Journal Donnerstag, 31. Oktober 2019 – Schuhfreude

Freitag, 1. November 2019 um 8:47

Unruhige Nacht, jetzt aber wieder nur wegen Schmerzen.

Herrn Kaltmamsell ein letztes Mal Morgenkaffee gebracht, bevor er sich in die 1930er und metaphysischen Wahnsinn stürzt. Mit dem Rad in die Arbeit (Schal, Mütze Handschuhe), um Abends nach dem Reha-Sport schnell heim zu kommen.

Neues Kleid und neue Schuhe (Direktkauf von der britischen Tracey Neuls, von der ich mir vor Jahren in Brighton diese Prachtexemplare geleistet hatte, die sich als bequem und sehr hochwertig erwiesen). Die Stiefelchen bereiteten mir viel Freude – es passen sogar Einlagen rein! es war eine gute Idee, mir diesmal auf den Rat der Sprechstundenhilfe nach 15 Jahren Einlagen statt einem zweiten Paar für Sportschuhe ein zweites besonders dünnes Paar machen zu lassen. Doch das Kleid sitzt weder hinten (Ausbeulung auf Höhe Hohlkreuz) noch vorne (zu wenig Stoff auf Brusthöhe) – ich begehrte es beim Anprobieren wohl so sehr, dass ich die Mängel der Passform übersah.

Ein grauer Tag. Mittags Gurke und rote Paprika mit einem Stückchen Käse, Hüttenkäse mit ein paar Löffeln Latwerge. Nachmittagssnack ein Stück Eiweißriegel.

Reha-Sport begann wieder mit einer Einheit Progressiver Muskelentspannung. Diesmal legte ich mich auf eine der schmalen Liegen, doch die Anweisung, meine Gedanken zu „leeren“, „ganz bei sich“ zu sein, funktionierten in der Umgebung nicht. Es ist vermutlich sinnvoller, ich übe die Technik daheim und in echter Ruhe – ohne grässliche Musik und ohne Programm im Anschluss. Das gestern aus einer Runde Gerätepark bestand, die ich so zügig wie möglich absolvierte, also mit nur fünf Minuten Aufwärmen, ohne im Zweifel weitere Wiederholungen draufzulegen, mit Abkürzung der Pausen zwischen den Sätzen – ich wollte nämlich bittegerne heim.

Beim Heimradeln dann doch noch ein schneller Abstecher in den Edeka: Milchvorrat, Suppengemüse. Ich hatte nämlich geplant, am Freitag aus dem angekündigten Ernteanteilschwarzkohl Caldo Verde zu bereiten, Herr Kaltmamsell hatte bereits Suppenfleisch besorgt. Doch daheim fand ich auch eine ordentliche unangekündigte Portion Spinat im frisch geholten Ernteanteil vor: Ich plante um, Freitag gibt es Spinat und frisch gekochtes Suppenfleisch, Caldo erst am Samstag. Gestern Abend gab es den Salat aus Ernteanteil mit Orangen-Tahini-Dressing, dann Sandwichtoast mit Butter und Orangenmarmelade.

Nachdem ich auf Twitter die verschiedenen Ausprägungen des deutschen Halloween-Feierns gelesen hatte (auf der Theresienhöhe waren zahlreiche Kindergrüppchen mit Erwachsenenaufsicht unterwegs), begann ich im Bett auf meinem Kindle das nächste Buch für die Leserunde: Bill Hayes, Insomniac City: New York, Oliver, and Me.

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Schon lange weisen Forscherinnen und Forscher darauf hin, dass gewalttätiger Rechtsextremismus immer massive Frauenfeindlichkeit enthält, dass Antifeminismus oft das verbindende Element beim Start der Radikalisierung ist. Auf Tagesschau.de fassen Robert Bongen und Katharina Schiele zusammen:

„Rechtsextremismus
Feminismus als Feindbild“.

Helm hat festgestellt, dass der Hass auf Frauen ein verbindendes Element in der Gedankenwelt von rechtsextremistischen Attentätern ist. Auch der Attentäter von Christchurch, der im März in Neuseeland 51 Menschen ermordet hatte und den der Täter von Halle als Vorbild bezeichnet, gab in seinem „Manifest“ dem Feminismus die Schuld, dass Frauen nicht genug Kinder bekämen und es deshalb zu einem „Bevölkerungsaustausch“ mit den Muslimen komme.

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„Die vergessenen Kinder des Krieges: Ajna Jusić wurde bei einer Vergewaltigung gezeugt“.

via @vonhorst

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Sie erinnern sich an Sean Spicer? Den früheren Trump-Sprecher? Dumme Frage, natürlich erinnern sie sich (allerdings vermutlich wie ich viel lieber an sein Alter Ego in Saturday-Night-Live, Melissa MacCarthy). Seit einigen Wochen nimmt Spicer an der Show Dancing with the stars teil – und schafft es, die vertrauten Mechanismen der Lüge und des Betrugs sogar in dieser harmlosen Unterhaltung wirkungsvoll einzusetzen (und Trevor Noah ist richtig gut geworden!):

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https://youtu.be/UW24yps3Ti4

die Kaltmamsell

6 Kommentare zu „Journal Donnerstag, 31. Oktober 2019 – Schuhfreude“

  1. Anne meint:

    Guten Morgen,liebe Frau Kaltmamsell
    Ich verfolge regelmäßige ihren kurzweiligen Blog und mich würde interessieren, ob ihre Ernährungsgewohnheiten einem Konzept folgen, oder sich eher nach Ernteanteil, Wind und Wellenschlag richten .
    Einen erholsamen und schmerzarmen Feiertag wünsche ich ihnen vom Bodensee
    Herzliche Grüße
    Anne

  2. die Kaltmamsell meint:

    Kein Konzept, Anne: Worauf ich Lust habe, was da ist (Ernteanteil! saisonal, regional), Absicht ist in letzter Zeit nur die Reduktion von Fleisch und Fisch.

  3. Regina meint:

    Das Kleid, die Kleidung von Poetry und der link zu Tracy Neuls : DANKE,
    soo schöne Sachen. Da werde ich mir ein Geburtstagsgeschenk leisten

  4. Trulla meint:

    Danke für die interessanten Links.

    Beide Artikel haben die Gemeinsamkeit, die Opferrolle, die den Frauen seit je zugedacht ist, herauszustellen. Im faschistischen Gedankengut und in jedem Krieg werden Frauen besonders gedemütigt.
    So gut tut es zu lesen, dass eine junge Frau sich dagegen auflehnt und offensiv die Diskriminierung der unschuldigen Mütter und ihrer Kinder zurückweist.
    Gerade derzeit hat man das unheimliche Gefühl, dass sich Geschichte wiederholen könnte.
    Wenn wir uns nicht wehren!

    Mich macht so wütend, wie schon wieder herumgeeiert wird nach der Thüringen Wahl. Da ist bei der AfD nichts Bürgerliches mehr sichtbar, der Faschist Höcke stellt die Mitte der Partei dar nach Aussage von Gauland und Teile der CDU denken laut nach über Gespräche. So hat es schon einmal angefangen.

  5. Daniela meint:

    Schade um das schöne Kleid! Zumindest das Problem im Kreuz kann aber eine versierte Änderungsschneiderei einfach mit Abnähern beheben. Vielleicht würde das ein wenig mehr Wohlbefinden schaffen.

  6. Christina meint:

    Sehr hübsches Kleid! Sieht so aus, als wäre die von Ihnen als mangelhaft empfundene Passform auch bei den Models so (die wahrscheinlich die Größe 32 tragen …). Vielleicht ist es so gewollt?

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