Journal Freitag, 19. März 2021 – Weiterhin Schnee, erstes Kuchenbacken in neuer Küche

Samstag, 20. März 2021 um 8:47

Schon wieder verschlafen (um 10 Minuten), ich muss meinen Smartphone-Wecker näher heranrücken.

Draußen hielt sich der Winter, den ganzen Tag über schneite es immer wieder.

Hübsch, aber an einem 19. März komplett unnötig: verschneiter Bavariapark.

Im Büro ohne Ausweichbewegungen sofort die Panik-Aufgabe vom Vortag angegangen (mir war nachts ein Work-around eingefallen, der zum gewünschten Ergebnis führen konnte): Drei Stunden ultra-konzentriertes Arbeiten, jetzt sollte das hoffentlich erledigt sein.

Der Donnerstag fühlte sich ja abschließend wie Superdeppen-Fiasko an, dabei hatte er mit einem für mich typischen Erfolgserlebnis begonnen: Ich hatte ein komplexes, mittelgroßes Unternehmensproblem gelöst, das kaum jemand als Problem auf dem Schirm gehabt hatte. Gestern wurde ich cc gesetzt, wie jemand meine Lösung gleich praktisch anwendete, und das freute mich sehr. (Doppelte Arroganz: Ich fühle mich ersetzbar, weil ja ohne mich niemand diese Probleme hat, die ich ans Licht zerre. Und wenn sie ohne mich explodiert wären, hätte sie sicher auch niemand als wirklich schlimm empfunden – nur ich, SUPER-SHERLOCKINE, erkenne die ganze Tragweite.)

Heimweg in einem weiteren Schneegestöber, auch solche Anblicke halte ich für unangebracht:

Ich machte mich sofort ans Backen des ersten Kuchens in neuer Küche, eines „So backst du saftigen Nusskuchen besser als deine Oma“. Tatsächlich hatte mir nur das schlichte Rezept gefallen, der Text passt eh nicht dazu und sieht nach 90 Prozent SEO aus zur Maximierung von Traffic, den bereits seit vielen Jahren Algorithmen zusammenstellen statt Redakteurinnen. Nusskuchen besser als meine Oma zu backen, und hier fange ich gar nicht erst mit den Gender-Stereotypen an, die sich selbst 2021 backende Opas nicht vorstellen können, ist die einfachste Übung der Welt, denn meine spanische Yaya buk überhaupt keinen Kuchen (Kuchen kaufte man in Spanien zumindest damals zu besonderen Anlässen beim Bäcker oder in der Pastelería und machte ihn nicht selbst), meine polnische Oma ließ Kuchen grundsätzlich zu lange im Ofen, ihre waren immer sehr trocken.

Herr Kaltmamsell hatte sich Nusskuchen gewünscht, er bekam Nusskuchen (wenn auch mit gemahlenen Mandeln, weil die halt noch da waren). Die Handgriffe und Orte beim Backen müssen sich noch einrütteln in der neuen Küche. Ich fürchte, unser Brotkasten wird rausfliegen: Nimmt viel zu viel Platz weg an strategisch wichtigen Plätzen, wird dafür viel zu wenig genutzt.

Alkohol zum Einläuten des Wochenendes: Prosecco mit Aperol. Herr Kaltmamsell servierte das besonders hübsche und wohlschmeckende Nachtmahl:

Tahini-Hähnchen auf Hummus mit Kichererbsen-Chips, Frühlingszwiebeln und Knoblauch.

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Auch diese Folge maiLab empfehle ich sehr: „Wie sicher ist AstraZeneca wirklich?“

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https://youtu.be/oBLQmE-nG60

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In den meisten Hetero-Familien sind es die Mütter, die sich um die Haushaltslogistik kümmern, meist vom Rest der Familie ohne Anerkennung als selbstverständlich hingenommen. Ich weiß, dass sehr viele davon träumen, einfach mal ein paar Tage das ständige Hinterherräumen und -putzen bleiben zu lassen, um diesem Rest vor Augen zu führen, dass es nicht von allein passiert. Eine, @MissPotkin, hat es durchgezogen – und zum Glück für uns alle dokumentierte sie es auf Twitter.

die Kaltmamsell

9 Kommentare zu „Journal Freitag, 19. März 2021 – Weiterhin Schnee, erstes Kuchenbacken in neuer Küche“

  1. Hiwwelhubber meint:

    … also der kuchen klingt lecker – ist aber schon auch ein ganz simpler rührteig, oder? :D

  2. die Kaltmamsell meint:

    Nach meiner Definition schon, Hiwwelhubber.

  3. martini meint:

    Ich hab gar keine Lust mehr auf Frühstück, ich mach jetzt einfach gleich das Tahini Chicken.

  4. Croco meint:

    Dass der Haushalt in kurzer Zeit verlottert, ist nicht erstaunlich. Es waren immer die Mütter, die sich kümmerten. Warum sie das ohne Murren taten, ist mir bis heute nicht klar. Oder haben wir nicht zugehört?
    Hier ist alles arbeitsteilig geregelt, alles andere gibt Unfrieden. Klare Zuständigkeiten mit Ausnahmeregelungen. Meine Zusändigkeit bezieht sich auf alles vor dem Essen, Kochen, Decken, auch Nahrungsmittel besorgen. Dann kann ich gehen, und Herr croco räumt weg, spült ab, macht Ordnung. Wenn Herr croco Essen bringt, also Döner oder Pizza, räume ich weg. Seither ist Frieden.

  5. hafensonne meint:

    Hier ist auch alles friedlich ohne klare Aufteilung, es wird einfach immer zusammen überlegt, was getan werden muss, und dann, wer was macht. In der Tendenz bin ich für eine saubere Küche und fürs Kochen zuständig, die Frau macht Wäsche. Einkaufen gehen wir beide. Bäder und Fußböden erledigt eine Fachkraft für uns. Aber insgesamt würde ich sagen: Wir leben hier zusammen, also sind wir auch zusammen dafür zuständig.

    In einer ganz dunklen Erinnerung von mir hat dasnuf vor vielen Jahren auch mal so einen Versuch gestartet und mit einigem Humor verbloggt – ich glaube sogar, dass ich durch diesen Artikel auf sie aufmerksam geworden bin.

  6. Poupou meint:

    Danke für die Tahini Chicken Inspiration, ich brauchte noch eine Begleitung zu Backofen-Sellerie und hab es spontan nach gekocht – sehr fein!

    Liebe Grüße
    Poupou

  7. Pressepfarrerin meint:

    Super-Sherlockine wie Gutemine oder sind Sie eher so die fancy Sherlockyne?

  8. Alexandra meint:

    Danke für die fein schneekonturierte Schnecke, die herzwärmenden Tulpentupfen und nicht zuletzt für die verlinkte Impfentwirrung.

  9. die Kaltmamsell meint:

    Eher sowas Biederes mit Zöpfen statt Holmes-Hut-Ohrendingern, Pressepfarrerin.

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