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Journal Sonntag, 11. April 2021 – Ein bisschen Frühling im Südfriedhof

Montag, 12. April 2021

Lang geschlafen, bis sieben, das machte die nächtlichen Unterbrechungen wett. Nach dem Aufwachen erst mal Rollläden hochgezogen, mit Brille und mehr Kopfkissen zurück ins Bett und auf Park und Himmel geschaut. Das Wetter wechselte gestern zwischen Wolken und Sonne mit überwiegend Sonne.

Vormittags meine wöchentliche Runde Quietschknarzklack auf dem Crosstrainer. Vor dem Fenster Natur inklusive Tauben, die ich bereits vom Balkon kannte und inzwischen unterscheiden kann: Weißbäckchen, Lochschwanz, Shabby.

Ein bisschen ins Draußen zum Semmelholen, in der Sonne war es T-Shirt-warm. Ich machte einen kleinen Umweg, um nach dem Alten Südfriedhof zu schauen.

Einige Bärlauchsammleri*nnen, zum Teil mit großen Plastikkörben; ich roch den Bärlauch, obwohl er noch nicht blühte.

Zum Frühstück zwei Semmeln und ein Stückchen Cheese-and-Onion-Pie. Der Pie war ja als besonders Picknick-geeignet deklariert – kalt ist er allerdings deutlich wuchtiger als warm.

Internetlesen, im besonnten Sessel las ich die Wochenend-Süddeutsche, außerdem holte ich die vom Freitag nach.

Eine Runde Yoga in der Sonne (ab Montag zeigt die Wetter-App wieder Schneesymbole).

Herr Kaltmamsell sorgte fürs Nachtmahl, ich bereitete Bulgur-Salat für uns beide als Montags-Brotzeit zu, mit viel Petersilie und einer Karotte aus Ernteanteil, außerdem roter Paprika und Datteltomaten.

Das Nachtmahl dann:

Tellerfleisch aus Bürgermeisterstück (göttlich) mit Meerrettichsauce und Salzkartoffeln. Ich hatte Lust auf ein Glas Rosé dazu. Danach Osterschokolade.

§

Auf diesen Artikel in der Wochenend-Süddeutschen hatte ich mich nach der Ankündigung mit Abonnenten-Newsletter gefreut (€):
„Erben für alle“.

Barbara Vorsamer schreibt über die soziale Ungleichheit in unserem Land durch Vermögen – doch sie ist nicht etwa (wie sonst fast alle Autor*innen zum Thema) jemand, die mit dem Nicht-Erben klarkommen muss, sondern gehört zur erbenden Schicht, in der viele von den Verwandten mehr Geld bekommen, als sie selbst jemals durch Erwerbsarbeit verdienen werden. (Es gibt also durchaus bedingungsloses Grundeinkommen – halt nur nicht vom Staat.) Vorsamer findet das nicht nur ausgesprochen ungerecht, sondern kritisiert auch die fehlende Selbstwahrnehmung von Vermögenden als vermögend.

Wer aber zugleich behauptet, Mittelklasse zu reisen und dann allen Mitreisenden die Aussicht vom Oberdeck beschreibt, gibt allen anderen das Gefühl, einfach zu blöd zum Aus-dem-Fenster-Schauen zu sein. Während dieser Text entsteht, spreche ich mit vielen Leuten über Geld, zum Beispiel mit einem Unternehmensberater-Paar, das gemeinsam eine Viertelmillion im Jahr verdient, mit einer Grafikerin, die in der Eigentumswohnung ihrer Oma lebt, und mit einem Rentner, der sein Häuschen im Speckgürtel Münchens abgezahlt hat. Alle protestieren beleidigt, wenn ich sie als reich bezeichne.

(…)

Weil man sich aber nur ungern eingesteht, Profiteur der Verhältnisse zu sein, redet man den eigenen Wohlstand klein. Dann sinkt der Preis der Eigentumswohnung im Small Talk um 100 000 Euro, womit man den anderen allerdings das Gefühl gibt, den Immobilienmarkt nicht richtig zu durchschauen. Das Designer-Sofa? War ganz günstig, Zufallsfund. Die Ferienwohnung in Kitzbühel? Haben meine Eltern schon eeewig, früher war es ja auch noch gar nicht so teuer da. Diese Pseudo-Bescheidenheit ist oft nett gemeint. Tatsächlich aber lassen solche Sätze weniger Privilegierte verzweifeln. An der eigenen Arbeitskraft, dem eigenen Geschick, dem eigenen Wert. Wieso schaffen die das und ich nicht? Vielleicht sollte man lieber sagen: Ich habe eine Viertelmillion geerbt und kann mir das leisten, du halt nicht, sorry.

Auch die Autorin bemerkt, wann sie an die Grenzen ihres Ungerechtigkeitsgefühls kommt:

Am wichtigsten aber wäre es, politisch für Veränderung zu kämpfen, allem voran für höhere Erbschaftssteuern und eine Vermögensabgabe. Und dann sagt Julia Friedrichs noch: „Das Finanzministerium hat ein Spendenkonto.“

Echt jetzt? Das Geld, das ich geschenkt bekommen habe, lag deutlich unter der Bemessungsgrenze für die Erbschaftssteuer. Ich finde das natürlich falsch, ich finde die Erbschaftssteuer zu niedrig, die Bemessungsgrenze zu hoch, doch so geht es mir auch mit der Pendlerpauschale oder dem Ehegattensplitting. Finde ich alles nicht gut, taucht aber alles in meiner Steuererklärung auf, und ich zahle keinen Euro mehr an den Fiskus als ich muss. Ist das wohlfeil? Eine höhere Erbschaftssteuer theoretisch richtig finden, aber praktisch nichts freiwillig rauszurücken, solange mich die Politik nicht dazu zwingt? In Gedanken rechtfertige ich mich vor mir selbst: Ich zahle doch nicht freiwillig Erbschaftssteuer an einen Staat, der dann damit seine Schulden bezahlt, da spende ich das Geld doch lieber.

(Zur Sicherheit: Auch ohne Erbe und Vermögen bezeichne ich mich regelmäßig als reich, weil ich das mit unserem monatlichen Haushaltseinkommen nunmal bin – und weil ich gerne damit provoziere.)

§

Laurie Penny ist kürzlich von Los Angeles zu ihrem Partner nach Australien gezogen (inkl. 14 Tage Hotel-Quarantäne ab Einreise). Sie berichtet von dem schlagartigen Wechsel von Corona-Alptraumleben zu einer Welt ohne Corona – in der noch dazu niemand nachvollziehen kann, was sie durchgemacht hat.
„A Report from the After Times“.

Jetzt verspüre ich die Sehnsucht, meinen gesamten derzeit verfügbaren Urlaub von 45 Tagen (wegen langer OP-Abwesenheit viel Resturlaub aus dem Vorjahr) September/Oktober im australischen Frühling zu verbraten, davon halt zwei Wochen in einem schönen Hotelzimmer eingesperrt.

Journal Samstag, 10. April 2021 – Ausflug nach Pasing an die Würm

Sonntag, 11. April 2021

Ganz gut geschlafen, vor allem aber genoss ich das Aufwachen ohne Aktionszwang.

Nach dem Bloggen buk ich erst mal Kuchen, auf den Wunsch von Herrn Kaltmamsell („wenn mal wieder Karotten im Ernteanteil sind“) englischen Passion Cake. Das Anstrengendste am Rezept ist das Karottenraffeln (das immer nur enttäuschend wenige 150 Gramm Karotten wegbekommt – kennen Sie ein Rezept, das deutlich mehr verlangt?), ansonsten geht es ja ratzfatz.

Während der Backzeit absolvierte ich eine Runde Krafttraining von Fitnessblender, wieder rundum und ohne Probleme (außer dass ich weiterhin die Rückenschmerzen seit Weihnachten haben, die als neues Feature nicht nur die bekannten Hotspots verwachsene LWS und einklemmende HWS betreffen, sondern auch den hinteren Brustkorb).

Nach dem Duschen ging ich mit Herrn Kaltmamsell zum Corona-Schnelltest in die Sendlinger Straße; da ich ja wegen Büroarbeit doch Kontakte habe (außerdem öfter im Supermarkt bin als dringenst nötig), mache ich den jetzt sicherheitshalber wöchentlich. Der Herr an meiner Seite muss ab Montag wieder in die Schule und parallel Wechsel- (also er dabei immer vor Ort) und Distanzunterricht geben (zum Teil aus Zeitgründen von der nicht darauf ausgelegten Schule aus) und sich bitte zweimal die Woche testen lassen.

Mit ihm war ich auch zu einem Ausflug verabredet, wir wollten die angekündigte Frühlingsphase nutzen. Ich hatte einen Spaziergang an der Würm ausgesucht. Die Würm (nach der die Würm-Eiszeit benannt ist) fließt vom Starnberger See (der ja bis 1962 Würmsee hieß, ein schönes Beispiel für Standortmarketing?) bis nach Dachau. Ich hatte diesen Ausschnitt gewählt, weil er gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist und weil mich sowohl der Pasinger Stadtpark als auch die Blutenburg interessierten.

Das mit dem öffentlichen Nachverkehr war etwas unbequem: Wegen Bauarbeiten und daher reduziertem Angebot warteten wir am Stachus recht lange auf eine S-Bahn, die nicht infektionsbedrohlich voll war.

Ab Pasinger Bahnhof war das Ganze aber ein Genuss in milder Luft und hauptsächlich Sonne.

Ich entdeckte, dass es einen Wanderweg (eigentlich Radwanderweg) nach Starberg gibt, diese 20 Kilometer ab Pasing nahmen wir uns für die erste richtige Wanderung mit neuem Hüftgelenk vor.

An der Blutenburg war ich tatsächlich noch nie gewesen (Herr Kaltmamsell hatte bereits mal einen Betriebsausflug zur dortigen internationalen Jugendbibliothek unternommen).

Auch hier zogen die Gefangenen des KZs Dachau auf ihrem Todesmarsch 1945 vorbei.

Inklusive Weg vom Bahnhof (die S-Bahn hielt ganz außen an den Starnberger Gleisen) waren das dann 12 Kilometer, die ich durchaus spürte – obwohl wir dieses Mal Wasser dabei hatten und nach der halben Strecke ein Päuschen einlegten.

Daheim gab es Karottenkuchen und Tee, nach denen ich so steinmüde war, dass ich mich kurz schlafen legte, auch wenn es schon nach sechs war und Herr Kaltmamsell bereits in der Küche das Abendessen zubereitete. Ich schlief eine gute halbe Stunde tief, das hatte es wohl gebraucht.

Nämliches Abendessen war ein Cheese and Onion Pie, englischer Klassiker der alten Schule, den Herr Kaltmamsell mal ausprobieren wollte. Dazu bereitete ich aus Radiserln (Ernteanteil) und roten Paprika ein Salätchen.

Die Füllung besteht aus Zwiebeln, sehr viel Käse (klassisch ist Cheddar, hier wurde unter anderem Red Leicester verwendet), Frühlingszwiebeln, und ist sehr herzhaft. Schmeckte ok, sättigte wohlig, aber Herr Kaltmamsell war enttäuscht. Nach dem Kuchen am Nachmittag hatte ich nicht mal Lust auf Schokolade zum Dessert.

Ruhiger Abend mit Internetlesen.

Journal Donnerstag, 8. April 2021 – Pandemie-Erinnerungen

Freitag, 9. April 2021

Gut geschlafen – aber halt nur bis dreiviertel vier, dann gab’s bis Weckerklingeln nur noch Dösen in verschiedenen Lagen.

Draußen immer noch Winter.

Es war ein bisschen wärmer geworden: Kein gefrorener Boden mehr. Über den Vormittag aber weiterer Schneefall.

Mittags eine Breze, Orange mit Hüttenkäse.

Anruf der Installationsfirma wegen des defekten Eckventils zur Waschmaschine: Ich konnte zwar Details erklären, für Terminvereinbarung musste ich allerdings an Herrn Kaltmamsell verweisen, der jetzt noch Ferien hat.

Anruf des Amtsgerichts (ZWEI Anrufe auf meinem Smartphone an einem Tag, damit ist ja das Kontingent für den ganzen Monat aufgebraucht): Ob ich Freitagmorgen als Schöffin einspringen kann. Klar kann ich, dafür sind Hilfsschöffinnen da.

Auf dem Heimweg (sonnig, weiterhin kalt) schnelle Einkäufe im Supermarkt für Brotzeit. Zu Hause Yoga, dann kam Herr Kaltmamsell vom Friseurbesuch heim, mit sehr kurzen Haaren. Er servierte zum Nachtmahl Sauerkraut aus frisch geholtem Ernteanteil mit fränkischen Bratwürsten. Dann wieder viel Osterschokolade (diesmal aber Stopp vor Übelkeit).

Abenunterhaltung eine weitere Folge Star Trek Picard.

§

Melissa Fay Greene recherchiert für The Atlantic ausgehend von unseren persönlichen Pandemie-Geschichten zu einem meiner Lieblingsthemen: Wie Erinnerung funktioniert.
„You Won’t Remember the Pandemic the Way You Think You Will“.

via @ankegroener (in einem Blogpost geht sie ausführlich auf den Aufsatz ein)

Unter anderem:

“Even as we experience an event,” Robyn Fivush has written, “we are already beginning to think about how to tell this event to another person at a later time.”

(…)

According to Halbwachs, we begin composing our memories in anticipation of sharing them.

Ach – ich dachte, das gehe nur Blogger*innen so.

Meinen Moment, in dem die Pandemie bei mir persönlich ankam, habe ich schon bald so erzählt: Es war der 10. März 2020. Die Nachrichten zu Covid-19-Infektionen waren immer näher gekommen, es hatte bereits den Ausbruch in Bayern gegeben und Ischgl als – wie man heute weiß – europäisches Superspreader-Event. Für diesen Dienstagabend war ich mit Herrn Kaltmamsell seit Monaten zu einem Quigong-Schnuppertraining verabredet. Nachmittags schrieb ich dann per Twitter-DM:

Am Donnerstag, 12. März, sagte die Gastgeberin diese Familienfeier ab (ein 50. Geburtstag, den wir bis heute nicht nachgefeiert haben), am Sonntag war Kommunalwahl in München, bei der mir die körperliche Nähe zu den anderen Wahlhelfenden beim zweitägigen Auszählen als Infektionsrisiko sehr bewusst war (Masken gab es ja keine, sie waren damals aber auch noch nicht als Schutz belegt).

Weitere sehr lebendige Erinnerung der Anfangszeit: Wie Herr Kaltmamsell von nix auf gleich sein Unterrichten auf Distanz umplanen musste, gleichzeitg 24/7 daran ackerte, die Schule, an der er arbeitet, zu Distanzunterricht zu befähigen, durch Technik und Fertigkeiten.

Seither hat sich mein Berufsalltag wenig verändert, ich bin weiterhin fast täglich im Büro, zum einen, weil ich viel mit Dingen zu tun habe, die ich für eine Verarbeitung daheim aufwändig zu mir nach Hause und wieder zurück transportieren lassen müsste, zum anderen um den anderen in der Abteilung das Arbeiten von daheim zu ermöglichen. Verändert haben sich im Job alle Besprechungen, die mittlerweile durchwegs über MS Teams stattfinden. Ich bin dankbar, dass ich hier Sicherheit und Einkommen habe.

Fast komplett eingefroren ist halt mein Leben abseits des Geldverdienens: Keine Treffen mit Freunden und Familie, kein Ausgehen, keine Restaurants, kein spontanes Einkaufen, keine echten Ausflüge, kein Kino, kein Theater, keine Reisen. Und keine Unbefangenheit beim Verlassen der eigenen vier Wände. Aber Dankbarkeit, dass ich mich nicht um Kinder kümmern muss.

Der allgemeine Schrecken der Anfangszeit, der die gesamte Gesellschaft zu Zusammenhalt und Disziplin brachte, die Politik zum Abweichen von parteipolitischen und sonst gewohnten Reflexen, ist längst verflogen. Derzeit sehe ich die Zukunft der Pandemie wie das Wetter: Ich kann keinen Einfluss nehmen, die Motivation der komplett erratischen politischen Entscheidungen ist mir ein Rätsel, ich kann nur abwarten und mich selbst schützen.

§

Nachdem #metoo zu lange her zu sein scheint, hier ein Twitter-Thread inklusive Antworten, was das Berufsleben von Frauen in der Gastronomie mit sich bringt.

Journal Mittwoch, 7. April 2021 – Friseurverzögerung und Januarwetter

Donnerstag, 8. April 2021

Aufwachen zu neuem Schneefall, Arbeitsweg in Schneefall.

Gleich am Morgen bekam ich eine SMS vom Friseur (ich trug extra meine dichteste FFP2-Maske): Er musste wegen Erkrankung unseren Termin absagen. (Und Sie dachten, SIE hätten Probleme?) Da ich halt nur nach Feierabend kann, sind es bis zum neuen Termin noch sechs Wochen – es hätte noch länger gedauert, hätte ich da nicht Urlaub und könnte auch tagsüber. No na, vielleicht hat sich dann zumindest die Infektionslage beruhigt und der Friseurbesuch ist sicherer. Bis dahin versuche ich mich an meine Flechtfertigkeiten zu erinnern und bitte vielleicht Herrn Kaltmamsell um Freischneiden des Nackens mit Langhaarschneider, Anleitungen gibt’s ja mittlerweile genug im Internet.

Es schneite immer wieder, mal vor Sonne, mal vor dunklem Himmel. Nein, das war kein Aprilwetter, das war Januarwetter. Ich ließ im Büro gleichzeitig Licht an (für die finsteren Schneeschauer) und die Jalousien unten (für die Sonnenphasen).

Mittags zwei gekochte Eier (bunte Schale, also Ostereier), ein Stück Käse, eine Orange. Nachmittags ein Apfel und getrocknete Aprikosen.

Meine Lippen flippen seit einer Woche völlig aus (gnihihi Lippenflippen). Dass sie über ein paar Tage hinweg erst knallrot brennen und bitzeln, dann weiß versteinern, um dann die Haut in Fetzen zu verlieren – das habe ich ja seit vielen Jahren immer wieder, schlimmstenfalls inklusive eingerissenen Mundwinkeln, sommers wie winters, egal welches Nahrungsergänzungsmittel ich einnehme (Hausärztin gab z.B. Eisen), egal was ich draufschmiere (aktuell probiere ich eine Harnstoff-haltige Creme, den hatte ich noch nicht). Doch seit gut einer Woche passieren die oben beschriebenen Phasen gleichzeitig, die Lippen brennen schmerzhaft UND schälen sich. Ich schiebe das jetzt einfach auf die Hormone des Klimakteriums, dafür ist es zumindest gut, dass man alles damit erklären kann.

Eine Folge der vielen Lektüren über Abläufe auf Intensivstationen: Ich habe meine Patientenverfügung (basierend auf dieser Vorlage) aktualisiert. Jetzt untersage ich auch den Einsatz der ECMO, vulgo Herz-Lungen-Maschine; sollte ich in einem so schlechten Zustand sein, ist bitte Schluss. (Und die ECMO bleibt frei für jemanden, der oder die gerne lebt.)

Heimweg in scharfem, eisigen Wind, der auch mit Graupelkörnern warf.

Zu Hause nochmal die Yoga-Runde vom Vortag, um die fünf Minuten Atemerklärung am Anfang gekürzt (aber mit der eigentlichen Atemübung).

Als Abendessen servierte Herr Kaltmamsell Spaghetti mit Tomatensoße, auf die hatte ich mich richtig gefreut. Danach große Mengen Pralinen und Osterschokolade (leider etwas zu viel, mir war ein bisschen schlecht).

Abendunterhaltung war die zweite Folge Star Trek Picard, die Serie wird ebenfalls von Amazon angeboten, wo Herr Kaltmamsell uns für Good Omens angemeldet hatte. Die Anfangsfolge hatte mir sehr gut gefallen, das Drehbuch hatte mich mit besonders geschickter Erzähltechnik der Hintergründe überrascht, ich mochte auch die Vermischung von Realitätsebenen. Die zweite Folge ging offensichtlich nicht davon aus, dass man die erste kannte, viel wurde nochmal erklärt. Noch möchte ich aber wissen, wie es weitergeht.

Eingeschlafen zu weiterem Schneefall.

§

Hatte irgendjemand geahnt, dass der Brexit das Nordirlandproblem aufwärmen würde? Ach – ganz viele? Na ja, sie hatten recht.

„‘Dishonesty’ over Brexit fuelled loyalist anger, says Stormont minister
Justice minister Naomi Long points finger at UK ministers after four nights of street violence in Northern Ireland“.

Northern Ireland’s justice minister has said the government’s “dishonesty” over the consequences of hard Brexit has contributed to the anger felt by loyalists, as police counted the cost of 41 officers injured during violence on the streets over four nights.

Journal Dienstag, 6. April 2021 – Aprilwinter

Mittwoch, 7. April 2021

Doch mal wieder gut geschlafen.

Draußen Winter und scheißkalt, das soll jetzt erst mal so bleiben.

Blick vom Küchenbalkon.

Eisige Winde auf dem Fußweg in die Arbeit.

Kaiser-Ludwig-Platz.

Theresienwiese.

Bavariapark.

Der Schnee blieb nicht nur den ganzen Tag liegen, es gab immer wieder Schnee- und Graupelschauer, aber auch Sonne – April halt.

In der Arbeit viel Arbeit, durchaus mit Druck und mit Menschen.

Die Feierabendbeschäftigung stand schon lange fest, schließlich war Osterschokolade-für-die-Hälfte-Tag! Doch der Edeka, den ich abräumen wollte, hatte wohl fast punktgenau kalkuliert: Es war kaum etwas übrig, ich bekam KEINEN! LINDT! HASEN!

Ein Glück wartete daheim ein Osternestl der Schwiegereltern (Herr Kaltmamsell hatte sie gestern besucht) und eine Schokoladenlieferung aus Franken von Freunden.

In einer sonnigen Phase des Abends (Sommerzeit ist super) legte ich im Wohnzimmer meine Yogamatte aus und absolvierte eine Runde Yoga mit langweiligen Atemübungserklärungen (Stoßatmen kenne ich aus meiner Chorzeit, allerdings ging es da ums Zwerchfell, nicht um den Nabel und Energie), aber interessanten Sachen für die Bauch- und Rückenmuskulatur.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Palak Paneer, also Spinatcurry mit selbst gemachtem Frischkäse.

Letzter Blick auf die Corona-Friese 2, Mittwoch geht’s nach Feierabend zum Abschneiden. Ob es wohl das Klügste wäre, um einen Schnitt zu bitten, der wieder sechs Monate hält?

Journal Ostermontag, 5. April 2021 – #WMDEDGT mit Isarspaziergang

Dienstag, 6. April 2021

Fünfter des Monats, Frau Brüllen fragt wieder: Was machst du eigentlich den ganzen Tag, #WMDEDGT.

Zweites Aufwachen erst kurz vor fünf – doch das war’s dann mit Schlaf. Ich ruhte noch ein wenig, verschob dann die Hoffnung auf Schlaf Richtung Siesta.

Schon lange hatte ich geplant, den Ostermontag für meinen ersten Joggingversuch nach OP zu nutzen (in allen Tabellen stand „Joggen“ in der Spalte „nach 6 Monaten“, unter der Voraussetzung, man dass man es nicht als neue Sportart beginnt – zudem verlief meine Heilung bislang ja überdurchschnittlich gut und schnell). Doch mein operiertes Hüftgelenk signalisierte schon nachts durch leichte Schmerzen und Druckempflindlichkeit, dass ich diesen Versuch besser mal verschiebe (SEHEN SIE: ICH KANN SEHR WOHL DIESES „AUF DEN KÖRPER HÖREN“!). Obwohl draußen überwiegend blauer Himmel und Sonnenschein lockten.

Ich änderte meine Pläne (hier: flexibel!) in Spaziergang. Vorher versuchte ich noch, den extrem langsam ablaufenden Badewannenabfluss zu befreien, denn das lange stehende Duschwasser hinterlässt eklige graue Seifenränder in der Badewanne. Meine Mutter hatte sich am Tag nach unserem Einzug bereits mit Pömpel zu schaffen gemacht – ohne Veränderung. Ich versuchte mich am Vorgehen der besuchenden Freundin in der alten Wohnung, also Rumstochern, doch dieser Abfluss ist ein komplett anderes Modell: Ca. 10 cm unter dem Sieb ist Schluss, hier trafen Spieß und Putz-Zahnbürste auf eine Metall-Ebene. Zwar holte ich bis dort hin Einiges an Haaren und Flusen raus, doch mir war bei dieser Menge und Durchlässigkeit des Materials klar, dass das nicht das Hindernis fürs Abfließen sein konnte. Mist, Klempner.

Draußen war es mittlerweile sehr windig, doch ein Check auf dem Balkon ergab, dass die angekündige Kälte-und-Schnee-Front noch nicht eingetroffen war. Gegen halb elf radelte ich die Isar entlang, und da überraschend wenig Leute unterwegs waren, ließ ich das Radl schon an der Braunauer Eisenbahnbrücke stehen (in Erwartung von Spaziermassen hatte ich eigentlich die abgelegene Großhesseloher Brücke angesteuert).

Es wurden sehr schöne anderthalb Stunden, in denen ich zum Tierpark ging, ihn umrundete und über den Flaucher zurück zur Braunauer Brücke spazierte – immer in heftigem Westwind, doch bei später recherchierten 14 Grad fühlte sich der wundervoll in meinen Corona-langen Haaren an. (Während Oldenburg auf Twitter bereits Schnee gemeldet hatte.)

Verschwindendes Heizkraftwerk.

Neue Kunst unter der Brudermühlbrücke.

Blick in den geschlossenen Tierpark Hellabrunn (an Ostersonntag wurden wegen drei Tagen Inzidenz über 100 einige Öffnungen zurückgenommen, unter anderem die des Tierparks; übers Osterwochenende wurde kaum getestet, also haben wir jetzt wieder eine Inzidenz unter 100 – ab Mittwoch soll allen Ernstes wieder ringsum geöffnet werden, denn Vorschriften sind eben Vorschriften, dass die Intensivbetten in München schon jetzt voll belegt sind, spielt keine Rolle):

Neues Streichelgehege mit Ziegen.

Eisbär!

Flamingos (das müssen Sie mir einfach glauben).

An einer Quelle neben der Marienklause. Wasseraufseher klingt nach Traumberuf.

Auf dem Rückweg fiel mir am Flauchersteg dieses Schild auf:

Donaulachse! (Gebadet wurde übrigens durchaus, allerdings ein Stück nördlicher.)

Ich postete das Foto auf instagram und bekam von @_angelabos_ eine höchst spannende Info:

In Utrecht gibts jetzt an der Schleuse eine Fischtürklingel (visdeurbel). Eine Unterwasserkamera zeigt an, ob Fische durch die Schleuse zu ihren Laichplätzen wollen. Vorbeigänger, die wartende Fische auf dem Bildschirm sehen, können auf eine Klingel drücken u den Schleusenwärter warnen, der dann die Schleuse bedient.

Sie ergänzt:

Hier ein paar Fotos von wartenden Fischen https://visdeurbel.nl/beelden/ Kein Aprilscherz!

Blumen sah ich auch, unter anderem:

Schuppenwurz.

Schlüsselblumen.

Frühstück gab’s gegen eins (Osterpinze und Orange mit Dickmilch) – nach Aufwachen schon um fünf hatte ich sogar deutlich früher Hunger gehabt, aber da war ich halt noch unterwegs.

Mit vollem Bauch wurde ich bettschwer für eine ausführliche Siesta.

Am Nachmittag bügelte ich, guckte YouTube (hier, bitteschön 30 Minuten Eichhörnchen-Niedlichkeit von einer Tierfilmerin in Nordschweden), aß die letzte Torrija und mehr Pinze, machte Yoga. Zum Abendessen servierte Herr Kaltmamsell eine Quiche mit Lauch aus Ernteanteil.

Beim Zu-Bett-Gehen sah ich, dass die Kälte-und-Schnee-Front München erreicht hatte.

Journal Ostersonntag, 4. April 2021 – Kleines Ostern mit Eltern

Montag, 5. April 2021

Noch vor sechs vom energischen, aber sonoren Geläut der benachbarten Kirchenglocken geweckt worden (auf dieser Seite des Hauses sind sie deutlich lauter) – da feierte aber jemand seinen und ihren Herrgott, halleluja!

Nach Corona-Schnelltest früher Aufbruch mit dem Großteil Pinzen und dem Mazurek zum Bahnhof (sonnige, kalte, aber leere Straßen): Auf der Bahnstrecke München-Nürberg wurde gebauarbeitet, die Fahrtzeit zum Osterfrühstück verdoppelte sich. Der Anschluss zum Schienenersatzverkehr ab Reichertshausen und die Busfahrt nach Ingolstadt verliefen aber reibungslos. Tiersichtungen unterwegs: Bussard, mehrere Fasane, davon zwei in Turbotempo hintereinander über eine Wiesen stiebend (Silhouette sehr Dinosaurier), und kurz vor Ingolstadt ein weghoppelnder Feldhase.

Große Freude über das Wiedersehen mit meinen Eltern, polnische Ostertafel mit reichlich Schinken und Wurst (meine Mutter hatte sogar echt polnische Kiełbasa aufgetrieben), geriebene Rote Bete, wie immer von Bruderhand geriebener Meerrettich (heftige Vermissung des Osterfrühstücks in ganz großer Familienrunde *fiep*), Brot, gefüller Osterzopf von Mutter, meine Pinzen, schwarzer Tee (eine weitere polnische Note), Weißwein. Abschließend ein Stück Mazurek, der überraschend gut schmeckte (ohne die Osterdeko wäre er nicht mal so süß gewesen – merke ich mir für auch abseits von Ostern).

Videotelefonat mit der Tante in Italien (die Dame rechts), die immer weiter neben der Kappe ist. Das ist traurig, doch sie wirkte fröhlich und aufgeräumt. Und ich hörte zum ersten Mal seit ca. 40 Jahren, ich sei „ja SO groß geworden!“.

Das Wetter war freundlich sonnig, wir sind eine Rausgehfamilie, und so bot mein Vater einen Spaziergang an. Er blickte zwar besorgt auf meine feinen Schuhe (ich hatte mich zum ersten Mal in Pumps mit Absatz getraut, seit mir vor ca. anderthalb Jahren meine Hüftbeschwerden Absätze unmöglich gemacht hatten), doch ich wusste aus Erfahrung, dass ich in ihnen lange bequem gehen kann.

Wir spazierten den Mailinger Bach entlang und schlugen eine große Schleife. Mein Vater plauderte über die Neubauten, an denen wir vorbeikamen, erklärte zeitgenössische Bauvorschriften und die Stadtteilentwicklung. Auch er war erstaunt, wie wenige Menschen wir trafen – vielleicht war es für den Osterspaziergang noch recht früh am Tag.

In Unterhaunstadt passierten wir die 700 Jahre alte Kirche St. Georg (Zwiebelturm allerdings aus dem 18. Jahrhundert).

Nach anderthalb Stunden gaben meine Schuhe ihre Bequemlichkeit auf, meine Fußballen schmerzten und ich war sehr froh über unsere Rückkehr.

Eine zweite Mahlzeit gab es auch: Lammschulter – auf kastilische Art nur mit Salz und Pfeffer gewürzt, langsam im Ofen gegart.

(Jetzt auch in meinem Elternhaus: „Magst es nicht fotografieren?“) Das Lamm war zart und köstlich, dazu gab es gebratene grüne Paprika und Hirse mit Auberginen, ein Glas portugiesischen Rotwein. Beim Nachtisch (auch in diesem Hause waren Torrijas gebacken worden) kniff ich.

Die Rückfahrt war anders umständlich: Statt Bus gab es per Zug einen Umweg mit Umsteigen in Augsburg Hochzoll. Beim Heimkommen war es bereits dunkel. Schönes Ostern.


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