Archiv für Oktober 2017

Lieblingstweets Oktober 2017

Dienstag, 31. Oktober 2017

Das lässt mich einerseits innig eine Gelegenheit wünschen, den mal anzubringen. Andererseits glaube ich nicht, dass die Reaktion wäre wie im Tweet beschrieben: Der reagierende Mensch ist dafür zu langsam. Das musste ich erfahren, als ich das erste Mal ein Seminar an der Uni hielt, Einführung in die Englische Literaturwissenschaft. Ich nutzte die Gelegenheit selbstverständlich für das Ausleben meiner Albernheit, nämlich begrüßte ich die Erstsemester in der ersten Sitzung mit: „Guten Morgen, herzlich willkommen im Seminar Stochastik eins.“ Brüller. Dachte ich. Erwartet hatte ich nämlich wie in Sitcoms: Erschrockene Stille, dann Unruhe. Tatsächlich passierte: Nichts. Es wurde einfach weiter gekruschelt, als hätte ich gar nichts gesagt. Und so lernte ich, meine superoriginellen Schenkelklopfer für die Sitcom-Drehbücher aufzuheben, die ich nie schrieb.

Nachtrag: Anne Schüßler hat wieder die Lieblingstweets in Blogs zusammengeklaubt.

Journal Montag, 30. Oktober 2017 – St. Brück mit Schwimmen und Bagel

Dienstag, 31. Oktober 2017

Vor sieben wohlig aufgewacht, nach dem Bloggen noch herumgeräumt, bis ich endlich zum Schwimmen radeln konnte – das Olympiabad öffnet ja wegen Umbaus erst um 10 Uhr für die Öffentlichkeit. Es war trocken, aber ziemlich kalt, Ende Oktober war es fürs Radeln nun doch Zeit für Stirnband und Handschuhe.

Ein guter Schwumm unter wenigen Leuten. Dennoch Augenrollen über die beiden, die Schwimmen spielten statt zu schwimmen: Nach jeder Runde ausführlich auf einem Zettel nachguckten, mit welchem Spielzeug sie die nächste Runde schwimmen würden. Und mir dabei die Wende verstellten. Als ich nach dem Duschen zu meinem Spind kam, fragte ein Herr in Badehose nach Wechselgeld für seinen Spind (man braucht im Olympiabad eine Euromünze). Ich schenkte ihm einfach meine.

Auf dem Heimweg Einkauf im Basitsch, ich hatte Backen vor. Auf den Straßen Verkehr wie am letzten Adventsamstag. Inzwischen stelle ich mir manchmal vor wie es wäre, würden alle Privatautos aus der Innenstadt verbannt, die Straßen bis auf eine Spur für Busse, Taxis, Lieferautos verkleinert, die restliche Fläche Fußgängern und Radlern vorbehalten; ich bin überzeugt, dass das eine lebenswertere Stadt wäre.

Zum Frühstück/Mittagessen gab es restliche Kartoffelsuppe, während dessen backte ich Bagel. Und weil ich sie ja inzwischen doch nur nach diesem Rezept mache: Hier bitte das Rezept, die besseren Bagels.

Nachmittags Zehennägel lackieren verschränkt mit It lesen verschränkt mit Vorteige für Brot ansetzen.

Durch die Zeitumstellung wird’s ganz schön früh dunkel.

Zum Abendessen Chinakohlsalat aus Ernteanteil und frische Bagel mit meinem Lieblingsbelag: Frischkäse, Räucherlachs, Ruccola.

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Happy Halloween!

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https://youtu.be/B_jqqJ-77xs

Journal Sonntag, 29. Oktober 2017 – Abgetaut

Montag, 30. Oktober 2017

Programm gestern: Turnen im Sportstudio, Kühl- und Gefrierschrank abtauen und putzen. Die Putzaktion schieben Herr Kaltmamsell (als Programmpunkt in Ferien) und ich (Feiertagsprogramm) seit einem halben Jahr vor uns her.

Also räumte ich nach meinem Morgenkaffee den Kühlschrank-Inhalt in Einkaufskörbe und auf den Balkon, ich schaltete aus.

Hinaus zum Ostbahnhof kam ich in mäßigem Sturm noch trocken. Doch nach einer Runde Crosstrainer und einem Stündchen Stepaerobic regnete es. Meine Regenjacke mit Kapuze bewährte sich, bis der Regen in die Sorte „strömend“ wechselte: Ich wurde tropfnass, wegen des Winds inklusive nutzloser Brille. Das war genau das Wetter, vor dem ich mich bei einer mehrtägigen Wandertour fürchte: Peitschender Regen führt zu schützend gesenktem Kopf, ich sehe nur den Meter Boden vor meinen Füßen.

Das Abtauen ging deutlich schneller als erwartet, direkt nach dem Frühstück war ich innerlich noch gar nicht bereit zum Putzen. Wie gut dass ich mich daran erinnerte, dass kein Gefrierschrank davon kaputt geht, wenn er eine Stunde abgetaut aber ungeputzt herumsteht!

Nach einer weiteren Tasse Tee ging ich nach Spielanleitung des Kühlschrankherstellers vor und machte Vorher-Fotos, um beim Wiedereinräumen der Einrichtung nicht herumprobieren zu müssen.

Den größten Dienst leisteten mir die Bilder beim Zusammensetzen der Leisten am untersten Glasregal. Aber: Dass ein wunderbar großer Kühlschrank, in den sogar ein ganzes Backblech passt, auch deutlich mehr Putzarbeit bedeutet als sein kleinerer Vorgänger, hätten Sie mir vermutlich vorher sagen können. Ich hingegen war dadurch zu überraschen. Überraschend fand ich auch, dass ich die Schubladen nicht völlig auseinander nehmen konnte; in die Steckverbindungen hätte ich gerne reingeputzt. Es waren dann doch ein paar Stunden, größter Erfolg: Ich habe nichts kaputt gemacht!

Mit diesem häuslichen Schwung setzte ich dann gleich mal Bagelteig an, wechselte den Wasserfilter aus, machte mir die Füße schön.

Zum Abendbrot gab’s Kartoffelsuppe aus Ernteanteil (plus zugekauftem Suppengrün). Und nach der Tagesschau war der Kühlschrank dann auch wieder kalt genug für das Kühlgut.

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Traurige Geschichte, schöner Einsatz von ausführlichem Multimedia-Erzählen: Die New York Times über die scheue Irin Catherine Corless, née Farrell. Sie deckte als Heimathistorikerin auf, wie in ihrem Heimatort Tuam in einem katholischen Heim über Jahrzehnte hunderte uneheliche Babys und Kleinkinder misshandelt, vernachlässigt und in einer Klärgrube beerdigt wurden:
„The lost children of Tuam“.

Journal Freitag/Samstag, 27./28. Oktober 2017 – Start in fünf freie Tage

Sonntag, 29. Oktober 2017

Der Freitag war uninteressant. Nachdem ich noch in milder Luft in die Arbeit geradelt war, sanken tagsüber die Temperaturen rapide. Zumindest trocken kam ich abends ins Tal, um im Hofbräuhausmühlenladen Roggenmehl zu besorgen, doch ich hatte mich während eines Platzsprühregens ein paar Minuten unterstellen müssen.

Zum Abendessen bereitete Herr Kaltmamsell Dim Sum, die Teigplatten dafür waren der letzte Inhalt des Gefrierschranks gewesen: Jetzt kann ich ihn abtauen.

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Samstagmorgen verabschiedete ich Herrn Kaltmamsell für vier Tage Abwesenheit: Er fuhr wie mittlerweile alle Allerheiligenferien zum Rollenspielen (Call of Cthulhu, Pen&Paper).

Das Wetter war windig mit buntem Himmel, ich ging Laufen (Hofgarten – Unterföhring).

Nach Frühstück eine kleine Siesta. Zweimal von eigenem Schnarchen (Seitenlage, geschlossener Mund – ich bin schließlich eine Dame) aufgewacht.

Ausführliches Bügeln, für das ich mir über die Woche zuvor Hörstoff gesammelt hatte:

1.
„I hope this email finds you well…“

Mary Beard ponders why email is governed by so few rules and conventions.

Und holt sich dann selbst vom Krückstockgefuchtel runter, als sie feststellt: Die Alten Römer waren auch nicht besser.

2.
Holgi hat sich für Bayern Tourismus mit den Käse-Affineur Thomas Breckle unterhalten.

Superspannend (ich mag sehr, wie Holger Kleins ehrliche Neugier und seine mangelnde Scheu, selbst ein wenig doof dazustehen, die Gesprächspartner zum Erklären und Erzählen bringt) – und jetzt will ich dringend diesen affinierten Käse probieren. Mit Riesling oder Silvaner von der Nahe.

Im Briefkasten hatte ich eine Sendungsbenachrichtigung gefunden. Ich erwarte aber nichts, die einzige ausstehende Bestellung konnte ich checken: Ist noch nicht versendet. Also werde ich nicht ein paar Kilometer raus in die Arnulfstraße radeln oder für Geld mit der Tram fahren, um das abzuholen. (Erste Male. Ich werde nie erfahren, ob ich etwas verpasse, und kann blendend damit leben.)

Ich genieße es sehr, ein paar Tage am Stück (St. Brück!) einfach Zeit zu haben. Dann rief auch noch Herr Putzmann an und gab durch, dass er diesen Montag nicht kommt – ich kann also auch den Montag völlig frei einteilen.

Abends Treffen mit dem ganz alten Internet im schönen Preysinggarten – der uns umsorgte und verwöhnte, wie ich es fast schon vergessen hatte. Ich bin sehr, sehr froh, dass ich dieses alte Internet noch kennenlernen durfte und radelte beseelt und windverwirbelt nach Hause.

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Bestürzung über die politischen Verschiebungen in Spanien: Am Freitag erklärte die Landesregierung von Katalonien ihre Unabhängigkeit, die spanische Staatsregierung setzte sie wie angekündigt und gemäß der spanischen Verfassung ab.

Klar schwelt dieser Konflikt schon lange. Doch nach allem, was ich dazu gelesen habe, hätte es einen politischen Ausweg gegeben, den Katalonien und die Zentralregierung schon vor vielen Jahren hätten antreten können: Ein neuer Länderfinanzausgleich hätte manchen Unmut von Katalanen besänftigen können, oder eine (langwierige) Verfassungsänderung hätte den Weg in eine staatliche Unabhängigkeit ebnen könne. Katalonien hat seit langem seine eigene offizielle Kultur und Sprache: Catalán, für das erst einmal künstlich eine lehrbare Einheit in Grammatik und Vokabular geschaffen werden musste, ist seit langem erste Schulsprache, Kastilisch wird wie Englisch lediglich als Fremdsprache unterrichtet – von Unterdrückung oder Marginalisierung kann nicht die Rede sein. Die von beiden Seiten vorangetriebene Eskalation in Zeiten, in denen es nun wirklich schlimme Probleme gibt, weist auf die grundsätzliche Beklopptheit der menschlichen Art hin. Die immer wieder sehenden Auges gegen ihre eigenen, ausdrücklich erklärten Interessen handelt: Um Recht zu behalten, Rache zu nehmen, jemand drittem eins reinzuwürgen oder aus sonst einem bescheuerten Antrieb.

Für die FAZ schreibt Paul Ingendaay:
„Wie ein Kampf zweier Betrunkener“.

Wurde der gegenwärtige Konflikt lange Zeit mit zwei Zügen verglichen, die ungebremst aufeinander zurasen, so ähnelt die Sache jetzt eher dem Faustkampf zweier Betrunkener, nur dass der eine deutlich größer ist. Und dem wird man mit Sicherheit anhängen, wie unfair er war. Das ist eine peinliche und unwürdige Situation. Man könnte den Eindruck gewinnen, beide Kämpfer spielten auf Zeit und wollten es nicht zum Äußersten kommen lassen. Beide scheinen darauf zu hoffen, dass der Gegner endlich einen Fehler macht, der die Gewichte verschiebt und den Kampf entscheidet.

via @ankegroener – ganz praktisch, eine FAZ-Leserin in der Timeline zu haben.

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Ratgeber-Artikel in Edition F:
„Finanzielle Abhängigkeit ist für Frauen ein enormes Risiko – so schützt du dich davor“.

Auch ich bin überzeugt, dass materielle Abhängigkeit vom Partner Unfreiheit auf vielen, vielen Ebenen bedeutet. Allerdings habe ich noch nie erlebt, dass eine dieser finanziell abhängigen Frauen umdachte, bevor sie nicht die Konsequenzen am eigenen Leib erfuhr: Mann weg in neuer Partnerschaft und nicht zahlungsbereit, sie plötzlich mit echter Armut konfrontiert. Weil diese Frauen alle, alle überzeugt sind, dass das bei ihnen, in ihrer Partnerschaft ganz, ganz anders ist. Und selbstverständlich verdienen sie nach dem Absturz dennoch meine Unterstützung und Zuwendung, auch wenn mein rabenschwarzes, selbstgerechtes und missgünstiges Herz brüllt: DU VOLLIDIOTIN! DAS HÄTTEST DU WISSEN KÖNNEN!

§

Die Anschuldigungen gegen Harvey Weinstein: Warum gehen die Frauen erst jetzt damit an die Öffentlichkeit? Ronan Farrow im New Yorker:
„Weighing the Costs of Speaking Out About Harvey Weinstein“.

But many still say that they face overwhelming pressures to stay silent, ranging from the spectre of career damage to fears about the life-altering consequences of being marked as sexual-assault victims. “Now when I go to a restaurant or to an event, people are going to know that this happened to me,” Sciorra said. “They’re gonna look at me and they’re gonna know. I’m an intensely private person, and this is the most unprivate thing you can do.”

(…)

A woman who appeared anonymously in my previous article, alleging that Weinstein raped her while she worked for him, and who has chosen to remain nameless, told me that she has yet to tell even people close to her about the full extent of her allegation. “I want to be braver. I really do,” she told me. “I want to be able to put my name to this and talk through what happened, but I am surrounded by people who, the first thing they’ll do is read this article, and I’ll be working three desks from them, and they’ll know details of my life I haven’t even told my family.” For many women, this was the most difficult decision of their lives.

Dazu kommen handfeste Konsequenzen für die eigene Karriere: Darryl Hannah verweigerte sich Weinstein nach eigenen Angaben und wurde plötzlich von Filmpremieren ihres eigenen Films Kill Bill – Volume 2 ausgeschlossen, in dem sie eine der Hauptrollen spielte.

Other women told me that Hannah’s fear of retaliation was well-founded. The actress Ellen Barkin told me that, though she was never a victim of Weinstein’s sexual advances, he frequently verbally abused her, calling her a “cunt” and “cunt bitch” during the filming of “Into the West,” which he produced. “The repercussions are real,” she said. “I was terrified Harvey was going to make it impossible to go back to work, with those tentacles of his.” She continued, “This fear of losing your career is not losing your ticket to a borrowed dress and earrings someone paid you to wear. It’s losing your ability to support yourself, to support your family, and this is fucking real whether you are the biggest movie star or the lowest-pay-grade assistant.”

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Nicht nur der Lake District hat faszinierende Schafe.
„The Mountain Shepherds“.

Photo essay of Georgian shepherds bringing their flock down from the mountains for the winter

Journal Donnerstag, 26. Oktober 2017 – Gelungener flan de queso

Freitag, 27. Oktober 2017

Wegen schmerzhafter Gebärmutterkrämpfe müde und abgelenkt, Ibu half kaum. (Kann da jetzt endlich mal Schluss sein? Ich bin FÜNFZIG!) (Das kann ja noch lustig werden, wenn ich mich bis zur Menopause jedesmal so aufrege.) Erst am Nachmittag konnte ich zügig durcharbeiten

Ein milder Tag mit viel Sonne, ich genoss meinen abendlichen Spaziergang nach Hause sehr.

Es gab viel Salat aus Ernteanteil zum Nachtmahl, den flan de queso als Dessert: Ich war mit dem Flan sehr zufrieden, so ist er gelungen. Ich hatte mich an diesem Rezept orientiert, dabei 200 Gramm Milch durch Sahne ersetzt, fünf ganze Eier verwendet, die Zuckermenge um 2 Teelöffel erhöht, und unter die Zucker-Eier-Mischung 250 Gramm Frischkäse gerührt.

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Schöne Geschichte im Börsenblatt:
„Buchhändler als Autoren:
Freiheiten nutzen“.

via @FrauZiefle (die auch drin vorkommt)

§

Bis vor kurzem kannte ich nicht mal das Wort, jetzt sehe ich die Erscheinung überall: Skeuomorphismus, wenn die äußere Gestaltung von Dingen vergangene Funktionen vortäuscht (mein Lieblingsbeispiel: Reißverschlussschuhe, die mit Schnürung dekoriert werden).

Axel Krommer bloggt über:
„Das Zugabteil als Skeuomorphismus – oder: Warum man in der Bahn Bücher liest“.

Krommer belegt schön, dass apokalyptisches Klagen über den Untergang der Zivilisation durch Technik gut daran täte, sich ein wenig mit Technikgeschichte zu befassen.

Aus dieser knappen historischen Rückschau lässt sich u.a. Folgendes lernen:

1. Die Abschaffung der Zugabteile zeigt nicht, dass die Menschen im 21. Jahrhundert nicht mehr miteinander reden wollen, sondern bestätigt die Tatsache, dass sie das unter bestimmten Umständen noch nie wollten.
2. Die Strategien, unerwünschte Gespräche mit Fremden zu vermeiden, haben sich nicht wesentlich verändert: Damals wie heute greift man zu Medien, deren stille bzw. einsame Rezeption gesellschaftlich akzeptiert ist.
3. Die Qualität der in (2) erwähnten Medien hat sich wesentlich verändert: Denn während das Buch allenfalls das Gespräch zwischen Text und Leser ist, stellt man via Smartphone und Tablet häufig den Kontakt zu echten Menschen her.
4. Wenn die „gute alte Zeit“ (in der das Reisen im Abteil noch gewünscht war) gegen die kalte Postmoderne (in der wir nicht mehr miteinander reden wollen) in Stellung gebracht wird, ist Vorsicht geboten

Selbst wollte ich mich auch in Zeiten vor elektronischen Lesegeräten beim Zugfahren nicht unterhalten. Oder beim U-Bahn- und Tramfahren. Sondern meine Ruhe haben. Überhaupt nervt es mich immer stärker, wenn Lesen von elektronisch dargestellten Buchstaben völlig anders bewertet wird als Lesen von gedruckten Buchstaben.

Journal Mittwoch, 25. Oktober 2017 – Asteroiden notfalls anmalen

Donnerstag, 26. Oktober 2017

Es ist immer noch und immer wieder seltsam, im Internet auf einen Menschen zu stoßen, dem ich nie begegnet bin, der ein komplett anderes Leben hat, und mit dem mich zahllose Erfahrungen und Leidenschaften verbinden. Der immer wieder Abseitiges postet, zu dem ich das exakte Gegenstück kenne. Vermutlich sollten wir einander besser niemals persönlich begegnen, das könnte nur ein enttäuschendes Fiasko sein.

Der gestrige Tag wurde überraschend mild. Emsiges Arbeiten in der Arbeit.
Abends allein daheim, da Herr Kaltmamsell aushäusig war. Ich räumte und machte, versuchte eine weitere Variante flan de queso, nämlich mein Standard-Flanrezept mit untergerührtem Frischkäse. Zu Essen gab es Reste vom Vorabend (Polentaauflauf) mit Kartoffelkombinat-Tomatensugo.

Zur Abendunterhaltung folgte ich einem Hinweis auf Twitter und sah mir auf br alpha ein Gespräch mit dem Astrophysiker Florian Freistätter an. Ich lese seit Jahren sehr gerne Freistätters Blogposts bei den Science Blogs und freute mich über seine klugen Ausführungen, unter anderem über Asteroiden und wie man ihre Flugbahn durch so überraschende Techniken beeinflusst wie „Anmalen“ oder „hinfliegen und 20 Jahre nichts machen“ – was in Hollywoodfilmen nie auftaucht, weil zu wenig spektakulär.

„alpha-Forum: Florian Freistetter“ steht in der Mediathek zum Nachgucken zur Verfügung.

§

Ungewöhnliche Fotoreportage:
„An Acclaimed War Photographer Turns Her Lens on Canada’s Tree Planters“.

Auch das zugehörige Interview mit der Fotografin fand ich interessant – nur dass ich auch darin nicht erfuhr, was hinter dieser Methode der Aufforstung steht; ich bin mir ziemlich sicher, dass das in Deutschland, wenn nicht in ganz Europa anders funktioniert.

Journal Dienstag, 24. Oktober 2017 – Swing Time als Buch und Tanz

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Gestern Morgen Langhanteltraining: war anstrengend, aber tat gut. Die Vorturnerin mag das letzte Stück Musik besonders gern, nach dem wir die abschließenden Bauchmuskelübungen turnen, und sie groovte dazu anfeuernd durch den Turnsaal – Fröhlichkeit für den ganzen Bürovormittag.

Seit zwei Tagen schreibe ich auf einer neuen, ergonomischen Tastatur. Ich wollte vor allem keinen Ziffernblock rechts (weil ich den nie benutze, er mich aber dazu zwingt, die Maus unangenehm weit rechts zu positionieren), und das war nach meiner selbst gekauften kleinen 12-Euro-Tastatur (hielt gerade mal zwei Jahre, tse) die einzige Wahl. Großer Haken: Sie basiert darauf, dass man nach Schulbuch tippt. Ich nutze zwar alle Finger, aber wie fast alle Computernutzerinnen nach selbst entwickeltem Fingersatz. Konsequenz: Ich muss nach Jahrzehnten gedankenlosen Blindtippens wieder auf meine Finger schauen und fühle mich wie mit 19 als Volontärin. (Damals setzte ich mir Blindtippen in den Kopf und tat das so lange, bis die Buchstaben auf dem Bildschirm meinen Vorstellungen entsprachen. Mache ich jetzt einfach wieder. Oder kaufe mir nächste Woche eine kleine 12-Euro-Tastatur.)

Abends Leserunde bei uns; wir hatten Swing Time von Zadie Smith gelesen. Meine Eindrücke hatte ich Ende letzten Jahres hier ganz unten notiert. Die Runde mochte das Buch auch, besonders oft wurden der Einblick in afrikanischen Alltag und die Auswirkungen von gut gemeinter Hilfe erwähnt. Dann guckten wir zum Hintergrund einige Filmausschnitte aus alten Musicals und Parallelen zum Tanzstil von Michael Jackson, die im Buch erwähnt werden, zusammengestellt von Herrn Kaltmamsell. Es wurde recht spät.

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Anke Gröner bittet mich, mir Gedanken über dieses Bild zu machen.

Bild: Victoria and Albert Museum (CC BY 4.0)

Das ist wirklich eine schöne Brille, aufgenommen im Stil von Produktkatalogen. Allerdings scheint mir das Foto deutlich neuer zu sein als das dargestellte Objekt: In den 1960ern, also als die Brille gefertigt wurde, waren Licht und Farben beim Fotografieren anders. Vermutlich handelt es sich also um eine Aufnahme für Museumsbelange, nicht für zeitgenössische Werbung.

Die Europeana stellt Fotos zur freien Verwertung zur Verfügung, das ist ganz großartig. Mit dieser Aktion zielt sie auf Steigerung ihrer Bekanntheit. Und weil die Bitte von einer vertrauenswürdigen Bloggerin weitergegeben wurde, habe ich mich auch auf der Seite umgesehen. Mein Interesse gefangen hat am ehesten der Bereich Fotografie. Hier stieß ich auf Julia Margaret Cameron, die als „bedeutendste britische Fotografin der viktorianischen Epoche“ vorgestellt wird, von der ich aber noch nie gehört hatte. Von ihr stammt zum Beispiel dieses Tennyson-Foto:

Allerdings lösen die aktuellen Marketingversuche von Kunsteinrichtungen in Social Media bei mir eher Unbehagen aus (aber ich bin ja auch von privaten instagram-Accounts als Lebensunterhalt durch Produktwerbung befremdet – was mich als unflexiblen Internet-Dinosaurier entlarvt): Blog-Stöckchen sind eigentlich etwas Anderes. Auch deren Versuche, gewachsene Blogaktionen wie WMDEDGT oder #12von12 für ihr Marketing zu kapern, empfinde ich als unsympathisch. Da mache ich keinen Unterschied zwischen dilettierenden Museumsangestellten und professionellen Agenturen. Mittlerweile ist mir die bezahlte Social-Media-Welt fast lieber, die sich eine eigene Parallelwelt aufgebaut hat, in der berufliche Veranstaltungen als echtes Leben ausgegeben werden (Sprachbaukasten: „so excited about“, „inspiring“) und man einander fürs Twitter-Folgen und Retweeten dankt.

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Johannes Kretschmar aka Beetlebum verarbeitet immer noch die Geburt seines ersten Kinds – die ihn offensichtlich ungefähr so traumatisiert hat wie die Geburt von Neffe 1 meinen Bruder. Besonders gefallen hat mir:
„Wochenbettphilosophie“.


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