Journal Freitag, 6. September 2013 –
Wind von vorn

Samstag, 7. September 2013 um 19:29

Weil das Wetter nochmal ganz in Sommer machte, vor der Arbeit zum Laufen an die Isar. Es war wieder wundervoll, Anblicke wie am Mittwoch, doch diesmal wieder in fast völliger Einsamkeit. Wie der Wind gelaufen, die inzwischen gewohnte Frühmorgenstrecke in fast fünf Minuten weniger als sonst.

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In der Arbeit einen Twitter-Account aufgesetzt für einen Kunden, erste Tweets abgesetzt, gleich mal Spaß gehabt mit der Verlinkung von Berichterstattung über diesen Kunden (“Aber das ist doch anders, als wir das kommunizieren!”). Die “Social Media ist ein weiterer Kanal, in den wir unsere Botschaften pusten können”-Schule. Na gut, ich wollte mich ja in just following orders üben.

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Schon vom Büro aus den schlichten Gesang urtümlicher Männerchöre vernommen. Bei Einkäufen in der Innenstadt (Wandersocken!) festgestellt, dass diese voll Idioten war. Da das Oktoberfest noch nicht begonnen hat, konnte das nur bedeuten, dass ein Fußballspiel anstand.

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Abendbrot auf dem Balkon, der Mitbewohner hatte auf meine Anregung gedämpften Lauchpudding bereitet (allerdings mit vegeterian suet, in München erhältlich bei Pomeroy & Winterbottom), in einer unserer zwei (!) Dampfpuddingformen. Schmeckte ganz ausgezeichnet. Der hübsche Rosé dazu war ein spanischer Altius Rosado 2012 aus 100% Merlot, sehr fein mit wenig Beeren, dafür Säure am Anfang und weicher Milde am Ende. Der zweite aus dem Rosé-Probierpaket von Vinos.de, schon der erste hatte mir sehr gut geschmeckt: Viel Himbeerbonbon im Viña Tobía (reiner Garnacha aus der Riója).

130906_Lauchpudding

Noch vor zehn Schlafen gegangen, denn: Erwachsensein bedeutet, dass man so früh ins Bett darf, wie man will.

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Harte Lektüre: Caroline Criado-Perez’s speech on cyber-harassment at the Women’s Aid conference

Bitte bedenken Sie, dass die Frau sich lediglich für die scheinbare Winzigkeit von mehr Frauenbildern auf britischen Banknoten eingesetzt hat, mehr nicht. Woher nur kommt schon hier die unglaubliche Hasslawine, die über sie hereinbrach?

Die verbreitete Empfehlung, eine Frau könne sich vor diesen unerträglichen Hassattacken und Aggressionen doch ganz einfach schützen, indem sie sich nicht mit solchen Themen in die Öffentlichkeit begebe, erst recht nicht mit den Folgen, empört mich besonders. Tatsächlich haben wir hier das ideale Beispiel eines Triple Bind:
Eine Frau, die Aggressoren und Täter beim Namen nennt, setzt sich der Gefahr aus beschuldigt zu werden, eine Hetzjagd anzuzetteln.
Eine Frau, die die Identität von Aggressoren und Tätern schützt und von deren Taten anonymisiert spricht, setzt sich der Gefahr fehlender Glaubwürdigkeit aus.
Alle Frauen, die über Angriffe und Aggressionen schweigen, setzen Sprecherinnen der Gefahr aus, als (selbst verschuldete?) Einzelfälle zu gelten, nicht etwa als Symptome eines verbreiteten Problems.
Griechische Tragödie vom Feinsten.
(Es gab dazu kürzlich einen Strichfiguren-Cartoon, den ich leider nicht mehr finde. Kann jemand helfen?)
Nachtrag: Herr Giardino hat in den Cartoon in die Kommentare gesetzt, hier ist er.

130906_Balkonabend

die Kaltmamsell

5 Kommentare zu „Journal Freitag, 6. September 2013 –
Wind von vorn“

  1. giardino meint:

    Das war dieser Cartoon.

  2. Susann meint:

    Ja, unglaublich, wie Männerwelten in sich zusammenstürzen können bei der Aussicht, dass Jane Austen auf einer Banknote landet.

    Sensibelchen.

  3. trippmadam meint:

    Banknote hin oder her, mein Eindruck ist, dass zur Zeit nicht nur im Internet (aber eben speziell da) auf besonders perfide Weise versucht wird, Frauen zum Schweigen zu bringen. Die Fälle häufen sich, oder? Mir scheint, wir erleben einen ganz gewaltigen Backlash, der nicht nur Frauen, sondern z.B. auch Minderheiten trifft. Rechte Meinungsäußerungen werden salonfähig, rechtspopulistische Parteien entstehen in ganz Europa bzw. werden stärker, konservative Strömungen gewinnen in den monotheistischen Religionen an Bedeutung. Oder schreien die Konservativen nur lauter?

  4. Kuechenlatein meint:

    Da merke ich wieder, dass ich im hohen Norden in der Provinz wohne, mein Brite des Vertrauens führt leider kein vegetarian suet.

  5. Kiki meint:

    Was trippmadam sagt. So kommt es mir zumindest auch vor.

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