Journal Montag, 24. Juni 2019 – Gerichtssaal statt Freibad

Dienstag, 25. Juni 2019 um 7:26

Den gestrigen Urlaubstag hatte ich mir ganz anders vorgestellt. Es war ein heißer Tag angekündigt (nachdem ich am Vortag im elterlichen Garten schlagartige Hitze erlebt hatte, zweifelte ich trotz kühlem Morgen – zu kühl für Balkonkaffee – nicht daran), ich wollte im Schyrenbad eine Schwimmrunde absolvieren, mich ein Stündchen sonnen und Musik hören, dann in einem Café am Beginn der Rosenheimer Straße, das beim Vorbeiradeln interessant ausgesehen hatte, frühstücken.

Früh aufgestanden war ich, um Herrn Kaltmamsell vor seinem ersten Arbeitstag nach Ferien guten Milchkaffee zu servieren und mir von ihm den Rücken sonnencremen zu lassen. Bis dahin lief alles nach Plan, auch gemütliches Bloggen, Duschen, Schwimmzeug anziehen und packen hatte ich schon getan, war bereit zum Aufbruch – als das Telefon in meiner Hosentasche vibrierte: Anruf des Amtsgerichts, ihnen war ein Schöffe ausgefallen, ob ich als Hilfsschöffin einspringen könne.

Konnte ich wegen Urlaubs problemlos. Da ich in der Nähe wohne, konnte ich sogar mein Eintreffen in 30 bis 40 Minuten zusagen. Ich zog mich flugs um, schminkte mich, legte Ohrringe an, die ungewaschenen Haare würden wir halt alle aushalten müssen, und radelte an den Stiglmaierplatz zum Amtsgericht. Am Eingang hatte die Anruferin meine Ladung hinterlegt, so kam ich nach Vorzeigen meines Peronalausweises (angestrengter Blick zweier Polizeibeamten, die nicht auf meinen Standardwitz „echt fälschungssicherer Name, was?“ reagierten) ins Gebäude und zum Gerichtssaal. Seit dem Anruf waren tatsächlich nicht mal 30 Minuten vergangen.

Beim Kennenlernen des Falls wähnte ich mich endgültig im Königlich Bayerischen Amtsgericht, an das ich auch vorher hin und wieder hatte denken müssen:1 Er hatte sich auf dem Oktoberfest zwischen zwei Kellnern und einem Gast zugetragen. Diesmal lernte ich unter anderem, dass das Oktoberfest auch in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft und in der Verhandlung „Wiesn“ heißt (die Anklageschrift konnte ich diesmal mitnehmen und archivieren, auch sie erinnerte mich in ihrer völlig alltagsfremden Verquastheit an das Königlich Bayerische Amtsgericht).

Die Verhandlung wurde aus Gründen für 45 Minuten unterbrochen, in denen ich mich mit dem anderen Schöffen in der Kantine ein wenig über unsere bisherigen Erfahrungen austauschte – sehr interessant.

Noch vor ein Uhr waren wir fertig, ich überlegte, wo ich jetzt was essen wollte. Es war tatsächlich sehr heiß geworden, zum Schwimmen war es mir zu spät. Ich begann Hunger zu spüren, nach Hause wollte ich nicht, weil dort noch der Putzmann werkelte. Meine Wahl fiel auf den Liebling Café Puck, innen war es angenehm kühl. Die Kellnerin begrüßte mich wiedererkennend, ich hatte mehr Lust auf Salat denn auf Frühstück.

Zeitung gelesen, Wasser getrunken, den schönen Café-Raum genossen.

Mein Rad stelle ich anschließend in Wohnungsnähe ab, ging für Besorgungen in die Fußgängerzone. Einen Städteführer Utrecht für die Reise ab Dienstag bekam ich auf die Schnelle nicht, hätte ich besser planen müssen. Aber beim Blättern in verschiedenen Niederlande-Reiseführer las ich, glaube ich, schon mal das Wichtigste.
Abends sah ich auf Twitter, dass die sehenswürdigste Sehenswürdigkeit ohnehin nicht in den Reiseführern steht. (Ich werde selbstverständlich fürs Techniktagebuch berichten.)

Daheim erneute Sorge um meinen Rechner: Morgens hatte ich ihn ausgeschaltet vorgefunden, obwohl ich ihn am Vorabend sicher nicht ausgeschaltet hatte. Zudem musste ich den An-Knopf mehrfach lange drücken, bis der Rechner hochfuhr. Jetzt zeigte er mir beim Aufklappen einen schwarzen Bildschirm mit der Meldung in vielen Sprachen, der Rechner müsse wegen „eines Problems“ neugestartet werden. Das wurde er, bevor ich diese Meldung irgendwie sichern konnte, und sei es durch abfotografieren – sie hatte so gar nicht nach Apple ausgesehen. Ein Back-up mit Time Machine hatte ich gerade erst gemacht, dennoch ist mir ausgesprochen unwohl.

Ich begann das Packen für Utrecht (angekündigt ist Hochsommerhitze), unter anderem auf Verdacht Tampons: Ich bin in Tag 47 meines Zyklus‘, hege aber diesmal keine Hoffnung auf Menopause, weil ich seit zwei Wochen wieder höchst unangenehme prämenstruelle Brustschmerzen habe (oder könnte sowas nach Menopause plötzlich Dauereinrichtung bleiben?!).

Herr Kaltmamsell hatte den Nachmittag auf eigenen Wunsch in der Küche verbracht und dort erst eine Blumenkohllasagne zubereitet:

Gerösteter Blumenkohlhack.

Blumenkohllasagne.

Außerdem stundenlang Kirschen aus dem Elterngarten entkernt und zwei Cherry Pies gebacken. Davon gab es ein Stück zum Nachtisch.

Wir konnten Fenster und Türen schon um neun wieder öffnen; da die Hitze noch nicht alle Mauern und Häuser getränkt hatte, sanken die Temperaturen am Abend merklich.

  1. Jaha, ich weiß: Diese Assoziation macht mich älter als es meine grauen Haare je könnten. []
die Kaltmamsell

8 Kommentare zu „Journal Montag, 24. Juni 2019 – Gerichtssaal statt Freibad“

  1. Neeva meint:

    Jetzt weiß ich, was ich heute Abend aus dem Blumenkohl mache! :-)

  2. Angela meint:

    Auf ihren Wiesn Tweet gestern auch sofort die Assoziation Königlich Bayerisches Amtsgericht gehabt :+)) Lang lang ist’s her.

    Zum Abkühlen morgens 6:45-10 und abends 18:00-20 banenzwemmen.
    https://www.zwembaddekrommerijn.nl

  3. Thomas S. meint:

    Königlich Bayerisches Amtsgericht <3 <3 <3 – made my day! In den 90ern liefen mal Wiederholungen, und ich fand die Serie immer noch genial, auch wenn ich als Preuße Vieles nicht verstand.

  4. Roland B. meint:

    Das dürfte eine Kernel panic gewesen sein, mit der vier- oder fünfsprachigen Meldung, darunter auch chinesisch.
    Deutet meistens auf einen Hardwareschaden hin. Kann auch eine inkompatible Kernel extension sein, da müsste man aber vorher irgendetwas installiert haben.
    In den Foren findet sich einiges, wie man damit umgeht. Softwareproblem kann man testen, indem man im Sicheren Modus bootet, da werden u.a. alle non-apple-Extensions abgeschaltet. Booten im Single user modus sollte auch gehen, da könnte man gleich die Verzeichnisstruktur reparieren.
    Ansonsten NVRAM- und MSC-Reset (modellabhängig, wird auf Apples Supportseiten beschrieben. Und eventuell dann den Hardwaretest durchlaufen lassen (ältere Rechner von der zweiten DVD starten, neuere mit gedrückter D-Taste (oder cmd-D ?).

  5. die Kaltmamsell meint:

    Vielen Dank, Roland B., so wie Kernel Panic sah die Meldung aus. Dann gehe ich dem mal nach (und fürchte mich nicht mehr vor einem externen Angriff).

  6. Sebastian meint:

    Haha, das Gespräch mit Roland B. ist ein klarer Fall für mein Nicht-Techniktagebuch, Kategorie „Wenn der ITler kommt und mein Verstand geht“. Ja, so niedrig ist mein Level.Zum Glück hat die Kollegin mitgehört und mirs dann nochmal erklärt.

    Blumenkohllasagne – bitte Rezept für Lehrplan

    Utrecht – wundervoll

  7. Herr Kaltmamsell meint:

    Das Rezept ist von hier: https://salzkorn.blogspot.com/2011/10/robertos-blumenkohllasagne.html (beziehungsweise da: https://lamiacucina.blog/2010/12/09/wie-blumenkohl-zu-fleisch-wird-blumenkohl-bolognese-lasagne/). Lasagneblätter tatsächlich unbedingt vorkochen, oder vielleicht auch nur flüssigere Blumenkohlbolognese, sonst wird die Pasta nicht durch. Bei uns noch extra Mozzarella, weil Käse, und oben Parmesan, Semmelbrösel und Öl.

  8. Roland B. meint:

    Hallo Sebastian,
    danke der Ehre, aber ich bin kein kompetenter ITler. Alles angelesen (in den fernen Achtzigern hab ich schon mal ein wenig programmiert – damals aber dank eines genialen Programmiersprachenentwicklers total simpel, ganz ohne geschweifte Klammern und Definition und komische Syntax).
    Und zum Glück seit vielen Jahren nie mal testen müssen.
    Ist aber heute ja gar nicht sooo kompliziert – Foren sei Dank. Bei MacUser, ApfelTalk oder anderen gibt es immer Hilfe. Präzise Beschreibung sollte natürlich sein, also welches System usw., welche Hardware, wann trat der Fehler auf, was wurde vorher gemacht (je nachdem natürlich, was genau passiert ist).
    Für Windows-, Linux-, BSD-Benutzer gibt es sicher ähnliches.
    Bei Macs ist aktuell wirklich wichtig, das benutze System anzugeben und die Formatierung der Platte – Apple hat da einiges heftig geändert.
    Formatierung sieht man im Festplattendienstprogramm (à l’Anglaise: Disk Uitility), vieles Nützliche zum Rechner und zum System im Apfelmenü (ganz links) via „Über diesen Mac“ und dann weiter, Systembericht oder so ähnlich, bis man so gut wie alles angezeigt bekommt.

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