Körperbekenntnisse – mal wieder

Donnerstag, 15. Oktober 2009 um 9:27

Die Mädchenmannschaft hatte anlässlich des Love-your-body-day eingeladen, die Details des Körpers aufzuzählen, die wir an uns mögen. Und hat mich dadurch daran erinnert, wie weit der Weg ist, der in diesem Gebiet noch vor mir liegt. Denn wenn ich ehrlich bin, habe ich mit meiner Aufzählung gelogen: Das sind in Wirklichkeit lediglich die Teile meines Körpers, die mich nicht anwidern.

Es war letztes Jahr im Frankreichurlaub. Das Verhältnis zu unseren Körpern war eines der Themen, die ich mit meiner Reisegefährtin und Freundin A. besprach. Sie hatte mich mit Konfektionsgröße 46/48 kennengelernt und vor drei Jahren schlank werden sehen. Wie auch hier im Blog beschrieben, erklärte ich ihr, wie viel ich aus der Erfahrung gelernt hatte, einige Zeit tatsächlich so dick zu sein, wie ich mich immer gefühlt hatte. Und wie viel mehr ich heute das Bewusstsein schätze, nicht dick zu sein. Dass ich endlich und tatsächlich Frieden mit meinem Körper geschlossen hätte.

Doch dann. Auf den Zinnen der Stadtmauer von Roussillon erzählte A. von der anstrengenden Suche nach einem Bikini, den sie sich für eine Kreuzfahrt zugelegt hatte. Eher nebenbei bemerkte ich: „In einem Bikini lasse ich mich in diesem Leben nicht mehr öffentlich sehen.“ A. erwiderte nichts, sah mich aber einige Momente lang beredt von der Seite an. Und so musste ich bekennen: „Streich‘ ‚Frieden mit dem eigenen Körper‘. Versuchen wir es mit ‚Waffenstillstand‘.“

Ob mir ein ganzes Leben reicht, zu echtem Frieden zu finden?

die Kaltmamsell

19 Kommentare zu „Körperbekenntnisse – mal wieder“

  1. dyfa meint:

    Ob „Frieden mit meinem Körper“ dann erreicht ist, wenn ich mich im Bikini ins Freibad setze? Ich würde vermutlich auch dann keinen Bikini tragen, wenn ich mit Kleidergröße 36 durch die Welt laufen würde. Das ist mir ganz persönlich einfach zuviel von meiner Haut in der Öffentlichkeit. Und weniger das Gefühl nicht „den Kriterien zu entsprechen“.

  2. suse meint:

    Frieden ist halt nicht immer stabil, hie und da flammen Aufstände gegen den Zahn der Zeit auf – und einen Bikini anziehen, wenn man nicht mag, ist doch allzu autoritär gegen sich selbst, finde ich!

  3. mariong meint:

    das wünsche ich Ihnen sehr.
    und das ist so ein elend unserer Zeit, dass wir in ewiger Unzufriedenheit leben.
    Frieden mit meinem Körper hatte ich vielleicht zuletzt als Kind.
    als Frau lernt man dann, dass man gewissen Schönheitsidealen entsprechen muss. Als ich jünger war, kam ich dieser Idealfigur mal für kurze Zeit recht nah, aber immer hungrig sein macht auch nicht friedlich.
    Momentan lebe ich mehr in Richtung Größe 46, was auch für Unfrieden sorgt, denn, wer will schon so aussehen? Oder sich mit Loosern umgeben, die so aussehen? Aber sonst bin ich wenigstens ruhiger und satter.
    Schön wäre es wirklich , fände man zu seinem Mittelpunkt.
    Das wünsche ich allen hier, ob Männern oder Frauen. Dann sind wir aber als Konsumenten nicht mehr zu brauchen :-)

  4. Ilse aus München meint:

    Ich finde diese Selbsthasserei erschreckend, zum Beispiel Konfektionsgröße 46 automatisch mit „Losern“ gleichzusetzen. Ich kann nur im Rückblick sagen dass ich mein ganzes Erwachsenenleben mit einem Gewicht, das ich schon etwas mühsam unter 80kg zähmte, gut klargekommen bin und mich geliebt und beliebt fühlte. Ich wünschte nur, ich hätte nicht so viel Zeit damit vertun müssen, über Körpersubstanz nachzudenken. Wenn wir Frauen damit aufhören könnten, wie viel explosives kreatives Potenzial würde da frei!

  5. Sigourney meint:

    Diese Daten sind doch Unsinn.
    Auf dem Papier komme ich Modelmaßen nahe (BMI von 19 und eine Konfektionsgröße von 38 bei über 1,80m Größe). Aber gut sehe ich nicht aus (und das ist keine Koketterie) und davon habe ich auch nicht mehr Frieden mit meinem Körper als andere. Irgendwo ist immer eine Speckrolle an der falschen Stelle (oder fehlt an einer anderen).
    Und das Gesicht ist noch mal ein ganz anderer Schnack. Und mit dem Alter lässt das Bindegewebe nach und auch noch so viel Sport kann das nicht völlig kompensieren.

    Auf diese Weise bekommt man nie Frieden, diese Illusion kann ich allen nehmen, die meinen, sie würden mit Konfektionsgröße XX wirklich glücklich sein.

    Wie man ihn findet, weiß ich aber leider auch nicht.
    Und ja, das finde ich auch traurig, denn mehr als Waffenstillstand wünsche ich mir gar nicht und nicht mal dahin komme ich (oder nur sehr selten).

  6. Franz meint:

    Irgendwie entdeckt oder findet sich jeder wieder in diesen Thema, ob Mann oder Frau, dick oder duenn. Meine Mitbewohnerin und ich haben das Thema gelöst indem wir alles was wir an uns hassen vom anderen lieben lassen, wozu ist Liebe sonst da? Somit sind wir gegenseitig zufrieden mit uns und jeder für sich eigentlich auch, was interessieren uns die anderen, die haben sowieso meist die allergleichen Probleme!

  7. mittenmank meint:

    Also ich mag einfach keine Bikinis. Das muß nichts mit einem friedlichen Verhältnis zum Körper zu tun haben, ich würde sie wohl auch nicht anziehen, wenn ich nicht Größe 44 hätte.

  8. bilka meint:

    mir gehts genau andersrum:
    auch als ich auf dem absoluten Höchststand an Gewicht war, direkt nach Schwangerschaft, konnte ich es nicht über mich bringen, mich mit dem nassen Badeanzug in die Sonne zu legen, und drauf zu verzichten, mir die laue Sommerluft um den Nabel streichen zu lassen.
    Im Zweifel muss da die Außenwirkung hinter dem Wohlgefühl zurücktreten.

  9. Stefan meint:

    @mariong: Nur mal als kleinen Hinweis aus einer anderen Richtung: »immer hungrig sein« hat in vielen Teilen der Welt eine andere Bedeutung. Für die Konfektionsgröße 40 oder 42 muss ein Mensch vielleicht seinen Appetit zügeln. Aber Hunger ist etwas anderes.

  10. ivar meint:

    Vielleicht war ja auch mehr so eine Art „immer sich zurücknehmen“ gemeint…? Ich empfinde das ganz stark, bei vielen Frauen, auch bei mir oft, vor allem in stressigen Zeiten: Die Selbstwahrnehmung: Ich arbeite zu wenig, gebe zuviel Geld aus und – natürlich – esse viel zu viel. Und das, obwohl jeder dieser Bereiche bestenfalls optimierbar wäre, nirgends aber etwas wirklich im Argen liegt. Wenn ich das Verhältnis zwischen Sport und Nahrungsaufnahme so gestalte, wie ich Lust habe, dann passen mir die 40er Hosen grade so. Wollte ich in die 38er locker hineinpassen, müsste ich mich zurücknehmen, ständig. Die 38er Hose wäre also ein Erfolg.
    Dünner zu sein als ich bin wäre also ein Erfolg. Erfolg wäre in diesem Sinne wiederum: Ein Zeichen dafür, dass ich mich disziplinieren/einengen/zurücknehmen/meine Bedürfnisse drosseln kann. Wieso eigentlich immer?

  11. Stefan meint:

    @Ivar: Meinst Du jetzt 40 Zoll Bauchumfang oder eine bestimmte Größe?

    Es geht doch darum, was einem Menschen im Leben wichtig ist und was seine Ziele sind. Der eine hat das Ziel, mal einen Marathon zu laufen. Notwendigerweise wird er Ernährung und Training darauf einstellen. Der andere ist vielleicht ein Philosoph im Wortsinn und hat im Leben noch nie ein sportliches Ziel gehabt; er wird also nicht unbedingt auf die Ernährung achten müssen und natürlich auch nicht körperlich trainieren.

    Aber wenn ihnen das Ziel viel bedeutet, werden sich beide für ihre Ziele zurücknehmen, einschränken und disziplinieren. Nicht leicht haben es dabei die Philosophen, die auch noch einen Marathon laufen wollen ;-)

    Doch ist es ein Ziel im Leben, endlich eine 38er Jeans tragen zu können? Ist es folglich ein Erfolg, dieses Ziel zu erreichen? Ich weiß es nicht. Wenn ich solche Ziele hätte, würde ich mir ernsthaft Gedanken machen.

  12. ivar meint:

    Stefan: 40 ist eine gängige Kleidergröße für Damen, 38 auch, aber einen Eintrag zuvor wussten Sie das noch – Sie können mich also gerne etwas schlanker imaginieren ;-).
    Worauf ich hinaus wollte, ist eigentlich der ständige Optimierungsdrang, den man sich häufig antut und der letzten Endes nur auf restriktives Verhalten sich selbst gegenüber hinausläuft – etwas, was ich auch kenne. Auch, wenn die 38er Hose nicht unter den Top Five meiner Lebensziele rangiert. Generell würde ich aber an niemandes Verstand zweifeln, der sich, durchaus im Sinne eines Lebensziels, von einem wirklich dicken Körper befreien will, denn ein Körper, mit dem man sich nicht versteht, ist eine grundlegende Beeinträchtigung.
    (Ach ja, und die Schlankheit ist ja wie manch andere Eigenschaft ein durchaus ungerecht verteiltes Gut: Ich glaube es, dass manche Frauen für Größe 40 tatsächlich dauerhaft regelrecht hungern müssen, weil ihr Stoffwechsel das so will, während andere ungewollt lang und hager sind und auch mit täglichen Tortenrationen wenig dagegen ausrichten, im Extremfall.)

  13. Stefan meint:

    Es tut mir sehr leid, aber »Ivar« ist mir als Männername bekannt. Deshalb fragte ich. Meine Hosen werden meist in Zoll gemessen, Unterwäsche und Sportkleidung sind nach Buchstaben geordnet, Oberhemden nach Halsumfang ;-) — In den seltenen Fällen, in denen ich eine andere Größe brauche, frage ich einfach eine Verkäuferin und vergesse es dann wieder.

    Aber ich weiß natürlich mit den weiblichen Konfektionsgrößen 38/40/42 etwas anzufangen.

    Was ich oben beschrieb, bezog sich auf zwei Beispiele für wichtige Ziele im Leben. Ich würde mir nie anmaßen, an jemandes Verstand zu zweifeln.

    Wie gesagt, das Wort »hungern« sehe ich sehr kritisch. Für einen großzügig ausgelegten »gesunden« BMI-Bereich im Bereich von 20 bis 28 muss ganz sicher niemand hungern, aber Selbstbeherrschung kann schon notwendig sein. Selbstbeherrschung ist aber nicht gleich Selbstunterdrückung oder Selbstversklavung oder Selbstschädigung.

    Für eine bestimmte Konfektionsgröße (oder bei Männern: für einen bestimmten Bauchumfang) könnten schon drastische Maßnahmen notwendig werden, aber solche Ziele halte ich wie gesagt nicht für sinnvoll.

  14. Petra_S meint:

    Hallo Frau Kaltmamsell,

    ich lese hier noch nicht solange und dachte (mit Neid), dass Ihr Sportprogramm wohl schon immer so war und sich deshalb Genuß und gute Figur gut vereinbaren ließen.
    Das dass mal nicht so war wusste ich nicht.
    Würde Sie mir mal eine Link in die Zeit zurück spendieren?

    Gestern war mir im Yoga bei den „Variationen“ des Schulterstandes definitiv nicht die Unbeweglichkeit, sondern die Speckrolle im Weg (eine echte Behinderung).
    Mittlerweile habe ich mich an den Verlust jeglicher Taille gewöhnt und da ich früher mal dauerschlank war und immer Essen konnte was ich wollte, ist mir das Kalorienzählen fast unmöglich.
    Vielleicht kriege ich ein paar Anregungen zur „Umprogrammierung“.
    (Sorry, wenn dieser Beitrag von Thema eher kontroporduktiv ist)

  15. die Kaltmamsell meint:

    Ich habe mal über die Ekligkeiten des Dickseins geschrieben, Petra_S, darin steckt alle Verzweiflung. Hier eine sehr schmeichelhafte Aufnahme aus der Zeit.

  16. Petra_S meint:

    Nur schnell zum Foto – so kann ich mir Sie wirklich nicht vorstellen.
    Den Text gibts später.

  17. Indica meint:

    Wissen Sie, Frau Kaltmamsell, das mit dem Frieden, das ist so eine Sache… Ihre Freundin hat mit dem Begriff „Waffenstillstand“ wohl sehr recht, so würde ich es für mich jedenfalls bezeichnen.

  18. Petra_S meint:

    Respekt, diesen Text „Ekeligkeiten des Dickseins“ öffentlich vorzulesen ist ganz schön mutig. Bei der Passage über den Solariumseffekt habe ich dennoch sehr gelacht, sonst eher nicht. Werde auf jeden Fall meine kleine Schürze jetzt genauer im Visier behalten.

  19. creezy meint:

    Nein Frieden. Bikinis sind kein must have und ich muss ehrlich sagen, Badeanzüge haben den viel größeren Sex-Appeal.

    Doch, ich habe den tieferen Sinn des Posts verstanden. ,-)

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