Auszeitjournal Freitag, 5. April 2013 – roter Kopf und Atemwölkchen

Samstag, 6. April 2013 um 9:50

Ich bin wirklich keine Sprinterin: Wenn mein Kreislauf zu schnell hochgejagt wird, hört der Spaß auf. Was ich gestern wieder bestätigt fand, als ich mich sehr spät auf den Weg zur Hüpfstunde am Ostbahnhof machte und wie eine gesengte Sau unter anderem den Berg am Gasteig hochstrampelte. Ich kam mit knallrotem Kopf im Sportstudio an, und diese Färbung brachte ich in den gesamten 90 Minuten der folgenden sportlichen Betätigung nicht mehr los.
Ich muss meinen Puls langsam hochbringen, etwa über 20 Minuten. Dann aber laufe ich wie das Duracell-Äffchen, bis mir langweilig wird. Deswegen ist ja auch Spinning nichts für mich, und das erklärt die Länge meiner Sporteinheiten.

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Von Arzttermin in Giesing in die Maxvorstadt geradelt, um Bücher abzuholen. Unter bleigrauem Himmel im mittäglichen Dämmerlicht auf der Ludwigsstraße in Radlerpulks an roten Ampeln gestanden (ja, auch in München gibt es welche, die daran halten), alle hatten Wölkchen Atems vorm Gesicht. Der ewige Winter hat schon etwas Apokalyptisches.

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Ein paar hochinteressante Beobachtungen zum Geschlechterungleichgewicht am Arbeitsplatz von Penelope Trunk. Zum Beispiel:

Unmarried men almost always say they want to share household duties equally. However this is so completely not how it turns out that evolutionary psychologist David Buss says the equality thing is merely a mating call. Men can’t be in a relationship today unless they say they want to assume household duties.

I actually think men do want to do half. But they want to do half of what they think needs doing. So, for example, changing the sheets on the kids’ beds does not matter to a guy. The sheets don’t have poop on them, so they’re clean. If the sheets have poop on them, the guy has no trouble changing them. He does it immediately.

(…)

The New York Times reports that women work more hours at the office than men do. There’s a problem with that statistic too, though. Men think they are working at work just like they think they are doing chores at home. Most of work is social. So women are putting their heads down and knocking out their to-do lists while men are running betting pools.

The problem with the data about who works harder at the office is who defines what work is—the same problem is at home, defining housework. At the office, the most important work is socializing. It’s the stuff that comes from emotional intelligence and makes you an office politics star. The real work at work is knowing what people need and helping them get it so they give you what you need.

Das ist natürlich unzulässig verallgemeinernd, jedem und jeder fallen sofort Gegenbeispiele ein. Aber das könnte ein Muster sein. Und ich bin überzeugt, dass dieses Verhalten nicht angeboren ist – wenn auch möglicherweise so früh und so stark von der Umgebung und ihren Erwartungen geprägt, dass sich Ausbildung und Arbeitsplatz zum Ausgleich darauf einstellen müssen. Die Forderungen, die Penelope Trunk ausführt sind:

1. Stop treating men and women the same.
2. Understand the different stages of life.
3. Accept that this is a problem inherent in school.

Wegen der Gefahr der Verallgemeinerung möchte ich auch hier den Kampf gegen das wiederholen, was meiner Meinung nach das Grundproblem ist: Stop stereotyping.

via @antjeschrupp

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Sie und ich träumen nur davon (WIR KÖNNEN NICHT ANDERS!), andere tun’s: The Tutor Crown korrigiert Graffiti. (Hat noch niemand „Oberlehrer“, „Korinthenkacker“ oder „typisch deutsch“ gerufen? Na? Ich warte!)

via @marthadear

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Der Mitbewohner trug ein köstliches Abendessen auf: Artischocke mit Knoblauchmajonese und Terrine nach dem Rezept von Nathalie. (Note to self: Grüner Veltliner passt nicht zu Artischocke, das nächste Mal lieber wieder Sauvignon Blanc o.ä.)

130405_Artischocke

130405_Terrine

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Neben dem Internetlesen im Fernsehen Gladiator laufen lassen, auch schon wieder 13 Jahre alt. Schon arg pathetisch, aber es freut mich immer, Derek Jacobi zu sehen. Die standard Hans-Zimmer-Sülze mit elektronischen Buschtrommeln, die das Ganze musikalisch zukleistert, ist allerdings schwer erträglich. Und kann es sein, dass Russel Crow eine Lächel-Ausschluss-Klausel in seinen Verträgen hat?

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Kleiner Samstagsgenuss:

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5m80 from Cube Creative on Vimeo.

via @charmingLiisa

die Kaltmamsell

8 Kommentare zu „Auszeitjournal Freitag, 5. April 2013 – roter Kopf und Atemwölkchen“

  1. Preißndirndl meint:

    Oh, einmal 5m80 sein! Ganz und gar wunderbar und staunenswert :-).

  2. Frau Miest meint:

    Also eine Lächel-Ausschluss-Klausel garantiert nicht in allen Filmen. Da muss ich nur an „ein gutes Jahr“ denken, der einfach wunderschön ist.

  3. walküre meint:

    2. Understand the different stages of life.

    Ein Thema, das meiner Ansicht nach noch schwer unterschätzt wird, denn nie zuvor haben Menschen in unseren Breitengraden eine derart hohe durchschnittliche Lebenserwartung gehabt wie heutzutage, was aber mit sich bringt, dass in einem einzigen Leben durchaus mehr als ein einziges Lebensszenario Platz findet. Die Zeiten, in den ein Mensch schon recht alt war, wenn er die 50 erreichte, liegen noch nicht lange zurück; unsereins hat mit etwas Glück noch das halbe Leben vor sich, zumindest aber etliche Jahre voll Energie und Schaffenskraft sowohl in geistiger als auch in körperlicher Hinsicht.

    Wenn ich mich selber als Beispiel nehme, dann geniere ich mich zwar für nichts, was ich bisher getan habe, sehe allerdings, dass mich manche Ziele, die ich vor meinetwegen 25 Jahren für erstrebenswert erachtet habe, nicht einmal mehr ansatzweise interessieren, weil sich die Prioritäten einfach verändert haben – und es noch immer tun.

  4. Croco meint:

    Das Video ist allerliebst, auch die Korrektur der Aufschriften gefällt mir.
    Wie sollen sich die Ghettokids je anständig ausdrücken können, wenn keiner sie berichtigt?
    Das mit dem Zeitaufwand bei der Hausarbeit ist so eine Sache.
    Wo wir Frauen schrubben, sehen Männer oft den Sinn nicht ein.
    Es muss nicht dauernd alles glänzen. Davon kommen auch keine Insekten ins Haus.
    Was ich aber am Arbeitsplatz feststelle: Männer können durchaus Prioritäten setzen, und diese mit der größten Selbstverständlichkeit vertreten.
    Wenn Frauen eine Arbeit nicht erledigen, oder zu spät, begründen sie immer und entschuldigen sich. Und verlieren so ganz schnell an Boden. Sie werden zu Schuldigen, selbst hineinmanövriert.
    Statt sie einfach sagen: das mache ich nächste Woche.Da habe ich Zeit dazu.

  5. Modeste meint:

    I actually think men do want to do half. But they want to do half of what they think needs doing.

    Das trifft es vermutlich. Das Problem an der Sache besteht natürlich darin, dass sie oft keine Lust hat, in einer Wohnung zu wohnen, die so sauber ist, dass es ihm reicht. Im Grunde gibt es da nur zwei Auswege, um als Frau des Hauses nicht alles allein zu machen: Entweder man investiert in die Putzfrau, auch wenn man eigentlich kein Geld dafür hat. Oder man verhandelt hart, schriftlich und vereinbart Vertragsstrafen. Viele Männer verstehen die Sprache sanktionierter Vertragspflichten nämlich ganz gut.

  6. Susann meint:

    Aber, Kaltmamsell, der Gladiator leidet doch 99% des gesamten Films – wo sollte der denn lächeln?

  7. die Kaltmamsell meint:

    Oder, Modeste, man versucht es mit der Erklärung Wartung/Reparatur: Regelmäßige Wartungsarbeiten sollen ja in Produktionsstätten verhindern, dass überhaupt etwas repariert werden muss. Mit Putzen ist es ähnlich: Ein regelmäßiger Turnus unabhängig vom Verschmutzungsgrad verhindert die Versauung. (Putzhilfe ist Gold wert. Ich würde notfalls Putzen gehen, damit wir sie uns leisten können und den Ehefrieden bewahren.)

    Leidet er in A Beautiful Mind auch durchgehend, Susann? Ich glaube, sein einziges Lächeln dort fand auf dem Kinoplakat statt.

  8. Susann meint:

    @Kaltmamsell

    Keine Ahnung, den hab ich nicht gesehen. Aber für mich ist der Russel Crowe auf den stark-herb-männlich-aber-doch-sensiblen Leider abonniert. WENN der mal einen Lachkrampf hätte, würd’s mich irritieren.

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