Journal Freitag/Samstag, 13./14. Februar – Tiger in Hellabrunn

Sonntag, 15. Februar 2015 um 8:49

In der Arbeit am Freitag beim Paketaufschneiden ordentlich an der Büroschere verletzt, beim Reinigen der blutigen Schere gleich auch noch an der anderen Hand. Tippen mit verpflasterten Fingern ist lustig.

Mittags einen Vanillekrapfen vom Hölzl am Bahnhof getestet: Füllung ganz ausgezeichnet, der Hefeteig drumrum war mir nicht fluffig genug, stieß außerdem nachmittags fettig auf.

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Wir sind ja noch unschlüssig, was wir von lila Kartoffeln halten. Absichtlich gekauft hätte ich sie vermutlich nie, doch weil sie im Ernteanteil lagen, wurden sie natürlich verarbeitet. In diesem Fall zu Kartoffelpüree, das es zum freitagabendlichen Entrecôte gab.

150213_Nachtmahl

Geschmeckt hat das ok (sind halt keine Püreekartoffeln), aber die Farbe ist schon arg schräg.

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Samstagvormittag war es geradezu sonnig, ich kam auf die Idee, wir könnten doch den Tierpark besuchen. Sportpläne also über Bord geworfen, Einkaufs- und Besorgungsrunde gedreht, gefrühstückt, ab nach Thalkirchen.

Von den Giraffen in ihrem neuen Haus war wenig zu sehen (ich hatte vor zwei Jahren das zwei Wochen alte Giraffenbaby gesehen und war auf seine Weiterentwicklung neugierig gewesen), dafür taten die Erdmännchen erwartbar Niedliches.

Im Fledermaushaus ließ ich mich umflattern (nach Bestandsliste – wenn auch von 2013 – sind dort über 250 Tiere unterwegs).

Vor dem Fledermaushaus eine erfreuliche Wild-Begegnung: Ich sah nach Langem mal wieder Schwanzmeisen in München. Seit dem Hochwasser 2013, als die rückzügelnden Schwanzmeisen nach dem späten Winter wochenlang bei uns in der Innenstadt aufgehalten wurden, waren mir keine mehr begegnt.

Herr Kaltmamsell drängte zu den beiden neuen sibirischen Tigern: Die recht jungen Tiere balgten sich unterhaltsam, stellten sich aber auch immer wieder ausgesprochen malerisch auf. Humboldtpinguine, Vielfraß mit riesigem Knochen quer im Maul, puschliger Polarfuchs, im Dschungelhaus eine besonders unerwartete Spezies:

150214_13_Hellabrunn_Dschungelhahn

Keine sonstigen Pinguine (Pinguinhaus wird gerade renoviert), dafür Löwen, Seelöwen (darunter ein Jungtier, das sich vom Beckenrand Eisstückchen abbrach und daran lutsche), endlich auch die Eisbärenzwillinge, die Ende 2013 zur Welt gekommen waren. Abschluss mit den roten und den rosa Flamingos, die einander zu Spazierstockchoreographie anbrüllten.

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Zum Nachtmahl das erste Rezept aus Nicky Stichs Reisehunger: Ofenauberginen mit Minzjoghurt zum zweiten Teil des Freitagssteaks (Herr Kaltmamsell hatte es beim Einkaufen ein wenig zu gut mit uns gemeint; in einem beim Thema Essen seltenen Anfall von Vernunft hatten wir den Einkauf auf zwei Mahlzeiten verteilt).

150214_25_Ofenauberginen

150214_27_Ofenauberginen

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Wo ich doch noch vergangene Woche rausgeplatzt war:

Dünn_unglücklich

Hier das Ganze im Detail:

„Being Thin Didn’t Make Me Happy, But Being ‚Fat‘ Does“.

The other body you see there, the body of „physical hotness,“ I attained by eating a „plentiful“ 1,000 calories a day; by running 35 miles a week (10 on Sunday); by sleeping an average of three hours a day; by counting every bit of food I ate, down to a single cherry tomato; by writing and tracking my weight every day for a year; by running the stairs of the hospital during my 12-hour shifts; by losing my period; by denying myself food when I was hungry; by denying myself sleep.

(…)

It is to say this: Happiness does not require thinness. Fatness does not presume sadness.

(…)

The world wants you to want to be thin. There are whole industries built on your insecurity. They are bullshit. The world wants you to believe that thin and beautiful equals happy. It wants you to believe that you’re only worthy of love, and life, if you are beautiful. And beautiful people just aren’t fat.

Or maybe they are.

(Wieder mal zur Sicherheit: Selbstverständlich gibt es von Natur aus dünne Menschen, die sich nicht in jeder wachen Sekunde dafür kasteien müssen. Aber ich behaupte, dass auch diese nicht notwendigerweise ihr Lebensglück daraus ziehen.)

via @ankegroener

die Kaltmamsell

8 Kommentare zu „Journal Freitag/Samstag, 13./14. Februar – Tiger in Hellabrunn“

  1. Lempel meint:

    Meiner Erfahrung nach sind die Kartoffeln, die die lila Farbe auch nach dem Kochen behalten, nicht so geschmacksintensiv (z.B. Blaue St. Gallener). Die lila Sorten, die nach was schmecken (z.B. Vitelotte) halten die Farbe nicht. Da sieht das Püree dann eher unappettitlich grau aus. Wissen Sie, welche Kartoffelsorte Sie da auf dem Teller hatten? Ich suche noch nach einer lila Sorte für den Garten, die die Farbe hält und gut schmeckt.

  2. Susann meint:

    Wenn man wieder mal seine Hoffnung in Homo Sapiens verlieren will, kann man sich auch die Kommentare unter dem verlinkten Artikel durchlesen. (Von „glorifying your unhealthy lifestyle“ bis zu „will you still say this when you die early of diabetes“ ist wirklich alles dabei.)
    Ich hab’s ja lange nicht glauben wollen, aber schön langsam scheint mir wirklich, als wäre die allergrößte Provokation eine dicke Frau, die nicht ständig Abbitte leistet.

  3. die Kaltmamsell meint:

    Laut Beipackzettel, Lempel, war das die Sorte „Blauer Schweden“.

  4. antje meint:

    Liebe Frau Kaltmamsell,
    als „Betroffene“: 100% Zustimmung zu ihrem letzten Absatz.

    Wobei allerdings auch meine Toleranz gg.über abschätzigen Bemerkungen zu Frauen meiner Statur(!!) à la „keine echten Frauen“ inzwischen aufgebraucht ist. Auch nicht besser als Fatbashing.
    Grüsse
    antje

  5. die Kaltmamsell meint:

    Meine Toleranz gegenüber jeder Zuweisung „echte Frauen“ ist schon seit Jahren dahin, antje. Und body shaming ist immer böse, IMMER.

  6. Lempel meint:

    Danke für den Nachtrag. Ich hatte gedacht, beim Blauen Schweden würde die Farbe beim Kochen auch nicht erhalten bleiben.

  7. Anikó meint:

    Aiaiaiai, jetzt muss ich mir Frau Stichs Buch kaufen! Die Auberginen sehen viel zu verlockend aus, um es nicht zu besitzen :-)

  8. Polly Oliver meint:

    Da Hühner eigentlich Dschungelbewohner sind, passen sie eigentlich gut dahin. Und deswegen ist die Haltung von Hühnern auf großen freien Grasflächen nicht unbedingt tiergerecht, die Hühner haben Angst vor Fressfeinden von oben und nutzen den Platz nicht, der ihnen zur Verfügung steht.

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