Archiv für Oktober 2017

Right now

Montag, 23. Oktober 2017

Kleine Serie, hier begonnen, vom Erfinder ganz anders gemeint, 2007, 2008, 2009, 2010, 2011, 2012, 2013 und 2014 fortgesetzt. 2015 musste ich offline nehmen, 2016 hatte ich keine Lust. 2017 zum ersten Mal abends erfasst.

Ich lese… wahrscheinlich doch mehr Internet, als mir bewusst ist. Anders kann ich mir nicht erklären, dass ich zu immer weniger Büchern komme, denn meinem Gefühl nach lese ich eher mehr als weniger.

Ich trage… ein braun-blau gemustertes Jersey-Kleid, das ich mir vor wenigen Wochen gekauft habe. Es ist bequem und nicht hässlich, aber möglicherweise wirke ich darin wie eine russische Bürovorsteherin.

Ich habe… ungefähr gleichbleibend viel, mit Tendenz zu weniger. Zumindest ist das mein Ziel. Auch wenn ich erst 50 bin, denke ich reflexhaft jedesmal, wenn sich Gleichaltrige Besitz anschaffen: „Aber damit muss doch irgendjemand fertig werden, wenn du mal stirbst!“

Ich höre… den Nachbarn/die Nachbarin am Klavier das Star Wars-Thema spielen. Und das Rauschen des Heizkörpers rechts neben mir, es ist empfindlich kalt geworden.

Ich trinke… israelischen Pinot noir und Leitungswasser. Den Rotwein, weil Herr Kaltmamsell für ein Gericht etwas Rotwein brauchte und die Flasche öffnete, ich dringend einen Dosis Alkohol benötigte (eh gestresst, und dann zerbrach mir im dunklen Keller auch noch eine Flasche Weißwein – interessant, wie umgehend eklig eigentlich wohlschmeckender Weißwein riechen kann; ich war eine ganze Weile damit beschäftigt, schnell aufzuwischen, nachzuwischen, das Material dafür zwischen Wohnung und Keller zu transportieren; Licht dafür verschaffte ich mir per Stirnlampe). Das Leitungswasser, weil ich über den Tag sicher drei Liter Wasser trinken mag, einfach aus Bedürfnis.

Ich esse… gleich den ersten Ernteanteil-Kürbis der Saison als Ofen-gebackene Schnitze. Mit Butter und Käse.

Ich stehe… viel zu wenig blöd rum. Sehe mich immer in der Pflicht, nützlich zu sein.

Ich gehe… viel zu Fuß, immer mehr. Es bereitet mir Vergnügen zu gehen, Ziele zu Fuß zu erreichen, und ich brauche bald mal wieder ein paar Schuhe, die mir das ermöglichen und gleichzeitig schön sind.

Ich lache… so oft über Dinge, die meine Alltagsumgebung (minus Herr Kaltmamsell) nicht lustig findet. Und dann mache ich auch noch laut Bemerkungen darüber, wo ich doch eigentlich professionell und ernst sein sollte.

Ich sehe… das Wohnzimmer von Stehlampen beleuchtet, den halb gedeckten Esstisch vor mir. Und im Leben endlich immer öfter nur den Meter vor mir.

Ich mag…, dass mich eine Menge großartiger Menschen genug mögen, um sich mir zuzuwenden, sich mit mir zu beschäftigen und mich an ihrer Großartigkeit teilhaben lassen.

Ich schreibe… weiterhin sehr viel. Das meiste veröffentliche ich auch in diesem und anderen Blogs.

Ich weiß… immer weniger. Aber ich halte durch und versuche zu lernen.

Ich möchte… immer noch nicht. Aber das macht mir derzeit nicht schlimm viel aus.

Journal Sonntag, 22. Oktober 2017 – Zwei Kater

Montag, 23. Oktober 2017

Die Cocktails vom Samstagabend dann doch mit Migräne bezahlt. Sie ließ sich aber mit Triptan brechen, zurück blieb nur Benommenheit.

Mit ziemlichem Muskelkater aufgestanden, der eindeutig vom Schwimmen am Tag davor kam – das mir doch diesmal besonders leicht gefallen war: Ich hatte der Versuchung widerstehen müssen, noch ein paar Runden dran zu hängen. Ich hatte schon am Abend des Schwimmtags erste Muskelkateranzeichen gespürt, sehr ungewöhnlich. Muskelkater in trainiertem Zustand von gewohntem Sport erkläre ich mir ja gerne mit einem unausgebrochenen Infekt: Anders als Sportwebsites den Eindruck erwecken, sind die Ursachen für Muskelkater nämlich mitnichten wissenschaftlich erwiesen (eigentlich weiß man nicht mal ganz genau, was ein Muskelkater ist: Entzündung? Verletzung? Zumindest das mit der „Übersäuerung“ der Muskeln scheint man mittlerweile ausgeschlossen zu haben), sondern es wird wild rumgeraten – da rate ich halt einfach wild mit.

Trotzdem (deswegen) hatte ich große Lust auf eine lockere Laufrunde unter trübem Himmel. Zwar hatte ich morgens an dem am Vortag angesetzten Brot weitergearbeitet (allerdings geknetet und mit ein bisschen Hefe zusätzlich), ab Stückgare übernahm aber Herr Kaltmamsell. Ich spazierte über den Alten Südfriedhof zur Wittelsbacherbrücke (ganz schön frisch geworden!) und trabte von dort Richtung Thalkirchen. Auf halber Strecke wurde ich am Hinterbrühler See derart müde, dass ich mich am liebsten ins Gras zum Schlafen gelegt hätte (Migräne-Nachwirkung). Was diesen Punkt zur Hälfte der Strecke machte: Ich hatte eigentlich noch bis zur Großhesseloher Brücke laufen wollen um runterzuschauen, doch die Müdigkeit bewegte mich zum Umkehren.


Die Brudermühlbrücke wird ein neues Kunstwerk.

Beim Heimspazieren über den Südfriedhof ärgerte ich mich sehr, dass ich die eigens angeschafften Erdnüsse daheim vergessen hatte: Es wimmelte von Eichhörnchen.

Das Brot war gelungen, das scheine ich noch zu können.

Nachmittag mit Internet- und Zeitunglesen verbracht. Fürs Abendessen durfte ich sorgen: Wirsing (aus Ernteanteil) mit Kohlwürscht, extrem unfotogen.

Auf Arte kam Der weiße Hai: Habe ich nie gesehen weil Angst. Ich guckte unter Herrn Kaltmamsells Anleitung (vor allem Hinweise auf berühmte Einstellungen, Techniken, Kamerafahrten) die ersten anderthalb Stunden, dann gruselte ich mich lieber im Bett über Kings It.

§

Erst folgte ich @Christianes Link zu „Things Not To Say To People With Facial Disfigurements“:

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https://youtu.be/PWD12X0FfvU

Dann entdeckte ich, dass das eine ganze Serie von BBC Three (BRITISCHES FERNSEHEN IST SO GUT!) ist: „Things you always wanted to ask $Bevölkerungsgruppe (but probably shouldn’t)“. Und so lachte ich eine ganze Weile lang über Bescheuertheiten, die sich Transgender, Tätowierte, Dicke, Schizophrene, Gehörlose, Blinde/Sehbehinderte anhören müssen – und lernte eine Menge.

Journal Samstag, 21. Oktober 2017 – Backverlernängste

Sonntag, 22. Oktober 2017

Oy! Habe ich etwas das Kuchenbacken verlernt?

Samstagmorgen machte ich mich an einen Nusszopf mit Haselnüssen aus Elterns Garten – und das landete in der Kastenform. Nicht wirklich zopfig. Gebacken 35 Minuten, bis er schön braun war – doch dann stellte er sich beim Aufschneiden als innen roh heraus. Oy.

Am späten Vormittag radelte ich zum Olympiabad. Es war zwar bedeckt, aber immer noch deutlich wärmer als im Oktober üblich.

So sieht dieser architektonische Meilenstein im Moment aus, Eingang immer noch rechts sehr versteckt – und Besichtigungen nicht möglich, ich bekam einige Enttäuschung von Touristen mit. Diesmal wusste ich zumindest schon, wie ich in die Umkleiden, in die Dusche (bereits renoviert und sehr schick) und ins Becken kam. Genussvolle Schwimmrunde: Keine Mühe, keine Schmerzen, wenig Betrieb, nur kleiner Ärger über die Seitenströmung, allerdings trotz Magnesiumeinnahme immer ganz kurz vor Wadenkrampf.

Erinnerung an den Anlass des Baus: Die Olympischen Spiele 1972 und ihr bis heute durchgehendes Designkonzept.

Unterwegs Einkäufe auch schon für eine Einladung bei uns daheim nächste Woche, gemütliches Heimradeln nach Hause.

So setze ich mein PokémonGo Plus ein: Wenn’s leuchtet, drehe ich den Arm im Ärmel und klicke. Während der gerade angebrochenen Halloween-Aktion gibt es besonders Interessantes zu fangen.

Abends Verabredung mit einer Freundin im Pacific Times (da hinten kommt sie).

19 Uhr war vielleicht doch arg früh?

§

Nicht neu und nicht anlässlich der Weinstein-Vorwürfe oder der #metoo-Aktion geschrieben, dennoch gerade jetzt wichtig.
„The Thing All Women Do That You Don’t Know About“.

Gretchen Kelly macht sich Gedanken, warum so viele Männer (und manche Frauen) die Hinweise auf die Last von Alltagssexismus nicht ernst nehmen, für irrelevant erklären. Ihre Idee: Vielleicht wissen diese Menschen einfach nicht, wie weitreichend die Konsequenzen für die meisten Frauen sind. Weil sie nicht darüber sprechen.

Maybe they don’t know that at the tender age of 13 we had to brush off adult men staring at our breasts. Maybe they don’t know that men our dad’s age actually came on to us while we were working the cash register. They probably don’t know that the guy in English class who asked us out sent angry messages just because we turned him down. They may not be aware that our supervisor regularly pats us on the ass. And they surely don’t know that most of the time we smile, with gritted teeth. That we look away or pretend not to notice. They likely have no idea how often these things happen. That these things have become routine. So expected that we hardly notice it anymore.

(…)

We de-escalate. We minimize it. Both internally and externally, we minimize it. We have to. To not shrug it off would put us in confrontation mode more often than most of us feel like dealing with.

We learn at a young age how to do this. We didn’t put a name or label to it. We didn’t even consider that other girls were doing the same thing. But we were teaching ourselves, mastering the art of de-escalation. Learning by way of observation and quick risk assessment what our reactions should and shouldn’t be.

(…)

It’s the reality of being a woman in our world.

It’s laughing off sexism because we felt we had no other option.

It’s feeling sick to your stomach that we had to “play along” to get along.

It’s feeling shame and regret the we didn’t call that guy out, the one who seemed intimidating but in hindsight was probably harmless. Probably.

It’s taking our phone out, finger poised over the “Call” button when we’re walking alone at night.

It’s positioning our keys between our fingers in case we need a weapon when walking to our car.

It’s lying and saying we have a boyfriend just so a guy would take “No” for an answer.

Das mag alles für sich genommen „nicht so schlimm“ sein, doch ich halte es für inakzeptabel, dass es unterm Strich jeden Aspekt des Alltags formt. Was viele möglicherweise gar nicht wissen.

It occurred to me that they don’t know the scope of it and they don’t always understand that this is our reality. So, yeah, when I get fired up about a comment someone makes about a girl’s tight dress, they don’t always get it. When I get worked up over the every day sexism I’m seeing and witnessing and watching… when I’m hearing of the things my daughter and her friends are experiencing… they don’t realize it’s the tiny tip of a much bigger iceberg.

Maybe I’m realizing that men can’t be expected to understand how pervasive everyday sexism is if we don’t start telling them and pointing to it when it happens. Maybe I’m starting to realize that men have no idea that even walking into a store women have to be on guard. We have to be aware, subconsciously, of our surroundings and any perceived threats.

Und so gibt Kelly Tipps, die gleichzeitig die oft gereizt gestellte Frage beantworten, was ein Mann „denn eigentlich überhaupt noch darf“:

So, the next time a woman talks about being cat-called and how it makes her uncomfortable, don’t dismiss her. Listen.

The next time your wife complains about being called “Sweetheart” at work, don’t shrug in apathy. Listen.

The next time you read about or hear a woman call out sexist language, don’t belittle her for doing so. Listen.

The next time your girlfriend tells you that the way a guy talked to her made her feel uncomfortable, don’t shrug it off. Listen.

Listen because your reality is not the same as hers.

Listen because her concerns are valid and not exaggerated or inflated.

Listen because the reality is that she or someone she knows personally has at some point been abused, assaulted, or raped. And she knows that it’s always a danger of happening to her.

Listen because even a simple comment from a strange man can send ripples of fear through her.

Listen because she may be trying to make her experience not be the experience of her daughters.

Listen because nothing bad can ever come from listening.

Just. Listen.

Journal Donnerstag/Freitag, 19./20. Oktober 2017 – Abschied vom Oktobersommer

Samstag, 21. Oktober 2017

Donnerstagmorgen leuchtete der Heimeranplatz in der aufgehenden Sonne rot, Anfang eines weiteren Spätsommertags.

Abends gab es eine gewaltige Schüssel Endiviensalat aus Ernteanteil, verfeinert mit erster Kresse aus genossenschaftseigenem Anbau, angereichert mit gekochten Eiern und ein wenig Feta.

Für den Freitag hatte ich mir den Wecker früher gestellt, um vor der Arbeit noch eine halbe Stunde Krafttraining (nach Fitness Blender) unterzubringen, ich fühle mich mal wieder unterbewegt. Symptom: Wenn der zentrale Drucker zickt, ärgere ich mich zwar über die Verzögerung, freue mich aber ein wenig, dass ich Anlässe zum Herumlaufen habe.

Morgens hatte der Himmel über dem Heimeranplatz bereits angekündigt, dass der außerplanmäßige Spätsommer ein Ende haben könnte.

Doch der Heimweg nach frühem Feierabend war noch so warm, dass ich unter meiner Baumwolljacke schwitzte. Ich schlenderte, um mich am Anblick spielender Kinder in kurzen Ärmeln, besinnlich am Balkon Rauchender, Biergartensitzerinnen zu erfreuen. Im Verdi Süpermarket besorgte ich Obst und Oliven, denn ich hatte Hunger, wollte aber noch nicht so früh zu Abend essen.

Daheim gab es also erst mal Cosmopolitans und Oliven.

Zum Abendessen briet Herr Kaltmamsell Entrecôte, dazu gab es ein wenig Spinat, ein wenig Endiviensalat, ein wenig Ofenkartoffeln aus unserem Ernteanteil.

§

Die US-amerikanischen Girl Scouts befassen sich ganz pragmatisch mit sexueller Belästigung:
„One in Ten Girls is Catcalled Before Her 11th Birthday.
Here Are 6 Things Parents Can Do About It“.

Two years ago, a study showed that one in ten American girls had been catcalled before her 11th birthday. That’s right, we’re talking about fourth graders getting wolf-whistled and potentially worse. And now, a 2017 report shows more than one in six girls in elementary and secondary school have dealt with gender-based harassment.

Ich fand schon den Tipp interessant, wie man als Elternteil das Thema ansprechen kann:

point it out on TV shows, in movies, and in real life. When you witness catcalling or other sexual intimidation (and sadly, you won’t have to look hard to find it), raise the interaction to your daughter and tell her why it was inappropriate and unacceptable.

Und, ganz wichtig:

If you have sons or other young men in your life, have conversations about catcalling and sexual harassment with them, too. Using pop-culture or events in real life or on the news is always a solid way to introduce the topic. Let them know these kinds of behaviors are never OK, and why they’re damaging to people of both genders. Then, ask him why he thinks other boys and men behave this way.

Mir fällt ein, dass meine Mutter genau das gemacht hat: Beim Fernsehen und im Alltag protestierte sie in meiner Gegenwart immer wieder gegen Sexismus. Sie nannte ihn nicht so, sie nannte es einfach ungerecht:
– Dass ein Mann mit vielen Beziehungen toller Hecht genannt wurde, eine Frau aber Schlampe.
– Dass einer Frau keine Führungsposition oder keine technischen Fertigkeiten zugetraut wurden.
– Dass kleine Mädchen zur Hilfe im Haushalt angehalten wurden, Buben aber nicht.
– Dass Buben von ihren Eltern schulisch gefördert wurden, es von seiner Schwester hingegen hieß, die „heiratet ja eh mal“.
Meine Mutter ließ das auch vor 40,50 Jahren nie auf sich beruhen, sondern protestierte. Ich bekam sehr wohl mit, dass ihr Freundes- und Bekanntenkreis darüber mit den Augen rollte, doch sie ließ nicht locker.
Ich würde schon sagen, dass mich das ganz entscheidend geformt hat, ebenso meinen Bruder.

§

Ich lachte.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/7CPscjvHLVw

Journal Mittwoch, 18. Oktober 2017 – Wir Pokémon-Senioren

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Ich genieße es sehr, noch so viele Tage mit Sonne und Wärme zu bekommen – auch wenn es jahreszeitlich bedingt morgens auf meinen Weg in die Arbeit fast noch Nacht ist und bei meiner Heimkehr dunkel (was zum Beispiel eine Laufrunde – Angst vor Stolperwurzeln – oder einen Biergartenbesuch – schlagartige Kälte – verhindert).

Morgens kurz mit einem älteren Handwerker, dessen Blick auf meinen Smartphone-Bildschirm gefallen war, über PokémonGo gefachsimpelt. Er konnte mein „Level 36, fei“ locker überbieten: „Level 37, mir fehlen nur 2000 Punkte zum nächsten.“ Aber dann seufzte er: „Elendes Gewürge.“

Zum Nachtmahl kochte Herr Kaltmamsell uns nach Langem mal wieder italienische Dim Sum, die sehr gut schmeckten (aber kein Vergleich zum Aloo Gobi, dessen Rest ich mir für die Mittagspause mitgenommen hatte und das auch kalt noch umwerfend war).

§

Möglicherweise ein weiterer Reiter der Apokalypse, auch jeden Fall aber interessant:
„The Italians who prefer to drink American coffee“.

via @vinoroma

§

Es ist sehr einfach, sich über Hochzeitsmagazine lustig zu machen. Michalis Pantelouris macht es sich aber nicht einfach (entpuppt sich sogar als Hochzeitsfan), und so ist das Ergebnis hochkomisch:
„Ganz in Weiß, mit einem Brühwurst-Rausch“.

Mein erster Eindruck vom „Braut & Bräutigam Magazin“ war der von einer an den Rand der Hysterie überdrehten, zwanghaft gut gelaunten, hypersensiblen und dabei irgendwie natur-highen Kreischboje, für die keine Kleinigkeit zu egal ist, um deshalb nicht Lautstärke zu entwickeln und Alarmdeutsch zu sprechen.

Und Pantelouris lernt eine Menge, gipfelnd in:

Es ist das, was ich in Zukunft als Maßstab für eine gelungene Hochzeit benutzen werde, aber ich werde es als Code benutzen, unabhängig vom gereichten Aufschnitt: Wenn eine Hochzeit gelungen ist, dann werde ich sagen, „das war so eine Hochzeit, da haben sie für den Empfang die Mortadella frisch aufgeschnitten!“

Journal Dienstag, 16. Oktober 2017 – Schwelgen in Ernteanteilgemüse

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Nach unruhiger Nacht noch vor frühem Weckerklingeln aufgewacht mit sehr seltsamen Kopfschmerzen, die ums rechte Auge in Wellen kamen und beim Vorbeugen schier unerträglich wurden. Ich habe die Nebenhöhlen im Verdacht und kämpfte den ganzen Tag mit diesem Schmerz.

Langhanteltraining vor der Arbeit machte trotzdem Spaß.

Nochmal ein Spätsommertag mit ganztags geöffnetem Fenster, durch das die Sonne mein Büro wärmte.
Zu Mittag machte ich mir ein ausgesprochen feudales Essen: Radiccio aus Ernteanteil, Balsamico-Vinaigrette hatte ich mir daheim gemixt und mitgenommen, frische Thymianblättchen untergemixt (und mal wieder vergessen, wie lange das Blättchenzupfen dauert), Blauschimmelkäse drüber.

Heimweg als Spaziergang im Abendrot, ich konnte mich am Rosa des Himmels kaum satt sehen.

Zum Nachtmahl kochte Herr Kaltmamsell aus Ernteanteil Aloo Gobi nach einem Rezept aus dem Guardian: Kartoffel-Blumenkohl-Curry. Es war ausgesprochen köstlich mit seinen verschwenderischen indischen Aromen. (Allerdings waren die frischen Jalapeños darin dann doch so scharf, dass wir Joghurt dazu brauchten.) So wunderbares Essen mag mich immer wieder glücklich machen.

§

Eine Geschichte aus meinem Internet (das immer noch zu allergrößten Teilen paradiesisch, golden und rosenduftend ist):
Sie lesen ja hoffentlich bei dem hauptsächlich in Irland lebenden Fräulein Read On mit? Die Dame schreibt auch auf Twitter. Am Montag kündigte sich ein schlimmer Sturm über Irland an, Ophelia benamst.1 Um des Fräuleins viele Leserinnen und Leser zu beruhigen, erschien abends überraschend dieser Tweet:

And the Internet went all AWWWWWW!
Die Erklärung:

Gestern Morgen erfuhren wir dann, dass Fräulein Heldin wohlbehalten ist, das Dach gehalten hat, der Strom wieder da ist, dass alle Protagonisten ihrer Geschichten bis hin zum Kälbchen sicher sind.

§

Zufällig derselbe Tag, an dem viele Leute diesen Artikel teilten:
„One person’s history of Twitter, from beginning to end“.

we thought we were gonna change the world.

Here’s the bad news: we did.

(…)

… at some point, and I don’t know exactly when or how or who — even scarier I don’t know if the people involved know when or how or who — Twitter made the decision to ride the hate wave. With their investors demanding growth, and their leadership blind to the bomb they were sitting on, Twitter decided that the audience Trump was bringing them was more important than upholding their core principles, their ethics, and their own terms of service.

And that, whenever that day might have been, is the day Twitter died.

§

Eine weitere schöne Geschichte aus dem jüngsten SZ-Magazin. Sie erinnerte mich sofort an The Lady in the Van von Alan Bennett, doch die Autorin hat nach eigenen Angaben von Bennetts Geschichte erst danach erfahren.
„Die Frau in Weiß“.

Gloria schaut sich jeden Abend den Sonnenuntergang in der Straße an, in der unsere Autorin wohnt. Die beiden kommen ins Gespräch. Wenig später zieht Gloria in die Garage unserer Autorin.

  1. Hand hoch, wer wie ich dazu sofort das präraffaelitische Gemälde assoziiert; das meinte ich mit unnützen Verbindungen durch Alter. []

Journal Montag, 16. Oktober 2017 – Offene Fenster

Dienstag, 17. Oktober 2017

Nochmal Spätsommer, ich genoss es sehr. Im Büro stand den ganzen Tag das Fenster offen, die Sonne wärmte. Nach der Arbeit radelte ich zur Auer Dult; den Mantel, den ich zunächst offen über meinem kurzärmligen Kleid trug, packte ich schon bald an einer roten Ampel in den Fahrradkorb (unter die verzurrten Tasche, nochmal lasse ich mir nicht einen Mantel aus dem Fahrradkorb klauen). Goldenes Licht, viele kurzärmlige Radlerinnen und Radler, Hochbetrieb an der Isar, warme Luft auf der Dult. Ich holte das Messer vom Schleifen und spazierte ein bisschen zwischen den Buden.

§

Das jüngste Süddeutsche Magazin war als „ein Frauenheft“ deklariert – was sich in erster Linie darin auswirkte, dass nur Frauen Protagonisten waren. (Wenn ein SZ-Magazin nur über Männer gemacht wird, heißt es einfach Süddeutsche Magazin ohne „ein Männerheft“, aber das nur nebenbei.) Darin waren einige sehr schöne Geschichten, die nach und nach auch kostenlos online auftauchen. Zum Beispiel das Interview mit Jolanta Schlippes, Kassiererin in einem Edeka-Markt.
„‚Dann streife ich einen Ehering über'“.

Ich freue mich immer, wenn scheinbar unscheinbare Menschen zum, äh, Scheinen gebracht werden.

§

Ziemlich bizarr, aber auch traurig:
„1930s
‚Killed‘ photographs“.

In der US-amerikanischen Great Depression beauftragte die Farm Security Administration (FSA) Fotografinnen und Fotografen damit, ländlichen Alltag festzuhalten. Das Resultat waren einige heutige ikonische Aufnahmen. Doch es gibt eine ganze Reihe Bilder mit einem schwarzen Loch darin:

The black hole is the handiwork of Roy Stryker, the director of the FSA’s documentary photography program.

(…)

Stryker was a highly educated economist and provided his photographers with extensive research and information to prepare them for each assignment. He was determined to get the best work possible out of his employees — which also made him a bit of a tyrannical editor.
When the photographers returned with their negatives, Stryker or his assistants would edit them ruthlessly. If a photo was not to his liking, he would not simply set it aside — he would puncture the negative with a hole puncher, “killing” it.

Der oben verlinkte Artikel zeigt eine ganze Reihe dieser getöten Fotos.

via @SammyKuffour


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