Journal Dienstag, 27. März 2018 – Kein Fieber, kein krank

Mittwoch, 28. März 2018 um 5:38

Als mich nach fast zehn Stunden tiefem Schlaf der Wecker weckte, ging es mir schon viel besser, Fieber war auch weg. Aber ich war vernünftig und ging nach Duschen und Irgendwasanziehen zur Ärztin – um vor verschlossener Tür zu stehen. Als ich zum zweiten Mal klingelte, meldete sich eine Angestellte über die Gegensprechanlage: Frau Doktor komme erst um acht Uhr. Das wusste ich durchaus, war aber gewohnt, dass man als Patientin ohne Termin ab 7 Uhr im Wartezimmer Schlange sitzen konnte. Jetzt wohl nicht mehr. Auf dem Heimweg wägte ich ab:
– Ab acht Uhr würden die Patienten und Patientinnen mit Termin kommen, ebenso alle akuten Fälle wie ich, das hieß: Ein Vormittag im Wartezimmer.
– Bis acht Uhr würde ich mich sicher nicht wieder ins Bett legen.
– Eigentlich ging’s mir schon viel besser, ich konnte schon wieder in meinem gewohnten zackigen Tempo gehen.
Also ging ich in die Arbeit.

Womit ich ein großes Risiko einging, denn es war klar: Ich hatte jedes Anrecht auf Jammern über welche Folgen auch immer vertan. Selbst wenn mich ein Fieberschub unter den Schreibtisch würfe, dürfte ich nur röcheln: „Geht schon…“ Es ging tatsächlich sehr gut, ich musste nur wenig husten, kränklich fühlte ich mich erst wieder ab Mittag. Der lieben Kollegin, die sich vorsichtig erkundigte, ob ich mich heute nicht so wohl fühlte, reichte die Erklärung: „Bin nur ungeschminkt.“

Ich fand gar nicht schlecht, von reichlich Arbeit abgelenkt zu werden, ging dennoch früher als sonst nach Hause – in gewohntem Tempo.

Daheim empfing mich Herr Kaltmamsell mit jüdischem Penizillin (Hiehnebriehe) – er hatte seine Ferien perfekt genutzt. Nach zwei Tellern davon (mit Suppennudeln und ausgelöstem Hühnerfleisch) war ich bettschwer und ging schon um sieben Schlafen.

§

Schmerzhaft, aber es war nach den Entwicklungen der vergangenen Jahre nur eine Frage der Zeit, bis diese Frage gestellt wurde:
„Is It Time for the Jews to Leave Europe?“

Sie kommt von AtlanticEditor in chief Jeffrey Goldberg.

a very old Jewish question: Do you have a bag packed?

Denn die tatsächlich christlich-jüdische Tradition in Europa ist leider dies:

One of the least surprising phenomena in the history of civilization, in fact, is the persistence of anti-Semitism in Europe, which has been the wellspring of Judeophobia for 1,000 years. The Church itself functioned as the centrifuge of anti-Semitism from the time it rebelled against its mother religion until the middle of the 20th century.

die Kaltmamsell

2 Kommentare zu „Journal Dienstag, 27. März 2018 – Kein Fieber, kein krank“

  1. Hauptschulblues meint:

    Der wachsende Antisemitismus macht H. große Sorgen. Faschisten und Kreise sunnitischer Muslime, sowie die Politik Israels befeuern ihn.

  2. Sabine meint:

    Der unverhohlene Antisemitismus, der überall aus den Löchern hervorkommt, ist sehr beunruhigend. Aber wohin sollten die europäischen Juden gehen? Die Zukunftsaussichten für Israel sind deprimierend, wie man es dreht und wendet. Bleibt nur der rechtschaffenen Mehrheitsgesellschaft, hartnäckig gegen antisemitische (und übrigens auch antiislamische) Diskriminierung und für Religionsfreiheit zu kämpfen.

    In meinem Eck des Internets ist man auf den Herausgeber des Atlantic gerade gar nicht gut zu sprechen, weil er einen Typ mit gefährlichen Ansichten eingestellt hat. Mehrere Freundinnen haben ihr Abo gekündigt, mit einer saftigen Watschen als Begründung.


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