Journal Samstag, 5. Mai 2018 – WMDEDGT und Persönlichkeitstests

Sonntag, 6. Mai 2018 um 7:37

Am 5. jeden Monats fragt Frau Brüllen: „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“
Das darf ich vom gestrigen 5. mal wieder erzählen.1

Beim ersten Aufwachen bekam ich mit, wie Herr Kaltmamsell mein Bett verließ, Weckercheck: 5:15 Uhr. Selbst schlief ich zum Glück bis dreiviertel sieben weiter. Tat sehr gut.

Kaffeekochen, Bloggen. Im Maschinenraum bastelt das Blogheinzelmännchen seit vielen Tagen an der Umsetzung der unseligen neuen EU-Datenschutzverordnung in allen von ihm betreuten Blogs. An manchen Stellen gibt’s Schluckauf, so konnte man gestern wohl nicht kommentieren. Bitte entschuldigen Sie, das sollte jetzt behoben sein.

Anders als angekündigt, war das Wetter trübe. Ich bereitete mich dennoch auf einen Isarlauf vor (Katzenwäsche, leichte Laufkleidung) und ging über den Alten Südfriedhof zum Westermühlbach, wo ich loslief. Die Wege waren erschreckend trocken, es hat hier seit Wochen nicht mehr richtig geregnet.

Herr Spitzweg (Nachkriegs-Grabstein, das Original ist verschwunden) hat’s gerade sehr bunt.

Am Jugendzentrum KUBU gibt’s jetzt Jugendbänke: Hier haben sich die Leute ja eh immer auf die Rückenlehnen gesetzt.

Das Laufen ging gut, ich bin stolz, dass ich dennoch nicht die Maximalrunde lief: Diese Woche könnte das mit dem Sport sonst zu viel werden.

Kurz vor daheim bog ich noch in einen Bäcker Zöttel und kaufte Semmeln.

Nach der Dusche ersetzte ich den Britta-Wasserfilter und freute mich über die erste Tasse Darjeeling mit jetzt wieder so entkalktem Wasser wie möglich.

Nach dem Frühstück (Tomatenkringel mit Frischkäse, ein großer Apfel, eine große Orange) machte ich mich auf eine Einkaufsrunde. In der Lebensmittelabteilung des Kaufhofs am Marienplatz (alles für den abendlichen Spargel mit Kräuterkartoffeln, dazu Gemüse fürs Sonntagessen) begrüßte mich Herr Kassierer wieder so herzlich, als kennte er mich – ich kaufe da nur alle paar Monate ein, er muss mich verwechseln -, wir plauderten ein wenig, er verabschiedete mich mit Handschlag. Beim dm in der Hofstatt besorgte ich noch Waschmittel und Taschentücher.

Mittlerweile war es warm geworden, zu Hause setzte ich mich auf den Balkon: Ich verbrachte den Nachmittag mit der Lektüre des SZ-Magazins vom Vortag und der Wochenenend-Süddeutschen, dazwischen guckte ich viel in Bäume und zum Himmel, ließ mich vom Revierchef-Amslerich ansingen.

Dem SZ-Magazin fehlte der Untertitel „Ein Männerheft“: Es war praktisch frauenfrei, mal wieder. Es gibt Wichtigeres im Feminismus? Ja. Aber stellen Sie sich bitte mal eine Ausgabe des SZ-Magazins vor, in dem von „Sagen Sie jetzt nichts“ über Zitatgeber in Artikeln und Interviews (das Gespräch zwischen Andreas Altmann und Oskar Roehler dampfte geradezu vor Testosteron) bis zum Rezept der Woche und Besinnungsartikeln nur Frauen vorkommen, mit Ausnahme von zwei Herren in einer Bildergeschichte. Geben Sie zu: Sie würden davon ausgehen, dass es sich um eine Sonderausgabe Frauen handelt.

Schön fand ich Florian Zinneckers Abschiedstext über München:
„Die Traumstadt“.

In der SZ-Wochenendausgabe besonders lesenswert: Der Artikel über den beliebten Internet-Apokalyptiker Manfred Spitzer:
„Über einen, der aus Ängsten Geld macht“.

Abendessen machte ausnahmsweise ich, vorher für den hart arbeitenden Herrn Kaltmamsell und die Köchin Gin Tonic: Spargel schälen, Kartoffeln aufsetzen, Kräuter (Schnittlauch, Petersilie, Dill) und Zwiebel hacken, Kartoffeln abgießen und warm stellen, Spargel ins kochende Wasser, Zwiebeln in viel Butter anbraten, Kräuter und Kartoffeln damit vermengen, Spargel auf Teller, alles servieren.

Schmeckte sehr gut, allerdings passte der spanische Viura, den ich als Wein dazu ausgesucht hatte, gar nicht.

Abendunterhaltung war erst ein sehr interessantes Youtube-Essay über „Mel Brooks, The Producers and the Ethics of Satire about N@zis“, dann entdeckte ich, dass ZDFneo Flashdance zeigte. Ich habe den Film sehr wahrscheinlich nur einmal gesehen, nämlich 1983 im Kino, doch er legte den Grundstock für meine Aerobics-Affinität und meine Schwäche für Frauen mit schwerem Gerät. (An sowas wie Handlung erinnerte ich mich überhaupt nicht.) Leider hielt ich ihn wegen Müdigkeit nicht ganz durch.

Im Bett noch einige Seiten Cider House Rules in der mit verschiedenen Farben annotierten Ausgabe, die ich für meine Magisterarbeit mehrfach durchgearbeitet hatte. Licht aus gegen 23 Uhr (das ist für mich sehr spät).

§

Weil es in den vergangenen Tagen durch die von mir gelesenen Blogs geisterte, klickte auch ich mich durch den Fragebogen „16 Personalities“.

Take our Personality Test and get a ‚freakishly accurate‘ description of who you are and why you do things the way you do.

via Anke Gröner

Beim Ausfüllen war mir sehr klar, wie anders ich diesen Fragebogen vor zehn Jahren angeklickt hätte. Allerdings erinnere ich mich noch gut an den ersten solchen Test zu genau diesem Persönlichkeitsstruktursystem, den ich vor 18 Jahren für meinen damaligen Arbeitgeber ausfüllte. Ich wurde unter anderem gefragt:
Sind Sie gerne mal in Gesellschaft von Menschen? – Meine Antwort: Ja.
Brauchen Sie oft Zeit allein? – Ja.
In der Auswertung stand dann: Sie genießen es durchaus, manchmal unter Menschen zu sein, sind aber gerne auch allein.
NO SHIT SHERLOCK!
Seither nehme ich solche Tests so ernst wie die Psycho-Fragebögen in Frauenzeitschriften.

Das gestrige Ergebnis meiner Klickerei: Ich bin
„Defender Personality (ISFJ, -A/-T)“

The Defender personality type is quite unique, as many of their qualities defy the definition of their individual traits.

Wenn ich die Introduction dieses Typus‘ zusammenfassen darf: You don’t make any sense. At all.

Aber dann wurde es so richtig lustig: Die Symbolfigur für diesen Typus ist im Test eine Krankenschwester.2 Das reichte mir eigentlich für die Vermutung, dass das Ergebnis komplett an meiner Persönlichkeit vorbei schießt, denn: Um Himmels Willen! Eine berufliche Tätigkeit, die per Definition aus Umgang mit immer neuen Menschen besteht, ist mein ganz persönlicher Albtraum.

Von da an ging’s bergab. Aus den Ausführungen könnte ich mir die wenigen Stellen picken, die ich noch irgendwie als passend für mich empfinde, aber diese Technik macht mehr Spaß beim Horoskop der Gala.

Mache ich’s doch umgekehrt: Ich zitiere die Passagen aus dem Profil, die mich am meisten zum Lachen brachten – sehr wahrscheinlich amüsieren sie Sie als Leserinnen und Leser meines Blogs ebenfalls.

Die Zusammenfassung meines Charakters wäre demnach:

dedication and humbleness

Zentrum meines Lebens:

the joy they experience in using those connections to maintain a supportive, happy family

Kaltmamsell in der Arbeit:

they refuse to make their thoughts known, or to take any duly earned credit for their contributions

Romantic relationships:

– Defenders’ shyness and sensitivity shield what are, beneath the surface, incredibly strong feelings.
– the more pervasive issue in Defenders’ relationships is that it can be too easy for their altruism and kindness to be taken advantage of
– Defenders’ true passions lie in taking care of their families, from playing with their children to the mundane needs of the household, efforts Defenders are only too happy to contribute

Elternschaft:

Many people with this personality type feel like parenting is the task they were born for

Berufswege:

– Altruistic and well-rounded, no other personality type is so well-suited to be of service of others.
– Defenders struggle is in generating new ideas and in grasping abstract concepts

Im Gegensatzt dazu die Wirklichkeit:
Ich kann Vieles ausgesprochen Markt- und Gesellschafts-kompatibel, also für ziemliches Geld verkaufbar, und war darauf geeicht, Aufgaben nur auf „Kann ich das?“ abzuklopfen, worauf die Antwort sehr oft „Ja, kann ich“ war. Daraus folgerte ich, dass ich die Aufgabe eben übernehme. Innere Widerstände unterdrückte ich so routiniert mit „Stell dich nicht so an!“, dass ich sie gar nicht mehr wahrnahm. Bis ich irgendwann vor gar nicht allzu langer Zeit auf die Idee kam, die Frage könnte auch sein: „Will ich das?“ Bis dahin hatte ich aber auf der Basis von Begeisterungsfähigkeit, Naivität und Pflichtbewusstsein schon viel zu oft Aufgaben übernommen, die ich zwar gut bis sehr gut konnte, aber eigentlich nicht wollte. Das Ergebnis (meine Affekte neigen zu Schwarz/Weiß, Null/Eins – halt zum Digitalen): Komplettblockade.

Heute stehe ich vor dem Scherbenhaufen, dass ich praktisch keine der beruflichen Aufgaben, mit denen ich Geld verdienen kann, auch will (Management, Führung, Konzeption, Projektleitung). Und umgekehrt nichts, was ich gerne mache, dem Markt unterwerfen möchte. So habe ich mir einen Gelderwerb gesucht, der mich möglichst wenig belastet und mein eigentliches Leben finanziert. Diese Arbeitshaltung hätte ich als 25-Jährige entsetzlich gefunden, es ist aber alles halb so schlimm: Die 15 Jahre bis Rente bringe ich schon noch rum.

Nachtrag: Auf Twitter ergänzte @FrauZeitlos diese Entlarvung des Myers-Briggs-Tests:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/_NQqSnkI32A

  1. Sie wissen ja: Da ich beim MI5 angestellt bin, geht das an Arbeitstagen nicht. Oder ich müsste Sie alle nach der Lektüre des Posts blitzdingsen. []
  2. Nein, auch wenn Sie wie ich „defender“ sofort mit „against the dark arts!“ ergänzt haben, hat das nichts mit Hogwarts zu tun []
die Kaltmamsell

15 Kommentare zu “Journal Samstag, 5. Mai 2018 – WMDEDGT und Persönlichkeitstests”

  1. Mrs. Bittersweet meint:

    Ich bin sehr erleichtert, dass ich anscheinend nicht so ganz alleine mit der Fragestellung bin „will ich das“!

    Dieser Prozess ist noch recht frisch, umtreibt mich aber wie Schatten Tag und Nacht.

    Noch habe ich keine Alternative, die meinem Drang nach Autonomie/Authentizität und ausreichend Kohle gerecht wird, gefunden.

    Aber es macht Mut, von Ihnen zu lesen, dass es möglich sein kann. Ich hab halt noch gute 20 Jahre zu bringen… seufz.

    LG
    Isa

  2. Norman meint:

    Und Ihr Top-Agent hat den Codenamen „Spaghettimonster“.

    als kennte er mich – wieso, er ist doch auch beim MI5.

  3. Joël meint:

    Kleine Anmerkung zum Test.
    Sie haben ihn in Englisch gemacht richtig?
    Ich hatte ihn in Englisch angefangen um dann zu sehen dass man ihn auch in Deutsch machen kann. Und meine Antworten und logischerweise das Resultat auch, war in beiden Sprachen nicht identisch. Ich gehe mal davon aus dass sprachlich Welten zwischen den Fragestellungen liegen.

    Aber dass der Test Unfug ist, da gebe ich Ihnen absolut recht.

  4. Friederike meint:

    Danke besonders für den Link zum Spitzer-Demontierungs-Artikel.
    Und schaffen Sie es noch, dem Cookie-Hinweis beizubringen, dass ich ihn einmal angeklickt habe – und gut is‘? Er ploppt hier wieder und wieder auf …

  5. Herr Kaltmamsell meint:

    Cookie-Hinweis: Läuft bei mir, wie es soll, unter Chrome (Android) und unter Chrome (Windows) und Firefox (Windows). Der Hinweis erscheint aber tatsächlich immer wieder bei Microsoft Edge (Windows). Der speichert bei mir aber auch sonst keine Cookies, vielleicht habe ich das aber auch mal ausgeschaltet. Ich freue mich über Hinweise, was alles mit welchem Browser nicht geht.

  6. Nina meint:

    Hinweis an das Blog-Heinzelmännchen aka Herrn Kaltmamsell: Der Cookie-Hinweis erscheint auch auf dem iPhone/Safari-Browser/iOS leider bei jedem Öffnen und muss jedes Mal wieder angeklickt werden.
    Und heute scheint die Mobilversion der Seite nicht zu funktionieren. Bei mir (iPhone/iOS) öffnet sich auch nach mehrmaligem Anklicken bzw Laden nur die Desktop-Version…

  7. Herr Kaltmamsell meint:

    Cookie: Wenn das kleine Modell, das ich mir gebaut habe, wie das alles hier funktioniert, einigermaßen stimmt, dann müsste das mit Safari und Cookies und so jetzt klappen.
    Mobilversion: Habe ich vorerst ausgeschaltet, da ich da erst mal ein paar Sachen überprüfen muss.

  8. Anke meint:

    Danke für den Hinweis, Joel, ich habe den Test auch nochmal auf Deutsch gemacht – und ebenfalls ein anderes Ergebnis als das englische erhalten. Passt teilweise aber auch. (Ich ahne, dass *jedes* Ergebnis irgendwie passt, schon gut.)

  9. Hauptschulblues meint:

    “ … an der Umsetzung der unseligen neuen EU-Datenschutzverordnung …“ Wer kann einem dazu Tipps für den Blog geben?

    “ … das Gespräch zwischen Andreas Altmann und Oskar Roehler …“ fand Frau H. gruselig.
    H. distanzierte sich auch, bei all der schweren Kindheit des Herrn Roehler.

  10. Alexander meint:

    Die Datenschutz-Grundverordnung ist nicht unseelig, sondern gerade für Leute wie die, die man hier bei Kaltmamsell trifft – ich schätze das Publikum als demokratiefreundlich und eher liberal ein -, ein Geschenk der Götter!

  11. Frau Klugscheisser meint:

    Mich überrascht immer wieder, wie viel Anziehungskraft solche Persönlichkeitstests anscheinend ausüben (natürlich auch auf mich in einer gewissen Zeit), dass man damit sogar Verkaufszahlen steigern kann. Greift da derselbe Mechanismus wie bei Horoskopen? Oder wissen so viele Menschen nicht, wer sie sind oder wollen ihre Selbst- mit der Fremdwahrnehmung abstimmen/bestätigen? Und wieso scheint es dann ein so befriedigender Vorgang zu sein, im Nachgang den Ergebnissen zu widersprechen?

  12. Joe meint:

    Die Datenschutzverordnung ist super, aber auch kompliziert. Ich habe keinen „Heinzelmann“, Also habe ich mein WP Blog auf eigener domain am Wochenende offline gesetzt.

  13. Joe meint:

    Zum Thema Spitzer. Ich habe ihn vor ein paar Jahren mal erlebt. Super der Mann. Wenn ich eine Veranstaltung so Medizin oder Medien zu planen hätte, würde ich den sofort engagieren, wenn ich ihn bezahlen kann. Vielleicht sollte man einfach mal Forschung und Enterteinement trennen. Spitzer ist ein erstklassiger Entertainer. Niemand würde Rihanna aufgrund ihrer Clara Lionel Foundation zu einer Expertin zu Bildungsfragen in unterentwickelten Ländern machen.

  14. die Kaltmamsell meint:

    Ich muss Ihnen widersprechen, Joe: Spitzer wird nicht als Entertainer eingeladen, sondern als Professor und angeblicher wissenschaftlicher Experte für das Thema Bildung. Ganze Generationen von Eltern und Lehrenden lassen sich von ihm ihre Vorurteile und Ängste bestätigen.
    Rihanna ist keine Professorin.

  15. Kirsten meint:

    Thema „Männerheft“ – das Erlebnis hatte ich heute mit der BrandEins. Irgendwann mal durchgezählt, wie viele Frauen ich sehe. Selbst in den Anzeigen kamen so gut wie keine vor. Eine war drin mit Foto, die war dann „Helferin ihres Vaters“ – sie war Doktor der irgendwas-Genetik, verdammt. Ich erinner mich, die hatten die Diskussion schon mal (haben ja auch eine Frau als Chefredakteur. in) und haben sich damals schwergetan, was anderes zu sagen als: Wir gehen nicht nach Geschlecht, sondern nach einer tollen Geschichte. Dass das dann ziemlich einseitig ist, interessiert sie wohl nicht so.

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