Das Vöglein

Samstag, 25. Dezember 2004 um 19:57

Mittags beim Verlassen des Hauses sah ich ein Vöglein in der Einfahrt sitzen. Ich blieb in vorsichtiger Entfernung stehen, um mir sein Aussehen für eine spätere Identifizierung einzuprägen. Als ich mich näherte, bewegte sich der Vogel (überwinternder Bergfink?) kaum. Jetzt näherte sich das Auto des Nachbarn, also trat ich rasch auf den Vogel zu, um ihn zum Auffliegen zu bewegen. Doch er blieb sitzen. Ich nahm ihn in die Hand, ohne dass er sich wehrte, und als ich die Hand öffnete, setzte er sich auf meinen Daumen. Beunruhigend, das ist alles andere als normales Vogelverhalten. Dabei sah er ganz gesund aus, hatte glänzende Augen, atmete ruhig. Ich musste zum Zug, also setzte ich ihn in eine geschützte angrenzende Grünanlage in die wärmende Sonne. Auch wenn es mir das Herz zusammenzog, machte ich mir klar, dass Vögel nunmal irgendwann sterben, und dass wilde Vögel das draußen tun.

Beim Mittagessen fragte ich die verschwägerte Tierärztin um ihre Meinung. Sie hielt eine Vielzahl von Erkrankungen für möglich, bei der jetzigen feuchten Witterung am ehesten eine Pilzinfektion, hervorgerufen durch verschimmelte Brotreste.
Bitte niemals Brot als Vogelfutter auslegen!

die Kaltmamsell

6 Kommentare zu „Das Vöglein“

  1. Lu meint:

    unddannunddannunddann??? :(

    ( ja, ich bin die, die schon einen halben tag mit einer taube im auto und einen ganzen mit einem mauersegler arbeiten war. )

  2. Mykoplasma meint:

    Vielleicht ist er gegen eine Scheibe geflogen und war nur ein wenig benommen. Oder es ist ein abgebrühter Stadtfink der gar keine Verträge mit lästiger Furcht vor den großen Futterspendern hat und zu faul zum Flüchten war. ;-)

  3. die Kaltmamsell meint:

    Hör bloß auf, Lu, gerade die Erinnerung an Ihre Geschichten hat mir Bedenken verschafft, ob ich nicht mehr hätte tun sollen. Aber auch wenn ich Ihre Sorge um Wespen, Marienkäfer, Tauben sehr in Ehren halte – ich bin halt so schrecklich nüchtern veranlagt. Und nüchtern betrachtet tut einem Wildtier der Aufenthalt im Warmen nicht gut, zudem standen ihm in der Grünanlage Wasser und Futter zur Verfügung.
    Als ich abends heim kam, war er nicht mehr da.

    Da fällt es mir schon leichter, mir – wie Myko – eine Geschichte auszudenken. Nämlich dass das tatsächlich ein Bergfink war, der eben erst aus den Bergen nach München gekommen ist und von dem weiten Weg völlig erschöpft war. Der sich in der Grünanlage ausruhte, sich an der Vogeltränke labte, und von nun an regelmäßig auf den Kastanien vor meinem Fenster zu sehen sein wird. Einverstanden?

  4. Lu meint:

    neee, ist ja auch richtig. ich nehm auch nur mit, wenn alle natürlichen wege verbaut sind. die taube war auf spur zwei von dreispuriger schnellstrasse, alle fuhren drüber und ich sackte ein. sie hieß dann für drei wochen paula und lebte in unserem hausgarten bis ich sie wieder aufgepäppelt hatte ( darmparasiten und unterernährung ließen sie in diese lage kommen ) und der mauersegler plumpste mir direkt in der altstadt vor meinem büro mitten vor die füsse, und musste deswegen in einer snickersbox den nachmittag arbeitend mit mir verbringen :)
    ich lasse auch sitzen, bauchentscheidung eben. deiner wird schon weitergehüppelt sein, und ab jetzt täglich vor deinem fenster singen. einverstanden!

  5. Mykoplasma meint:

    Miep, tun kann man da eh nichts. Die kleinen Viecherl überstehen ja auch einen Tierarztbesuch nicht so souverän wie ein zahmes Haustier. Aber so unwahrscheinlich find ich die Kopf-Gestoßen-Variante nicht, vielleicht hat ihn ein Auto erwischt und er stand unter Schock, und da er sich das Genick offenbar nicht gebrochen hat, wird er jetzt schon wieder munter rumspringen und auf gemeine Weise kleinere Exemplare von den Meisenringen der Nachbarschaft verjagen. ;-)

  6. Londo meint:

    Liebe Frau Kaltmamsell,
    herzliche Dankesgrüße von meinen Mitbewohnern Flo, Kara, Hugin und Munin (alle zur Spezies Melopsittacus undulatus gehörig und somit Verwandte des oben abgebildetes Wesens). Sie haben sich über diese Rettungstat sehr gefreut. Und von mir noch im Nachhinein ein frohes Fest!

    Volkmar


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