Journal Freitag, 27. März 2026 – Wochenausklang mit Aprilwetter

Samstag, 28. März 2026 um 8:26

Sehr gut geschlafen, hätte aber trotz zeitigem Lichtaus länger als bis Weckerklingeln sein dürfen.

Das Draußen trocken, doch der Weg in die Arbeit bitter kalt; ich hatte mit dem Griff zum Wintermantel richtig gelegen, darunter trug ich nochmal ein winterliches Wollkleid. In der Luft vereinzelte Schneeflocken. (Ist ja auch erst März!)

In den ersten Job am Schreibtisch war ich gleich mal so vertieft, dass meine erste große Tasse Tee abkühlte.

Gestern hatten wir sehr laute Handwerker im Haus – laut wirklich die Handwerker, ihr Rufen/Gespräch hallte nahezu pausenlos durchs Atrium, an dem mein Büro liegt; das eigentliche Handwerk hörte man am eher dezentem Klopfen, Akkuschrauber-Surren, Ratschenratschen.

Ich wagte mich auf einen Mittagscappuccino raus, bekam lediglich auf dem Rückweg ein paar Schneeflocken ab.
Der Minimal-Schneefall hielt noch eine ganze Weile an.

Dazwischen aber immer wieder Sonne, der April übte schonmal.

Zu Mittag gab es eine Birne sowie Hüttenkäse mit Leinsamenschrot. Langsam ist selbst mir mit meinen appetitarmen Arbeitstagen nach Abwechslung, ich sollte mir wieder mal angemachtes Gemüse zur Brotzeit mitnehmen.

Superpünktlicher Feierabend, weil ich wirklich durch war. Ich nahm U-Bahnen zum Candidplatz, um zur Kraemer’schen Kunstmühle zu spazieren und im Caffe Fausto Espresso einzukaufen – ich mag diesen Ort. Von dort setzte ich mich in einen Bus Richtung Viktualienmarkt: Auf der Suche nach Spumante von Ferrari hatte ich einen Hinweis auf Eataly entdeckt. Allerdings führten die nur Spezialausgaben dieser Kellerei im Trentinto und nicht den Brot-und-Butter-Spumante. Wenn ich schonmal bei Eataly war – entdeckte ich, dass es auch den früher großen Bereich mit Venchi-Schokolade nicht mehr gibt.

Daheim eine Folge Yoga mit Adriene, bevor ernsthaft ins Wochenende gerutscht wurde. Als Aperitif wünschte ich mir seit Tagen Calvados-Tonic, nachmittags hatte Herr Kaltmamsell (der gestern auch in die Osterferien rutschte) Käse-Crispy-Chilli-Kekse gebacken (Rezept aus geheimer Quelle): Hervorragend.

Als Nachtmahl gab es Kuh auf Wiese:

Sehr gutes Entrecôte mit wunderbarem Ernteanteil-Spinat, dazu öffnete ich eine Flasche Weißwein aus der Pfalz: Pflüger Vom Lebensturm, eine Cuvée 75% Riesling, 25% Gewürztraminer, letzterer dominierte überraschenderweise. Nachtisch Schokolade – die Kiste lichtet sich besorgniserregend, es braucht Nachschub noch vor Ostern.

Im Bett neue Lektüre: Siri Hustvedt, The Summer Without Men.

§

Vanessa schildert eine Anmache am Bahnhof und wie sie der Angemachten zur Seite stand. (In solchen Fällen können das nur wir Frauen.)

Ich wurde beim Lesen mal wieder sturzwütend: WIE KANN IRGENDJEMAND ANNEHMEN, DASS DIESE ANMACHE ANGEBRACHT SEIN KÖNNTE?!
mAN DarF jA NIcHt mAL MEhR KOmPliMEnTe mACheN?!
Eine Frau steht wartend in der Öffentlichkeit rum. Sie möchten Kontakt aufnehmen? Wie würden Sie das bei einem ganz normalen Menschen tun? Vermutlich mit Danebenstellen, irgendwann seufzen und eine Bemerkung machen in Richtung “Dauert heute aber wieder lang…” An der Reaktion sehen Sie dann schon, ob der Kontakt erwünscht wird.
ABER MIT DER BEMERKUNG, SIE SEI SEXY??!! WIE KOMPLETT HIRNVERBRANNT UND ENTKOPPELT VON ALLEM MENSCHLICHEN MUSS EIN MANN DAFÜR SEIN?!
Das ist keine Kontaktaufnahme, sondern Grenzüberschreitung und Bedrohung, eine reine, brutale Machtgeste, einfach weil er kann.
iST DOcH niX PAssIeRt?!
In einer Welt, in der viele Frauen jederzeit auf solche Bedrohung gefasst sein müssen, können sie sich nie unbefangen bewegen.

(Zur Erleichterung schildert Vanessa in diesem Blogpost auch eine herzerwärmende Begegnung.)

§

Eine Folge Maithink X über Long Covid und ME / CFS, die auch von Betroffenen empfohlen wird:
“Long Covid & ME/CFS – Blackbox der Pandemie”.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 26. März 2026 – Schnee und Graupel, sonst halt Arbeit

Freitag, 27. März 2026 um 6:13

Tief geschlafen bis kurz nach vier, dann nicht mehr so recht. Müde aufgestanden.

Als es deutlicher dämmerte, meinte Herr Kaltmamsell: “Oh, heute fahre ich wohl nicht mit dem Rad” und deutete nach draußen – wo gerade ein energischer Graupelschauer niederging.

Selbst hatte ich Glück: Ich kam trocken in die Arbeit.

Dort hielt mich der derzeit bei mir liegende wechselnde Jour-Dienst in Aufregung (subjektiv) und Bewegung. So endete eine Riesenwelle aber auch mit “ah, war wohl einfach eine Fehlinformation”.

Immer wieder Schnee- und Graupelschauer, das und die Kälte nahmen mir die Lust auf Marsch zum Mittagscappuccino: Ich holte mir einen in der hauseigenen Cafeteria und huschte raus nur schnell in einer Niederschlagpause zum Briefkasten.

Frickelige Arbeit, dazwischen gab es zu Mittag eine Birne sowie eingeweichtes Muesli mit Joghurt.

FAST hätte ich die flauschige Strickjacke gekauft, um die ich seit Monaten schleiche – eine Werbeeinblendung hatte sie im richtigen Moment in Erinnerung gerufen. Also mich am Handy durch den Einkaufsprozess gefrickelt: Jacke in den Warenkorb gelegt, ein Kundenkonto mit Passwort eingerichtet (gab es nicht mal eine EU-Vorgabe, dass Online-Einkauf auch ohne ermöglicht werden muss, über einen Gast-Zugang?), dabei darauf geachtet, die Newsletter-Sendeberechtigung auszustellen, als Lieferart Sendung an einen Paketshop gewählt (die sicherere Option bei Versendern, die eh nie klingeln oder weisungsgemäß vor die Tür legen), passenden Paketshop gesucht, mich ans Bezahlen gemacht – doch dann rödelte das Verarbeitungsrädchen im letzten Schritt Minute um Minute und kam zu keinem Abschluss. Ich nahm das als Zeichen, den Kauf doch bleiben zu lassen. So hatte ich mir die Online-Zukunft nicht vorgestellt.

Sehr emsiger Arbeitsnachmittag, während das Wetter lustig rumaprilte. In Konzentrationslücken Kinokarten gekauft (ich hoffe, dass ich über den Brillen-Unrealismus hinwegsehen kann, ich weiß, dass mich Musikinstrument-Blödsinn immer komplett rausreißt – wie viel Zeit kann es kosten jemandem zu zeigen, wie eine Geige/Querflöte/Oboe korrekt gehalten wird, man muss sie ja nicht mal spielen können dafür!), nochmal einen Strickjacken-Anlauf genommen, weil mir einfiel, dass ich mittlerweile sogar faktisch einen Ersatz für den gammligen Fetzen brauche, der mir daheim als Strickjacke dient – Erfolg!

Ich kam später aus dem Büro als geplant, erwischte dadurch aber wieder eine Niederschlagpause. Einkäufe beim Vollcorner, zu Hause Yoga (eine Folge 6), Beineenthaaren (merken: dauert länger als gedacht).

Mein Beitrag zum Nachtmahl war das Anmachen des Ernteanteil-Pflücksalats mit Tahini-Dressing, Herr Kaltmamsell briet dazu Bratkartoffeln (in ausgelassenem Jamón-Fett) und Spiegeleier.

Gutes, anständiges Abendessen. Nachtisch Schokolade. Früh ins Bett zum Auslesen des Roman-Manuskripts.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 25. März 2026 – Wetterumschwung weg vom Frühling, kluge Überlegungen zu sexualisierter Gewalt

Donnerstag, 26. März 2026 um 6:22

Eigentlich gut geschlafen, kurz vor Wecken aber im Traum noch sehr geweint und deshalb traurig aufgewacht: Ich war beim Wandern im Voralpenland an einem jüdischen Friedhof irgendwo auf einem Hügel vorbeigekommen und hatte mich gewundert, dass es ausgerechnet hier einen gab – bis mir einfiel, dass ich von einem Massaker an Juden hier in der Gegend im Zweiten Weltkrieg gelesen hatte. Da setzte ich mich im Traum auf einen Stein und weinte.

Doch gleich nach dem Aufstehen erheiterte mich Herr Kaltmamsell mit dem Bericht, was er eben geträumt hatte (dass er erzählbar träumt, kommt sehr selten vor): Er habe ein Galloway-Kälbchen geschenkt bekommen, “schon sehr niedlich, aber ich dachte mir sofort, oh je, was wird Inés dazu sagen”.

Ich bekam nochmal einen sonnigen Arbeitsweg in lediglich kühler Luft, alle Vorhersagen lauten ab Donnerstag auf eisige Temperaturen, die App zeigt sogar Sternchen an. Vorher begrüßten mich am Bavariapark aber die ordnungsgemäßen präpascualen1 Schlüsselblumen.

Am Arbeitsplatz sofort Überfälle per Telefon und im E-Mail-Postfach, ich startete mir Wirbeln. Nur bei Bedarf an Hochkonzentration irritierte mich der auch gestern überraschend große Trubel, ich behalf mich vorerst mit Ohrenzuhalten.

Bis Zeit für Mittagscappuccino war, hatte ich das Eiligste durch, ich ging raus ins Westend. Hier erwischte ich die letzten Sonnenstrahlen des Tages und ein wenig Milde, bevor der Himmel energisch zuzog und die Temperaturen sanken.

Zu Mittag gab es später Hüttenkäse mit Leinsamenschrot und zwei Bananen.

Den Nachmittag verbrachte ich tief in einer Adressdatenbank. Gegen halb vier setzte Regen ein, ab vier peitschte er in einer Wucht gegen das Bürofenster, als sei das ein Wettbewerb.

Zum Glück hatte sich das Wetter zu meinem Feierabend beruhigt, ich kam sogar trocken nach Hause, den geschlossenen Regenschirm in der Hand. Aber scheißkalt war es geworden. Daheim nach Aufdrehen der Heizung Häuslichkeiten, dann ging ich zum Bahnhof, um Herrn Kaltmamsell von einem Freundesbesuch abzuholen: Wir wollten aushäusig zu Abend essen. Auf meinen Wunsch wurde es das nahe gelegene Lokal für Baukastensuppen Slurp, denn bei der Kälte wollte ich nicht weit gehen.

Ich hatte Ente, Weizeneiernudeln, scharfe Brühe, Herr Kaltmamsell eine Suppe mit Rindfleisch. Gut und reichlich.

Nachtisch gab es nach Marsch durch die Kälte daheim: Schokolade. Früh ins Bett zum Lesen.

§

Es gibt seit Tagen viele Statements zu den Enthüllungen von Collien Fernandes, die meisten habe ich nicht gelesen im Sinne von: nicht an mich herangelassen. Doch Jasmin Schreibers Überlegungen zu einigen Aspekten finde ich lesenwert:
“Die Schuldvermutung”.

Es gibt einen Moment, den viele Frauen kennen, die Opfer geworden sind: Die Tat liegt hinter ihnen, wenngleich man das von den Auswirkungen noch nicht sagen kann. Die Entscheidung, ob sie sprechen, liegt jetzt jedoch vor ihnen. Gerade haben wir durch eine SPIEGEL-Recherche erfahren, dass Collien Fernandes sich entschieden hat, endlich zu sprechen.

Voraus ging vermutlich auch bei ihr eine Gedankenspirale, die nichts mit dem zu tun hat, was ihr passiert ist, und alles damit, was ihr noch passieren könnte. Wir wissen: Wenn man über Dinge spricht, kann das helfen, sie zu verarbeiten. Doch wie spricht man darüber, Opfer beispielsweise sexueller oder häuslicher Gewalt geworden zu sein? Denn diese Frauen müssen sich fragen, ob ihre Aussage juristisch haltbar ist. Ob sie glaubwürdig klingen werden. Ob ihre Vergangenheit gegen sie verwendet werden kann. Ob sie sich eine:n Anwält:in leisten können. Ob ihr Arbeitgeber sie danach anders behandelt. Ob ihre Familie das aushält. Ob sie selbst das aushält.

Schreiber relativiert angemessen Hinweise, auch Männer würden Opfer sexualisierter Gewalt – was korrekt und schlimm ist, aber.

Ich halte an dieser Stelle mal fest, was eigentlich offensichtlich ist, aber trotzdem jedes Mal ausgesprochen werden muss, da das viele zu vergessen scheinen:

Es gibt kein weibliches Pendant zu diesen Netzwerken.

Es gibt keine Telegram-Gruppen, in denen Zehntausende Frauen besprechen, wie sie ihre Ehemänner narkotisieren und vergewaltigen.

Es gibt keine Plattformen, auf denen Frauen einander die Körper ihrer Männer zur Benutzung anbieten.

Es gibt keine riesigen Kinderporno-Netzwerke, die ausgehoben werden und bei denen sich rausstellt, dass fast alle Mitglieder Frauen, viele davon Mütter und Großmütter sind.

Schreiber verweist auf das Buch Mit Männern leben von Manon Garcia, Philosophin an der FU Berlin, zum Pelicot-Prozess.

Garcia trifft in ihrem Buch eine Unterscheidung, die mich für den deutschen Kontext besonders beschäftigt. Sie schreibt, kein Strafrecht der Welt werde ausreichen, damit Männer aufhören zu vergewaltigen, und ich glaube das auch. Das Strafrecht könne bestrafen, so steht da noch, es könne Einzelne aus der Gesellschaft entfernen, aber es könne die Normen der Männlichkeit, die diese Gewalt tragen, nicht ändern. Es seien soziale Bewegungen und gesellschaftlicher Wandel, die das vielleicht eines Tages erreichen, keine Gesetzestexte, und genau das ist das, was in die Köpfe rein muss. Ja, Unschuldsvermutung, bla bla, aber kein Gericht der Welt wird diesen strukturellen Gewaltrausch stoppen können.

§

Antje Schrupp ordnet aus ihrer Sicht die Initiative ein, Gesetze zu schaffen, die das überhaupt unter Strafe stellen, was Collien Fernandes angetan wurde.
“Unschuldsvermutung”.

Es ist in unserer Kultur nun einmal so, dass wir über moralische Fragen von Gut und Böse in Form von Gesetzen sprechen. Ich beiße immer wieder auf Granit, wenn ich versuche, zu plädieren, dass man nicht für alles, was man schlecht findet, ein staatliches Verbot braucht, und nicht für alles, was man gut findet, eine staatliche Förderung.

Inzwischen glaube ich, dass Gesetze bei uns in gewisser Weise eine säkulare Form von Bekenntnissen geworden sind. Das heißt, wenn irgendwo ein Gesetz gemacht wird, dann hat das weniger den Zweck, tatsächlich Verbrechen zu verhindern (dazu müsste man in der Regel ganz andere Sachen machen), sondern es hat den Zweck, dass wir als Gesellschaft uns dazu zu bekennen, diese oder jene Sache moralisch zu verurteilen.

Und genau das wäre in diesem Fall mal notwendig. Tatsächlich ist es nämlich momentan noch so, dass das Anfertigen von Deepfakes und von sexualisierter Gewalt, die „nur“ im Internet stattfindet, nicht gesetzlich verboten ist. Und deshalb glauben viele Menschen immer noch, dass diese Art von Gewalt nicht so besonders schlimm ist. Denn das ist die Logik hinter der Gesetzesfixierung unserer Kultur: Wenn es nicht verboten ist, dann kann es ja nicht so schlimm sein. Genau so wie es bei der Vergewaltigung in der Ehe war: Bevor sie verboten wurde, waren viele Menschen der Ansicht, dass es doch „nicht so schlimm ist“.

  1. Mal sehen, ob ich damit durchkomme. []
die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 24. März 2026 – Graue Lerche und Arbeit von daheim

Mittwoch, 25. März 2026 um 6:28

Der Wecker klingelte Lerchenlauf-früh, Schlaf war davor nicht sehr tief gewesen. Zackiges Morgenprogramm, ich schaffte sogar die tägliche Gymnastik, bevor ich das Haus verließ. Und als ich wirklich zu Bewusstsein kam, bereits die Isar entlang trabte, freute ich mich sehr, dass ich das nochmal geschafft hatte, bevor es durch Umstellung auf Sommerzeit nächsten Sonntag erst in einigen Wochen morgens wieder hell genug ist.

Unterm Strich war der Lauf allerdings nicht der schönste: Das Licht eher grau und düster, der Körper angespannt statt geschmeidig, ich fühlte mich hüftsteif bis hüftschmerzhaft. Diesmal war ich über das Ende meiner 70 Minuten sogar erleichtert.

Nach Morgentoilette und Anziehen mit Prio 1 Homeoffice-Kälte-Abwehr (Thermorolli plus dicker Wollpulli, zwei paar dicke Wollsocken, Wollpuschen, dicke Jeans) Arbeitsstart am (höhenverstellbaren!) Schreibtisch von Herrn Kaltmamsell – es ist dann doch praktisch, dass Lehrer vormittags woanders arbeiten. Dazwischen Handgriffe fürs Brotbacken, es wurde eine Häusemer Bauerekrume.

Brot gelungen.

Der Homeoffice-Arbeitsplatz war vormittags mittelbequem, Hüfte und Kreuz plagten mich. Zumindest hatte ich einen Blick auf die Kastanien, die gerade heftig Pfötchen geben, und der Tag wurde fast sonnig.

Insgesamt fühlte ich mich sehr erschöpft und müde. Aber guter Mittagscappuccino aus der eigenen Cafetera.

Mittagessen zur gewohnten Bürozeit: Kiwi, Banane, Birne, außerdem Quark mit Joghurt und Leinsamenschrot. Insgesamt zu viel, ich wurde noch viel müder.

Geordneter Arbeitsnachmittag, die Jobs, für die ich Unterlagen in meinem Büro brauche, konnten bis Mittwoch warten.

Dazwischen folgte ich endlich dem Impuls, den ich seit Monaten zur Seite schiebe, ein paar Sommerturnschuhe in der Waschmaschine zu waschen.

Herr Kaltmamsell kam erst um vier aus der Arbeit, da zog ich ohnehin gerade ins Wohnzimmer um: Auf seinen Schreibtisch am Fenster schien die Sonne, locker herabgelassener Rollladen überzog mich in Video-Anrufen mit hart kontrastierten Streifen, ganz herabgelassener Rollladen erforderte für dieselbe Situation umständliche künstliche Ausleuchtung. Die Lichtsituation am Esstisch war viel besser.

Nicht zu später Feierabend, dann ging ich raus in die Sonne auf Erledigungen und Einkäufe: Bluse und Hemden zur Reinigung am Goetheplatz, Spaziergang zum Vollcorner auf der Schwanthalerhöhe für Lebensmitteleinkäufe. Unterwegs freute ich mich sehr über Frühlingsblühen.

Daheim eine Einheit Yoga, dann richtete ich das Abendessen auf Basis des frischen Brots her.

Wacholderschinken, Pastrami, Speckwurst, Butter, rote Paprika, Essiggurken (gekaufte, kein Vergleich zu den bulgarischen selbst eingelegten). Gutes Abendbrot. Nachtisch Schokolade.

Seltsamer Tag durchs Arbeiten daheim: Abends fühlte sich der Morgenlauf bereits Tage her an.

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Auf Mastodon schreibt jemand unter diesem Filmchen, dass eine Orgel im Grunde ja auch nichts anderes ist als in Reihe geschaltete Blockflöten, und jetzt muss ich nachdenken.

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Meiner Ansicht nach müssen noch viel mehr Wechseljahrwitze gemacht werden – weil das auch eine Art und Weise ist, das Thema sichtbar zu machen. Zum Beispiel mit dieser Menopause Hotline.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 23. März 2026 – Erheiterungen und Belastungen

Dienstag, 24. März 2026 um 5:52

Recht gut geschlafen, dennoch tiefe Erschöpfung beim Aufstehen. Brauche ich vielleicht Urlaub? Auf jeden Fall freue ich mich schon arg auf die vier freien Tage am Stück über Ostern.

Wieder war es morgens beim Marsch in die Arbeit eisig kalt, aber freundlich hell.

Erheiterung von Herzen, als ich in meine privaten E-Mails sah: Schwarzwald-Tourismus begrüßt mich auf meine Anfrage nach Wanderurlaubstipps tatsächlich mit “Kuck Kuck”. Und antwortet sehr ausführlich, das sehe ich bei Gelegenheit in Ruhe durch.

Weil schon wieder wild und ungefragt Tipps ohne Kenntnis meiner Wünsche durch die Gegend schießen:
Ich möchte Ende September / Anfang Oktober an einem eher ländliche Urlaubsort im Schwarzwald unterkommen, Hotel, Pension oder Ferienwohnung, und eine Woche lang von dort aus Tagestouren unternehmen (zwischen 22 und 30 Kilometer). Sowohl der Ort als auch die Wanderungen müssen ohne Auto erreichbar sein. Jetzt können Sie mir Tipps aus eigener Erfahrung (!) geben.

Grafische Darstellung des Ergebnisses OB-Stichwahl München für die Geschichtsbücher:

Am Schreibtisch geordnetes Abarbeiten, auch einige Querschüsse für meine Funktion als Hausl, weil ich halt immer im Büro bin: Wenn man jemanden mit meinem Stundenlohn dafür verwendet, wird das schon seine Richtigkeit haben. Aber auch ein verantwortungvoller Job in den nächsten zwei Wochen, den ich genau deshalb fürchte und der mir bereits am ersten Vormittag ein Fettnäpfchen hinschob, in das ich ganz routinert reintrat. (Aber nix passiert.)

Das Draußen war kalt, aber sonnig geblieben, ich spazierte hinaus auf Mittagscappuccino.

Zu Mittag gab es die letzte hervorragende Birne, außerdem Hüttenkäse mit Leinsamenschrot.

Geschäftiger Nachmittag, Querschüsse auf einer so hohen Ebene, dass ich sie nach Vorabeit nach oben weiterreichen musste.

Ich spüre es zwar weiterhin, das Goldkettchen von meinem italienischen Onkel, dass mich mit 50-jähriger Verspätung erreicht hatte, aber es gefällt mir immer besser.

Nach Feierabend steckte ich meinen Arbeits-Laptop ein und nahm eine U-Bahn zum Odeonsplatz: Im Hofbräuhausmühlenladen kaufte ich Roggenmehl Type 1370 fürs Brotbacken am Dienstag. Wegen einiger Umstände war klar, dass ich vor lauter Trubel an meinem Büroarbeitsplatz zu nichts kommen würde, deshalb zu Hause arbeiten würde. Das mag ich ja gar nicht, denn ich habe daheim keinen Schreibtisch und keine Bildschirme, doch ich machte es mir schmackhaft mit der Möglichkeit, immer wieder kurz in die Küche gehen zu können, um mich um Brotteig zu kümmern. Und hoffte auf eine Laufrunde vor Arbeitsbeginn.

Zu Hause genoss ich nach ein paar Häuslichkeiten eine ruhige Einheit Yoga. Das Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell: Rote Bete und Steckrüben aus Ernteanteil zu geschenkter spanischer Blutwurst morcilla in Scheiben gebraten.

(Auf dieser Aufnahme entfalten die Glasteller ganz besonders ihren Charme.)
Die Morcilla hatte ich schon interessanter gewürzt auf dem Teller, aber sie war schön knusprig. Und die Rüben mochte ich besonders gern. Nachtisch Schokolade, darunter Pura Vida 70% aus dem Pfaffenhofener Land, die ich im Caffe Fausto gekauft hatte: Wirklich gut!

§

Auf insta von Johanna Adorjan ein Übernachtungstipp in München für Cineast*innen:

Was für eine tolle Idee: in Zimmer Nr. 30 des Hotels Olympic in München kann sich jetzt jeder, der will, Filme angucken. Dort ist seit kurzem die komplette VHS-Sammlung des Filmkritikers Michael Althen untergebracht, der 2011 mit nur 48 Jahren starb und so unvergleichlich schöne Texte für @sz und später @faz geschrieben hat. Das Filmzimmer befindet sich im ersten Stock, die Tür steht offen. Man kann sich einfach in den Regalen einen Film aussuchen, und das einzige, was man dann können muss, ist es, einen VHS-Rekorder zu bedienen (aber zur Not kann man bestimmt an der Rezeption fragen).

Das Olympic kenne ich und habe zu Agenturzeiten immer mal wieder Kunden empfohlen. Jetzt finde ich es noch toller.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 22. März 2026 – Wahlhilfe bei Stichwahl Münchner Oberbürgermeister mit einer Sensation am Ende

Montag, 23. März 2026 um 6:21

Auch diesmal ein Ausfall im Wahlhilfeteam, aber nicht wegen Erkrankung (versuchte sie einen Spannungsbogen aufzubauen).

Ich schlief mittelgut, bei Weckerklingeln fühlte ich mich kopfbrummend erschöpft. Diese Erschöpfung zog sich durch den ganzen Tag.

Vorher und nachher (ich hatte das Foto für möglichst korrekten Rückbau aufgenommen).

Dazwischen.

Dabei lief das Aufbauen des Wahllokals beim zweiten Mal natürlich deutlich geschmeidiger. Ich traf den Hausmeister gleich beim Ankommen, wir plauderten ein wenig, ich brachte ihn unter anderem dazu mir zu erklären, wie ich in meiner Rolle ihm seine am leichtesten mache. Für die Tische im Wahllokal/Klassenzimmer hatte ich diesmal Putzzeug eingesteckt und musste es auch verwenden. Wo ich einen großen Tisch für die Schriftführerschaft finden würde, wusste ich auch schon. Und ich drehte gleich mal die Heizung auf, wartete nicht erst auf das große Frieren (was später aber dann doch eintrat, schließlich mussten wir die Tür des Zimmers offenlassen).

Wir Wahlteam plauderten, ich lernte zwei weitere interessante Münchner*innen kennen. Wählende kamen den ganzen Vormittag über, nur selten in Wellen, die wir organisieren mussten. Doch ich zählte die Minuten bis Mittag, wenn das Anstrengendste geschafft sein würde.

Nach meiner Schicht trat ich um eins in wunderschöne Sonne, ging über einen sonnigen Umweg nach Hause. Dort Häuslichkeiten, ich war längst jenseits Hunger, dann erst rührte ich mir Quark mit Joghurt und Leinsamenschrot, schnitt eine hervorragende Birne rein. Das machte mich wie erhofft müde genug für eine Stunde Siesta, leider auch die eher unruhig.

Weitere Häuslichkeiten, Pediküre, Hosebügeln für die kommende Arbeitswoche; die restliche Bügelwäsche wird bis zum Sonntag drauf warten müssen. Lektüre der Wochenend-Süddeutschen, Mastodon-Lesen.

Beim Verlassen des Hauses zum Wahllokal klingelte mein Handy: Ein Mitglied des Wahlhilfeteams hatte genau gestern Nachmittag ihren Vater verloren (von dem sie in der Morgenschicht noch erzählt hatte). Wie absolut furchtbar! Selbstverständlich ließ ich sie gleich zur Familie fahren, sie musste nicht nochmal reinkommen.

Wir waren also beim Auszählen zu sechst statt zu siebt – doch auch das ließ sich bei über 300 Stimmzetteln mit nur zwei Kreuzelmöglichkeiten schnell schaffen: Wir waren noch vor sieben Uhr durch inklusive Aufräumen. Abschied vom Wahlhilfeteam sehr herzlich, Abschied vom Wahlhelfen innerlich: Das mache ich nicht nochmal.

Ich radelte zur Bezirksinspektion – diesmal mit meinem eigenen Rad, Herr Kaltmamsell war vergangene Woche so überaus freundlich gewesen, es zum Reparieren zu bringen. Das Radeln durch die junge, klare Nacht machte auf einem guten, für mich eingestellten Radl sehr viel Spaß, ich bekam große Lust auf häufigeren Einsatz.

In der Bezirksinspektion war die Schlange der Leute mit Unterlagen aus Wahllokalen lang: Klar, alle waren schnell fertig geworden. Und es wurden erste Ergebnisse aus den Medien rumgereicht, die sich kurz darauf bestätigen sollten: Sensation perfekt, München bekommt einen Grünen-Bürgermeister, zudem einen jungen (allerdings war Hans-Jochen Vogel bei seiner Wahl zum Münchner Oberbürgermeister 1960 noch ein Jahr jünger) und schwulen. Das wird spannend! Ich hatte wirklich nicht damit gerechnet, dass so viele CSU-Wähler für ihn stimmen würden.

Auch die Einreichung und Bearbeitung der Unterlagen ging flott, alles Profis. Um halb acht war ich daheim und ließ mich bald von Herrn Kaltmamsell (gestern nicht als Wahlhelfer im Einsatz) mit Wunsch-Abendessen verwöhnen.

Conchiglie mit Joghurt-Feta-Erbsen-Sauce, ein Liebling von Ottolenghi. NOCH besser als erhofft, unter anderem schmecken Pinienkerne nie so pinig wie hier in Olivenöl mit Pul Biber gebraten. Nachtisch Süßigkeiten und Schokolade.

Im Bett noch gelesen in der Hoffnung auf dadurch besseren Schlaf.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 21. März 2026 – Isarlauf plus mit Besuch Isarspaziergang

Sonntag, 22. März 2026 um 6:11

Gut geschlafen trotz viel Alkohol am Abend zuvor, aber nicht lang genug für Ausnüchterung.
Bloggen und Bettwäschewaschen gingen trotzdem gut.

Am Freitag eingetroffen: Die Uhr mit Ziffernblatt für mein Nachtkastl, damit ich im Schlafzimmer immer schnell weiß, wie spät es ist. Dann doch bei ebay gekauft.

Ab Mittag war ich mit dem Besuch aus Oldenburg verabredet, davor war nach Resträumen und -spülen vom Vorabend (Herr Kaltmamsell hatte das meiste bereits erledigt) noch Zeit für eine Laufrunde.

Ich startete von der Haustür über Alten Südfriedhof am Westermühlbach entlang – und entdeckte auf einer kleinen Grünfläche keine drei Meter von mir entfernt einen Grünspecht! Ich höre sie ja sonst immer nur und hatte mich damit abgefunden, dass sie in Wirklichkeit nur ein erfundender Vogel sind, aber da saß wirklich einer und versenkte seinen Schnabel gerade in dem Moos vor ihm – das exakt die Farbe seines Gefieders hatte. Ich blieb bewundernd stehen, doch das reichte bereits, um ihn hoch in den nächstgelegenen Baum zu scheuchen.

Das Wetter war grau und kalt, der März kehrte von versuchtem Frühling zurück zu entsättigten Farben.

Spannend aber die Pferde, die die Isar kurz hinter Thalkirchen kreuzten.

Der Körper spielte trotz Restalkohol gut mit, allerdings wurde der Rückweg mit Gegenwind überraschend anstrengend.

Daheim aß ich nach Duschen und Frischmachen von dem Laucheintopf vom Vorabend, dann holte ich den Besuch vom Hotel ab: Sie interessierte sich für meine Laufstrecke, also spazierten wir diese nochmal. Vorher aber herzte und küsste ich das befreundete Hotel-Personal, das überraschend gerade mit eigenem Besuch vor Ort war.

Am Tierpark Hellabrunn bogen wir ab zum Auer Mühlbach. Auch wenn der Tag ein wenig heller geworden war, mussten wir uns für Farben schon sehr auf die Frühlingsblümelein konzentrieren – von denen wir aber eine große Vielfalt entdeckten. Wir spazierten vertieft ins Gespräch, und ich genoss die viele Zeit mit der Besucherin, die Gelegenheit für Plaudern auch über Alltägliches und Nebensächlichkeiten bot.

Einkehren an der Krämer’schen Kunstmühle im Caffe Fausto – das ich noch nie so voll gesehen hatte. Nach Cappuccino und Aufwärmen gingen wir weiter den Auer Mühlbach entlang bis zum Müller’schen Volksbad. Tramfahrt zum Sendlinger Tor, damit vor der Abendessen-Reservierung noch ein wenig Zeit zum Ausruhen blieb.

Diesmal kam Herr Kaltmamsell mit, der den Tag daheim arbeitend verbracht hatte. Zu dritt spazierten wir ein weiteres Mal, jetzt bis zum Restaurant Schmock im Volkstheater.

Wir starteten mit Drinks, wegen des frühen Wahlhilfeeinsatzes am Folgetag beließ ich es lieber bei diesem Alkohol. Wir bestellten gemischte Vorspeisen für drei. Noch bevor wir Luft holen konnten für die Bestellung von Hauptgerichten, erklärte die (hinreißende) Bedienung mit Augsburger Akzent (ich fragte später, ob ich mit meiner Einschätzung nach ihrem ersten Satz richtig lag): “Des war’s dann!” Auf unseren vorsichtigen Protest, schlug sie energisch vor, wir sollten uns erstmal das Bestellte schmecken lassen, dann werde sie nach weiteren Wünschen fragen.

Kluge Bedienung, nach diesen reichhaltigen Vorspeisen hätten wir weder Tscholent noch Königsberger Klopse wie eigentlich geplant geschafft.

Weiteres Plaudern in viele Richtungen, ich erfreute mich unter anderem an dem gelehrten Austausch der beiden Sprachwissenschaftler*innen, erfuhr mehr über die Vielfalt und Entwicklung der Sprachvermittlung an Universitäten.

Heim spazierte ich mit den beiden ungewöhnlich erledigt, war unterwegs überrascht, dass die öffentlichen Uhren erst 21 Uhr anzeigten. Doch ich musste wirklich ins Bett – und verabschiedete mich vom Besuch ja nur bis Juni, wenn ich mit Herrn Kaltmamsell in den Norden fahren würde.

§

Sie erinnern sich an den großen Stromausfall in Spanien und Portugal vergangenes Jahr? Jetzt zeigt ein Bericht, wie es dazu kommen konnte:
“Wie auf der Iberischen Halbinsel das Stromnetz kollabierte”.

die Kaltmamsell