Journal Freitag, 13. Februar 2026 – Anreise nach Wien mit Jugendbuchlektüre
Samstag, 14. Februar 2026 um 9:01Aufgewacht mit verschattetem Gemüt, das sich bereits in den Tagen davor angekündigt hatte.
Arbeitsmarsch im Wind, auf der Theresienwiese Blick in den bunten Himmel mit jagenden Wolken verschiedenen Graus – und Nachdenken, ob dieser Anblick wirklich so unsommerlich ist, wie ich behaupten würde. Aber nein, im richtigen Sommer hat es das nie. Im Gegenteil, diese Erscheinung ist klares Indiz für den anschließenden Herbst.
Das eigentlich Besondere aber war ich: In der Hand schwenkte ich nämlich unseren geräumigen Kulturbeutel für den Faschingsurlaub in Wien am Henkel. Herr Kaltmamsell hatte den Koffertransport übernommen (wir kamen beide zwischen Arbeit und Abreise nicht nochmal heim), musste aber von daheim los, bevor ich ins Bad ging.
Emsiger Vormittag, dazwischen ruhte ich meine Augen am namibischen Wasserloch aus (Gnu-Kälbchen! glucksende Zebras!)
Schneller Mittagscappuccino aus der Cafeteria, erträglich. Zum Durchlüften eine Runde um den Block in angenehmer Luft – noch war die angekündigte Rückkehr der Eiseskälte nicht spürbar. Zu Mittag gab es Mango (meh) sowie Quark mit Joghurt und Leinsamenschrot.
Soll mir niemand nachsagen, ich würde den aufdringlichen Büro-LLMs keine Chance geben! Gestern öffnete ich aus MS Teams eine Excel-Tabelle, wollte Leerzeilen einfügen – und hatte das nicht mehr unter den Funktionen, die sich über den Klick mit rechter Mouse-Taste öffnen. Ha! Das war doch genau die richtige Aufgabe für Karl Klammer 2.0, verkauft als Copilot. Ich bat also im Eingabefeld: “Bitte nach Zeile 115 zehn Leerzeilen einfügen.” Nach einigen Sekunden (deutlich mehr als ich sonst über rechten Mouseklick brauchte) erschien die Antwort: “Ich habe zehn Leerzeilen eingefügt.” (ungefähr, habe nicht mitgeschrieben). Nur: Da was nichts. Ich versuchte Widerspruch: “Nein, da sind keine Leerzeilen.” Wieder ein paar Sekunden Copilot-Arbeit: “Jetzt habe ich die Leerzeilen eingefügt.” Sie ahnen: Da war nichts.
Geschafft habe ich es dann über das Suchfenster in der Browser-Version Excel: Auf die Suche “Leerzeilen einfügen” erschien unter anderem ein Symbol in der Liste, mit dessen Anklicken eine Leerzeile erschien. Damit juckelte ich mich durch. Aber wieder kein Aufhänger für mehr Verwendung von Copilot in meinem Arbeitsalltag. (Eine Kollegin, die vor allem in Excel Copilot ausprobiert, spricht von “Mustern einer toxischen Beziehung”, weil das System ständig Falsches behauptet oder Input in anstrengender Form einfordert, um beim Eingeben zu antworten, dass es den Input in dieser Form nicht verwenden kann.)
Kurz vor drei fuhr ich den Rechner runter, Aufbruch zum Hauptbahnhof. Am Bahnsteig wartete Herr Kaltmamsell mit unserem Koffer, in dem wir den Kulturbeutel verstauten. Abfahrt nach Wien mit nur fünf Minuten Verspätung – die wir über die vier Stunden Fahrt wieder reinholten.
Zu meiner Überraschung zog sich die Anreise, ich bin eigentlich gewohnt, dass die ersten Stunden schnell verfliegen – zumal es ja zunächst hell genug war für Blick in die verschneiten Alpen, auf Traunstein und Salzburg. Herrn Kaltmamsell ging es ähnlich, wir führten das auf große Grunderschöpfung zurück.
Ich las Ingrid Nolls aktuellen Roman Nachteule aus der Stadtbibliothek – das sich als schlichtes Jugendbuch erwies. Es schreibt eine zeitgenössische 15-jährige, altkluge Ich-Erzählerin im Stil eines Erlebnisaufsatzes: Polizisten sind “Ordnungshüter”, mit Einschüben wie “gesagt, getan”, Charakterzeichnungen aus der Perspektive einer alterstypisch sebstgefangenen 15-jährigen ohne weiteren Ebenen. Na ja, las sich schnell weg.
Wien empfing uns mild, von Meidling bis Westbahnhof brachte uns eine U-Bahn, von dort rollkofferten wir ins angenehme Hotel. Mir fiel gleich mal auf, wie viel schwieriger Gesamtorientierung im Dunklen war, vergangenen August hatte ich mich umgehend zurechtgefunden. Auf dem Weg waren wir an einer urig aussehenden Eck-Wirtschaft vorbeigekommen, die (in vielen Sprachen – klar, Stadtzentrum) wiener Küche anbot. In dieses Pulkautaler Weinhaus kehrten wir zum Abendessen ein, teilten uns gegrillte Fleischberge mit hervorragenden Pommes, außerdem Krautrouladen mit Kraut und Bratkartoffeln für Herrn Kaltmamsell.
Und ich freute mich über zwei Achtel heimischen Gelben Muskateller, zum Abschluss ein Stamperl Himbeergeist (die handgeschriebenen Getränke-Tafeln über der Theke hatten mich draufgebracht). Auf dem großen Fernsehbildschirm über uns wurde der Wiener Opernball übertragen.
Schon lang keine Rechnung mehr in dieser Form bekommen (man konnte aber elektronisch zahlen).
Zurück im Hotelzimmer skizzierten wir noch kurz Pläne für den Samstag (Käse-Einkauf, Mittagessen in Liweis Kitchen, Albertina), schliefen dann früh erschöpft ein.
§
In meiner Mastodon-Timeline wird viel Olympische Winterspiele geguckt, ich bekomme die Sensationen aus dem Augenwinkel mit. Den Jahrhundert-Eiskunstläufer Ilia Malinin kannte ich ja schon, in ihrem Blog weist Hotel Mama auf eine Analyse in der New York Times hin, die seinen vierfachen Axel auseinandernimmt (den nur Malinin kann) – mit Filmchen in Zeitlupe, die seine Technik dafür seinem dreifachen Lutz gegenüberstellen:
“The Impossible Jump, for All but One”.
1 Kommentar zu „Journal Freitag, 13. Februar 2026 – Anreise nach Wien mit Jugendbuchlektüre“
Beifall spenden: (Unterlassen Sie bitte Gesundheitstipps. Ich werde sonst sehr böse.)
Sie möchten gerne einen Kommentar hinterlassen, scheuen aber die Mühe einer Formulierung? Dann nutzen Sie doch den KOMMENTAROMAT! Ein Klick auf einen der Buttons unten trägt automatisch die gewählte Reaktion in das Kommentarfeld ein, Sternchen darüber und darunter kennzeichnen den Text als KOMMENTAROMAT-generiert. Sie müssen nur noch die Pflichtfelder "Name" und "E-Mail" ausfüllen und den Kommentar abschicken.







14. Februar 2026 um 9:16
Den Copilot nie nix mit Zahlen, Excel, Diagrammen machen lassen. Was er prima kann ist normale Sätze in Bullshit-Bingo übersetzen, gern in de/en. Aber immer checken, manchmal behauptet er Müll. Aber formulieren kann er prima.