Journal Dienstag, 24. November 2020 – Schmerzbekämpfung

Mittwoch, 25. November 2020 um 7:19

Stark verschwitzte Nacht, und gleich vormittags nahm ich Ibu gegen die LWS-Schmerzen.

Bankstütz und Seitstütz sind also ab sofort wieder tägliche Morgenroutine; bis zum Hexenschuss im August ließ sich die Nervenwurzel dadurch zwar nicht beeindrucken, doch wenn Dr. Orth das nächste Mal insinuiert, ich hätte halt zu schwache Rumpfmuskulatur, kann ich ihn zu einem Wett-Bankstütz herausfordern.

Einkaufsrunde. Es war gar nicht einfach, die Conchiglioni fürs geplante Abendessen zu bekommen, selbst beim Eataly gab es genau eine einzige Packung (andererseits: mehr brauchte ich ja nicht). Langsames und konzentriertes Gehen gegen den Schmerz (der Hüfte geht’s gut).

Fürs mittägliche Frühstück kochte ich mir reichlich Porridge mit Tonkabohne (es war draußen hochneblich kalt genug dafür gewesen), aß ihn mit Mandarine, Maracuja, Joghurt und Quitten in Sirup.

Zeitunglesen bis zum frühnachmittäglichen Physio-Termin und Reha-Sport. Frau Physio ging auf meine Information der Orthopäden-Diagnose ein und bearbeitete nur den Rücken. Die Übungen im Sportraum gingen ganz gut, die zeitweilige Schwäche (Wegknicken) im rechten Bein passt tatsächlich eher zu Nervenbeschwerden als zu Hüftproblemen.

Zurück daheim setzte ich mich aufs Bett zum Lesen. Und wünschte nach einer weiteren Ibu inniglich: Vielleicht gehen die Nervenschmerzen von alleine? Dass sie schon mal ein paar Wochen weg waren, beweist doch, dass sie weg sein können?

Telefonate mit Mutter und Vater (dieser inzwischen auf Reha), Herr Kaltmamsell bereitete zum Abendessen aus Ottolenghi/Tamimi Jerusalem die „Conchiglie with yoghurt, peas & chilli“, die ganz hervorragend schmeckten.

§

Im äußersten Nordosten Russlands, im Gebiet Kolyma, verläuft die „Straße der Knochen“, so benannt nach den Tausenden von Gefangenen, die sie zur Stalinzeit errichteten, im Gulag schufteten und umkamen. Andrew Higgins und Emile Ducke haben für die New York Times eine ausführliche Reportage mit großartigen Fotos erstellt:
„Along Russia’s ‚Road of Bones,‘ Relics of Suffering an Dispair“.

Sie berichten über Stalins Terror, wie die Überbleibsel langsam verschwinden und wie Stalin dennoch heute eher mit Nostalgie und Bewunderung erinnert wird, selbst unter ehemaligen Lagerinsassinnen.

Under President Vladimir V. Putin, memories of Stalin-era persecution have not been erased, as evidenced by a large government-funded Gulag History Museum that opened in Moscow in 2018. But they have frequently been drowned out by celebrations of rival memories, notably of Russia’s triumph under Stalin’s leadership over Hitler in World War II. Rejoicing over that victory, sanctified as a touchstone of national pride, has obscured the gulag’s horrors and raised Stalin’s popularity to its highest level in decades.

Es gibt auch einen deutschsprachigen Dokumentarfilm Kolyma aus dem Jahr 2018 von Stanislaw Mucha, der darin den Spuren seines Großvaters nachgeht.

die Kaltmamsell

15 Kommentare zu „Journal Dienstag, 24. November 2020 – Schmerzbekämpfung“

  1. nochEinGlasWein meint:

    „insinuiert“ – musste ich tatsächlich erstmal googeln. Wieder was gelernt! Ist das Ihr üblicher Wortschatz?

    Gute Besserung, ärgerlich, dass jetzt die LW rumzicken!

  2. die Kaltmamsell meint:

    Danke, nochEinGlasWein.
    Ja, ich weiß tatsächlich überdurchschnittlich viele Wörter und freue mich immer, wenn mir eines einfällt, das genau das bedeutet, was ich ausdrücken will. Nach diesem suchte ich ein bisschen länger.

  3. Joël meint:

    Im gleichen Sinn fiel mir gestern ein Wort auf das ich auch googeln musste, das ich aber nur halbwegs erklärt bekam. „gravottisch“ Dem Kontext konnte ich aber entnehmen, dass Sie Dr. Orth nicht um den Hals gefallen sind und innig geküsst haben.;-)

  4. die Kaltmamsell meint:

    Gnihi, Joël: Die Größe meines Vokabulars profitiert davon, dass ich mich hemmungslos bei Dialekt bediene – wenn ich dort halt das beste Wort finde.

  5. Neeva meint:

    Vermutlich hilft es nicht, Dr. Orth aufzufordern die Bauch- und Rückenmuskeln zu betasten? Im Gegensatz zu Ausdauertraining hat Krafttraining ja im buchstäblichsten Sinne greifbare Ergebnisse…
    (Ausdauersport wird mir immer empfohlen. Ich erwäge allen Ernstes mir einen Fahrradcomputer anzuschaffen, und dann den Kilometerzähler unter die ärztliche Nase zu halten.)

    Und übersetzen Sie einem Fischkopp „gravottisch“?

  6. lihabiboun meint:

    Ich schließe mich Neeva an und bitte um Erklärung zu gravottisch – und das Herkunftswort im Dialekt? Danke + Grüße von der Wortklauberin!

  7. die Kaltmamsell meint:

    Bitteschön, für Sie gegooglet, Neeva, lihabiboun: Gravottisch ist eine Variante von krawutisch.
    https://www.mundmische.de/bedeutung/35618-krawutisch

  8. Joe meint:

    Vielleicht eine Ergänzung. Der deutsche Dokumetarfilm „972 Breakdowns – auf dem Landweg nach New York“ der sehr zu empfehlen ist, beschäftigt sich ein gute Stück mit der Straße der Knochen.

    https://www.youtube.com/watch?v=yY9f8KpcOE8

  9. Joël meint:

    Hoo Hoo Hooooo!!!
    Danke für den Link MundMische! Das ist ja eine wunderbare Quelle für verquere Wörter und Sprüche. Ich habe mich eben mal wahllos hindurch geglickt und bin schon um einiges gescheiter. :-)

  10. lihabiboun meint:

    OMG – made my day. Vielen Dank für diese wunderbare Seite. Internet bildet eben doch … äh, ich meine, Ihr Serviceblog!

    ;o)

  11. N. Aunyn meint:

    Zu Kolyma fällt mir ein autobiografisches Buch von Nathan Steinberger ein: Berlin – Moskau – Kolyma und zurück.

  12. Hauptschulblues meint:

    Der Ursprung des Wortes „krawotisch“ kommt vom Balkan. Die „Krawotten“ (=Kroaten) galten im bayerischen Dialektraum als jähzornig, gefährlich, unberechenbar. Sie waren ja als Söldner unterwegs. Auch die Herkunft der „Krawatte“ liegt dort.

  13. Ka meint:

    Ich wollte nach dem Lesen auch ganz dringend den Film 972 Breakdowns empfehlen zur Straße der Knochen. Wohl leider der einzige Film den ich in 2020 im echten Kino gesehen habe und der mich nachhaltig beschäftigt und beeindruckt hat (ich fahre selbst Motorrad würde ihn aber auch jeder empfehlen die es nicht tut…)

  14. adelhaid meint:

    mich interessiert ja inzwischen wirklich mal ein urteil zur neuen matratze. die wird ja viel genutzt aber wenig besprochen.

  15. Daniela meint:

    Der Filmempfehlung schließe ich mich an, ebenso war das mein einziger Film im Kino dieses Jahr und er war so schön. Leicht und fesselnd zugleich.

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