Journal Montag, 23. März 2020 – Suche nach Alltagsrhythmus unter Pandemiebedingungen

Dienstag, 24. März 2020 um 6:11

Nach gutem Schlaf nahezu frisch aufgewacht. Die Yoga-Einheit empfand ich als besonders wohltuend.

Mit dem Rad in die Arbeit. Es war sonnig und fast beißend kalt, alle Pfützen auf der Theresienwiese gefroren. Der Platz und die Straßen wenig belebt, aber ich empfand die Stimmung eher als Sommerferien denn Apokalypse.

Arbeiten unter den veränderten Bedingungen lief gut, ich war deutlich emsiger als erwartet. Als mich heftigen Hunger biss, sah ich irritiert auf die Uhr: Kein Wunder, es war unbemerkt bereits deutlich Mittagspause durch – das war mir schon sehr lange nicht mehr passiert. Mochte daran liegen, dass mein Zeitgefühl nicht durch Mittagessengrüppchen Richtung Kantine justiert worden war. Ich aß eine nackte Semmel vom Vortag, Apfel, Mango, Mandarine.

Wahlhilfe Teil II: Nächsten Sonntag wird das Münchner Oberbürgermeisteramt durch Stichwahl besetzt. Wege der aktuellen Pandemie gibt es nur Briefwahl, keine Wahllokale, und irgendwie hat das dazu geführt, dass die Wahlhelfenden der Kommunalwahl nicht automatisch wieder eingeteilt wurden, sondern sich online neu anmelden mussten. Hätte ich gemacht, doch ich bekam nur Fehlermeldungen. Als ich es über einen anderen Zugang versuchte, hatten sich bereits genügend Freiwillige gemeldet – an sich ja wunderbar.

Nachmittags Hüttenkäse. Eher früh Feierabend gemacht, durch zapfige Kälte nach Hause geradelt.

Bei meiner Heimkehr war noch eine Weile hin zum Abendessen, zur Überbrückung machte ich uns Sahnecocktails (Green Monkey) und aß eine von zwei Wild-Kaminwurzn, die Herr Kaltmamsell beim Einkaufen auf dem Viktualienmarkt geschenkt bekommen hatte.

Mein Friseur, bei dem ich am Dienstag eigentlich Termin hätte und den es bereits ziemlich braucht, meldete sich: Zu meiner Freude fanden wir einen Weg, dass ich ihm Ausfallhonorar überweisen kann.

Herr Kaltmamsell fragte mich, ob die vier Zehen Knoblauch in Ordnung seien, die das Rezept fürs Abendbrotgericht vorsah. Ich hatte keine Einwände: Wer sie Tags drauf im Büro riecht, hält nicht genug Abstand!

Herby Polenta With Corn, Eggs and Feta – mit halb so vielen Eiern. Schmeckte sehr ungewöhnlich, aber auch sehr gut, frische Maiskörner in Polenta sind allein von der Textur eine großartige Sache. Ich habe schon großes Glück, dass Herr Kaltmamsell Abend für Abend solche Umstände auf sich nimmt – für die er ja auch auswändig einkaufen muss.

die Kaltmamsell

5 Kommentare zu „Journal Montag, 23. März 2020 – Suche nach Alltagsrhythmus unter Pandemiebedingungen“

  1. Joël meint:

    Wild-Kaminwurzn musste ich googeln. Gibt es bei uns so nicht. Es gibt hier aber etwas ähnliches aus den belgischen Ardennen, das sich ’saucisse de marcassin‘ oder ’saucisse de sanglier‘ nennt, also Wildschweinsalami.
    Oder ist das wieder was anderes?

  2. die Kaltmamsell meint:

    Kaminwurzen, Joël, sind handliche, kleine und trockene Brotzeitsalamis, die geräuchert wurden – konnte man unverpackt in die Hosentasche schieben. Und diese waren aus Wildfleisch hergestellt. Eine weitere Bezeichnung, die ich aus Bayern kenne, ist „Landjäger“.

  3. Simone meint:

    Ja, Ihren Herrn Kaltmamsell, den kann man gar nicht genug loben!

  4. Sandra meint:

    Die Knobi-Entschuldigung ist super!

  5. Sigourney meint:

    Physical distancing mit Knoblauch prüfen, die Idee ist super.


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