Wochenendreport

Dienstag, 22. Juli 2014 um 11:07

Es war ein Hochsommerwochenende. Nachdem der Sommer 2014 ziemlich durchmischt ist, erwähne ich das lieber.

Am Freitagabend war das Draußen so heiß, dass der Mitbewohner und ich den ersten Pimm’s der Saison lieber im Inneren der gut temperierten Altbauwohnung tranken.

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In diesem Arangement sieht man nicht mal, wie blass die Minze ist: Dieses Jahr nahm ich mal wieder das Angebot meiner Mutter an, übern Sommer den Zweitbalkon mit von ihr gezogenen Kräutern vollzustellen; vielleicht schleuderten die Kastanien davor inzwischen keinen Mehltau mehr. Tun sie wohl tatsächlich nicht, statt dessen haben wir jetzt beeindruckend quirlige Blattlauskolonien. Der Rat meiner Mutter: Täglich mit Spülmittellösung abbrausen. Allerdings seien die Kräuter dann nicht mehr zum Verzehr geeignet. Ich habe mich dagegen entschieden, denn greislich und unverzehrbar sind schon meine anderen Pflanzen. Lieber brause ich jedes einzelne Kräuterblättchen vor Verwendung gründlich ab. Doch nächstes Jahr, schätze ich, werde ich die Minze für den Pimm’s wieder im Süpermarket um die Ecke holen – in dicken, saftig-grünen und lausfreien Büscheln.

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(Ja, das ist eine kurze Hose.)

Am Samstag ging ich nach ein paar Einkäufen bei stechender Hitze zum Schwimmen ins Schyrenbad. Schon vormittags waren die Becken so voll, dass auch auf den abgeteilten Bahnen kein sorgloses Schwimmen möglich war. Zur Entspannung legte ich mich anschließend noch ein wenig Sonnenbaden, bis es mir zu heiß wurde und ich rein ins Kühle floh.

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Dort las ich die Zeitungen der vergangenen Woche auf, zu denen ich wegen vieler Mittags- und Abendtermine nicht gekommen war.

Abends bereitete der Mitbewohner das möglicherweise köstlichste indische Gericht seiner an indischen Gerichten reichen Kochhistorie: ein geniales Chicken Tikka Masala, das bereits während der stundenlangen Zubereitung die Wohnung mit sensationellen Düften füllte. Ich lernte zum Beispiel schwarzen Koriander kennen.

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§

Der diesjährige Kocherball fand am Sonntag statt – diesmal ohne mich, weil ich zur Feier der Goldenen Hochzeit meiner Schwiegereltern eingeladen war. Dort wurde mal wieder eine Verlobung bekannt gegeben. Jetzt mal ernsthaft: Welche Funktion hat Verlobung heutzutage? Weiß das jemand? Oder ist das einfach, wie die meisten Rituale rund um Hochzeiten, beliebte Folklore?

Am Abend die lange bevorfreudete Übertragung von Monty Python live (überwiegend) – zu meiner Überraschung praktisch ohne Streaming-Ausfälle. Wenn Sie hinterhergucken möchten: Bei arte geht das.

Nach meinem Eindruck hatte Terry Gilliam von allen die größte Gaudi (wie ist es wohl, Herrn Gilliam als Opa zu haben?). Das ist übrigens auch der, der die Animationen macht. (Und der mit 12 Monkeys Brad Pitt zur besten Rolle seines Lebens verholfen hat.) Haben Sie in der Show Eddie Izzard als Bruce erkannt?

Und wie zu Abba hat vermutlich jeder Mensch meiner Generation zu Monthy Python ein sehr persönliches Verhältnis (hier das von René Walter). Ich erinnere mich an einen ersten Kontakt über meinen Banknachbar in der 10. Klasse, Florian, der mir vom Film Der Sinn des Lebens erzählte. Der sei total sinnlos und überhaupt nicht lustig. Damit hatte Florian einen Kernpunkt des Monty Python-typischen Humors beschrieben: Das Fehlen von klassischen Pointen. Gesehen habe ich als ersten Film Das Leben des Brian, doch erst Jahre später erfuhr ich, wer dahinter steckte und dass die Truppe sich Monty Python nannte. Ein Kommilitone fütterte mich systematisch mit dem Flying Circus, und selbstverständlich rief ich, als dieser mich auf einer Party knutschend ertappte: „I didn’t expect the Spanish inquisition!“ Eine Zeit lang traf ich mich mit Freunden am Gründonnerstag zur Kreuzigungsparty, auf der wir uns Das Leben des Brian anschauten – immer die deutsche Synchronfassung, die ich bis heute lustiger finde als das Original.

Aber ich verstehe sehr gut, dass man mit den Nummern von Monty Python überhaupt nichts anfangen kann.

die Kaltmamsell

9 Kommentare zu „Wochenendreport“

  1. Uschi meint:

    Pimm’s – ist mir ja ewig nicht begegnet… Direkt mal wieder bevorraten.

  2. Feathers McGraw meint:

    Ich hab grade in Claridge’s in London alkoholfreien Pimms getrunken, das war gar koestlich! Die Kellnerin streute das Geruecht dass der Bartender der sich das ermixt hat (angeblich unter anderem mit Essig!) in Verhandlungen steckt dass das kommerziell produziert wird! Dann waere ich auch regelmaessig dabei.

  3. Chris Kurbjuhn meint:

    Der Monty-Python-Humor ist die Anti-These zum klassischen Sketch. DIE conditio sine qua non beim klassischen Sketch ist die Schlusspointe: Die muss am Schluss positioniert werden (haha!) und muss bzw. sollte der größte Lacher des ganzen Sketches sein. Was VOR Monty Python zur Folge hatte, dass Redakteure und Dramaturgen reihenweise Riesen-Pointen aus Sketchen strichen, um den Status der Schluss-Pointe nicht zu gefährden (kein Scheiss).
    Das liest sich jetzt vielleicht ein bisschen wie etwas aus einer Monty-Python-Nummer, ist aber tatsächlich so: Der größte Verdienst dieser Truppe ist tatsächlich, dass mehr Pointen in die Welt gesetzt werden, weil sie das Diktat der Schlusspointe aufgeweicht haben.
    Und jetzt zu etwas völlig anderem: Ich war 15 Jahre mit meiner Frau verlobt, bevor wir geheiratet haben. Wir haben allerdings niemandem gesagt, dass wir verlobt haben. Das hat Spaß gemacht.

  4. jongleurin meint:

    Ich dachte immer, die Verlobung ist einfach die Zeit zwischen dem Antrag – oder dem Entschluss – und der Hochzeit selber. In dieser Zeit kann man das Ereignis dann planen. Man gibt zusätzlich bekannt, dass man vor hat, in nicht allzu ferner Zukunft zu heiraten und kann anlässlich dessen Schmuck austauschen und Glückwünsche empfangen, wenn man möchte – das ist für einige sicherlich schon Grund genug.

    Aber da geht ja auch einiges durcheinander. Ich höre vom Jungvolk des Öfteren, dass man sich einen „Verlobungsantrag“ macht, sprich man stellt die große Frage:“Willst du dich mit mir verloben?“ Das ist an sich sinnfrei, mutet aber etwas an wie eine „Ehe light“: schon ernst, aber noch nicht so doll. Ein Zwischenschritt quasi.

  5. Preißndirndl meint:

    Oh, Sie wären eine der wenigen, die „Nobody expected the Spanisch inquisition“ verstehen – das sage ich ziemlich oft und gerne.
    Und Verlobungen sind wieder total in, habe ich mir sagen lassen, man hat ja auch sonst kaum noch Rituale in dieser Welt!

  6. Trulla meint:

    In meinen Augen geht es um den Ring bei der Verlobung. Er ist das für die Außenwelt sichtbare Eheversprechen mit der Ansage „Pech gehabt, vergeben.“ Meines Wissens trägt/trug man den Verlobungsring links, nach der Eheschließung rechts.

    Aber!

    Mein Vater selig (Jahrgang 1911) war einige Jahre verlobt mit einem netten Fräulein, ohne dass der Tag der Trauung näher rückte. Als er meiner Mutter begegnete, soll er – so die Familiengeschichte – den Ring blitzartig in seiner Hosentasche versenkt haben. Ein Jahr später feierten sie Hochzeit. Ich kann bezeugen, dass es beinahe 60 Jahre lang tatsächlich eine große Liebe war, nicht ohne Problematik, aber überzeugend und solidarisch bis zum Ende.

  7. Suzie meint:

    Bei uns sagt man scherzhaft: „Verlobung = Sichergestellt und weiter Suchen!“
    Bei manchen ist da auch ein Körnchen Wahrheit mit drin.

  8. Heidi meint:

    Wird das indische Rezept mal veröffentlicht?

  9. der Mitbewohner meint:

    Zum Rezept schreibe ich vielleicht was, wenn ich es noch einmal mache. Hier ist es vorerst: http://www.theguardian.com/lifeandstyle/wordofmouth/2014/apr/24/how-to-cook-perfect-chicken-tikka-masala

    Chicken Tikka ist ein authentisches indisches Gericht: Hühnerteile, mariniert, und dann in einem Lehmofen oder auf Spieße gesteckt gegrillt. Das war den Engländern zu trocken, also improvisierte ein Koch wohl mal eine tomatenbasierte Sauce dazu, in die er die gegrillten Hühnerteile warf: das in England möglicherweise beliebteste Currygericht wurde geboren: Chicken Tikka Masala.

    Der Kebab-Teil ist einfach: Hühnerteile marinieren (Zitronensaft, danach: Ingwer, Knoblauch, Joghurt, ein paar Standardgewürze). Die Sauce ist viel interessanter. Statt Ghee nimmt man Butterschmalz, der schwarze Kardamom ist tatsächlich deutlich anders als der grüne; das zu pulverisierende Zimtstangenstück habe ich durch gemahlenen Zimt ersetzt. Die Bockshornkleeblätter (fenugreek) am Schluss sind nicht ganz so leicht zu bekommen und auch nicht so wichtig; ich finde, man kann sie weglassen oder, wenn man den eng verwandten Schabzigerklee vielleicht fürs Brotbacken zu Hause hat, einfach den nehmen. Sonst ist gar nichts wirklich Exotisches dabei.

    Schön an der Sauce: Ist cremig. Schmeckt nicht so nach Kreuzkümmel; ich bin froh um jedes indische Gericht, das mit wenig davon auskommt, weil er mir zu oft begegnet. Eher mit Brot servieren als mit Reis.

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