Journal Samstag, 18. September 2021 – Geburtstag in Riedenburg mit Falknerei und Altmühltal-Panoramawanderung

Sonntag, 19. September 2021 um 7:25

Recht gut geschlafen, früh aufgestanden zum Bloggen (mühsam, weil wacklige Internet-Verbindung). Herrn Kaltmamsell geherzt, beglückwünscht und beschenkt: Er hatte gestern Geburtstag. Vorm Fenster hing so früh am Morgen noch Nebel.

Es roch draußen ganz besonders, vielleicht habe ich das noch nie gerochen.

Das Frühstück, das sich Herr Kaltmamsell vom Buffet zusammenstellte, sah ausgezeichnet aus: Schinken, Käse und Backwerk kamen ganz offensichtlich nicht aus dem Supermarkt, sondern vom Metzger und Bäcker, auch die Obstauswahl sah beeindruckend aus. Ich blieb mangels Appetit bei einer Tasse Schwarztee (Kaffe gab’s nur in Form von gutem deutschen Filterkaffee), nutzte das stabilere Internet im Frühstücksraum zum Fertigstellen und Posten des Blogeintrags.

Schon um zehn hatte sich der Nebel gelichtet, wir zogen hinauf zur Rosenburg und der dortigen Falknerei.

Blick vom Aufstieg zurück nach Riedenburg, rechts ein typisches Jurahaus.

In der Wirtschaft der Rosenburg gab’s erst mal Cappuccino, jetzt fühlte auch ich mich befrühstückt. Um 11 Uhr die Flugvorführung, auf die ich mich schon sehr gefreut hatte – das letzte Mal, rechnete ich mit Herrn Kaltmamsell, war über 20 Jahre her. Wir saßen direkt an der Wiese, auf der die Falkner standen.

Immer noch war die Vorführung großartig: Erklärungen zur Falknerei, zu den Greifvögeln, alles live illustriert von den vier Falknern mit den Vögeln der Falknerei: Ein Uhu war der erste, dann kamen Falken, Milane, verschiedene Seeadler, schließlich meine Lieblinge, die Geier (vor allem Gänsegeier). Dass die Vögel zum Faustappell sehr niedrig einflogen, wusste ich noch – und tatsächlich musste ich nach einem Einflug des Europäischen Seeadlers erst mal meine Haare richten.

Wir stiegen wieder hinunter nach Riedenburg, auf dem anderen Ufer der Altmühl startete die Panorama-Wanderung, die ich ausgesucht hatte und durch die uns Herr Kaltmamsell navigierte.

Nach einer schönen ersten Stunde einen Waldrand entlang wurde es eine Stunde lang eher langweilig: Wir gingen einen Weg, der eindeutig für Maschinen angelegt war und nicht zum Wandern. Danach wurde es aber wieder schön.

Nach drei Stunden machten wir auf dem Teufelsfelsen Pause.

(Foto: Herr Kaltmamsell)
Hier fand ich eine Schaukel – Schaukeln ist toll!

(Foto: Herr Kaltmamsell)
Und wir bekamen unverhofft eine weitere Flugvorführung. Ich aß gerade einen Apfel, als diese Gruppe um einen Falkner mit einem Bussard auftauchte. Der Falkner erklärte viel, ließ den Vogel mehrfach losfliegen und trainierte ihn mit einem Federspiel.

Schöner Abstieg, immer wieder Aussichtspunkte über die Altmühl und Riedenburg, und wir sahen eine kleine Blindschleiche auf dem Weg.

Das „Schwammerl“.

Für die 17 Kilometer hatten wir gemütliche fünf Stunden gebraucht.

In Riedenburg kaufte ich noch in der Konditorei Pralinen ein, bevor wir uns im Pensionszimmer ein wenig ausruhten.

Fürs Abendessen konnten wir leider nicht wieder das hervorragende Restaurant unserer Unterkunft nutzen: Geschlossene Gesellschaft, eine Hochzeitsgesellschaft belegte das Lokal. Wir gingen statt dessen in ein Wirtshaus am Marktplatz.

Ochsenbackerl für das Geburtstagskind, Ripperl für mich, Riedenburger Bier für uns beide. Zum Nachtisch gab es zurück im Zimmer die örtlichen Pralinen.

Mittlerweile war das Pensions-WLAN ganz abgekackt, ich kam nur noch über einen Hotspot meines Smartphones ins Internet, um den Bogpost vorzubereiten. (Mobilfunk LTE volle Kanne – ein Glück.)

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 17. September 2021 – Wahlhilfeschulung und Ausflug ins Altmühltal

Samstag, 18. September 2021 um 8:39

Gut geschlafen, aber schon um halb sieben aufgewacht.

Ein Lichtblick: Die Zeitung war da!

Ich hatte mir den Tag freigenommen und las nach kurzem Bloggen erst mal die Twitter-Timeline der Nacht nach und die Zeitung. Außerdem hatte ich Zeit für eine ausgiebige und anstrengende Runde Krafttraining.

Eigentlicher Anlass des freien Tages aber war die Wahlhilfeschulung gewesen; es hatte auch Online-Termine gegeben, ich hatte mich dennoch für eine Präsenzschulung Auffrischung für Schriftführende im Wahllokal angemeldet. Vorher packte ich noch meine Tasche für den Ausflug, den ich mit Herrn Kaltmamsell nachmittags antreten würde, nach der Schulung würde es schnell gehen müssen.

Ich radelte unter grauem Himmel raus nach Obersendling, wo in einer schwer zu findenden Etage in einem von zahlreichen Gebäuden eines Industriezentrums ein Konferenzzentrum mit dem Schulungsraum lag. Den Ort kannte ich zum Glück von der letzten Schulung Anfang 2020, ich musste diesmal weniger suchen.

Ausblick aus Schulungsraum.

Wieder war ich sehr beeindruckt von der Vorbereitung des Münchner Wahlamts: Jetzt gibt es auch kleine Filmchen, auf denen Schriftführende zum Beispiel die Bedienung des Wahlkoffers nachschlagen können. Falls Sie Interesse am Schulungsmaterial haben: Hier alles online. Zackig und wohldurchdacht führten eine Trainerin und ein Trainer durch die Infos, unter anderem lernte ich, dass es durchaus Unterschiede zwischen den gesetzlichen Regelungen von Kommunal- und von Bundestagswahl gibt, z.B. bei der Wertung eines Stimmzettels als gültig oder ungültig.

Heimradeln in immer größeren sonnigen Abschnitten, zu Hause stellte ich nur das Rad unter und griff nach meiner Reisetasche: Wir fuhren ins ins Altmühltal, genauer nach Riedenburg.

Ein überfüllter Zug brachte uns bis Ingolstadt Nord, ich aß zwei Äpfel. Von dort nahmen wir den Regionalbus, der uns eine Stunde über die Dörfer nach Riedenburg fuhr. Die Busfahrt entwickelte sich gleich mal zu einem Urlaubserlebnis – von Reisen in entfernte Kontinente bringen Backpacker doch auch immer tolle Geschichten von Fahrten mit Öffentlichen Verkehrsmitteln mit, das liefern auch die auf dem eigenen Kontinent.

Uns fuhr ein eher junger Busfahrer mit Hipsterbart und Trucker-Kappe – den Typus kenne ich aus Stadtbussen gar nicht hinterm Steuer. Er grüßte uns beim Einsteigen herzlich und kam offensichtlich aus der Gegend: Unterwegs grüßte er nämlich alle Naslang Bekannte: In einem Neubaugebiet hinter Kösching war es eine junge Familie vor Einfamilienhaus, die kurz freundlich angehupt wurde und achthändig winkte, später ein Radler neben der Landstraße, auch ein Traktorfahrer auf einem Feld war unter denen, die einen herzlichen Huper bekamen und ebenso herzlich zurückwinkten. Wie in England wurde beim Aussteigen gedankt und gegrüßt.

Wir kamen durch neue Einfamilienhaussiedlungen, deren zahlreiche Baustellen die entschlossene fortschreitende Bodenversiegelung in Oberbayern dokumentierten (Hochwasserschutz? Welcher Hochwasserschutz?), durch den Speckgürtel der Audi-Gegend Ingolstadt, dann aber auch durch alte und durchaus lebendige Dörfer nördlich des Donautals – die mir aus meiner Zeitungszeit vor 30 Jahren noch gut bekannt waren.

Sandersdorf

Die Rosenburg über Riedenburg, eines unserer Ziele am Samstag.

Wir waren zweieinhalb Stunden von Tür zu Tür unterwegs; mit dem Auto wäre das wahrscheinlich höchstens eine Stunde schneller gegangen, da wir erst mal aus der Münchner Stadtmitte raus hätten müssen.

In Riedenburg bezogen wir unser Zimmer und schauten uns dann ein bisschen im Ort um; ich kam auch an der Lokalredaktion vorbei, in der ich während meines Studiums als Urlaubsvertretung gejobbt hatte.

Unsere Unterkunft hatte ich nach dem Restaurant darin ausgesucht: Forsts Landhaus. Wir setzten uns als erste Gäste zum Abendessen, denn wir hatten großen Hunger. Und aßen ausgezeichnet. Als Apertitif nahmen wir Sekt mit hausgemachtem Quittensaft, Gruß aus der Küche war ein wenig Schweinebauch in japanischer Sauce mit Rote-Bete-Salat. Die Wirtin empfahl uns zu unserer Essenswahl einen deutschen Rotwein: einen württemberger Konvent Dürrenzimmern Lemberger-Merlot, den ich blind nie als deutschen Wein eingeordnet hätte und der uns sehr gut schmeckte (kräftig und nelkig).

Meine Vorspeise war Makrele mit Linsen und Avocado-Creme.

Herr Kaltmamsell hatte Pfifferling-Terrine.

Als Hauptspeise hatten wir beide Jura-Lamm ausgesucht, dass mit Zucchini, Pilzen und gebratener Polenta serviert wurde.

Mein Nachtisch: Cassis-Parfait in Schokomarzipan-Mantel.

Herr Kaltmamsell bekam Mango-Mousse mit gebackenen Pfirsichen.

Wir hatten sehr gemütlich über mehrere Stunden gegessen und waren jetzt sehr satt – und froh, dass wir nur zwei Stockwerke bis ins Bett gehen mussten.

§

Schafbäurin Helen Rebanks zeigt ihren Vormittag auf dem Hof (Schafbauer James Rebanks ist auf Lesereise in Norwegen) als Story auf instagram.

So gefallen mir die Stories auf instagram am besten, ein Mix aus Filmchen und Bildern, manchmal erklärende Untertitel. Womit ich leider weiterhin nichts anfangen kann: Minutenlanges Sprechen in die Kamera (ich bin fast nie in einer Situation, in der ich den Ton anmachen kann, und selbst dann gleicht das Podcasts – für die ich nur alle paar Wochen eine Gelegenheit finde), reihenweise Re-Posten der Twitter-, Tiktok- und instagram-Posts von Leuten, denen ich nicht folge (ich nehme an, das hat die Hinweis-Funktion, die früher Blog-Einträge hatten). Das heißt natürlich nicht, dass man die Stories-Funktion nicht so verwenden soll – ich begrüße grundsätzlich, dass alle Web-Funktionen für alles verwendet werden. Es heißt nur, dass ich bedaure, keinen Zugang zu den enthaltenen Informationen zu haben, vor allem zu den in die Kamera geredeten.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 16. September 2021 – Düster und warm

Freitag, 17. September 2021 um 7:19

Kurz vor fünf aus gutem Schlaf gerissen, weil sich vorm Fenster jemand laut aufregte.

Im Düstern in die Arbeit aufgebrochen (wieder keine Zeitung da), noch war keine Herbstkälte über den nassen Straßen in der Luft. Dafür begann es unterwegs wieder zu regnen, doch ich wurde nur etwas feucht.

Mittags zurrte ich den Geburtstagsaussflug übers Wochenende mit Herrn Kaltmamsell ins Altmühltal fest – hier gibt’s zumindest verlässlich gutes Essen.

Mittagessen war ein wenig Linsenpüree, außerdem gab es frische Feigen mit Sahnequark. Dazu hatte ich mir rechtzeitig das Abteilungsexemplar Süddeutsche geschnappt.

Nachmittags in der Arbeit viel Kampf mit Bürokratie, während es draußen immer wieder heftig regnete. Kurzübergabe zu Feierabend, ich habe mir Freitag freigenommen – vor allem für die Wahlhilfeschulung.

Heimweg mit immer wieder ein paar Regentropfen, Abstecher in den Vollcorner. Zu Hause endlich mal wieder eine kleine Yoga-Einheit: Dehnen rundum.

Abendessen war der Ernteanteil-Salat (Kopfsalat, ein paar Tomaten, eine kleine Gurke, Schnittknoblauch) mit Joghurt-Dressing, Nachtisch je eine saftig-frische Feige und reichlich Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

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Mal was einfach Wunderschönes: Ein Haus auf den Kykladen.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 15. September 2021 – Crosstrainer aushäusig

Donnerstag, 16. September 2021 um 6:12

Gute Nacht, ein bisschen zu früh zu Ende.

Der Morgen war zwar bedeckt, aber immer noch mild: Ich zog ohne Jacke los in die Arbeit.

Am Vormittag immer wieder bewusst die ratzekurzen Haare genossen und dass mir nichts mehr in die Stirn hängt.

Mittags kurz raus zum Discounter für Einkäufe (Obst, Brotzeit, Süßigkeiten). Mittagessen waren die Nudeln in gehaltvoller Sauce vom Vorabend. Meine Zeitung war wieder nicht geliefert worden, das Abteilungs-Exemplar hatte sich schon jemand anders geschnappt – dann las ich halt überm Mittagessen zur Abwechslung die FAZ (auch wenn mich der Verzicht auf Lokalnachrichten schmerzte – ich werde beim Süddeutschen-Abonnentenservice ein bisschen böse werden müssen, wenn mir die bezahlte Zeitung über Wochen einfach nicht geliefert wird; reine Meldung der Nichtlieferung hat nicht geholfen).

Nach Feierabend zog ich mich um und marschierte zum Sportverein: Endlich mal wieder ein Stündchen Crosstainer, der heimische ist ja dauerhaft kaputt. Ich schwitzte ordentlich, kam aber nicht zur Ruhe – ich hatte meine Kopfhörer vergessen, die Halle unter den Ausdauergeräten war menschenleer ohne Training, ich konnte meinen Geist nur an den verschiedenen Anzeigen der Trainingsintensität festhalten.

Unter düsterem Himmel ging ich heim, duschte, stellte das Abendessen fertig.

Das Linsenpüree mit Croutons schmeckte gut, aber nicht spanisch (obwohl nach spanischem Rezept aus dem Internet zubereitet). Vielleicht braucht es deutlich mehr Knoblauch und Olivenöl.

Zu heftigem Regen ins Bett.

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Hotel Matze als Youtube-Film: Paartherapie mit Hazel und Thomas, also mit Hazel Brugger und ihrem Mann Thomas Spitzer.

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https://youtu.be/bvN4uOsWUtU

Auch als Podcast wie gewohnt.

Fand ich wirklich spannend. Unter anderem überraschte mich, wie Thomas Hazel beschreibt, nämlich ausgesprochen kompetitiv.
Klasse auch, dass Hazel sich ein wenig in die Karten schauen lässt, wie ihre Comedy funktioniert – was so leichthin und lakonisch wirkt, ist natürlich exakt berechnet und durchgeplant.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 14. September 2021 – Schwindel, aber Haarekurz

Mittwoch, 15. September 2021 um 6:39

Sie sind ja wirklich ganz zauberhaft: Vielen Dank für die Glückwünsche zum Bloggeburtstag!

Guter Nachtschlaf, der allerdings schon vor fünf endete. Jetzt steht auch wieder Herr Kaltmamsell um sechs mit verschwommenen Gesichtszügen in der Tür, gestern begann der Unterricht im Schuljahr 2021/2022. Beim Verlassen der Wohnung nahm er meine Hand: Ob ich ihn vielleicht in die Schule bringen könne? (Diese Situation ist für Lehrerinnen und Lehrer ja doppelt hart.) Mit etwas mehr Vorlauf hätte ich mir freinehmen können, das machen wir beim nächsten ersten Schultag nach Sommerferien.

Ein weiterer schöner Spätsommertag, es war sehr warm und leicht diesig. Ich ging nochmal in Sommerkleid und Sandalen in die Arbeit.

Allerdings fühlte ich mich gar nicht gut: Lange nicht mehr erlittenes Feature Schwindel. Gestern musste ich mich beim Arbeiten im Stehen immer wieder am höhenverstellbaren Schreibtisch festhalten, um nicht umzufallen.

Mittags gab es ein Stück Weißbrot und eine Honigmelone (nach sechs Wochen Nachreifen ganz ok). Nachmittags gesellte sich zum Schwindel eine Kreislauf-Attacke mit Schweißausbruch und Heißhunger, die mich über Honigwaffeln, Duplo und schwarze Schokolade in meiner Notfall-Schublade herfallen ließ. Hätte ich nach der Arbeit nicht den lang ersehnten Friseurtermin gehabt, hätte ich mich krank gemeldet.

So aber eierte ich nach Feierabend zum Stiglmaierplatz (die Schreibweise muss ich übrigens je-des-mal nachschauen) und ließ mir die Haare endlich wieder wirklich kurz schneiden. Gesprächsthema dazu die deutsche Parteienlandschaft: Es war hochinteressant, mal eine ganz andere Einordnung zu hören.

Daheim setzte ich umgehend Linsen auf für das Abendessen am Mittwoch: Puré de lentejas, spanisches Linsenpüree – ich versuche eines der wenigen Gerichte nachzubauen, die bei meiner spanischen Yaya wirklich schmeckten.

Als gestriges Nachtmahl hingegen servierte Herr Kaltmamsell das erste Gericht aus Rachel Roddys An A to Z of Pasta: Conchiglioni stuffed with spinach and ricotta, also große Muschelnudeln gefüllt mit Ricotta und Spinat, im Ofen mit Tomatensauce, Bechamel und vielerlei Käse überbacken.

Schmeckte ganz hervorragend und gehaltvoll, ich aß reichlich davon. Es passte nicht mal mehr Nachtisch dahinter.

Endlich mal wieder ein neues Buch angefangen, im Urlaub war ich vor lauter Rumlaufen, Internetlesen und -schreiben fast nicht zum Bücherlesen gekommen: Kännchen-Bloggerin Vanessa Giese hat beim Insel-Verlag einen Roman über die Luftfahrtpionierin Katharina Paulus veröffentlicht, Die Frau, die den Himmel eroberte; den lud ich mir aufs Lesegerät.

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Aufschlussreiches Interview mit einem Sozialwissenschaftler zur Ideologie der Taliban:
„Adam Baczko: ‚Die Taliban sind keine totalitäre Bewegung'“.

Die Taliban streben eine konservative Revolution an. Für die Sozialisten des zwanzigsten Jahrhunderts ist eine konservative Revolution ein Widerspruch. Aber die Taliban sind der Beweis dafür, dass es möglich ist. Sie reden ständig davon, zu den alten Zeiten zurückzukehren, die alte Ordnung wiederherzustellen, den Eigentümern ihre Rechte zurückzugeben, den Familienvätern die Autorität im Haus wiederzugeben. Es ist ein Diskurs der Rückkehr zu einer afghanischen Geschichte, die durch ausländische Interventionen unterbrochen worden sei. Es geht darum, die große Zerrüttung des Bürgerkriegs zu beseitigen. Dies ist offensichtlich eine erfundene und umgeschriebene Geschichte. Doch hinter dem Wunsch, wieder eine Kontinuität mit der Vergangenheit herzustellen, verbirgt dieser konservative Diskurs etwas Revolutionäres, denn die Taliban sind bereit, die Eliten und das Legitimationssystem in Afghanistan zu stürzen, um ihre mythische Vergangenheit aufleben zu lassen.

Ich fühle mich sehr an die Sehnsüchte in Großbritannien erinnert, die zum Brexit führten.

§

Sie wohnen in/um München und kommen wegen Lieferschwierigkeiten nicht an ein neues Rad? Wir wär’s mit einem gebrauchten neuen Rad? Nächsten Freitag und Samstag ist wieder Radlflohmarkt der Stadt München.

§

Regelmäßig mache ich mich über die gewollt originellen Abkürzungen für Forschungsprojekte lustig. Gestern musste ich aber gestehen: Um die Abkürzung des Zentrums für Brandforschung kommt man praktisch nicht rum.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 13. September 2021 – Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings, 18 Jahre Bloggen

Dienstag, 14. September 2021 um 6:30

Seit Sonntagabend litt ich unter meiner Vergesslichkeit, die mich am Samstag beim Wandern wieder den Moskitos ausgeliefert hatte: Die Dutzende Stiche im Nacken, hinter den Ohren und an den Händen meldeten sich schmerzhaft. Aber sie waren nicht so schlimm, dass sie meinen Nachtschlaf gestört hätten (Fenistil FTW!), ich schlief nochmal gut (gegen den Partylärm mit Live-Band aus dem Nußbaumpark hatte ich allerdings die Fenster schließen müssen).

Das Gucken einer Show, in der die Kanzlerkandidat*innen in einem Fernseh-Studio von TV-Moderator*innen befragt miteinander reden sollen, gehört auch weiterhin nicht zu meiner politischen Meinungsbildung. Ich komme ja schon schwer damit zurecht, wie sich auf Twitter Zuschauer*innen über Fragmente daraus ereifern (und dass dafür das Wort „Triell“ erfunden wurde – obwohl ich selbst ja selbst gerne mal Wörter erfinde, die mir praktischer erscheinen als der Bestand) – manchmal träume ich von einem ausschließlich schriftlich durchzuführenden Wahlkampf.

Milde Temperaturen, am Himmel Sonne und Wolken bei meinem frühen Fußmarsch in die Arbeit.

Mittags Quark mit Pfirsichen und Birne.

Fast pünktlicher Feierabend, denn ich war mit Herr Kaltmamsell fürs Kino verabredet. Auf dem Heimweg Einkäufe im Drogeriemarkt, zu Hause servierte der Herr zum frühen Abendessen ein Blumenkohl-Curry Alu Gobi, nach einem neuen, tomatigeren Rezept, aber auch sehr gut. Zum Nachtisch bestrich ich mir schnell eine Scheibe frisches Weißbrot mit Quittengelee.

Wir radelten durch den Spätsommerabend zum Cinema: Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings. Ich amüsierte mich ausgesprochen gut, endlich mal ein fast durchgehend Asien-stämmiger Cast in einem Marvel-Superheldenfilm. Und ich mochte die Überraschungen gegen die erwarteten Topoi: Der Schurkenvater schaut gut aus und guckt freundlich, der komische Sidekick des Helden, gespielt von der großartigen Awkwafina, ist weiblich – und keine Liebesgeschichte, sondern Freundin. Der selbstreflektive Humor. Die Musikmischung aus asiatischen Versatzstücken und Gangster-Rap. Außerdem freue ich mich immer wieder über Michelle Yeoh, seit sie mich vor 20 Jahren in Crouching Tiger, Hidden Dragon zum ersten Mal verzauberte. Schauspielerisch stiehlt allerdings Ben Kingsley als britischer Schauspieler Trevor allen die Show, meine Güte ist der gut (das hatte er ja schon bei seinem ersten Auftauchen im Marvel-Universum in Iron Man 3 getan). Nach dem gelungenen Black Widow also noch ein guter Superheldenfilm der Phase 4 (wie Fanboy Herr Kaltmamsell die nennt). Ich empfehle die Rezension in der Süddeutschen von Doris Kuhn: „Prügelei im Märchenwald“.

Heimradeln durch eine sternenklare Spätsommernacht.

Ende August wurde dieses Blog 18 Jahre alt, ich erspare Ihnen alle Scherze über Volljährigkeit (ob Sie mir vielleicht sogar die Behauptung glauben würden, dass ich alt genug für Erinnerung an Volljährigkeit mit 21 bin?).

We’ve come a long way. Von den Anfangszeiten mit Besucherzählern und Gästebüchern (nicht bei mir, aber grundsätzlich), mit Runterrechnen aller Bilder, weil die Seite sonst so lange geladen hätte, und Internetzugangszeit doch teuer war. Über all die Jahre, in denen eigentlich nur andere Bloggerinnen und Blogger hier lasen und kommentierten. Der Übergang zu ausschließlich längeren Texten, weil kurze Bemerkungen und reine Link- oder Foto-Posts zu Twitter gewandert waren. Die Veränderung der Bloglandschaft: Erst durch die Professionalierung Einzelner mit PR-Sponsoring (lange vor Erfindung des Begriffs „Influencer“) und durch Unternehmensblogs, dann weil die früheren persönlichen Blogtexte allmählich zu Facebook umzogen, auch weil man dort die Sichtbarkeit für ausgewählte Leser*innen regulieren konnte.

Mein Blog ist ein komplett überholtes Modell, das es noch nie brauchte, das deshalb auch nie Schule machte, ein Relikt aus den Aufbruchzeiten des Web, als es noch Verheißung war und nicht Bedrohung. Ich genieße seine Irrelevanz immer noch als Freiheit und tippe hartnäckig in diese völlig egale Ecke des Internets, damit es wenigstens einen kleinen Garten in den unendlichen Weiten des Webs gibt, in dem die Utopie des „Everybody has a voice“ weiterlebt. Auch wenn die tägliche Bloggerei leicht zwanghafte Züge hat. Dank allen, die hier mitlesen, die sich beteiligen.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 12. September 2021 – Häuslicher Sonntag

Montag, 13. September 2021 um 6:34

Wieder schön lang geschlafen.

Für gestern war strahlender Sonnenschein angekündigt, ich hatte einen weiteren Freibadschwumm mit Sonnen geplant. Doch das Wetter hielt sich wie schon am Samstag nicht an die Vorhersage: Es war überwiegend bewölkt, das zog mich nicht recht raus.

Kastani geht’s heuer nicht gut.

Also Planänderung: Ich legte mal wieder ausführliches Krafttraining daheim ein, mit Hanteln und Reha-Übungen.

Anschließend Körperpflege, Pediküre.

Frühstück um zwei: Brot aus der Gefriere mit Butter und Marmelade, zwei Pfirsiche.

Mild war es aber, ich las die Wochenendzeitung auf dem Balkon.

Es war dann Herr Kaltmamsell, der einen Spaziergang vorschlug (!). Das Wetter war freundlicher geworden, wir gingen über den Alten Südfriedhof zur Isar.

Hier steht eigentlich das Denkmal zur Sendlinger Mordweihnacht, wird wohl gerade restauriert. Der Schmetterling ist aber auch schön.

Von der Wittelsbacherbrücke aus gingen wir die Isar stadteinwärts, das hatte ich schon lang nicht mehr gemacht.

Ob diese Figur an der Reichenbachbrücke wohl „Montag“ heißt?

Müller’sches Volksbad hinter der Baustelle Ludwigsbrücke.

Blick von der Maximiliansbrücke, über die ich sonst nie gehe.

Zurück daheim noch eine Runde Pflicht: Es hatte sich wieder eine gute Stunde Bügelwäsche angesammelt.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Nudeln mit dem Rest Short Ribs vom Freitagabend. Nachtisch ein wenig Eis, Schokolade.

Früh ins Bett weil müde.

die Kaltmamsell

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