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Journal Mittwoch, 7. Dezember 2022 – #Lindwurmessen bei der freundlichen Nachbarschafts-Vietnamesin

Donnerstag, 8. Dezember 2022

Morgens kehrte das Wetter zurück zu Dunkelgrau, allerdings mit etwas bunterem Himmel in verschiedenen Grautönen. Kurz vor Mittag aber bekam ich echten Sonnenschein – den ich vor allem begrüßte, weil er mein Büro wärmte.

Mittags gab’s ein wenig Kimchi, Pumpernickel mit Butter (war ja noch vom Dienstag übrig), Orange, Banane.

Den ganzen Tag mitteleng getaktete Arbeit, viel davon Recherche und Sortieren. Ich hatte kein einziges Mal warme Hände, muss also weiter umdenken: Dickere Pullover, und die Schneestiefel für den Arbeitsweg lasse ich einfach im Büro an, nehme kein zweites Paar Drinnen-Schuhe mit.

Nach Feierabend stieg ich in eine U-Bahn zum Ostbahnhof: Einkauf spanischer Spezereien im MitteMeer. Daheim nur kurzes Kruschen, dann brach ich mit Herrn Kaltmamsell zu unserem nächsten #Lindwurmessen auf,1 dem vietnamesischen Restaurant Jasmin.

Ich hatte sicherheitshalber reserviert: Im Dezember wird viel Essen gegangen. Und da ich eh eine MVV-Tageskarte hatte, fuhren wir zwei Stationen mit der U-Bahn hin.

Wir gehörten zu den ersten Gästen, ich fühlte mich sofort sehr wohl: Das kleine Lokal (laut Website 2003 eröffnet und ein Familienbetrieb) wirkte wohnlich und war liebevoll dekoriert, unter anderem mit offensichtlich viel benutzten Kochbüchern vietnamesischer Küche – aber eben nicht durchgestylt. Aufmerksam war auch der Service, sehr angenehm.

Zu trinken bestellten wir den alkoholfreien Cocktail Yuzu Sprizz: Ganz ausgezeichnet; zunächst war ich überraschte, weil er fast nicht süß war, doch dadurch kam das Aroma dieser besonderen Zitrusfrucht richtig gut zum Tragen.

Herr Kaltmamsell aß Tintenfisch mit Gemüse und Reis, ich hatte Reisbandnudeln mit Garnelen, Knoblauch, Erdnüssen und Gemüse – ganz besonders fein gewürzt, frisch und köstlich.

Auch zurück nahmen wir die U-Bahn, daheim gab’s zum Nachtisch Süßigkeiten.

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Auf Mastodon von @wondi geteilt mit dem Hinweis: “Falls ihr heute Morgen ungewollt gute Laune habt, kann ich diesen Beitrag über rumänische Bauarbeiter in Frankfurt nur empfehlen.”
“Ganz unten im System”.

Länder, in denen migrantische Arbeiter auf Baustellen prekär beschäftigt werden, müssen boykottiert werden? Am besten fängt man mit Deutschland an.

(…)

Im deutschen Baugewerbe ist ein krakenartiges Geflecht aus teils kriminellen Firmen entstanden; eine Schattenwelt, in der die Grenze zwischen Legalität und Illegalität verschwimmt. Die taz hat für diesen Artikel mit Gewerkschaftsvertretern, Sozialarbeitern, Arbeitgebern und mehreren osteuropäischen Arbeitern gesprochen. Sie geben Einblicke in ein System, das über Abhängigkeit und Angst funktioniert; ein System, bei dem die Leidtragenden ganz unten stehen.

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Ein weiteres Schlaglicht auf die wissenschaftliche Seite von Intersexualität – aber mit Bezug zu gesellschaftlichen Gefühlen.
“Trans athletes in women’s sports: Is this fair?”

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https://youtu.be/cZ9YAFYIBOU

via @afelia

Mit ein paar für mich unerwarteten Argumenten.

  1. Wir futtern uns nacheinander durch alle Lokale an der Südseite der Lindwurmstraße von Sendlinger Tor westwärts bis Stemmerhof, dann an der Nordseite wieder zurück. []

Journal Dienstag, 6. Dezember 2022 – Meine Nikolaus-Geschenke

Mittwoch, 7. Dezember 2022

1. Geschenk
Als ich Herrn Kaltmamsell am Montagmorgen bei Verlassen der Wohnung darauf hinwies, dass am Dienstag FEI Nikolaus sei, nannte er das “geradezu beleidigend”. Ich wollte lediglich ganz sicher gehen, dass sich gestern Morgen niemand würde grämen müssen, weil er vergessen hatte, mir einen Schokoladennikolaus vor die Tür zu stellen. Komplett grämungsfreier Morgen, zwei Schokoladennikoläuse hatten vor den respektiven Türen pünktlich ihren Auftritt.

2. Geschenk
Einen seltenen Auftritt hatten Sterne am Himmel: Die Wolkendecke lichtete sich genug, dass ich beim Fensterschließen ihr Funkeln am morgentlichen Nachthimmel sah.

3. Geschenk
Mir selbst diesen irischen Tweedrock geschenkt:

Er ist eine Größe zu groß – weil ich besonders sorgfältig war: Da ich den Hersteller noch nicht kannte, verließ ich mich nicht auf die vertraute Konfektionsgröße, sondern maß meine Taille aus und glich das Ergebnis mit der Tabelle des Anbieters ab. Sie ergab eine Konfektionsgröße höher als sonst, sogar am oberen Ende. Leider passte das aus Irland gelieferte edle Stück trotzdem nicht (wozu dann diese Maßtabelle bitte?), meine gewohnte Größe wäre richtig gewesen. Da es genau dieses Modell in dieser aber nicht mehr gibt und mir zudem der Umstand der Rücksendung zu groß ist, behalte ich ihn. So kann ich halt auch einen dicken Wollpulli reinstecken. Und vielleicht lasse ich ihn ja irgendwann vom Schneider enger machen.

4. Geschenk
Auf dem Weg in die Arbeit hatte ich einem Radler zu danken: Er rutsche gleich in der ersten Kurve meiner Route weg und legte sich flach: So musste ich nicht selbst durch einen Sturz herausfinden, dass es eisglatt war und trippelte vorsichtig ins Büro.

Beim Auspacken merkte ich dort: Ich hatte statt meinem Butterbrot versehentlich das Reststück spanischen Schafskäse als Brotzeit aus dem Kühlschrank gegriffen. Und mich beim Öffnen meines Rucksacks ein wenig über den Stallgeruch gewundert.

Der Morgenhimmel entwickelte sich zu Sonnenschein, der bis fast halb zehn erfreute. Dann Rückkehr zu Bleihimmel. (Um fair zu sein, blieb den ganzen Tag ein heller Streifen am Horizont – den die Sonne für einen schüchternen Untergangs-Auftritt nutzte.)

Zu Mittag also kein Pumpernickel, sondern zwei Brezen aus der Cafeteria, vorgeschnittene Orangen.

Nachmittags schaffte ich sogar warme Hände. Irgendwann lerne ich auch noch, dass “ah, dann kann ich die Heizung ja runterdrehen” keine gewinnbringende Reaktion darauf ist.

5. Geschenk
Auf dem Heimweg (kalt) sah ich auf der Theresienhöhe vorm Tor der Villa Wagner ein Mäuschen huschen. Ich blieb still stehen, da traute es sich vor. Und dann sah ich ein paar Minuten im Licht der Straßenlaterne diesem ultraniedlichen Tierchen zu: ganz rund und höchstens vier Zentimeter lang, mit großen, zarten Öhrchen, großen Knopfaugen, langem, dünnen Schwanz tat es Mäuschendinge – schnupperte, huschte, guckte. Hachz.

6. Geschenk
Und DANN sah ich beim Kreuzen des Kaiser-Ludwig-Platzes auch noch einen Nikolaus: In Weiß, mit Bischofsmütze, halb gefüllten Sack über der Schulter – vielleicht der mietbare Pfarrei-Nikolaus?

Herrn Kaltmamsell holte ich nur ab: Wir gingen zum Abendessen auf den (wegen Baustelle reduzierten) Christkindlmarkt am Sendlinger Tor, es gab Regensburger spezial (gut – für die Chronik: 5 Euro) und dann Pommes (mittelgut – 4 Euro). Daheim zum Nachtisch Früchtebrot und Schokolade.

Am Montag waren meine Schöffinnentermine für 2023 eingetroffen: Ich hatte es nicht geschafft, beide für das Jahr geplante Urlaube bereits zu buchen, um bei eventuellen Kollisionen meine Verhinderung belegen zu können. Glück gehabt (noch ein Geschenk): Der Großfamilienurlaub über die Osterferien ist nicht betroffen.

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Nach der Lektüre eines Artikel im Guardian über geraubte Kunstschätze aus der Antike gibt ein Mann 19 Antiquitäten, die er – ohne Nachweis rechtmäßigen Erwerbs – von seiner Großmutter geerbt hat, an die Ursprungsländer zurück.
“Man repatriates 19 antiquities after reading Guardian article”.

Gelernt: Dazu muss man erst mal jemanden finden, der die Ursprungsländer benennen kann, und dann geht man damit zur jeweiligen Botschaft.

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Swissmiss hat handgemalte Plakate fotografiert, die am Rand des New-York-Marathons hochgehalten wurden.

Journal Montag, 5. Dezember 2022 – Janker-Schnäppchen

Dienstag, 6. Dezember 2022

Eine weitere Nacht mit gutem Schlaf, ich hätte ihn gern noch länger gehabt.

Das nebelig trübe Wetter hielt an, keine Aussicht auf einen Sonnenstrahl diese Woche – vielleicht gibt es wenigstens ein paar Flocken Schnee.

Arbeitsweg im fast komplett Dunklen, auch das bleibt noch für ein paar Wochen so. Aber hey! Im Büro konnte ich um die Mittagszeit fast zwei Stunden lang auf künstliches Deckenlicht verzichten!

Mittagessen Pumpernickel mit Butter, zwei Orangen.

Emsiger Nachmittag, manches musste ich nochmal von vorn anfangen, weil moving target.

Nach Feierabend zog ich zu ein paar Einkäufen los: Ich genoss den Marsch, auch wenn es beim Verlassen des Bürohauses zu regnen begann, erst mal nicht mehr aufhörte und ich langsam durchfeuchtete.

Besorgungen beim Vollcorner, dann marschierte ich zum Kaufhof am Stachus, also zur verbliebenen Hälfte des Hertie am Bahnhof, das andere Kaufhaus direkt an der Sonnenstraße wurde mittlerweile komplett geschlossen (nur der große Asia-Supermarkt im Keller ist weiter in Betrieb). Ich brauchte Strumpfhosen und weiß erstmal nicht, wo ich die außerhalb der Socken- und Strumpfabteilung eines Kaufhauses offline bekomme; das immer glaubwürdiger angekündigte Aussterben von Kaufhäusern stellt mich vor echte Probleme.

Daheim freute ich mich sehr auf eine Runde Yoga; sie war ok, ohne Adrienes Geschnatter hätte sie mir noch besser getan. In der Post eine herzerwärmende Postkarte: Ich hatte mir eine von diesem Foto gewünscht – und der bezaubernde Wiener Fotograf hatte tatsächlich eine gedruckt und geschickt.

Herr Kaltmamsell servierte wieder das Nachtmahl.

Im Zentrum Kimchi (inzwischen sauer fermentiert und weiterhin köstlich) mit Udon – die fleischreiche Woche hatte somit ein Ende. Ich möchte jetzt bitte eine Weile kein Fleisch mehr, aus Umweltgründen, aber auch aus Gemüse-Gelüsten. (Was problemlos mit dem Wunsch nach einer Bratwurst vom Christkindlmarkt zusammengeht.) Auf dem Teller gestern zudem gebratener Seidentofu und Gyoza.

Und Herr Kaltmamsell hatte eine gemeinsame Idee umgesetzt:

Wackelpudding aus selbstgemachtem Waldmeistersirup, Gelatine und Lebensmittelfarbe. Schmeckte halt nach echtem Waldmeister und nicht nach künstlichem, aber gut! (Mit flüssiger Schlagsahne.) Danach noch reichlich Weihnachtsplätzchen.

Am Nachmittag war ein Paket eingetroffen:

(Die Bluse habe ich extra fürs Foto angezogen.)

EINMAL hatte die Online-Werbung exakt meinen Bedarf getroffen und einen schlichten, grauen Giesswein-Janker in gewünschter Größe angeboten, noch dazu von Best Secret und damit für die Hälfte des Original-Preises.

Echt ist für mich ein Janker, wenn er in Grau- oder Brauntönen kommt, aus Walk gemacht ist, mit Knöpfen geschlossen wird, kragen- und kapuzenlos. Außerdem muss es ein Herren-Modell sein, denn in dem Moment, in dem jemand versucht, Abnäher für Brüste einzunähen, verfärbt sich der Stoff in Pastell-Töne, die Einfassungen bekommen neckische Muster und/oder es erscheinen Stickblümchen auf dem Walkstoff. In Extremfällen formieren sich sogar Schößchen an der Rückseite. Der Zusammenhang ist noch nicht abschließend wissenschaftlich geklärt.

Mein neuer auf dem Foto ist ein eher leichter, nicht so richtig wintertauglich.

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Lesenswerte Gedanken von Katharina Riehl in der Süddeutschen zur Frage, ob der Aktivismus von “Letzte Generation” der Klimabewegung nutzt (€):
“Der Ärger gehört dazu”.

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Endlich eine inhaltlich-feministische Auseinandersetzung mit Alice Schwarzer zu ihrem 80. Geburtstag und zwar von Antje Schrupp.
“Zum 80. Geburtstag von Alice Schwarzer”.

Sie hat nicht verstanden, dass die Gleichberechtigung im Westen die weißen bürgerlichen, einheimischen cis Frauen zu einem stärkenden Faktor der weißen bürgerlichen antimigrantischen symbolischen Ordnung macht und damit die Grenzen, die das Patriarchat zwischen Männern und Frauen zieht, einfach nur anderswo hin verlagert. Sie hat nicht verstanden, dass die eurozentrischste patriarchale koloniale Norm durch die Emanzipation der Frauen nicht etwa untergraben wird, sondern glaubwürdiger! Und dass aus genau diesem Grund sie NIEMALS von einer Kritik anderer Diskriminierungsformen getrennt werden darf.

In den späten 80ern und frühen 90ern holte ich Schwarzers Feminismus nach, indem ich mehrere Jahrgänge Emma hinterherlas, die es bei Zweitausendeins billig als Sammelbände gab – hochinteressant und lehrreich. Doch eine wirkliche Identifikationsmöglichkeit bot mir der third wave feminism, den ich um die Jahrtausendwende zunächst in US-amerikanischen Blogs entdeckte, allen voran Jessica Valenti und das mittlerweile eingestellte Blog feministing.com (das aber weiterhin zum Nachlesen online steht).

Gleichzeitig kam ich immer weniger mit Alice Schwarzers Dogmatik zurecht, mit ihrem absoluten Anspruch auf die einzig wahre und akzeptable Haltung: Sie beteiligte sich nicht am feministischen Diskurs, verkündete lediglich weiterhin ihre apodiktischen Aussagen, alles war und ist in Stein gemeißelt. Ich kann mich an keinen einzigen Aspekt erinnern, in dem sie ihre Haltung weiterentwickelt hätte – im Gegenteil: Ihr Tonfall wurde immer menschenfeindlicher und ausgrenzender. Und das, wo ich den Feminismus in den vergangenen 30 Jahren gerade wegen seiner Veränderungen und Weiterentwicklungen so spannend fand, wo ich immer weitere unterschiedliche Perspektiven kennenlernte und nachvollziehen konnte.

Journal Freitag, 2. Dezember 2022 – Erb-Stellvertretung für Tischwäsche

Samstag, 3. Dezember 2022

Ein weiterer dunkelgrauer Dezembertag. Gedämpfte Freitagsfreude: Am Montag geht’s ja weiter.

Verfrorene Büroarbeit in Langarm-Shirt unter Wollpullover, Wolltuch um die Schultern, dennoch mit hell-lila Fingernägeln. In meiner 80er-Jahr-Jugend waren Fingerhandschuhe mit halben Fingern ein beliebtes Styling-Element. Ob ich das wiederaufnehme? Nachmittags schlüpfte ich zusätzlich in meine Büro-Notstrickjacke, dann war’s mir endlich warm

Gegen elf wurde es kurzzeitig so hell draußen, dass ich das Deckenlicht ausschaltete. Hielt aber nicht mal eine Stunde an.

Vormittag mit viel Datenbank-Kram und einer Katastrophen-Minimierung, die durch eine menschliche Fehleinschätzung nötig geworden war.

Mittagessen Apfel, Pumpernickel mt Butter, Orangen.

Nachmittags setzte auch noch Regen ein, es war richtig supergreislich. Bei Feierabend nieselte es aber nur wenig, ich kam ohne Schirm nach Hause. Und zu meiner Erleichterung setzte sogar echte Wochenendefreude ein.

Zu Hause gab es Prosecco mit selbstgemachtem Waldmeistersirup aus dem Frühsommer, der richtig intensiv nach frischem Waldmeister schmeckte. Als Nachtmahl stellte Herr Kaltmamsell einen plato combinado zusammen:

Ruccola und Bratkartoffeln aus Ernteanteil, dazu Spiegelei (warum auch nicht?), und wir teilten uns ein Entrecôte. Nachtisch viel Schokolade und Weihnachtsgebäck.

Abendunterhaltung war auf Tele5 Die Hexen von Eastwick: Ich hatte den Film seinerzeit sehr geliebt, die Musik kann ich dank oftmaligem Hören auswendig. So richtig gut gealtert ist er allerdings nicht. Als in einer Eingangszene mal wieder behauptet wird, Freundinnen unterhielten sich bei Treffen vor allem über Männer, schlug ich Drehbuchautor und Vorlage nach: Michael Cristofer und John Updike, wenig überraschend zwei Männer.

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Ein Erbe durchzubringen kann ja verschieden aussehen. Ich habe das Glück, dass eine meiner ältesten Web-Bekanntschaften, noch aus der Blog-Phase, ihres mit mir teilt, nämlich die Weißwäsche aus Familienerbe.

Sie hatte auf meine Frage reagiert, wo man in der Münchner Innenstadt am besten Tischdecken bekommt: Ob ich Interesse an Stücken aus dem Überseekoffer voller Weißwäsche hätte, an den sie aus familiärem Nachlass gekommen sei und für die sie keine Verwendung habe? Oh ja, hatte ich mit großer Dankbarkeit: Schon als Studentin hatte ich Tischdecken aus dem Erbe der Vorfahren von Mamas Freundinnen gerettet und damit eingedeckt – nur dass die für unseren jetzigen Tisch zu klein sind.

Das Paket war schon am Mittwoch eingetroffen, doch ich wollte auf einen ruhigen Moment zum Auspacken warten. Was eine gute Idee war, denn ich war völlig überwältigt.

Die Schenkerin hatte sogar noch ganze Stapel Servietten und Geschirrtücher beigelegt: Monogrammierte Geschirrtücher? How posh does it get?! Sie konnte mir sogar ein Foto von der prächtigen Hochzeit zeigen, zu der diese Aussteuer gehörte, der Bräutigam in Frack und mit Zylinder.

Webmuster in Elfenbein sind so ziemlich das Edelste, was ich mir an Tischwäsche vorstellen kann – und diese floralen Muster gefallen mir ausgezeichnet. Ich fühle mich sehr geehrt, dass ich dieses Erbe antreten darf. Die Tischdecken haben ein paar Gilb-Flecken; für die suche ich mir eine Wäscherei mit Heißmangel, im deutschen Zentrum der Poshizität München wird es ja wohl sowas geben (die Tischdecken tragen sogar noch alte Wäschemarken).

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Anklicken auf eigene Ohrwurm-Gefahr.

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https://youtu.be/QTXyXuqfBLA

Brian Jay Jones hat herausgefunden, woher diese Musik urspünglich war und wie Jim Henson sehr wahrscheinlich darauf stieß.

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Jetzt bin auch ich an der Live-Kamera einer Wasserstelle in der namibischen Wüste hängen geblieben (nachdem ich gestern bei Christian las, dass er sie seit zehn Jahren als Startseite hat).

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https://www.youtube.com/watch?v=ydYDqZQpim8

Als ich gestern draufklickte, stand eine Herde Oryx-Anthilopen drumrum, von der ein Tier gerade trank. Von rechts kam ein Strauß ins Bild, spreizte seine Flügel und stolperte über die eigenen Füße.

Kurz darauf sah ich zum ersten Mal in meinem Leben Strauße trinken: Runterbeugen, zwei bis drei Mal mit offenem Schnabel Wasser anschaufeln, Hals aufrichten (ich nehme an um zu schlucken).

INTERNET IST TOLL!

Journal Mittwoch, 30. November 2022 – #Lindwurmessen mit Vorstadtahnungen

Donnerstag, 1. Dezember 2022

Wecker 20 Minuten später, den ich hatte ja bereits am Vorabend geduscht und körpergepflegt.

Aufwändige Inbetriebnahme des neuen Wintermantels. Ich hoffe, ich habe alle zugenähten Falten und Taschen erwischt.

Fußmarsch in die Arbeit unter bleigrauem Himmel, der es gestern höchstens bis Silber schaffte. Zumindest blieb ich trocken, doch die Sonnenschein-freie Düsternis soll sich laut Vorhersagen bis nach dem Wochenende halten. Das Wetter möchte uns die kürzesten Tage des Jahres schmackhaft machen: Gibt eh nix zu sehen.

Ich holte mir trotzdem ein wenig vom vorhandenen Tageslicht und ging mittags raus auf einen Cappuccino, diesmal testete ich das Café Notting Hill im Theresie-Block, ehemals San Francisco Coffee Company (einst die erste Münchner Starbucks-artige Café-Kette, jetzt anscheinend nach Sylt ausgewandert).

Der Cappuccino war gut, vor allem aber gefiel mir das Lokal: Liebevoll eingerichtet, es serviert neben Gebäck (selbst gemacht aussehend) auch Mahlzeiten von Falaffel bis Bowls, das Publikum war richtig Westend-gemischt, die Atmosphäre angenehm und heimelig.

Zurück im Büro gab’s Sahnequark mit Joghurt, vorgeschnippelte Orangen.

Anstrengender Arbeits-Nachmittag, der schier nicht enden wollte. Auf dem Heimweg bog ich noch für Einkäufe in den Vollcorner ab. Zu Hause nur kurzes Auspacken, ich war mit Herrn Kaltmamsell zum nächsten #Lindwurmessen verabredet.1

An der Reihe war das Café Blue jenseits der #Lindwurmbrücke. Wir hatten Lust auf einen Spaziergang dorthin (wir hätten auch die U-Bahn nehemen können, mittlerweile essen wir zwei Haltestellen von daheim entfernt).

Vom Vorbeispazieren wusste ich, dass es weitläufige Räumlichkeiten hat, ich fand sie angenehm eingerichtet. Besonders anheimelnd fand ich die sanfte Vorstadt-Anmutung von Einrichtung und Publikum, hier spürt man bereits Sendling.

Die Speisekarte hat 16 Seiten und biete ALLES: Schnitzel und Burger und Pasta und Pizza und Curry und Schweinsbraten und Fisch (fehlen eigentlich nur Sushi) – das lässt Convenience vermuten. Zumal vier Gerichte auf der Karte (drei Suppen, die Gnocchi) eigens als “hausgemacht” gekennzeichnet waren. Ohne #Lindwurmessen wäre es ausgesprochen unwahrscheinlich, dass ich hier essen würde.

Herr Kaltmamsell entschied sich für den Veggie-Burger mit Süßkartoffel-Pommes (Pattie aus Gemüse und Kürbis, er war zufrieden), ich nahm die Tagliatelle mit Lachs (sehr dick eingekochte Sahnesauce, saftige Fischwürfel). Zu trinken gab es Apfelsaft (er) und frischen Ingwer-Minz-Tee für mich. Wir wurden angenehm satt.

Auch der Spaziergang nach Hause tat gut; in meiner derzeitig trüben Stimmung liefe ich am liebsten den ganzen Tag herum. Daheim noch Schokolade.

Da ich mich fürs Büro jetzt wärmer anziehen muss, überlege ich an Unterkleidung herum: T-Shirts, Rollis. Was mir gestern nach Jahrzehnten wieder einfiel: Unterhemden! Als Kind trug ich Unterhemden! Das hörte in dem Moment auf, in dem ich Unterwäsche-autark wurde, ab da ging es nur noch um Schönheit und Komfort. Denn Wärme sicherte ich mir durch die Kleidunng darüber. Werde mich mal umsehen, wie sich das Unterhemden-Angebot in den vergangenen 40 Jahren entwickelt hat, ich starte meine Recherche bei Ski-Unterwäsche.

  1. Wir futtern uns nacheinander durch alle Lokale an der Südseite der Lindwurmstraße von Sendlinger Tor westwärts bis Stemmerhof, dann an der Nordseite wieder zurück. []

Journal Montag, 28. November 2022 – Theresienwiesenblicke

Dienstag, 29. November 2022

Nach gutem Nachtschlaf und gutem Morgenkaffee startete ich gelassen in die Arbeitswoche.

Als ich mich nach Kreuzen der Theresienwiese umdrehte, blickte ich in eine Farb-Explosion aus Orange und Pink.

Das Hochfahren meines Arbeitsrechners beseitigte die Gelassenheit erstmal: Am Wochenende war wieder heftig gearbeitet worden. Ich hetzte hinterher, um vor meinem ersten Besprechungstermin um 9 zumindest einen Teil geliefert zu haben. Zwischen zwei weiteren Besprechungen haute ich ebenfalls eine Menge Holz weg.

Mittags verließ ich das Haus zum Einkaufen: Der Vermentino San Donato hatte mir so gut geschmeckt, dass ich diese Sonderaktion des Vollcorner nutzen wollte – und ich fürchtete, dass der Aufsteller seit vergangenem Donnerstag leergekauft sein könnte. Der Marsch zum Forum Schwanthalerhöhe war trotz düsterem Hochnebel angenehm. Ich sicherte mir vier Flaschen des Weißweins. Auf dem Rückweg buchte ich eine Restaurantreservierung für meinen Chef um, wenn ich schon an dem Lokal vorbei kam.

Zurück am Schreibtisch gab es als Mittagessen Apfel, Truthahn, Orangen.

Die nachmittägliche Arbeit war nicht ganz so druckvoll. Nach Feierabend ging ich direkt nach Hause.

Das Winter-Tollwood auf der Theresienwiese wirkt dieses Jahr viel mehr wie eine Stadt als in den Jahren zuvor. (Vor allem kann ich es aber schier nicht fassen, welche Fotoqualität mittlerweile mit einem Smartphone möglich ist: Ich habe einfach draufgehalten und einmal abgedrückt, auf dem Ergebnis sind selbst die Türme der Frauenkirche gut zu erkennen.)

Zu Hause war ich froh, den schweren Rucksack abzulegen. Eine Runde Yoga, dann bekam ich Abendessen in mehreren Gängen: Herr Kaltmamsell servierte erst mal den Ernteanteil-Grünkohl als kale chips aus dem Ofen, dann den weiter vor sich hin fermentierten Kimchi als Suppe mit Ernteanteil-Pakchoi, Champignons, Truthahnfleisch (köstlich und in der Kälte genau richtig), dazu Kartoffelbrei-Reste als Jumbo-Kroketten aus der Pfanne (schön knusprig, aber inzwischen schmecke ich aufgewärmte Kartoffeln überall raus), dann auch noch ein Schälchen von dem Geflügelsalat, den ich mir aus dem restlichen Truthahnfleisch gewünscht hatte. Trotzdem passte noch Schokolade hinterher.

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maiLab befasst sich, wieder herrlich systematisch, mit der Frage: “Wie viele Geschlechter gibt es?”

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/8fraZlsmCio

(Die Kollegin, die mich auf das Video hinwies, betonte zurecht: Die Kommentare unter dieser Folge auf YouTube sind eine einzige Flausch-Welle, lesen Sie sie zur Rückgabe von Glauben an die Menschheit.)

Journal Sonntag, 27. November 2022 – Frostig-sonniger erster Advent

Montag, 28. November 2022

Gut geschlafen, erfrischt früh aufgewacht.

Vorm Haus sah ich Raureif auf den Autos, jetzt hatte es doch den ersten Frost gegeben. Beim Bloggen sah ich zu den kahlen Bäumen des Parks vor klarem Morgenhimmel – und als Schattenspiel eine Eichhörnchenjagd um Stämme und über Äste, mit mindestens drei Beteiligten.

Der Sonnenlauf ist jetzt, an den kürzesten Tagen des Jahres, so tief, dass ich die Rolläden nur kurz brauchte: Die Strahlen kamen nicht über die Bäume des Parks.

Ich hatte große Lust auf eine Schwimmrunde, auch auf das Radeln zum Olympiabad. Dafür packte ich mich warm ein.

Meine Augenpartie ist derzeit noch asymetrischer als eh, weil ich seit einer Woche einen Entzündungsknubbel in der Unterseite des rechten Lids habe. (Ich setze darauf, dass er von selbst verschwindet.) Und der Janker verabschiedet sich: Schon nach der ersten Saison hatten die gestrickten Ärmel Flusenwülste, die “Pilling” eine komplett neue Dimension gaben, nach nur drei weiteren hat der Rucksack zwei Stellen am Rücken bis kurz vor Loch gescheuert. Vier Jahre ist eine definitiv zu kurze Lebenszeit, der nächste (Janker gehören seit über 30 Jahren zu meiner Grundausstattung) wird wieder ein ganz traditioneller aus Walkstoff. Aber halt nicht als “Tracht”, sondern als regional lang erprobte Standard-Winterjacke. Es wird wieder schwierig werden.

Der Weg zum Olympiabad war dann auch sehr schön.

Die Treppe zu den Umkleiden.

Trotz weniger als ideal warmem Wasser wurde es eine erfreuliche Schwimmrunde. Die Bahnen waren relativ belebt, doch man vertrug sich. Ich schwamm leicht und nahm mir Gelassenheit gegenüber der geschafften Strecke vor. Erst um die 2.000er-Marke fröstelte ich, doch das gab sich auch wieder, setzte nur hin und wieder ein: Ich bekam meine 3.000 Meter.

Gegenschuss: Aufgang von den Umkleiden.

Im Olympiapark lag im Schatten noch weiß der Raureif.

Ich radelte gemütlich und mit Genuss nach Hause. Um mal wieder nach ihr zu sehen, nahm ich die Strecke an der Ostseite der Hauptbahnhofs-Baustelle entlang – und fand nicht heraus, wie die Wegführung für Fahrräder am Eck zur Arnulfstraße eigentlich gedacht war: Es sah aus, als sei Geradeausfahren für Radln nicht vorgesehen, ich verließ den Radweg und wechselte über die Rechtsabiegerspur der Autos auf die Pkw-Geradeausspur.

Frühstück um halb drei: Apfel, Kalamata-Oliven und Grissini, Orangen mit Joghurt, ein erstes Weihnachtsplätzchen (Walnusskringel von Mama, köstlich).

Am Nachmittag zog Hochnebel über die Sonne. Ich las die Wochenend-Süddeutsche, das SZ-Magazin vom Freitag. Zwei Paar dicke Socken, T-Shirt, Pulli, dicke Wolljacke, die Heizung an (nicht voll, das sollte es bei Plusgraden draußen noch nicht brauchen) – mir war trotzdem kalt. Herr Kaltmamsell brachte mir einen Heiz-Umhang, den ich als Decke über die Beine legte. Der schaffte endlich warme Hände.

Abends eine Runde Yoga, die ebenfalls ein wenig wärmte. Nachtmahl nochmal Thanksgiving-Reste, in der Mikrowelle erwärmt (manchmal fällt mir diese Heizmöglichkeit ja doch rechtzeitig ein): Truthahn, Süßkartoffel-Bake, der Rest Füllung, der Rest Cornbread (es wird langfristig eine Diskussion um frische Maiskörner drin geben: ich finde sie super, Herr Kaltmamsell bevorzugt Maiskorn-freies Cornbread), die sensationellen Cranberries. Nachtisch war ein Rest Pumpkin Pie, dann noch Schokolade.

§

ZDF-Korrespondentin Diana Zimmermann erklärt in Inside PolitiX, für wen es das neue Bürgergeld gibt, was daran problematisch ist und wie die jetzige Endversion zustande kam.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/i9gZ1SNzFSI


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