Journal Donnerstag, 24. Dezember 2020 – Melancholischer Hl. Abend

Freitag, 25. Dezember 2020 um 9:46

Kurz nach fünf vom Rumpeln im Müllhäuschen unter meinem Schlafzimmerfenster geweckt worden. Erst geärgert (NICHT MAL AN HL. ABEND RUHE!), dann wurde mir klar, dass da jemand an Hl. Abend arbeiten musste, ich schämte mich über den Ärger.

Ersten Schritt Brotteig für den abendlichen Schinken in Brotteig getan (ich war nur für den Teig zuständig, alles andere erledigte Herr Kaltmamsell, der diese Speise, die er aus seiner Kindheit kannte, endlich mal selbst machen wollte), Rote-Bete-Salat für abends zubreitet.

Es musste doch nochmal jemand raus: Ich stellte fest, dass ausgerechnet Mehl zu wenig da war für den Brotteig um den Hl.-Abend-Schinken und für das Brot am Ersten Weihnachtsfeiertag. Herr Kaltmamsell war so nett, den Abstecher zum Basitsch zu erledigen.

Am Vormittag leuchtete der Himmel nochmal, bevor das Wetter zu windig und regnerisch umschlug.

Frühsport: Bank- und Seitstütz, Strampeln. Dabei hörte ich eine Folge des Adventkalender-Podcasts von @herzbruch und @novemberregen an, die genau so lang war wie meine geplante Crosstrainer-Einheit: „22. Türchen“. Die anderen Folgen muss ich leider verpassen. Die angekündigten fünf Minuten pro Folge wären für mich Nicht-Podcast-Hörerin genau richtig gewesen, das hätte ich täglich geschafft. Aber die durchwegs längeren Einheiten erlitten das Schicksal aller längeren Podcasts – zum Glück weiß ich ja, dass die geschätzten Macherinnen das am besten verstehen, da es ihnen auch so geht.

Zum Frühstück gab’s frische Semmeln (wenn Herr Kaltmamsell eh schon rausmusste) sowie Joghurt mit Granatapfel und Orange.

Ich bügelte die paar zu bügelnden Sachen weg, las dann die Vier-Tages-Ausgabe Süddeutsche. Kneten des Brotteigs fürs Abendessen.

Sind mir über die Jahre auch fast alle Advent- und Weihnachtsrituale abhanden gekommen (geblieben sind derzeit Familiengeschenke, Wir-suchen-das-Christkind-Spaziergang am Nachmittag des 24.12. und besonderes Essen in feiner Kleidung an Hl. Abend, seit einigen Jahren kam dazu: Eggnogg) – Familie sehe ich schon arg gern an diesen Tagen. Bei großartigem Essen kuscheln, einander anschauen, reden, scherzen (wir sind eine Nicht-Streit-Familie, auf beiden Seiten), das hätte ich schon gern gehabt. Ich kann nur hoffen, das genug Menschen vernünftig waren und sich nicht mit anderen mischten, damit das 2021 wieder geht. Es gab 2020 schmerzlich wenig Familie. Derzeit sorgen wir uns zusätzlich um Herrn Schwieger, der nicht nur Weihnachten in einer Klinik verbringen muss, sondern halt auch nicht besucht werden kann.

Was ging: Christkindl-Such-Spaziergang in durchgehendem leichten Tröpfeln.

Keine Bläser mit Weihnachtsweisen auf dem Alten Südfriedhof. Dafür wurde in einem Innenhof am Südfriedhof „Es werd scho glei dumpa“ gesungen. Blick von Wittelsbacherbrücke

und Corneliusbrücke.

Es kam mir vor, als seien die Parklücken nicht so viele wie in den vergangenen Jahren, was hoffentlich ein Zeichen ist, dass weniger Menschen verreist sind.

Zurück daheim übergab ich Herrn Kaltmamsell den Brotteig, er schlug den Schinken vom Herrmannsdorfer darin ein (geräuchtert und gepökelt erworben, selbst vorher am Tag bei niedriger Temperatur in Wasser gegart).

Als leichte Zwischenmahlzeit Tee und ein Stück Stollen, dann zog ich mich um, legte Schmuck an, griff nach Monaten sogar zu Lippenstift.

So stattete ich das Wohnzimmer mit allen vorhandenen Kerzen aus, schaltete zum ersten Mal in der Saison die Weihnachts-Playlist ein. Herr Kaltmamsell servierte Eggnogg, wir freuten uns an den verpackten Geschenken als Weihnachtsdeko.

Der Schinken im Brotteig hatte monströse Ausmaße angenommen, weniger Brotteig wäre gut gewesen (doppelt so viel Brotteig für doppelt so viel Schinken war mein Anfänger-Denkfehler gewesen). Wir beschlossen gleich mal, dass ich am Ersten Weihnachtsfeiertag kein weiteres Brot backen würde.

Herr Kaltmamsell kam ihm mit elektrischem Messer, Brotmesser, Fleischmesser bei.

Als Festessen aber ausgezeichnet, der Schinken war aromatisch und saftig, frisches Brot ist immer köstlich, der Rote-Bete-Salat aus Ernteanteil passte ausgezeichnet.

Dazu hatte ich eine Flasche Tement Sauvignon Blanc 2017 Steirische Klassik aufgemacht, sehr mineralisch.

Geschenke-Auspackeln mit viel Freude und Rührung, Telefonate mit Eltern und Geschwistern. Fernsehen, zum Nachtisch gab’s spanische Weihnachtssüßigkeiten: Turrón und Mazapán.

Ins Bett mit Ohrstöpseln und geschlossenem Fenster, weil bei den Drübernachbarn große, laute Gesellschaft bei offenen Fenstern war.

die Kaltmamsell

8 Kommentare zu „Journal Donnerstag, 24. Dezember 2020 – Melancholischer Hl. Abend“

  1. Tanja meint:

    Auch ein melancholischer Bericht kann den Weihnachtstag erhellen. Alles so ästhetisch bei Kaltmamsells! Danke und weiterhin Schönes euch beiden.

  2. Nina meint:

    Frohe Weihnachten!

  3. Joël meint:

    Ich wünsche ihnen beiden ein paar schöne Tage.
    Hier war es auch leicht melancholisch.
    Der Schinken im Brotteig sieht sehr verlockend aus und steht jetzt auf meiner Liste, wenn ich endlich die Angst überwinde dass ich auch Brotteig und überhaupt Hefeteig kann.

  4. Alexandra meint:

    Die Chaiselongue sieht mega- edel aus. Ich meine mich zu erinnern, dass Sie sie als unbequem beschrieben und Loswerdensabsicht geäußert haben – ein schickes Schuhgeschäft hat vielleicht Interesse. Denn um darauf sitzend edles Schuhwerk anzuprobieren ist die doch perfekt.Und „Bubbles“ in dunkelgrün passt auch viiiel besser zu dem schönen Chippendale-Tisch!

    Ist der Braten vom Schwein?

    Feine Feiertage noch!

  5. PaulineM meint:

    Ich hoffe Sie verzeihen mir, dass ich lachen musste, als wir endlich beim 5. Foto den Schinken zu Gesicht bekamen. Das Essen sieht köstlich aus. Ihnen und Herrn Kaltmamsell – Frohe Weihnachten!

    P.S. Es tröstet mich, dass wir einerseits so sehr klagen, was dieses Jahr alles nicht geht und was wir vermissen und andererseits doch häufig schöne Stunden zaubern mit dem was wir tun können. Es zeigt mir, dass wir wertschätzen, was wir in den „normalen“ Jahren haben und dass es nicht nur Gewohnheit ist, aber auch, dass wir flexibel genug sind auch in schwierigen Situationen Schönes zu schaffen.

  6. die Kaltmamsell meint:

    Ja, das ist ein Schweineschinken, Alexandra.

  7. Berit meint:

    Kasseler im Brotteig war in den 90ern ein beliebtes Partyessen bei uns, nun hab ich es jahrzehntelang nicht mehr gesehen dabei ist es SO lecker.

  8. Andrea meint:

    Ich wünsche Ihnen beiden auch frohe Weihnachten, trotz der etwas anderen Umstände!
    Bei den freien Parkplätzen vor der Haustür habe ich mich auch gefragt, ob es weniger sind, als im letzten Jahr, habe aber leider nicht das Gefühl.

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