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Journal Samstag, 15. Dezember 2018 – Kälte, Chai, Schneeflocken, Schäuferl und die heilsame Wirkung einer Freundesrunde

Sonntag, 16. Dezember 2018

Ausgeschlafen.

Nachdem ich für weitere Weihnachtsbäckerei drei Packungen Mandeln blanchiert und geschält hatte, war es halb zehn und unter Schneehimmel immer noch so dunkel, dass man überall in der Wohnung Lampenlicht brauchte. Es sah nicht danach aus, als würde es noch spürbar heller (sind wir im Berliner Winter oder was?), ich machte mich auf zum Laufen.

U-Bahn zur Universität, von dort durch den Englischen Garten an die Isar. Es fühlte sich saukalt an, obwohl die Apothekenthermometer Temperaturen nur wenig unter dem Gefrierpunkt anzeigten. Dass das stimmte, merkte ich beim Laufen: Erst wenn’s deutlich unter Null kalt wird, schmerzen meine Bronchien.

Diese Kiesbänke liegen in dem niedrigen Wasserstand nun schon seit so vielen Monaten frei, dass sie zuwachsen.

Das Laufen ging gut, mich plagten keine Schmerzen. Allerdings hatte ich gestern einen sehr dummen Tag: Manchmal ist man physisch einfach nicht gut in Form, manchmal geht es mir so halt auch mit dem Hirn. So sah ich am Boden der klaren, niedrigen Isar einen Gullideckel und brauchte peinlich viele Momente, bis ich vom Grübeln, welche Funktion ein Gulli in einem Flussbett haben könnte, auf die Idee kam, dass jemand halt einen Gullideckel in die Isar geworfen hat. Das sind die Momente, in denen ich mich frage, wie ich es überhaupt durchs Abitur geschafft habe.

Auf dem Heimweg beim Umsteigen am U-Bahnhof Giselastraße Semmeln zum Frühstück gekauft.

Kuriosität: Auf beiden U-Bahn-Fahrten hin und zurück wurde meine Fahrkarte kontrolliert – vom selben jungen Mann. Beim zweiten Mal grüßte ich ihn lachend und er winkte freundlich sofort ab, als ich wieder nach meiner Tageskarte kramte: „Hab‘ ich schon gesehen.“

Zum Frühstück kochte ich aus dem Chai-Gewürz, das mir eine liebe Kollegin mitgebracht hatte, Chai. Meine wiederholte Frage nach Mengen und Zubereitungsart hatte sie hartnäckig lediglich mit: „Boil it!“ beantwortet. Ich recherchierte natürlich (so kann ich nicht arbeiten! ich brauche präzise Angaben!) und stieß auf diesen schönen Blogpost:
„How to Make [the best] Chai [ever]“.

Autorin Tanvi gibt nicht nur ihr Familienrezept weiter, sondern erzählt auch die Ursprünge von Chai (die Briten waren’s mal wieder) sowie ein bisschen wissenschaftlichen Geschmackshintergrund.

Das war schon mal nicht schlecht, das nächste Mal nehme ich aber auf die 200 ml Wasser und 200 ml Milch nur einen Teelöffel Tee und nur einen gestrichenen Teelöffel Gewürz. Die zwei Teelöffel Zucker können so bleiben. Boil it!

Kleine Einkaufsrunde. Fast hätte ich auch eine Plätzchendose gekauft, die ich vergangene Woche im Vorbeigehen gesehen hatte. Aber bei näherer Begutachtung war sie mir doch zu windig und schlecht verarbeitet für 20 Euro.

Daheim Weihnachtsbäckerei: Schneeflocken nach Frau Mutti.

Eine sehr kuriose Teigkonsistenz durch Stärke/Puderzucker, an die ich mich erst gewöhnen musste.

Abends war ich mit Herrn Kaltmamsell bei lieben Freunden eingeladen: Es gab direkt importiertes fränkisches Schäuferl, zubereitet vom fränkischen Gastgeber. Außerdem war uns die Verkostung einer Wermuth-Entdeckung angekündigt worden, worauf ich sofort beschloss, meine eigene Wermuth-Entdeckung vom Meatingroom-Abendessen mitzubringen – zum Danebenprobieren. Zum Besorgen war ich ja am Freitagabend eigens nach Haidhausen gefahren.

Allerdings stolrperte ich dann über meine Tagesdummheit. Zum einen kamen wir gehörig zu spät zum Essen – ich hatte uns in die falsche U-Bahn gesetzt (weil ich nur einmal auf die Anzeige der nächsten U-Bahnen geschaut hatte und die einfahrende U-Bahn selbst nicht gecheckt) und das erst auf weit fortgeschrittener Fahrt gemerkt. Zum anderen stellte ich fest, dass die angekündigte Wermuth-Entdeckung mit meiner identisch war. Die lieben Freunde wären keine lieben Freunde, wenn sie mir das eine oder das andere irgendwie übel genommen hätten, außerdem war die Tischrunde solch eine fröhliche, dass ich schnell vergaß, mich über mich zu ärgern.

Wir bekamen nach wundervoller Maronisuppe sensationelles Schäuferl – die Kruste habe ich auch in Restaurants noch nie so perfekt rösch gegessen. Dazu vielfältigste Gespräche, in denen ich unter anderem Unangenehmes über die Münchner Ausländerbehörden erfuhr, einen Briten als neuen deutschen Landsmann begrüßte, Gepflogenheiten griechischer Expats in München zu Ostern lernte, große Lust auf Silvester in Athen bekam (zu Mitternacht tuten alle Schiffe in Priäus!), wir uns Gedanken über den Einfluss von Herkunft auf individuellen Charakter machten. (Ich möchte die Antwort auf Frage 394. ergänzen: den von P (griechisch).)

§

Sehr bewegt hat mich diese Geschichte auf Zeit onlie über ein muslimisches Seelsorgetelefon.
„Bin ich reif für die Ehe? Ist der Islam zu groß für mich? Was trieb meine Schwester zum IS?“

via Readonmydear

§

Ein flammender, fachlich fundierter und sehr unterhaltsam zu lesender Text der Juramama:
„Raus aus meinem Uterus. Der § 219a und seine Freunde.“

Man stelle sich mal ein staatliches Programm vor, das an die verpflichtende Konfliktberatung für ungewollt Schwangere ein Antragsrecht auf finanzielle Absicherung knüpfen würde. Ein Programm, dass diese Frauen mit 1500 Euro monatlich bei der Kinderaufzucht staatlich unterstützt, wenn sie das Kind nach einer Beratung dann tatsächlich bekommen. Freilich zusätzlich zum rentenrelevanten Erwerbseinkommen.

(…)

Es gibt kein einziges Gesetz in Deutschland, das exklusiv in den Körper von Männern eingreift.

Kein Gesetz „schützt“ den Mann vor etwas, zu dem sein männlicher Körper biologisch exklusiv in der Lage ist. Kein Gesetz knüpft eine Entscheidung über etwas, was nur ein männlicher Körper kann, an Strafbarkeiten oder Beratungen.

Inklusive Ausflug in die Rechtsgeschichte der Abtreibung, eng verbunden mit der Rechtsgeschichte unehelicher Schwangerschaften und Kinder.

via @widenka

Der Fairness halber weise ich auf eine argumentative Unsauberkeit hin: Bloß weil etwas nachweisbar bis vor Kurzem nicht bedacht wurde (ab wann ist die befruchtete Eizelle ein Mensch?), muss es nicht irrelevant sein. Auf die Antwort müssen wir uns als Gesellschaft halt einigen.

§

In der Reihe „Militärs mit Humor“ (ahem…): der diesjährige Weihnachtsgruß der niederländischen Marine (bis zum Schluss gucken).

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/xwlSSYaghoA

via @AugenGeradeaus (eh klar)

Journal Freitag, 14. Dezember 2018 – Vintage WordPress

Samstag, 15. Dezember 2018

Anscheinend vergesse ich Advent für Advent, wie wenig ruhig und besinnlich das Jahresende beruflich ist, in bisher allen Branchen, in denen ich mein Geld verdiente. Bei der lokalen Zeitung und im Lokalradio hetzte ich von Weihnachtsfeier zu Weihnachtsfeier, später war ich viele Jahre in Geschäftsberichte eingespannt, derzeit darf ich halt nicht drüber schreiben.

Gestern hat uns dann doch der Frost eingeholt (mein Vorsatz: erst ab Februar so richtig über den Winter maulen). Ich machte noch VOR Ende der tariflichen 7,48 Arbeitsstunden Feierabend und marschierte wärmend zackig zu Besorgungen. In der Dämmerung hörte ich über der Theresienwiese freudiges Jungmädchenkreischen und Krachen: Eine Gruppe zerstieß mit den Schuhen gefrorene Pfützen und hatte offensichtlich einen Heidenspaß.

Bei der Schusterin holte ich drei Paar reparierte Schuhe ab, jetzt ist mein Bestand wieder vollzählig einsatzbereit. Daheim lud ich ab, ging dann wieder los, um mit einer S-Bahn für weitere Besorgungen zum Rosenheimer Platz zu fahren. Im Vorbeigehen sah ich, dass der Haidhauser Christkindlmarkt auf dem Weißenburger Platz sehr schön, lauschig und attraktiv aussieht (im Gegensatz zu dem am Sendlinger Tor und an der Sendlinger Straße).

Zum Abendessen war Herr Kaltmamsell wieder meinen freitäglichen Fleischgelüsten entgegengekommen, hatte zudem Waldorf Salad aus Sellerie und Äpfeln des Ernteanteils mit Walnüssen aus Schwägerins Garten zubereitet.

Auch die Kartoffeln sind Ernteanteil.

Im Bett schmökerte ich im durch Twitterhinweis gefundenen Eichhörnchen entdecken! und freute mich über Bilder und Infos.

§

Kommentatorin Bettina war so nett, in ihrem Blog aus Fachsicht zu erklären, was das mit der neuen WordPress-Oberfläche soll (dass sie Gutenberg heißt, ist durchaus sophisticated, das macht mich in der Vorgängerversion zum dumpf runterschreibenden Mönch des Mittelalters?). Sie bestätigt meinen Verdacht, dass die Oberfläche den Bedürfnissen kommerzieller Websites entgegenkommt, die dieselben Inhalte auf mehreren Seiten verwenden und mehr Freiheit in der Gestaltung des Seitenlayouts wünschen als Blogs. Dass dieses Ziel irgendwann auch ein wenig stabiler und userfreundlicher erfüllt wird, traue ich den WordPress-Leuten durchaus zu.

Doch ich habe bei dieser Gelegenheit gemerkt, wie viele nicht vorgesehene Funktionen das WordPress-Backend für mich hat: Unter anderem habe ich zahlreiche Einträge in den Entwürfen, die reine Material- und Linksammlungen zu bestimmten Themem sind (z.B. Weihnachtsbäckerei oder mein Unbehagen bei Berufsreligiösen in der Spitzenpolitik). Manche könnten mal Posts werden, die meisten nicht. Und das Entstehen meiner Blogposts unterscheidet sich sehr von meiner beruflichen Texterstellung für Websites: Üblicherweise werfe ich über den Tag in einen Entwurf alles, was mir so begegnet: Textideen, Links, Filmchen. Oft einfach nur, um sie daheim in aller Ruhe anzusehen oder zu lesen, manche Textschnipsel werden später E-Mails.

Abends erstelle ich aus dem Durcheinander den Post für den nächsten Tag. Das geht mit der neuen Oberfläche praktisch nicht, die bei jedem ENTER-Click einen neuen Block aufmacht, jeden Link sofort verlinken/einbetten/vorschauen will und bei Scheitern böse Fehlermeldungen produziert. Doch als Web-Notizzettel einer Bloggerin, an den sie halt von jedem Endgerät überall herankommt, war WordPress ja auch nie gdacht.

Jetzt habe ich per Plug-in zurückgeschaltet auf das alte Back-End, das meinen Bedürfnissen mehr entgegen kommt.

§

Der Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir hat nach Meinung des Rethorikseminars der Universität Tübingen die „Rede des Jahres 2018“ gehalten.
„Cem Özdemir für ‚Rede des Jahres 2018‘ gewürdigt“.

Es lohnt sich, Özdemirs Plädoyer für Pressefreiheit und gegen den Rassismus der AfD ganz anzusehen – auch die nachfolgenden Worte von Petra Pau, die die Bundestagssitzung an diesem Tag leitete und die die Verachtung der AfD für die Regeln der demokratischen Insitution Bundestag bloßstellt.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/RIJaB0-Yh_E

Journal Samstag, 8. Dezember 2018 – Walnüsseknacken

Sonntag, 9. Dezember 2018

Bei Sonnenaufgang zeigte sich blauer Himmel überm Wind, ich freute mich auf einen Lauf an der Isar – der dann auch ziemlich windig war.

Nach dem Duschen radelte ich mit Rückenwind in die Maxvorstadt, um bestellte Bücher abzuholen, mit Gegenwind und schwerer Tasche zurück.

Frühstück, Umstellen des Blogs auf die neue WordPress-Version. Ich sehe es ja durchaus als Sport für die geistige Beweglichkeit an, mich hin und wieder an neue CMS-Oberflächen zu gewöhnen, doch das Schreiben im HTML-Modus ist jetzt schon deutlich mühseliger: Ich muss wirklich jeden Tag manuell eintippen (Bilder! Links!). Mal sehen, wann ich einknicke und zum Schreiben und Bauen der Posts auf die Layoutansicht wechsle. (Allerdings hakt bei mir in der Layoutansicht das Linkeinbinden in der „Optionen“-Ansicht.)

Plätzchen gebacken, zumindest die ersten Schritte (Kekse gebacken, Füllung gerührt, die zum Füllen allerdings erst fest werden musste). Klassische Ausstecherl habe ich schon so lange nicht mehr gemacht, dass ich ein Highlight vergessen hatte: Restteig naschen!

Und dann nahm ich mir den Korb mit den Walnüssen aus Schwägerins Garten vor, hörte dabei Musik.

Das waren dann doch zwei Stunden Knackens.

Herr Kaltmamsell war unterwegs, ich machte mir zum Abendbrot Ofengemüse aus Restkartoffeln, Karotten, Rosenkohl, Lauch aus Ernteanteil, außerdem gab’s Mutters Plätzchen.

§

Passt zu Geschichten, die mir persönlich erzählt wurden:
„Schülerinnen wird vom Informatikstudium abgeraten“.

Ja, es geht um Österreich – aber Sie werden mir doch nicht erzählen wollen, dass das in Deutschland anders ist.

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Und weil wir gerade dabei sind: Für die FAZ schreibt Julia Bähr in der Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind“:
„Woran man Sexismus erkennt“.

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Niemand schreibt so schön über CDU/CSU und Angela Merkel wie Mely Kiyak für die Zeit:
„Sie steht noch einmal auf und winkt“.

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„‚Letzte-Hilfe-Kurs‘ Wie Angehörige lernen, Menschen in den Tod zu begleiten“.
via @claudine

Journal Freitag, 7. Dezember 2018 – Besuch aus Luxemburg

Samstag, 8. Dezember 2018

Um halb fünf von migränalen Kopfschmerzen geweckt worden, aber ich konnte nicht schon wieder krank sein. Zähne zusammengebissen, 600 mg Ibu genommen, die Tasse Milchkaffee blieb schon mal drinnen. Der Vormittag im Büro würde halt sehr, sehr unangenehm werden, ab Mittag würde das Befinden erfahrungsgemäß erträglich.

Doch dann ging es mir schon auf dem milden Weg in die Arbeit besser, am Schreibtisch saß ich voll funktionsfähig – so großartig! Der postmigränale Enthusiasmusschub (viele Migränikerinnen kennen ihn) führte dazu, dass ich in einer Besprechung mein (eh nie erreichtes) Ziel Kopf-unten- und Klappe-halten in weitem Bogem über Bord warf.

Doch auch die lyrische Phase nach einer Migräne nahm ich mit – und jetzt erwischte mich dann doch noch der Dezember mit den emotional besetzten Erinnerungsfluten, die ich aus den vergangenen Jahren kenne.

Abends waren Herr Kaltmamsell und ich verabredet mit Besuch aus Luxemburg, der eine Freundin und ihre Kollegen auf Berufswegen begleitete.

Die Chanukkia vor der Neuen Synagoge am St.-Jakobsplatz.

Wir trafen uns zu einem Aperó im Eataly, in der Vinoteca im Untergeschoss gab es guten Prosecco und dazu ein bisschen Panetone. Zum Abendessen hatte ich uns einen Tisch um die Ecke im Pschorr reserviert, wo wir einen sehr angeregten Abend hatten – wenn auch ob des Lärms mit erhobener Stimme.

Blogger im Restaurant.

Da die Berufswege der Gruppe aus Luxemburg die Geschichte des 20. Jahrhunderts betrafen, drehten sich die Gespräche viel um die schulische Vermittlung historischer Fakten der jüngeren Geschichte. Und um eine große Gruppe meist ungehörter Stimmen unter Zeitzeugen – nämlich die der Ehefrauen all der bedeutenden Männer, die im Mittelpunkt historischer Betrachtungen stehen.

Heimspazieren im leichten Regen, um einige schöne neue Bekanntschaften reicher.

Nachtrag: Fotos von der Bloggerbegegnung gibt’s hier.

§

Der Kinderdok weist im Tagesspiegel darauf darauf hin, dass Homöopathie dann doch eine gefährliche Nebenwirkung haben kann:
„Warum Homöopathie abhängig machen kann“.

Seine Beobachtung: Glaube an Globuli verleitet Eltern,

bei jedem kleinen Wehwehchen ein Medikament zu geben – genau das, was diese bewusst lebenden Menschen eigentlich vermeiden wollen: mehr Medizin. Produkte wie Notfall-Etuis mit zig Globuli, wie sie in Apotheken angeboten werden, suggerieren Notwendigkeit. Eine Globuligeneration von Eltern wird Kinder zur Medikamentenabhängigkeit erziehen.

Journal Montag, 3. Dezember 2018 – Zu mild, zu trocken

Dienstag, 4. Dezember 2018

Die Wettervorhersage hatte einen milden Regentag angekündigt, doch es war nur mild, regnete bis abends keinen Tropfen, dann ein wenig. So wird die Isar nicht wieder voll.

Auf dem Heimweg von der Arbeit Stollenpäckchen für Italien zur Post gebracht, mich nach langem Schlangestehen über eine entspannte und freundliche Postlerin gefreut.

Herr Kaltmamsell war aushäusig, ich musste mich zum Abendessen selbst versorgen. Am meisten Lust hatte ich auf Salat, besorgte also grünen Salat, Radicchio und rote Paprika (die ich so sehr mag, dass ich alle Jahreszeitlichkeit über Bord werfe), kochte daheim noch zwei Eier und eine Hand voll Kartoffeln, machte des alles mit Tahini-Dressing an: köstlich.

§

Für seinen Arbeitgeber schreibt Alex Matzkeit auf
„Warum Bloggen super ist“.

Es ist schön nachzulesen, wieso wir damals auf diese neue Möglichkeit des Schreibens und Veröffentlichens angesprungen sind.

§

Alles über Eichhörnchen in den Sketchnotes zu einem NABU-Vortrag.

(Die Autorin korrigiert in den Replys ihr „Kogel“ zu „Kobel“.)

Journal Sonntag, 2. Dezember 2018 – Regentag und Beifang aus dem Internet

Montag, 3. Dezember 2018

Als ich spät und ausgeschlafen aufstand, schimmerte das Licht draußen rosa. Ich zog den Rollladen hoch und sah, dass der 1. Advent einen Regenbogen gespannt hatte.

Es begann zu regnen, das soll auch die nächsten Tage zu bleiben. Doof, weil nass und grau, aber so bitter nötig.

Ich hatte große Lust auf eine Runde Schwimmen, musste ich halt mit der U-Bahn zum Olympiabad fahren statt zu radeln. Vor der Olympiahalle standen Menschenschlangen, plakatiert waren „Jürgen Höller Powerdays“. Daheim fand ich heraus, dass man hier lernen sollte „Wie auch Du alles in Deinem Leben verändern, alles verbessern, alles aufbauen und erfolgreich und glücklich leben kannst“. Naheliegend, dass sich dafür Schlangestehen im Regen lohnt. (Andererseits hätte man am Sonntagvormittag gradsogut in die Kirche gehen können, da wird in etwa dasselbe versprochen.)

Schwimmen war entspannt und schön, zum ersten Mal seit ewig hatte ich keine Probleme mit dem eingeklemmten Nackennerv, nicht mal auf den letzten 1.000 Metern. Und ich war so erwachsen, daraus nicht gleich eine Verlängerung meiner Schwimmrunde abzuleiten.

Daheim kochte ich zum nachmittäglichen Frühstück Porridge und genoss ihn sehr.

Internetlesen, zweite Runde Stollenbacken, Wochenendzeitung lesen, zum Abendbrot machte ich aus Ernteanteilrüben Rote-Bete-Gratin.

§

Erste Folge einer neuen Kolumne im SZ-Magazin übers Dicksein:
„Natürlich darf ich glücklich sein“.

Ich kenne das ja auch: Von Kindesbeinen an auf Diät gesetzt zu werden und unauslöschlich eingebimst zu bekommen, dass mein Aussehen eigenverschuldet deutlich suboptimal ist. Das Tückische in meinem Fall: Ich war gar nicht dick (auch wenn die Schulärztin mich als „pyknisch“ einordnete). Weder wurde ich in der Schule gehänselt noch sprachen mich Nachbarn auf der Straße an, ich passte auch in ganz normale Kleidung. Fassungslosigkeit kenne ich im Gesicht der Nachbarin, der ich als Grundschulkind beim Draußenspielen wichtigtuerisch erzählte, dass ich gerade FÜNF KILO abnehmen sollte! Ich erinnere mich, wie sie das murmelnd in Prozent meines vermutlichen Gesamtgewichts umrechnete und den Kopf schüttelte.

Letzthin startete eine Twitterin die Umfrage, was unsere schönsten Erinnerungen an die eigenen Kindergeburtstage waren. Meine: Ich durfte an diesem einen Tag im Jahr soviel essen wie ich wollte. Durfte zum Frühstück Teelöffel um Teelöffel Kakaopulver in die Milch rühren, und meine Mutter bekam lediglich schmale Lippen. Durfte noch ein Stück Kuchen nehmen ohne ihr „Du hattest schon eines!“. Kann sich jemand vorstellen, welches Drama für mich der eine Geburtstag war (zehnter?), an dem ich Magen-Darm hatte? Weinend vor der endlich erlaubten Schachtel Pralinen saß und keine Lust darauf hatte? Zumindest bin ich recht sicher, dass meine Mutter fair genug war, mich das Allesessen nachholen zu lassen.

Das weiterhin Tückische: Glücklichseindürfen ist ziemlich sicher auch für mich mit Dünnsein verbunden. Obwohl ich ein paar Jahre lang Größe 36-38 dünn war und selbstverständlich auch nicht glücklich.

Hier 1995 mit 27 (das Foto schmeichelt mir).

Im Nachhinein erscheint mir absurd, welchen Preis ich dafür zu zahlen bereit war: Fünfmal die Woche Sport, ein- bis zweimal die Woche Abendessen ausfallen lassen (wenn ich nachts vor Hunger aufwachte, aß ich halt ein Stückchen Käse, dann ging’s), kontinuierliches Kalorienzählen und fast immer Wahl kalorienärmerer Alternativen (Milch 1,5%, Magerjoghurt, Süßstoff statt Zucker, Frischkäse statt Butter, Magerquark etc.).

§

Das zweite Mal an diesem Wochenende erzählte mir jemand, welchen persönlichen Erkenntnisgewinn der direkte Austausch mit Menschen ganz anderer Kulturen bewirkt. Dieses zweite Mal war es schriftlich:
Astronom Dalcash Dvinsky wohnte in Schottland ein paar Monate zusammen mit einem Astronomenkollegen aus dem Irak.
„Leaving Scotland by the pound“.

Er lernte viel – unter anderem dass das verbindende gemeinsame Interesse nicht etwa Himmelskörper waren.

While astronomy was not the expected common denominator, we found a shared interest in war, religion, and dictatorships.

For him this interest was admittedly more first-hand than for me. But at least I grew up in a militaristic oppressive undemocratic one-party system (East Germany), although my dictator was a feeble man (Erich Honecker) whereas Laith’s dictator (Saddam Hussein) was so strong that he could swim across the Tigris, twice (an anecdote I learned from Laith). I learned how to throw a fake hand grenade in middle school, just like Laith. I had pictures of dictators and mass murderers in my class rooms, just like Laith. Dictatorships are, after all, fairly similar, all over the world, we found out. There seems to be a standard set of rules how to run a tyranny, maybe a Wiki or a textbook or a university course that every tyrant has to take.

§

Mir war nicht klar, welche Rolle die Fernsehserie Holocaust für die deutsche Aufarbeitung der Judenverfolgung spielte. Hier der Spiegel-Artikel von 1979 mit ausführlichem Hintergrund:
„‚Holocaust‘: Die Vergangenheit kommt zurück“.

Eine amerikanische Fernsehserie von trivialer Machart schaffte, was Hunderten von Büchern, Theaterstücken, Filmen und TV-Sendungen, Tausenden von Dokumenten und allen KZ-Prozessen in drei Jahrzehnten Nachkriegsgeschichte nicht gelungen war: die Deutschen über die in ihrem Namen begangenen Verbrechen an den Juden so ins Bild zu setzen, daß Millionen erschüttert wurden. Im Haus des Henkers wurde vom Strick gesprochen wie nie zuvor, „Holocaust“ wurde zum Thema der Nation.

Auch, wie anders, für deren Nationalisten. Schon vor Wochen hatten Anonyme mit Vergeltung gedroht, vorletzten Donnerstag flogen die Fetzen: Um 20.40 Uhr zerriß ein Zehn-Kilo-Sprengsatz die Leitungen zum Südwestfunk-Sender Waldesch bei Koblenz. 21 Minuten später detonierte eine Bombe in der Richtfunkstelle Nottuln bei Münster und zerstörte ein Antennenkabel.
Auf Hunderttausenden von Bildschirmen erlosch das Erste Programm, in dem gerade das schlimmste Kapitel deutscher Geschichte noch einmal dokumentarisch durchleuchtet wurde: „Endlösung“.

In den Funkhäusern wurden eilends die Eintrittskontrollen verschärft. Polizei bezog Posten vor freistehenden Sendeanlagen. Das Bundeskriminalamt ließ am Koblenzer Tatort tonnenweise Schnee abtragen und dessen Tauwasser an geheimer Stelle nach Beweisstücken durchsieben.

Eine Gruppe namens „Internationale revolutionäre Nationalisten“ bekannte sich inzwischen telephonisch zu den Attentaten und bestätigte damit den Verdacht von Bundesanwalt Rebmann, „daß der Anschlag aus Anlaß des Fernsehfilms „Endlösung“ mit rechtsradikaler Zielsetzung geplant und ausgeführt worden ist“.

Der Knall in Hunsrück und Münsterland indes machte das bundesdeutsche TV-Publikum erst richtig hellhörig für das Medienereignis „Holocaust“, dem der Bericht „Endlösung“ nur als Vorspiel diente und dessen Nachhall noch nicht annähernd abschätzbar ist.

Vor kurzem noch mußte den Deutschen das amerikanische Fremdwort, das sich aus den griechischen Wörtern „holos“ (vollständig) und „kaustos“ (verbrannt) zusammensetzt, als exotische Vokabel vorkommen, letzte Woche war es in aller Munde, bis hinauf zu Helmut Schmidt und Helmut Kohl, die „Holocaust“ sogar in die Parlamentsdebatte warfen.

(…)

Den stärksten Zuspruch fand die Serie im Sendebereich des WDR, den geringsten bei Saar- und Hessenfunk. Am Dienstag schaute, trotz ungünstig später Sendezeit, jedes neunte Berliner Kind unter 13 Jahren dem Drama zu, in Nordrhein-Westfalen immerhin noch jedes 17. Überall registrierten Pädagogen ein „äußerst großes Bedürfnis der Schüler, darüber zu sprechen“. Und so, beispielsweise, sprachen sie: Jürgen Knipprath, 13, hatte „früher mal geglaubt, daß die Juden vorher irgendwelche Verbrechen begangen haben. Aber die hatten ja überhaupt nichts getan“.

(…)

Die CSU-nahe „Schüler Union Bayern“ forderte vom Bayerischen Rundfunk eine Nachfolgeserie über die Vertreibung Millionen Deutscher aus ihrer Heimat: Einseitige Schuldbekenntnisse wie in „Holocaust“ seien der Jugend nicht zuzumuten.
Ein anonymer Anrufer drohte, Heinz Galinski, der Leiter der Jüdischen Gemeinde Berlin, werde umgebracht, wenn man die Serie nicht schleunigst absetzt.
Doch weit mehr noch, wie nicht erwartet, meldeten sich Irritierte, Betroffene, Überlebende. Manche schämten sich, klagten sich selbst an, einige weinten. Häufig wurden neue Dokumente, Prozeßakten, Tagebücher und Gedichte angeboten.

via @sixtus

(Ich war zwölf und durfte noch lange nicht nach der Tagesschau fernsehen, sah die Serie also nicht – wäre auch noch nichts für mich gewesen.)

Journal Samstag, 1. Dezember 2018 – Langes Wochenendgefühl mit Isarlauf

Sonntag, 2. Dezember 2018

Noch einen Monat, dann ist wieder ein Jahr geschafft.

Mittelschlechte Nacht, weil der neben mir liegende Herr Kaltmamsell erkältet ist und böse hustete, ich mir Sorgen machte, außerdem über seinem Husten und Schnarchen nicht recht einschlafen konnte, mich außerdem Kopfschmerzen plagte. Zumindest machte es mich froh, als es spät genug zum Aufstehen war. (Meine Güte, wird das hier ein Jammerblog…)

Katzenwäsche, gleich in die Laufkleidung für später geschlüpft, Frühstücks-Einkaufsrunde gedreht. Bald stand der Besuch auf, wie hatten eine weitere schöne Plauderrunde, bevor sie zum Zug musste. (Nebenbei: Dass ich mich Freitagabend und Samstagmorgen angeregt und ausführlich über Advents- und Weihnachtsdeko unterhielt, auch unter familiengeschichtlichen Gesichtspunkten, reicht doch?)

Nach dem Morgenkaffee waren die Kopfschmerzen weg, am Himmel sah ich blaue Flecken: Mit großer Freude startete ich meinen Isarlauf von Zuhause aus über den Südfriedhof bis Hinterbrühler See und zurück. Die Luft war angenehm, kurz vor mild, ich lief ohne große Anstrengung.

Das war doch wohl hoffentlich nicht der Biber?

Zuhause Duschen, Frühstück gegen halb drei, Kücheräumen, Internetlesen.

Es hatte sich genügend Bügelwäsche fürs Podcasthören gesammelt. Beim Bügeln hörte ich also erst mal eine Folge Erklär mir die Welt, in der Katharina Seiser über ihren Monat mit veganer Ernährung erzählt und anhand dieser Ernährungsweise ein paar grundlegende Dinge über Essen darlegt (u.a. wie man davon wegkommt, immer wieder nur dieselben Standardgerichte zu kochen):
„Erklär mir deinen Vegan-Versuch, Katharina Seiser“.

Nach dieser halben Stunde blieb noch genügend Bügelwäsche für einen zweiten Podcast: Holger Klein hatte für Urlaub in Bayern mit der Trachtenkulturberaterin Monika Hoede von der Trachtenberatungsstelle in Krumbach gesprochen, hier der Link zum Podcast. Das Gespräch beginnt zwar bei schwäbischer Tracht und der Definition von Tracht, dreht sich aber bald schon um Kleidung im historischen Wandel und textilhandwerkliche Techniken – ich habe mal wieder eine Menge gelernt. (Und muss dringend mal wieder ins Augsburger Textilmuseum.)

Endlich die Stollen für Italien verpackt, am Montag kann ich sie zur Post bringen.
Den Abend mit dem Zusammenstellen von Lieblingstweets verbracht.

Da das Wochenende schon am Freitagnachmittag begonnen hatte, machte ich mich innerlich auf Arbeitsbeginn am nächsten Tag gefasst – und freute mich über die mehrmalige Erkenntnis, dass ich ja noch einen ganzen Sonntag vor mir hatte. Ich sollte das Wochenende öfter schon so früh starten.

§

Bald verlässt Katrin Scheib Moskau, wir werden uns eine neue Blog-Korrespondentin von dort und aus anderen Gegenden der einstigen Sowjetunion suchen müssen.

Erst mal aber beschreibt sie das unerwartete Detail eines Konzertbesuchs in Moskau:
„Krieg und Frieden und Laserpointer“.


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