Archiv für Mai 2015

Journal Samstag, 23. Mai 2015 – verregnete Migräne

Sonntag, 24. Mai 2015

Zum Glück diesmal ohne die erbärmlich Übelkeit, aber es war eine Migräne, mit der ich aufwachte, nicht einfach bloß Kopfschmerzen. Ich stand dennoch auf, um den 7-Pfünder zu backen, den ich am Vorabend angesetzt hatte, das ging. Was die Migräne allerdings lahmgelegt hatte, war das Planungszentrum in meinem Hirn, das nahezu durchgehend und wenig beeinflussbar Pflichten und Aufgaben auflistet, Ideen dazu hat, sie terminiert und miteinander verzahnt: Ich saß vor meinem Milchkaffee und hatte gerade mal noch im Kopf, dass ich mir dringend die Fingernägel schneiden wollte. Doch wo sonst eine Kette von weiteren Erledigungen lag, die mich im Tag vorantreibt, war nichts. Obwohl ich mich körperlich miserabel fühlte, befand ich mich in völliger Muße. Manchmal bin ich kurz davor zu akzeptieren, dass mir die Migräne etwas sagen will. (Scherz!)

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Gegen Mittag war ich wieder klar genug zu duschen und den Vorrat an BaNuSchoKo-Granola nach Nicky Stich zu erneuern – ist inzwischen Grundausstattung meines Haushalts, diesmal habe ich auch das Rezept notiert.

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Die Lücke in der Versorgung war entstanden, weil mir der Putzmann immer wieder Montags die Banane weggegessen hatte, die eigentlich noch in paar Tage reifen und zu Granola hätte werden sollen. Vergangenen Montag hatte ich einen Zettel drangeklebt.

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Den kalten, verregneten Nachmittag über bei Heizungswärme Internet und Zeitung gelesen. Abends gab es Spargel (unter anderem hatte Herr Kaltmamsell panierten solchen ausprobiert, mit Käse und Schinken unter der Panade – sehr gut!) und Erdbeeren mit Sahne. Für die Eurovisionssingerei konnte ich mich dann doch nicht in Stimmung bringen: Im Grunde interessiert sie mich nicht, zum sicher spaßigen Mitspielen müsste ich mich aufraffen.

Wenn sich das greisliche Wetter vielleicht bitte einkriegen könnte? Ich habe für Montag eine Wanderung geplant?

Journal Freitag, 22. Mai 2015 – Endlich: Wasser aufs Haus und aus der Leitung

Samstag, 23. Mai 2015

Jetzt wissen auch meine Kolleginnen und Kollegen, dass ich nur noch bis Ende Juni ihre Kollegin bin.

Abends im Broeding gegessen, ich war schon lange nicht mehr dort gewesen. Lobenswerte Veränderung seit meinem letzten Besuch: Wasser geht aufs Haus, kommt aus der Leitung und wird in schönen Karaffen wahlweise gesprudelt oder ungesprudelt serviert. Gerade in gehobenen Lokalen bestellte ich bevorzugt Leitungswasser (in schlichten ist mir meist zu bewusst, dass die Wirtsleute auf das Geld für Flaschenwasser angewiesen sind), es gibt kein valides Argument dagegen. Dennoch erlebte ich das als Service gestern zum ersten Mal in Deutschland.

Zu essen gab es:

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Als Gruß aus der Küche marinierte Kalbsbrust mit Zucchini (etwas Curry).

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Dreierlei Räucherfisch: Aal, Saibling und Seeforelle, darunter Avocadopuree und Wildkräutersalat.
Dazu aus der Steiermark einen Werlitsch Ex Vero I, der aufregend war mit ein bisschen Holz und sehr schön passte.

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Mairübensuppe mit Pfifferlingen – schmeckte hervorragend. Und nachdem wir mit den Mairüben aus unserem Ernteanteil bislang nie etwas wirklich Schmackiges geschaffen hatten, fragten wir nach der Zubereitung (die uns auch verraten wurde). Die Weinbegleitung war aus Niederösterreich ein Loimer Ruländer mit einiger Restsüße, die sich wunderbar mit den Rübchen verband.

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Schottischer Lachs, Lauch und gegrillte Wassermelone, ein Sößchen aus Kirschtomaten und Salzzitronen. Die gegrillte Wassermelone war der Hammer, gerade in dieser Kombination – den (schönen, saftigen) Lachs hätte es eigentlich gar nicht gebraucht. Dazu hatten wir im Glas einen Polz Morillon Obegg.

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Zweierlei vom Reh mit weißem und grünem Spargel, ein wenig Hagebuttencreme. Das Reh schmeckte sensationell rehig, der grüne Spargel stahl dem weißen die Show.
Weinbegleitung war ungewöhlicherweise ein italienischer Rotwein: Foradori Granato. Die Schwärmerei des Weineinschenkers von Elisabetta Foradori kam mir bekannt vor – kurzer Check bei @vinoroma ergab: Richtig, sie ist großer Fan dieser Winzerin und ihrer Weine.

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Ein wunderbares Mispelsorbet mit Granatapfelkernen.

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Als Dessert Griesflammerie, Erdbeeren und Rhabarber, die sich ganz hervorragend mit dem Wenzel (flash killed deeplinking) Furmint vom Neusiedlersee unterhielten, einen sehr wenig süßen Süßwein.

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„Onkel Amsel – Eine Liebesgeschichte“.

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Warum es zur schlichten Allgemeinbildung gehört, ein bisschen Ahnung von Internet zu haben:
„Verbraucherzentrale NRW verklagt das Internet“.

(Taugt als Arbeitsdefinition von Allgemeinbildung? Das Wissen, das einen in zumindest der eigenen Kultur vor solchen Peinlichkeiten bewahrt?)

Journal Donnerstag, 21. Mai 2015 – Techniktagebuchbuch 2 und Techniktagebuch-Zufallsshirts

Freitag, 22. Mai 2015

Sehr kalter Tag (mehr als 8 Grad waren das nicht), zumindest regnete es nicht durch.

In der Mittagspause radelte ich zum Blumenladen und in meine Wohnung. Abends gab es gebratenen Spinat sowie Salzkartoffeln aus dem Ernteanteil, dazu Grillkäse.

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Ich muss nochmal was zum Techniktagebuch sagen. Die Beteiligung daran gehört derzeit zu den Kandisstücken meines Alltags.

Zum einen gibt es jetzt eine aktualisierte Version des Techniktagebuchbuchs:

Unendliches Volumen (Aber gedrosselte Geschwindigkeit)

Zum anderen gibt es jetzt eine Sondereditionen des ohnehin schon großartigen Zufallsshirts, mit dem Kathrin Passig entgegen allen bisherigen Ergebnissen immer noch hofft, sagenhaft reich zu werden: Das Techniktagebuch-Zufallshirt.

Sie müssen wissen, dass das Allerbeste am Techniktagebuch der zugehörige Redaktionschat auf Facebook ist. Hier diskutieren Autoren und Autorinnen das Techniktagebuch sowie seine Buchausgabe, vor allem aber Technik in ihrer ganzen Bandbreite, breiter, als Sie es je geahnt hätte, und ich lerne täglich eine Menge. Die Techniktagebuch-Zufallsshirts speisen sich zum großen Teil aus Fragmenten dieses Chats (sonst u.a. aus Überschriften von Techniktagebuchgeschichten).

Beachten Sie bitte unbedingt auch die Produktanpreisungen rechts im Textkasten. Kathrin Passig erklärte auf Anfrage in eben diesem Techniktagebuch-Redaktionschat: „Die Beschreibungen stammen größtenteils aus Sanitär- und Teppichkatalogen meiner Verwandtschaft. Ausdenken kann man sich so was ja gar nicht.“ Fügte aber sicherheitshalber hinzu: „Ich bewundere sie sehr, diese stillen Helden der komplett durchgedrehten Teppich- und Badewannenbetextung.“

Dummerdummerweise trage ich praktisch nie T-Shirts. Selbst als ich noch fürs Kiesertraining ein paar brauchte, war ich mit den fünfen, die ich seit vielen Jahren besitze, überkomplett ausgestattet.
Ich könnte einfach meinen kompletten Kleidungsstil umstellen. Bloß um im Wechsel 20 Zufallsshirts tragen zu können.

22. Rosentag

Donnerstag, 21. Mai 2015

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Seine Geschichte.
Meine Geschichte.

Journal Mittwoch, 20. Mai 2015 – Pizza und Mikrowelle

Donnerstag, 21. Mai 2015

Ein kalter, unangenehmer Regentag.

Nach einer energiegeladenen Runde auf dem Crosstrainer legte ich meinen Arbeitsweg trotzdem mit dem Rad (und Regenponcho) zurück: Abends würde ich mein Rad brauchen.

Im Büro unerwartete Arbeitsflut, ich rödelte 9 Stunden durch. Zur Brotzeit hatte ich mir die übrige Pizza vom Vorabend mitgenommen, die ich mir mittags in der Mikrowelle aufwärmte. Sie da draußen, die mit Mikrowellen aufgewachsen sind, werden sofort die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber in diesem Büro erfahre ich meinen erster Alltagskontakt mit solch einem Gerät. Und so musste ich halt in hohem Alter herausfinden, dass kalte Pizza durch Bearbeitung in einer Mikrowelle warmer, fast unkaubar zäher Pappendeckel wird. Die zweite Hälfte aß ich kalt (auch nicht wirklich ein Genuss).

Gleich nach Arbeitsschluss musste ich hurtig zur Abholung des Ernteanteils radeln. Sonst holt ihn Mittwochnachmittag immer Herr Kaltmamsell, doch der war wegen Abnehmens mündlicher Abiturprüfungen verhindert. Zum Glück regnete es nur wenig.

Als Ausgleich fürs eher unangenehme Mittagessen gab es aus dem Ernteanteil sehr viel köstlichen Blattsalat mit Radieserln und Petersilie zum Nachtmahl.

Dazwischen hatte ich mal wieder das Kleingeld unserer Urlaubskasse eingezahlt, diesmal dokumentiert fürs Techniktagebuch.

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Abends in die heftig beworbene neue Fernsehserie Outlander geguckt. Ich kann ja eigentlich suspension of disbelief sehr gut, aber wenn der Kern einer Geschichte ist, wie ein Mensch aus dem 20. Jahrhundert im schottischen Alltag des 18. zurecht kommt und sich dann niemand über die perfekten Zähne einer nicht mehr ganz jungen Frau wundert – steige ich leider schon wieder aus. (Wo ich davor fast noch bereit war zu akzeptieren, dass eine erfahrene Krankenschwester erwartet, dass sie im 18. Jahrhundert um Jod bitten kann und die Leute mit „Bakterien“ vertraut sind.)

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„Hochzeitsgespenst“.

Journal Dienstag, 19. Mai 2015 – Pizza Manitoba

Mittwoch, 20. Mai 2015

Ziemlich regnerischer Tag.

Morgens beim Langhanteltraining auf Vorturnerweisung für die Bizepsübung mehr Gewicht aufgeladen. Nach dem Duschen den Arm nur mit Schwierigkeit zum Lidstrich heben können.

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Abends den am Sonntagmorgen angesetzten Pizzateig aus Manitobamehl verwendet. Das Mehl hatte ich noch im Schrank gehabt, gibt es regulär im Laden der Hofbräuhausmühle. Das Ergebnis war ein überdurchschnittlich guter Pizzaboden, der im Ofen professionell Blasen warf. (Formschön wird er vermutlich mit mehr Übung.)

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Als Belag hatte ich mir mit Herrn Kaltmamsell ausgedacht: Radicchio angedünstet und Gorgonzola, darunter ein wenig Tomatensoße (Tomatenmark mit Wasser angerührt), darüber ein wenig milder Pul Biber. War eine ausgezeichnete Idee. Als Variante probierten wir Mozzarella statt Gorgonzola aus – bei Weitem nicht so gut.

Journal Montag, 18. Mai 2015 – Nachhilfe in YouTube

Dienstag, 19. Mai 2015

Jetzt beginnt wieder die Zeit, in der ich zum Crosstrainerstrampeln die Sonnenbrille aufsetze: Die Morgensonne spiegelt sich so heftig in den Fenstern des Gebäudes gegenüber dem Strampelzimmer, dass sie mich blendet.

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Büroarbeit, vorm Fenster wundervolles Wetter. Fürs Techniktagebuch über Faxspam geschrieben.

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Heimweg in mildem Maienabend, Abendbrot auf dem Balkon – wahrscheinlich die letzte Chance auf lange Zeit, die Wettervorhersage sah grässlich aus.

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Abends Schulfernsehen – zumindest für mich, ich lernte eine Menge. Was-mit-Internet-Berühmtheit Sascha Lobo unterhielt sich in einer Folge der YouTube-Serie #Maries Stammtisch mit der YouTube-Berühmtheit Kelly aka Miss Vlog (787.000 Abonnenten) und Marie über Internet-Ruhm (Kelly hatte noch nie von Sascha gehört, Sascha noch nie von Kelly). Ich verlinke Maries Blog, weil ich halt Bloggerin bin, wäre ich Eltern, würde ich laut Maries Kategorien ihre Facebookseite verlinken.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/r_XYejeocWA

Eine mir weitgehend unbekannte Welt, ich bin etwa so ahnungslos wie Sascha. Als er das Format, in dem er gerade saß, „Sendung“ nannte, schmissen sich die Damen weg vor Lachen, ich bin aber nicht daraufgekommen, was der korrekte Begriff ist. „Video“? Flickr wiederum musste Sascha erklären, und ich fühlte mich endgültig wie ein Internetdinosaurier. Unsereiner ist immer noch lange nicht damit fertig, den zwei bis drei Generationen vor und mit uns das Web zu erklären, da brauchen wir selbst bereits ausführliche Erklärungen und müssen zwei bis drei Generationen nach uns erklären, wie das Web früher war. (Parallelen zur „arbeitenden Mitte“, die noch Kinder großzieht, aber sich bereits um alte Eltern kümmern muss?)

Ich bekam einen kleinen Einblick in einen riesigen Bereich des Internets, in dem es eigene Massenveranstaltungen gibt, auf denen YouTube-Zuschauer und -Zuschauerinnen dafür zahlen, mit den YouTube-Stars ein paar Worte zu wechseln (davon hatte ich aber schon mehrfach gehört, Anfang Mai war ich auf einem Spaziergang an der Spree sogar in sowas hineingeraten). Interessant fand ich unter anderem, dass in diesem Bereich immer noch verteidigt werden muss, wie gering der Unterschied „echte und nicht so echte Welt“ ist und dass in der Diskussion um Löschen von Kommentaren und Sperren von Usern wie vor 10 bis 15 Jahren das gute alte Bild von Kacker im Wohnzimmer verwendet wird. Aber auch, dass Marie und Kelly von einigen Beispielen berichteten, in denen selbst bespielte YouTube-Kanäle auf die Medienwelt außerhalb von YouTube ausstrahlten.

Auch wenn Sie ähnlich selten wie ich YouTube-Sendungen ansehen, empfehle ich diese sehr – ein bisschen wie die guten Talkshows spät nachts vor 20 Jahren waren.

§

Johnny Häusler schreibt
„Über Vielfalt bei der re:publica“.

Er unterstreicht, dass solche eine Vielfalt sich eben nicht von selbst ergibt:

Ebenso versuchten wir dafür zu sorgen, dass auch Diskussionspanels paritätisch besetzt sind. Wenn uns beim Call for Papers eine Debattenrunde voller Männer angeboten wurde, baten wir die Einreichenden um mehr Frauen auf der Bühne. Und wenn es dann hieß, “Wir finden zu dem Thema keine Expertinnen”, dann half das Programm-Team bei der Suche und wurde natürlich oft fündig.

(…)

Toni Mahoni hat sich einmal in einem Videocast darüber gewundert, warum gesunde und natürlich gewonnene Lebensmittel immer den Zusatz “Bio” tragen. Viel logischer wäre es doch, wenn ohne Gifte hergestelltes Obst und ohne Antibiotika-Futter gewonnenes Fleisch einfach “Obst” und “Fleisch” hießen. Und alles andere hätte dann halt den Zusatz “Unnatürlich erzeugt” oder so. Das würde den täglichen Einkauf durchaus erleichtern.

So stelle ich mir das auch für das Thema der Vielfalt vor. Ich möchte barrierefreie Events mit Gästen unterschiedlichster Herkunft und einem repräsentativen Anteil von Frauen nicht mehr “integrativ” oder “inklusiv” nennen. Sondern alle anderen “ignorant”.

Ebent.


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