Journal Donnerstag, 3. September 2020 – Könnten aussterbende Arten die Theresienwiese retten?

Freitag, 4. September 2020 um 6:28

Gemischte Nacht, früher Wecker für Sport. Ich freute mich an untergehendem Vollmond vor blauem Himmel und an meinem Milchkaffee, strampelte völlig gedankenversunken auf dem Corsstrainer (leider zu kurz für echte Entspannung).

Sonniges Radeln in die Arbeit, auf der Theresienwiese sah ich eine Herde Streifengänse. (Wenn sich jetzt in Abwesenheit von Oktoberfest über zwei Jahre vielleicht ein paar streng geschützte Pflanzen- oder Tierarten kurz vorm Aussterben ansiedeln würden? Und deswegen künftig weder Oktoberfest noch Bebauung möglich wäre, weil sonst Artensterben-Apokalypse?)

Theresienhöhe in Spätsommermorgensonne.

Turboarbeit von Anfang an, viele belastende Anrufe und Probleme. Mittags Reste des Rote-Bete-Salats vom Vorabend, Pfirsich, Manouri. Nachmittags ein Stück schwarze Schokolade, getrocknete Aprikosen.

Aber! Ein guter Anruf privat: Die Klinik, die meine Hüfte operieren soll (NOCH VIER WOCHEN!), meldete sich, genauer: Der Sozialdienst, der für die Planung der anschließenden Reha zuständig ist. Die eigentlich angepeilte Reha-Klinik, ärztlich betreut von der OP-Klinik, kommt nämlich nicht in Frage, weil Menschen im Arbeitsleben ihre Reha von der Deutschen Rentenversicherung gezahlt bekommen, und die zahlt nur bestimmte Kliniken – diese nicht. (Als Rentnerin käme meine Krankenkasse dafür auf.) Unter den genehmigten Reha-Kliniken, die die freundliche Anruferin nannte, entschied ich mich kurzerhand für Tegernsee. Jetzt muss dort nur noch ein Platz frei sein.

Wieder wurde es spät, diesmal wegen eines kurfristigen und eiligen Jobs. Zum Glück hatte ich dabei Hilfe, denn nach zehn Bürostunden arbeite ich nicht mehr verlässlich (ach). Danach war ich erledigt und böse.

Daheim verlangte ich wieder nach medizinischem Alkohol, Herr Kaltmamsell machte Martinis.

Nachtmahl: Ernteanteil-Salat mit viel restlichem frischen Estragon vom Vortag und Tomaten. Dazu passte ein Joghurt-Dressing.

Schmeckte sehr gut, doch der Frisee-Salat war so robust und mächtig, dass wir ihn nicht ganz schafften – und das mir Super-Salatesserin! Nachtisch: verderbende Pfirsiche und Süßigkeiten.

Früh ins Bett zum Lesen.

§

Wurde seit Veröffentlichung von meinem Internet gefeiert, nach Lektüre weiß ich: zu Recht. Mely Kiyak schreibt in ihrer Zeit-Kolumne „Kiyaks Deutschstunde“ über die Reaktionen auf die Corona-Demos vom vergangenen Wochenende:
„Alufolie drauf und gute Nacht“.

Fressomio, haben sich alle in diesem Land fertig entsetzt? Könnte man Nazitum wegempören, wegtweeten, weglamentieren, wäre es längst weg, so akribisch und streberhaft wie der über Jahrzehnte von linkspolitischen Randgruppen geforderte und ausgebliebene „Aufschrei“ seit einigen Tagen ausgeübt wird. Dabei taten die rechtsextremen Gruppen doch überhaupt nichts Überraschendes. Worüber erschreckt man sich denn gerade so? Sie kündigten einen maskenlosen Sturm auf den Reichstag an und führten das aus, im Prinzip genau wie angekündigt. Das muss man dem Nazibürgertum schon lassen, sie lügen nicht, sie lügen nie; wenn sie eine infantile Intifada ankündigen, dann ziehen sie den Aufstand auch durch.

(…)

Politik wird mit Politik gemacht. Dieser Staat und seine Politiker sollten aufhören, ihre Trauerarien in Mikrofone zu sprechen, sondern endlich Gesetze mit Polizeigewalt durchsetzen, also politisch handeln. Man ist diesem Demokratieprekariat derart weit entgegen gekommen, aber jetzt wird das ein unappetitlicher Kampf. Denn die Rechtsextremen sind vorbereitet, haben Geld, Unterstützung, Allianzen. Wenn man sie jetzt mit staatlicher Gewalt aus den öffentlichen Räumen zurückdrängt, und das muss man, werden sie komplett durchdrehen. Weil sie es nicht gewöhnt sind, dass man ihnen Grenzen setzt.

die Kaltmamsell

5 Kommentare zu „Journal Donnerstag, 3. September 2020 – Könnten aussterbende Arten die Theresienwiese retten?“

  1. Fujolan meint:

    https://www.vanityfair.com/culture/2020/08/jesmyn-ward-on-husbands-death-and-grief-during-covid
    DieseR wunderbar starke Essay könnte Ihnen gefallen

  2. Eva meint:

    Am Tegernsee! Ich bekomme schon beim Lesen Herzchenaugen und wünsche ihnen, dass das klappt.

  3. Ulla meint:

    Mein Schwager war mit Knie in der Tegernsee Reha und war sehr begeistert.
    Halte die Daumen!

  4. Anette meint:

    „Robust“ ist eine schöne Bezeichnung für den Ernteanteils-Frisee! Bei mir wurde er deshalb wie Zuckerhut in Streifen geschnitten. An dieser Stelle möchte ich Ihnen einmal danken, dass Sie hier täglich schreiben und auch viel Kulinarisches berichten. Nicht zuletzt dadurch wurde ich motiviert, Kartoffelgenossin zu werden und genieße somit seit einigen Wochen ebenfalls die Ernteanteile.

  5. die Kaltmamsell meint:

    Herzlich willkommen im Kartoffelkombinat, Anette!

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