Archiv für August 2017

Journal Donnerstag, 24. August 2017 – Spanienurlaub 5, Ponte do Porto nach Muxia

Freitag, 25. August 2017

Delphine! Echte Delphine im Meer! Eindeutig und lange und mindestens zu dritt!
Ja, es war zudem ein durchgehender Regentag, aber Regen hatte ich schon öfter, auch beim Wandern. Delphine habe ich noch nie in freier Wildbahn gesehen, mit oder ohne Wandern.

Es wurden dann exakt die angekündigten 19 Kilometer in sechs Stunden – weil wir die letzte Schleife über die Wallfahrtskirche in Muxia ausgelassen haben. Eine wunderbare Tagesetappe mit viel Wald, aber auch Rías und Küste, schmalen Wegen, breiten Wegen, Holzbohlenwegen, hübschen Dörfchen – entspannt und gelassen.

Das Wetter war eine echte Überraschung. Die Vorhersage für Donnerstag hatte sich an den beiden Tagen davor alle paar Stunden geändert, von durchgehend Sonne bis durchgehend Regen und mit allem dazwischen. Gestern morgens beim Aufstehen hieß es dann: 30 Prozent Regenwahrscheinlichkeit am Nachmittag. Doch als ich eine halbe Stunde später ordentlich sonnengecremt die Vorhänge öffnete, regnete es bereits. Wir kleideten uns entsprechend und waren frohen Mutes.

Aufmerksame Leserinnen und Leser haben vielleicht an der Überschrift bemerkt, dass die gestrige Etappe nicht dort begann, wo die vorgestrige geendet hatte (Camariñas): Ein freundlicher Taxifahrer holte uns morgens ab (um neun, deshalb wieder sehr kurzes Frühstück, das es erst ab 8:30 Uhr gab) und brachte uns an den Startort. Er sprach Deutsch mit uns: Hatte 14 Jahre in der Schweiz gearbeitet. Wir unterhielten uns ein wenig über spanische Emigration im Lauf der Jahrzehnte und das Phänomen, dass die allermeisten früher oder später nach Spanien zurückkehren.

Wir wurden in Ponte do Porto abgesetzt, und hatte mir Camariñas schon gefallen, war ich von diesem Örtchen vollends entzückt: Nicht nur hat es ein eigenes Café Central (in dem ich endlich anständigen Morgenkaffee bekam), sondern einen Fluss mit herrlichen Auen, alte, aber nicht zu herausgeputzte Häuser, viel Grün. Hier kann ich mir sehr gut Urlaub vorstellen.

Da wir diesmal auch durch Dörfer kamen, konnten wir einkehren: Um eins waren wir in Merexo zwar noch früh dran, uns wurde erst aufgesperrt, doch wir bekamen Bier und bald Gesellschaft von älteren Herren aus dem Dorf, die leidenschaftlich und lautstark auf Gallego die wirklich wichtigen Themen des Lebens diskutierten: Ist süßes Essen akzeptabel oder nicht. Ich musste sofort an die ebenso leidenschaftliche Diskussion denken, die HerdyShepherd erst kürzlich auf Twitter über pudding (akzeptabel, heiß geliebt) versus dessert (inakzeptabel, Abomination) anzettelte (ab hier).

Richtige Mittagspause machten wir nicht, wir sahen im Regen keine Möglichkeit. Statt dessen aßen wir im Stehen Trockenfeigen und Salznüsse (ich zudem eine Birne, die ich unter einem Birnbaum voller Früchte von der Straße geklaubt hatte – von der Straße ist nicht Diebstahl, finde ich). Diesmal trafen wir einen ganzen Haufen anderer Wanderer, mindestens sechs. Das lag daran, dass unsere Route ein paar Kilometer auf dem Jakobsweg verlief – da geht’s zu!

Diesmal sind wir in einem sehr Zeitgeist-designigem Hotel untergebracht, totaler Kontrast zum vorherigen, aber ebenso angenehm und schön. UND unser Hotelzimmer liegt direkt auf einem Pokéstop.

Morgenkaffee in Ponte de Porto mit Aussicht auf das Wetter des Tages.

Die lange Hose hatte ich eh geplant – allerdings zum Schutz vor noch mehr Kratzern.

Kirche Santiago de Cereixo in Ponte de Porto – Romanik können die da, gell.

Der dazugehörige Dorffriedhof.

In Ponte de Porto kann ich mir gut Urlaub vorstellen.

Hier sah ich zweimal Kraniche auffliegen – wunderschön.

Und dann verwandelte sich der Kranich in einem wunderschönen alten Mann…

An der Mündung des Río Porto sahen wir mindestens zwei Dutzend Menschen im Wasser stehen und irgendwas fangen – mit fröhlichem Hin- und Herrufen und gemächlichen Bewegungen ein faszinierender Anblick.

Auch den Leuchtturm an der Praia do Lago sahen wir schon von Weitem (siehe Sinn und Zweck).

Als wir dicht davor waren, entdeckten wir unverwechselbare Flossen direkt hinter ihm im Meer: Delphine! Wir sahen ihnen zu (mindestens ein sehr großer und zwei kleinere), bis sie rechts aus unserem Blickfeld verschwunden waren. Sie werden mir einfach glauben müssen, dass das die schwarzen Striche auf dem Foto oben sind – mit einer Handykamera war nicht mehr rauszuholen.

Ich genoss das Wandern im Regen und versuchte mir klarzumachen, dass es auf einer Irlandwanderung auch nicht viel anders wäre (ich möchte eigentlich sehr gern in Irland wandern, fürchte aber den vielen Regen), vielleicht bloß ein bisschen kälter.

Einkehren in Merexo (es gibt wirklich immer eine Kleinigkeit zu Essen dazu).

Puh, wieder weg vom Jakobsweg, der eine unangenehm stark befahrene Straße war (uns gilt der grüne Trasno-Pfeil oben).

So gern ich bislang die federnden Holzbohlenwege mochte (hier wieder durch ehemalige Mühlen) – gestern fürchtete ich die glitschigen Dinger. Selbst bei noch so vorsichtigen Schritten hätte es beide von uns fast gelegt.

Angekommen in Muxia. Die Wegbeschreibung hätte uns noch zur Kirche auf dem Berg geschickt, aber ich sah da keine Kirche. Und wir wissen ja wohl alle: Was man nicht sieht, kann man nicht besuchen.

Hotelzimmertür.

Das mit dem bestellten Abendessen (Sie nennen es Halbpension) war wieder komplizierter: Zwar hatte das Hotel ein Restaurant, das bei unserer Ankunft um halb vier auch bummvoll war. Doch genau an diesem Abend würde es geschlossen bleiben (wegen Erschöpfung des Personals). Man reservierte uns statt dessen einen Tisch in einem anderen Restaurant, fragte mehrfach nach, ob das auch wirklich in Ordnung sei und bedankte sich sehr herzlich bei uns für das Entgegenkommen.

Wir aßen sehr gut, verwirrten aber den jungen Man-bun-Kellner mit unserer Bestellung: Ich hatte auf der Karte Pulpo mit heimischem Käse überbacken gesehen – konnte ich mir nicht vorstellen, wollte ich probieren. Laut Herrn Kellner war ich die erste, die das jemals bestellt hatte – ich fragte nur halb im Scherz, ob das etwa nicht schmecke? Und dann bestellte Herr Kaltmamsell auch noch Pulpo sowohl als Vorspeise (paniert) als auch als Hauptspeise (traditionell galicisch). Ich versuchte, Herrn Man-bun zu entspannen, indem ich erklärte, dass Touristen halt komisch seien. Half natürlich nicht.

Spannung beim Zu-Bett-Gehen: Würden wir uns am nächsten Tag für die lange, schwierige Strecke oder für die Abkürzung über die Rennstrecke Jakobsweg entscheiden? Und würden die Wanderstiefel bis zum nächsten Morgen wieder trocken sein?

§

Auf der anderen Seite der Welt, in Japan, wandert gerade Nina Jäger, und bloggt freundlicherweise darüber. Hier geht‘ los.

Journal Mittwoch, 23. August 2017 – Spanienurlaub 4, Arou nach Camariñas

Donnerstag, 24. August 2017

Sandig war das heute, sehr sandig. Doch die Zeit schien mir auf diesen gut 24 Kilometern und acht Stunden mit zwei Pausen schneller zu verfliegen als an den beiden Wandertagen zuvor. Das erleichterte mich, denn die Nacht auf gestern war sehr anstrengend gewesen. Am Einschlafen hinderten mich: Jede Bewegung des Herrn neben mir (zwar schlafe ich allein am besten, aber derart empfindlich bin ich sonst nicht), Einschlafbilder, wie ich zwischen Felsspalten stürze oder gleich die Klippen neben dem schmalen Wanderpfad hinab (ich mag mich für ziemlich schwindelfrei halten, mein Unterbewusstsein ist es wohl nicht), Partylärm gegenüber, Hüftschmerzen. Gegen letzteres nahm ich Ibu und schlief endlich ein.

Angekündigt war bedeckter Himmel, aber der hielt sich nicht dran: Schnell schien zwischen den Wolken die Sonne, fast durchgehend – auch wenn man das auf den Fotos nicht sieht. Zunächst liefen wir über sandige Pfade und Sandstrände, dann über Pfade zwischen Heidekraut und Brombeerbüschen, die so schmal waren, dass Herr Kaltmamsell sie als „minimalinvasiv“ bezeichnete. Vorteil: keine Mountainbiker. Nachteil: zerkratzte Beine, gestern wäre eine lange Hose die passende Wahl gewesen. Doch auch Schotterpiste und normale Wanderwege gehörten gestern zur Strecke.

Noch überlegen wir hin und her, wie wir es mit der fünften Etappe am Freitag halten, die nicht nur 30 Kilometer und zehn Stunden lang ist, sondern auch die schwierigsten Auf- und Abstiege der gesamten Route ankündigt (es gibt eine Alternative über den Jakobsweg). Denn wenn der Abschnitt am Dienstag als „einfach“ beschrieben wurde, uns aber in Felsenklettereien schickte, wird mir arg mulmig, wie im Vergleich „schwierig“ aussieht. Gestern machten wir uns nach acht Stunden gemischter Wege klar, dass wir am Freitag genau dann nochmal zwei Stunden vor uns haben würden. Dazu wären wir gestern nur zum Preis von Laune und Verletzungsrisiko im Stande gewesen.

Unsere Unterkunft in Camariñas ist ganz entzückend: Ein uraltes, gepflegtes Häuschen an einer Plazuela, das schön eingerichtete Schlafzimmer und das Bad haben rohe Steinmauern – sowas mag ich arg gern. Wir lernen: Zwei Sterne heißen gar nichts, das kann ein liebloser Schuhkarton sein wie am Sonntag oder ein schönes Pensionzimmer.

Auch der Ort Camariñas sieht reizend aus. Nur dass wir abends irgendwie keine große Lust auf Herumlaufen hatten.

Nach kurzem Frühstück fuhr uns der Herr vom Vortag mit seinem Taxi nach Arou (ich hörte dabei ein wenig Radionachrichten, dominierendes Thema sind hier natürlich die Untersuchungsergebnisse nach dem IS-Terroranschlag in Barcelona) unter düster verhangenem Himmel.

Minimalinvasiver Weg durch Hecken inklusive Brombeeren.

Ein typischer anstrengender Abschnitt (der grüne Punkt weist den Weg). Vielleicht sollte man bei dieser Wanderung darauf hinweisen: „Alpine Erfahrung von Vorteil.“ Dann hätte ich zwar trotzdem gebucht (ohne alpine Erfahrung), aber ich wäre selbst schuld gewesen.

Minimalinvasiver Weg durch Heidekraut und Disteln.

Praia do Trece – schon wieder ein atemberaubender Strand.

Dorthin rutschten wir vom Monte Blanco und lernten, dass Sand bergauf ein Fluch ist, dann aber einen superschnellen Abstieg ermöglicht. Wenn man mit Juchzern drauf scheißt, dass danach die Wanderschuhe voller Sand sind.

Der Wanderweg führte quer über den Strand.

Beim Cementerio dos Ingleses (mit interessanter Geschichte) ruhten wir uns aus und ließen uns dabei von vielen, vielen gestapelten Steinen zusehen.

Das nächste Ziel, den Leuchtturm Faro Vilán, sahen wir lange bevor wir es erreichten.

An seinem Fuß machten wir Mittagspause mit Apfel und getrockneten Feigen.

Fischzuchtfabrik – falls Sie schon immer wissen wollten, wie sowas aussieht.

Und so sah der Wanderweg aus, der uns herumführte. Alpine Erfahrung von Vorteil.

Die letzten beiden Stunden waren gemütlich, wir sahen Kormorane sitzen und ließen uns von einem alten Herrn ins Gespräch verwickeln, der gerade vom Angeln kam (40 Jahre im Schweizer Tunnelbau gearbeitet hatte, vor zehn Jahren in Rente gegangen, genau als der Gotthardbau startete, zurück nach Galicien gezogen).

Die kleine Badewanne im Hotel ermöglichte mir wieder ein herrliches Vollbad (Wandern macht erstaunlich schmutzig), nach ersten Handgriffen für diesen Blogpost ging ich mit Herrn Kaltmamsell auf Drinks (als ich einen Gin & Tonic bestellte, fragte man mich nach meiner Gin-Präferenz; ich ließ die Kellnerin aussuchen, die mir einen leicht rosa Puerto de Indias empfahl, der leicht Erdbeerkaugummi-aromatisiert war und genau das Richtige für gestern), Abendessen gab’s im Hotel.

Wer weder Fisch noch Meerestiere mag, hat es an der galicischen Küste wahrscheinlich schwer.

Journal Dienstag, 22. August 2017 – Spanienurlaub 3, Laxe nach Arou

Mittwoch, 23. August 2017

Gestern waren es gut 20 Kilometer in sechseinhalb Stunden, mit höchstens 25 Grad angenehm temperiert, niemand jagte mich ins Meer, zurück im Hotel nahm ich ein Vollbad: Guter Wandertag.

Wir wären gerne früh aus Laxe aufgebrochen, denn zum einen war der Morgen angenehm wolkig kühl, zum anderen mussten wir um 17 Uhr am Zielpunkt in Arou sein: Wir würden nicht dort übernachten, sondern für eine weitere Nacht zurück nach Laxe gefahren. Der Haken: Frühstück gab es erst ab 8:30 Uhr. Obwohl wir dieses kurz hielten (ich verzichtete auf Kaffee, denn er stand vorgekocht in Kannen am Buffet), wurde es halb zehn, bis wir loskamen.

So wurde ich etwas unruhig, als wir für die ersten sechs Kilometer schon zwei Stunden brauchten (der Küstenweg war sehr schmal, zudem ging es ständig steil auf- oder abwärts): So würden wir es nie bis fünf nach Arou schaffen. Doch der weitere Weg war Tempo-freundlicher – mit einer Ausnahme: Ein Abschnitt war als „Zona de rocas“ angekündigt – und hallo meinten die das ernst! Die Markierungen schickten uns in Küstenfelsen, die sich nur auf allen Vieren bewältigen ließen. Nach der dritten mühsamen Kletterei mit Anderhalb-Meter-Sprüngen und über Abgründe hinweg, erklärte ich diesen Abschnitt zu einem trasno-Scherz und suchte nach einer Alternative. Solches echtes Klettern macht mit einem Rucksack und sonstigem Gebämsel in Form von Wasserflasche und Kamera (Herr Kaltmamsell) und einem linken Arm, auf den wegen gereiztem Nackennerv kein Verlass ist (ich, die nicht damit gerechnet hatte, dass sie das beim Wandern einschränken könnte) überhaupt keinen Spaß. Dieses Bild (selbst war ich zu beschäftigt zum Fotografieren) gibt einen kleinen Eindruck.

Nicht nur hier war ich sehr froh, dass Herr Kaltmamsell Karten mit Geodaten von unserer Tour auf dem Tablet dabei hatte. Die Beschreibungen des Reiseveranstalters sind grob („dem Küstenpfad folgen“) und weichen immer wieder von den Markierungen ab, jetzt hatten uns die Markierungen in eine Sporteinlage geführt – wieder gab mir die Karte auf dem Tablet die eigentliche Orientierung.

So kamen wir weit rechtzeitig in Arou an (tut mir leid, mein Hirn spricht das immer oberpfälzisch aus), und ich holte den Kaffee nach (cortado), auf den ich sehr große Lust hatte. Kaum hatte ich ihn mit Genuss getrunken, war mein unangenehmes Kopfweh weg, das mich seit dem Vortag geplagt hatte und das sich auch nicht mit Ibu vertreiben hatte lassen. (Korrekterweise muss ich erwähnen, dass ich in der Bar außerdem Zitronenlimo Kas de limón trank – vielleicht war’s ja die.)

Auf die sehr speziellen Marienfiguren in Galicien hatte mich ja schon der Reisebericht von croco vorbereitet.

Noch mit Wolken zogen wir los, die aber schnell ungestört blauem Himmel Platz machten.

Hier, bitteschön: Endlich mal einer der Leuchttürme, nach der die Wanderung Camiño dos faros benannt ist.

Friedhöfe finde ich in der Fremde immer spannend, und dieser sah besonders anders im Vergleich mit bayerischen aus.

Bei uns am ehesten noch auf billigen Pralinenschachteln zu finden, hier dominiert diese Schriftart auf Gräbern.

Die Blumenvasen werden gleich in den Grabtafeln mitgesteinmetzt.

Der zweite schier endlose Sandstrand nach dem Praia de Soesto: der noch längere Praia de Prada. Beide wurden von Surfern genutzt, die hinterm Strand in Wohnmobilen und Kleinbussen campierten.

Nach abgebrochener Kletterei gingen wir statt dessen auf diesem Weichei-Weg…

… und machten im Schatten an diesem auch noch mit Piniennadeln abgefederten Mittagspause: Tomaten, die wir morgens im Supermarkt besorgt hatte, und salzige Erdnüsse. Ich glaube, ich mag jetzt bis auf Weiteres keine Erdnüsse mehr essen.

Der Rest war ein Spaziergang.

Sehen Sie die Fische?

Vor diesem Café tranken wir gerade etwas, als uns ein Bub fragte, ob wir Interesse an percebes hätten (Entenmuscheln, typisch für die Gegend); er wies auf eine eckige Plastikschüssel. Da wir keine Küche zu Verfügung hatten, musste ich ablehnen. Der Bursch zeigte und dennoch die sehr unterschiedlich großen Percebes, mein Bedauern war sehr ehrlich.
Schließlich holte uns ein freundlicher Taxifahrer ab (der seine Rückbank gegen unseren Wanderdreck mit einem Tuch schützte). Die Straße zurück, so bestätigte der Herr, war tatsächlich länger als der Fußweg es gewesen war.

Im Hotel zog ich Memme die Badewanne einem Bad im Meer vor, wir wuschen beide ein wenig Wanderkleidung aus (gelernt: staubige Erde und Sand verschmutzen deutlich mehr als die Wiesen und hin und wieder Matsch in England letztes Jahr).

Spiegelselbstporträt beim Bloggen:1 Die Sonnenmilch wirkte auf den Beinen hervorragend, man sieht keinen Unterschied zwischen dem Bereich unter der Hose/unter Socken und dem Rest. Auf den Schultern und im Ausschnitt wirkte sie nur so mittel, obwohl ich so viel aufgetragen hatte, dass ein weißer Film sichtbar war.


Nachtmahl wieder neben dem Hotel: Miesmuscheln zur Vorspeise (riesig, sehr frisch und sehr gut), Chipirones mit Kartoffeln danach, zum Nachtisch ein Frischkäse-Flan.

Wieder den Wecker früh gestellt, um fertig zu bloggen, bevor uns das freundliche Taxi zurück nach Arou fährt.

§

Mein Spanisch ist endlich so schlecht geworden, dass die Einheimischen mir Komplimente machen, ich spräche aber gut Spanisch. Es erleichtert mich, sofort als Fremdsprachlerin eingeordnet zu werden – ich hatte immer befürchtet, man könnte mich für eine halt etwas blöde Einheimische halten.

  1. Ich bin derart froh, dass ich nicht aussehe, wie ich innen bin. Die Menschen reagieren ja auf das, was sie sehen, und so profitiere ich davon, dass man mich oft als Sonnenscheinchen wahrnimmt und auf mich erfreut und freundlich reagiert. []

Journal Montag, 21. August 2017 – Spanienurlaub 2, Neñao nach Laxe

Dienstag, 22. August 2017

Puh, das war sehr schön, aber anstrengend. Statt der 22 angegebenen Kilometer summierte sich die Strecke auf fast 25 (der Umweg durch falsche Abzweigung bereits rausgerechnet), und diese zusätzlichen (fast acht statt angekündigter fünf) waren auch noch der unerwartet auf- und abstiegreiche Schlussabschnitt. So waren wir mit zwei nicht besonders langen Pausen mehr als acht Stunden unterwegs.

Eine Ankündigung die eintraf: Das Wetter. Es war sehr heiß, und da ein Großteil des Weges abseits der Küste ins Inland führte, kühlte kaum ein Wind. Dennoch war ich die meiste Zeit frohgemut und genoß die herrlich abwechslungsreichen Wege und Aussichten; erst am Ende, als wir auf schmalen Pfaden immer noch eine Bucht umrundeten und noch eine, als das Wasser aus war und unser Ziel nie erreichbar schien, grantelte ich. Erschöpfung und Granteln führen zu Stolpern, eine Wurzel brachte mich schließlich zu Fall (nichts passiert, nur Kratzer, Dreck und Grantverstärkung).

Wir hatten den Wecker auf sieben gestellt, um früh loszukommen und so lange wie möglich die Morgenkühle zu nutzen, doch es wurde erst um acht überhaupt hell. Also ließen wir uns mit dem Frühstück Zeit, ganz altmodisch café con leche und tostada (ich fürchte, viel mehr hätte die Bar im Hotel auch nicht hergegeben).

Für den ersten kurzen Abschnitt brauchten wir sehr lang, denn in der Ría gab es einen aufregenden Vogel nach dem nächsten zu entdecken. Keine Fotos, weil Herr Kaltmamsell seine Superduperkamera diesmal nicht mitschleppen wollte.

Ausgesprochen bezaubernd war der Mühlenweg, Rego dos Muiños, mit ganz vielen kleinen ehemaligen Mühlengebäuden, hier auf Spanisch ein wenig Hintergrund und eine Skizze der (für mich ungewöhnlichen) Funktionsweise dieser Mühlen.

Zum kleinen Gemüsegarten scheint hier Mais zu gehören.

Icon-Atavismus: Wer kann sich wohl noch erinnern, dass so mal Fotoapparate ausgesehen haben?

Bronzezeit-Siedlung Castro de Boneiro (die Schilder mit der Bitte, nicht auf die Mauern zu steigen, nur auf Galicisch):

Auf dem Weg lag auch die archäologische Ausgrabung eines Dolmen (Dolmen von Dombate). Das Gebäude, das über den Fund gebaut wurde, war architektonisch interessant – und kühlte ganz hervorragend (mittlerweile hatte eine stechende Mittagshitze eingesetzt).

Außerdem spiegelte die Verglasung genau richtig.

Hier hatten wir eigentlich Mittagspause geplant, doch die schönen Bänke am Museumsgebäude lagen im Süden und damit in der prallen Hitze. Wir gingen nur aufs Klo und wanderten weiter.

Das war der zweite öffentliche Brunnen, an dem wir vorbeikamen, hier bei Fontefría (das war wohl mal das Waschhaus). Der Wanderführer hatte behauptet, an der gesamten Strecke im Hinterlang gebe es keinerlei Versorgungsmöglichkeit – aber er hatte ja auch behauptet, dass Leitungswasser sei hier nicht trinkbar und man solle unbedingt Flaschenwasser kaufen. Letzteres hatte mich bereits zum Kopfschütteln gebracht: 1. Woraus glauben die, wird ihr Morgenkaffee im Hotel zubereitet? 2. Wie bitte? Ja, hier wird das Trinkwasser gechlort, das schmeckt einer Deutschen nicht recht (wobei auch in München das Wasser in Ausnahmefällen, nämlich nach vielem sehr starken Regen, leicht gechlort wird), aber ihm gleich die Tauglichkeit für menschlichen Verzehr abzusprechen (ein anderer Grund für das Urteil fällt mir nicht ein weil: EU)? Das Brunnenwasser schmeckte übrigens nicht gechlort, wir tranken uns daran satt und füllten unsere Flaschen wieder nach.

Tatsächlich Mittag machten wir dann an einer praktisch unbefahrenen Straße in einem Pinienwaldstück, während über uns die Pinienzapfen in der Hitze mit Knarzen und Knacken barsten.

Nächstes Ziel war der Monte Castelo do Lourido, zu dem es natürlich bergauf ging, der aber zum Dank eine sensationelle Aussicht bot. Hier begegneten wir zum ersten Mal anderen Wanderern (ich machte sogar Wander-Smalltalk! auf Spanisch!).

Aus dem Ort oben waren wir am Morgen aufgebrochen.

Und hierhin sollte die Tagesetappe uns führen.
Der Abstieg ging durch einen Ort mit herrlichen Pfirsichbäumen.

Hier startete der letzte Abschnitt des Tages, nämlich die Küste entlang, siehe oben.

Ich fürchte, ich bin zu doof für einen Wanderstock. Nachdem so viele Leserinnen und Leser hier davon schwärmten, war Herr Kaltmamsell tatsächlich losgezogen und hatte ein Paar gekauft. Das teilten wir uns gestern. Und während der Herr exakt so sofortbegeistert war, wie Sie es in den Kommentaren geschildert hatten, stellte der Stock für mich eine Belastung dar: Wenn ich schnell etwas fotografieren wollte, war er im Weg – ich ging dazu über, ihn einfach von mir zu werfen, wenn ich fotografieren wollte, und ihn danach wieder einzusammeln. Auf breiten und bequemen Wegen störte er nicht, doch die sehr schmalen Küstenpfade stellten mich vor das Platzproblem: er oder meine Stiefel. Ständig musste ich für den Stecken mitdenken statt einfach zu gehen. Bei einigen sehr steilen Felsen, für deren Überwindung ich beide Hände brauchte, stand er mir so im Weg, dass ich ihn hoch oder runter warf und hinterher kletterte. Heute lasse ich ihn im Koffer, den Einsatz probiere ich lieber erst wieder auf vertrauten Strecken aus.

§

An unserem Zielort Laxe fielen wir erst mal in eine Bar ein und tranken etwas. Hotel ist diesmal mehr als anständig, und das mit dem Abendessen hatte auch geklappt. Herr Kaltmamsell zwang mich, meinen tagsüber geäußerten Plan umzusetzen, noch im Atlantik zu baden (sonst werde! er! mitgehen!). War wirklich sehr kurz, denn der Strand war voll und ich hatte Angst, nach einem weitergreifenden Schwumm nie wieder mein kleines Kleidungshäuflein bestehend aus Sandalen, Hemd und Handtuch zu finden. Aber bitte! Ich war im Atlantik.

Nach Duschen und Fotosortieren (Herr Kaltmamsell guckte so lange spanische Fernseh-Quizshows) war es Abendessenszeit. Man gab uns typisch Spanisches: Gemischten Salat mit Dosenspargel sowie wirklich gute merluza (Seehecht, den ich als default-Speisefisch von meiner spanischen Familie kenne) mit ausgesprochen guten Salzkartoffeln. Im Glas diesmal ein Ribeiro, ich hatte keine Energie, mich nach Details zu erkundigen.

Während Herr Kaltmamsell im Bett las, bloggte ich. Und stellte den Wecker auf sieben, um vor dem Frühstück noch die Bilder für den Blogpost zu bearbeiten. Hm – auf Dauer mag ich nicht zwei bis drei Stunden meiner Urlaubstage fürs Bloggen verwenden, ich muss mir was überlegen.

Journal Sonntag, 20. August 2017 – Spanienurlaub 1, Anreise

Montag, 21. August 2017

Ein bisschen fühlte sich tatsächlich schon die S-Bahn-Fahrt wie Urlaub an, mit vielen, aber nicht zu vielen anderen Rollkofferzieherinnen und -ziehern.
Auf dem Weg zum Stachus die Sonnenstraße entlang hatten wir noch viele Partygänger auf der Feierbanane und viele Obdachlose gesehen, die vorm Kaufhof schliefen – was man so mitbekommt, wenn man mal zu ganz ungewohnten Zeiten aus dem Haus geht.

Wir stiegen in ein Flugzeug nach Santiago de Compostela, denn der Plan für diese knapp drei Wochen Spanien lautet:
– eine Woche Wandern an der Costa de la muerte
– ein paar Tage galicischer Strand
– eine Woche Madrid

Die Aussichten während des Flugs (immer Fensterplatz) waren herrlich und erinnerten mich daran, wie groß und vielfältig die iberische Halbinsel ist.

Ausruf der Passagierin vor mir, als sie beim Anflug auf Santiago die Landschaft auf dem untersten Foto sah: „Aber das sieht ja gar nicht aus wie Spanien!“ Nun, herzlich willkommen zum nördlichen Drittel dieses Lands.

Ein Shuttle des Reiseveranstalters fuhr uns in einer guten Stunde vom Flughafen nach Norden an die Küste, wo unsere Wanderung morgen beginnt. In den Orten, durch die wir kamen, sah ich Graffiti für die Unabhängigkeit Galiciens, auf Galicisch. Der Rest Europas (mit einer winzigen Ausnahme) sucht seit Jahrzehnten nach einer möglichst breiten Basis für Austausch und Kommunikation, die spanischen autonomen Regionen (weitaus unabhängiger als die Länder im deutschen Föderalismus) möchten bitte gerne das Kleinfürstentum nachholen, das ihnen nach der Reconquista im 16. Jahrhundert versagt blieb, weil gleich ein Nationalstaat gegründet wurde.
Aber auch einen mutmaßlichen Bussard sah ich und viel exotische Vegetation.

Wir bezogen unser schlichtes Zimmer, bis dahin hatte alles geklappt. Nur dass sich jetzt herausstellte, dass dieses Hostal kein Abendessen anbietet – wir haben allerdings sieben Übernachtungen mit Abendessen gebucht und gezahlt (ich hatte mir nicht vorstellen können, dass wir nach den teilweise ganz schön happigen Tagesetappen noch Lust haben würden, ein Lokal für den Abend zu suchen). Dass das angegebene Internet-Passwort nicht funktionierte, war für die eine Übernachtung verschmerzbar, dank EU-Roaming scheue ich mich nicht, per Telefon online zu gehen.

Da es erst früher Nachmittag und ein strahlender Sommertag war, gingen wir Richtung Strand (Zitronen-, Apfel-, Birnen-, Pfirsichbäume mit Früchten) und sahen uns um.

Von diesen Hórreos, die in meiner Erinnerung vom letzten Aufenthalt eng mit Galicien verbunden sind, werden Sie wahrscheinlich noch viele Fotos hier sehen: Es gibt sie in allen möglichen Varianten und Stilen.

Vielleicht werde ich auf dieser Spanienreise Schriftarten sammeln, die für mich typisch spanisch sind. Diese könnte man allerdings auch in Italien finden (sofort setzt die Musik der Don Camillo und Peppone-Verfilmungen ein).

Sogar verfallende Fischerboote haben sie den Fotografierwütigen an den Strandweg gestellt.

Ausführliche Siesta (Herr Kaltmamsell hatte sich zu Mittag süße Teile in einer Bäckerei gekauft, ich hatte aus dem Wanderproviant gesalzene Erdnüsse zu Mittag gegessen) und Buchlesen. Zu meiner Überraschung schlief mein Reisebegleiter mehrere Stunden, ich musste ihn um neun wecken, weil wir ja noch Abendessen wollten. Das bekamen wir in einem schraddligen Lokal an der Straße: Muscheln und Calamari mit Salat, dazu tatsächlich guten Albariño.

§

Am Samstag versank ich mal wieder in einem Text von Herta Müller: die SZ hatte ihre Rede zur Eröffnung der Ruhrtriennale abgedruckt. Zu meiner großen Freude steht er kostenfrei lesbar online:
„Ein Ausweg nach innen“.

Ich weiß nicht, ob ich einsam war, weil ich das Wort nicht kannte. In der Dorfsprache gab es nur das Wort allein. Und im Dialekt heißt das alleinig. Es hat eine Silbe mehr, nimmt sich ein bisschen mehr Zeit und klingt trauriger als allein. Weil ich das Wort einsam nicht kannte, kannte das Wort mich auch nicht. Ich wurde nicht zu dem, was das Wort bedeutet. Es schaute mir nicht in den Kopf, wollte gar nicht wissen, was ich tu und wie ich dabei bin. Manchmal macht es die Dinge einfacher, wenn man im Kopf nicht weiß, wie man gerade ist.

Journal Samstag, 19. August 2017 – Sammlung für Absprung

Sonntag, 20. August 2017

Urlaubsvorbereitungen:
– Zu Packendes auf dem Bett versammeln (auf der Kommode neben dem Bett hatte sich über die vergangenen Tage bereits ein Nest mit Dingen gebildet, die ich auf keinen Fall vergessen wollte)
– Duschen mit Haarpflege
– Beine rasieren und pflegen
– Zehen hübschen und lackieren (Unterlack, zweimal Farbe, Überlack)

Dazwischen Semmeln zum Frühstück holen und einen Raid gewinnen.

– Bügeln
– Packreihenfolge diskutieren und umsetzen
– Herrn Kaltmamsell nochmal an die Abflugzeit erinnern, ihn entscheiden lassen, um welche Zeit wir das Haus verlassen, die ihm entspannte Anreise ermöglicht
– spontanen Elternbesuch (?) empfangen, Eltern den restlichen Ernteanteil mitgeben
– Geschirrspüler durchlaufen lassen, alles danach anfallende Geschirr von Hand spülen
– Wohnunssitter Gieß- und Postleeranweisungen hinterlassen

§

Da werden wir wandern.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/bnkKb0f7kLg

Soso, ein Art Kobolde (trasnos) haben sie da oben in Galicien.
Ich hatte mir die Strecke nicht so bevölkert vorgestellt wie in dem Filmchen – nun, wir werden sehen.

§

Diesen Text über die Übergriffigkeit evangelischen Religionsunterrichts in Kindergarten und Grundschule eines westdeutschen Dorfs habe ich mit großem Interesse gelesen – hätte ihn aber eher nicht weiterverteilt, weil er vielleicht ja doch nur einen Einzelfall beschreibt und ich meine eigene Religionsaversion oft übertrieben finde. Doch dann fiel mir ein, wie sehr mich mein katholisches Aufwachsen (Grundschule: Stadtpfarrer Harrer, Gymnasium fast ausschließlich Pfarrer und Padres) verformt hat, eigentlich schon verkrüppelt,1 wie mein katholisch aufwachsender, sonst so wagemutiger Neffe laut seinem Vater in der Nacht vor der ersten Beichte nicht schlafen konnte – es ist eben kein Einzelfall und ich halte es für bekämpfenswert, dass wir als Gesellschaft noch nicht weiter sind.
„Gastbeitrag: Die Sache mit der Religion“.

§

Hillary Mantel – ich habe den immer stärkeren Eindruck, dass sie nicht nur eine überragende Schriftstellerin ist, sondern auch sehr klug. In der Financial Times steht ein Interview mit Mantel (gelernt: die rosarote FT interessiert sich für Literatur):
„Novelist Hilary Mantel on truth and Thomas Cromwell“.

In Tudor times, news and rumour were barely distinguishable. Today Mantel sees the world again “at the mercy of a rumour system”, this time online news.

(…)

Mantel prides herself on ambiguity. Rereading her diary has reinforced her doubts about memory: she has noticed that the most important things “never made it near the page”. “I think it’s a real lesson to anyone concerned with history — how very hard it is to get the simplest things preserved.”

  1. Zur speziellen Ingolstädter Variante des Katholizismus lesen Sie am besten die Dramen von Marieluise Fleißer. []

Journal Freitag, 18. August 2017 – Abschied vom Münchner Hochsommer

Samstag, 19. August 2017

Schon beim Morgenkaffee auf dem Balkon war es warm, auf dem Fußweg in die Arbeit bereits heiß. Doch da für Samstag ein Temperatursturz angekündigt war und ich dann erst wieder Mitte September nach München komme, war das ziemlich verlässlich mein Abschied vom Münchner Sommer.

Ich genoss also bewusst ein letztes Mal die Farben und Gerüche.

Die Miniermotte sorgt auch dieses Jahr für vorgezogenen Herbst der Kastanien.

Es wurde nochmal richtig heiß. Mittags verfutterte ich weitere Teile des Ernteanteils, es gab Tomaten und Gurken mit einem Stück Manouri. Ich machte früh Feierabend und spazierte möglichst wenig schweißtreibend nach Hause (zwei Einzel-Raids gewonnen).

Pfirsichbowle begleitete den Abend, zum Nachtmahl verzehrten wir aus dem Ernteanteil Mangold mit Frühlingszwiebeln auf der Pfanne, Kartoffeln aus dem Ofen, dazu ein wunderbares Stück Entrecôte (alles von Herrn Kaltmamsell zubereitet). Zum Nachtisch ging ich unter verdüstertem Himmel ums Eck in die Whole-in-the-wall-Eisdiele und holte zwei kleine Eisbecher. Beim Sandalenanziehen riss meine fadenscheinig gewordene Lieblingsbluse. Ich hatte sie ohnehin wegen ihrer Gebrechlichkeit nur noch selten getragen, der Abschied war also fast in Ordnung.

Am späten Abend brachen Gewitterstürme aus, die auch ein paar Hand voll Hagel mitbrachten – ich hoffe, dass genug Münchnerinnen und Münchner mit Isarpartyplänen rechtzeitig die Warnung der Münchner Feuerwehr vor stark steigendem Pegelstand (Ablass Sylvensteinstausee) mitbekommen haben.

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Ich weiß, dass Sie alle meterweit über einem Interesse an Königshäusern stehen – großartig. Doch ich lese sehr gerne das Mode(?)blog Go fug yourself, unter anderem, weil praktisch nie Paparazzifotos verwendet werden und die Körper selbst der Abgebildeten kein Thema sind. Die Autorinnen haben’s sehr mit Royals – unter Modegesichtspunkten, und so bin ich zu meiner Überraschung besser über Königshäuser informiert als je zuvor in meinem Leben. Den Fuglys ist sehr klar, dass sie in Wirklichkeit absolut nichts von diesen Menschen wissen – und so erfinden sie ihnen einfach einen Charakter. Eine ihrer besten erfundenen Figuren ist Princess Anne, zweitältestes Kind der britischen Königin. Da die Dame meist mit skeptischem Blick auf Fotos auftaucht, haben sie beschlossen, dass sie in Wirklichkeit Geheimagentin ist und texten ihr zu jedem Foto die entsprechenden Gedanken (hier ein paar wunderbare Beispiele).

Zu ihrem Geburtstag haben die Fugly-Ladies eine schöne Rückschau auf Outfits aus dem Leben von Princess Anne zusammengestellt:
„Celebrating The Many Doubtful Looks of Princess Anne, Upon Her Birthday“.

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Der Economist sieht sich Deutschland vor der Wahl an – und entdeckt die größten wirtschaftlichen Unterschiede nicht etwa zwischen Osten und Westen, sondern zwischen Norden und Süden:
„Germany’s new divide“.

via @MarcusJHBrown

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Warum auch immer er mir gerade heute einfiel, noch bevor ich das unten eingebettete Filmchen sah: Ein Mitturner aus Augsburger Aerobic-Zeiten. In meiner ersten Sportstudio-Zeit vor 20 Jahren besuchte ich ausschließlich Turnstunden. Auch damals hatten sie absurde Namen, doch drin waren in erster Linie Aerobic und Step-Aerobic mit Choreographie, außerdem Gymnastik zum Kraftaufbau. Auch damals waren diese Stunden fast ausschließlich von Frauen besucht, sie galten als unmännlich. Umso mehr fiel der eine Mann auf, der regelmäßig teilnahm, akzeptierter Teil unserer Stammturngruppe war, die mindestens viermal die Woche mitturnte: Klassischer geölter Guglhupf (in diesem Sportstudio wurde auch Gewichtheben trainiert, wir hörten es beim Hopsen regelmäßig über uns Rumsen), zudem zweite Generation Zuwanderer aus traditioneller Machokultur. Ursprünglich war er eigener Auskunft nach von seinem Gewichthebe-Trainer in die Stunden geschickt worden, um Kondition und Flexibilität zu steigern. Doch dann habe ihm das Gehopse so viel Spaß gemacht (und er habe gemerkt, wie anstrengend es war) und habe so spürbar Kondition und Flexibilität erhöht, dass er aus eigenem Antrieb wiedergekommen sei. Also hopste er und bog sich regelmäßig in seinem Ringerleibchen mit uns Damen – ganz offensichtlich ohne dass er seine Männlichkeit dadurch gefährdet sah.

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https://youtu.be/nWu44AqF0iI


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