Journal Donnerstag, 17. Mai 2018 – Reprise: Michael Chabon, The Yiddish Policemen’s Union

Freitag, 18. Mai 2018 um 7:11

Ein regnerischer Tag. Dennoch nahm ich das Rad in die Arbeit, kam auch trocken an. Auf dem Heimweg wurde ich ein wenig angeregnet, aber nicht schlimm.

Abends Fußmarsch nach Überuntergiesing zum Treffen meiner Leserunde.

Die vergangenen Tage waren geradzu gruslig mit ihrer Berichterstattung der Geschehnisse in Jerusalem und der Rolle der USA darin. Ich gehe nicht in Einzelheiten, um den Plot von Michael Chabons The Yiddish Policemen’s Union nicht zu sehr zu spoilern, was ich bereits damit tue, dass ich seufze, speculative fiction ist doch nicht dazu da, Wirklichkeit zu werden!

Vor acht Jahren hatte ich den Roman schon mal gelesen und besprochen, diesmal hatte ich mehr Hintergrund übers Judentum im Hinterkopf (zum Beispiel aus der Reportage über den Eruv in Manhattan und die Leute, die für ihn zuständig sind), außerdem achtete ich noch mehr auf die Frauenbeschreibungen: Nur Bina, die Ex-Frau des Protagonisten, wird sexualisiert beschrieben – und das ist ganz klar aus der Handlung motiviert (Landsmans Blick).

Auch den anderen in der Leserunde hatte das Buch sehr gut gefallen, ich bleibe bei meiner Empfehlung.

Sorge, weil auf dem Heimweg meine Bandscheiben-verursachten Schmerzen in Hüfte und Bein sehr stark wurden und ich wieder das rechte Bein kaum heben konnte. Das kann ich fürs Wandern natürlich überhaupt nicht brauchen. Ein Wunder wäre jetzt nicht schlecht.

§

Ein weiteres Interview von Sibylle Berg zum Thema „Nerds retten die Welt“.

Ihre Gesprächspartnerin:

PD Dr. Hedwig Richter ist Historikerin am Hamburger Institut für Sozialforschung mit den Schwerpunkten europäische und US-amerikanische Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert, Wahl- und Demokratieforschung, Migration, Gender, Religion

Unter anderem fragt Sibylle Berg:

Was ist Demokratie?

Darf ich ein bisschen ausholen?

Besser Sie als ich.

Kluges von der Historikerin (die damit auch den derzeitigen Schwerpunkt in der Geisteswissenschaft nenne):

Um aus der Geschichte zu lernen, ist es wichtig zu verstehen, welche Geschichten wir uns erzählen. Dabei wird deutlich, dass diese Geschichten nicht losgelöst sind von dem, was wir unter «Wirklichkeit» verstehen.

Auch im Interview: Argumentationshilfe gegenüber Menschen, die behaupten, das sei doch gar keine Demokratie, die wir derzeit haben.
Und spannenden Zahlen über die Gastarbeiter der 60er und 70er:

Wir haben es hier mit einer weiteren interessanten Erzählung zu tun: der Arbeitsmigrant als das Opfer, das partout im Aufnahmeland bleiben wollte. Von den rund 14 Millionen eingewanderten «Gastarbeitern» in den 1950er- bis 1970er-Jahren kehrten aber etwa 12 Millionen zurück (bei aller Vorsicht gegenüber den schwer zu ermittelnden Migrationszahlen). Warum? Ich kenne mich etwas mit der italienischen Arbeitsmigration aus. Nicht nur das Aufnahmeland Deutschland (ganz ähnlich wie die Schweiz oder Frankreich) ging davon aus, dass die Arbeiter wieder zurückkehren würden – die Migrierenden selbst hofften darauf. Mit dem verdienten Geld wollten sie sich in ihrer Heimat den sozialen Aufstieg ermöglichen.

Zwar wusste ich (schon aus dem eigenen Gesichtsfeld), dass die meisten Gastarbeiter zurück gingen, doch mir war nicht klar, wie groß diese Mehrheit war.

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Sie glauben hoffentlich nicht, es gebe keine neuen Flüchtlinge mehr?
„Verena Papke: ‚Auf dem Mittelmeer sterben immer noch Menschen, es berichtet nur keiner mehr darüber'“.

Die Schwangerschaftsraten sind in den letzten Monaten erheblich gestiegen. Das führen wir auf strukturelle Vergewaltigungen in Libyen zurück. Das können wir natürlich nicht beweisen, aber die Rate der Schwangeren ist eine Statistik, die wir haben. Und auch der Gesundheitszustand der Geflüchteten, der im Übrigen nie gut war, hat sich noch einmal verschlechtert.

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Ein alter Blog-Bekannter ist wieder da (ohne schwarzen Hintergrund hätte ich ihn fast nicht erkannt):
https://leicht.ykom.de/

die Kaltmamsell

3 Kommentare zu “Journal Donnerstag, 17. Mai 2018 – Reprise: Michael Chabon, The Yiddish Policemen’s Union

  1. Hauptschulblues meint:

    „Sie glauben hoffentlich nicht, es gebe keine neuen Flüchtlinge mehr?“
    Doch, H. glaubt das.
    Zu den griechischen Inseln, über den Grenzfluss Griechenland/Türkei, in LKWs und Zügen, sie kommen.
    Und sie brauchen nach wie vor Unterstützung.

  2. arboretum meint:

    Ein alter Blog-Bekannter ist wieder da (ohne schwarzen Hintergrund hätte ich ihn fast nicht erkannt

    Diesen Satz verstehe ich nicht. Herr Kristof war doch gar nicht weg und sein Blog sieht schon lange so aus.

  3. Christine meint:

    Danke für den Hinweis auf den wunderbaren Eruv-Artikel! Ich mag es durch Sie immer wieder neue Dinge zu lernen…

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