Warum ich noch nie Blut gespendet habe

Montag, 18. Oktober 2010 um 14:58

Weil ich nicht darf.

Ich gebe zu: Als ich vor etwa 15 Jahren zum ersten Mal Blut spenden wollte, ging es mir nicht etwa um das Wohl der Menschheit im Allgemeinen oder das von Patienten im Speziellen – ich wollte lediglich endlich meine Blutgruppe wissen. Wenn ich bei dieser Gelegenheit gleich etwas Gutes tun konnte, umso besser.

Ich erkundigte mich also im Internet, wo ich in meiner damaligen Wohnstadt Augsburg Blut spenden konnte. Auf der Website mit den entsprechenden Adressen fand ich einen Verweis auf Informationen, wer überhaupt spenden darf und wer nicht. Ich gelangte zu einem langen Dokument der Bundesärztekammer, das unter anderem auflistete, wer von der Blutspende ausgeschlossen ist. Gewissenhaft las ich es durch. Zu den „Kriterien für einen Dauerausschluss“ gehörten demnach:

Personen mit dem Risiko der Übertragung spongiformer Enzephalopathien (TSE):
(…)
– nach einem Aufenthalt im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland von insgesamt mehr als 6 Monaten in den Jahren 1980–1996

Oha. Ich habe vom September 1991 bis August 1992 in Wales gelebt und studiert. Das war es also mit der Chance auf Blutspende in Deutschland. Dieselben Ausschlusskriterien gelten übrigens für Knochenmarkspenden.

Jahr für Jahr sehe ich nach, ob dieses Verbot inzwischen abgeschafft wurde – besteht denn tatsächlich ein direkter Zusammenhang zwischen Creutzfeldt-Jakob und BSE? Doch nein, ich darf bis zum heutigen Tag kein Blut spenden (genauso wenig wie „Männer, die Sex mit Männern haben (MSM)“, aber dieser Umstand ist zumindest heftig umstritten).

Hier der Link zu den aktuellen Richtlinien der Bundesärztekammer (pdf). Die zitierte Passage steht auf den Seiten 23/24. (Die „MSM“-Diskussion steht gleich im Vorwort.)

Wo ich Blut spenden dürfte, ist logischerweise Großbritannien. Und so halte ich bei meinen jährlichen Aufenthalten in Brighton immer Ausschau, ob ich nicht zufällig eine Spendenaktion erwische. Hat sich leider bislang nicht ergeben.

Bizarr.

die Kaltmamsell

8 Kommentare zu “Warum ich noch nie Blut gespendet habe”

  1. croco meint:

    Im Vereinigten Königreich wurde ein intensiven Kontrollsystem aufgebaut, um frühzeitig Hinweise auf mögliche vCJD-Übertragungen zu erfassen. So wurden kürzlich 2 ältere Patienten mit vCJD identifiziert, die Erythrozyten-Konzentrate von Spendern erhalten hatten, die später an vCJD verstorben waren. Auch die beiden Empfänger der Blutprodukte sind inzwischen verstorben. Damit mehren sich die Hinweise, dass vCJD nicht nur über die Nahrungsmittelkette, sondern möglicherweise auch durch Blut übertragen werden könnte.
    Hier geht es weiter:
    http://www.chirurgie-portal.de/infektionen/creutzfeldt-jacob-krankheit.html

    Aber warum gerade „6 Monate“ als Grenze gesetzt ist, ist mir schleierhaft.

  2. Sabine meint:

    Au fein, da habe ich ja endlich eine stichhaltige Ausrede!

  3. Angel meint:

    Interessant.

    Ich war schon mal Blut spenden, in der Firma damals, habe mich aber nicht so gründlich vorab informiert. Bei den vielen Fragen die vorab auf einem Formular zu beantworten waren, kam das aber nicht vor. Sonst hätte ich auch wieder gehen müssen.

    Ich frag mich grad, wieso das nicht auf dem Fragebogen war, wenn es sogar für einen lebenslangen Ausschluss taugt.

  4. Trolleira meint:

    Kenn ich, ich wollte zwar nie Blutspenden, aber der Organspendeausweis war schon viele Jahre in meiner Brieftasche – als ich dann meine Diagnose bekam und ich scherzhafterweise zu meinem Mann sagte – er solle nicht vergessen im Falle eines Falles, dass ich ebensolchen Ausweis habe, fanden wir raus, dass ich wegen der Diagnose Krebs keine Organe mehr spenden darf! Das machte mich dann doch sehr traurig, weil ich so eine Chance verloren habe, anderen zu helfen.

  5. die Kaltmamsell meint:

    Oh, Trolleira, nicht das auch noch! Ich sehe gleich mal nach, ob das bei allen Krebsdiagnosen jemals gilt, denn dann trüge ich meinen Organspendeausweis ebenfalls seit Jahren sinnlos herum.

  6. die Kaltmamsell meint:

    Zumindest ich habe Glück gehabt: Lediglich akute Krebserkrankungen schließen von der Organ- und Gewebespende aus. Natürlich nicht nur deshalb, Trolleira, drücke ich Ihnen die Daumen für eine Genesung!

  7. Trolleira meint:

    Liebe Kaltmamsell – Du auch?! …ich denke wir sagen Du, für mich ist das „Sie“ im Internet und als lange Zeit im Ausland Lebende einfach nicht mehr nachvollziehbar!

    Aber danke für den Tip – werd mich mal durch den Artikel lesen – das würde mich für die Zukunft auf alle Fälle glücklicher machen.

    Liebe Grüsse aus Brasilien,
    Trolleira

  8. creezy meint:

    Hm, also das Problem dabei ist nicht unbedingt JCK sondern die jüngere Variante, vCJD genannt, bei der ziemlich sicher ist, dass es zum eine tatsächliche ausschließlich Infektionskrankheit handelt (JCK ist nachgewiesen auch genetisch übertragbar) – vorausgesetzt aber übrigens überhaupt man bringt dafür eine genetische Disposition mit! Und da gab es eben einige Fälle mit ganz klar vom Rind stammenden Implantaten (also aus Rindermaterial hergestellt) beim Menschen, die diese Übertagungsvariante im kurz vor dem dreistelligen Prozentbereich sehr wahrscheinlich machen. Tests an Affen lassen mittlerweile kaum einen Ausschluss dieses Übertragungsweges zu.

    Den 100%igen Nachweis, dass die Übertragung von an BSE erkrankten Rindern auf den Menschen so funktioniert, wird sich selbstverständlich aus ethischen Gründen niemals wissenschaftlich fundiert erbringen lassen. Und wenn man sich die Krankheitsverläufe bei Menschen von Scrapie in den Ländern ansieht, in denen rohe Schafsaugen als Delikatesse gelten … – sofern sie dort 100%ig dokumentiert sind, was natürlich nicht anzunehmen ist, muss man auch bei BSE zwangsläufig von der Infektionskette Tier-Mensch ausgehen.

    Letztendlich ist aber der Ausschluss bei Blut- und Organspenden tatsächlich sinnvoll – auch über die lange Distanz hinweg. vCJD hat eben eine irrsinnige lange Inkubationszeit, wir reden hier von bekannt 40 Jahren und länger!

    In Frankreich steigen gerade wieder die Zahlen von an vCJD erkrankten Menschen. Ich erinnere mich, als ich 1986 längst brav kein Rind mehr aß, einen Zeitungsartikel gelesen zu haben, in dem die Zahlen publiziert wurden von Rindfleisch, dass (vor dem damaligen Exportverbot) aus GB nach Frankreich exportiert wurde und die französischen Importvergleichszahlen. Da hatten die Franzosen ein paar Tonnen mehr britisches Rindfleisch importiert als die Britten hätten exportieren dürfen. Frankreich weigerte sich später dem Embargo Folge zu leisten überhaupt noch britisches Rindfleisch zu importieren. Interessanter med. Fachartikel dazu, wenn auch schon älter (2001). Die scheinen langsam die Quittung zu erhalten. ;-(

    Dass Du in GB spenden dürftest, halte ich ehrlich gesagt für Hardcore. Oder aber die haben da schon resigniert. Also die wissen, dass auf die noch eine riesige Welle an Erkrankungen zurollen wird, da vCJD ja nunmehr auch in bestimmten Organen jenseits des Hirnes (Milz, Tonsillen) nachgewiesen wurde, ist bekannt, – man untersucht das Gewebe jetzt immer fleißig bei Entnahmen – dass viele Briten zumindest infiziert sind. Wie gesagt, zum Ausbruch muss man auch eine genetische Disposition an Bord haben …

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