Auszeitjournal Montag, 27. August 2012 – Lesen im Grünen

Dienstag, 28. August 2012 um 8:56

Es war ein Montag, um den ich mich beneiden würde, hätte ich ihn nicht eh gehabt.
Nachtrag: Gekleidet war ich wie am Vortag.

Als Sport hatte ich mir Aerobics, Gymnastik (Kraft-Ausdauer-Training) und Crosstrainer-Strampeln herausgesucht, der Himmel dazu war bayerisch weiß/blau.

Frühstück mit Zeitunglesen gab es um die Mittagszeit im Café Hüller: Ein herrlicher Pfannkuchen, gefüllt mit frischen Feigen, Ziegenfrischkäse und Honig. Den Cappuccino dazu kann ich weniger empfehlen, er hatte lediglich mittlere Münchner Qualität.

Um den Putzmann in Ruhe seine Arbeit in unserer Wohnung tun zu lassen, suchte ich mir draußen ein Plätzchen zum Lesen. Da ich eh gerade in der Ecke war, fiel mir der Rosengarten ein, offiziell Städtische Baumschule Sachsenstraße. Ich sah mich um und setzte mich dann auf eine Bank unter einer Trauer-Rotbuche in den Schatten.

Wenn ich nicht gerade Eichhörnchen zusah oder meinen Blick schweifen ließ, las ich The Hunger games zu Ende. In erster Linie beschäftigt mich der enorme Erfolg des einfach gestrickten Buches, in dem alles direkt geschildert wird, nichts indirekt gezeigt (Ausnahme ist die Ich-Erzählerin, die auch mal platt unzuverlässig wahrnehmen darf), kaum ein origineller Gedanke aufscheint. Es gibt keine Brüche, keine Weiterentwicklung der Charaktere (Ausnahme der fortschreitende Hormonpegel der Protagonistin). Am wahrscheinlichsten fesselt der Romanhintergrund aus Model- und Castingshows sowie der gesamten scripted reality, die wohl den Medienkonsum der meisten Leserinnen prägen. Ich genieße blanke Unterhaltungsgeschichten in Buchform sehr wohl, doch ein wenig besser geht das schon (Erinnerung an mich: Tal der Puppen rauslegen. Und Umberto Ecos Aufsatz über gute schlechte Literatur versus schlechte schlechte Literatur nachblättern).

Die Wendung am Ende von Hunger Games ist allerdings stark genug, zumindest betont die Erzählerin mehrfach, dass sie eine echte Überraschung mit großen Auswirkungen ist, dass auch ich wissen möchte, wie es weitergeht, ob sie eine Weiterentwicklung bewirkt: Ich werde wahrscheinlich den nächsten Band zumindest anlesen.

die Kaltmamsell

6 Kommentare zu „Auszeitjournal Montag, 27. August 2012 – Lesen im Grünen“

  1. Iris meint:

    Liebe Kaltmamsell,
    falls Sie finden oder zur Hand haben, wo der Umberto-Eco-Aufsatz erschienen ist – könnten Sie die Fundstelle vielleicht „veröffentlichen“? – mich würde es sehr interessieren…
    Und ich glaube, dass im Teenageralter auch das Teenager-Verhalten der Hunger-Games-Protagonistin zum Identifizierungspotential beiträgt…mich hat’s genervt.
    Herzliche Grüße!

  2. Daniela meint:

    Oh, Sie lesen die Hunger Games? Der zweite, v.a. der dritte Band bieten meines Erachtens durchaus Überraschungen. Ich fand die Bücher gut zu lesen (auf Englisch – damit mein Schulenglisch nicht ganz einrostet) und unterhaltsam. Sicher ändert eine literaturwissenschaftliche Ausbildung das Lesen enorm, weil man mehr Ebenen im Blick hat und differenzierter wahrnimmt. Vielleicht lesen Sie ja auch mal die „A Song of Ice and Fire“-Saga und schreiben darüber. Da würd‘ mich Ihre Meinung wirklich sehr interessieren.

  3. kecks meint:

    …zu den hunger-games: der erste band ist mit abstand der beste. der zweite und dritte lohnen nur zum kusorischen querlesen. ich denke, das ganze ist so erfolgreich, weil es die lebenswelt unser mediengesellschaft sehr schön spiegelt – ständiges optimieren der eigenen fremdwahrnehmung („was denken die anderen von mir, wenn ich xy tue/schreibe/poste/anziehe? und welche auswirkungen hat das dann für mich?“), permanente inszenierung (das war schon immer so, aber noch nie so bewusst wie heute, bedingt durch medienwandel, stichwort ‚medien zum mitmachen‘). im film zum ersten band kommt das noch schöner raus.
    (der-noch-nicht-geliebte vor dem gang in die arena zu cat im film: „ich möchte wenigstens ein bisschen ich selbst bleiben, mir selbst gehören; ihnen zeigen, dass sie nicht völlig über mich verfügen können.“ cat: „i can’t afford to think that way.“ – zitat so ungefähr.)

  4. Hammwanich meint:

    Was @kecks sagt. Ich bin durchaus manchmal dankbar für einfach unterhaltsame Lektüre und der erste Band hat mir allein schon wegen der Idee hinter der Geschichte gut gefallen. Alles was danach kommt ist, mit Verlaub, wirklich schlecht. Insbesondere beim dritten Band hatte ich mehr als deutlich das Gefühl, dass er unter großem Zeitdruck und recht lieblos runtergeschrieben wurde (wahrscheinlich dem großen Erfolg des ersten Bandes geschuldet). Meine Erwartungen an die Fortsetzungen wurden also leider nicht erfüllt. Wenn du allerdings weiterliest, würde mich deine Einschätzung sehr interessieren.

  5. Allabouteve1950 meint:

    Es gibt eine ganze Reihe von Büchern, deren Erfolg mir ein Rätsel ist. Ich weiß gute schlechte Literatur sehr zu schätzen, insbesondere in den Nächte, in denen ich nicht schlafen kann. Aber die Twilight-Triologie (Kapitulation nach dem ersten Band) oder Shades of Grey (grademal knapp die Hälfte des ersten Bandes geschafft) sind so unterirdisch (ist das schlechte schlechte Literatur?), dass sich die Frage stellt, ob der Erfolg nicht auch von den Medien gemacht ist. Wer mitreden will, „muss“ die Bücher kennen. Das ist wie mit häßliche Modetrends. Irgendwann sind sie einfach da, sind laut Instyle, Cosmopolitan etc. angeblich wahnsinnig angesagt und ehe man sich versieht, laufen die Frauen in Haremhosen rum.

  6. Claudia meint:

    … Tal der Pupppen von Jaqueline Susann? Wie habe ich das verschlungen als ich ca. 15 war! Mal suchen, vielleicht finde ich es noch im Keller bei den ausgelagerten Büchern und nehme es mit in den anstehenden Urlaub.

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