Journal Samstag, 26. November 2016 – Engelesspiel und Thanksgiving

Sonntag, 27. November 2016 um 7:50

Nachts schon wieder Migräne – was war ich froh, dass ich das Triptan nachgekauft hatte.

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Wieder meine Schwimmpläne fürs Dantebad abgeblasen, statt dessen übers Schwimmen draußen gelesen: Journelle hat das wunderbare Swimming Studies von Leanne Shapton gelesen und ist ihr nachgeschwommen: im Hampstead Heath Ladies’ Pond. Anfang November.
“Winterlicher Frauenteich”.

Im Badeanzug ging ich zum Teich.
Auf einem Schild war die aktuellen Wassertemperatur angegeben: 7 Grad. Immerhin regnete es nicht mehr. In einem kleinen Raum auf dem Ponton saßen zwei Rettungsschwimmer und beobachteten den Teich (und mich). Vom Ponton führen drei Leitern ins Wasser. Zwei direkt nebeneinander und eine einige Meter entfernt. Eine junge Frau schwamm die Strecke zwischen den entfernten Leitern, schaute mich lächelnd an und meinte, sie würde es heute nur von einer Leiter zur nächsten schaffen. Ich stieg im Badeanzug ins Wasser und während ich noch dachte „Ist ja gar nicht so schlimm“ stand ich mit krebsrotem Körper wieder auf dem Ponton.

Kleine Einkaufsrunde, vor allem Reisedinge: Ich fahre am Sonntag ein paar Tage auf Geschäftsreise.

Am späten Nachmittag setzte ich mich mit Herrn Kaltmamsell in einen Zug nach Augsburg: Wir waren bei alten Freunden von ihm zum Thanksgiving-Dinner eingeladen.

Als wir am Augsburger Rathausplatz vorbeikamen, wurde gerade auf dem Rathausbalkon das Engelesspiel aufgeführt.

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Ich musste kurz stehenbleiben und mich in Studienzeitenerinnerungen tragen lassen: Ich hatte direkt hinterm Rathaus gewohnt und die Musik des Engelesspiels bis in meine Wohnung gehört. Das ist fei schon schön.

Ein Abend mit viel gutem Essen, Gesprächen über Essen, Politik, USA, anstehende Bundestagswahlen, Gespenster in Landhäusern hinter Rom.

§

“‘Manche Männer wollen einfach Urlaub vom Menschsein machen.'”

Undine de Rivière ist Prostituierte, wobei sie sich selber lieber Bizarrlady nennt. Ein Gespräch über SM-Sex mit Gummihühnern, das Klischee der Zwangsprostitution und menschliche Bedürfnisse außerhalb von schlichtem Rein und Raus.

Großartige Fragen, z.B. “Kannst du besser Sex als ich?”
Interessante Hintergründe und Zahlen zur tatsächlichen Verbreitung von Zwangsprostitution und Aussagen wie:

Die Dinge, die ich hier mache müssen nicht meine persönliche Erfüllung sein. Es reicht, wenn sie ok für mich sind.

via @kathrinpassig

§

Für die Adventszeit ein kleines Kitsch-Antidot:

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https://youtu.be/X2WH8mHJnhM

(via Frank von Cléo)

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu „Journal Samstag, 26. November 2016 – Engelesspiel und Thanksgiving“

  1. Ilse meint:

    Soweit ich mich erinnere, sind am Women’s Pond in Hampstead keine Rettungsschwimmer, sondern Rettungsschwimmerinnen. Englisch macht es peniblen Feministinnen wie mir leichter – da sind es einfach life guards.

  2. Pippilotta meint:

    “Nachts schon wieder Migräne”

    Vielleicht doch der Alkohol vom Vorabend als Trigger? In Kombination mit der Wochenend-Entspannung?

  3. Rob meint:

    “Urlaub vom Menschsein”? Heißt das, diese Männer sind nur in ihrer beruflichen Rolle Menschen? Und verlassen diese bzw. machen “Urlaub” davon, indem sie peitschengetrieben auf allen Vieren sonstwas zu machen.

    Das wäre gelinde gesagt bizarr, aber banal, wenn da nicht noch der Hinweis käme, dass diese Männer die Ebene des Denkens verlassen , um der eigenen Gefühlswelt näher zu kommen. Den ersten Gedanken weitergesponnen würde das heißen, dass Männer nur als kontrollierte, denkende Wesen Menschen sind, darüber hinaus eher nicht.

    Ob das nun so ist oder nicht, mein erster Gedanke bei den Text war, dass es “Urlaub im Menschsein” heißen müsste. Also genau umgekehrt, diese Männer werden sich in ihrer Rolle derart fremd, dass die Rückkehr zu sich selbst nur noch über absurde Umwege möglich ist.

  4. Micha meint:

    Bei dem Interview mit Undine de Rievière (Danke für den Link) kam mir Kleists *Penthesilea* wieder in den Sinn samt Goethes Urteil darüber, der dieses Drama als *Verwirrung des Gefühls* bewertet. Genau so geht es mir mit SM – da hat sich für meine Wertigkeiten und Begriffe einiges verirrt…

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