Journal Mittwoch, 9. September 2020 – Käseabenteuer

Donnerstag, 10. September 2020 um 6:28

Besserer Schlaf. Ich freue mich ja schon, wenn ich überhaupt die eine oder andere Stunde am Stück tief schlafe.

Crosstrainer-Runde mit großer Dankbarkeit, dass mir die Schmerzen dieses Vergnügen noch erlauben.

Es dämmerte ein sonniger Tag, der klar blieb und warm wurde. Schönes Radeln in die Arbeit. Dort viel zu tun. (All die schmerzvollen Minuten, in denen mir Leute am Telefon erklären, dass sie mich nicht aufhalten wollen.)

Am Samstag hatte ich an der Kühltheke des Eataly zu einem Käse gegriffen, der besonders seltsam aussah, wie ein Schwamm. Er war auf der Verpackung als „Pannerone Lodigiano“ ausgezeichnet, und landete erst mal in unseren Kühlschrank. Als ich am Montag aus der Arbeit kam, erzählte Herr Kaltmamsell, er habe ihn probiert, und irgendwas stimme damit nicht: „Ich bin sicher, dass der nicht so schmecken soll.“ Auch ich probierte: Na ja, schon seltsam. Am Dienstag informierte mich Herr Kaltmamsell, dass er diesen Käse ganz sicher nicht essen werde, da sei irgendwas schief gegangen. Erstaunliche Vehemenz für jemanden, der wie ich bislang noch vor keinem noch so stinkigen oder gammlig aussehenden Käse zurückgeschreckt ist.

Meine Recherche führte mich zu diesem Artikel von 2016:
„Pannerone Lodigiano (Week 13)“.

Demnach ist der Käse eine norditalienische Rarität aus Lodi, es gibt es nur noch einen einzigen Produzenten, Slow Food bemüht sich um Erhalt (zumindest in den vergangenen vier Jahren offensichtlich erfolgreich). Aber, wie es ebenfalls in dem Text heißt, „an acquired taste“, man muss sich also erst mal dran gewöhnen. Der Artikel empfiehlt, ihn zusammen mit Obst zu essen, also schnitt ich mir fürs Mittagessen eine aromatische Nektarine dazu auf.

Passte gut, brachte mich auch drauf, was den Käse so gewöhnungbedürftig macht: er ist nicht salzig, aber dennoch leicht stinkig-seifig. Ich frage mich, mit welchem Wein er sich gut verstehen würde. Doch um das herauszufinden, müsste ich ihn nochmal kaufen – und ich weiß nicht, ob ich dazu bereit bin.

Dann mehr Arbeit, Bauchschmerzen. Ich blieb nicht bis spät.

Nach Feierabend Einkaufen im Kaufhaus: Für Krankenhaus und Reha noch ein Nachthemd, außerdem Sweatpants und Badelatschen. Um mich Menschen in Hochsommerkleidung, viele sehr urlaubsgebräunt.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell eine selbst erfundene Quiche mit Speck und Lauch. Den Mürbteig dafür hatte er fertig gekauft – und einen gesüßten erwischt. Schadete dem Genuss nicht wirklich.

Als Abendunterhaltung lief im Fernsehen mal wieder The Good Doctor, bei dem ich immer noch nicht recht weiß (zumindest habe ich nicht nach wenigen Minuten das dringende Bedürfnis wegzuschalten, was die Serie erträglicher macht als ca. 95 % aller anderen). Ich mag an Ärzteserien, einem Genre, das ich durch ER als sehr attraktiv entdeckt habe, halt am meisten das Medizinische. Und davon gab es mir gestern nicht genug.

§

@herdyshepherd1 im Guardian:
„Enough with ‚local‘ and ‚organic‘. We’ll begin to eat well when we farm well“.

What we choose to eat isn’t just a personal choice. The things we pick from the shelves as we shop (and how much we pay for them) add up to a world-shaping message that is broadcast across the fields and determines what farmers choose to grow and how they must do it.

(…)

We need to ask for “regenerative” agriculture, which means boosting soil health and encouraging biodiversity by working with natural processes as we grow food. More often than not, this means using grazing animals in “mixed” farming systems. Livestock, if well managed, repair soil, trample or eat crop residues and waste, provide fertiliser and control weeds. It means our uplands becoming patchworks of native habitats – meadows and pastures, woodland and bogs – and our lowlands working as rotational mosaics of fields.

Interessant ist, dass James Rebanks meinen Verdacht bestärkt, dass Viehwirtschaft ein integraler Bestandteil von nachhaltiger Landwirtschaft ist. (Selbstverständlich hat Massentierhaltung nichts damit zu tun.)

The difficult truth is that there’s no such thing as a one-size-fits-all global sustainable diet that will solve the ecological crisis at one fell swoop. We are all local to somewhere and owning, seeing and taking responsibility for our food and how it is grown is imperative.

§

Twitter-Sammlung: ‘women writers looking bored and holding a cigarette’

die Kaltmamsell

1 Kommentar zu „Journal Mittwoch, 9. September 2020 – Käseabenteuer“

  1. Susann meint:

    Liebe Kaltmamsell, ich bin froh, dass Sie jetzt bald mit wieder schmerzlos durch’s Dasein schweben, gleiten oder laufen – egal, Hauptsache nicht mehr so humpeln wie jetzt.

    Vielleicht mögen sie sich für die Reha das Buch „Wilding“ von Isabella Tree besorgen, da geht es genau um den Einfluss von größeren Säugetieren auf die Landschaft. Isabella Tree hat mit ihrer Familie einen englischen Groß-, naja eher Mittelgrundbesitz gezielt verwildern lassen, und der game changer waren die Rehe, Hirsche, Schweine, Ponies und Rinder, die sie dort rumlaufen lassen – mit wichtigen Folgen für Landschaft und Ökosystem, wie der herdysheperd es beschreibt. Allerdings nutzen sie diese Flächen nicht mehr für Ackerbau, d. h. es ist eine etwas andere Perspektive.

    Viel Glück für OP und Reha.

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