow.

Meine Besorgung war ein orthopädisches Nackenkissen. Da sich in letzter Zeit mein beengter Nackennerv meldet und möglicherweise bei all den Körperturbulenzen mitspielen will, wollte ich mein Kopfkissen upgraden. Von einer befreundeten Bloggerin holte ich mir Erfahrungswerte und den Tipp, zum BettenRid zu gehen (mir war kein großes Sanitätshaus in der Innenstadt eingefallen, dem ich genügend Auswahl zugetraut hätte). Der Tipp war ein Volltreffer: Ich hatte schon den Weg zur Theatinerstraße eingeschlagen (wo ich vor zwei Jahren Herrn Kaltmamsell ein neues Kissen gekauft und mich sehr gut aufgehoben gefühlt hatte), als mir einfiel, dass der BettenRid in der Neuhauserstraße möglicherweise größer war. Dort wurde ich auf meine Frage nach Nackenkissen mit dem Hinweis „Ich hoffe, Sie haben Zeit mitgebracht“ ins Untergeschoß geschickt. Eine umfassend bewanderte Angestellte ließ mich unter den zahlreichen Probebetten eine Matratze aussuchen, deren Härtegrad meiner daheim entsprach, fragte mich nach Details meiner Schlafgewohnheiten und reichte mir mit Erläuterungen Kissen an, die ich testete. Dabei saß sie auf einem Nebenbett und gab durch, wie die Linie meiner Halswirbelsäule aussah. Ich kam verhältnismäßig schnell zu meinem Idealkissen – und war mal wieder froh und dankbar, dass ich mir diesen umfassenden Service und diese Beratung leisten kann, der sich nachvollziehbarerweise im Produktpreis niederschlägt. (In absehbarer Zeit stehen bei mir neue Matratzen und wahrscheinlich Lattenroste an – ich weiß schon, wen ich dafür ansteure.)

Heimgetrippelt. Wie gerne ich zu Fuß gehe, wusste ich zwar schon früher. Doch jetzt, wo ich es fast nicht kann, wird mir das noch klarer.

Den Nachmittag mit Internet- und Zeitunglesen verbracht.

Zum Abendessen machte ich Fleischpflanzerl zum Kartoffelsalat, seriverte mit Mahrsbräu aU, das mir eine Freundin direkt aus Bamberg mitgebracht hatte (hier in meinem Lieblingskrug, der leider selten zum Einsatz kommt, weil ich selten Bier trinke, daheim noch seltener).

Dazu lief im Fernsehen Grüne Tomaten von 1991. Erst jetzt fiel mir auf, wie unpassend Idgie ausgestattet war: Diese Frisur und die Kleidung waren 100 Prozent 1980er. Die asymetrische Dauerwelle! Der breite Gürtel, der die Hose in Sack-Silhouette zusammenhält! Das Holzfällerhemd! Die Weste! So lief nicht nur ich Ende der 80er herum (minus Dauerwelle).

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Eine sehr bittere Geschichte übers Dicksein – angeblichem und echtem – bei Frische Brise. Mit vorerst Happy End.
„Mein Weg“.

(Manchmal vermute ich, dass mich vor diesem Weg nur die fehlenden Schwangerschaften bewahrt haben.)

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Ich kenne niemand, die so begeistert über ihre Irrtümer schreibt, wie Kathrin Passig. Hier unterhält sie sich mit Hanna Engelmeier über ihrer beiden früheren Frauenfeindlichkeit:
„Gemischte Gefühle, gemischte Zustände“.

Weil man aber nur aus dokumentierter Blödheit etwas lernen kann, gibt es diesen Text.

(Ich bin überzeugt, dass Albernheit fruchtbares Nachdenken befeuern kann.)

K: Ich weiß gar nicht, ob ich das überhaupt bin, eine Frau. Ich habe das neulich mal mit Aleks besprochen, Anlass war, dass jemand, der einen Eintrag in Aleks’ Badetagebuch-Blog gelesen hatte, bei Twitter fragte: “Wieso weiß ich nach einem Satz, dass da eine Frau schreibt?” Ich habe ihm dann angeboten, dass er meinetwegen auch gern offiziell eine Frau sein kann, jetzt, wo es alle wissen, aber er wollte nicht: Er sei sich eigentlich ziemlich sicher, keine Frau zu sein. Auf die Frage, woran er das merkt, wusste er allerdings auch keine Antwort: “Vermutlich einfach Gewohnheit.” Aleks Scholz, Mann aus Gewohnheit. Auf seine Rückfrage, woher ich denn wüsste, dass ich eine Frau bin, sagte ich: “Ich fürchte, ich bin ungefähr so eine Frau wie du. Ich plane, demnächst löten zu lernen, dann wird man es noch weniger wissen. Außerdem beweist mein YouTube-Verlauf ja wohl alles, da geht es nur um alte Männer, die aus einem Wald und einem Schweizer Taschenmesser ein Haus bauen.”

Ich bin immer noch nicht fertig mit Kopfschütteln darüber, wie lange ich „Frauendinge“ verachtet habe: Gespräche über Handtaschen, Schminke etc. – weil ich internalisiert hatte, dass weiblich Markiertes minderwertig ist (Autodetails, Modelleisenbahnen oder Freizeitsportausstattung interessierten mich ja auch nicht, doch ich verachtete die Themen nicht.)

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Yes please.

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https://youtu.be/TcPk2p0Zaw4

Journal Montag, 10. Februar 2020 – Umtost von Sabine

Dienstag, 11. Februar 2020

Früher Wecker, um Zeit für eine weitere Runde Yoga mit Adriene zu haben: Gestern wurde nur gedehnt. (Einbeiniges Stehen auf der wehen Hüfte war in einem überraschenden Maß unmöglich – dabei kenne ich diesen stechenden Großschmerz doch vom tägliche Sockenanziehen, selbstverständlich weiterhin hartnäckig im Stehen.)

In den Morgenstunden war der angekündigte Orkan Sabine eingetroffen. Herr Kaltmamsell hatte schon am Vorabend erfahren, dass der Schulunterricht im ganzen Landkreis abgesagt worden war und freute sich auf zusätzliche Zeit, ich wiederum war gespannt, wie groß die Ausfälle im Büro sein würden.

Sicherste und verlässlichste Art des Arbeitswegs wäre bei mir Gehen gewesen – hätte aber in meinem derzeitigen Zustand eine Stunde gedauert. Also halt doch wieder Fahrrad: Ging, nur ein kleines Stück erforderte wegen Gegensturms den kleinsten Gang.

Am Vormittag dann vorm Bürofenster Wolkendrama und auch mal ein richtiger Regensturm, der sich aber bald beruhigte. (Große Verlegenheit ob Ihrer Wiedersehensfreude in den Kommentaren.)

Mittags ein Schmalzbrot aus selbst gebackenem Brot und Entenschmalz vom Sonntagsbraten, nachmittags zwei Blutorangen.

Auf dem Heimweg ein Abstecher in den Teeladen in der Sendlinger Straße: Nachdem am Wochenende eine Teedose leer wurde, sollte sie mit Lapsang Souchong gefüllt werden. Ich wählte aus den drei angebotenen Sorten die mittelintensive. Der Sturm hatte sich ein wenig beruhigt. (Wir kennen hoffentlich alle jemanden, die derzeit die BILD-Schlagzeile „ANGST VOR SABINE“ als WhatsApp-Profilbild nutzt?)

Vor dem Abendessen entspannte ich mich daheim mit einem Martini und dem Vergnügen, auf instagram-Werbung zu antworten.

Die Reste vom Wochenende ergaben zum Nachtmahl ein chinesisches Entengröstl, im Fernsehen lief X-Men 2 (die Coming-out-Szene ist wirklich witzig).

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Schon am Sonntag Deadline von Bov Bjerg ausgelesen. Ziemlich deutlich ein Vorläufer von Serpentinen, deutlich direkter als Auerhaus: Auf der einen Seite stilistisch mit wiederholte Wortwendungen („Slash Rekonstruktion“) und nicht-realistischer Erzähltechnik (hier ständig Synonyme, die der Ich-Erzählerin, von Beruf Übersetzerin, als Übersetzungsmöglichkeiten durch den Kopf gehen). Auf der anderen mit seinem Setting in der schwäbischen Alb, einer kleinbürgerlichen Dorfgemeinschaft, mit Befreiung durch Ausbruch daraus, einem Alkoholikervater, der sich umgebracht hat, dem Friedhof, dem einen Einzelgänger. Aber im Gegensatz zu Serpentinen haben wir hier Schwestern statt Brüder und die Perspektive einer Frau. Erzählt wird die Geschichte dieser mitteljungen Frau, die von ihrem Wohnort, einer Großstadt in den USA, zum Flughafen aufbricht: Sie fliegt in ihren deutschen Herkunftsort zu ihrer Familie.

Ein sehr guter Erstling.

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„Land ohne Ende: Unvollendete Bauten in Italien
Seit zehn Jahren katalogisiert ein Künstlerkollektiv unvollendete Bauten in Italien. Sein Ziel: das ‚incompiuto‘ zum Stil zu deklarieren“.

Journal Sonntag, 9. Februar 2020 – Was in der Pause geschah

Montag, 10. Februar 2020

Bov Bjergs Deadline von einem Leser geschenkt bekommen. Rührung, Überwältigung und Dankbarkeit.

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Ein Tag mit Komplettüberforderung, Elend und Siechtum, den ich mit mittäglicher Krankmeldung abbrach, um heimzufahren und mich ins Bett zu legen. Wenn sich der Anblick von Zeitungsschlagzeilen so unerträglich anfühlt wie ein Martinshorn im Tunnel direkt neben mir.

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An den Kammerspielen Die Räuberinnen gesehen.

Ausverkaufte Vorstellung (Publikum in der üblichen Zusammensetzung aus hauptsächlich älteren und alten Menschen). Ich hatte vorher wieder nichts über die Inszenierung gelesen, fand keinen Ansatz, was das alles sollte, hatte aber eine mords Gaudi – das gesamte Publikum noch viel mehr. Zwar ahnte ich, dass ein großer Teil improvisiert war (diesem Eindruck habe ich ja zu misstrauen gelernt, da herausragende Schauspielerinnen auch Improvisation überzeugend spielen können), doch erst das Hinterherlesen des Programmhefts verschaffte mir Gewissheit. Das Publikum wurde von Anfang an angesprochen und einbezogen (auch das kann ja inszeniert sein – Bernd Noack schreibt im Spiegel von „vorgegaukelter Improvisation“), es ging von Anfang an fröhlich und begeistert mit. Unter anderem nahm uns Gro Swantje Kohlhof auf eine „Traumreise“ („Sind Waldorfschüler im Publikum?“) in einen Wald, das Publikum sorgte selbsttätig für Tierstimmen, so dass Kohlhof ganze Schwärme Käuzchen einbaute (ein besonders penetrantes musste sie dann aber doch zum Schweigen bringen, „Ruhe im Wald!“), außerdem 700 Rehe. Klar, es sind Schauspielerinnen – aber ich hatte dann doch den Eindruck, dass auch sie eine Gaudi hatten.

Nachträglich stufe ich das ganze als eine Improvisation über Schillers Räuber ein, die nicht mal zu einer Deutung kommen möchte, sondern frei assoziiert.

Manche finden das fürchterlich:
„Mädelsabend in der Schulschwimmhalle“.
„Party ohne Schiller“.

Manche super:
„Leonie Böhm macht aus den ‚Räubern‘ von Schiller ‚Die Räuberinnen'“.
„Spiellust und vollkommene Befreiung“.

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Körperliches:

Eine leichte Erkältung und eine heftige Menstruation mit – neuestes Feature – zwei Tagen Krämpfen, die mich zudem eine sonntägliche Schwimmrunde kostete, weil ich auch an Tag 6 noch so stark blutete, dass ich mich nicht ins Schwimmbad traute.

Viel Nachdenken über ein künstliches Hüftgelenk. Jedes seriöse Rechercheergebnis nach dem idealen Zeitpunkt für die Operation ergibt in diesen oder anderen Worten: Das kann nur die Patientin beurteilen. Ruheschmerz bin ich derzeit durch die Spritze los, doch Gehen funktioniert nach einer Woche mit stetiger Besserung jetzt wieder nur unter Schmerzen bei jedem Schritt – ich war auf meinem gestrigen Sonntagsspaziergang im Tempo einer nicht besonders rüstigen 90-jährigen unterwegs. Viel hadernde Grübelei, die ich leider nicht abstellen kann (aber auf dem Röntgenbild haben zwei Dr. Orths nicht mal eine Arthrose gesehen! vs. soll ich ernsthaft erst mal durchgehend Ibu nehmen und zu Krücken greifen, bevor ich reif für die OP bin? vs. jetzt zehre ich noch von meiner Fitness und Beweglichkeit aus vielen Jahren Sport, nach ein paar Jahren Sportunfähigkeit ist davon nichts mehr übrig und die postoperative Reha wird viel schwieriger vs. das ist aber fei schon ein ganz schon brutaler Eingriff vs. all die Ausweichbewegungen, die ich mir jetzt angewöhne – also das Hinken, könnten Folgeschäden verursachen). Dabei habe ich doch in zwei Wochen den nächsten Orthopädentermin, bei dem ich die nächsten Schritte diskutieren kann. (Wenn sich der Arzt dafür Zeit nimmt.) (Ach MIST!)

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Yoga mit Adriene entdeckt, auf Empfehlung gefühlt meines gesamten weiblichen Internets mit und ohne Hang zu Bewegung.

Und tatsächlich kriegt mich das zum ersten Mal Yoga-mäßig, also nicht nur die sportliche Seite: Alle paar Morgen gehört zu Adrienes kontinuierlichen Anweisungen und Hinweisen ein freundliches „trust me“ oder „I got your back“ – was ich so ernst nahm, dass es mich zu Tränen rührte. Nachdem ich mich bei einer Yoga lehrenden Bekannten erkundigt hatte, wie wichtig die Präszision von Haltung und Bewegung bei Yoga ist und erfahren hatte, dass eine gute Vorturnerin immer darauf hinweist, wenn sie wichtig ist. Dass mich die Ansage immer zum Fokus einer Bewegung leitet.

Gekriegt hat mich dieses Yoga überhaupt durch seine Freundlichkeit und Unverbissenheit: „Move like you love your body“ und „Stand up tall, like you love yourself“ sind halt zugänglicher als „Love your body“ oder „Love yourself“, was mir deutlich zu enorme Aufgaben wären. Zudem ist mir Adriene ungemein sympathisch (sie bringt es fertig, dass ich ihren Dank für meine Zeit und meine Energie ernst nehme, dass ich ihr glaube, wenn sie das als Geschenk bezeichet), außerdem hat ihr Yoga-Programm eine unschlagbare USP: Benji, den Hund. Er taucht immer wieder auf, oder liegt rum, bekommt einen kurzen Zwischenstreichler oder ein freundliches Wort – was dem ganzen Programm eine entspannte Note gibt, die anders nur schwer zu erreichen wäre.

Bislang schönster Moment war an Tag 5: Meine rechte Hüfte lässt mich ja nicht wirklich schneidersitzen, das rechte Bein liegt eher Schürhackl-artig vor dem angemessen angewinkelten linken. So auch am Anfang der 30-Minuten-Einheit an diesem Morgen. Sie endete in derselben Position – und ich sah mich in echtem Schneidersitz, auch das rechte Bein machte mit. Irgendwas hatte dieses Yoga bewirkt.

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https://www.youtube.com/playlist?list=PLui6Eyny-UzzFFfpiil94CUrWKVMaqmkm

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Fotos aus der Pause:

Schöne Überschrift.

Das Pissoir in der Isarvorstadt hat endlich einen neuen Zweck: Erinnerungsort für drei Gast-Isarvorstädter.

Die drei amtlichen Frühlingsboten Schneeglöckchen, Krokanten, Winterlinge gestern im Alten Südfriedhof und am Westermühlbach.

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Die Pause hat nicht gereicht, dass ich mir endlich NetflixAmazonAppleTV geholt hätte und dann doch HandmaidsTaleGoodOmensPicard angesehen hätte.

Journal Mittwoch, 29. Januar 2020 – Das neue Taklamakan

Donnerstag, 30. Januar 2020

15 Minuten Frühsport: Kräftigung mit Halteübungen, dann wieder Hüfte dehnen. Ich spiele mit dem Gedanken, mich an Pilates zu versuchen; das müsste eigentlich genau die Art Kräftigung und Dehnen abdecken, die mir ärztlich geraten wurden.

Andererseits hatte ich gestern tagsüber wieder mehr Schmerzen (das Ibu-Geballere ist seit Montagabend beendet) (aber immr noch kein Vegleich zu vor Spritze) und bin verunsichert, wie das mit meinem Frühsport zusammenhängen mag.

Arbeitsweg per Fahrrad, weil ich es für Besorgungen auf dem Rückweg brauchte.

Nicht nur lustig geht immer vor hübsch, sondern manchmal auch warm und sicher.

In der Arbeit aktualisierte ich mein selbst erfundenes Dokument „Wichtige Orga“, an dessen Existenz ich möglichst viele Kollegen und Kolleginnen regelmäßig erinnere: Sollte mich der Laster überfahren, stehen dort die wichtigsten Informationen zu meinen Zuständigkeiten. Um den truck factor niedrighoch zu halten.

Das Wetter war gestern rechtschaffen greislich, es windete und regnete, immer wieder sah ich Schneeflocken.

Heimweg in einer Niederschlagpause. Ich machte mich auf die Jagd nach Bitterorangen: Herr Kaltmamsell will dringend die jährliche Runde Orangemarmelade kochen, bekam aber in den vergangenen Tagen nirgends die dazu nötigen Pomeranzen. Ich radelte erst zum Vollcorner – keine Bitterorangen. Fündig wurde ich beim Süpermarket Verdi, wo ich der vertrauten Händlerin an der Kasse vorjubelte, wie glücklich sie mich gemacht habe.

Unser Ernteanteil war weggegessen, wir hatten das Abendessen also frei. Das nutzten wir, um das neue Taklamakan am Isartor auszuprobieren. Bis vergangenen Sommer war das ja unser Geheimtipp am Hauptbahnhof gewesen: Ein sehr einfaches Schnellrestaurant, aber mit außergewöhnlicher Küche, nämlich uigurischer (hier, hier und hier Eindrücke vergangener Besuche). In München lebt die größte uigurische Exil-Community weltweit (man dürfte also behaupten, dass uigurisches Essen typisch münchnerisch ist), und dort bekam man die typischen frischen Nudeln Laghman und die Gerichte, deren Aromen Orientalisches mit Chinesischem verbinden.

Jetzt ist das Taklamakan ein schönes und geschmackvoll eingerichtetes echtes Restaurant auf der Ostseite des Isartorplatzes. Auf der Speisenkarte viele bekannte Gerichte, doch natürlich ist das Flair ein komplett anderes. Lokal und Personal erzeugten in mir die Vision, dass jemand die Köchinnen des alten Taklamakan shanghait haben könnte und um sie herum ein völlig neues Konzept gebaut. Wir aßen sehr gut, aber es wird noch eine Weile dauern, bis die Erinnerungen an den originellen und einzigartigen Vorläufer verblassen.

Geprügelte Gurke mit Koriander, Sesamöl und Knoblauch.

Gewickeltes, gedämpftes Hefebrötchen.

Din Din, Nudelabschnitte mit Gemüse und Rindfleisch.

Tohu Kordak (Dapanjie), also karamelisiertes Hühnchen mit flachen Nudeln.

Ins Bett mit Ohrstöpseln, weil über uns laut (und angekündigt) Geburtstag gefeiert wurde.

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Über dieses spektakuläre Schwimmbild aus Brighton von lomokev stieß ich auf den instagram-Account der abgebildeten (offensichtlich komplett schmerzfreien – siehe Profilbild) Schwimmerin: @melodietyrer.
Das Interessante: Sie sammelt beim Schwimmen immer Müll – und fotografiert ihn. Ohnehin nimmt sie das mit der Müllvermeidung sehr ernst und gibt auch Tipps.

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Anlässlich des gestern im EU-Parlament beschlossenen Austrittsvertrags mehr Bilder aus UK: Gestern gab’s auf Twitter wieder ganz wundervolle vom Schafhirten James Rebanks.

Journal Sonntag, 26. Januar 2020 – Schwimmrunde und Afternoon tea

Montag, 27. Januar 2020

Ich sollte wirklich, wirklich daran denken, vor dem Aufbruch zum Olympiabad auf der Website nachzusehen, ob eine Veranstaltung stattfindet.

Gestern las ich nämlich erst am Eingang, dass ab 11 Uhr die Schwimmhalle für ein Wasserballturnier gesperrt würde. Schwimmen könne man im Trainingsbecken, „(25 m)“. Großes inneres Augenrollen und Nölen, gleichzeitig Verwunderung, weil das Trainigsbecken, in dem ich während der Renovierung der Schwimmhalle Bahnen gezogen hatte, 50 Meter lang ist. Nur dass es gestern halt in der Mitte abgeteilt war (vermutlich wurde die andere Hälfte fürs Warmschwimmen der Wasserballer benötigt). Weiteres inneres Nölen (DA KRIEG ICH JA ´NEN DREHWURM!), bis das Schwimmen halt auch so derart gut tat und mir Vergnügen bereitete, dass das egal wurde. Zumal ich die innere Nölerin, die was von „hätte ich ja gleich in irgendein anderes Schwimmbad gehen können“ maulte, darauf hinweisen konnte, dass andere Schwimmbäder halt keine klar abgetrennten und markierten Schwimmbahnen haben, auf denen weder Querschwimmende noch Plauderpärchen stören.

Die 2.500 Meter (in etwa, die kurzen Bahnen machten das Zählen wirklich anstrengend) vergingen im Flug. Strom. Fluss.

Daheim packte ich nur kurz aus: Ich war mit Herrn Kaltmamsell zum Tee verabredet, wir lösten ein Geschenk zum Rosenfest ein. Im Victorian House endete um zwei gerade die letzte Frühstücksschicht, wir bekamen gleich einen Tisch (für Sonntagnachmittag hatten wir keine Möglichkeit für eine Reservierung gefunden); eine halbe Stunde später wurde es schon wieder voll. Und nun: Victorian House Champagne Tea!

Die Teewahl fiel mir leicht: Auf das Kännchen Lapsang Souchong hatte ich mich schon gefreut.

Die Sandwiches waren ganz ausgezeichnet raffiniert, die Scones (mit echter Clotted Cream) herzhaft, die Kuchen (Lavendelkuchen, Schokoladen- und Aprikosentarte) unterm Strich vielleicht etwas viel (Macarons sind ja leider an mich verschwendet – there, I said it).

Träger Daheim-Nachmittag mit Internet- und Romanlesen. Zum Abendessen machte Herr Kaltmamsell aus dem Ernteanteil-Grünkohl Chips, sonst gab es Reste.

Journal Mittwoch, 22. Januar 2020 – Freier Tag durchgetaktet, ärztliche Bestürzung

Donnerstag, 23. Januar 2020

Urlaubstag, den ich genommen hatte, um alle Vorhaben unterzubringen.

Nach guter Nacht war der erste Termin ein MRT meiner schmerzensreichen Hüfte. Dieses Radiologiezentrum besuchte ich in den vergangenen vier Jahren zum mindestens vierten Mal – ich war versucht, mich nach Streifenkarten zu erkundigen. Für meine Hüfte war es allerdings eine Premiere – die, so erwies sich, um einiges früher hätte stattfinden müssen: Der alte Radiologe machte ein so bestürztes Gesicht, als er mir die deutliche Arthrose des Gelenkkopfs und die resultierende deutliche Entzündung des Gelenks zeigte, und ich dauerte ihn offensichtlich so sehr, dass ich fast in Tränen ausgebrochen wäre. Was nun zu tun sei, meinte er, müsse aber der Orthopäde sagen.

Im Bus zurück nach Hause verspürte ich Erleichterung: Tatsächlich hatte ich befürchtet, wieder hilflos ohne greifbare Diagnose dazustehen.

Nächster Programmpunkt: Vorbereitung des Mitbringessens für eine abendliche Geburtstagseinladung, nämlich Buschbohnen und Mangetouts mit Haselnüssen und Orange. Die Schüssel, in der ich den Salat mitbrachte, sollte gleich das Geburtstagsgeschenk sein.

Zum mittäglichen Frühstück gab es eine große Portion Porridge mit Joghurt und Quitten in Sirup.

Den Nachmittag verbrachte ich in Hadern bei der Wahlhilfeschulung. Diesmal ging es um die Modalitäten der Kommunahlwahl am 15. März mit Stimmauszählung auch am 16. März (wofür der Arbeitgeber freistellen muss; ich habe mir lieber einen Tag Urlaub genommen, das geht meinen Arbeitgeber nichts an) und der sehr wahrscheinlichen OB-Stichwahl am 29. März. In München sind das drei Wahlen: Oberbürgermeister oder -bürgermeisterin, Stadtrat (80 Sitze = 80 Stimmen), Bezirksausschuss. Das ist nicht nur fürs Wahlvolk recht komplex (kein Wunder, dass die Stadt eine Teilnahme an dieser Schulung für Wahlhelfende zur Pflicht macht, wir müssen ja Auskunft geben können), sondern wird auch richtig viel Arbeit. Ich bin auch diesmal wieder Schriftführerin und habe zusätzlich den Wahlkoffer mit Laptop zur Übertragung der Ergebnisse zu bedienen, fühle mich jetzt aber gewappnet. Die anderen neun Wahlhelfenden im Raum waren alle aufmerksam und schnell von Begriff, alle Zwischenfragen halfen dem Verständnis.

Die Schulung selbst und die Unterlagen waren noch besser strukturiert als die letzten Male, das Wahlamt München macht hier einen wirklich guten Job. Für den Termin war ich weit, weit gefahren: Er fand im Nebenzimmer einer Wirtschaft statt, für mich Innenstadtpflanze fühlte sich die Gegend um den U-Bahn-Halt Haderner Stern schon gar nicht mehr nach München an.

Nicht immer nur die hübschen U-Bahnhöfe fotografieren.

Mit ein paar Minuten Verspätung kam ich direkt von dort zu meinem Friseurtermin. Diesmal hatte ich mir als Wunsch ausgedacht, das Ganze gröber durchzufransen, dafür nicht ganz so kurz, aber wieder Fülle weg. Genau das bekam ich, inklusive Hinweis, dass es für die Sichtbarkeit der Fransen Stylingprodukt braucht.

Von dort aus wieder direkt zur Geburtstagsfeier, die in derselben Gegend der Stadt stattfand. Das Gemüse hatte Herr Kaltmamsell von daheim mitgenommen, er war ebenfalls Gast. Dann doch sehr erledigt nicht lange geblieben.


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