Journal Mittwoch, 12. Juni 2019 – Nifftenkochkurs

Donnerstag, 13. Juni 2019 um 9:49

Zu Weihnachten hatte ich den Nifften einen ganz privaten Kochkurs geschenkt: Zum einen wollte ich ihnen die Möglichkeit geben, etwas fürs Leben nach dem Elternhaus zu lernen. Zum anderen bin ich ja mit einen erfahrenen Koch und Kochlehrer befreundet: Der war zu meiner großen Freude so nett, sich für einen Tag Kochkurs bei uns daheim buchen zu lassen (was er sonst grundsätzlich nicht macht: beruflich in anderer Leute Privatküche kochen).1

Meine Idee: Die Bruderfamilie würde am frühen Nachmittag nach München kommen, die Nifften sollten sich mit dem Kochlehrer zum Einkaufen treffen (Warenkunde!) und mit den Einkäufen in unserer Küche verschwinden. Die Eltern würden sich am Nachmittag anderweitig vergnügen, zum Abendessen würden wir dann alle bei uns zusammenkommen und die Ergebnisse des Kochens verspeisen.

Wenig überraschend war es nicht einfach einen Termin zu finden, er fiel auf gestern. Der Koch hatte sich zuvor schon mit den Nifften abgesprochen, kennengelernt hatte sich die vier auf unserem großen Fest. Es traf sich gut, dass die Nifften seit Weihnachten vegetarisch essen: Die Bedingung des Kochs war „kein Fleisch, kein Fisch“ gewesen. Teil des Geschenks war bereits zu Weihnachten ein Grundlagen-Kochbuch des Kochs, für den gestrigen Kurs hatte ich drei Schürzen besorgt: So mit Material und Kenntnissen ausgestattet sollten die drei im Anschluss praktisch auszugsreif sein.

Zum Abendessen waren wir um sieben bestellt. Ich verabredete mich nach der Arbeit mit Bruder und Schwägerin um sechs auf einen Aperitif im Stadtcafé (Herr Kaltmamsell war leider noch schlimmer krank, hielt sich beim Essen tapfer, aber nur mit Mühe aufrecht).

Die Synagoge auf dem Jakobsplatz spiegelt das gestrige gemischtwolkige Wetter mit frischen Temperaturen.

Bei uns daheim wurden wir der Küche fern gehalten, durften aber Geschirr zum Tischdecken rausholen. Eingekauft hatten die vier auf dem Viktualienmarkt und beim Eataly, die erste Vorspeise gab’s zu Prosecco.

Bruschetta mit frischen Shiitake-Pilzen, angemacht mit Zitronensaft und Dill: Wunderbar pilzig allein schon der Duft, ich nahm mir mal wieder vor, mehr mit Pilzen zu kochen.

Salat aus verschiedenen Tomaten, Gurke, Melone, Bundbasilikum (Empfehlung des Kochs: Im Bund angebotener Basilikum schmeckt intensiver als der im Topf verkaufte) mit Mozzarella. Dressing aus aufgefangenem Saft der Bestandteile und etwas Olivenöl sowie Salz und rosa Pfeffer. Sehr köstlich. (Dazu ein schlichter Bio-Soave.)

Als Hauptgang gab es einen Risotto mit frischen Erbsen und Brennnesseln, dazu aus dem Ofen Zucchini, bunte Bete, grünen Spargel und Mangold. Sehr parmesanig-reichhaltiger Reis, die Brennnesseln darin waren mir neu, überzeugten mich aber sofort. Die Nifften hatten unter anderem gelernt, aus allen Gemüseabschnitten und -resten der Vorbereitung die Brühe für den Risotto zu kochen.

Aufwendiger Nachtisch: Mandel-Eiweiß-Törtchen mit Himbeeren, dazu Apfelsaft-Sabayon (da der Koch hessisch geprägt ist, natürlich Ssábayoh ausgesprochen). Gebacken in den geerbten galicischen Weißweinschalen – einen nützlicheren (und dekorativeren) Einsatz hatten sie noch nie. Und dann schmeckte das auch noch hervorragend.

Wir saßen noch bis spät in die Nacht zusammen (minus armem kranken Herr Kaltmamsell), die Nifften bekamen die Rezepte des Abends als Seminarmappen mit. Hoffnungsglitzern in den Augen der Eltern, dass ihre drei jugendlichen Kinder sich künftig um die Bereitstellung der Familienmahlzeiten drängeln werden.

§

Emma Thompson kommt Ende August mit dem Film Late Show aus der Feder von Mit-Schauspielerin Mindy Kaling in die Kinos, und ich kann es kaum erwarten.

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https://youtu.be/XE7OVnets4g

  1. Hm – übers Internet verbandelte Fotografin macht für mich Ausnahme für Privatfeier, befreundeter Koch macht für mich Ausnahme beim Kochkurs: Vielleicht bin ich dann doch beim „Da gehst‘ zum Harry beim Elektro Müller, sogst‘ eam an schena Gruß vo mir, dann kriegst‘ Prozente“ meines Handwerker-Vaters angekommen. []
die Kaltmamsell

9 Kommentare zu „Journal Mittwoch, 12. Juni 2019 – Nifftenkochkurs“

  1. Frau Klugscheisser meint:

    Eine ganz ausgezeichnete Idee, dieses Geschenk!

  2. Nathalie meint:

    Was regte ich mich früher (als Teenager und auch als Studentin) auf, wenn Papa sagte, frag den oder den, ruf die oder die an, das klappt dann schon. „Vitamin B ist alles.“

    Ja, heutzutage nutze ich das. Oft. Und ertappe mich inzischen auch bei dem Gedanken „Vitamin B ist alles“. (Hat nichts, aber auch gar nichts mit Bestechung zu tun. Viele verwechseln das.)

  3. die Kaltmamsell meint:

    Ich glaube, Nathalie, das liegt vor allem an zwei Punkten: Zum einen muss das Verhältnis auf Augenhöhe liegen, ich muss davon ausgehen können, dass ich den Gefallen auch irgendwann in irgendeiner Weise erwidern kann (was beim Harry vom Elektro Müller nicht der Fall gewesen wäre, selbst hätte ich mich nie revanchieren können). Zum anderen dürfen andere durch meinen Vorteil nicht benachteiligt werden. UND (also doch drei Punkte) muss ein so großes Vertrauensverhältnis bestehen, dass ich mich darauf verlassen kann, dass mir ehrlich abgesagt würde, wenn’s nicht geht.

    (Oder belüge ich mich mal wieder selbst?)

  4. Friederike meint:

    Auf den einen oder anderen Vitamin B-Moment blicke auch ich mittlerweile (dankbar) zurück. Ich sehe es so: da hat mir jemand eine Weiche gestellt – losfahren musste ich aber immer noch selbst!

  5. Hauptschulblues meint:

    Am Jakobsplatz hätte man/frau sich beinahe über den Weg laufen können. H.s hatten lang erwarteten Besuch aus Franken und waren mit demselben dort.
    Gute Besserung dem Herrn K. Er soll sich abgewöhnen, in den Schulferien krank zu werden. Aber das hängt wahrscheinlich mit der großen Belastung in den Wochen vorher zusammen.

  6. Trulla meint:

    Oder wie man so schön sagt “eine Hand wäscht die andere“.
    Das geht i.O.
    Das klassische Vitamin B hat seine Grenze, wo andere, besser Geeignete um ihre Chance gebracht werden. Ein frommer Wunsch…

    Jedenfalls eine schöne Idee für die Nifften

  7. Brigitte meint:

    Vielleicht ist es aber auch so, dass es einfach die Freude des „Schenkenden“ist, einem besonderen oder sehr geschätzten Menschen einen Gefallen zu tun? Einfach annehmen und über diese lieben Menschen freuen….besonders, wenn der Koch aus Hessen ist

  8. Der Koch Sebastian meint:

    Das war lustig, als ich gemerkt habe, dass sich die Diskussion um Vitamin B nicht um irgendwas im Trailer dreht, sondern um das zwischen der Kaltmamsell und dem Koch, also mir. Also um Freundschaft, weswegen ich mindestens von Vitamin F reden würde. Und das habe ich sehr in Anspruch genommen.

    Ich meine, wann kriegt man schon mal einen Blankoscheck für den Vitkualienmarkt in die Hand gedrückt und gleich drei Assistenten an die Seite, die einem so begeistert wie engagiert durch’s Gemüse in eine Küche folgen, die alles hat, was es zum guten Kochen braucht. (Noch nie habe ich einen Backofen so schnell verstanden.)

    Und dann siehst Du drei junge Geschwister, die sich ihre Aufgaben wie Volleybälle zuspielen und lernst einiges übers spanische Familienessen und -leben und endlich mal die Leute Deiner Freunde kennen und hast einfach einen schönen Abend und kriegst auch noch was dafür. Und so gut habe ich mit anderen schon lange nicht mehr gekocht – getreu dem Motto „Freundschaft ist, wenn Du dem anderen hilfst, dass sein Leben besser wird.“

    Und das alles nur, weil ich mich vor hundert Jahren hier mit ein paar gewitzten Kommentaren eingeschlichen habe! Also danke fürs Geschenksein und die Gelegenheit, sich selbst wieder ein bisschen besser zu kennen.

    (Ich glaub ja, dass die Kaltmamsell vor allem drauf kam, weil der Koch so persönlich ums Eck war. Das gute alte Ursache-Wirkung-Wasdennjetzt?-Ding also. Dann vielleicht eher Katalysator F? Oder Vitamin I wie Idee?)

  9. die Kaltmamsell meint:

    Awwww, Der Koch Sebastian, <3

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