Journal Mittwoch, 7. August 2019 – Schlafstörende Behütung

Donnerstag, 8. August 2019 um 6:42

Unruhige Nacht. Kurz vor Mitternacht weckte mich lautes Rufen draußen, das von einer Unterhaltung mehrer Männerstimmen abgelöst wurde, freundlicher Tonfall, aber in Bierzeltlautstärke. Vom Wohnzimmerfenster aus sah ich im Hinterhof fünf Herren des Ordnungsdiensts des Kreisverwaltungsreferats mit Taschenlampen um einen Zivilisten stehen (der einzige mit leiser Stimme), der möglicherweise im Gebüsch übernachten wollte. Was mich deutlich weniger gestört hätte als das Rufen.

Um zwei wurde es nochmal laut, wieder Rufen, diesmal von der Straße. Nach diesem erneuten Wecken schlief ich sehr lang nicht wieder ein. Es war nicht das erste Mal (auch nicht erst das zweite oder dritte), dass mich der Jagdeifer dieses Ordnungsdienstes (eingerichtet, weil viele Anwohnende sich durch die Menschen und den Drogenhandel im Nußbaumpark bedroht fühlen) nachts aus dem Bett hebelte. Ich werde mir ein Herz fassen müssen und bei offizieller Stelle um Schonung des Nachtschlafs der Menschen bitten, die der Ordnungsdienst behüten soll.

Der Tag begann noch gemischtwolkig, ich genoss den Fußmarsch in die Arbeit.

Dass ein besonders emsiger Treff der Wohnungsflüchtlinge im Viertel mit morgentlicher Bierflasche in der Hand die Bank vor dem Institut für Rechtsmedizin / Walther-Straub-Institut für Toxikologie ist, sollte dringend in einem launigen Roman fiktionalisiert werden.

Mittags gab es den am Vortag zubereiteten Salat aus gekochtem Buchweizen, frischen grünen Paprika, Tomaten, Thymian und Emmentalerstückchen. Ich war vor Ende der Portion satt, hatte so noch einen Snack für nachmittags.

Es regnete immer wieder, auch auf meinem Heimweg brauchte ich einen Schirm. Herr Kaltmamsell hatte keine Lust gehabt zu kochen – was bedeutete, dass er lediglich ein Rezept für Champignonsalat ausprobiert hatte (Hinweis von mir) und sonst Käse, Brot, Tomaten, Wassermelonen servierte.

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Schabernack auf Twitter, zusammengefasst vom Online-Magazin watson:
„Wenn Frauen über Autoren schreiben, wie sonst nur Männer über Autorinnen schreiben“.

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Die großartige Celeste Barber, die als durchschnittlich geformte Normalfrau die Posen von Modelschönheiten nachäfft, hat es auf ein Vogue-Cover geschafft. Und zeigt hier ein paar Szenen hinter den Kulissen der Fotoaufnahmen.

die Kaltmamsell

8 Kommentare zu „Journal Mittwoch, 7. August 2019 – Schlafstörende Behütung“

  1. Frau Klugscheisser meint:

    Der Nussbaumpark ist kein gefährliches Pflaster im Unterschied zu anderen Orten. Wer ein bisschen Gras kaufen möchte, macht das unauffällig. Und wer stört sich denn am Schwulenstrich? Ein bisschen mehr Licht kann die Situation auch auflösen, s. Park im Westend. Dass Randgruppen nicht sein dürfen in unserem sauberen München, beobachte ich an einem Beispiel vor der Türe.

  2. die Kaltmamsell meint:

    So ist es, Frau Klugscheisser, doch in den vergangenen Bürgerversammlungen beschwerten sich immer wieder Anwohner (es gab auch ein stichhaltiges Argument gegen noch mehr Lampen, aber das habe ich vergessen). Ich war höchst erstaunt, als die Nachbarin von gegenüber berichtete, sie werde dort „ständig“ angepöbelt. Polizeirazzien gibt es im Nußbaumpark seit vielen Jahren.

  3. Melanie meint:

    Celeste Barber ist wirklich großartig!

  4. Ev meint:

    Mein Sternchen nicht für die enervierende Nachtstörung, sondern für die grossartige Celeste, deren Cover mir ansonsten wohl entfleucht wäre.
    Mit liebem Gruß, Ev

  5. Stefan meint:

    Hatte das Argument gegen weitere Lampen vielleicht mit Insekten zu tun?
    Jedenfalls wünsche ich angenehmere Nachtruhe in den kommenden Tagen.

    Der Bericht über den Ordnungsdienst hat mich sofort an diese launige Podcast-Folge über den Buddha von Oakland erinnert.
    https://99percentinvisible.org/episode/hes-still-neutral/
    Dan Stevenson, der besagten Buddha aufstellte, berichtet davon, wie er einen nächtlichen Störenfried vor seinem Haus lieber selbst überzeugte, doch bitte weiterzuziehen, anstatt die Polizei zu rufen, was ihn letztendlich mindestens zwei weitere Stunden seiner Nachtruhe gekostet hätte.

  6. Simone meint:

    Vielen Dank für den Verweis auf Celeste Barber, die mir bisher leider völlig entgangen ist. Habe mir ihren Account angesehen und laut gelacht dabei, wirklich ganz großartig. Frau Barber hat einen neuen Fan.

  7. Elisabeth meint:

    #dichterdran habe ich komischerweise nur am Rande wahrgenommen, daher besten Dank für den Link. Mein Zwerchfell musste gerade sehr heftig arbeiten, großartige Tweets!

  8. Pfiffika meint:

    bei #dichterdran fühle ich mich an Brantenbergs „Töchter Egalias“ erinnert.

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