Journal Mittwoch, 3. Juni 2020 – Monothematischer Beifang aus dem Internetz: George Floyd

Donnerstag, 4. Juni 2020 um 6:00

In vielen Städten der USA wird seit dem gewaltsamen Tod des Black American George Floyd durch weiße Polizisten in Minneapolis vor über einer Woche gegen Rassismus demonstriert, teilweise mit gewalttätigen Ausschreitungen. (Donald Trump hat erwartbar reagiert: Mit ordentlich Benzin ins Feuer.) Der ohnehin schreiende Rassismus in den USA war in den Wochen davor durch die Corona-Pandemie in Zahlen sichtbar geworden: Dreimal so viele Todesopfer waren nicht weiß.

Für mich ist die Nachrichtenlage in diesem Fall besonders, denn auf der einen Seite bekomme ich auf Twitter durch zahlreiche US-amerikanische Accounts Augenzeugenmeldungen in die Timeline retweetet – die natürlich immer eine subjektive Momentaufnahme darstellen (und deren Authentizität ich nicht prüfen kann), dazu aktuelle Meldungen englischsprachiger Medien zu diesem Thema. Auf der anderen Seite sehe ich täglich in der Tagesschau und der Süddeutschen (die Kanäle meiner Wahl, weil sie weniger als die meisten anderen auf Aufmerksamkeitserregung angewiesen sind), wie Berichterstatterinnen vor Ort und Journalisten in den Redaktionen die verschiedenen und zum Teil widersprüchlichen Meldungen, Verlautbarungen, Bilder einordnen. Gestern zum Beispiel:

Bislang waren es Gedankenspiele, von denen wir hofften, sie lediglich auf akademischer Basis durchzudenken: Wird eine mögliche Wahlniederlage Trumps im November dazu führen, dass er seinen – schwer bewaffneten – Anhängerinnen und Anhänger Wahlbetrug einredet und sie zu gewalttätigem Widerstand aufruft? Jetzt sieht es völlig unakademisch so aus, als würde genau dafür der Boden bereitet.

Eine gute Gelegenheit, sich mit strukturellen Rassismus zu beschäftigen, auch in Deutschland.

Sehr hilfreicher Weißen-Test für strukturellen Rassismus:
„If you, as a White person, would be happy to receive the same treatment that our Black citizens do in this society, please stand.“

Oder schauen Sie sich die Antwort des Schriftstellers James Baldwin an, als er vor 50 (!) Jahren in einer sonst nur weiß besetzten Talk-Runde angemault wird, warum man die Hautfarbe eines Schriftstellers stäääändig thematisieren müsse.

Emmanuel Acho erklärt freundlich in einem kurzen Video ein paar Basics der Rassendiskrimierung in den USA und warum es gerade als Protest Krawalle gibt:
„Uncomfortable Conversations With a Black Man Pt:1“.
(Und ja: sehr ungemütlich, ich musste mehrfach Pausen einlegen. Acho macht indirekt auch den gründsätzlichen Unterschied zu extremistischen Steinewerfern in Demos hierzulande klar.)

Auch Marga Stochowkski macht sich Gedanken zur Art des Protests:
„Die ursprüngliche Eskalation“.

Man muss es nicht gut finden, wenn Gegenstände im Zuge von Protesten beschädigt werden, aber die Frage ist, worauf man den Fokus seiner Kritik legt.

Ausgerechnet ein Eiscreme-Hersteller dröselt in einem schriftlichen Statement auf seiner Website kurz und allgemeinverständlich auf, woher der US-amerikanische Rassismus kommt und stellt konkrete politische Forderungen (die nicht neu sind, sondern über Jahrzehnte von der Forschung erarbeitet), wie er abgeschafft werden muss: Ben&Jerry’s.
„We must dismantle white supremacy“.

Mehr deutsche Perspektive gefällig? Hier Aminata Touré, der Vizepräsidentin des Schleswig-Holsteinischen Landtags:
„Es fehlt nicht an Schwarzen, die sprechen, sondern an Weißen, die zuhören“.

(Und dann bin ich Spenden gegangen.)

§

Heute kein launiger Rausschmeißer.

die Kaltmamsell

2 Kommentare zu „Journal Mittwoch, 3. Juni 2020 – Monothematischer Beifang aus dem Internetz: George Floyd“

  1. Mrs. Knallenfalls meint:

    Für diesen Blogartikel möchte ich Ihnen ganz besonders danken (und für den Link der zu Jane Elliot führte).

  2. obadoba meint:

    Danke für den Artikel und die Links.


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