Journal Donnerstag, 23. Januar 2020 – Kampf dem Hüftschmerz!

Freitag, 24. Januar 2020 um 6:53

Früher Wecker, damit ich früh in die Arbeit kam, um vor dem Orthopädentermin noch Dinge wegschaffen zu können.

An der Anmeldung der Artpraxis wurde mir angeboten, die übermittelte MRT-Diagnose für meine eigenen Unterlagen auszudrucken (gute Idee!). Jetzt weiß ich also, dass das MRT auch eine Zyste im Gelenk sichtbar gemacht hat.

Dr. Orth 2 rekapitulierte gründlich alles bisher Erhobene und nahm die MRT-Diagnose dazu. Erst mal galt es demnach, die Entzündung zu bekämpfen: Spritze vor Ort, dann ein paar Tage Ibu-Geballere. Wenn das nicht hilft, wird in vier Wochen zu Spritze unter Durchleuchtung mit Kontrastmittel im OCM eskaliert. Meine Sorge, ich könnte mir das alles durch Fehlverhalten selbst eingebrockt haben, nahm er mir, als ich jammerte, dass eine künstliche Hüfte doch was für alte Menschen sei: Ach, es gebe schon 20-jährige, die eine neue brauchten.

Die Einstichstelle für die Spritze markierte Dr. Orth 2 nach Ultraschall und Knochentasten auf meiner Haut mit dem Kuli aus seiner Hemdtasche – wie man das halt beim Handwerken an der Wand macht, kenne ich. Dass man die Schreibtauglichkeit des Kulis erst mal ausprobiert, kenne ich auch – aber dass Herr Doktor das auf meinem Oberschenkel tat, irritierte mich.

Ich fragte den Arzt (samstägliche Anweisung von Herrn Kaltmamsell) auch zu genaueren Modalitäten empfohlener/erlaubter Bewegung: Möglichst wenig, was Schmerzen bereitet, zur Kräftigung lieber Halteübungen, und wenn Schwimmen geht Schwimmen. Na, geht doch.

Die Teilnahme an einer vormittäglichen Besprechung, bei der ich stehen musste und merkte, dass das nach der Spritze gar nicht gut tat, brach ich also kurzerhand ab – die Infos bekomme ich schon noch.

Mittagessen: Quark mit Orange und einer Hand voll Nüssen.

Und dann hatte ich gleich noch ein Orthopädiegespräch: Abschlussuntersuchung der Nach-Reha! Und als läse das Reha-Zentrum hier mit, saß mir eine ÄrztIN gegenüber. Die musste halt die Checkliste der Rentenversicherung abarbeiten und nahm meine Antworten „Deutlich schlechter, weil die Prämisse der ganzen Maßnahme falsch war“, „Ja, arbeitsfähig“ recht ungerührt auf. Ich zwang ihr ein paar Detailinformationen auf, inklusive der über die morgentliche Spritze, woraufhin sie mit Blick auf die anstehende Gymnastik- und Geräterunde doch nachdachte: Diese solle ich dann aber bitte nur sehr vorsichtig absolvieren, kein Risiko eingehen. Und mich überhaupt jetzt nach der Spritze ein paar Tage sehr schonen. (Die war doch von Herrn Kaltmamsell gezahlt!) Aber bitte: Ich ließ die beiden Geräte aus, die die Hüftmuskulatur beanspruchen.
Diese Frau Dr. Orth wies mich zudem eindringlich an, künftig die Hüftmuskulatur zu dehnen und Faszien zu lockern: Bei einem irgendwann anstehenden Ersatz des Gelenks wäre es sehr abträglich, wenn dann die Muskeln verkürzt seien.

Daheim hatte Herr Kaltmamsell schon fast fertig gekocht, ich musste nur noch die Einbrenn für das Karotten-Kartoffel-Kohlrabi-Gemüse machen und das Dressing für den Feldsalat (alles aus eben geholtem Ernteanteil). Nachtisch war Vanilleeis mit geschenktem selbst gemachten Eierlikör.

Im Bett Ali Smith, Autumn, angefangen, dass nächste Leserundenbuch.

§

Vanessa Giese weilt nun schon die dritte Woche auf Erholungsurlaub auf La Gomera und bloggt davon, unter anderem mit wundervollen Fotos. Gestern erzählte sie:
„Tag 19 auf La Gomera: Flow“.

Gebe ich mich kreativer Arbeit hin, braucht es einen langsam Start, ein Eingrooven. Die gute Phase kommt ohnehin erst am Abend. Hektik hilft hier nicht.

Nun gehöre ich ja zu den Lerchen und bin am kreativsten sowie produktivsten früh morgens (don’t @ me, man sucht sich’s nicht aus). Was zur Folge hat, dass es während der Morgentoilette gern mal hektisch wird, weil ich zum eben niedergeschriebenen Blogpost weitere ungemein wichtige und supertolle Gedanken habe, die ich dringend noch einfügen will, bevor jemand kommentiert (meine ungeschriebene und nicht wirklich logische Regel: So lange niemand kommentiert hat, darf ich unmarkiert ändern). Also saß ich schon halbabgetrocknet und mit nassen Haaren auf meinem Bett und tippte ganz schnell, was mir gerade noch eingefallen war.

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Vergangene Woche in der Süddeutschen gelesen: Interview mit dem Mitarbeiter der Ausländerbehörde, über den Saša Stanišić in Herkunft ausführlich schreibt:
„Der Mann, der Saša Stanišić vor der Abschiebung bewahrte“.

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Nach 50 Jahren wurde Charles Dickens‘ David Copperfield neu verfilmt, die Besprechung in der Irish Times verspricht Großes:
„The Personal History of David Copperfield: Armando Iannucci delivers a minor miracle“.

The film begins in a theatre with the adult David (Dev Patel) reading the completed novel – or do we mean autobiography? – to a keen audience. That conceit allows the script to self-consciously correct itself as it misremembers and edits its own source material.

(…)

The most striking innovation is the diverse casting. It’s important to clarify what’s going on here. Cinematic depictions of 19th century London have traditionally underestimated the city’s racial variety, but the filmmakers are doing something more than merely reflecting contemporaneous demographics. Patel’s David is apparently the only person of South Asian descent in his immediate family. Steerforth (Aneurin Barnard) is white. His mother (Nikki Amuka-Bird) is black. The film profits from the sort of “racially blind” casting – and it does profit – that has long been commonplace in theatre. No term better sums up the Dickensian aesthetic than “generosity” and the busy clatter of cultures yells that word throughout.

Und der Trailer sieht gut aus!

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https://youtu.be/oHG7FnBDY0Q

via @hughlaurie

die Kaltmamsell

6 Kommentare zu „Journal Donnerstag, 23. Januar 2020 – Kampf dem Hüftschmerz!“

  1. Frau Klugscheisser meint:

    meine ungeschriebene und nicht wirklich logische Regel: So lange niemand kommentiert hat, darf ich unmarkiert ändern
    Ebenfalls!

  2. nochEinGlasWein meint:

    „Die Teilnahme an einer vormittäglichen Besprechung, bei der ich stehen musste … “ – und da dürfen Sie nicht sagen „sorry, ich hab da ein Problem, ich muss heute mal sitzen“? Das wäre dann aber eine schlimme Runde und schlimme Kollegen!

  3. marthe meint:

    Wußte der Arzt als er Ihnen „schwimmen“ erlaubte, dass Sie 3000m am Stück schwimmen?

  4. die Kaltmamsell meint:

    Hihihi, marthe. Er betonte, dass es nur ganz, ganz wenige Menschen gebe, die sich zu viel bewegen. (Bei dem bleibe ich, glaube ich.)

  5. arboretum meint:

    Dass man die Schreibtauglichkeit des Kulis erst mal ausprobiert, kenne ich auch – aber dass Herr Doktor das auf meinem Oberschenkel tat, irritierte mich.

    Darüber hätte ich wohl unwillkürlich lachen müssen. Womöglich wollte er eher ausprobieren, ob der Kuli auch auf Ihrer Haut schreibt.

    Was Sie von ihm sonst so erzählen, klingt übrigens gut.

    Falls Herr oder Frau Doc Ihnen keine bestimmten Übungen im Hinblick auf Hüftbeuger dehnen sowie Faszienrolle empfohlen bzw. verboten haben, sind vielleicht die beiden Videos von Liebscher & Bracht nützlich:

    Übungen gegen Hüftschmerzen und Vermeide diese 2 Fehler beim Faszienrollen unbedingt – wobei man hier dazu sagen muss, dass die Venenklappen der tatsächliche Grund sind, warum man das Hin- und Hergerolle vermeiden sollte – immer nur zum Herzen hin rollen, und ja, langsam, auch wenn das mehr wehtut.

  6. Sybille meint:

    Falls Sie doch mal das mit dem „Schwimm-Spielzeug“ ausprobieren möchten: Mit einem Pull Buoy (und ggfs. einem Fussband) lässt sich der Kraulbeinschlag zeitweise wegnehmen und so das Schwimmvergnügen vielleicht etwas länger ausdehnen.

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