Journal Montag, 29. April 2019 – Müder Regentag mit Avengers: Endgame

Dienstag, 30. April 2019 um 7:03

Eine (für meine Verhältnisse) wirklich kurze Nacht, da ich nach dem späten Zu-Bett-Gehen auch noch schlecht einschlief, der Wecker aber trotzdem um sechs klingelte. Die Folge: Den ganzen Tag fühlte ich mich erschlagen und müde.

Frühmorgens ein Rezept bei meiner Hausärztin geholt. Mit Fahrrad in die Arbeit, weil ich nach Feierabend schnell daheim sein wollte. Es tröpfelte.

In der Arbeit mittags eine lange angekündigte große Einladung zum Essen – die ich völlig vergessen hatte; ich löffelte halt neben den Kolleginnen und Kollegen meine mitgebrachte Brotzeit (Graupensalat mit Tomaten und Feta vom Vortag), sie hätte sich nicht gut gehalten. Nachmittagssnack: Granatapfel mit Joghurt.

Emsiger und intensiver Arbeitstag, den ich pünktlich abschloss: Herr Kaltmamsell hatte Kinokarten für die Abendvorstellung Avengers: Endgame besorgt. Ich radelte durch leichten Regen (endlich) heim, wo Herr Kaltmamsell Abendessen servierte: Weizentortillas mit gebratenem Karotten-Lauch-Gemüse, scharfer Tomatensoße, Avocado, Spiegelei.

Ins Kino nahmen wir bei fortgesetztem Regen die U-Bahn zum Stiglmaierplatz. Dann drei Stunden Marvel, von denen mich die ersten beiden mit vielen netten Details gut unterhielten (allein das ungewohnte Tempo in der ersten Stunde), die letzte wurde mir leider doch fad. Jetzt ist wirklich mal gut. (Mag natürlich an meiner Müdigkeit gelegen haben.)

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Das Münchner NS-Dokumentationszentrum gewährt bis zur Europawahl freien Eintritt – eine schöne, kluge Geste. Nie wieder.

Ich kann einen Besuch sehr empfehlen, auch wenn er nicht einfach ist.

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Stephen Greenblatt war schon zu meiner Studienzeit der renommierteste Shakespeare-Forscher der englischsprachigen Welt; seine Schriften haben mir viele Türen zu Shakespeare-Stücken und zur Elisabethanik aufgeschlagen. In einem Interview des Philosophie Magazins wird er gebeten, Parallenen zwischen heutigen politischen Entwicklungen und den Dramen von Shakespeare herzustellen.
„‚Sobald man Teil der Lüge wird, ist man nicht ihr Opfer'“.

Darin auch: Interessante Gedanken über die Funktion von Theater.

Herr Greenblatt, wenn Sie Zeitung lesen oder Nachrichten schauen, denken Sie dann manchmal: „Das ist ja wie bei Shakespeare“?

Manchmal passiert das tatsächlich, ja. Als herauskam, dass der Journalist Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul ermordet und in Stücke gehackt wurde, war das so ein Shakespeare-Moment.

(…)

Der Vergleich zwischen Shakespeares Tyrannen und unserer heutigen Zeit stößt aber auch an Grenzen. Allein schon deshalb, weil die Diktatur der Zukunft anders funktioniert als die der Vergangenheit. Die Herrschaft Xi Jinpings in China ist zwar ebenfalls brutal, aber durch den totalen Einsatz digitaler Überwachungstechnologien gleichzeitig auch „leise“ und effizient.

Was mich an Xi Jinping fasziniert, fasziniert mich im Grunde auch an Trump, auch wenn sie so komplett unterschiedlich wirken: Sie haben beide verstanden, dass die Zukunft der Tyrannei nicht im shakespeareschen Weg liegt, nicht darin, Menschen in ein Konsulat zu locken und dort mit einer Knochensäge zu zerteilen. Die Tyrannei der Zukunft besteht eher darin, Medien und Menschen auf neue Art zu kontrollieren. Die chinesische Variante ist dabei „eleganter“, sie zeigt sich etwa in dem allumfassenden Social-Credit-System. Trumps Variante besteht hingegen darin, konstant so viel Lärm zu machen, dass man am Ende taub wird und nichts mehr hört. Beides ist ziemlich erfolgreich.

(Leider habe ich mir nicht notiert, wer mir diesen Hinweis in die Twitter-Timeline retweetet hat. Unbekannter Dank!)

die Kaltmamsell

2 Kommentare zu „Journal Montag, 29. April 2019 – Müder Regentag mit Avengers: Endgame

  1. msw meint:

    Stephen Greenblatt kommt am 18.06.2019 zu einem Vortrag nach München: https://www.amerikahaus.de/veranstaltungen/detail/shakespeare-politics-and-power/

  2. Bobbie meint:

    eine lange große angekündigte Einladung zum Essen… Macht mich traurig… Ich kenne das… nicht wahrgenommen zu werden… Trotzdem danke für Ihre schonungslose Ehrlichkeit…

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