Journal Mittwoch, 1. April 2020 – Pandemie bremst Postverkehr

Donnerstag, 2. April 2020 um 6:19

Tief und gut geschlafen, es war so schön.

Gemütliche Runde auf dem Crosstrainer. Ich versank so tief in Nachdenken über Brave New World, dass es mir schwerfiel, nach 30 Minuten aufzuhören.

Beim Radeln in die Arbeit war es in der Sonne nicht mehr ganz so kalt.

Im Büro sehr kurzgetaktete Emsigkeit. Sie kennen das, wenn Sie sich alle zehn Minuten neu sammeln müssen: Wo war ich?

Mittags Quark und Hüttenkäse mit Orange, nachmittags eine Hand voll Nüsse. Ich vermisse den guten Arbeits-Cappuccino.

Unerwartete Pandemie-Folgen: Ein ganzer Stapel Aussendungen nach Indien kam mit diesen Aufklebern zurück.

Ohne Umwege heimgeradelt, in der Sonne waren Bavariapark und Theresienwiese weiterhin gut besucht.

Fürs Abendessen war ich zuständig: Es gab Kaiserschmarrn, der mir besonders gut weil fluffig geriet.

Aus der Tagesschau erfuhr ich unter anderem, dass die Beschränkungen des öffentlichen Lebens deutschlandweit bis 19. April verlängert werden.

Abendunterhaltung Kultur: Arte zeigte Das Mädchen Wadjda – jetzt weiß ich also auch, wie dieser hochgerühmte Film aussieht. (Und musste sehr an den cinephilen Studienfreund denken, der diese Sorte ungelenker, aber ungemein gut gemeinter Filme mit „usbekische Autorenfilme mit Untertiteln“ zusammenfasste.)

§

Margaret Atwood schreibt als Literaturwissenschaftlerin (denn das ist die Kanadierin ja auch – möglicherweise habe ich noch nicht oft genug erwähnt, dass einer meiner Uni-Kollegen an der Universität von Toronto ein Büro mit ihr teilte, wir also über nur ein Eck praktisch Kolleginnen waren) 2007 zum 75. Jahrestag im Guardian ein wundervolles Essay über Brave New World:
„‚Everybody is happy now'“.

Und hier wurde ich auf der Suche nach Rezeptionsgeschichte zu Brave New World fündig:
„Brave New World at 75“.
Kurzfassung: Die intellektuelle Welt war bei Erscheinung überwiegend empört.

Wells’s friend and fellow writer Wyndham Lewis called it “an unforgivable offense to Progress.”

die Kaltmamsell

2 Kommentare zu „Journal Mittwoch, 1. April 2020 – Pandemie bremst Postverkehr“

  1. chatts meint:

    Gestern, am 1.April, gab es eine Radiomeldung: In Panama wären die Ausgangsbeschränkungen verschärft worden.
    Frauen dürften Montags, Mittwochs und Freitags das Haus verlassen- Männer Dienstags, Donnerstags und Samstags. Sonntags hätten alle zuhause zu bleiben.

    Als Lektüre habe ich grade Atwoods „Die Zeuginnen“, daher bin ich der Meldung voll aufgesessen. Ich war ziemlich empört!
    Hat eine halbe Stunde gedauert…

  2. chatts meint:

    Das war kein Aprilscherz, Peru handhabt es jetzt auch so.
    Die Süddeutsche berichtet heute darüber.


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