Journal Mittwoch, 25. November 2020 – Münchner Backwerk, spanische Empanada (Versuch)

Donnerstag, 26. November 2020 um 8:16

Superverschwitzte Nacht (bei weiterhin offenem Fenster und Außentemperatur um Gefrierpunkt); seit einigen Tagen sitzt wieder ein Kasperl am Regler meiner Körpertemperatur und dreht lustig zwischen glühend und fröstelnd hin und her, ohne etwas dazwischen (was sich völlig anders anfühlt als ein Infekt).

Die neue Matratze liegt sich ganz ausgezeichnet. Wie schon beim Test im Bettengeschäft gibt sie in jeder Haltung an genau den Stellen nach, die entspanntes Liegen ermöglichen. Selbst nach meinen Schwitznächten fühlt sie sich nicht klamm an. Ganz ist sie noch nicht eingelegen, wir haben sie erst einmal gedreht und gewendet (soll man laut Spielanleitung in den ersten Monaten bei jedem Bettwäschewechsel tun). Ich empfehle die Taschenfederkernmatratze von Schramm hiermit weiter – für Schläferinnen mit meinen Voraussetzungen, Probeliegen hilft.

Vormittags färbte ich nach Langem mal wieder ein Kleidungsstück: Diese schwarze Jeans hatte ich dunkelstschwarz gekauft, sie hatte noch viele Wäschen lang die Haut meiner Beine leicht eingegraut. Doch beim Verblassen zeigten sich weiße Adern (wie hieß das noch in den 80ern? diamond washed?), die ich sehr hässlich finde. Also an meine Jugend gedacht und im Drogeriemarkt Wäschefärbemittel besorgt (das mittlerweile das Salz BEREITS ENTHÄLT! Fortschritt oder was?!). Gleich nach dem Aufstehen startete ich den Färbelauf, anschließend den Waschdurchgang.

Als das Ibu endlich wirkte – überm Morgenkaffee war ich immer wieder schmerzlich zusammengezuckt – und ich in Brotrezepten stöberte, hin und wieder Twitter las und mich amüsierte, war ich fast entspannt und fröhlich. Als ich das merkte, hatte ich umgehend ein schlechtes Gewissen, weil hallo! ich habe ja nicht Urlaub, sondern bin krank geschrieben. (Ja, so verquer können Menschen sein. Finden Sie sich damit ab, ich muss es ja auch.)

Einkaufsrunde für Mehle, ich wollte endlich mal wieder Brot backen. Ich ließ mich mit der Tram transportieren (da bitte: ich kann auch schonen), besorgte beim Basitsch Roggenvollkornmehl, im Hofbräuhausmühlenladen Roggenmehl 1370 (das Roggenvollkornmehl dort ist mir zu grob, es gleicht eher Schrot). In der zugehörigen Bäckerei daneben kaufte ich Semmeln zum Frühstück. Lamgsam schlenderte ich heim.

Ein Marienplatz mit Christbaum, aber ohne Christkindlmarkt ist schon seltsam. Die Corona-Infektionszahlen in Deutschland sind weiterhin hoch, die bisherigen Einschränkungen haben lediglich ihr Wachstum verlangsamt, gestern starben 410 Covid-19-Erkrankte – so viele wie noch nie in Deutschland an einem Tag. Doch es sieht nicht aus, als traue die Politik der Bevölkerung zu, deutlich härtere Einschränkungen mitzutragen, gestern abend wurden für Weihnachten sogar Lockerungen beschlossen. Mittlerweile (ich halte das hier nur der Chronik wegen fest) stehen einige Impfstoffe kurz vor der Zulassung, doch selbst wenn sie im Idealfall noch vor Jahresende eingesetzt werden können, dauert das Impfen bis zur Herdenimmunität mindestens acht Monate.

Daheim war Herr Kaltmamsell bereits aus der Schule zurück, es gab Semmeln:

Die Bäckerei Knapp&Wenig backt nur an diesem Ort für den winzigen Verkaufsraum nach altmünchner Rezepten. Zu sehen sind hier Pfennigmuckerl (saftiger Roggenteig), Mohnsemmerl mit ordentlich Mohn und hervorragende Brezen.

Nachmittags fuhr ich nach Nordschwabing für Reha-Sport. Es lief sehr gut, die Ibu wirken, die ich auf ärztlichen Rat gegen Entzündung und Schmerzen nehme, was mich auf echte Besserung hoffen lässt.

Fürs Abendessen sorgte ich, es gab auf Wunsch von Herrn Kaltmamsell spanische Empanada de pollo nach diesem Rezept. Ist eigentlich eine klassische Resteverwertung für Brathähnchen, ich hatte mittags einen Hühnerschenkel dafür gebraten.

Ich fand den Mürbteig spannend, weil er Weißwein und Olivenöl verwendet, auch weil er sehr weich, aber dennoch verarbeitbar wurde. Der Deckel von solchen Speisen ist für mich immer eine Herausforderung: Teig dünn auf eine bestimmte Größe/Form ausrollen kann ich etwa so gut wie seinerzeit einen Volleyball auf eine bestimmte Stelle schmettern. Nämlich nicht. Diesmal rollte ich die Teighälfte für den Deckel im Backblech auf Backpapier aus, zog sie zur Seite, und nach dem Ausrollen des Bodens auf dem Blech und nach Verteilen der Füllung stülpte ich sie drüber und zog das Papier ab. Das funktionierte!

Die Empanada schmeckte sehr gut, der Teig aber war gebacken eher enttäuschend. Herr Kaltmamsell regte an, dass ich mich auf die Empanada aus Studienzeiten rückbesinnen könnte. (Die war ganz sicher aus der Lamäng und damit heute schwer replizierbar. Ich erinnere mich nur an Hefeteig, rote Paprika, Pimentón de la vera dulce.)

§

Mir ist dann doch etwas von Karl Dall eingefallen (vor ein paar Tagen verstorben), was ich uneingeschränkt großartig fand: In irgendeiner Show trat er vor vielen, vielen Jahren als Einlage auf und rezitierte den Text des Lieds „Moskau“ von Dschinghis Khan, exakt wie geschrieben, denn „einen guten Text braucht man nicht zu parodieren“. Karl Dalls ausdrucksloses „Kosaken heheheleert die Gläser“ wird in meiner Familie bis heute verwendet (wir äußern damit, dass wir uns einer Begeisterung nicht anschließen können). Damit nahm er eigentlich Harald Schmidt vorweg.

@_kid37 wies auf eine aktuelle Variante hin, die Ähnliches mit dem Werk von Mario Barth umsetzt:

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https://youtu.be/1wEBtbXcy24

§

Rescue Tropfen gefällig? Ich habe hier einen jungen Mann auf Tiktok.
(Es war nicht alles schlecht an den 80ern.) (Allerdings sehne ich mich ein bisschen zurück nach der Zeit, als mein Englisch zu schlecht war, um die Texte von Boney M. zu verstehen. Meine Güte.)

via @pinguinverleih

die Kaltmamsell

2 Kommentare zu „Journal Mittwoch, 25. November 2020 – Münchner Backwerk, spanische Empanada (Versuch)“

  1. helma meint:

    Bei TikTok ist „Moskau“ ja sowas wie der Standartsong um russischen Content zu markieren.

  2. Brigitte Novacek meint:

    Rasputin – großartig!

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