Journal Mittwoch, 12. Februar 2020 – Vorkochen und Beifang aus dem Internetz

Donnerstag, 13. Februar 2020 um 6:09

Gestern Morgen brauchte ich nach Yoga mit Adriene kein zusätzliches Dehnen der Hüftmuskulatur: Das war bereits ausführlich Teil des Programms gewesen. Ich erlebte wieder das Phänomen Schürhackl-Sitz zu Beginn / echter Schneidersitz am Ende – und freute mich sehr, dass es eine Asana namens „pigeon“ gibt (was diese Einheit allerdings für tiefe Taubenfeinde wie Herrn Kaltmamsell unmöglich machen könnte).

Mit für mich perfektem Timing sprach Adriene die Frage an: Wenn man allein daheim Yoga macht – wie weiß man, ob man es richtig macht? „You’ll know.“ Fertig.

Es war deutlich kälter geworden, für die Fahrt in die Arbeit trug ich lieber die Ski-Fäustlinge. Über den Tag schneite und schneeregnete es immer wieder, es blieb aber nichts liegen.

Mittags eine Restportion Ribollita vom Vorabend (aufgewärmt), nachmittags eine Orange und zwei Mandarinen.

Auf dem (trockenen) Rückweg noch ein paar Einkäufe im Vollcorner, unter anderem für Donnerstagabend, wenn sich die Leserunde bei uns trifft. Für dieses Treffen machte ich mich daheim erst mal ans Zubereiten großer Teile der Verpflegung: Friedrichshainer Wintersalat (bereits erprobt) und als Nachtisch erstmals Butterscotch Pudding – allerdings traute ich mich nicht, die Milch-Sahne-Ei-Mischung wie im Rezept „köcheln“ zu lassen, weil ich befürchtete, das Ei könnte ausflocken. Ging auch so. Allerdings war es wahrscheinlich eine schlechte Idee, als Whisky den Laphroaig zu nehmen: Das Resteprobiererl zum gestrigen Nachtisch wurde von der Geschmacksnote „schlecht abziehender Kamin“ dominiert.

Abendessen ließen wir kommen: Vegetarische Sushi – war genau das Richtige.

§

Lesen Sie Laurie Penny! Allein schon weil Sie solche Einstiege schreibt:

The screaming twenties have barely drawn breath, and already we’ve been wallowing through the show-trials of white capitalist male supremacy’s largest and most untouchable adult sons: Donald Trump and Harvey Weinstein.

Und ich bin recht sicher, dass die Überschrift des Artikels auch von ihr ist:
„Is Patriarchy Too Big to Fail?“

Schlüsselgedanken:

The greatest threat that liberalism poses to the survival of the species is its relentless strategic assumption that “decent people” in full possession of the facts will do the right thing. Nobody, after all, is more anxious to win the war than those who already know they’ve lost the moral argument.

(…)

The root of the word “privilege” is “private law”—you get to rewrite the rules to suit yourself, or flagrantly ignore them. Where systems of privilege are robust, corruption, abuse, and sexual violence are not aberrations. They are enforcing mechanisms. Trump and Weinstein considered themselves untouchable, were treated as untouchable, and the ability to assault young women with impunity wasn’t just a side perk.

(…)

Doch Penny findet auch einen optimistischen Aspekt:

Even if Trump wins his second term, even if a hundred Harvey Weinsteins walk away from justice, we are not going back to the way it was before, pretending not to see, giving the benefit of the doubt, making excuses for abusers because it’s less frightening to hew to the flimsy belief that these men didn’t know what they were doing than it is to admit, say, that the world’s biggest superpower would rather elect a rapist than a woman.

(…)

Unscrupulous oligarchs who mouth the language of the good old days while setting fire to the future are counting on general nostalgia for a past where women and people of color knew their place, and understood their duties, and understood that our final duty was to bury the evidence of white male shame. They are counting on a general yearning for a time when we understood the duty to hide the bruises, to cover up the corruption, to bury the damage deep in our bodies so powerful men and those who trail in their wake could continue to think of themselves as decent. As innocent.

§

Kiki wundert sich über Schlumpfklamotten. Auf Twitter werden daraufhin Bequemlichkeitsgebräuche ausgetauscht. An mir habe ich, durchaus erstaunt, beobachtet, dass ich nach der Arbeit daheim das starke Bedürfnis spüre, meinen Schmuck abzulegen. Ich trage nicht viel Schmuck, als täglichen Standard eigenlich nur Ohrschmuck, und den spüre ich den ganzen Tag exakt nie. Nur beim Heimkommen ist er plötzlich da und belastet mich: Ich gehe gleich nach dem Schuhausziehen und Einkäufeauspacken zu meinem Schmuckkästchen und lege alles ab.

§

Antje Schrupp hat erkannt, dass hinter ihrem Ansatz sehr wohl eine Ideologie steckt:
„Ich bin eine ideologische Feministin, und das ist auch gut so“.

Wenn mich jemand fragt, wie ich Feminismus definiere, dann antworte ich immer, dass man, um feministisch zu sein, zwei Bedingungen erfüllen muss, (egal ob man ein Mensch, eine Theorie, ein Buch oder ein Projekt ist)

– Erstens: Man muss die Geschlechterdifferenz für eine relevante Analysekategorie halten (also man darf nicht so tun, als wären wir alle schon postgender oder als würde Geschlecht keine oder nur eine nebensächliche Rolle spielen.)

– Zweitens: Man muss die weibliche Freiheit, die Freiheit der Frauen, für einen Zweck an sich halten, der unhintergehbar ist und der nicht zur Diskussion stehen kann.

Und diese zweite Definition ist es, die mich zu einer „ideologischen“ Feministin macht. Zu einer, die nicht nur nach rationalen, vernünftigen Standards vorgeht.

§

Nochmal ein Tanzfilmchen: Jo Roys Choreografie zu Stephen Frys Text „I hate dancing“.

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https://youtu.be/LnqrqRGyFQo

via @stephenfry

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 11. Februar 2020 – Mein erstes mal BtM

Mittwoch, 12. Februar 2020 um 6:13

Nachts war ich von einem heftigen Gewitter geweckt worden, inklusive Regenprasseln und Sturm. Fenster zu, Ohrstöpsel rein. Dann schlief ich weiter so gut wie immer seit der Kortisonspritze in die arthrotisch entzündete Hüfte vor zwei Wochen.

Die gestrige Yoga-Einheit war sehr ruhig, es wurde viel geatmet und wohlgetan. Anschließend noch eine Runde Dehnen rund um die Hüfte.

Der Arbeitsweg auf dem Rad war immer noch sehr windig. Tagsüber immer wieder Schneetreiben, dazwischen Sonne, also lustiges Jalousien hoch und runter, Licht an und aus im Büro.

Vormittags war ich am G’richt: Schöffinneneinsatz. Anfahrt mit Radl stand außer Diskussion, es schneeregnete gerade heftig.

Am Eingang des Gerichtsgebäudes stauten sich die Menschen vor der Personenkontrolle, anscheinend guckten gestern einige Schulklassen Prozesse (gute Idee!). Richterinnen werden allerdings nicht kontrolliert (und Schöffinnen sind Laienrichterinnen, hier wird mir das jedesmal voller Respekt klar), ich musste lediglich Ladung und Personalausweis vorzeigen.

Gestern hatte ich meinen ersten BtMG-Fall (Betäubungsmittelgesetz). Juristinnen wissen schon jetzt, dass es sich um eine erhebliche Menge Drogen gehandelt haben muss, dass das mögliche Strafmaß ein Schöffengericht erforderte. Wieder diente die Verhandlung dazu herauszufinden, was passiert war und wer der Angeklagte war. Der junge Mann hatte nicht nur gestanden, sondern die Polizei sogar zu dem Vorrat geführt, wegen dem verhandelt wurde. In der Urteilsbegründung machte das den Fall minderschwer, ich hoffe sehr, dass der Bursche die Kurve kriegt und das sein letztes Mal auf der Anklagebank war.

Zur Mittagspause (Schmalzbrot wie am Vortag) saß ich schon wieder am Schreibtisch.

Tolle Sache: Beim Heimradeln erwischte ich eine Unwetterpause und blieb trocken – obwohl ich das Zusatzrisiko einging, unterwegs zum Einkaufen im Süpermarket anzuhalten.

Abenbrot aus Herrn Kaltmamsells Hand: Ribollita mit Ernteanteil-Schwarzkohl (Rezept von hier).

Für die nicht endende Flut der aus Ihrer Sicht anscheinend fundierten Expertinnenratschläge zu meinen Gebrechen (aus meiner Sicht sind sie das nicht, sondern lästig, übergriffig und ärgerlich) habe ich mir eine neue Lösung überlegt. Sie widersprechen einander in Ihren Anweisungen ja ständig, so können nicht mal Sie erwarten, dass ich all den Empfehlungen die gewünschte Handlung ableite. Bitte tragen Sie künftig alle weiteren Tipps, Ratschläge und Einschätzungen in dieses Google-Doc ein und diskutieren Sie diese dort kollaborativ aus. In zwei Wochen sehe ich nach, zu welchen Ergebnis Sie gekommen sind. Ich erwarte eine oder mehrere Behandlungsoptionen mit Begründung. Da Sie ja auch bisher weder ärztliche Befunde noch Untersuchungen für Ihre Diagnosen und Empfehlungen benötigt haben – Ärzte und Ärztinnen sind im Gegensatz zu Ihnen offensichtlich lächerliche Anfängerinnen -, selbst meine eigenen Beschreibungen ignorieren, ist das alles sicher auch künftig unnötig. Gesundheitstipps, die weiter hier in den Kommentaren landen, werde ich ab sofort per cut&paste ins Google-Doc übertragen. So hat der nicht unterdrückbare Beratungsdrang ein Ventil, und ich habe meine Ruhe.

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In der New York Times gibt Mary Robinette Kowal einen Überblick über die Leistungen weiblicher Raumfahrerinnen – damit der Nachwelt nicht als einziges Detail hängenbleibt, dass sie weiblich waren:
„Christina Koch Lands on Earth, and Crosses a Threshold for Women in Space“.

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Noch ein bisschen Schönheit: Aus Wim Wenders Pina.

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https://youtu.be/vJpgjsOr6hk

die Kaltmamsell

Journal Montag, 10. Februar 2020 – Umtost von Sabine

Dienstag, 11. Februar 2020 um 6:07

Früher Wecker, um Zeit für eine weitere Runde Yoga mit Adriene zu haben: Gestern wurde nur gedehnt. (Einbeiniges Stehen auf der wehen Hüfte war in einem überraschenden Maß unmöglich – dabei kenne ich diesen stechenden Großschmerz doch vom tägliche Sockenanziehen, selbstverständlich weiterhin hartnäckig im Stehen.)

In den Morgenstunden war der angekündigte Orkan Sabine eingetroffen. Herr Kaltmamsell hatte schon am Vorabend erfahren, dass der Schulunterricht im ganzen Landkreis abgesagt worden war und freute sich auf zusätzliche Zeit, ich wiederum war gespannt, wie groß die Ausfälle im Büro sein würden.

Sicherste und verlässlichste Art des Arbeitswegs wäre bei mir Gehen gewesen – hätte aber in meinem derzeitigen Zustand eine Stunde gedauert. Also halt doch wieder Fahrrad: Ging, nur ein kleines Stück erforderte wegen Gegensturms den kleinsten Gang.

Am Vormittag dann vorm Bürofenster Wolkendrama und auch mal ein richtiger Regensturm, der sich aber bald beruhigte. (Große Verlegenheit ob Ihrer Wiedersehensfreude in den Kommentaren.)

Mittags ein Schmalzbrot aus selbst gebackenem Brot und Entenschmalz vom Sonntagsbraten, nachmittags zwei Blutorangen.

Auf dem Heimweg ein Abstecher in den Teeladen in der Sendlinger Straße: Nachdem am Wochenende eine Teedose leer wurde, sollte sie mit Lapsang Souchong gefüllt werden. Ich wählte aus den drei angebotenen Sorten die mittelintensive. Der Sturm hatte sich ein wenig beruhigt. (Wir kennen hoffentlich alle jemanden, die derzeit die BILD-Schlagzeile „ANGST VOR SABINE“ als WhatsApp-Profilbild nutzt?)

Vor dem Abendessen entspannte ich mich daheim mit einem Martini und dem Vergnügen, auf instagram-Werbung zu antworten.

Die Reste vom Wochenende ergaben zum Nachtmahl ein chinesisches Entengröstl, im Fernsehen lief X-Men 2 (die Coming-out-Szene ist wirklich witzig).

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Schon am Sonntag Deadline von Bov Bjerg ausgelesen. Ziemlich deutlich ein Vorläufer von Serpentinen, deutlich direkter als Auerhaus: Auf der einen Seite stilistisch mit wiederholte Wortwendungen („Slash Rekonstruktion“) und nicht-realistischer Erzähltechnik (hier ständig Synonyme, die der Ich-Erzählerin, von Beruf Übersetzerin, als Übersetzungsmöglichkeiten durch den Kopf gehen). Auf der anderen mit seinem Setting in der schwäbischen Alb, einer kleinbürgerlichen Dorfgemeinschaft, mit Befreiung durch Ausbruch daraus, einem Alkoholikervater, der sich umgebracht hat, dem Friedhof, dem einen Einzelgänger. Aber im Gegensatz zu Serpentinen haben wir hier Schwestern statt Brüder und die Perspektive einer Frau. Erzählt wird die Geschichte dieser mitteljungen Frau, die von ihrem Wohnort, einer Großstadt in den USA, zum Flughafen aufbricht: Sie fliegt in ihren deutschen Herkunftsort zu ihrer Familie.

Ein sehr guter Erstling.

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„Land ohne Ende: Unvollendete Bauten in Italien
Seit zehn Jahren katalogisiert ein Künstlerkollektiv unvollendete Bauten in Italien. Sein Ziel: das ‚incompiuto‘ zum Stil zu deklarieren“.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 9. Februar 2020 – Was in der Pause geschah

Montag, 10. Februar 2020 um 6:03

Bov Bjergs Deadline von einem Leser geschenkt bekommen. Rührung, Überwältigung und Dankbarkeit.

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Ein Tag mit Komplettüberforderung, Elend und Siechtum, den ich mit mittäglicher Krankmeldung abbrach, um heimzufahren und mich ins Bett zu legen. Wenn sich der Anblick von Zeitungsschlagzeilen so unerträglich anfühlt wie ein Martinshorn im Tunnel direkt neben mir.

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An den Kammerspielen Die Räuberinnen gesehen.

Ausverkaufte Vorstellung (Publikum in der üblichen Zusammensetzung aus hauptsächlich älteren und alten Menschen). Ich hatte vorher wieder nichts über die Inszenierung gelesen, fand keinen Ansatz, was das alles sollte, hatte aber eine mords Gaudi – das gesamte Publikum noch viel mehr. Zwar ahnte ich, dass ein großer Teil improvisiert war (diesem Eindruck habe ich ja zu misstrauen gelernt, da herausragende Schauspielerinnen auch Improvisation überzeugend spielen können), doch erst das Hinterherlesen des Programmhefts verschaffte mir Gewissheit. Das Publikum wurde von Anfang an angesprochen und einbezogen (auch das kann ja inszeniert sein – Bernd Noack schreibt im Spiegel von „vorgegaukelter Improvisation“), es ging von Anfang an fröhlich und begeistert mit. Unter anderem nahm uns Gro Swantje Kohlhof auf eine „Traumreise“ („Sind Waldorfschüler im Publikum?“) in einen Wald, das Publikum sorgte selbsttätig für Tierstimmen, so dass Kohlhof ganze Schwärme Käuzchen einbaute (ein besonders penetrantes musste sie dann aber doch zum Schweigen bringen, „Ruhe im Wald!“), außerdem 700 Rehe. Klar, es sind Schauspielerinnen – aber ich hatte dann doch den Eindruck, dass auch sie eine Gaudi hatten.

Nachträglich stufe ich das ganze als eine Improvisation über Schillers Räuber ein, die nicht mal zu einer Deutung kommen möchte, sondern frei assoziiert.

Manche finden das fürchterlich:
„Mädelsabend in der Schulschwimmhalle“.
„Party ohne Schiller“.

Manche super:
„Leonie Böhm macht aus den ‚Räubern‘ von Schiller ‚Die Räuberinnen'“.
„Spiellust und vollkommene Befreiung“.

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Körperliches:

Eine leichte Erkältung und eine heftige Menstruation mit – neuestes Feature – zwei Tagen Krämpfen, die mich zudem eine sonntägliche Schwimmrunde kostete, weil ich auch an Tag 6 noch so stark blutete, dass ich mich nicht ins Schwimmbad traute.

Viel Nachdenken über ein künstliches Hüftgelenk. Jedes seriöse Rechercheergebnis nach dem idealen Zeitpunkt für die Operation ergibt in diesen oder anderen Worten: Das kann nur die Patientin beurteilen. Ruheschmerz bin ich derzeit durch die Spritze los, doch Gehen funktioniert nach einer Woche mit stetiger Besserung jetzt wieder nur unter Schmerzen bei jedem Schritt – ich war auf meinem gestrigen Sonntagsspaziergang im Tempo einer nicht besonders rüstigen 90-jährigen unterwegs. Viel hadernde Grübelei, die ich leider nicht abstellen kann (aber auf dem Röntgenbild haben zwei Dr. Orths nicht mal eine Arthrose gesehen! vs. soll ich ernsthaft erst mal durchgehend Ibu nehmen und zu Krücken greifen, bevor ich reif für die OP bin? vs. jetzt zehre ich noch von meiner Fitness und Beweglichkeit aus vielen Jahren Sport, nach ein paar Jahren Sportunfähigkeit ist davon nichts mehr übrig und die postoperative Reha wird viel schwieriger vs. das ist aber fei schon ein ganz schon brutaler Eingriff vs. all die Ausweichbewegungen, die ich mir jetzt angewöhne – also das Hinken, könnten Folgeschäden verursachen). Dabei habe ich doch in zwei Wochen den nächsten Orthopädentermin, bei dem ich die nächsten Schritte diskutieren kann. (Wenn sich der Arzt dafür Zeit nimmt.) (Ach MIST!)

§

Yoga mit Adriene entdeckt, auf Empfehlung gefühlt meines gesamten weiblichen Internets mit und ohne Hang zu Bewegung.

Und tatsächlich kriegt mich das zum ersten Mal Yoga-mäßig, also nicht nur die sportliche Seite: Alle paar Morgen gehört zu Adrienes kontinuierlichen Anweisungen und Hinweisen ein freundliches „trust me“ oder „I got your back“ – was ich so ernst nahm, dass es mich zu Tränen rührte. Nachdem ich mich bei einer Yoga lehrenden Bekannten erkundigt hatte, wie wichtig die Präszision von Haltung und Bewegung bei Yoga ist und erfahren hatte, dass eine gute Vorturnerin immer darauf hinweist, wenn sie wichtig ist. Dass mich die Ansage immer zum Fokus einer Bewegung leitet.

Gekriegt hat mich dieses Yoga überhaupt durch seine Freundlichkeit und Unverbissenheit: „Move like you love your body“ und „Stand up tall, like you love yourself“ sind halt zugänglicher als „Love your body“ oder „Love yourself“, was mir deutlich zu enorme Aufgaben wären. Zudem ist mir Adriene ungemein sympathisch (sie bringt es fertig, dass ich ihren Dank für meine Zeit und meine Energie ernst nehme, dass ich ihr glaube, wenn sie das als Geschenk bezeichet), außerdem hat ihr Yoga-Programm eine unschlagbare USP: Benji, den Hund. Er taucht immer wieder auf, oder liegt rum, bekommt einen kurzen Zwischenstreichler oder ein freundliches Wort – was dem ganzen Programm eine entspannte Note gibt, die anders nur schwer zu erreichen wäre.

Bislang schönster Moment war an Tag 5: Meine rechte Hüfte lässt mich ja nicht wirklich schneidersitzen, das rechte Bein liegt eher Schürhackl-artig vor dem angemessen angewinkelten linken. So auch am Anfang der 30-Minuten-Einheit an diesem Morgen. Sie endete in derselben Position – und ich sah mich in echtem Schneidersitz, auch das rechte Bein machte mit. Irgendwas hatte dieses Yoga bewirkt.

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https://www.youtube.com/playlist?list=PLui6Eyny-UzzFFfpiil94CUrWKVMaqmkm

§

Fotos aus der Pause:

Schöne Überschrift.

Das Pissoir in der Isarvorstadt hat endlich einen neuen Zweck: Erinnerungsort für drei Gast-Isarvorstädter.

Die drei amtlichen Frühlingsboten Schneeglöckchen, Krokanten, Winterlinge gestern im Alten Südfriedhof und am Westermühlbach.

§

Die Pause hat nicht gereicht, dass ich mir endlich NetflixAmazonAppleTV geholt hätte und dann doch HandmaidsTaleGoodOmensPicard angesehen hätte.

die Kaltmamsell

Pause

Samstag, 1. Februar 2020 um 12:51

Kein Grund zur Sorge.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 29. Januar 2020 – Das neue Taklamakan

Donnerstag, 30. Januar 2020 um 6:41

15 Minuten Frühsport: Kräftigung mit Halteübungen, dann wieder Hüfte dehnen. Ich spiele mit dem Gedanken, mich an Pilates zu versuchen; das müsste eigentlich genau die Art Kräftigung und Dehnen abdecken, die mir ärztlich geraten wurden.

Andererseits hatte ich gestern tagsüber wieder mehr Schmerzen (das Ibu-Geballere ist seit Montagabend beendet) (aber immr noch kein Vegleich zu vor Spritze) und bin verunsichert, wie das mit meinem Frühsport zusammenhängen mag.

Arbeitsweg per Fahrrad, weil ich es für Besorgungen auf dem Rückweg brauchte.

Nicht nur lustig geht immer vor hübsch, sondern manchmal auch warm und sicher.

In der Arbeit aktualisierte ich mein selbst erfundenes Dokument „Wichtige Orga“, an dessen Existenz ich möglichst viele Kollegen und Kolleginnen regelmäßig erinnere: Sollte mich der Laster überfahren, stehen dort die wichtigsten Informationen zu meinen Zuständigkeiten. Um den truck factor niedrighoch zu halten.

Das Wetter war gestern rechtschaffen greislich, es windete und regnete, immer wieder sah ich Schneeflocken.

Heimweg in einer Niederschlagpause. Ich machte mich auf die Jagd nach Bitterorangen: Herr Kaltmamsell will dringend die jährliche Runde Orangemarmelade kochen, bekam aber in den vergangenen Tagen nirgends die dazu nötigen Pomeranzen. Ich radelte erst zum Vollcorner – keine Bitterorangen. Fündig wurde ich beim Süpermarket Verdi, wo ich der vertrauten Händlerin an der Kasse vorjubelte, wie glücklich sie mich gemacht habe.

Unser Ernteanteil war weggegessen, wir hatten das Abendessen also frei. Das nutzten wir, um das neue Taklamakan am Isartor auszuprobieren. Bis vergangenen Sommer war das ja unser Geheimtipp am Hauptbahnhof gewesen: Ein sehr einfaches Schnellrestaurant, aber mit außergewöhnlicher Küche, nämlich uigurischer (hier, hier und hier Eindrücke vergangener Besuche). In München lebt die größte uigurische Exil-Community weltweit (man dürfte also behaupten, dass uigurisches Essen typisch münchnerisch ist), und dort bekam man die typischen frischen Nudeln Laghman und die Gerichte, deren Aromen Orientalisches mit Chinesischem verbinden.

Jetzt ist das Taklamakan ein schönes und geschmackvoll eingerichtetes echtes Restaurant auf der Ostseite des Isartorplatzes. Auf der Speisenkarte viele bekannte Gerichte, doch natürlich ist das Flair ein komplett anderes. Lokal und Personal erzeugten in mir die Vision, dass jemand die Köchinnen des alten Taklamakan shanghait haben könnte und um sie herum ein völlig neues Konzept gebaut. Wir aßen sehr gut, aber es wird noch eine Weile dauern, bis die Erinnerungen an den originellen und einzigartigen Vorläufer verblassen.

Geprügelte Gurke mit Koriander, Sesamöl und Knoblauch.

Gewickeltes, gedämpftes Hefebrötchen.

Din Din, Nudelabschnitte mit Gemüse und Rindfleisch.

Tohu Kordak (Dapanjie), also karamelisiertes Hühnchen mit flachen Nudeln.

Ins Bett mit Ohrstöpseln, weil über uns laut (und angekündigt) Geburtstag gefeiert wurde.

§

Über dieses spektakuläre Schwimmbild aus Brighton von lomokev stieß ich auf den instagram-Account der abgebildeten (offensichtlich komplett schmerzfreien – siehe Profilbild) Schwimmerin: @melodietyrer.
Das Interessante: Sie sammelt beim Schwimmen immer Müll – und fotografiert ihn. Ohnehin nimmt sie das mit der Müllvermeidung sehr ernst und gibt auch Tipps.

§

Anlässlich des gestern im EU-Parlament beschlossenen Austrittsvertrags mehr Bilder aus UK: Gestern gab’s auf Twitter wieder ganz wundervolle vom Schafhirten James Rebanks.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 28. Januar 2020 – Beifang aus dem Internetz

Mittwoch, 29. Januar 2020 um 6:45

Morgens eine Runde Dehnen für die Hüfte – und auch mal wieder für den ewig Verspannungs-bedrohten Schultergürtel.

Mit dem Rad durch angenehme Luft in die Arbeit; der Tag war düster, es regnete immer wieder ein wenig.

Mittags eine rote Paprika (ich weiß, aber sie waren am Montag im Biosupermarkt auch noch im Angebot!) und ein Stück Käse, nachmittags zwei Orangen mit Quark. Wenn beim Orangenschälen die Fingerkuppen brennen, hat man die Nägel vielleich doch einen Tick zu kurz geschnitten.

Das Arbeitstag wurde länger als geplant, weil doch noch jemand etwas von mir brauchte.

Daheim servierte Herr Kaltmamsell die Reste des Ernteanteils: Karotten, Kohlrabi, Lauch, gewürzt und gekocht. Dazu machte er eine Socca: Fladen aus Kichererbsenmehl aus dem Ofen. Nachtisch Vanilleeis mit Eierlikör.

Sehr früh ins Bett, ich war elendiglich müde.

§

Die Süddeutsche hat zum Stand des Schöffenamts recherchiert. Auch ich hatte vor Jahren mitbekommen, dass rechte Kräfte zur Besetzung dieser Ehrenämter mit Schlüsselfunktion aufgerufen hätten und weiß, dass die formalen Voraussetzungen für eine Bewerbung sehr gering sind. Deshalb beantwortet der Artikel viele Fragen, die ich mir seither stellte und schildert tatsächliche Vorfälle:
„Wie sich Gerichte gegen rechte Schöffen wehren können“.

§

In UK zeigt BBC Two eine neue Doku-Serie mit Mary Beard: Shock of the Nude. Darin bietet die Altphilologin und Historkerin nach all den Jahrhunderten des male gaze eine weibliche Perspektive an. Der Guardian hat mit Beard gesprochen:
„From fig leaves to pinups: Mary Beard on the evolution of the nude“.

Sehr schön allein schon im Englischen die unterscheidenden Bezeichnungen naked und nude. Aber bitter, wie Mary Beard inzwischen Beschimpfungen auf Twitter bereits vorweg nimmt.

§

Weil die Brutalität in Serpentinen in mir weiter nachhallt (hier ein Gespräch des BR mit Bov Bjerg): Anlässlich des Mordes an einer Familie in Baden-Württemberg mutmaßlich durch ein 26-jähriges Familienmitglied spricht die Süddeutsche mit dem Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer, über Gewalt in der Familie.
„Morde an Verwandten:
‚Es gab fast immer massive Gewalt'“.

Wir haben in Deutschland einen drastischen Rückgang von vollendeten Morden. Seit der Wiedervereinigung sind diese Taten um 63 Prozent zurückgegangen. Seit den fünfziger Jahren ist zugleich das massive Verprügeln von Kindern von 20 Prozent auf vier Prozent gesunken. Menschen, die in ihrer Familie ständig geschlagen wurden, werden im Schnitt sechsmal so oft mehrfache Gewalttäter wie diejenigen, die gewaltfrei und liebevoll erzogen wurden.

§

Aus Anlass wies mich eine Twitterin auf einen Artikel von 2018 hin. Gunter Dueck (der auf solche Analysen spezialisiert ist) schildert den bis heute üblichen Führungsstil in Unternehmen:
„Unfähig & Unwillig? Prügeln! Fähig & Willig? Stark prügeln!“

Die Ausgangssituation, die Dueck darin durchspielt, entlarvt allerdings die eigentliche Ursache dieser Mechanismen:

Nun kommt ein Befehl von oben: „Die Umsatzziele für dieses Quartal werden um zehn Prozent angehoben, damit ein Projektfehlschlag an anderer Stelle kompensiert werden kann.“

Solange immer wieder diese Art fataler Befehle von oben kommen (weil: Shareholder Value, weil: Kapitalismus, weil: Diktator mit miesem Charakter an der Unternehmensspitze), wird sich daran nichts ändern.

die Kaltmamsell

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