Journal Dienstag, 7. Mai 2019 – Berlin zur re:publica 2019: Konferenztag 2 mit Twitterlesung

Mittwoch, 8. Mai 2019 um 8:39

Sehr gut geschlafen, der Wecker holte mich aus tiefen Schlaf. Gut schlafen mache ich wirklich sehr gerne.

Ich ging zum Morgenaffee wieder in das Café vom Montag, doch diesmal hatte ich keine Lust auf einen zweiten Cappuccino: Anderer Mensch an der Maschine, deutlich schlechterer Kaffee (zu große Hitze tötet Geschmack).

Auf den paar hundert Metern zurück ins Hotel hauten mir Sonnenlicht und Gerüche die schönsten Großstadtgefühle ums Herz. Ich begann zu summen: „Früüüüüüüh am Morgen…“

Es war gestern minimal wärmer, doch Radlerinnen sah ich weiterhin in Wintermantel und mit Handschuhen.

Nachahmenswert: Im Gleisdreieckspark gibt es Trinkwasserbrunnen.

Zurück auf der re:publica freute ich mich wieder an der dieses Jahr besonders gelungenen Gestaltung. Das Motto lautet tl;dr, also too long, didn’t read, und das wird umgesetzt mit Wörtern, Wörtern, Wörtern. Dazu gehört der mächtige Ausdruck des gesamten Moby Dick, der einmal längs durch den gesamten Veranstaltungsort zieht; @tknuewer hat ein Filmchen davon zusammengeschnitten.

„Überall Wissen, aber was wissen wir wirklich?“ hieß die Session, in der Tom Buhrow und Mai Thi Nguyen-Kim diskutierten (und erst mal die Maus bejubeln ließen). Zunächst war mir ein wenig müde, als Buhrow meinte, er sei aufgeregt, weil er normalerweise nicht vor so viel jüngeren Menschen spreche – er hatte sich offensichtlich nicht im Publikum umgesehen. Und als erkennbar war, dass er ein ausgesprochen überholtes und eh noch nie treffendes Bild von uns Menschen im Internet hatte. (Und als Nguyen-Kim nicht erstaunt genug war, dass auf ihre Frage, wer im Publikum wünsche, sie würden ihr Smartphone weniger nutzen, nicht mal ein Viertel sich meldeten.)

Doch das Gespräch wurde noch interessant, nämlich als Buhrow und Nguyen-Kim herausarbeiteten, dass heute die Informationen, das Wissen immer stärker fragmentiert wird und wie das die Fliehkräfte in der Gesellschaft verstärkt: Immer mehr suchen Menschen sich ausschließlich die Details an Informationen heraus, die ihre eigenen Ansichten bestätigen. Zudem sind neben Expertinnen und Experten weitere Sprecher getreten, die durch Appelle an Gefühle die Fragmentierung der Gesellschaft weiter vorantreiben. Auch das abschließende leidenschaftliche Plädoyer für Öffentlich-Rechtliche Medien von beiden (Buhrow verwies aufs Grundgesetz, Nguyen-Kim führte auf, dass nirgends weniger abhängiger und fachlich tiefer professioneller TV-Journalismus möglich sei) lohnte sich.

Jetzt wollte ich aber doch einen guten Cappuccino. Ich hatte meinen Bambusbecher dabei und holte mir einen an einem der zahlreichen Expressostände.

Das Techniktagebuch wurde weiter vorgelesen, jetzt übernahm auch ich mal eine Runde.

Weitere Vorlesende:

Tillmann Otter

@cupidissimo

Thomas Wiegold

Kathrin Passig

Nachtrag: Solche ernsthafte Kunst bezieht sich ja immer auf noch viel ernsthaftere Kunst.

Da ich gestern Abend selbst Speakerin war, hatte ich Zugang zur Business Lounge und wurde verpflegt. Ich nutzte das für einen gewaltigen Teller Antipasti.

Gefolgt von einer ordentlichen Portion Spargel – wunderbar auf den Punkt knackig gekocht.

Nachdem ich die Chance genutzt hatte, nach vielen Jahren mal wieder Katrin Scheib in Echt zu sehen und zu sprechen, sah ich mir die zweite Wunsch-Session des Tages an: „Best of DSGVO-Armageddon“.

Netzaktivistin Katharina Nocun und Lars Hohl stellten eine großartige Stunde auf die Beine: Mit dem roten Faden der vier Reiter der Apokalypse führten sie faktenreich und unterhaltsam durch die Vorbereitung, das Ereignis und die Folgen der DSGVO – Flughöhe etwa Anstalt. Kernpunkt: So groß waren die Neuerungen gar nicht, außerdem ist die DSGVO nüchtern betrachtet für Enduserinnen zum weitaus größten Teil ausgesprochen begrüßenswert.

Nachdem ich noch eine Weile mit Mitgliedern der Techniktagebuchredaktion geplaudert hatte, ging es in die letzten Vorbereitung meiner Abendveranstaltung: Twitterlesungs-Revival. In den beiden Stunden davor bekam das Ganze dann doch eine Endform, wurde alles einmal durchgeprobt, ich fühlte mich gut und sicher. Und in den Minuten vor dem Start um 20 Uhr verflog auch die weitere Furcht, nämlich die vor einem möglicherweise leeren Publikumsraum. Es war gut voll – und es wurde gelacht.

Hier zwei Fotos von unserer Lesung von @antischokke.

Es freute mich sehr, @annalist mal wieder zu sehen und zu sprechen, @diktator kennenzulernen, es machte viel Spaß, mit @mspro, @PickiHH und @Björngrau auf der Bühne zu stehen.

Danach recht direkt ins Hotelzimmer.

Nachtrag: Hier unsere Lesung zum Nachgucken.

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https://youtu.be/azXfNBRF2Z8

die Kaltmamsell

3 Kommentare zu „Journal Dienstag, 7. Mai 2019 – Berlin zur re:publica 2019: Konferenztag 2 mit Twitterlesung“

  1. engl meint:

    ja, die große rolle ist überwältigend. sehr sehr gut.

  2. Berit meint:

    Ich freu mich so für Sie das alles so wunderbar geklappt hat :)

  3. Michael_st meint:

    Wo Sie hier so deutlich auf Ihren Bambusbecher hinweisen:
    Bambusbecher bestehen gerade mal zu 40% (teilweise noch weinger) aus Bambusfasern, der Rest ist hauptsächlich Melaminharz und Polyactat – also Kunststoff. Und Malaminharz gibt ab 70°C Melamin und Formaldehyd ab. Wie warm war Ihr Kaffee?

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