Journal Freitag, 17. Mai 2019 – Einkäufe in wachsender Milde

Samstag, 18. Mai 2019 um 7:28

Mittlerweile wache ich fast allnächtlich zweimal auf – statt dem einen Mal für Klogang all die Jahre zuvor. Nicht so schön. Ach: Was von allein kommt, geht auch wieder von allein.

Turbulenter Arbeitstag. Ich fasste den Vorsatz, eine Fortbildung in gewaltfreier Kommunikation zu beantragen: Auf die eine oder andere als idiotisch empfundene Anfrage antwortete ich schärfer als ich eigentlich möchte. Dass zum Beispiel (vereinzelte) Studierende auch in der Phase ihrer Abschlussarbeit nicht die einfachsten Handgriffe einer Online-Recherche beherrschen, habe ich auf professioneller Ebene nicht zu beurteilen, meine impulsiv scharfe Reaktion würde ich mir gerne abtrainieren. (Falls zufällig welche mitlesen: Google ist zunächst immer die effektivste Suchmaschine, effektiver als jede andere Online-Plattform und als jede Unternehmenswebsite. Vertrauen Sie mir.)

Die leichte Erkältung ist bereits am Abklingen, und Gehen tue ich derzeit wie ein normaler Mensch – nur beschränkt von einem Muskelkater nach dem Donnerstags-Frühsport.

Mittagessen war ein Stückchen Käse und Buchweizenbrei mit Joghurt. Letzteren schaffte ich nicht ganz, aus dem Rest wurde mit einer Orange der Nachmittagssnack.

Trotz Turbulenzen pünktlicher Feierabend. Ich spazierte durch endlich mildere Temperaturen in die Innenstadt für Besorgungen. Resultat: Es gibt nun doch keine neuen Schuhe fürs große Fest, statt dessen werden vorhandene Schuhe überarbeitet – dafür kaufte ich Mittel.

Neu gab es aber eine schwarze Jeans. Da mein Leib- und Magenlieferant Manomama mein Wunschmodell derzeit nicht in meiner Größe zur Verfügung stellt, ging ich in einen Jeansladen.1 Ich wurde schon misstrauisch, weil in den Regalen auf den ersten Blick gar keine Jeans lagen, doch dann sah ich in einer Ecke ein paar Stapelchen. Die Verkäuferin reagierte allerdings auf meinen Wunsch „eine schwarze Jeans, etwa wie die, die ich gerade in Blau trage“ mit einem eher zweifelnden Blick. Ich sah mich schon hier im Blog zetern, dass man heutzutage nicht mal in Jeansläden bekommt, was draufsteht (so, wie man halt in einer Ladenkette namens Scotch & Soda auch keine Getränke bekommt und eine Marke namens Twinset zwar Kleidung anbietet, aber keine Twinsets) (schrieb die Frau, deren Blog namens Vorspeisenplatte kein Foodblog ist). Doch dann verschwand die Dame in Lagerräumen und kam mit zwei schwarzen Jeans zurück, von denen eine wunderbar passte – ein Einkaufserlebnis der vergangenen Art, bei dem das Personal seinen Bestand kennt. (Heute bin ich gewohnt, dass lediglich mit ausladender Geste auf die Regale verwiesen wird: „Schaun’S halt mal.“)

Als ich heim kam, duftete es schon beim Öffnen der Wohnungstür köstlich: Herr Kaltmamsell hatte freie Nachmittagsstunden genutzt und ein Schmorgericht zubereitet.

Er servierte Ochsenbackerl mit Kopytka. Bis sie fertig waren, bastelte ich noch eine Runde an Festvorbereitungen, wagte mich nach einer Woche auch an Alkohol: Ich machte uns zum Aperitif je einen Dark & Stormy.

Die Ochsenbackerl schmeckten köstlich. Zum Nachtisch gab’s Erdbeeren.

§

Aus gegebenem Anlass: Ich bekomme viel Misstrauen mit, was den sauberen und demokratischen Ablauf der Wahlen hierzulande betrifft. Bei manchen lässt sich das mit einer Vergangenheit in einer Gesellschaft ohne demokratische Wahlen erklären, aber bei Weitem nicht bei allen – hier muss ich wohl konstatieren, dass die Verunsicherungskampagnen antidemokratischer Kräfte gefruchtet haben.

Sollten Sie auch nur die leiseste Skepsis verspüren, dass Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland nicht allgemein, unmittelbar, frei, gleich und geheim sind (gerade Briefwahl scheint besonderem Misstrauen zu unterliegen): Melden Sie sich als Wahlhelfer und Wahlhelferin, nur einmal. In München kann man Präferenzen angeben, zum Beispiel dass man zur Auszählung der Briefwahl antreten möchte. Für die anstehende Europawahl kommt der Tipp zu spät, aber Sie können sich schon jetzt für die darauf folgende vormerken lassen: Schauen Sie sich die Wahl von ganz innen an, nur einmal.

  1. Kurzes Gedenken an den legendäre ersten Jeansladen in meiner Geburtsstadt Ingolstadt, in dem die Generation meiner Mutter einkaufte: die „Levis-Oma“. In der Steuartstraße? []
die Kaltmamsell

5 Kommentare zu „Journal Freitag, 17. Mai 2019 – Einkäufe in wachsender Milde“

  1. FrauZimt meint:

    Um das Jeans-Einkaufserlebnis beneide ich Sie sehr, ich weiß schon gar nicht mehr, wann ich sowas das letzte mal erlebt habe. Kronkret in Erinnerung habe ich noch den ersten BH-Kauf (in Mamas Begleitung), die Verkäuferin, eine vom alten Schlag, musterte mich kurz, schickte mich in die Kabine und brachte mir kurz darauf eine Handvoll BHs in der direkt passenden Größe. Aber diese Sorte Verkäuferinnen ist wohl inzwischen mehr oder weniger ausgestorben.

  2. Frau Klugscheisser meint:

    Diese Veräuferinnen gibt es noch, FrauZimt. Sie sind halt meistens in hochpreisigeren Läden zu finden. Mein letztes Erlebnis dieser Art war in Frankfurt im Appelrath Cüpper. In München wurde ich sehr gut im Konen beraten. Was Unterwäsche angeht, berät Frau Jänicke vom Torso in der Elisabethstraße sehr gut.

    Liebe Kaltmamsell, was die gewaltfreie Kommunikation angeht, wollen Sie einfach ein neues Verhalten „drüberlegen“ oder das Ding von der Wurzel her aktiv verlernen? Der Unterschied liegt in der Tiefe des Lernprozesses oder mit Pawlow erklärt: je länger nicht trainiert, umso wahrscheinlicher ist eine sog. Spontanerholung. Die andere Methode ist nachhaltiger.

  3. Hauptschulblues meint:

    H. wird bei Hirmer sehr gut beraten.

  4. Margrit von der OW meint:

    Hach, Jeansladen. Geht mir wie FrauZimt. Ich glaub, in meiner Stadt gibt’s gar keinen mehr. Was war das für ein Einkaufsvergnügen, nachdem ich das endlich für mich entdeckt hatte: ich hätte gern eine Jeans in Farbe X für (Draufzeigen) diese Figur. Und bekam zur Auswahl – Jeans für meine Figur.

  5. Sabine meint:

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    Gerne gelesen

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