Journal Montag, 16. Mai 2022 – Arbeitsüberflutung

Dienstag, 17. Mai 2022 um 6:03

Aufwachen nach oker Nacht kurz vor Weckerklingeln.

Es hatte deutlich abgekühlt, jetzt herrschten wieder jahreszeitlich angemessene Temperaturen (die immer noch Strümpfe unter meinem Rock überflüssig machten).

Im Büro sofortige Areitsüberflutung, die bis zum späten Feierabend anhielt, inklusive Querschüssen und Unmöglichem. Ich war praktisch durchgehend in Panikmodus.

Mittags eine Scheibe vom selbstgebackenen Brot, Apfel, Orange. Kurz raus vor die Tore gesprungen für eine berufliche Besorgung.

Nachmittags hatte ich Telefonsprechstunde mit meiner Gyn zum Hormonspiegel in meinem Blut: Alles wie erwartet niedrig, jetzt wird zurück-medikamentiert.

Auch nachmittags: Unmöglichkeit von Joberfüllung. Mein Unbehagen lässt sich in solche Fällen nicht dadurch beseitigen, dass ich überhaupt nichts dafür kann. Dafür vergaß ich fast wichtige eigene Einsätze.

Ich wirbelte auf mehreren Ebenen, sogar mit Menschen, schaffte sehr viel weg – aber unter diesem Druck macht mir das überhaupt keinen Spaß. Zumal die meisten Bereiche unverknüpft waren, die Beteiligten also nicht wissen konnten, wie viele andere Bereiche gerade an mir zerrten, und ich keine Zeit (und keinen Stolz) damit verschwenden wollte, sie darüber zu informieren.

Es wurde dann auch ordentlich spät, die Einkaufsrunde nach Feierabend musste ich verschieben, Beginn Hormonersatztherapie also 24 Stunden später. Meine Laune war nicht nur deshalb schlecht, zur Einnerung: Ab zehn Stunden Arbeit werde ich böse.

Draußen empfing mich wundervolle Luft: Es hatte gerade kurz geregnet, war frisch, aber nicht kalt. Ich machte einen kleinen Umweg auf der Theresienwiese, kam an einer Gruppe vorbei, die unter Traineranleitung und mit Musik Kraftübungen absolvierte, umgeben von ihren Fahrrädern ein Bild mit Wagenburg-Charakter (muss man für diese Assoziation alte Western gesehen haben?).

Zu Hause war ich erst kurz vor der Tagesschau (darin: Nachlese Ergebnis der sonntäglichen NRW-Wahl mit CDU-Sieg, Grünen-Gewinnen, massiven Verlusten bei SPD und FDP). Herr Kaltmamsell servierte LINSEN! Und zwar Berglinsen mit roter Bete aus Ernteanteil und Guanciale, drüber kam auf dem Teller edles italienisches Olivenöl – köstlich. Nachtisch Schokolade.

Wenn man so spät aus der Arbeit kommt, ist erstaunlich wenig Feierabend übrig.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 15. Mai 2022 – Erster Freibadtag

Montag, 16. Mai 2022 um 6:35

Nacht mit einer längeren Lücke, in der ich halt las, aber ich schlief ja in einen Sonntag hinein.

Der Morgen begann mit Teigkneten. Während ich bloggte, Kaffee trank, Wäsche wusch, buk ich dieses Dinkel-Mischbrot – unter anderem, weil es viel Sauerteig aufbraucht und schnell zuzubereiten ist. Meine Abwandlungen: Kein Backmalz (unnötig), Zuckerrohr-Melasse statt Honig (weil halt), außerdem gönnte ich dem Teigling vor dem Backen ein Rundwirken und 30 Minuten Stückgare mit Schluss nach unten, weil ich größere Poren wollte. Weil ich Brot außerdem knusprig mag, heizte ich den Topf fürs Backen mit (so klebt auch garantiert nichts an) und ließ den Laib nicht unter einem Kruste-verhindernden Tuch auskühlen.

Ergebnis wunderschön.

Anschnitt vom Nachmittag.

Draußen war so richtig Sommer. Im Mai. Zwar ist auch das Schyrenbad inzwischen offen, doch ich wollte Frieren beim Schwimmen vermeiden und radelte (in kurzen Hosen!) lieber ins Dantebad. Unterwegs begegnete ich einer Herde Spendernieren (ca. 12-köpfige Motorrad-Gruppe, super Witz), aber auch einem der immer häufigeren Radler mit montiertem Brüllwürfel, aus diesem kamen laute deutsche Humta-Schlager mit viel “meine Sehnsucht” drin. Ich musste reichlich davon anhören, weil er vor mir an einer roten Ampel wartete, kam meinem Bedürfnis zur Gegenwehr nach, indem ich ihm beim Überholen lauthals etwas vorsang.

An der Tür des Dantebads stand eine Schlange bis zum Ende des Gebäudes. Auf langes Anstehen hatte ich wirklich keine Lust, doch ich fragte, ob die Herrschaften vielleicht nur an der Kassen standen? Richtig, also konnte ich mit meiner gut geladenen Bäderkarte einfach an der Schlange vorbei reingehen.

Diesmal wurde auf den Schwimmbahnen Spielzeug in solchen Maßen eingesetzt (u.a. Halbmeter-große Taucherflossen und Brotlaib-große Handpaddel), dass ich sie eher als Waffen bezeichnen würde. Als ich auch noch zweimal von Rückenschwimmerhänden der Nebenbahn geschrammt wurde, einmal Brust, einmal Bauch, machte das Schwimmen (an sich problemlos) keinen großen Spaß mehr. Dass sich der bewaffnete Schwimmer, der mich beim Überholen schmerzhaft zur Seite gedrängt und mir dann ins Gesicht gepaddelt hatte, anschließend am Beckenrand ehrlich und ausführlich entschuldigte (er sei selbst bedrängt worden), konnte die Laune nicht wieder richten.

Es war definitv warm genug für einen anschließendes Sonnenbad. Da ich nur einen passenden Bikini besitze, musste die Sonne auch stark genug fürs Trocknen sein. In der Umkleide walkte ich ihn nach meinem Sonnenmilch-Eincremen mit Handtüchern aus, so ging’s. In der Sonne liegend hörte ich interessiert den vielen verschiedenen Sprachen und Dialekten um mich herum zu, beschloss, niemals Freibadpommes zu holen, die in derart alt und verbraucht riechendem Öl frittiert werden, schlief dann doch ein. (Beim Packen daheim hatte ich fesgestellt, dass die kabellosen Kopfhörer keinen Strom mehr hatten.)

Also ein erster echter Freibadbesuch Mitte Mai, inzwischen ganz normal. In meiner Schulzeit, also vor wenige Jahrzehnten, war das praktisch unvorstellbar; es galt bereits als Sensation, wenn man in den Pfingstferien, also im Juni, das erste Mal beim Baden war. #Klimakatastrophe

Vor dem Dantebad gab es beim Verlassen zwei Schlangen, die bis ans Ende des Gebäudes reichten. Recht benommen vom Schlaf radelte ich durch den Sommersonntag zurück. Frühstück kurz vor drei: Zwei gewaltige Scheiben selbstgebackenes Brot mit Butter und Marmelade, Käse.

Beim Hinterherlesen der nächtlichen Twittertimeline stellte ich fest, dass sie trotz sorgfältigen Blockierens aller (sehr vieler verschiedener) Hashtags zum Eurovisions-Grand Prix fast ausschließlich aus diesem Thema bestand (*Du hast den Hashtag vergessen, mein Michael…*). Ein Ausschnitt:

Sonst bin ich ja sicher, die beste Twittertimeline der Welt zu haben, gestern kamen mir Zweifel wie sonst nur zu Fußball-Großereignissen.

Balkongenießen mit Lesen, dann musste gebügelt werden. Ich hörte dabei Musik aus dem Family Mix der Bruderfamilie – und stellte fest, dass daran einiges umgestellt war. Als Ergebnis hörte ich noch interessantere Musik als eh schon (diesmal viel Folk/Gitarre), ich mochte gar nicht aufhören und ließ sie bei der Abendbrotzubereitung weiterlaufen.

Nämlich: Folienspargel mögen wir ja eigentlich nicht, also Spargel, der unter Folie auf den Feldern vorzeitig erntereif wurde. In diesem Fall aber war es die Zubereitung meiner Wahl: In Alufolie und damit in eigenem Saft gegart, mit Salz, Pfeffer, Zucker, Butter und Zitronenschale. Wurde ganz hervorragend, dazu reichte ich ein Majo-Essiggurkenessig-Kapern-Sößchen.

Dazu Brot und ein Glas Auxerois. Und zum Nachtisch Erdbeeren. Kein Platz mehr für Schokolade, das ist selten.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 14. Mai 2022 – Isar-/Loisachtalwandern in Maien-Idyll

Sonntag, 15. Mai 2022 um 9:31

Bis fast acht geschlafen, und das auch mit nur wenigen Unterbrechungen – super.

Draußen entwickelte sich wunderbares Wetter – auch das super, weil Herr Kaltmamsell den Tag für eine Wanderung hatte freinehmen können.

Erst mal gemütliches Bloggen und Morgenkaffee, Wäschewaschen, Telefonat mit meiner Mutter.

Ich ging eine schnelle Runde Einkaufen (u.a. Spargel und Erdbeeren für Sonntag, Brotzeit), dann zogen wir los. Eigentlich hatten wir mal wieder vom Starnberger See an den Ammersee wandern wollen, doch wegen Stammstreckensperrung der S-Bahn hätten sich An- und Abreise sehr kompliziert gestaltet. Statt dessen fuhren wir unkompliziert und direkt ab Hauptbahnhof Richtung Wolfratshausen, Wanderung am und im Loisach-/Isartal. Hier waren wir schon oft (zum Beispiel hier beschrieben), diesmal hatte Herr Kaltmamsell eine Erweiterungsschleife um die Loisachmünundung und in der Pupplinger Au recherchiert.

Gegen Sonne und Stechmücken hatte ich mich kräftig gecremt und besprüht, roch wie ein Drogeriemarkt nach Besuch einer Elefantenherde.

Schon die S-Bahnfahrt durch Sonnen-beschienene Maienlandschaft war herrlich. Rapsgelb bekam ich allerdings erst kurz vor Icking zu sehen.

Das Wegstück von Icking durch den Wald ist inzwischen ausgebaut und befestigt: In den Corona-Jahren waren wohl mangels entfernterer Ausflugsziele so viele Menschen durchgekommen, dass das nötig geworden war. Gesten begegneten wir nur sehr wenigen Wanderern oder Radler*innen, vielleicht haben wir jetzt die Wanderwege im S-Bahnbereich wieder mehr für uns.

Ich hatte mich für kurze Wanderhosen und Ärmel entschieden, das stellte sich als genau richtig heraus.

Schlederloh.

Blick auf die Loisachmündung in Frühlingsfarben, hier verlief das letzte Stück unseres Wegs.

Es wurde bereits an vielen Stellen das erste Heu gemacht (hier im Bild der Kreiselheuer, in meinem Hirn spielten Haindling “Mo mah du”).

Vor Dorfen.

Hinter Dorfen, kurz vor der Abzweigung nach links Richtung Wolfratshausen.

Über Wolfratshausen machten wir um halb drei Brotzeit: Ich aß Apfel und Nussschnecke.

Die Loisach in Wolfratshausen. Diese gingen wir wieder ein Stück entlang, doch an der Stelle, an der wir sie sonst zurück kreuzten, gingen wir Richtung Osten und Pupplinger Au / Isartal. Dieser neue Abschnitt stellte sich als besonders reizvoll heraus.

Der Weg mäanderte schmal durch den Auwald und den Bärlauch, links erzähte das Wasser Geschichten, mal mit Gluckern, mal mit Rauschen. Auf dem Weg sahen wir zweimal kleine Blindschleichen, im Wasser Fische.

An der Floßlände Angermeier kreuzten wir die Isar.

Brückenmadonna von Anton Ferstl. Selbst bei solch einer behutsamen Modernisierung griffen die Bürger*innen 1990 umgehend zu den Mistgabeln: Alles was nicht nach Dorfkirche-mit-Zwiebelturm-Holzschnitzerei aussieht, wird hierzulande erbittert bekämpft. (Allerdings nehme ich sehr an, dass auch ein Matthias Grünewald zu Lebzeiten auf solche Reaktionen stieß und fuchteln musste: “KUNST kommt nicht von ‘gefallen’!”)

Vor solchem Uferabbruch warnten Schilder, sie sind typisch für diese Flusslandschaft.

Auf dieser Isarseite gingen wir zurück Richtung Icking.

Weitere Abwechslung in der Landschaft.

Kurz vorm Ickinger Wehr. Vor Rückenkraulen wird gewarnt.

Aus dem Ickinger Wehr.

In Icking gibt es nur ein Wirtshaus. In dem kehrten wir ein.

Wurstsalat und Schweinsbraten (wenn die Wirtshausküchen halt lieber gleich auf Versuche in Kruste verzichten würden, statt unkaubares Hartleder zu produzieren). Ich hatte wieder keine Lust, auf der Rückfahrt dumpf im Kopf zu sein und trank lieber zwei alkoholfreie Weißbiere (Elektrolyte!).

In München holten wir uns auf dem Heimweg vom Bahnhof Nachtisch bei der Nachbarschafts-Eisdiele. Die Streckenlänge (ca. 16 Kilometer in knapp fünf Stunden mit zwei Pausen) war genau richtig gewesen, weder Herr Kaltmamsell und ich hatten auf den letzten Metern Beschwerden.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 13. Mai 2022 – Abziehende Regenfront, Wochenendfeiern

Samstag, 14. Mai 2022 um 9:09

(Mir fällt auf, dass ich schon lange keine Freitag-der-13.-Witzeleien mehr gehört habe. Müsste ich dafür Privatradio hören, oder ist dieses Kulturgut am Verschwinden /o\?)

Nacht mit Schlafloch, aus dem langsamen Wiedereinschlafen riss mich Transportklappern von draußen. Ich sah aus dem Fenster: Da sammelte ein unmarkierter Kleinlaster E-Roller ein, vermutlich zum Laden – durchaus vorsichtig und offensichtlich auf Lärmvermeidung bedacht, aber ich schlief halt alles andere als tief.

Möglicherweise bin ich der Wurzel meiner nächtlichen Seitwaden- und Zehenkrämpfe auf der Spur: kaputte LWS (im Zweifel ja Erklärung für alles). In dieser Nacht löste ich die Krämpfe nämlich, indem ich auf dem Rücken liegend erst das eine, dann das andere Knie ausdauernd ranzog. Beim nächsten Krampf stand ich auf und beugte mich in forward fold (Yoga-Vorbeuge) mit leicht angewinkelten Knien. Beides half mir, die Muskulatur um die Lendenwirbelsäule zu entspannen, gleichzeitig löste sich der Krampf.

Ein Regenmorgen, den Weg in die Arbeit trat ich in einer Niederschlagspause an, wurde dann aber ein wenig angesprutzt.

Vormittags ein paar satte Schauer – die Spargelpreise müssten in Kombination mit den milden Temperaturen gerade steil sinken.

Mittags gab es eine Portion Hirsebrei vom Vorabend (beim Erkalten weniger fest geworden als erwartet), außerdem Joghurt mit Quark.

Pünktlicher Feierabend: Wochenende! Auf dem Heimweg Vorratseinkäufe im Vollcorner (ich gehöre ja zu den Sortier-Streberinnen, die die Ware in Einpack-Reihenfolge aufs Kassenband legt; diesmal machte mich das so flink, weil ich Herrn Kassierer alles praktisch aus der Hand nahm und direkt verstaute, dass der Kunde vor mir noch nicht mal zur Häfte eingepackt hatte, als ich den Laden verließ) (weiteres Streberinnen-tum: wenn die Ware schlechte packbar ist, z.B. weil viel loses Obst und Gemüse, behalte ich meinen Einkaufskorb, lege alles erst mal dort hinein, und gehe zum Packen ein paar Meter weiter, um den Kassenbereich nicht zu blockieren).

Das Regengebiet war abgezogen.

Zu Hause Einkäufe ausgeräumt, den von Herrn Kaltmamsell gereinigten Balkon mit ihm zusammen eingerichtet.

Ein halbes Stündchen Yoga mit Mady Morrison, inklusive ein paar abgefahrener, anstrengender Haltungen.

Dann hatte ich aber wirklich frei. Als Aperitif reichte Herr Kaltmamsell Moscow Mules an.

Er bereitete ein schönes Stück Entrecôte vom Bison zu, das wir am Dienstag beim Käfer gefunden hatten, der Rest war Ernteanteil: Ich machte die zweite Hälfte Salatkopf und die schönsten Radiserl-Blätter mit Joghurt-Dressing zu Salat, als Beilage zum Fleisch gab es zumdem Blattspinat. Und im Glas einen Württemberger Lemberger.

Das Fleisch war zart und schmeckte ganz hervorragend, Spinat und Salat ebenso köstlich.
Zum Nachtisch Erdbeeren (ERDBEEREN! meine liebste Obstsaison), Schokolade.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 12. Mai 2022 – #12von12

Freitag, 13. Mai 2022 um 6:28

Aufgewacht mit Kreuzzwicken rechts, aber irgendwas ist da ja seit Jahren immer. Bloß dass das diesmal im Büro immer schlimmer wurde, in die Hüfte und den Oberschenkel übergriff, Ibu half nicht.

Aber erst mal mache ich mal wieder bei #12von12 mit, hier das Konzept, hier die Sammlung der Beiträge von gestern.

1 – Morgenkaffeetisch aktuell.

2 – Ein weiterer Sommertag draußen, zunächst mit diesigem Morgen.

3 – Vor dem Aufbruch in die Arbeit.

4 – Das Glyzinienhaus in der Anglerstraße, das mich jeden Tag erfreut. Auf der Tonspur Mauersegler-Schrillen.

Gestern war Fensterputz am Büro – ein ungeschicktes Timing, da die Sonne am ohnehin sehr warmen Tag mein Büro so stark heizte, dass ich wirklich sehr gern gleich frühmorgens die großen Außenjalousien runtergefahren hätte. Aber die waren halt gesperrt. So schwitzte ich zur Abwechslung weder wegen Sport noch wegen Glutattacke, sondern wegen hoher Raumtemperatur, das hatte ich möglicherweise seit Monaten nicht mehr (womit ich übrigens ungeheuer subtil mit meiner sparsamen Heizpolitik angeben möchte).

5 – Sie haben sich sicher schon lange gefragt, wie die mittäglichen Köstlichkeiten, von denen ich unter der Woche schreibe, wohl aussehen. Ein Stück älteres Weißbrot von Dienstag, Hüttenkäse, Orange, Ibu, denn die Schmerzen rechts untenrum wurden tatsächlich richtig unangenehm. (Halfen aber wieder nicht.)

Emsiger und anstrengender Arbeitstag, aber auch der ging zu Ende.

6 – Heimweg über den Bavariapark, dort herrliche Maiendüfte und wundervolles Licht.

7 – Bei der Bavaria selbst sah ich auch vorbei.

8 – Frühlingsfest wird abgebaut.

9 – Daheim erst mal Arbeit: Wer auf dem Balkon sitzen möchte, muss diesen samt Möbeln auch endlich mal herrichten. Bodensäuberung übernimmt Herr Kaltmamsell, ich schrubbte die Möbel mit Bürste und grüner Seife. (Vorher hatte ich mich schnell umgezogen.) Zum Glück hatten sich meine Kreuz-/Hüftschmerzen gelegt.

Abendessen in zwei Gängen: Zunächst gab es grünen Salat (Hälfte des mächtigen Kopfs aus frisch geholtem Ernteanteil mit Knoblauch-Vinaigrette). Dann servierte Herr Kaltmamsell etwas Warmes.

10/11 – Süßer Hirsebrei nach dem Rezept des Gethsemaneklosters Riechenberg, praktisch deren signature dish. Ich mag Hirse sehr gern, das Päckchen Goldhirse im letztwöchtigen Ernteanteil war höchst willkommen gewesen. Statt Sahne (man vergisst gern, dass die klassische Vollwertküche der 1980er ganz schön mächtig war) nahm ich dazu Joghurt. Der Brei schmeckte deutlich anders, als ich ihn erwartet hatte, nämlich ganz anders als Porridge oder Grießbrei, das süße Obst darin machte sich hervorragend, es brauchte nur wenig Honig zusätzlich. Diesen Hirsebrei gibt es sicher nochmal. (Dann vielleicht mit gerösteten Mandelstiften als zusätzlicher Textur.)
Noch ein wenig Schokolade.

12 – Mit Buch ins Bett, draußen grummelte ein Gewitter.

§

Raul Aguayo-Krauthausen macht sich in der Zeit Gedanken über:
“Behinderung und Inklusion im Film:
Geteiltes Licht”.

Unter anderem hat er sich dafür Zahlen der hiesigen Schauspielschulen geholt.

Die wenigen sichtbar behinderten auf Theaterbühnen, auf der Leinwand und dem Bildschirm fallen umso mehr auf. In England hat kürzlich Liz Carr den Laurence Olivier Award als beste Nebendarstellerin erhalten.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/Dn8eqmeDWto

In diesem ausführlichen Interview mit dem Guardian spricht Liz Carr über ihre Karriere – und die zusätzlichen Schwierigkeiten durch Corona.
“‘Everything I do is urgent’: actor Liz Carr on confronting mortality, taking risks – and winning awards”.

In UK ist die Inklusion ja sogar so weit, dass eine behinderte Comedian sich in ihrem Programm über das Empowerment “Du kannst alles werden, was du willst” lustig macht. (Nein, Sie als Nichtbehinderte lassen das mal besser bleiben und sorgen erst für Inklusion und lassen zu diesem Thema Behinderte zu Wort kommen statt deren Angehörige oder Menschen, die mit Behinderten oder zum Thema arbeiten.)

§

Kathrin Passig findet eine Möglichkeit, ihre journalistischen Texte weniger angestaubt klingen zu lassen.
“Wortschatzrenovierung”.

Vor ein paar Monaten habe ich meine Frankfurter-Rundschau-Kolumnen des vergangenen Jahres zwei ungefähr 20-Jährigen gezeigt und sie gebeten, in einem Googledoc alle Wörter einzutragen, die ihnen angestaubt vorkommen. Neue Wörter erkennt man ja ganz leicht, aber die Ausgestorbenheit alter Wörter ist leider unsichtbar, das ist genau wie bei Kleidungsstücken. Ich möchte nicht klingen, als wäre ich selbst 20, aber ich hätte gern so eine Art neutralen Mittelweg. Es stört mich selbst oft bei den Texten von Menschen, die älter sind als ich, dass ich mit dem Inhalt vielleicht einverstanden sein könnte, wenn die Wörter nicht so einen langen Bart hätten.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 11. Mai 2022 – Sommertag von drinnen und draußen

Donnerstag, 12. Mai 2022 um 6:17

Zum Einschlafen hatte ich mein Schlafzimmerfenster schließen müssen: Milde Temperaturen bedeuten Lärm im Park davor. Bei einem Aufwachen nach Mitternacht öffnete ich es wieder.

Bei Weckerklingeln ein echter Sommermorgen. Beleg: Ich hatte wie immer während meiner medizinischen Morgengymnastik die Balkontür im Wohnzimmer geöffnet – und vergaß fast, sie wieder zu schließen, weil von draußen keine Kühle hereinkam.

Nach Balkoncheck ließ ich die Jacke daheim und verließ das Haus in langärmligem T-Shirt und erstmals dieses Jahr mit nackten Beinen!

Zweiter vom Schneider angepasster Sommerrock; Füßlinge in den Schuhen nur für den Weg als Blasenschutz, zog ich im Büro aus.

Diesmel entdeckte ich die Mauersegler überm Westend – erst hörte ich sie, dann hielt ich Ausschau.

Vielfältig geschäftiger Vormittag mit Überraschungen und mit Prozentrechnen: Gesamtnote aus prozentual gewichteten Einzelnoten. Nach kurzem Schämen über mein Unvermögen bat ich den beruflichen Notengewichtungsexperten Herrn Kaltmamsell um Unterstützung, er schickte ein kleines Excel-Maschinchen. Damit machte ich mich auch gleich bei Kolleginnen mit ähnlichen Tätigkeiten beliebt.

Mittags die letzte Scheibe Pumpernickel mit Butter, Apfel, Banane.

Ein Arbeitsnachmittag, der zunehmend turbulent wurde und mir neue Einsichten in menschliche Abgründe verschaffte. (Daneben online einen Mammographie-Termin vereinbart, JAJAJAJAistjagut.)

Nach Hause über Supermarkteinkäufe, hauptsächlich Süßigkeiten. Es war sommerlich warm, in der Sonne sogar heiß. Entsprechend dicht bevölkert war alle Außengastronomie.

Daheim eine Runde Yoga rundum, bevor ich verabredungsgemäß mit Herrn Kaltmamsell aushäusig zum Abendessen spazierte: Ich hatte auf meinen Wegen durch die Innenstadt ein kleines asiatisches Lokal entdeckt, das interessant aussah.

Wir aßen ok, aber nicht wiederholungsnötig. Am besten schmeckte mir der hausgemachte Curcuma-Mango-Eistee.

Asamkirche von hinten in den Asamhöfen.

Nachtisch daheim Schokolade.

§

Maximilian Buddenbohm erlebt im Supermarkt etwas eigentlich wenig Sensationelles. Dennoch sehr Einschneidendes.
“Manchmal passt es zusammen”.

§

Und dann ist da ja auch noch Jemen. Hier eine Bilderstrecke aus dem Guardian, die die derzeitige Waffenruhe für Fotos aus dem entsetzlich von Bürgerkrieg gebeutelten Land nutzt, die zur Abwechlung nicht nur Zerstörung und Leid zeigen.
“Glimmers of hope: Yemen’s rich history endures far from war – in pictures”.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 10. Mai 2022 – Mein erster Einkauf beim Käfer

Mittwoch, 11. Mai 2022 um 6:34

Ich hatte morgens ein wenig mehr Zeit, weil ich zur Terminbewältigung des Tages mit dem Fahrrad unterwegs sein würde. Also sandelte ich ein wenig überm Bloggen, ließ es zu, dass ich mich in der einen oder anderen Richtung festlas.

Weg in die Arbeit durch einen Frühsommermorgen, aber vom Radl aus keine Gelegenheit, am Himmel überm Westend nach Mauerseglern zu suchen.

Im Büro nochmal zwei Blöcke Online-Schulung, diesmal schon nicht mehr so faszinierend, restliche Arbeit dazwischen und darunter geschoben.

Eigentlich hätte ich am Donnerstag meinen nächsten Friseurtermin (ich vereinbare den immer schon beim Besuch, Abstand derzeit gut zwei Monate), doch selbst unfreundliche Betrachtung meines Spiegelbilds ergab: Alles super. Ich verschob den Termin auf Ende Mai, damit es auch wirklich etwas zu schneiden gibt.

Zum Mittagessen Pumpernickel mit Butter, Apfel, Orange.

Draußen entwickelte sich ein Frühsommertag. In diesem stieg ich mitten am Nachmittag aufs Rad in die Innenstadt: Termin bei einer neuen Gynäkologin. Ich war aufgeregt ob der Hoffnung, dass sie mich ernst nehmen, sich mit Wechseljahrhormonen auskennen, mir helfen würde.

Der Blick aus dem Wartezimmer war schon mal nicht schlecht.

Und ja: Diese Frauenärztin machte einen sehr guten Eindruck. Ich verließ die Praxis nach ausführlichem Gespräch mit echtem beiderseitigen Kennenlernen, nach Untersuchung, Blutabnahme zur Hormonbestimmung (und musste wieder auf die Waage, nachdem mir die MTA versicherte, dass mein Gewicht ein notwendiger Parameter bei der Blutanalyse sei) mit Überweisung zur Mammografie (und eindringlicher Anweisung, sie auch einzulösen), einem Termin zur Telefonsprechstunde nächste Woche für die Durchsprache der Blutuntersuchung und mit einem Rezept für ein Gel mit bioidentischen Hormonen. Ich fühlte mich euphorisch: Gute Aussichten!

Das hatte alles länger gedauert als veranschlagt (in diesem Fall ein gutes Zeichen, weil die Ärztin nach einer Bemerkung von mir spontan umgeplant hatte), daheim wartete schon Herr Kaltmamsell auf mich: Wir waren verabredet, um beim Käfer in Bogenhausen für einen sehr großzügigen Gutschein einzukaufen.

Dazu radelten wir durch einen sensationellen sonnigen und warmen Maientag – und in dichten Pulken weiterer Radler*innen, denn wir hatten auf meine Bitte die scenic route entlang der Isar gewählt. Uns pressierte es ja nicht, wir konnten einfach mit dem Radlschwarm schwimmen, die Luft und das herrliche Licht genießen.

Beim Käfer sahen wir uns ausgiebig um, durchstreiften die engen, verwinkelten Gänge des Ladens auf zweieinhalb Ebenen im Altbau in der Prinzregentenstraße (immer den Dallmayr zum Vergleich im Kopf – größter offensichtlicher Unterschied neben Enge und Verwinkelung statt Großzügigkeit: keine Touristen!). Wir kauften Fleisch, Käse, Fisch, Süßigkeiten, Aperitif und fürs gestrige Abendessen Feinkostsalate, Brot und Erdbeeren. Mit all diesen Köstlichkeiten in Rucksack und Fahrradkorb schaukelten wir die Isar entlang nach Hause.

Ich schnippelte die ersten Erdbeeren der Saison (superaromatisch), Herr Kaltmamsell richtete das Nachtmahl an.

Von oben: Geflügelsalat, Pilzsalat (mit riechbarem Trüffelöl), Artischockensalat, Krabbencocktail. Das schmeckte alles sehr, sehr gut. Nach den Erdbeeren passte nicht mehr viel Schokolade hinterher.

§

Kontrastprogramm zum Einkauf beim Käfer (mir ist sehr bewusst, wie reich und privilegiert ich lebe): Ein Artikel in der gestrigen Süddeutschen zum Thema Armut aktuell (mir gefällt u.a., dass hier mal ein Vater im Mittelpunkt steht) als Aufklärung für die Fraktion “Also wenn ICH arm wäre, wäre ich nicht lange arm” (€ – ironischerweise, denn damit können sich die Menschen, um die es in diesem Artikel geht, die Lektüre nicht leisten):
“Fünf Euro, drei Mahlzeiten – und jetzt die Inflation”.

Ende 2013 wird er offiziell erwerbsunfähig. Er bekommt seitdem eine Rente, gerade liegt sie bei 899 Euro. Seine Frau arbeitet in der Pflege, in Teilzeit, mehr geht nicht, der Rücken ist kaputt. Der älteste Sohn verdient als Auszubildender noch etwas dazu. Alles in allem aber reicht das Geld nicht zum Leben, die Familie muss aufstocken, sie bekommt Hartz IV. Knapp gewesen sei es damit immer, sagt Wasilewski, aber in den letzten Monaten habe sich etwas verändert.

(…)

Ein halbes Jahr ist es jetzt her, seit Wasilewski das erste Mal zur Tafel ging. Er ziehe sich dann eine Mütze tief ins Gesicht, sagt er, er will nicht erkannt werden. Seine Söhne wissen nicht, woher das Essen kommt, das bei ihnen zu Hause manchmal auf dem Tisch steht. Seit sechs Monaten macht Wasilewski auch seine Fahrradtouren von Discounter zu Discounter.

(…)

Für Menschen mit etwas mehr Geld mag die Inflation ein abstraktes Konstrukt sein. Für Thomas Wasilewski bedeutet sie, dass die billigsten Haferflocken jetzt nicht mehr 39, sondern 60 Cent kosten. Das Toastbrot nicht mehr 99 Cent, sondern 1,19 Euro. Hamburger, der Dreierpack, nicht mehr 3,49, sondern 4,80 Euro. Wasilewski muss bei den Preisen nicht überlegen. Er hat sie alle im Kopf, und das muss er auch. Der Hartz-IV-Regelsatz sieht pro Person monatlich 155,82 Euro für Essen und alkoholfreie Getränke vor. Das ergibt etwas mehr als fünf Euro am Tag, und es bedeutet, dass er seine Familie von weniger als 30 Euro satt kriegen muss. Das schafft er einfach nicht mehr, sagt er.

(…)

Da ist zum Beispiel die Geschichte mit den Schulbüchern. Vor einiger Zeit sollte er seinen Kindern welche für das laufende Schuljahr kaufen, er legt ein Schreiben auf den Tisch, da steht der Betrag schwarz auf weiß: für 96,94 Euro. Der Hartz-IV-Regelsatz sieht pro Kind für Bildung 1,62 Euro pro Monat vor, für alle drei zusammen also 4,86 Euro. Sie hätten darauf fast zwei Jahre sparen müssen. Am Ende erstritt Wasilewski das Geld vor Gericht. Er sagt: „Wenn es so weit ist, dass die Kinder am Unterricht nicht mehr teilnehmen können, ohne vor Gericht gehen zu müssen – ich glaube, dann ist das Ende der Fahnenstange erreicht.“

die Kaltmamsell

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