Journal Donnerstag, 14. Juni 2018 – Leserunde zu Oskar Maria Graf

Freitag, 15. Juni 2018 um 7:08

Heilige Scheiße, bin ich gestresst.
An äußeren Umständen kann ich das nicht mal festmachen, die sind eigentlich nicht besonders stressig, aber ich fühle mich durch und durch erschöpft, unter Druck, urlaubsreif.

Wetter weiterhin kühler, aber es blieb trocken mit sonnigen Abschnitten.

Gestern traf sich die Leserunde bei Herrn Kaltmamsell und mir. Da Oskar Maria Grafs Das Leben meiner Mutter erst vor einer Woche eingetroffen war (wir hatten die Lektüre so kurz vor unserem Irlandurlaub beschlossen, dass davor keine Besorgung möglich war), hatte es der Herr gar nicht gelesen, ich war gerade mal zu den ersten 150 Seiten gekommen (es ist ein dickes Buch). Gefallen hatte mir dieser Anfang aber gut, die Mitleserinnen, die alles gelesen hatten, waren sehr angetan.

Herr Kaltmamsell kochte überraschenderweise eine Pfanne Paella und eine EiKuPi – ich hatte nur mit viel Käse gerechnet, zu dem wir aus Irland mitgebrachten Strawberry Wine servieren wollten, deshalb Brot mitgebracht und eine Menge Erdbeeren zum Nachtisch mit Sahne. In der Folge gab es sehr viel zu essen, was in diesem Kreis zum Glück kein Problem ist: alles gute Esserinnen und Esser. Es wurde später.

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Nach der EU-DSGVO, deren verheerende Detailfolgen die Gesetzgeber sicher nicht so vorausgesehen hatten, droht neues Ungemach: Ein EU-weites Leistungsschutzrecht, das Verlinkung zu möglichem Verstoß gegen Urheberrecht macht. Sascha Lobo hat nachverfolgt, wie es dazu kommen konnte:
„Leistungsschutzrecht für Presseverleger
So ein Quatschgesetz“.

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Auf Twitter die hochamüsante Geschichte einer Universitätsdozentin in der Sicherheitskontrolle eines Flughafens, mit ebenso amüsanten Reaktionen und Ergänzungen.

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Eine Gesprächsrunde in Variety:
„TV’s Top Female Directors Reveal How They Broke Down Barriers“.

Eine alte Häsin im Geschäft erzählt:

Jodie Foster: When I grew up, I never saw another female face. Little by little, things did change, and when it did change, I think the crews were so much happier. It used to be me and a whole bunch of guys somewhere. They didn’t see their families, they didn’t see their wives and their kids, and it was like being in a boys’ camp. I don’t think that it was some kind of conspiracy, where there was a secret handshake about it. I think it was just nobody was thinking.

As a director it never occurred to me to seek out women crew members. I sought out the guys that I worked with, the guys that I knew that I thought were doing great work. I’m almost ashamed of that, until recently where I realized that we actually do have to make an effort. It isn’t just going to happen because you think it’s wrong and then you don’t change anything. You actually have to make an effort to allow women to have those first jobs.

„I realized that we actually do have to make an effort“ – ist leider nicht so banal, wie es aussieht. Das ist bei sehr vielen noch nicht angekommen: Sie sind immer noch überzeugt, dass es Können ist, das sich von selbst durchsetzt.

Interessant auch, dass Foster manches Spiel nicht mitspielt:

Foster: I have found that sometimes producers, in a difficult situation, if they lob something at me that’s horrible and nasty, I think they have two expectations. One is I’m going to cry and say: “You’re right. Oh, my God, I’m sorry!” Or that I will bully back and punch them in the face. Those are the two expectations that they have. One is a very typically gender-specific masculine idea; the other one is a very feminine idea. I don’t do either of those.

Letzthin sah ich fern, eine Ärzteserie: Notsituation, eine Frau musste helfend einspringen und irgendwas Handwerkliches tun. Und ich konnte der Handlung kaum folgen, weil ich ständig dachte: Gebt ihr doch bitte einen Haargummi! Sie muss doch wahnsinnig werden, weil ihr ständig die langen Locken die Sicht versperren!
Bei männlichen Figuren ging mir das nie so. Oder denken Männer Ähnliches bei Männerszenen? Weil der männliche Protagonist durch Styling behindert wird?

die Kaltmamsell

9 Kommentare zu „Journal Donnerstag, 14. Juni 2018 – Leserunde zu Oskar Maria Graf“

  1. Hauptschulblues meint:

    „urlaubsreif“: Das Leben wird immer schwieriger zu ertragen. H. erging es ab 50 auch so. Das ist aber kein Trost. Aber: Es kommen auch immer wieder bessere Tage zwischendrin.
    „Oskar Maria Graf“: Von dem Herrn ist alles lesenswert, vor allem die Romane, weniger das Bayerische Dekameron. Gesammelte Werke sind eine gute Anschaffung. Gab es mal bei der Büchergilde, vielleicht antiquarisch erhältlich.
    „EU-DSGVO“: H. ist froh, ausgestiegen zu sein, auch wenn die EU-DSGVO nicht der ausschlaggebende Grund war.
    Ein erholsames Wochenende!

  2. Christine meint:

    Oh ja… ich mag meine sehr langen, sehr blonden Haare sehr. Aber ich bekomme eine Krise, wenn sie mir ins Gesicht hängen. Und ich frage mich immer, wie andere Menschen das ertragen.

    Erschlagenheit: Geht mir zur Zeit ähnlich. Ich versuche mit Micronährstoffen gegenzuhalten (Vitamin d3, Magnesium). So viel kann ich gar nicht schlafen, wie ich müde bin. Und bei mir hilft eine halbe Stunde Mittagsschlaf besser als zwei Stunden zusätzlicher Nachtschlaf.

  3. Tim meint:

    Das war wahrscheinlich nicht die Sicherheitskontrolle des Flughafens, sondern die Einreisekontrolle in die USA. Da sind seltsame Fragen, wie etwa nach dem Arbeitgeber an der Tagesordnung. Diese wird von der U.S. Customs and Border Protection an einigen Flughäfen, wie in Manchester oder Dublin, vor Ort gemacht, so dass man in den USA auf dem nationalen Teil des entsprechenden Flughafens ankommt. Ist auch für die Fluggesellschaften billiger, da sie bei einem Weiterflug des Flugzeugs innerhalb der USA das Fluggerät nicht zum nationalen Teil hinschleppen lassen müssen.

  4. Brigitte Novaek meint:

    Ja, genau! Ich frage mich schon seit längerem, warum in US-Serien alle Anwältinnen, Forensikerinnen, Kriminalkomissarinnen, Ärztinnen, Staatsanwältinnen usw. die gleiche Einheits-Pornofrisur tragen müssen. Es gibt grad mal hin und wieder einen „Quoten-Afro“.
    Bei Docusoaps á la Real Detective sieht man ja ganz deutlich, dass dem nicht so ist.

  5. Norman meint:

    Wo haben Männer noch lange Haare?

    Mich macht’s wahnsinnig, wenn sie mir ins Gesicht hängen.

  6. Micha meint:

    So viel zum Anknüpfen heute:
    *Das Leben meiner Mutter* fand ich ebenfalls sehr lohnend – wird aber gen Ende schwächer – trotzdem ein schöner Zeitspiegel.

    Mit offenen Haaren kann ich nur lächeln und wirken. Und schlafen. Ansonsten brauche ich zum (handwerklichen) Arbeiten freie Fahrt = freies Gesicht.

    Und dass Verlinken einen möglichen Verstoß gegen das Leistungsurheberrecht darstellen soll, finde ich schauerlich. Gerade dieses Quervernetzen über Links macht für mich sowohl Bloglesen wie Bloggen aus. Das wäre wirklich ein Dolchstoß!

    schönes WE plus Entspannung…

  7. Elisabeth meint:

    Ganz lange Zeit hatte ich sehr kurze Haare, noch kürzer als die von Frau Kaltmamsell. Dann habe ich nach einer Trennung eifrig gezüchtet- ein Klischee, aber oft beobachtet. Vor einem Vierteljahr fielen die langen Haare dann einer Laune zum Opfer: kinnlang, mit viel Föhnaufwand morgendlich zum lockigen Bob gestylt. Kommentar eines Kollegen: „Geile Frise, Frau Kollegin.“ Da hab ich mich gefreut (ja, wir freuen uns über Komplimente und in Lehrerzimmern geht es traditionell verbal manchmal etwas herzhafter zu. Ist auch notwendig.).

    Mittlerweile habe ich es aus Zeit- und Kein-Bock-Gründen seit vier Wochen nicht zum Friseur geschafft und vermute mein Unterbewusstsein als Friseurvermeidungsinstrument, weil: nichts ist nerviger, als 8 Stunden am Tag ständig Haare aus dem Gesicht zu streichen. Unbehinderter Blickkontakt mit meinen Schäfchen und KollegInnen ist wichtiger als äußere Eitelkeiten. Jetzt sind die Haare wieder hochgesteckt und ich bin lieber gut als geil:-).

  8. Croco meint:

    Das mit den Haaren ist tatsächlich ein Problem. Meine Schäfchen stehen ja auf ganz lang mit Mittelscheitel, so dass sie bei Bedarf den Vorhang dicht machen können.
    Das ist sehr unpraktisch, wenn man mikroskopiert und die Haare dann in irgendwelche Farbstofflösungen hängt. Oder sie kurz durch den Gasbrenner zieht. Oder beim sich im Kreise drehen, die Haare durch gegnerische Gasbrenner schwenkt. So habe ich immer Haargummis dabei und die Truppe fängt erst an, wenn alle langen Haare aus dem Gesicht nach hinten gebunden sind.
    Das erspart mir elterliche Anrufe zum Thema lebensgefährliche Versuche im naturwissenschaftlichen Unterricht.

  9. Elisabeth meint:

    @croco: Stimmt, das mit den Haarbändern habe ich aus dem eigenen Chemieunterricht auch noch in Erinnerung. Wegen der Verletzungsgefahr habe ich vor Chemie- und SportkollegInnen ohnehin großen Respekt…was da alles passieren kann.

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