Gespräche mit meinem Körper

Samstag, 9. Mai 2009 um 9:18

Jetzt hör mal zu, Körper, wir müssen reden. Kann es sein, dass ich dich mit der Veröffentlichung unserer Kommunikationsprobleme ernsthaft beleidigt habe? Und du jetzt gar nicht mehr mit mir sprichst?

Vielleicht sollten wir uns mal grundsätzlich unterhalten. Sind wir uns denn einig, dass wir im Grunde schon verdammt lange Probleme haben? Vermutlich gingen die nicht erst los, als du üppig weibliche Formen entwickeltest, vor etwa 28 Jahren, und unsere schlanke, knabenhafte Mutter uns indirekt klar machte, dass diese Art der Weiblichkeit schlecht und verwerflich ist. Sondern schon, als ich als Kind mit dem Umstand fertig werden musste, dass du ganz offensichtlich zu dick, zu derb, zu wenig mädchenhaft warst. Kannst du nicht verstehen, dass ich entsprechend früh lernte, dich zu verdrängen und zu ignorieren? Das war ja auch praktisch, denn in der Folge sank meine Schmerzempfindlichkeit, zudem erlaubte mir meine robuste Gesundheit, dass ich mich selten mit dir befassen musste. Wahrscheinlich entschiedest du irgendwann, einfach dein Ding zu machen und mich ebenfalls zu ignorieren, dir gar nicht erst die Mühe zu geben, dich verständlich zu machen.

Es tut mir wirklich leid, aber ich kann heutzutage tatsächlich nicht einschätzen, ob dein Halsweh von einem ernsthaften Infekt zeugt und ich Termine absagen sollte, oder ob lediglich die Mandeln ein bisschen rumzicken. Und wenn ich mich in der Eile irgendwo anhaue, bin ich oft wirklich zu beschäftigt, als dass ich den Schmerz in mein Bewusstsein vordringen ließe und minutenlang „Au! Au!“ riefe. Der blaue Striemen am rechten Schienbein ist höchstwahrscheinlich einer Kollision mit einem Umzugskarton geschuldet – ich glaube mich sogar daran erinnern zu können.

Sind wir uns denn auch einig, dass das auf Dauer nicht so weitergehen kann? Weißt du, bloß weil ich das Altern deines eh schon nicht gerade vorzeigbaren Bindegewebes eklig finde, ignoriere ich keineswegs, dass Altern auch wichtigere körperliche Veränderungen mit sich bringt. Ich will wirklich, wirklich mitbekommen, wenn ich auf irgendeine Folge des Alterns Rücksicht nehmen sollte. Dazu müsstest du mir aber ein bisschen entgegen kommen, ja? Vielleicht ist es ja für uns beide noch nicht zu spät.

Vor allem aber, und so komme ich drauf: Erzähl mir BITTE, wie du dir diesen blauen Fleck in Hühnereigröße rechts überm rechten Knie eingefangen hast, der ordentlich weh tut und sogar geschwollen ist!

die Kaltmamsell

7 Kommentare zu „Gespräche mit meinem Körper“

  1. Claudio meint:

    Liebes Kaltmamsell

    Nur einen Klick weiter bin ich auf das hier gestossen:
    http://dasmagazin.ch/index.php/gerhard-roth/

    Hilft bestimmt nicht weiter, aber lenkt vielleicht irgendwie ab.

    Schönes Wochenende!
    (Joggen und schwimmen Sie Ihren Körper weiter aus, ich glaub das mag er)

  2. die Kaltmamsell meint:

    Ich danke herzlich für den Hinweis, Claudio. Wenn ich mit Herrn Roth auch gerne über einige Aspekte streiten würde, fand ich diese Aussage sehr schlüssig hergeleitet: “Ein besonders willensstarker Mensch ist besonders unfrei, er hat gar keine Wahl, sich gegen seine starken Motive zu wehren.”

  3. Flowerfish meint:

    Ja genau! Woher kommen diese bauen Flecken, an deren Ursache man sich weiß Gott nicht erinnern kann. Ein weiteres ungelöstes Rätsel der Menschheit …

  4. Die Liebste meint:

    Um mal ein paar subversive Fragen zu stellen: Könnte dieses Nicht-Wissen um das Entstehen blauer Flecken vielleicht daran liegen, daß wir uns so oft als Kopf einerseits und Körper andererseits wahrnehmen? Ja, genau: ein System, das im Idealfall vielleicht, vielleicht eine friedliche Koexistenz lebt, aber ein wirklich glückliches, sich gegenseitig bereicherndes All-Eins-Sein? Warum erscheint das so vielen als so unvorstellbar? Vielleicht, weil wir alle unsere Gewohnheiten manchmal ein bißchen zu sehr lieb haben? Nun, mein Ratschlag für Menschen mit Entdeckergeist lautet: Alexandertechnik. Womit sich das Blaue-Flecken-Rätsel (und auch noch ein paar andere) prima löst :-)

  5. Flowerfish meint:

    @Die Liebste: Hm, ob die Alexandertechnik hier wirklich Antworten geben kann? Ehrlich gesagt habe ich habe mich nicht ausführlich mit dieser Theorie beschäftigt (Wikipedia), aber eine Erklärung für unerklärliche blaue Flecken sehe ich darin nicht (trotz angeblicher Refernz auch von Tinbergen). Gibt es genauere Quellenangaben?

  6. Die Liebste meint:

    Versprochen, liebe Flowerfisch, sie kann :-)
    Da Alexanderleute aber eben von der Einheit Kopf-Körper ausgehen, empfehle ich in diesem Fall ausdrücklich nicht Wikipedia oder eine andere Quelle nur für den Kopf, sondern eine reale Probestunde. Das Verzeichnis der in Deutschland zertifizierten Lehrer finden Sie hier: http://www.alexander-technik.org/?p=2-2-0
    Viel Spaß!

  7. Buchfink meint:

    Ich hab auch dauernd blaue Flecken, deren Existenz ich vom Rennen gegen Schubladen herleite. Ich nehm’s mit großer Gelassenheit.

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