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Journal Montag, 9. Dezember 2019 – Lange Winterschatten

Dienstag, 10. Dezember 2019

Nach mittelguter Nacht noch vor dem frühen Wecker aufgewacht. Genug Zeit für seliges Crosstrainer-Strampeln und eine Runde Dehnen plus Kräftigung.

Radeln in die Arbeit durch einstellige Plusgrade.

Mittelschlimme Arbeit, dazwischen zu Mittag ein paar Kürbischnitze vom Vorabend mit einem Stück Käse und einer Breze. Nachmittags zwei Orangen.

Kurzer Hofgang – so lang sind winterliche Schatten um halb zwei.

Langer Arbeitstag, an dessen Ende ich erledigt und fertig mit der Welt war. Dennoch überwand ich mich, auf dem Heimweg einen kurzen Einkaufsstopp einzulegen: Obst und Gemüse für Brotzeit, dazu Eiscreme für alle Fälle.

Daheim den Plätzchenteig zu Schneeflocken verarbeitet.

Dann freute ich mich sehr auf Alkohol: Es wurde ein nordspanischer Weißwein Marisa, von dem ich mir erhoffte, dass er gut zu dem Abendessen passen würde, das Herr Kaltmamsell zubereitete – auf meinen Wunsch hin Nudeln mit Kürbis und Salbei.

Das Gericht schmeckte sehr gut, der Wein passte aber nicht so recht – obwohl auch er gut schmeckte.

Neues Erstaunen über Kosmetikverkauf. Ich war morgens verdutzt gewesen, dass die teure Augencreme zur Neige zu gehen schien: Da ich davon ja immer nur winzige Tupfer brauche, hält eine Packung normalerweise sehr lang, und die sah auch noch besoners groß aus.

(Zahnbürstenköpfe als Größenvergleich.)

Als ich den Behälter aufschraubte, um an den Rest zu kommen, stellte ich fest, dass die tatsächliche Tube darin winzig war.

Ich weiß nicht, was mich mehr abstößt: die Materialverschwendung oder die optische Schummelei.
Die nächste Augencreme (im Gesicht verwende ich sonst nur Gesichtswasser) wird wieder eine Tube.

§

Oh! Feministing macht zu! (Und andere feministische Web-Plattformen.)
„A Farewell to Feministing and the Heyday of Feminist Blogging“.

Bei dieser Gelegenheit merke ich durchaus, wie selten ich in den vergangenen Monaten dort gelesen habe. Aber in meiner persönlichen feministischen Geschichte hatte dieses Online-Magazin eine Schlüsselrolle. 2004/2005 nahm ich die Website noch als Gemeinschaftsblog wahr – und was für eines! Hier lernte ich jungen Feminismus einer neuen Generation kennen: Einen, der Missstände klar benannte, strukturelle Ursachen analysierte – und endlich alle Frauen meinte, von und vor allem mit allen Frauen sprach, der herausarbeitete, dass es strukturelle Mehrfachdiskriminierung gibt (u.a. Frauen of colour, behinderte Frauen, Frauen aus der Arbeiterschicht). Der die Selbstbestimmung von Frauen als Ziel in den Vorergrund rückte und sich auch solidarisch erklärte mit selbstbestimmtem Hijab-Tragen und selbstbestimmter Sexarbeit. Kurz: Feministing machte meinen Feminismus zu dem, der er heute ist. (U.a. 2007 das Buch von Gründerin und Autorin Jessica Valenti, Full frontal feminism.)

Tief empfundener Danke dafür. Viele, viele Autorinnen arbeiten und schreiben heute in den Redaktionen etablierter Medien. Time to move on.

Journal Sonntag, 8. Dezember 2019 – Rückreise durch drei Länder

Montag, 9. Dezember 2019

Aufgewacht nach sehr gutem (!) Schlaf, vom Wecker geweckt zu einem sonnigen Tag.

Frühstück bei den Gastgebern vom Vorabend. Es war sehr schön, erst jetzt Abschied nehmen zu müssen.

Bus zur Bahn, Zug zurück nach Zürich. Abenteuer 1: Ein Klo, durch dessen Schüssel man auf die Gleise sehen kann, hatte ich schon sehr, sehr lang nicht mehr gesehen. Abenteuer 2: Am letzten Bahnhof vor Zürich stieg eine Frau zu, der beim Abfahren auffiel, dass sie ihre Handtasche im Vorgängerzug vergessen hatte, mit Geldbeutel, Fahrkarte, allem. Sie fragte uns um Rat, Herr Kaltmamsell versuchte Personal zu finden, das den anderen Zug hätte verständigen können, doch es war kein Schaffner, keine Schaffnerin da. Uns fiel auch keine andere Lösung ein, als sich im Zürcher Bahnhof ans Bahnpersonal zu wenden.

Wir hatten noch Zeit, uns am Zürcher Bahnhof Brotzeit zu holen (Panini, Schokocroissant), spazierten zum Busparkplatz.

Auf der Rückfahrt las ich Kathrin Passig, Vielleicht ist das neu und erfreulich und freute mich mal wieder an ihrem Aufspüren von Haltungen hinter den Haltungen, sich selbst gegenüber mindestens so skeptisch.

Abenteuer 3: Wenige Minuten nach der österreichisch-deutschen Grenze hielt der Bus in einer Bucht, Passkontrolle der (sehr freundlichen) Polizei – auch das hatte ich viele, viele Jahre nicht mehr erlebt. Das Sitzen wurde minütlich unangenehmer, ich versuchte mich wenigstens im Gang halb aufzurichten und kurz ein wenig anders hinzudrehen.

Kurz vor München der erste Stau der Reise, so trafen wir mit 15 Minuten Verspätung am ZOB ein. Die Luft war mild, ich genoss es, zu Fuß heim zu gehen.

Zu Hause Ausbruch von Häuslichkeiten: Zwei Maschinen Bettzeug und Handtücher, Plätzchenteig für Schneeflocken nach Frau Mutti.

Telefonat mit meiner Mutter: Seit einem Jahr essen die Nifften ja kein Fleisch und keinen Fisch mehr, sie sucht nach vegetarischen Rezepten, auch für Weihnachten. Ich gab gleich mal zwei meiner Favoriten weiter: Krautstrudel aus Österreich vegetarisch, die seit über 25 Jahren bewährte Linsen-Moussaka aus Delia Smith’s Complete Cookery Course musste ich erst mal übersetzen.

Zum Nachtmahl Spalten vom Butternut-Kürbis (Ernteanteil) aus dem Ofen, dazu servierte Herr Kaltmamsell Omelett mit Manchego-Käse. Im Fernsehen lief ein wirrer Polizeiruf (ich hatte von nicht-realistischen Erzählen gelesen und durchaus deshalb hingeschaltet), der so gewollt und aufgesetzt wirkte wie manche zeitgenössische Theater-Inszenierung.

Wohnungräumen mit schwerem Herzen, weil eine weitere unangenehme Arbeitswoche anstand.

Journal Samstag, 7. Dezember 2019 – Geburtstagsfeier in bei Basel

Sonntag, 8. Dezember 2019

Frühes Aufstehen, um vor dem Aufbruch noch bloggen und bankstützen zu können.

Herr Kaltmamsell wollte gerne sehr rechtzeitig am Zentralen Omnibusbahnhof ZOB sein, also hatten wir noch reichlich Zeit zum Brotzeitbesorgen und uns umzusehen. Der IC Bus, den uns die Deutsche Bahn sowohl online als auch am Schalter als Bahn(!)-Verbindung verkauft hatte, stellte sich als eine von neun Direktverbindungen zwischen Städten heraus, die die Deutsche Bahn jetzt per Bus bedient. Die alternative Verbindung über Lindau und Friedrichshafen (Zug, Bus, Zug) hätte einmal Umsteigen und anderthalb Stunden Fahrtzeit mehr bedeutet. (Außerdem ist Reisebus tatsächlich das CO2-freundlichste Reisemittel, umso mehr, wenn er voll besetzt ist.) Wir zahlten für zwei Personen hin und zurück (beide Bahncard 25), als Supersparpreis 75 Euro.

Der Reisebus war zweistöckig, das Personal trug Bahnuniformen und war lässig freundlich, alle Plätze waren besetzt, es gab WLAN. Ich las die Wochenend-Süddeutsche und das SZ-Magazin vom Freitag, guckte aber auch viel aus dem Fenster.

Bodensee bei Rohrschach, der Tag war grau und regnerisch. Der am deutlichsten spürbar Unterschied zur Zugreise: Man kann nicht ganz aufstehen, sich strecken, dehnen, ein wenig auf und ab gehen. Dreieinhalb Stunden Sitzen fiel mir arg schwer.

Zürich erreichten wir pünktlich und problemlos, mussten uns allerdings erst ein wenig orientieren: Der Busbahnhof war ein unbedachter, eher kleiner Parkplatz, von dem aus wir zehn Minuten zum Bahnhof spazieren mussten.

Aber wir bekamen Sonnenschein.

Ich hatte mittlerweile gemerkt, dass ich nur die Hälfte meines Schminkzeugs in den Kulturbeutel geworfen hatte – egal, genau Lidstrich und Wimperntusche gingen eh gerade zur Neige und wir hatten noch Zeit beim Umsteigen. Im Bahnhof fand ich einen Laden, in dem ich nachkaufte (zu Schweizer Preisen, Vergesslichkeit muss bestraft werden).

Am Zielort richteten wir uns im Pensionszimmerchen ein, ruhten aus, lasen: Joël hatte uns einen Kurzgeschichtenband einer preisgekrönten luxemburger Autorin geschenkt, Elise Schmit – las sich sehr gut weg. Bis wir uns für die abendliche Geburtstagsfeier fertig machten und zu ihr spazierten.

Es gab Wiedersehen mit großem Hallo, Köstlichkeiten aus Kürbis, Roter Bete, Blaukraut, Sellerie, ein besonders bemerkenswerter Pilz-Pie mit cremiger Linsen-Champignon-Füllung, Süßigkeiten, Winzersekt, Basilikum-Drinks, zu all den Gesprächen durfte ich auch noch zwei Katzen streicheln. Zudem: Zu meiner großen Freude eine Einladung für nächsten Mai.

Nach Langem gehörte ich (UND Herr Kaltmamsell!) zu den letzten Gästen.

Journal Mittwoch, 4. Dezember 2019 – Christkindlmarkt in Haidhausen

Donnerstag, 5. Dezember 2019

Ich hatte es nochmal ohne Ibu versucht, aber um halb ein Uhr nachts gab ich auf: Die Schmerzen rissen mich immer wieder aus dem Einschlafen, ich griff dann doch zu den Tabletten. Nach einer halben Stunde konnte ich tatsächlich einschlafen.

Den Wecker hatte ich auf früh genug für Crosstrainer stellen wollen – ihn aber offensichtlich ganz vergessen zu stellen. Ich wachte zur sportlosen Zeit auf. Nach ein wenig Hadern beschloss ich, dass ich auch mal weniger früh in die Arbeit kommen kann (gehöre eh zu den ersten) und mir die Wohltat der Bewegung wichtiger ist. Nach Crosstrainer, Dehnen und der Orthopäden-Hausaufgabe Bankstütz ging es mir so viel besser, dass ich inne hielt und explizit dachte: „Boa“, so dachte ich, „hat das GUT getan!“

Kam ich also 20 Minuten später als sonst ins Büro – was natürlich niemand registrierte.

Ich hatte Tram und U-Bahn genommen, weil ich nach Feierabend mit Herrn Kaltmamsell in Haidhausen auf dem Christkindlmarkt verabredet war (und mich den ganzen sonnigen Tag darauf freute).

Den Tag über viel Last mit der Hüfte, unter anderem juckte es da drinnen. Und Jucken bedeutet doch Heilung, NICHT WAHR?!

Zu meiner Verabredung verspätete ich mich: Ich erlebte die Plage mit der S-Bahn, die sich Pendlerinnen täglich antun. Die zehn Minuten Spiel, die ich für die 20-minütige Fahrt einkalkuliert hatte, waren zu wenig – verspätete Direktverbindung, Umplanen mit Umsteigen, aber am Stachus 15 Minuten Warten auf überhaupt irgendeine S-Bahn, die dann natürlich knackvoll, daher Abfahrtsverzögerung an jedem Bahnhof. Ich war 40 Minuten vom Heimeranplatz zum Rosenheimer Platz unterwegs.

Dann aber: Christkindlmarkt! Wir sahen uns unter den Ständen am Weißenburger Platz erst mal um, nahmen dann einen heißen Met gegen die Kälte (knapp über Frost, also genau richtig). Zum Abendessen gab es erst Bratwurst, dann Pommes. Sehr nette Atmosphäre: Eher jung, vielsprachig, aber vielsprachig münchnerisch, nicht touristisch wie am Sendlinger Tor oder am Marienplatz. Mir gefiel auch das Verhältnis Fress- zu sonstigen Ständen.

Diese Abomination musste ich allerdings erst mal verarbeiten:

Spanische Churros auf Weihnachtsmärkten hatte ich zum ersten Mal in Nizza gesehen, warum nicht, das habt ihr nun von eurem vereinten Europa. (\o/) Aber ALPENSTANGERL?! Serviert wurden sie mit Nutella zum Stippen (auch das hatte ich in Nizza gesehen), die „heiße Schokolade“ dazu war Milram-Vanille- oder Schokopudding aus dem Tetrapack.

Die seltsamen weißen Spritzer auf Herrn Lehrers Stiefeln sind übrigens Kreide in Wasser vom schwungvollen Tafelputzen, Lehrer sind ja auch Handwerker (ich habe gefragt).

Den süßen Gang nahmen wir nicht mehr am Christkindlmarkt, Herr Kaltmamsell ist immer noch sehr erkältet und musste heimgebracht werden.

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Interessanter Twitter-Thread über sehr frühes Computerprogrammieren (eben nicht am Rechner):

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Wohnungstausch auf Einsiedlerkrebsisch (nur glaubwürdig mit der Stimme von David Attenborough, natürlich) (und die Kommentare sind hillarious).

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/f1dnocPQXDQ

Journal Montag, 2. Dezember 2019 – Erster Schnee, Dezemberüberfall

Dienstag, 3. Dezember 2019

Mittelgut geschlafen, aber auf der besseren Seite. Früher Wecker für eine Runde Crosstrainer (Frau Physio hatte irgendwo das Wort „täglich“ in dem Satz mit der erlaubten Länge eingebaut!). Beim Lüften kam es kalt und dunkel herein, doch auf dem Boden lag Helles.

Beim Kreuzen der Theresienwiese stieg ich extra vom Rad, um den ersten Schnee zu fotografieren (eine weiter Folge der eingeschränkten Fußwege: ich fotografiere viel weniger).

Ich schiebe es auf dieses hellgraue Schneehimmel-Licht, dass der innere Dezember einsickert, mein jährlicher Erzfeind. Noch bin ich den Erinnerungsbildern und -gefühlen nicht völlig wehrlos ausgeliefert, aber sie tauchen schon wieder am Wahrnehmungsrand auf.

Diesmal deutlich im Vordergrund: Der Dezember 1987, in dem mir das Herz gebrochen wurde, und zwar in einer Gründlichkeit, dass ich bis heute die eisernen Schutzbande der Verdrängung nie ganz abgebaut habe. Möglicherweise habe ich den Schmerz von damals bis heute nicht an mich herangelassen, weil er zu existenziell war. Und weil ich ja nicht musste, weil ich genug Abwehrmechanismen hatte. Ich glaube, um diese Liebe habe ich nie geweint, nie eine Träne vergossen. Der Verrat, die Beleidigungen, der Verlust blieben einfach ein Standbild, eingefroren weit entfernt von Schmerz. Oder ich rede mir das mal wieder bloß ein und es war gar nicht so wichtig.

Mittags Gurke und Käse, Granatapfelkerne. Nachmittags bei zügig steigender Verschattung kein Appetit, aber Hunger biss mir in den Bauch, also eine Hand voll Nüsse. Wieder ein Dezember, den es rumzukriegen gilt, wozu eigentlich.

Auf dem Heimweg ein paar Einkäufe, die stählerne Kuh im Vollcorner ist jetzt ganz verschwunden. Daheim floh ich in ein Buch (Granta 149, Europe: Strangers in the land, bislang vor allem schmerzliche Familiengeschichten aus dem 20. Jahrhundert, die das „Nie wieder“ des europäischen Gedankens gebaren) – die eine Flucht, die fast immer zuverlässig funktioniert.

Herr Kaltmamsell kam eigens früher von seinem Arbeitstermin, um auf mich aufzupassen. Ihm fiel auch das einzige Abendessen ein, dass nicht nur Hungerbekämpfung war: Grießbrei. Leider wurde ihm nie beigebracht, wie man den richtig macht (er erwähnt Ei? EI?!), deshalb kochte ich.

Serviert wird der Grießbrei meiner Kindheit mit Butterseen, Zimt und Zucker (auf keinen Fall zu Zimtzucker vermischt – auch wenn Herr Kaltmamsell argumentierte, dass der Zimt in der Mischung mit Zucker nicht so staubt).

Journal Sonntag, 1. Dezember 2019 – Mittagsgast und Plätzchenbacken

Montag, 2. Dezember 2019

Gut und ausgeschlafen – das war so schön!
Am Rechner über Morgenkaffee erst mal Bürokratisches: Urlaubsmeldung für Anfang Januar ans Schöffenbüro, Anmeldung als Wahlhelferin zur Münchner Kommunalwahl am 15. März – das sind ja zwei Tage inklusive kompliziertem Auszählen, aber dann habe ich alle Wahlarten beisammen (Wahlhelferinnen-5-Kampf Europa-, Bundestags-, Landtags-, Kommunalwahl plus Volksentscheid). Wenn Sie auch in München wahlhelfen möhgen: Hier geht’s zur Anmeldung.

Dann aber Bloggen, ein wenig Twitterlesen. Katzenwäsche und eine Runde Crosstrainer, danach nur ein bisschen Bankstütz.

Zu Mittag hatten wir einen Gast, Herr Kaltmamsell kochte zwei ausgesprochen köstliche Currys und Naan, der Gast brachte Champagner mit – Festmahl!

Nachmittags Plätzchenbacken. Die rote Lebensmittelfarbe mit Mindesthaltbarkeitsdatum 2011 war noch pfen-nig-gut.

Das Draußen war nass und sehr kalt, ich beschloss, dass ich auch mal einen Tag keinen Fuß vor die Tür setzen konnte und las lieber.

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Interview mit Jamie Lee Curtis, von der ich immer schon ahnte, dass sie großartig ist.
„Jamie Lee Curtis Has Never Worked Hard a Day in Her Life“.

via @lyssaslounge

§

Was Literatur, was Geschichten bewirken können (wobei ich verstehe, wenn das ihre Autorinnen erschreckt, die doch einfach nur – als gebe es ein „einfach nur“ – diese Wörter genau so schreiben wollten). Alison Smith erzählt, wie sie 1987 als Studienanfängerin die besuchende Ursula K. Le Guin eine Woche lang an der Uni betreute – als einzige, die ihre Bedeutung kannte:
„Her Left Hand, The Darkness“.

I’d been considered strange in high school. In college I was stranger still. I’d spent fifteen years in a school uniform and had never before chosen my own clothes. Left to my own devices, I tended toward oversized flannel shirts and vintage pants. The kindly thought I was a foreign exchange student. The not-so-kindly avoided me in the cafeteria. Both a local and an outsider, I was deeply of the place yet somehow deeply wrong for the place in ways I had yet to fully understand. I spent a great deal of time alone in those days wandering Mount Hope Cemetery or counting out change on the counter at the Brown Bag to see if I had enough to purchase a used paperback. I had never, before those afternoons during the conference, brought anyone to my secret places. And now I was bringing Ursula K. Le Guin.

Journal Samstag, 30. November 2019 – Gemütlicher Start ins Plätzchenbacken

Sonntag, 1. Dezember 2019

Bis kurz vor acht geschlafen – damit war die Schmerzens-Wachzeit gegen vier mehr als wieder drin.

Beim Rechneraufklappen die Nachricht von Twitter, dass ich dort vor zwölf Jahren meinen Account eingerichtet habe. Mir wurde bewusst, dass ich noch nie eine Twitterpause erwogen habe: Ein nicht-öffentlicher Account und eine sorgfältig ausgewählte Timeline samt genauso sorgfältig gesetzter Filter machen mein Leben dort aufs Angenehmste kuschlig.

Wohl erwogen, wenn auch sehr selten, habe ich Blogpausen – doch dann halte ich mir vor Augen, dass ich hier niemandem etwas liefern oder beweisen muss, dass ich auch mal bloß fünf Sätze von unterirdischer Belanglosigkeit als Journalpost des Tages veröffentlichen kann, dann geht’s wieder. Es dominiert immer noch das ungemein befreiende Gefühl kompletter Irrelevanz und erhält mir den Spaß am Bloggen. Der tägliche Post fühlt sich nie nach Mühe oder Arbeit an, ich muss mich nie überwinden oder unangenehm anstrengen; am ehesten noch im Urlaub, wenn ich am Ende eines Tages voller Eindrücke diese in einem Eintrag verarbeiten will, mit vielen auszuwählenden und zu bearbeitenden Fotos. Doch gestern las ich vor dem Bloggen erst mal noch das Vorwort von Peter Carey zu Plainsong von Kent Haruf – und begann noch währenddessen Stichworte für meinem Text darüber aufzuschreiben. Es ist mir halt ein Bedürfnis. Fisch schwimmt, Vogel fliegt, ich blogge. (Fast hätte ich geschrieben „ich schreibe“, doch vor professionellen Pflichttexten mache ich dieselben Ausweichmanöver wie jede andere durchschnittliche Lohnschreiberin auch.)

Ich entdeckte, dass im englischen Wikipedia-Eintrag über Kent Haruf nur ein Essay aufgelistet ist:

„The Making of a Writer“. Granta Magazine, issue 129: „Fate“.

Und dann fühlte ich mich tierisch bildungsbürgerlich, als ich nur aufstehen musste und zu meinem Regal mit den Grantas seit 1996 gehen, um den Text lesen zu können.

Eigentlich hatte ich nochmal zum Schwimmen radeln wollen, der Regen hatte ausfgehört, es blitzte sogar ein wenig blauer Himmel durch. Doch nach dem Bloggen war es so spät, dass ich lieber zeitsparend auf eine Runde Faszienrolle, Crosstrainer, Dehnen und Kräftigung umplante. Strampeln ging sogar 25 Minuten schmerzfrei, ich widerstand der Versuchung weiterzustrampeln.

Nach dem Duschen holte ich mir Semmeln (Herr Kaltmamsell war fort zu einer Frühstücks-Verabredung).

Zum Frühstück machte ich mir eine große Kanne Tee aus meinem feinsten Darjeeling: Ich hatte den Wasserfilter erneuert, und die ersten Liter durch frischen Filter bringen das superkalkige Münchner Leitungswasser so nah an gutes Teewasser wie möglich.

Twitterlesen, Blog-Feed, dann nahm ich mir gemütlich die Wochenend-Süddeutsche vor.

Es war bereits dunkel, als ich mich an die ersten Plätzchen der Saison machte: Teig für Gewürzblumen. Zum Kühlen über Nacht kam der Teig in den Fahrradkorb auf dem Balkon.

Zusammenstellung der Lieblingstweets des Monats.

Nachtmahl war der restliche Borscht vom Vorabend, dazu ein Glas Rosé Suez von Buhl. Abendunterhaltung aus dem Fernseher: Charlie und die Schokoladenfabrik – immer noch so schräg wie beim ersten Mal, aber nicht wirklich auf gute Art. Verdutzt stellte ich fest, dass mir der Darsteller des kleinen Charlie, Freddie Highmore, sehr bekannt vorkam, weil er derzeit als Good Doctor im Fernsehen zu sehen ist (als ich seine Biografie las, musste ich grinsen – der Anfang ist derart stereotypisch für einen britischen Schauspieler).


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