Journal Samstag, 16. Mai 2020 – Küchentag

Sonntag, 17. Mai 2020 um 8:24

Ausgeschlafen, also kurzer Tag. (Schon wieder mit Kopfweh aufgewacht.) Draußen hörte ich erst mal einen Buchfinken, bis die Mönchsgrasmücke wieder lautstark übernahm.

Nach Bloggen und Twitterlesen zog ich Sportklamotten an, erst mal die tägliche Kräftigungsrunde. Dann – SEEEEEEEUUUFFFZ – Klo, Bad, Küche gründlich geputzt (Herr Kaltmamsell hatte schon am Vortag alle Böden gesaugt und gewischt – eigentlich nicht die optimale Wohnungsputz-Reihenfolge, aber jeder/jede macht halt, wenn’s grad passt).

Zur Belohnung gab’s eine Stunde Crosstrainer mit Filmmusik auf den Ohren, unterbrochen durch Brotbacken. Gestern erzeugte ich nach Langem mal wieder einen astreinen Türstopper:

Das sollte eigentlich Terra-Madre-Brot werden. Ich hatte den Teigling anweisungsgemäß über Nacht im Kühlschrank gehen lassen, doch da er morgens keinerlei Volumenvergößerung gezeigt hatte, ihm noch fünf Stunden Stückgare bei Zimmertemperatur gegeben – keine Veränderung. Dann wurde es mir zu bunt und ich schob ihn in den Backofen.

Essen konnte man das zum Glück: Das Innere war nicht sulzig, sondern lediglich sehr dicht geport. Doch angepeilt hatte ich etwas Anderes. Eine Chance kriegt der Lievito Madre noch als Triebmittel, nämlich morgen mit der anderen Hälfte des Teigs, die dann doppelt so lange bei Zimmertemperatur gegangen ist.

Zum Frühstück also zwei Scheiben des missglückten Brots. Herr Kaltmamsell hatte mittlerweile die Wochenendeinkäufe erledigt. Ich ging nach dem Frühstück auch noch raus, um an einem Obststandl Erdbeeren zu besorgen. Es war strahlend sonnig, aber kühl.

Die Sendlinger Straße bevölkert wie vor Corona.

Ich las die Wochenend-SZ-, dann war schon wieder Zeit für Küche bis zum Abend. Ich machte zum Abendbrot Ricotta-Tomaten-Tarte, verlängert durch eine Stange Lauch aus Ernteanteil, die ich dafür schnippelte und andünstete. Außerdem knetete und rollte ich für Übernacht-Gehen die Zitronenschnecken von Anke Gröner: Auch mir sind alle meine bisher selbst gebackenen Zimtschnecken eigentlich zu trocken, und diese Zitronenschnecken werden als ganz besonders saftig angepriesen. Zum Nachtisch schnippelte ich die hervorragenden heimischen Erdbeeren.

Die Tarte war warm deutlich instabiler als sonst: Das mit dem Lauch hatte die Chemie der Füllung durcheinander gebracht. Sie schmeckte allerdings sehr gut. Und dann erst die Erdbeeren!

Vielen Dank für all Ihre Hinweise und Vorschläge zu meinem Sportgerät-Stauproblem! Sie haben sehr geholfen!

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Zu den gestern in Deutschland zahl- und menschenreichen Protesten gegen tatsächliche und erfundene Maßnahmen zur Pandemie-Einschränkung passt das Corona-Tagebuch von Carolin Emcke: Sie macht sich diesmal Gedanken über Angst und wie sie von faschistischen Argumentationsmustern genutzt wird. Unter anderem zitiert Emcke Leo Löwenthal, Falsche Propheten – Studien zum Autoritarismus:

Der Agitator bemüht sich gar nicht, objektiv auf die Unzufriedenheit und das Missbehagen seiner Zuhörer einzugehen, vielmehr präsentiert er deren Beschwerden in einem verzerrenden, fantastischen Prisma.

Hier der ganze Text von Carolin Emcke:
„Politisch-persönliche Notizen zur Corona-Krise
Woche 8: Von realen und missbrauchten Ängsten, von geistigen Flipperkugeln – und dem Juckreiz, dem man nicht nachgeben darf.“

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Es wurde aber auch Zeit: Unterbezahlte und ausgebeutete Spargelstecher verweigern die Arbeit:
„Massenprotest von 150 Feldarbeitern in Bornheim“.

(Zur Sicherheit: Das heißt nicht, dass alle Spargelbauern ihre Leute so behandeln.)

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Warum können Vögel minutenlang singen, ohne Luft zu holen? Und warum sind so kleine Vögelchen derart laut?
Die Antwort hier bei SWR Wissen.

die Kaltmamsell

8 Kommentare zu „Journal Samstag, 16. Mai 2020 – Küchentag“

  1. Anne meint:

    Zum letzten Satz eine zwitschernde Empfehlung mit Münchner Wurzeln, der Dawn Chorus: www dawn-chorus.org

  2. Elfe meint:

    Lievito madre verwende ich inzwischen nur noch zusätzlich zu einer geringen Hefemenge, als Zugabe im Hefezopf beispielsweise wird das säuerlich-lecker-fluffig. Es sei denn, ich habe sie drei-, viermal aufgefrischt, sodass der Sauerteig richtig motiviert ist (aber das kommt selten vor, weil man die Überbleibsel ja auch noch jeweils verarbeiten muss). Oft zeigt der Teigling erst im Ofen seinen Trieb. Vom plötzblog habe ich mir Tipps geholt, wartete jetzt aber gespannt auf Ihren Brotbericht, denn das Rezept las sich sehr bequem. Schade, aber ich drücke die Daumen für Brot nummero 2.

  3. Heidi meint:

    Bei Spiegelhauer gibt es auch einen triebstarken Weizensauerteig, ist Ihnen das schon aufgefallen? Beim Roggensauerteig wird der Hinweis gegeben, dass bei Trockenmaterial die Hefen verloren gegangen sind. Vielleicht probiere ich es mal damit. Ich habe den Roggensauerteig von bongu und bin sehr zufrieden. Die Eva von dort, Trockenmaterial, wollte ich mit einem Zuckeransatz zu mehr Triebkraft bringen, ist mir leider bisher noch nicht gelungen. Ich schätze Ihr Blog sehr. Es ist unglaublich, welche breitgefächerten Erkenntnisse Sie mir bieten, herzlichen Dank dafür. Weiterhin viel Glück!

  4. Ulla meint:

    Habe mich die Tage an einem Hefekranz versucht mit eingefrorener Frischhefe. Der Kuchen ist auch eher sitzengeblieben und ziemlich trocken und fest. Wird gegessen mit Marmelade drauf. Hefe Blechkuchen gelingt mir besser

  5. Christine meint:

    Übrigens beneide ich Sie sehr um Ihre Kenntnis die Vögel am Gesang zu erkennen. Ich kann gerade mal eine Kohlmeise von einem Rotkehlchen unterscheiden – also optisch. Auch würde ich gerne Greifvögel in der Luft erkennen können.

  6. Monika meint:

    Ich fand die selbstgemachten Schnecken auch immer zu trocken. Irgendwann habe ich ein älteres Rezept bei Hefe & mehr mit Water-roux gefunden (https://www.hefe-und-mehr.de/2013/01/marzipan-schnecken/) – der Teig ist jetzt mein Schnecken-Basis-Rezept.

  7. Friederike meint:

    Danke für den interessanten Vogelgesangs-Link!
    Im Übrigen schließe ich mich der Vor-Kommentatorin an: So wirklich viele Vogelarten kann ich auch nicht unterscheiden, schon gar nicht am Gesang. Habe mich aber gefreut, als mir hier neulich im Park eine Bachstelze über den Weg trippelte. Die kenne und liebe ich besonders von Campingplätzen im Urlaub.

  8. obadoba meint:

    „Die Sendlinger Straße bevölkert wie vor Corona.“
    Interessant. Und ich dachte beim Betrachten noch ‚Oh, das ist ja nahezu leer!‘ bevor ich die Bildunterschrift las …


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