Auszeitjournal Dienstag, 28. August 2012 – die Schwabinger Fliegerbombe

Mittwoch, 29. August 2012 um 8:12

Ein bewegendendes Plädoyer für die große Liebe und den Kampf darum bei Vigilien.

The truth is that the only thing that would have worked would have been: To choose wisely. And then. never. quit. ever.

Ich fürchte, so ist es. Dass es aber auch unendlich schwierig ist, große Liebe ernst zu nehmen (woran merkt man die? ist das vielleicht doch nur eine Magenverstimmung?), vom Brand der körperlichen Anziehung zu unterscheiden. Dass es großes Glück ist, sie überhaupt zu erleben, überhaupt auf diese große Sache zu stoßen. (Und ich kenne es, dass man tiefe Dinge besser – oder überhaupt nur – in einer anderen Sprache als der Muttersprache sagen kann.)

via @ankegroener

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Der Termin der nächsten re:publica steht fest: 6. bis 8. Mai 2013. Ein Thema habe ich noch als Vorschlag in der Hinterhand; mal das Motto der Veranstaltung abwarten.

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Doch noch einen Hochsommertag geschenkt bekommen, ihn im Einzelbad eingelöst (und Sonnenbrand geholt). Meine Bewegungen sind derzeit reichlich hölzern: Die 20 Minuten Gymnastik am Montag fühlten sich gar nicht so anstrengend an, bewirkten aber einen Muskelkater (obere Beine, Po), wie ich ihn seit Monaten nicht mehr hatte. Zwei Tage Sportpause sind wahrscheinlich eine gute Idee. Tagesaufzug:

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„Hält in Atem“ gehört zu den journalistischen Floskeln, die in die Metaphernverklappung geworfen werden sollte. Doch das tat gestern Nacht wirklich die Fliegerbombe, die Montag in München Schwabing gefunden worden war. Einige Straßenzüge waren noch Montagabend evakuiert worden, Fachleute kamen zu dem Schluss, dass eine Entschärfung der Bombe nicht möglich war: Sie sollte am Dienstag kontrolliert detonieren. Doch das zog sich bis spät in die Nacht. Über den Live-Bericht auf dem Onlineportal der Süddeutschen (genau dafür seid Ihr da, endlich verstanden?) informierte ich mich über die Sprengung, erfuhr, dass Funken die Dachstühle angrenzender Häuser entzündet hatten, dass die Schaufenster der umliegenden Geschäfte geborsten waren. Draußen hörte ich immer wieder Martinshörner.

Solche Bombenfunde lassen mich an die Menschen denken, die dafür plädieren, man solle den Zweiten Weltkrieg, seine Gräuel und Verbrechen „endlich mal vergessen“. Sie sind der beklemmende Beweis, wie sehr diese Geschehnisse zu unserer Gegenwart gehören. Selbst bin ich ja mit Kriegsversehrten aufgewachsen, mit Zwangsarbeitern, Kriegsflüchtlingen, ich kenne viele Kriegsgeschichten aus dem Mund von Zeitzeugen. Ich bin sicher, dass durch diesen Bombenfund wieder einige Eltern mit Fragen ihrer Kinder konfrontiert wurden, erklären mussten – nicht umhin kamen, das große Thema Krieg auf eigenem Boden anzuschneiden. Bei der Gelegenheit selbst mal nachschlagen. Ins Stadtmuseum gehen. Die Uroma oder die 90jährige Nachbarin nach ihren Erinnerungen fragen. Gut so.

die Kaltmamsell

9 Kommentare zu „Auszeitjournal Dienstag, 28. August 2012 – die Schwabinger Fliegerbombe“

  1. Frau-Irgendwas-ist-immer meint:

    Ich habe, ehrlich gesagt, bei dem Thema Bombenfund+München nur gedacht: Warum ist das dort so selten?
    Hier in Berlin, noch öfter aber in Oranienburg (ja ich weiß warum Oranienburg) ist das mit den Bombenfunden fast noch `Tagesgeschäft`.
    http://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/regioline_nt/berlinbrandenburg_nt/article108842851/Fuenf-Zentner-Bomben-in-Oranienburg-gefunden-Zuege-betroffen.html
    Gut das bei Ihnen alles so ausgegangen ist!

    Hier schaut es nach einem weiteren schönen Spätsommertag aus, ich hoffe, Sie genießen den Ihren in München!

  2. iv meint:

    Ich glaube, es ist in München auch nicht so selten, nur selten, dass es so schwierig ist, die Dinger unschädlich zu machen.
    Mir ging’s aus der Ferne ähnlich bei Verfolgung der Berichterstattung, (nur an ein paar Stellen hatte ich das Gefühl, da freuen sich ein paar Journalisten ein wenig zu eindeutig über dieses gefundene Sommerloch-Fressen). Und komischerweise (oder logischerweise?) ist eine massive Welle von sonst eher latentem Heimweh nach München quasi stichflammenartig in mir hochgeschleudert worden.
    Und ich hatte auch einen sehr ähnlichen Gedanken – solche Ereignisse als Geschichtszeichen zu betrachten. Solche Bomben werden ja wahrscheinlich auch in 20 oder 30 Jahren noch gefunden werden, wenn wirklich niemand mehr lebt, der den Zweiten Weltkrieg erlebt hat.

  3. adelhaid meint:

    bei der gelegenheit vielleicht wirklich den fokus auf ‚krieg auf eigenem boden‘ zu legen, ist vielleicht wirklich keine schlechte idee. in den letzten jahrzehnten konnte man ja vielfach zukucken, wie in, für die westliche welt, weit entfernten ländern krieg geführt wurde (und wird) und ich beobachte an den nachbarskindern (4 stück zwischen 15 und 5) doch eine sehr große distanz zu diesem thema.
    irgendwer hat gestern getwittert (ungefähr so): was regt ihr euch über eine bombe so auf. stellt euch vor, da kommen 50 stück von am tag runter.

    wenn eine kontrolliert gesprengte bombe schaufenster in der näheren umgebung bersten lässt und dachstühle in brand setzt, dann kann man sich mit unseren augen nur schwer vorstellen, was unkontrollierte bomben so alles anrichten können.

    ich denke, diese perspektive sollte man wirklich nicht vergessen, und nach den bildern gestern verstehe ich meine über 70jährige mutter wieder ein bisschen besser, wenn sie den fernseher umstellt bei allzu großen feuerwerksübertragungen.

  4. Micha meint:

    Um auf den ersten Gedanken einzugehen:

    ich glaube, dass große Gefühle (Trauer, Liebe, Schmerz ect.) meist nicht in Worte zu beschreiben sind und wenn dann ists nicht vielen gegeben, das zu können. Goethe: *Und wenn der Mensch in seiner Qual verstummt, Gab mir ein Gott zu sagen, wie ich leide.* (aus *Tasso*/ gilt meines Erachtens ebenso für die gegenteilige Gefühlslage). Veilleicht hilft dem ein oder anderen ein leichter Distanz-Effekt, der mit einer Fremdsprache einher geht. Leider bin ich dem Englischen nicht ganz so mächtig, dass ich Vigiliens Text völlig erfaßen kann – schade!

    Strohfeuer und Magenverstimmungen eint ihre Kurzlebigkeit, denn von Verliebtsein zu Liebe ist es ein weiter Weg. Unsere Wahrnehmung hilft einem im Erkennen eines guten Zustands zudem oft nicht. Zumeist konzentriert sie sich auf das, was ihr ermangelt und läßt dabei außer Acht, was sie erhalten hat. Komischerweise scheint häufig das, was man NICHT hat, mehr wert zu sein, als das, was man hat. Stichwort Zufriedenheit. (Alles recht, so wie es ist…)

    Zur Fliegerbombe: Mich haben die Bilder im I-net zur Entschärfung eher wieder deutlich gemacht, was ein unfaßlicher Luxus es ist, dass in Europa eine solch lange Friedensperiode herrscht.

  5. philine meint:

    Als ich an dem „Bombenentschärfungsabend“ noch bei geöffneten Fenstern sass, dachte ich erstmal: schon wieder ein Feuerwerk im Olympiapark. Erst am nächsten Tag erfuhr ich von der kontrollierten Sprengung.
    Nur gut, dass die Assoziationen von entfernten Detonationsgeräuschen so positiv besetzt sind – es schärft allerdings auch das Bewusstsein, wie gut es uns geht, in diesem friedlichen Europa.

  6. Julia meint:

    habe die entschärfung atemlos verfolgt, da ich in meiner münchner zeit lange in der gestrigen sperrzone gewohnt habe – wohl also evakuiert worden wäre. die bilder heute früh haben mich wirklich erschüttert, da ich die ecke ja sehr gut kenne. ich kann mich adelheid nur anschließen: wenn das eine kontrollierte sprengung war, wie müssen dann die städte nach bombenangriffen ausgesehen haben. unendlich glücklich, dass ich das bisher noch nicht erleben musste…

  7. coolcat meint:

    bei den bildern der sprengung gestern musste ich an die mutter des vaters meines exfreundes denken, die mir mit 87 jahren erzählte, wie sie ihren sohn in einer bombennacht im keller zur welt brachte. nicht im luftschutzkeller, sondern im keller des eigenen wohnhauses unter den augen aller anderen nachbarn, während drumherum dutzende solcher bomben niedergingen, die wände wackelten, man schreie hörte und es nach rauch roch. kann man sich das vorstellen?
    das ist für mich immer schon irgendwie unfassbar gewesen, dass meine großeltern zwei kriege mitgmacht haben, meine eltern als kleinkinder noch die letzten 2 jahre des krieges und die nachkriegszeit, und ich werde mit großer wahrscheinlichkeit nie etwas vergleichbares erleben müssen. und dann sagt unsere generation der älteren, das wäre ja alles vorbei und man müsste das doch endlich mal hinter sich lassen können.

  8. Ellen meint:

    Eine ziemlich profane Anmerkung, aber wie wäre es mit etwas mehr Absatz an den Schuhen zu den schicken Kleidern und Röcken, die ich die letzten Wochen hier gesehen habe? Mit Plateauschuhen kann man erstaunlich bequem laufen.

  9. die Kaltmamsell meint:

    Ich leider nicht, ellen: Bürostrecken, Schlendern oder ums Eck zum Milchholen ja, aber 15 bis 45 Minuten strammen Schritts von A nach B kann ich schadlos nur noch in dafür ausgelegten Schuhen zurücklegen. Und ich gehe gerne zu Fuß.


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