Archiv für Mai 2010

Flüchtige Beobachtungen

Donnerstag, 20. Mai 2010

– Die Vorturnerin im Stepaerobic, vermutlich ein paar Jahre älter als ich, zeigt die typisch Münchnerische Sonnenbrille-statt-Haarreif-Manie in Konsequenz und trägt ihr Exemplar auch an einem regnerischen Tag und zum Vorturnen in ihrer dünnen, schwarzgefärbten Dauerwelle.

– In der U-Bahn überwiegen weiter die Wintermäntel und Anoraks. Selbst 15-Jährige haben kein Bedürfnis mehr nach Sandalen.

– Mal sehen, ob ich trotz eines Skeletts im Schrank – Verteiler für eine bereits gedruckte Publikation erstellen – ab morgen Abend einen sorgenfreien und entspannten Urlaub schaffe. (Wen versuche ich eigentlich einzulullen: Ich habe doch bereits die Bearbeitung eines ganzen Stapels Unterlagen, die morgen Abend eintreffen werden, aufs Wochenende gelegt, um am Montag verreisen zu können.)

Mal wieder ein paar Lieblingstweets

Mittwoch, 19. Mai 2010

Angela Leinen, Wie man den Bachmannpreis gewinnt

Dienstag, 18. Mai 2010

Es gibt Leute, die die Klagenfurter „Tage der deutschsprachigen Literatur“, vulgo den Bachmannpreis, leben und feiern wie andere Leute (viel, viel mehr Leute) die Fußballweltmeisterschaft – ein mir ausgesprochen sympathisches Spinnertum. Seit 2004 gehört auch Angela Leinen dazu, die ich als Autorin des Blogs Sopranisse kenne. Aus ihrem Blog weiß ich unter anderem, dass sie ganz besonders gerne und viel liest und dass es in ihrer jugendlichen Vergangenheit Walter Kempowski gab.

Das Ergebnis dieser beiden Interessen, Bachmannpreis und Lesen, ist ein Buch: Wie man den Bachmannpreis gewinnt. Angela Leinen hat eine Art Poetik geschrieben, aus der Perspektive einer Leserin und erfahrenen Bachmannpreisbesucherin. Und zwar in einem Tonfall, der gerade durch Leichtigkeit und Ironie verrät, mit wie viel Leidenschaft sie für diese Themen brennt.

Zwar richten ihre Tipps sich tatsächlich vor allem an dem Ziel aus, den Bachmannpreis zu gewinnen, doch formuliert sie durchaus allgemeine Handreichungen, wie und worüber sich gute Geschichten schreiben lassen. Hilmar Klute hat das Buch im Aufmacher der jüngsten Wochenendbeilage der Süddeutschen Zeitung (leider nicht online) als Beispiel für die Umtriebe der Nichtexperten als Rezensenten genannt: „An der Entzauberung der Kunst wird also nicht allein im Internet gearbeitet.“ Was lediglich belegt, dass Herr Klute das Buch nicht gelesen hat: Es geht nicht um Entzauberung, sondern um Reflexion. Die Autorin bezieht sich dabei auf eine ganze Reihe namhafter Werke, die sich über das Entstehen von Geschichten Gedanken machen.1 Und wenn ich an so manche ungelenke Inhaltsangabe denke, die die Süddeutsche Zeitung als Buchrezensionen verkauft, ist mir eine Angela Leinen mit ihrer ungeheuren Belesenheit und Analysefertigkeit deutlich lieber.

Angela Leinen schreibt über geeignete Stoffe für Bachmannpreisgeschichten, von A für „Arbeit, gute ehrliche“ über E für „Ex, Abrechnung mit der/dem“ und K für „Krankheit und Siechtum“ bis X für „XY ungelöst“ – zählt Folgen der und Beispiele für die Behandlung dieser Themen auf und schließt dies jeweils mit Stichpunkten zu Reizen und Risiken der Sujets ab. Sie lässt sich ebenso aus über die Perspektiven beim Erzählen und deren Auswirkungen, über Schauplätze, Motive und die Sorgfaltspflicht von Autoren. Dazwischen stehen Gastbeiträge von Menschen aus dem Literaturbetrieb, die also beruflich Kriterien für die Beurteilung von Geschichten haben, nicht nur als Leser. Kathrin Passig hat das Vorwort geschrieben und macht sich darin Gedanken über die Messbarkeit literarischer Qualität und die besondere Rolle, die dabei der Bachmannpreis spielt. (Wenn allein schon der Versuch einer Objektivierung von Beurteilungskriterien Entzauberung ist, dann hat Hilmar Klute allerdings doch recht. Aber dann ist die gesamte Literaturwissenschaft eine einzige Entzauberung.)

Ich hatte mich sehr auf das Buch gefreut und las es mit Genuss und Belehrung. Passagen bekam der Mitbewohner vorgelesen, und beide glichen wir Angela Leinens Ansichten mit unseren eigenen Leseerfahrungen ab. Sehr schön fand ich unter anderem das Kapitel über Schauplätze (Venedig geht nur noch mit wirklich originellem Twist) und das kluge Nachdenken darüber, warum welche Sexszenen funktionieren und andere nicht. Manchmal passten die Überlegungen allerdings nicht ganz zum Buchtitel – vielleicht wäre das Buch runder geworden, wenn es die Gedanken zum Geschichtenschreiben völlig unabhängig vom Bachmannpreis formulieren hätte können.

Im Anhang stehen auszugsweise die Kriterien für die Automatische Literaturkritik der Riesenmaschine, mit der die Texte des Bachmachmannwettbewerbs beurteilt werden und die aufs Wunderbarste belegen, dass sich die literarische Qualität von Texten zwar nicht absolut messen lässt, in einem ganz bestimmten Umfeld dann aber doch nach wissenschaftlichen Maßstäben. (Hier die vollständige Liste.)

Nebenher tauchen die ganzen 190 Seiten über als positive Beispiele ständig Bücher auf, die ich noch nicht kannte und umgehend lesen wollte. Seien Sie also gewarnt: Wenn Sie auf Angela Leinens Sicht anspringen, beenden Sie die Lektüre des Buches nicht nur mit einem Lächeln in den Augenwinkeln, sondern auch mit einer ziemlich langen Wunschliste.

Während ich ihr Buch las, wurde Angela Leinen übrigens zu meiner ganz persönlichen guten Bachmannpreis-Fee: Sie verschaffte mir kurz vor knapp noch eine Unterkunft in Klagenfurt, und so werde ich dieses Jahr erstmals meinen Traum verwirklichen, den Bachmannwettbewerb vor Ort zu verfolgen.

  1. Andererseits steht Hilmar Klute mit seiner Anmerkung in der guten deutschen Tradition des romantischen Geniekults: Sobald Kunst Können erkennen lässt, ist sie keine Kunst mehr. []

Das Teewunder

Montag, 17. Mai 2010

Mal wieder eine Runde show and tell: Der Mitbewohnervater hat immer wieder in China zu tun und bringt von dort wundersame Dinge mit. Zum Beispiel Tee. Seltsamen Tee. Zum Beispiel diesen:

Im heißen Wasser öffnen sich die Bündel innerhalb einer Minute zu duftenden, blütenartigen Gebilden.

Der resultierende Tee schmeckte vorzüglich: mild-bitter mit einer rauchigen Note. Selbst ich, die ich praktisch jeden Tee in Grund und Boden süße, hatte kein Bedürfnis, daran irgendetwas zu verändern.

Bruder Haas

Sonntag, 16. Mai 2010

Es ist ja nicht so, dass sich unsereiner absichtlich stört, ärgert oder gar aufregt an oder über unfreiwillige Wahrnehmungen: Das machen die Dinge mit uns. Zum Beispiel die Namen von Frühstücken oder Backwaren. Unsereiner, wir stehen leider nicht drüber, uns fehlt neben Gelassenheit die Gabe des großflächigen Darüberhinwegsehens. Vielleicht kann ich das euereiner durch ein Zitat von Wolf Haas ein bisschen verdeutlichen. In Wie die Tiere sagt der Erzähler gegen Mitte des Romans:

Auf einmal hat er sich hundert Jahre alt gefühlt, oder so, wie man sich fühlt, wenn man am nächsten Tag krank wird, oder man geht spazieren, und aus einem offenen Fenster kommt die Stimme eines österreichischen Sportreporters heraus, praktisch totale Depression.

Dieses schlagartige Gemütsverhageln durch eine durch und durch nebensächliche Wahrnehmung – dagegen versuchen wir uns ein Leben lang zu wappnen. In meinem Fall bislang erfolglos. Hin und wieder muss dieses Blog als Ventil für diese Verhagelungen herhalten. (Fragen Sie nicht, was das ganz München verschlingende Christentreffen alles mit mir angestellt hat.)

Linzertorte nach Internet Art

Sonntag, 16. Mai 2010

Vor über zwei Jahren schwappte eine Welle Linzertortenrezepte durch die Foodblogs meines Internets. Aus den Angaben von Claudio, des Linzer Fremdenverkehrsamts, kathas und aus eigenen Vorstellungen habe ich jetzt nach einigen Testrunden eine Zubereitung erarbeitet, mit deren Ergebnis ich sehr zufrieden bin. Und die Frau Mamá, für die Linzertorte ein Lieblingsgebäck ist, hat sich über den Beitrag zu ihrer Frühstückstafel gefreut.

Besonderheiten: Gemahlene Mandeln (Nüsse fände ich ganz falsch), eine möglichst große Form, auf dass die Torte nicht zu dick gerate, von Schwiegermama selbst gemachte Ribiselmarmelade und das eiserne Ziehenlassen über mindestens zwei Tage – egal wie würzig verlockend die Torte daher duftet. Gebacken hatte ich diese konkrete Linzertorte am Himmelfahrtsdonnerstag, angeschnitten wurde sie heute. Das Rezept steht hier.

Liebe Benamser,

Freitag, 14. Mai 2010

eigentlich wollte ich Sie bitten, Frühstücke in Cafés nicht „Fitness“ oder „Fit for fun“ zu nennen: Selbst wenn diese genau die Nahrungsmittel und Gerichte enthalten, die mir zum aushäusigen Frühstück die liebsten sind (Obst, Gemüse, Müesli, Quark, Joghurt, Rührei, Kräuter, Vollkornbrot, frisch gepresste Säfte), werde ich sie niemals bestellen, weil mir ihr Name nicht über die Lippen kommt (ja, meine Peinlichkeitsschwelle ist außerordentlich niedrig). Ebenso wenig, wie ich eigentlich interessante Backwaren namens „Power-Laiberl“ oder „Kornikus“ trotz aller inhaltlichen Sympathie niemals über die Bäckereitheke sagen werde.

Doch vielleicht bin ich auch in dieser Hinsicht mal wieder exzentrisch: Verkaufen sich diese Angebote am Ende gerade wegen ihrer Namen besser? Haben Sie dazu vielleicht sogar Erfahrungswerte darüber?


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