Journal Sonntag, 24. September 2017 – Bundestagswahl

Montag, 25. September 2017 um 6:50

Gestern war ich also wieder Wahlhelfen, Bundestagswahl. Es kündigte sich ein schöner Herbsttag an.

Ich war zur Frühschicht eingeteilt und trat um 7:30 Uhr mit zwei anderen der Frühschicht im Theresiengymnasium an. Ich kümmerte mich um den Abgleich von Wahlbenachrichtigung/Ausweis mit dem Wählerverzeichnis.

Schon frühmorgens kamen Menschen, und bis zu meinem Schichtende um eins immer wieder so viele, dass Schlange gestanden wurde. Viele Menschen von ihnen waren in Bayernverkleidung, zum Teil ganze Familien. Ich lernte ein paar freundliche Hunde kennen, war gerührt von Menschen, die es nur mit großer körperlicher Anstrengung ins Wahllokal geschafft hatten, freute mich über Eltern, die ihre Kinder mitbrachten und ihnen Details und Hintergründe des Wählens erklärten (musste aber Kindern über Kleinstkindalter den Zugang zur Wahlkabine beim Wählen verwehren – die Geheimheit der Wahl wäre sonst nicht gewahrt gewesen). Ein Wählender war dabei, der den Wahlzettel monierte: Die CDU fehle. Er meinte es ernst, also erklärten wir ihm den Grund (das dürfen Wahlhelfende.)

Als mittags die Ablöse kam, ging ich erst mal im selben Gebäude selbst wählen (und stellte fest, dass das Team dort den Ablauf anders als wir organisiert hatte). Daheim wartete eine herrliche Schweinshaxe mit Wirsing (aus Ernteanteil) auf mich, die Herr Kaltmamsell auf meinen Wunsch als Sonntagsbraten bereitet hatte.

Den Nachmittag verbrachte ich mit dem Austausch von Sommer- gegen Winterkleidung im Schrank, ein wenig Bügeln, Zeitunglesen und dem Vorbereiten eines Quiche-Teigs für Montagabend. Kurz vor fünf begann es heftig zu gewittern und wie aus Kübeln zu regnen. Als ich zum Auszählen zurück ins Wahllokal musste, schüttete es immer noch, ich kam trotz Schirm mit durchweichten Schuhen und Hosenbeinen an.

Ein letzter, nasser Wähler brachte den Wahlhelfenden Schokolade mit – vor allem die Nachmittagsschicht, die seit Mittag nichts gegessen hatte, nahm sie begeistert an. Wir sortierten und zählten bis gegen acht (als stellvertretende Schriftführerin saß ich dabei meist neben dem Schriftführer und gab die Ergebnisse mit in den Laptop ein), dann räumten wir noch eine Viertelstunde auf – fertig.

Hier die Ergebnisse des Wahlbezirks, in dem ich gewählt und gezählt habe – offensichtlich lebe ich in einer Parallelgesellschaft.

§

Zu schöneren Dingen: Biologin Crocodylus schwärmt von botanischen Gärten.
„Grüne Liebe“.

Ich wäre arg gerne mal Mäuschen, wenn sie sich durch einen solchen botanischen Garten bewegt.

die Kaltmamsell

10 Kommentare zu „Journal Sonntag, 24. September 2017 – Bundestagswahl“

  1. berit meint:

    Danke fürs Helfen liebe Kaltmamsell :)

  2. Defne meint:

    Danke für den Link zu den Wahlergebnissen. Mein Wahlbezirk ist einer daneben und die Ergebnisse sind ähnlich. Ich fühle mich aber ganz wohl in meiner Parallelgesellschaft.
    Lange hatte ich nicht mehr direkt im Wahllokal gewählt, weil ich lange im Ausland gewohnt habe. Ich war erstaunt dass nicht nach dem Ausweis gefragt wurde und würde mich doch wohler fühlen wenn das häufiger gemacht würde.
    Was mich noch interessieren würde: Wie hoch ist die Aufwandsentschädigung für Wahlhelfer?

  3. Twitter meint:

    Ihr Paralelluniversum ist offensichtlich ein glückliches!

  4. Nina meint:

    In Berlin musste ich meinen Personalausweis vorzeigen, hätte aber notfalls die Wahlbenachrichtigung zuhause lassen können, die scheint nur zweitrangig zu sein. Gibt’s da etwa regionale/kommunale Unterschiede in der Organisation der Wahlabläufe?

  5. die Kaltmamsell meint:

    Hier, Defne, die Aufwandsentschädigungen für Wahlhelfende in München:
    https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtrecht/vorschrift/15/version1/0.html
    (Ich bekomme als stellvertretende Schriftführerin bei der Bundestagswahl 40 Euro.) (Einen Kuli durfte ich ebenfalls mitnehmen – er schreibt lila!)

    Ja, Nina, scheint lokal geregelt – und der Wahlvorstehende hat ebenfalls mitzureden. Ausschlag gibt in jedem Fall, dass Sie im Wählerverzeichnis stehen; mit der Wahlbenachrichtigung findet man Sie dort schneller (Wählernummer) als mit dem Ausweis (erst Adresse finden, dann Namen unter dieser Adresse).

  6. Anke meint:

    Nein, der Wahlablauf ist nicht lokal geregelt: Perso muss nicht sein, der Wahlvorstand darf ihn aber verlangen.

    https://www.bundeswahlleiter.de/bundestagswahlen/2017/informationen-waehler/wahlsonntag.html#953081e8-0bb3-4abe-9edd-95b789c647ff

  7. Croco meint:

    Ganz so spektakulär wäre es heute nicht mehr, Mäuschen zu sein. Ich freue mich mittlerweile wieder einfach nur noch an der grünen Schönheit und weniger an den ganzen Details. Angeblich sei es trotzdem anstrengend mit mir in botanischen Gärten.
    Danke für das Verlinken.

  8. joriste meint:

    Hier lesen Sie den Beitrag aus NRW: obwohl die Wahlbenachrichtigung ausreicht (Eintrag ins Verzeichnis), wollten etliche Leute gerne ihren Perso vorzeigen (steht auch drauf, dass sie ihn bereithalten sollen). Mehrere Männer mittleren Alters (whatever that is) verwiesen dann auf die Gefahr des Betrugs, und ich habe für’s Sicherheitsgefühl dieser Wähler gerne einen Blick auf ihren Personalausweis geworfen und mir die – eigentlich beruhigend gemeinte – Bemerkung verkniffen, dass es auch ohne geht.
    Wir haben übrigens, im Gegensatz zu @ankegroener, die Benachrichtigungen eingesammelt und abgezählt und keine weiteren internen Strichlisten geführt.
    Ansonsten ging es mir ähnlich wie Ihnen, Frau @kaltmamsell: schon die KollegInnen im Wahlraum, in dem ich selbst wählte, hatten ein komplett anderes System.

    Die Bezahlung ist wohl kommunal geregelt: hier in Dortmund gibt es 50€ Erfrischungsgeld für mich als Beisitzerin – Angestellte des öffentlichen Dienstes, die verpflichtet werden (können) mitzuhelfen, erhalten für den Wahltag zusätzlich irgendwie ausgerechnete Überstunden und dürfen die Infoveranstaltung während der Arbeitszeit besuchen.
    Auf die Urkunde bin ich sehr neidisch! Wäre ein schöner Kontrapunkt zu den Bundesjugendspieldingsis der Töchter.
    Danke nochmals für die Inspiration, Frau @kaltmamsell: nur durch Ihr Vorbild wurde ich zur Wahlhelferin :)

  9. Nina meint:

    Danke für die Erklärungen. Dann waren die Helfer*innen in meinem Wahllokal in Berlin-Neukölln einfach besonders gründlich. In meiner Schlange MUSSTEN wir alle unsere Ausweise vorzeigen. Vielleicht sahen wir auch einfach so verdächtig aus…

  10. Sigrid meint:

    Auf das Wahlergebnis bin ich schon ein wenig neidig. Im Wahlbezirk, in dem ich half und wählte sieht es leider ganz, ganz anders aus.


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