Journal Samstag, 20. Februar 2021 – Wärmeeinbruch mit Folgen, völlig neuer Brotfehler

Sonntag, 21. Februar 2021 um 7:55

Ausgeschlafen, und das auch noch gut. In zwei Wochen wäre ich schon in der neuen Wohnung aufgewacht.

Draußen entfaltete sich ein herrlicher Sonnentag. Vormittags buk ich Brot (es wurde wieder eine Häusemer Bauerekrume) und strampelte Crosstrainer.

Beim Einschießen des Brots in den heißen Ofen passierte mir ein Missgeschick: Der Teigling rutschte vom Brotschieber auf die offene Ofentür. Ich wurschtelte ihn mithilfe des Schiebers irgendwie auf Backstein mit Backpapier. Das Ergebnis war – denkwürdig. (Und verdient ganz sicher einen eigenen Eintrag unter den Brotfehlern im Plötzblog.)

Von oben.

Von unten.
Aber hey! essbares Brot. (Das Backpapier ließ sich vorsichtig am Stück entfernen.)

Die Kochpläne des Wochenendes machten eine kurz Einkaufsrunde nötig. Das Draußen überraschte mich mit einem Wärmeeinbruch, statt des Ledermantels hätte ein Pulli genügt. Anblicke auf der Runde:
– Krokanten in allen verfügbaren Farben
– Spaghettiträger um nackte Schultern
– nackte Füße in Badelatschen
(Bonus: Wintergoldhähnchen im Nußbaumpark)

Als ich dieses Foto aufnahm, sah ich aus dem rechten Augenwinkel etwas Winziges heranflattern: Ein Wintergoldhähnchen, das ich dann noch ein wenig beim Turnen auf Tannenzweigen beobachten konnte.

Die Straßen und Wege des Glockenbachviertels waren so bevölkert (Eisdielen ZACK! offen), dass ich die FFP2-Maske lieber durchgehend trug, Abstand war praktisch unmöglich.

Frühstück um halb drei: Frische Semmeln.

Jetzt war aber Schluss mit lustig, es gab ja einen Umzug vorzubereiten. Gestern sortierte ich Geschirr und Gläser aus: Es wurden zwei Umzugskisten mit sorgsam in Zeitungspapier eingeschlagenen Dingen – vielleicht mal Teil des ersten eigenen Hausstands der nächsten Generation. Wegzuwerfen gab es auch wieder einiges (ich möchte gerne wissen, wer derart viele leere Schraubgläser für aufhebenswert hielt). Ich genoss es, dass ich während des gesamten Räumens, Sortierens und Hin- und Herlaufens die Balkontür offen lassen konnte.

Abendessen machte ich: Aus dem kleinen Kopf Weißkraut aus Ernteanteil wurden Krautfleckerl nach Österreich vegetarisch (sechste Auflage schon!), diesmal nach Langem mit selbst gemachten Fleckerl. Allerdings hätte ich mal besser meinen eigenen Notizen vertraut, die die „2-3 Esslöffel Wasser“ für den Nudelteig eingeklammert hatten. So vertraute ich dem eigentlichen Rezept – und bekam (wahrscheinlich wieder) zu weichen Nudelteig. Auch wenn ich Mehl nachknetete, war der Teig zu klebrig für die Nudelmaschine, ich walkte ihn mit dem Nudelholz auf viel Mehl aus. (Diesmal strich ich die Wasserzugabe im Kochbuch mit Kuli energisch durch).

Abendunterhaltung: Hail Caesar auf 3sat – ich schmiss mich auch bei der synchronisierten Fassung weg. Ich mag den Blödsinn der Brüder Coen schon arg gern, vor allem mit George Clooney als Volltrottel.

§

Das Buch Wir Kinder vom Bahnhof Zoo war in meiner Kindheit und Jugend sehr dominant. Ich entnehme den Medien, dass es als Serie neu verfilmt wurde und derzeit gezeigt wird. Ich bin ziemlich sicher, dass ich es damals las, wohl auf selbst hatte, erinnere mich allerdings nur an wenige Fragmente der Lektüre. Till Raether ist etwa in meinem Alter und lebte als Kind und Jugendlicher an genau den Orten, an denen die Handlung spielt. Er schrieb vergangenes Jahr auf, was eine erneute Lektüre mit ihm machte – und weckte viele Erinnerungen bei mir, obwohl ein Aufwachsen in Westberlin und Ingolstadt sehr, sehr unterschiedlich ist:
„Die große Schwester – Wiederbegegnung mit ‚Wir Kinder vom Bahnhof Zoo'“.

Unter anderem hatte ich vergessen, wie zentral damals die Angst vor den Abrutschen der Kinder in Drogensucht war, das Mitzählen von Drogentoten auf den Titelseiten der Zeitungen. Und wie noch selbstverständlicher Rassismus.

§

Zufall, dass ich auch gestern über eine eigene alte Bloggeschichte stolperte, die mich selbst ans Erinnern erinnerte – an meine Vergangenheit als Handleserin:
„Handlinien“.

die Kaltmamsell

5 Kommentare zu „Journal Samstag, 20. Februar 2021 – Wärmeeinbruch mit Folgen, völlig neuer Brotfehler“

  1. Isa meint:

    Mit viel Vergnügen hab ich den Beitrag über das Handlesen gelesen.

    Ich werde ein wohl kurzes, aber selbstbestimmtes Leben, gefangen zwischen Herz und Verstand führen.

    Vielleicht sollte ich dann so langsam auch die ein oder andere Ecke im Haus mal entrümpeln. Ich will es ja denen, die den Kram demnächst wegräumen müssen nicht zu schwer machen.

    ;-)

  2. Trulla meint:

    Wie gewohnt von Till Raether: gut zu lesender, sehr reflektierter, persönlicher Bericht.

    Ich erinnere diese Zeit auch, schon als Mutter, las die erschütternde Geschichte der Christiane F. im „Stern“ voll Mitleid mit diesen Kindern, die flüchteten vor ihrer realen Welt und doch nichts anderes fanden als eine, wie sich herausstellte, noch Schlimmere, weil fast ausweglose Drogen- und Missbrauchswelt.

    Die Befürchtung, die eigenen Kinder könnten – wie und warum auch immer – eines Tages auf eine derartige Schiene geraten, war nicht mehr undenkbar.

  3. Madamzonk meint:

    Krokanten? Heissen die nicht Kroküsse? Oder Kroken?

  4. die Kaltmamsell meint:

    KROKANTEN

  5. Trulla meint:

    Ich lerne immer gern dazu, allerdings dachte ich auch, dass die Krokanten eher im Schlaraffenland zu finden sind.

    Wir haben hier hoch im Norden die graue Stadt am Meer, Husum, zu der im Frühjahr (Vorpandemiezeiten) Besucherströme anreisen, um die besondere Menge der „Krokusse“, als solche auch beworben, zu bewundern.

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