Journal Donnerstag, 10. September 2020 – Weitere OP-Countdown-Schritte

Freitag, 11. September 2020 um 6:16

Viel geschlafen in der Nacht, immer wieder aufgeweckt zur Abwechlung nicht nur von Schmerzen, sondern auch von zu kalt und zu warm (bei identischer Decke -> Wechseljahrhormone?).

Ein schöner, sonniger Tag. In der Arbeit viel Arbeit, viel Unterstützungsarbeit. Ich fange langsam an durchsickern zu lassen, dass ich ab in drei Wochen eine längere Weile weg sein werde („dann wirst du das alleine machen müssen!“) – durch die überwiegende Arbeit von daheim aus haben die wenigsten im Team meine Krankheit mitbekommen. Unter anderem schrieb ich weiter an der Liste mit Arbeitsanleitungen für die Tätigkeiten, die nur ich mache. (Ich träume ja davon, dass ich wiederkomme und sich die Hälfte meiner Tätigkeiten als überflüssig erwiesen hat.) Außerdem stellte ich Erkundigungen an, wie das im Detail für diese Zeit mit Krankschreibung und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen funktioniert: Woher kriegen, wem schicken etc.

Mittags ein Stück Quiche vom Vorabend, außerdem Quark mit Joghurt. Am späten Nachmittag ein Apfel und ein halber Eiweißriegel, ich brauchte eine Grundlage für Vorhaben nach der Arbeit.

Nämlich hatte ich einen Arzttermin, vorher radelte ich an den Josephsplatz, um ein bestelltes Buch abzuholen. Der Arzt war für die Augen und hat seine Praxis zwischen Stachus und Hauptbahnhof. Wegen immer weiter reichender Bauarbeiten um den Bahnhof war es ziemlich kompliziert, die Adresse zu erreichen: Humpeln, Fahrradschieben und Eile ergaben zusammen sicher ein amüsantes Bild. Der Doktor machte einen verlässlichen und sympathischen Eindruck, und jetzt weiß ich, dass ich an sich keine neue Brille brauche: Der Fachmann stufte es als positiv ein, dass ich zum Lesen seit Jahren gar keine Brille brauche und meinte, es sei völlig in Ordnung, jetzt den Lesestoff zum Scharfstellen ein wenig weiter weg zu halten; Gleitsichtbrille sei noch nicht nötig. Wunderbar!

Nachtmahl war eine Schüssel Ernteanteilsalat mit Tomaten und Eiern, dazu ein kleines Glas Rosé, danach Schokolade.

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Gestern war in Deutschland Warntag: Es wurde getestet, ob man bei Bedrohung zentral landesweit Alarm schlagen kann, egal mit welchen Mitteln. Und es stellte sich heraus: Nein, das funktioniert derzeit nicht. Militär-Experte Thomas Wiegold hat fürs Techniktagebuch kundig aufgeschrieben, wie wir da reingeraten sind.
„Viel Nichts um Lärm“.
(Die Überschrift hat Thomas sich zwar nur ausgeliehen, ich bejuble sie dennoch sehr.)

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Als indirekten Nachtrag zum Zeitreisebuch retweetete @kathrinpassig konkrete Tipps von Cody Cassidy in Wired für eine attraktive Zeitreise-Destination.
„How to Escape From an Erupting Volcano
If you had been in Pompeii in 79 AD, you might have tried to hunker down or escape by sea. This would be a mistake. But there is a way to safety.“

Inklusive einem „Volcano Evacuation Plan 79 A.D.“ für Pompeji.

Unter anderem habe ich daraus gelernt, dass die heiße Lava selbst gar nicht so gefährlich ist:

Depending on its composition, lava ranges from 10,000 to 100 million times as viscous as water. This means even the runniest molten rock has the viscosity of room temperature honey. Unless you’re on a very steep slope, you can generally outrun it. Stationary objects like houses can be flattened by these fiery rivers, but “usually people can move out of the way,” says Stephen Self, a volcanologist at UC Berkeley.

Im Artikel auch viel Chemie, die erklärt, warum dieser Vulkanausbruch so besonders zerstörerisch war: U.a. weil der Vesuv auf Kalkstein sitzt.

Limestone (CaCO3) + heat results in the volcanically unfortunate combination of calcium oxide and CO2. In other words, standing in Pompeii places you in the hazard zone of carbonated magma.

Cody Cassidy empfiehlt, sich in Pompeji und später in Herculaneum nochmal mit Brotzeit einzudecken: Vor der Zeitreise also daran denken, örtlich und zeitlich passende Münzen zu besorgen.

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Jan Jekal im Feuilleton der gestrigen Süddeutschen über Buster Keaton, der vor 100 Jahren seine ersten eigenen Filme drehte:
„Nicht witzig, aberwitzig“.

Abends guckte ich mir den erwähnte Film „One Week“ an.

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https://youtu.be/OecqIhA4Jxg

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu „Journal Donnerstag, 10. September 2020 – Weitere OP-Countdown-Schritte“

  1. Sabine meint:

    Mooment. Als beiläufiger Pompeii-Nerd frage ich mich, seit wann Pompeii von pyroklastischen Strömen zerstört wurde? Mir hat man immer gesagt (und so sieht es auch vor Ort aus, dass das Herculaneum war, weshalb da karbonisiertes Holz erhalten ist, während das deutlich weiter entfernte Pompeii von unablässigem Bimssteinregen erdrückt und von diesen Gasen erstickt wurde, so dass dort ohnehin die meisten Menschen entkommen sind. Die geisterhaften Abgüsse der sterbenden Menschen sind nur so möglich, weil der Bimsstein luftdurchlässig ist und so organischem Material erlaubte, sich zu zersetzen. In der Hitze in Herculaneum wurden dagegen sogar Gehirne zu Glas. Der Artikel überzeugt mich nicht. Aber das Fazit, bei einem Vulkanausbruch wegzurennen, ist sicher nicht schlecht, wenn auch in der heutigen Umgebung des Vesuv wohl eher schwer zu bewerkstelligen.

    Zu römischen Münzen hat es mir gestern einen seltsamen Thread in den Feed gespült. Leider für weibliche Zeitreisende eher von minderer Bedeutung, hoffentlich.

    https://twitter.com/dtmooreeditor/status/1303789066102636555?s=21

  2. die Kaltmamsell meint:

    Na ja, Sabine, das behauptet der Artikel ja auch nicht – er nimmt diesen konkreten Vulkanausbruch zum Anlass, auch das mal klarzustellen. Und das zu Glas gewordene Hirn wird sogar ausführlich erwähnt (ich lernte die Vokabel „vitrification“).

  3. Sabine meint:

    An dem Punkt war ich schon beleidigt davongeschnauft…

  4. Roland B. meint:

    Die angegebene Viskosität und Fließgeschwindigkeit mag für die Lava am Vesuv gelten, aber so pauschal kann man das nicht sagen.
    Auf Hawaii wurden bei 10-25° Neigung schon Geschwindigkeiten von über 60 km/ gemessen. Da tut man sich schwer mit davonlaufen.

Beifall spenden: (Unterlassen Sie bitte Gesundheitstipps. Ich werde sonst sehr böse.)

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